Fuldaer Zeitung
Erschein« »SgNch mit Ausnahme Oer Sonn- und Jeierfage. Viertel- jährlicher Bezugspreis ohne Brlngertobn und Bestellgeld In Zulda sowie auswärts 1.50 Mark. •••• Rotationsdruck und Oerlag der - - Zuldaer flctienDrudterei In Zulda. Zemsprecher Nr. 9. ::
“ s Wodjen-Beilage: s s r s s ITIonats-Behage: z s Illustrierte SonntagszeHung i Fuldaer Seschichtsblätter s Ziehungslisten der preußisch-süddeutsch« Klaffen-totterie. — halbjährlich Taschenfahrplan, tt
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erstes Blatt
Mittwoch den 6. ttugust 1913
fir. 1S0.
40. Zahrgang.
o Großblocksehusucht.
Im Reichstag besteht bekanntlich gegenwärtig eine zwar schwache und unsichere Mehrheit der Linken. Auf ihren Bestand ist wenig Verlaß. Die Sozialdemokratie und ihre Schleppträger vom Fortschritt möchten nun diese Linksmehrheit im Reichstag sichern.
Sprachrohr für die Bestrebungen und Wünsche der Großblockliebhaber ist das Berliner Tageblatt. Dort meldet sich jetzt Herr Heinz Potthoff zu Wort und verlangt „eine festere Sicherung der Linksmehrheit, die diese Mehrheit von dem zusälligen Ausgang einzelner Wahlen unabhängig macht". Er meint, daß sich diese Mehrheit sehr leicht Herstellen und sestigen lasse, wenn eine Teilungdcrüber- großen Wahlkreise vorgenommen werde, daß ein Wahlkreis im Höchstfälle 300 000 Einwohner umfassen dürfe. Dadurch würden etwa zwanzig neue Mandate geschaffen werden in großstädtischen Wahlkreisen, die „fast alle im Besitze der Sozialdemokratie" sind. „Die zwanzig neuen Mandate würden wohl alle von der Linken erobert werden können." Ob die Mandate ihnen selbst oder der Sozialdemokratie zufallen, darauf kommt es den Fortschrittlern gar nicht mehr an; fühlen sie sich doch mit der Sozialdemokratie auf Gedeih und Verderb verbunden, und unter Brüdern nimmt mans nicht so genau.
Herr Heinz Potthoff schlägt darum vor, „daß die drei Parteien der Linken in der kommenden Tagung einen Gesetzentwurf annehmen, wonach kein Reichstagswahlkreis mehr als 300 000 Einwohner haben darf: daß sie dem Bundesrate eine Frist von höchstens einem Jahr zur Vorlage der Bestimmungen über die Teilung der Kreise und zur Annahme des Gesetzes geben; und daß sie im Falle des Widerstandes von den parlamentarischen Machtmitteln (namentlich dem Budgetrecht) den nötigen Gebrauch machen."
Interessant ist an diesem Vorschläge, daß mit ziemlicher Gewißheit auf die Mithilfe der- N a t i o- n allib oralen gerechnet wird. Allerdings meint auch Herr Potthoff, daß, „wenn die drei Parteien sich über das Ziel nicht einig werden und nicht von vornherein entschlossen sind, es unbedingt durchzusetzen, dann am besten die Finger davon lassen". Ueberhaupt wird den Nationalliberalen von den Großblocklüsternen noch nicht so recht getraut. Es mehren sich die Stimmen im nationalliberalen Lager, die dringend vor den verderblichen Wirkungen einer Großblockpolitik warnen.
