Fuldaer Zeitung
erschein» »glich mit nusHntjme oer Sonn- unö Selertoge. viertel- jührlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Zulda sowie auswärts 1.50 Mark. •••• Rotationsdruck und Verlag der - - Zuldoer flctienbrudrerel in Zulüo. Zemfprecher Nr. 9. ::
Nr. 179. erstes Blatt.
~ ~ wochm-veilage: s 5 | s s HIonats-Beimge: s s Illustrierte Sonnfagszeifung I Zuldaer Seschichtsblätter
s Ziehungslisten der preußisch-süddeutsche» KlofTen-Iotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan, n
Dienstag den 5. August
Mnielgtn: Per Rannt einer einspaltigen Coloneheile, 47 em breit, kostet Ijpfc. Reklamen: Der Raum einer Coloneljeile, 74 mm breit, kostet 40 Pfg. Bei Wleietholungen Rabatt. $ür Offert- unö fiuskunttonjeiaen 20 Pf. extra. 3n Konkurs fällen wirb her bewllllate Rabatt hinfällig. Erfüllungsort, für bas €ln- klagen oon $orberungen Ist $ulba. flnfelgen-ßnnabme bis 10 Uhr vormittags. :: u 6rötere stn?eigen erbitten wir uns tags vorher. u »
40. Zahrgang.
Auf nadj Metz!
Die Tage der Generalversammlung nahen heran. In Metz sind die Bürgert der Hauptstraßen zusammengetreten, um die Ausschmückung einheitlich zu gestalten, und zwar nach den Plänen der Architekten Demer und Ochs. Der Hallenbau macht große Fortschritte; der worübergehende Streik der Metzer Zimmerleute hat. keine Verzögerung verursacht. Die Ehrentribüne unterhalb der Esplanade, ivo der Festzug vorüberziehen, wird, steht bereits fertig da.
Tie ständigen Mitglieder haben alle ihre Karten erhalten, die bestellten Festschriften sind versandt, die Führer, deren Voraussendung gewünscht wird, gelangen jedesmal sofort zur Versendung. Die ständigen Mitglieder, deren Name, Titel, Stand oder Wohnort auf den Umschlägen oder in den Verzeichnissen Fehler aufweisen- sollte, sind inständig gebeten, der Finanz- und Anmeldekommisswn davon Mitteilung zu machen. Zwar hat die Kommission mit Aufwand großer Mühe» die Reinigung der Liste borgenommen, aber sie wird doch noch immer Mängel enthalten. Am besten sendet man eine Visitenkarte oder einen Stempeldruü ein.
Durch die konsequent durchgeführte Reinigung der Liste — Streichung längst oder jüngst verstorbener Mitglieder, Ausmerzuwg von solchen, welche die Annahme, oft schon seit Jahren, verweigern, ist die Zahl der ständigen Mitglieder zurückgegangen. Es ist darum Ehrenpflicht der Katholiken Deutschlands, durch Neubeitritte die alte Zshl wieder zu erreichen und zu übertreffen.
An einmaligen Mitgliedern haben sich bis setzt etwa tausend gemeldet, eine erfreuliche Zahl, wenn inan bedenkt, daß in Lothringen die Lage nicht so günstig wie sonstwo und daß noch viele Anmeldungen in den letzten 14 Tagen erfolgen werden. Viel Nachfrage besteht auch nach Damenkarten, sodaß die vorhergesehene Galerie Wohl nicht ausreichen wird und vielleicht ein weiterer Block in Angriff genommen werden muß. Viel Verständnis für die Tagung zeigen auch die zahlreichen weiblichen Ordensgenos- sensckiaften in Lothringen, welche Vertreterinnen in die Versammlung entsenden werden.
Für den Sonntag sind bereits etwa 28 000 Personen zur Beförderung mit Sonderzügen an- gemcldet. Daneben kommen noch die vielen Besucher aus der Umgegend und die zahlreichen Rrisen- ven, die mit den gewöhnlichen Zügen fahren. Die Teilnehmer am Festzuge tragen "die Konstantms- medaille, eine künstlerisch überaus geschmackvoll gehaltene Münze zur Erinnerung an das große Jubiläum. Wenn der Zug dieses Jahr vielleicht nicht so fiel Teilnehmer umfaßt wie früher, fo liegt das auch int Wunsche des Zentralkomitees, welches das unheimliche Arrsckwellen der Züge vermieden wissen wollte, und im Interesse der Fremden selbst, die man nicht übermäßig ermüden darf.
Draußen hat man vielfach die Meinung, in Metz seien die Wohnungsverhältnisse ungünstig. Gewiß ist die alte Festung nicht mit modernen Großstädten zu vergleichen, aber die Auflassung der Wälle hat doch viele neue Hotels und Wohnungen geschaffen, und auch die Vorstädte sind bequem zu erreichen Insbesondere ist gut für Massenguartiere gesorgt. In dem prächtigen Neubau der städtischen höheren Mädchenschule, unweit der Festhalle, und nötigenfalls in der neuen Turnhalle der Nachbargcmeinde Sablon — durch die elektrische Straßenbahn bequem zu erreichen — stehen komvlette saubere Betten mit Bettstelle für 1 Mark die Person und die Nacht zur Verfügung; die Mehrkosten trägt das Lokalkomitee. Die Karten für jede Nacht werden vorher gelöst und beim Betreten des Quartiers abgenommen. Bereits haben etwa 100 Studenten und mehrere Hundert Festteilnehmer, die mehrere Tage bleiben wollen, von diesem Angebot Gebrauch gemacht. Aber noch
Das Münchner KinöL
58] Roman von Felix Nabor.
„München soll leben!" sagte Puck und hob den Kelch mit goldigem Rheinwein. Ihre Gläser trafen sich, und es gab einen leisen, feinen Ton, als wenn ein silbernes Glöcklein läutet. Und bei diesem süßen Klingen und während ihre Blicke ineinander tauchten, .erblühte ihre Jugendfreundschaft aufs neue, und in chren Herzen stand die reine, ungetrübte Freude.
Pnck würzte das Gespräch mit einigen Künstler- Anekdoten, so dätz Annie leise lachte.
Dann aber zuckte sie plötzlich zusammen. Hardy 6. Sandow war eingetreten. Mit der ihm eigenen Hast eilte er auf einen reservierten Tisch zu, nahm Plag und vertiefte sich, nachdem er seine Bestellung gemacht hatte, in die Zeitung.
Annie deutete hinüber. „Da ist mein Mann", sagte sie. „Ist das nicht komisch, daß wir in dem- elben Restaurant sind, ohne daß sich eins ums rndere kümmert?"
„Vielleicht entdeckt er Dich und kommt herüber", sagte Puck.
„Glaube das nicht! — Er ist schon wieder bei seinem großen Werke und sucht ohne Zweifel diesbezügliche Notizen."
Während sie sprach, wich ihre vorige Heiterkeit und machte einer ängstlichen Nervosität Platz, die Puck nicht entging. „Wir wollen lieber gehen", sagte er. „Ein Zusammentreffen mit Deinem Manne wäre mir peinlich." Er bezahlte die Rechnung, Annie blickte nach dem Eingang und vermochte nur mit höchster Willenskraft einen Schrei zu unterdrücken — die Fürstin Ostrawitz war eingetreten, ging auf den Tisch zu, an dem Hardy saß, und sie begrüßten sich herzlich.
Ann litt es Annie nicht mehr hier. „Also so weit ist es schon", dachte sie, „daß sie sich hier treffen, weil sie keinen Tag ohne einander sein können!"
Rasch drängte sie mit Puck zum Ausgang, vergaß Ü>agr den Gruß des Türbüters ru erwidern und Ver
ist reichlich Platz vorhanden. Möge man sich daher bis spätestens 10. August an die Wohnungskommis- swn wenden; genaue Angabe des Namens, Wohnortes, des Datums für die betr. Nacht oder flächte ist erforderlich. Das Geld ist vorher einzusenden oder wird durch Nachnahme erhoben.