Daß die Bildung eines Großblocks im Reichstag für den Liberalismus mit einer Verurteilung zur Unselbständigkeit und völligen Abhängigkeit von der Sozialdemokratie gleichbedeutend wäre, ergibt sich schon aus der Zahl und Stärke zwischen diesen beiden Gruppen. Die Sozialdemokratie mit ihren 111 Abgeordneten und ihrem unvermeidlichen Terrorismus würde die beiden liberalen Fraktionen mit ihren 91 Mitgliedern in allen Fragen ins Schlepptau nehmen. Zumal die alten Liberalen in der nationalliberalen Partei würden sich wohl kaum je in ein solches Abhängigkeitsverhältnis zur Sozialdemokratie begeben. Ihretwegen verlangt deshalb auch Herr Potthof zwanzig neue Mandate der Linken, um in jedem Fall eine sichere Linksmehrheit zu besitzen.
Ob aber auch die Jungliberalen sich so ohne weiteres auf den Großblockleim begeben werden? Der große und entscheidende Gegensatz ist schließlich nicht Hansabund und Bund der Landwirte, sondern Sozialdemokratie oder monarchisch-nationale Politik.
Dar Münchner Kindl.
59] Roman von Felix Nabor.
Aber der Blick schmetterte ihn nicht, wie sie geglaubt hatte, nieder. Er erhob im Gegenteil stolz das Haupt und sagte: „Was soll ich es leugnen? Ja — ich habe der Fürstin mein Werk gezeigt, und sie war begeistert davon. Denn sie ist meine Muse, mein Genius! Sie versteht mich, läßt mir, wo immer sie kann, Förderung angedeihen, sie hat den gleichen kühnen Hochflug der Gedanken wie ich — sollte ich sie daher nicht verehren?"
„Ist das Gefühl, das du ihr entgegenbringst, nur Verehrung? — Nicht mehr?"
Er wurde ber dieser Frage unsicher. „Ich — weiß es — nicht!" gab er zögernd zurück. „Von — von Liebe war zwisckien uns noch mit keinem Wort die Rede "
„Muß man denn dies gerade mit Worten sagen? — Ist nicht schon der Gedanke ein Treubruch?"
„Laß mich mit deinen Spitzfindigkeiten in Ruhe!" brauste er auf. „Du bist eben in allem kleinlich und spießbürgerlich. Du begreifst nicht meinen Geistesflug, meine Größe."
„Du hättest es mich lehren sollen, dich zu verstehen. Das war deine Pflicht als Gatte. Statt dessen hast du mich von Anfang an beiseite geschoben rote eine Puppe, hast mich ausgeschaltet aus deinem Denken und Schaffen. Glaubst du, daß dies nicht geschmerzt hat? Und dann deine glühende Begeisterung, deine schwärmerische Freundschaft für die Für- snn. das gab mir zu denken! Für sie hattest du alles übrig — für mich nichts! — Aber ich will an die Reinheit eurer Freundschaft glauben, will annehmen, als ob ich nichts wüßte, nichts gesehen hätte. Ich will unsere Ehe int Spiegel der Wahrheit betrachten. Um es kurz zu sagen: ich war in eurem Hause und in eurer Familie nur die untergeordnete, geduldete Magd, nicht aber deine Lebensgefährtin, deine Mitgenossin in Freud und Leid, an deinem Arbeiten und Streben. Eine Zeitlang schien es, als ob die Liebe unsere Ehe wie eine Sonne erleuchtete und er»
,01 Der sozialdemokratische Sand in der Staatsmaschine.
Eine Partei, welche die regierende Mehrheit zu stürzen sucht, um das Ruder in ihre eigene Hand zu bringen, handelt von ihrem Standpunkt aus vernünf- tig und regelrecht. Aber wenn eine Partei, die alte Mehrheit zerstört und die Regierung stürzt, um dann die Hände in die Hosentaschen zu stecken, die Mitarbeit an der Entwirrung abzulehnen und schadenfroh dem Versagen der Staatsmaschine zuzuschauen, so ist das ein frivoles Spiel mit den Interessen des Staates und des Volkes. So treibt es jetzt die So- zialdentokratie in Holland. Das Wahlbündnis, das die Liberalen mit ihr abgeschlossen hatten, ermöglichte ihr den Umsturz der Regierung und der Rechtsmehrheit. Als es nun galt, Hand anzulegen, um den verfahrenen Staatskarren wieder auf den Weg zu bringen, da verweigerten die Roten die Mitarbeit.