In der Festhalle findet bereits Samstag, 16. August — der 15. August ist in Elsaß-Lothringcn gesetzlicher und kirchlicher Feiertag — eine Generalprobe statt, bei der die Gesänge des Begrüßungsabends und der Pontifikalämter zur Aufführung gelangen; Eintrittskarten dazu werden zu billigem Preise ausgcgeben. Auf der Esplanade werden drei Restaurationen eingerichtet, davon zwei nur für den Sonntag. Die Esplanade wird jeden Abend elektrisch beleuchtet werden, während im Kiosk Konzert siatt- findet. Dienstag oder Mittwoch wird auf der Sym- phorieninsel ein Feuerwerk abgebrannt, dessen Beobachtung von der Moselanlage und der Esplanade aus sehr bequem ist. Das F e st sie s s e n am Donnerstag, 21. August, findet im herrlichen Terminus- saale statt; Eintrittskarten zu 5 Mk. das trockene Gedeck möge man rechtzeitig bei der Finanz- und Anmeldckommission, Bankier C. Neumont, bestellen, der auch alle sonstigen Karten liefert. Altarkarten möge man bei Herrn Erzpriester Müller, Zicgen- straße, bestellen; es sieben 53 Kirchen oder Kapellen mit 140 Altären zur Verfügung.
Eine ganze Reihe von hervorragenden und bekannten Persönlichkeiten hat sich bereits angesagt, u. a : die Bischöfe von Straßburg, Speyer, Trier und Luxemburg, der Weihbischof von Paderborn, Bischof Spreiter Apoftolischer Vikar von Tar- es-Salaam, die Prälaten Scharmer. Generalvikar von Kulm, Beckschäfer aus Osnabrück, Brenner aus Rom, Ernszt aus Budapest, Müller-Simonis aus Straßburg, Pieper aus M.-Gladbach, Szadowski aus Königsberg; Werthmann aus Freiburg, Graf Droste zu Vischering, Fürst Alois zu Löwenstein. Friedrich Graf von Galen, Freiherr Dalwiqk zu Lichtcnfels, Baron von Radeckc. Baron Henri de Miscault. Klemens Freiherr v. Oer, zwei Freiherren von Schor- lemer, Graf Villers; die Abaeordneten v. Saviqny, v. Steinacker, Cahenslv. Herold, Giesberts, Gießlec, Hauptmann, Marx. Schmitt-Mainz, Gröber, Trim- born, Erzberger, Koßmann, aus Elsaü-Lothrtngen die Abgeordneten Haust, Weber, Delsor Schott. Hoen, Dr. Müller-Thann. Dr. Müller-Saarburg, Dr. Pfle. ger. Hessemann, Kübler, Ley. Als Vertreter Dcl- oiens kommt der Abgeordnete Brisant, als Vertreter Oesterreichs Freiherr v. Fuchs, aus Luxemburg Pro- sesior Meyers.
veutsckes Keich.
* Beilin, 4. Aug. 1913. Die Abreise des Kaisers von Bergen erldlgte schon am Nachmittag um 21/, Uhr, die Ankunft in Swinemiinde mied am Mittwoch morgen erfolgen. — Der Reichsanzcigbr veröffentlicht das Gesetz zur Abänderung des Reichsmilitär« gesetzes sowie des Gesetzes über die Aenderungen der Wehrpflicht vom 11. Februar 1888. Nach dem grundlegenden Parapraphen des neuen Gesetzes können Personen, die keinem Staate angehören, wenn sie sich im Reichsgebiet ober in einem Schutzgebiet dauernd aufhalten, zur Erfüllung der Wehrpflicht wie Deutsche herangezogen werden.
+ Tie Bildung eines „fliegenden Geschwaders", das jederzeit z r Veuüoung steht, um gesäbrdetc deutsche Interessen tm Auslande zu schützen, ist, wie die,Tägl. Rundschau' erfährt, jetzt endlich in Aussicht genommen. Damit gelangt em drmaender Wunsch unserer Ausländsdeutschen und der heimischen Industrie und des Handels zur Verwirklichung. Nach der Marinevorlaae vom Jahre 1906 sollen zum
abschiedete sich draußen so schnell von Puck, daß dieser verioundert den Kopf schüttelte.
Sie nahm eine Autodroschke und ließ sich nach Hause fahren.
An diesem Abend erwartete Annie die Heimkehr ihres Gatten. Sic wollte dieser Ungewißheit ein Ende machen und eine Aussprache herbeiführen; es mußte endlich Klarheit zwischen ihnen werden, dann nahmen vielleicht auch die Qualen, die sie in diesem Hause litt, ein Ende. Sie wollte Hardy mitteilen, daß sie die Scheidung ihrer Ehe beantragen werde. Er sollte den Weg sreibekommen.
Stunde um Stunde verrann. Totenstille herrschte im Hause. Nur die Standuhr hob regelmäßig zum Stundenschlage aus, und der tiefe Nachhall des Gongs zitterte wie Geisterhauch durch das Gemach.
Alle Bitterkeit und aller Schmerz ihrer kurzen Ehe drängten fick in diesen Stunden noch einmal zusammen und drohten ihr das Herz zu brechen. Aber als Hardy endlich gegen Mitternacht kam, hatte sie sich so weit gefaßt, daß sie ihm mit Ruhe entgegen- treten konnte.
Er war aufs höchste erstaunt, daß sie noch wachte und snhr sic unwillig an: „Was ist denn das für eine Art? Tu solltest längst zu Bette sein!"
„Ich erwartete Dich, um mit Dir zu reden", sagte sie kühl und bestimmt. „Und da ich Dich unter Tags nie zu sehen bekomme, so blieb mir nur dieser Weg übrig."
„Was fällt Dir denn ein?" brauste er auf. „Ich hin abgehetzt und müde, glaubst Du, daß ich da um Mitternacht noch Lust habe, eine Gardinenpredigt anzuhören? — Danke. Ich gehe schlafen!"
„Tu es nicht. Hör' mich erst an. Es handelt ich um unsere Zukunst, um unser Glück!"
„Gott, nun wirst Du tragisch", sagte er und gähnte. „Fürs Tragische bin ich just nicht gestimmt. Schlafen, schlafen! Morgen reden wir dann!"
„Morgen wirft Du wieder keine Zeit für mich haben."
„Möglich, möglich! Es ist ja die reinste. Parforcejagd!— Also morgen!"
Schutze der deutschen Auslandsinteressen vier große Kreuzer als Stationäre und vier große Steurer als Kreuzergeichwader dienen. Das frühere '„fliegende Geschwader" wurde zu Anfang der neunziger Jahre nach Ostasien geschickt und mußte dort gelassen werden, da die Ereignisse in Ostasien die dauernde Anwesenheit einer ansehnlicheren deutschen Flotten- macht erforderten. Von den zu Stationären bestimmten Kreuzern sind inzwischen zwei zum Ost- asiatischen Geschwader gekommen. Ferner sind aus dem Bestände der großen Kreuzer seinerzeit fünf für Schulsch ffzwecke herausgenommen worden. Diese Kreuzer fehlen daher solange, bis die Ersatzbauten fertig sind. Das dauert aber mindestens noch 8'/, Jahre. Als die Ereignisse auf dem Balkan es notwendig machten, zum Schutze der Deutschen Schiffe nach dem Mittelmcer zu entsenden, war man gezwungen, den großen Kreuzer „Goeben" aus dem Verbände der Hör,seeflotte herauszunehmen und nach dem Kriegsschauplatz zu entsenden, da andere geeignete Kreuzer nicht zur Verfügung standen. Um dem dringenoen Bed-rmis nach einem jederzeit verfügungsbereiten Kreuzergeschwader abzuhelfen, das überall dort rasch elfcheineu kann, wo deutsche Jntereffeu bedroht sind, hat sich die Marineverwaltung entschlossen, den Kreuzer „Zsork", der bis jetzt den Aufklärungsschiffen der Hochseeflotte angehört, umbauen zu lassen, damit er der ihm zugebachten Aufgabe gewachsen ist. Dem beratt umgebauten „Aork" werden noch ein paar kleine Kreuzer zugeteitt werben, unb von Frühjahr 1914 ab sind wir daher in der Lage, über em jederzeit verwendbares „fliegendes Geschwader" zu verfügen.