Das parlamentarische System, das in Holland herrscht, ist damit auf den toten Punkt gelangt. Das Ministerium soll aus der Mehrheit der zweiten Kammer genommen werden. Nun gibt's aber keine Mehr-, heit in der neugewählten Kammer. Die Rechte hat nur 45 von 100 Stimmen, und die Linke, die bei den Wahlen gemeinsam vorging, ist jetzt wieder zerfallen in 37 regierungssüchtige Liberalen und 18 Sozialdemokraten, die nur schimpfen, aber nicht schaffen wollen.
Woran liegt die Schuld? Zunächst an den l i b e r a” len Varteileitern, die schon bei Abschluß des Wahlbündnisses wußten, daß mit der Sozialdemokratie sich nur zerstören, aber nicht aufbauen ließe. Tann an jener Wählerschaft, die jetzt wegen irgend einer Verstimmung wegen Einzelheiten von der Rechten zur Linken übergelaufen ist. Auch diese schwankenden Charaktere unter der Wählerschaft hätten bei gehöriger Ueberlegung wissen müssen, daß der rosarote Wahlblock nicht regierungsfähig werden könnte. Vor 8 Jahren hatte ja Holland schon eine abschreckende Probe auf dieses Exempel gemacht. Die liberal-sozialistische Linke hatte damals ein Uebet- gewicbt von 2 Stimmen; man versuchte es mit einem liberalen Ministerium de Meester, aber es ging nicht. Tie Koalition der Rechtsparteien mußte mit dem Ministerium Heemskerk einspringen, um den Fortgang der Staatsgeschäfte und vernünftige Neuwahlen herbeizuführen. Die jüngsten Wahlen haben nun leider wieder einen Rückschlag ergeben. Es zeigt sich hier wie manchen anderen Ländern mit scharfen Parteigegensätzen, daß die Entscheidung nicht bei den vollbewußten und richtig organisierten Parteigefolgschaften liegt, sondern in jener Schar von schwankenden Gestalten, die durch die wechselnde Sttrnmung bald auf diese Seite, bald auf jene Seite geworfen werden. Kleinliche Gesichtspunkte und agitatorische Küiffte bestimmen schließlich die Staatspolitik. So wird Oxenstjerna's Ausspruch, daß die Welt mit verzweifelt wenig Verstand regiert werde, auch von dem vielgepriesenen modernen konstitutionellen System bestätigt. In Deutschland haben wir es ja auch erlebt, wie 1907 der charakterschwache Teil ber Wählerschaft sich für die Blockmehrheit einfangen ließ und 1912 diese Mitläufer-Massen so stark nach der äußersten Linken hin zurückfluteten, daß die Sozialdemokratie es auf 110 Mandate brachte. Die sog. parlamentarischen Ministerien sind wirklich auf Flugsand errichtet; die Mehrheit hängt ab von der Laune der Unverständigen. Gar zu leicht lassen letztere sich für die extreme Linke einfangen, weil die zersetzende Kritik sie blendet. „Es muß anders werden", heißt die Parole, wenn bann aber bie neue Aera beginnen soll, so haben bie „siegreichen" Volksverführer keine Lust und keine Kraft zu der erforderlichen Arbeitsleistung. Was sich als förderliches Oel für die Staats-
toärmte — bann aber erlosch biete Sonne! Du lebtest ausschließlich für anbere, für die Arbeit, für deinen Ehrgeiz, deinen Ruhm! Du stiegst auf der Leiter des Ruhmes empor — ich wurde das Opfer deines Ringens und Strebens, und mein Glück lag in Scherben an den goldenen Stufen, die du für dich erbaut hast. Ist es nicht fo?"
Er schwieg, nagte an der Unterlippe und verwünschte die Gründlichkeit, mit ber sie Abrechnung hielt. Am Enbe hatte er sich in ihr getäuscht; sie war wohl gar nicht so dumm und unbedeutend, als er gedacht hatte. Doch war es jetzt zu spät, hierüber Klarheit zu erhalten. Annie ließ ihn sich nicht entgleiten: mit einer Energie, die ihm fast unheimlich erschien, ging sie auf ihr Ziel los.
„Ich frage dich bei deiner Ehre," sagte, sie, „bei allem, was dir heilig ist: liebst du mich so, aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, wie es dir als bem Gatten zukommt?"
Er war durch diese Frage so verblüfft, als hätte sie ihm die Pistole auf die Brust gesetzt. Es gab keinen Ausweg, er mußte bie Wahrheit sagen. Zlber bas war unsäglich schwer; seine Ritterlichkeit verbot ihm, sie zu beleibigen, unb es widerstrebte ihm, ihr einzugestehen, baß sie ihm gleichgültig geworben war. So sagte er benn ausweichenb' „Frage nicht fo töricht! Wir sind doch nicht mehr in den Flitterwochen! Oder verlangst du etwa, daß ich dir eine Liebeserklärung mache mit gebogenen Knien!"
Jäh verstummte er; bie Szene im Atelier staub lebhaft vor seinem Geiste. — Dumm, daß er sich jetzt so verrannt hatte! —
Annies Augen richten fast drohend auf den seinen. „Du weichst mir aus," sagte sie. „Das ist ein Beweis, daß in deiner Bnist die heilige Flamme erloschen ist. Nun weiß ich die Wahrheit! Sie ist zwar schmerzlich und bitter, aber sie ist auch heilsam: sie drängt zum Entschlüsse, beendet das Maskenspiel zwischen uns. Glaube nicht, daß ich um Liebe bettle! O nein, dazu bin ich zu stolz. Da die Grundpfeiler einer christlichen Ehe: Liebe unb Vertrauen, erschüttert finb, ist bas Band zwischen uns zerriffen — durch deine Schuld! Ich will dir daher nicht länger im
maschine angepriesen hat, erweist sich als reibenden, lähmenden, zerstörenden Sand im Getriebe.
Die langweilige und verantwortungsvolle Arbeit für das Volkswohl überläßt man anderen; aber um so lauter erhebt man den Ruf nach Wahlreform, die dem Vorteil der eigenen Partei dienen soll. Der holländische Großblock und der badische Großblock stellen die eigennützige „Wahl- reform" vorne an. Das Wahlrecht muß so lange „verbessert" werden, bis die Linke die sichere Mehrheit hat. Ist das Ziel erreicht, so wird das Volk doch keinen Vorteil davon haben, denn ber „siegreiche" Großblock wird sich infolge seiner Durchsetzung mit Umsturzleuten arbeitsunfähig erweisen.
* Amsterdam, 5. Aug. 1913. Wie sich jetzt hetaus- stsllt, muß die Unzufrtedeuheit im sozialdemokratischen Saget über den Beschluß des aus der Kammergruppe, dem Parteivorstand und der Redaktion von „Het Volk" bestehenden Komitees, daß die Sozialdemokraten die Annahme eines Ministerfttzes ablehnen, derart gestiegen sein und sich auch geäußert haben, daß ber Parteivorstanb, wie bereits gemelbet, beschlossen bat, einen Landeskongreß ein zuberufen, ber enbgültig barüber zu entscheiden haben wird, ob ein Sozialdemokrat am Ministertisch Platz nehmen darf ober nicht. Es ist natürlich von vornherein ausgeschlossen, eine Vermutung über bie Entscheidung des Kongresses auszusprechen; fällt diese mit dem des Komitees zusammen, bann bauert bie Ministerkrise noch eine Zeitlang fort, int entgegengesetzten Fall sind brei Ministerportefeuilles ben Sozialbemokraten sichet, unb bann wirb Dt. Bos zum zweiten Male als Ka- binettsbilbner auf ber Bühne erscheinen. Inzwischen hat ber Staatsrat Cort van ber Sinben sich noch Bebenkzeit ausgebeten, ehe er ben Auftrag, ein außerparlamentarisches Kabinett zu bilben, annehmen wirb.
deutsches Reich.