* Wetterkunde und Kaistrmanöver. Die starke Vcrirenwng von Luftschiffen und Flugzeugen im Kaisermanöver hat, wie dem „Tag' mitgeteilt wird, eine neue Maßnahme notwendig gemacht, nämlich die Verwendung eines Meteorologen. Es besteht die Absicht, die Wetterkunde, die it der Kriegsführung eine bedeutende Rolle spielt, schon im Kaisermanöver in den Dienst des Heeres zu stellen. Im vorigen Jahre war auch bereits ein Meteorologe bei den Kaisermanövern tätig, um bei der Verwendung der Luftschiffer und Flieger der Heeresleitung beratend zur Seile zu stehen. Er halte die Ausgabe, die Flieger zu warnen, wenn Stürme in Aussicht standen, damit nicht die Fliegeroffiziere ihr Leben in Gefahr bringen. Zwar läßt sich diese Maßnahme tm Kriege nicht anwenven, da im Kriege Opfir gebracht werden müssen. Trotzdem ist es aber im Kriege bisweilen von Bedeutung, das Wetter vorher zu kennen, da bei starken Stürmen nutzlose Opser, die leinen Erfolg versprechen können, auch im utiege nicht gebracht zu werden brauchen. Die erhöhte Bedeutung, die der Wetterkunde bei den * diesjährigen Kaisermanövern betgemenen wird, geht daraus hervor, daß ein besonderes Lastaulomobil für den Dienst der Wetterbeobachtung beordert worden ist. Auch die drahtlose Telegraphie wird der Meteorologie im Kaisermanöver nutzbar gemacht werden, damit die Wettervorhersagen |o zuverlässig wie möglich sind. Für die Kaiser- manöver ist der Wetterdienst insofern von Bedeutung, als vorher feftgefleUt werden kann, ob Regen oder große Hitze in den nächsten Tagen vorherrscheil wird. Es können mit Hilfe der Wetterkunde genauere Berechnungen über die Marschzeiten der Truppen und die der Bagagen und Verpflegungskolonien gemacht werden. Diese Hebungen im Kaisermanöver sind natürlich nur eine Vorstufe für die Verwendung des Wetterdienstes tm Kriege.
)(Tic Postnschen Guter des Großherzogs von Weimar. Der Großherzog ro > Sachsen-Weimar Hal die vor örctmeitel Jahren erstandenen von Taczavowsklschen Rittergüter Cyorm, Jerka und Kalarzynowo im Kreise Kosten in Größe von rund 50^0 Morgen an die Königliche Ansiedelung-kommission verkauft. Diese wird die Güler in ein Ansiedelungrrentengut um» wandeln.
„Nein — heute. In dieser Stunde.- Wir wollen Abrechming halten, denn unser Eheleben verlangt dies!"
Nun horchte er auf. „Ei, was hast du zu klagen? Hast du nicht einen angesehenen Namen, eine hervorragende Stellung in der Gesellschaft, ein angenehmes Heim?"
„Ja, doch! — Aber ich habe — keinen Gatten!"
„Na — aber ich bitt' dich! So etwas zu sagen! — Soll ich etwa zu deinen Füßen sitzen und am Rocken spinnen? — Nein, danke! Die Arbeit nimmt mich so in Anspruch — ab, du hast ja davon keine Ahnung! Die reinste Maschine ist man! Da müssen die Räder laufen von morgens sechs bis Mitternacht."
„Nimmt dich denn nur die Arbeit in Anspruch? — Du gehst doch auch in den Klub, ins Cafs, ins Theater, ins Restaurant, nicht?