* Berlin, 5. August 1913. Die Kaiserjacht .Hohen- zollern" mit Kaiser Wilhelm an Bord, pasiierte heute abend gegen 6 Uhr Kopenhagen. Die Forts fc-tten Salut. Die „tzohenzollern" hatte auf bet Rückreise eine gute Fahrt. — Der Staatssekretär des Aus- roättigen Amtes v. Jagow hat Berlin mit kurzem Urlaub »erlassen.
)( Besuch Kaiser Wilhelms am österreichischen Hof? Neuerdings tauchen wieder Gerüchte von Kaisetbesuchen beim österreichisch-ungarischen Thronfolger in Eckartsau und auch beim Kaiser Franz Joseph in Schönbrunn auf. Sie werden nach Erkundigungen des ,B. L.-A/ an maßgebender Stelle,in Berlin weder bestätigt noch in Abrede gestellt. Doch würden solche Besuche wohl nur in Verbindung mit einer Korfureife des Kaisers erfolgen, im Falle nämlich die Entwickelung der politischen Lage eine solche Reise noch im Spätherbst gestatten sollte
s. Der Alterspräsident des deutschen Reichstages nach dem Ableben des Zentrumsabgeordneten Dr. Lender tft der polnische Abg. Fürst Radziwill, der Vorsitzende der polnischen Reichstagsfraktion. Er ist geboten am 19. Oktober 1834 in Berlin, steht also im 79. Lebensjahre. Der nächstäiteste Abgeordnete ist ebenfalls ein Pole, Herr v. Czarlinski. Es ist also anzunehmen, daß das Altersptäsidium in diesem Reichstage, das ja bei Beginn einer neuen Session in Wirkung treten würde, vorläufig in polni;chen Händen bleibt. Der drittälteste Reichstagsabgeordnete ist dann Bebel.
)( Die Kosten des modernen Feldartillerie-Materials. Bei dem Krupp-Prozeß beruht der Kern der Sache darin, daß die Firma Krupp durch ihr Berliner Bureau die Preise der Geschütze, die von ihrer Konkurrenz geliefert wurden, zu erfahren suchte. Diese Preise werden von ben Geschützfabtiken naturgemäß möglichst geheim gehalten. Es ist bähet be-
Wege sein, ich mache bit bie Bahn frei, baß bu ungehemmt beinern hohen Ziele zustteben kannst: ich gehe!"
„Annie!" schrie er auf, „Du willst mir einen Skandal provozieren?"
Ja — da kam seine kalte, egoistische Natur wieder so recht zum Vorschein: die öffentliche Meinung, das Prestige seiner Familie und seines Namens ging ihm über alles, ging ihm sogar über das zertrümmerte Glück, über das gebrochene Hetz seines Weibes.
Annie lächelte schmerzlich. „Fürchte nichts," sagte sie. „An den goldenen Lettern deines glorreichen Namens soll auch nicht mit einem Finget gerührt werden! Ich gehe in aller Stille — zu meinem Vater! Dadurch wird dem böswilligen Klatsch die Spitze abgebrochen, du aber bist — frei!"
llebcrtoältigt von ihrer Größe, die er erst in diesem Augenblick erkannte, beugte er das Haupt.
Annie stand, von weißem Licht übergossen, wie eine Statue aus Marmot vor ihm — rein, weiß und makellos. Ihre Blicke sagten ihm: „Gehe! Du hast mein Glück zerbrochen! Wir haben nichts mehr miteinander gemein!"
Da ging er, weil er sich unwürdig fühlte, fürderhin das Paradies dieser reinen Frau zu betreten.
XVII.
Der Stein wat im Rollen.
Seit Annie die Aussprache mit Hardy gehabt hatte, fühlte sie sich erleichtert, freier. Ein ruhiges Leben in einem stillen Winkel der Heimat dünkte ihr das beste Los, nachdem sie auf dem bewegten Meere des Lebens so grausam Schiffbruch gelitten hatte. Alle Hoffnungen ihres Lebens begrub sie unter ben Trümmern ihres Glückes; wunschlos, aber auch freudlos, lebte sie dahin. Wenn sie aber des FruhlingS- traumes ihrer Seele und ihrer tiefen, reinen Liebe zu dem Manne gedachte, dem sie gefolgt war und der sie inmitten dec brandenden Wellen des Lebensmeeres allein gelassen, ja sie sogar von sich gestoßen hatte, so krampfte sich, ihr Hetz zusammen, und sie haßte das Schicksal, das ihr die schönsten Blüten zerstört hatte. Denn von all ihrem Glück war ihr nichts geblieben
sonders interessant, wenn solche Angaben einmal bekannt werden. Ein ausländischer Staat hat, wie die Kriegerbundszeitung mitzuteilen in der Sage ist, fein neuestes Feldartilleriematerial aus einer französischen Waffenfabrik bezogen und dafür folgende Preise zahlen müssen: für das Geschütz 13 200 Mark, für den Munitionswagen 4800 Mark, für den Batteriewagen 5200 Mark, für die Feldschmiede 2880 Mark, für den Futterwagen 1840 Mark, für bie fertige Geschützpatrone 22,40 Mark. Hiernach stellt sich eine komplette Batterie von 4 Geschützen, 12 Munitionswagen unb Reservefahrzeugen, bei einer Munitionsausrüstung von 312 Schuß per Geschütz auf runb 148 000 Mark. Dieser Preis ist verhältnismäßig niebrig unb nur burch bie große Konkurrenz zu erklären, bie sich bie Fabriken untereinanber in rücksichtsloser Weise machen. Früher haben nicht selten bie Kosten für eine vollstänbige Batterie bie ansehnliche Höhe von 200 000 bis 240 000 Mark erreicht. Was bie Dauerhaftigkeit bes Materials anlangt, fo nimmt man an, baß ein Geschützrohr 4000—5000 scharfe Schüsse aushält. Dann muß es burch ein neues ersetzt werben.
* eine wesentliche Verbesserung der Beförderungs- veihältnisie der Zahlmeister dürfte, wie wir in der. ,Voss. Ztg.' lesen, durch die Bewilligung der in der Wehrvorlage geschaffenen Stellen ber „Zahlmeister beim Regimentsstabe" eintreten. Im ganzen sind 347 solche besonderen Zahlmeifierstellen (302 für Preußen, 30 für das sächsische und 15 für das württembergische Kontingents für die Bekleidungswirtschaft bei den Regimentsstäben geschaffen worden, was eine Vermehrung der vorhandenen Zahlmeisterstellen um mehr als ein Drittel bedeutet. Außer den 347 für die Regimentsbekleidungswirt- schäft bestimmten Oberzahlmeistern und Zahlmeistern werden vom 1. Oktober an weitere 34 Stellen (30 für Preußen, 3 für das sächsische unb 1 für das württembergische Kontingent) für diese Militärbeamten eingerichtet, die für neue Pionierbataillone, die dritten Bataillone, die sechs neuen Kavallerieregimenter und die neuen Bataillone der Verkehrstruppen notwendig werden.