Er lachte zornig. „Na hör' mal, du bist ja der reinste Untersuchungsrichter. Natürlich gehe ich auch mal da und dort hin — ich kann doch nicht von Lust leben."
„Nein! — Und heute wirst du Wohl auch nicht bis elf Uhr im Bureau gewesen sein?"
„Nein, ich habe bei Dresse! soupiert, mit ein paar Freunden. Herrgott, wer war's nur gleich! — Ah, mein Kopf ist so voll von Ideen und Plänen, daß das Alltägliche keinen Platz mehr darin hat."
„Es sind da Wohl auch Damen dabei?"
Ein sunkelnder Blick traf sie. „Damen? — Nein!" „O doch! — Heute zum Beispiel."
„Zum Donner, wenn ich dir aber sage — nein!" „Ich habe sie selbst gefehen!"
„Du?" —
„Ja — ich! Ich war nämlich auch bei ®reffet. Ich traf zufällig einen Jugendfreund, den Maler Puck, dessen du dich vielleicht noch erinnern wirst."
„Puck — Puck! — Ach ja, der Hansnarr. Nette Geschichten das "
„Du brauchst dir nichts Schlimmes dabei zu denken. Uebrigens habe ich dir davon Mitteilung gemacht, ehe ich zu Dreffel ging. Den Brief legte ich auf deinen Schreibtisch."
gk Die Spaltung der „gelben Gewerkschaften" ist jetzt Tatsache geworden. Die sogenannte Berliner Richtung hat ihren Austritt aus dem Bund „Deutscher Werkvereine" vollzogen. Die gelbenfreundliche Presse tröstet sich mit dem Umstand, daß der Berliner gelbe Verein Sanitas dem Bunde treu geblieben sei, die andern werden als Abtrünnige betrachtet. Die abgeschwenkten Berliner Vereine dagegen nehmen für sich in Anspruch, die richtigen Gelben zu sein und haben für die als „Jndustriesklaven" charakterisierten Westdeutschen Gelben die neue Bezeichnung „Die Grauen" geprägt. Die Scheidung zwischen Gelben und Grauen bedeutet für den Bund Deutscher Werkvereine einen schweren Verlust. Die Berliner gelben Vereine zählen etwa 40 000 Mitglieder. Wenn sie auch di- Trennung nicht alle mitgemacht haben, so wird das ausgeglichen durch die Vereine außerhalb Berlins, die int Gegensatz zu den Grauen stehen In Augsburg ist die Gesamtmitgliederzahl des Bundes Deutscher Werkvereine mit 110 000 angegeben worden, so daß ein Verlust von zirka 40 000 eine schwere Einbuße bedeutet, abgesehen von der moralischen Zerklüftung, von der die gelbe Bewegung betroffen ist.
* Neue Lanzengriffe. Nach den Kaisermanövern soll, wie wir in der,Voff. Ztg.' lesen, in Berlin eine Sonderkommission zur Neubearbeitung der Von schriften für die Waffenübungen der Kavallerie zusammentreten. Die Kavalleriekommission und dit Kavallerieabteilung des Kriegsministeriums sind bereits seit einiger Zeit mit den Vorstudien zu den geplanter Aenverungen befaßt. Es handelt sich dabei um dis Handhabung der Lanze und des Säbels. Auch dürft» die Frage entschieden werden, ob unsere Steilere! ein anderes Seitengewehr erhalten soll. Au^ der Front wird die Einführung eines leichten dreikantigen Stockdegens vorgeschlagen.
* München, 4. Aug. 1913. Prinzregenl Lud», wig hat in Ingolstadt aus Anlaß der Jahrhundertfeier der bayerischen Jngenieurtruppen eine bedeutungsvolle Ansprache über die m ili tär ische Tüch-s tigfeit gehalten. Er gedachte der Bedeutung der! Technik für die Armee und den Krieg. Die Technik militärisch auszunutzen fei die erste, aber nicht die einzige Au'gabe der technischen Truppen, denn die anderen Aufgaben müßten im Verein mit allen Waffengattungen gelöst werden. Der Regent schloß seine Ansprache wie folgt:
„Die einen von Ihnen wissen es ja aus der Er" fahrung, die anderen aus der Theorie, daß die Armee nur durch das Zusammenwirken sämtlicher Waffengat-' tungen bestehen kann. Die Hauptsache ist aber nicht die Technik und nicht die Waffe, die Hauptsache ist in einem' Kriege der M ensch und -war ler tüchtigst» Mensch als Soldat. Es r’ag alles noch so gut! auSgedacht sein, wenn der Mensch, der im Waffenrock, steckt, nichts taugt, so wird die Slrntyi von weit zurückstehenden Völkern geschlagen. Darum sage ich: Es ist' selbstverständlich, daß man die Erfindungen der Technik soweit als möglich ausnutzt, vor allem aber trachte jeder,! ein Edelmann im besten Sinne des Worte »I zu sein und zu bleiben. Das soll vom ersten bis! zum letzten Soldaten gelten. Keiner soll sich über den anderen erheben, es soll von oben bis unten jeder wissen, daß, wenn er sein Le-! bett zum Opfer bringt, und die großen Strapazen des' Militärdienstes int Krieg und Frieden auf sich nimmt,' er das nicht für seine Person tut, sondern für das allgemeine Wohl. Wenn diese aufopfernde Gesinnung bleibt, bann kann uns fein Feind, er komme woher er wolle, etwas antun, bamt sind wir unüberwindlich."
Ausland.
Verlängerung des Waffenstillstandes.
In Bukarest ist gestern der Waffenstillstand» der heute, Dienstag, mittags 2 Uhr, abgelauseu wäre, um drei Tage, also bis Freitag, verlängert
„Zum Kuckuck, ich habe keinen Brief gesehen! Aber höre mal, das ist doch seltsam, daß du mit einem solchen untergeordneten Menschen verkehrst^ Das verbiete ich dir für die Zukunst!"
„Ich lasse mir in dieser Beziehung nichts veri bieten. Du tust doch auch, was dir beliebt! Du verkehrst, mit wem es dir paßt.
„Das ist doch ganz was anderes! Ich bin ein Mann und unabhängig. Du aber bist Frau v. San- dow und hast deinen guten Ruf zu wahren."
„O, tue ich das etwa nicht! — Was Puck und ich geredet haben, war so harmlos, daß es jeder hären durfte. Wir haben keine Geheimnisse."
„Habe etwa ich Geheimnisie?"
„Ich Vermute es!"
„Herrgott, jetzt hab' ich es aber satt! — Jetzt vertrag' ich dieses Gespräch nicht mehr! Laß mich in Ruhe! Morgen, morgen! — Und nun — gute Nacht!' — Und gib mir den Friedenskuß."
Er wollte seinen Arm um sie legen, aber sie trat: erblassend zurück, damit sie dieser lügnerische Mund nicht berühre. „Zurück!" rief sie in stolzer Abwehr- „Rühre mich nicht an!"
Er starrte ihr entsetzt ins Gesicht. „Was heißt das?" rief er. „Du bist doch mein Weib!" , „Ja, ich bin dein Weib! — Aber du — bist bir denn noch mein Gatte? — Und nun wollen wir die Maske fallen lassen und als Menschen zu einander reden, die sich ins Herz hineinsehen. Nun muß auch das letzte Geheimnis zwischen uns enthüllt werden —- und die Wahrheit muß zu ihrem Rechte kommen! —• Soll ich dir den Namen der Dame nennen, mit der du heute bei Dreffel warst?"
„Nun ja, zum Teufel — ich traf die Fürstin Ostrawitz. Ist denn da etwas Besonderes dabei?'
„O nein! Aber die Begrüßung ließ vermuten, daß ihr euch öfter trefft. Zum Beispiel in deinem Atelier — vor dem Plan zum Opernhaus!' —
Hardv trat einen Schritt zurück und starrte sie cm, „Annie — was — was weißt du?"
Ihr Blick sagte thm: „Alles!" (Fortsetzung folgt.)