Fortschritte auf bem Gebiete des Beamtenrechts. Die südbeutschen Staaten, so Bayern unb Baden, haben in den letzten Jahren sich ein neues Beamtenrecht geschaffen. Wenn darin auch nicht alle Wünsche des organifierten Beamtentums erfüllt sind — es weisen auch diese neuen Gesetze, besonders was die staatsbürgerliche Stellung der Beamten angeht, Mängel auf — fo hat doch eine Reihe von Wünschen Berücksichtigung gefunden. Da im Reich und Preußen verlautet, eine Reform der Personalakten stehe bevor, dürfte es von Interesse sein zu erfahren, daß man in Bayern die Einrichtung ber geheimen Personalakten schon länger verlassen hat. , Dte Bekanntgabe ber dienstlichen Qualifikation ist gesetzlich vorgeschrieben, währenb im Reich unb in Preußen ber Beamte von seinen Personalakten nur Kenntnis erhält hinsichtlich Urlaub, Krankheit, Strafen unb Prüfungsergebnisse. Natürlich bilbet bie Qualifikation ben weitaus wichtigsten Bestandteil eines Personalakts, weil davon ja schließlich das ganze Vorrücken und die gesamte Beurteilung der Seistungsfähigkeit des Beamten abhängt. Im ein» zelnen werden in Bayern die Vorschriften über bie Qualifikation ber Beamten von ber Staatsregierung erlassen. Auf Verlangen ist dem Beamten der wesent» liche Inhalt dec Einträge dieser Qualifikationsbe» richte bekannt zu geben. Gegen die Einträge ist Be-> schwerde zulässig. Die bayerischen Verkehrsverwaltungen haben auch bei der Ausstellung der Qualifikationsbestimmungen den Wünschen dec Beamtenorganisationen umsaffend Rechnung getragen. Im preußischen Kriegsministerium besteht zurzeit das Verfahren, den Beamten von ungünstigen Eintra» gütigen Kenntnis zu geben. In das Reichskolonial»
als Scherben und ein armes, gequältes, einsames Herz.
Nun stand sie allein in der Welt. Nur ihren Vater hatte sie noch, ihren guten, liebenPapa, ber auch litt, zu bem sie flüchten wollte. Vielleicht konnte fte ihn von seinem Kummer heilen, bann hatte sie wemg- stens noch eine Aufgabe im Leben. O, sie wollte ihn mit aller Siebe umgeben, bereu ihr gemartertes Herz noch fähig war, sie wollte ihm feine Tage verschönen unb ihr ganzes Seben ihm weihen.
Aus biesem Meec ihrer Gesühle heraus schrieb sie ihm einen herzlichen Brief unb stellte ihm ihr bal» biges Kommen in Aussicht; bann wollte sie ihm alles sagen, alles.
So sehr Professor Pirkheimer von Annies Schreiben erfreut würbe, ebensosehr erschrak er auch, als ex es las. Wie bürste er, ber mit so schwerer Schuld beloben war, vor sein reines Kinb treten?
Er bilbete sich beständig ein, mitschuldig am Tode seines Freundes zu sein, weil er ihn nicht rechtzeitig gewarnt, weil er nicht eingegriffen und das Verbrechen Marguerites verhütet hatte. Dieser Gedanke wuchs sich zur fixen Idee aus und ließ ihm kein« Ruhe mehr bei Tag und bei Nacht. Er glaubte, man müßte es ihm auf der Stirne ablefen, welche entsetz, lichen Gedanken hinter derselben brüteten.
Und nun kam gar noch seine Annie, fein Kind!
Würden ihre Hellen Augen das furchtbare Geheimnis erraten, das er mit sich durchs Seben schleppte? Ehe sie kam, mußte Klarheit werden, ei mußte irgendeinen Entschluß fassen.
Er irrte im Sonnenbrand durch die Stadt und suchte einen Weg aus dem entsetzlichen Sahyrinth sei. ner Gedanken. Und sand keinen.
Da lenkte er, wie fast jeden Tag, seine Schritte zum Grabe des toten Freundes. Dieser Gang war für ihn stets ein Bußweg, um die Schuld zu sühnen, die er auf sich geladen hatte, die ihn niederdrückte unb ihm alle Lebensfreude raubte.
Als et vor dem Grabe stand, war es ihm, als rede et mit dem Toten, als könne dieser hören, war er sprach; er bekannte ihm seine Schuld, bat ihn um Verzeihung. (Fortsetzung folgt.)