2. Blatt.
Dru<t d« Selber Bctienbrnderei iw Znida.
Fuldaer Zeitung» ♦**
35 HL
-amrtag 2. August 1915.
totales.
Fulda, 2. August 1913.
-2-, Das Portiunknlafest, das heute in der Franzis« kanerkirche am Frauenberg begangen wird, hat wie alljährlich sehr viel Landvolk hierher geführt. Die Klosterkirche war schon gestern am Vorabend und von heute früh an von Gläubigen gefüllt, die den Portiunkula-Ablaß gewinnen wollen. Der starke Besuch der Franziskanerkirche hält den ganzen Tag über an.
Ä Neuntes Rhönturnsest. Der Rhönturnfest- Ausschuß teilt uns mit, daß die Vorarbeiten zu dem am 10. August stattfindenden Fest auf der Waffer- kuppe soweit beendet sind. Wenn nicht alle Anzeichen trügen so ist nach der Anzahl der bis jetzt eingegangenen Anmeldungen zu erwarten, daß auch das diesjährige Fest dem vorjährigen an Besucherzahl wohl kaum nachstehen wird. lieber die einzelnen Wett-Kämpfe ist hier schon ausführliche Mitteilung gemacht worden. Das Jugendturnen muß der großen Teilnehmerzahl wegen in diesem Jahre etwas früher beginnen, jedoch ist die Zeit so festgesetzt, daß den kath. Teilnehmern gleich nach der Ankunft des Sonderzuges in Gersfeld Gelegenheit gegeben ist, ihren kirchlichen Verpflichtungen nachzukommen. Die Fußballwettkämpfe um den Wasserkuppepokal beginnt um 10 Uhr. „Borussia"-Fulda hat den Pokal zweimal hintereinander gewonnen und wird, falls es dieser Mannschaft gelingen sollte, den Pokal in diesem Jahre wieder zu erringen, dessen Eigentümer werden. Die Eisenbahn-Verwaltung hat entgegenkommender Weise des Morgens und des Abends Extrazüge genehmigt. Dir Fahrzeiten werden noch betannt gegeben. Auch wird die Postverwaltung in Hilders Fürsorge treffen, daß die Personenauto- Verbindung von GerSfeld nach der Fulda-Quelle, vielleicht auch von der Fuldaquelle nach Hilders, verkehren, sodaß ein sehr bequemer Aufstieg zur Wasserkuppe den Turnern und Festbesuchern ermöglicht wird. Anmeldungen sind spätestens bis zum 5. Äug. d. Js. an Herrn Josef Hammel, Fulda, Buttermarkt zu richten. Wegen Unterkunft müssen sich die auswärtigen Turner an Herrn Hugo Hornung, Fulda, „Hinterburg" oder an Herrn August Baier," Gersfeld (Rhön) wenden.
* Oeffentliche Märkte für den Ankauf von Militär- dienstpferden. Zum Ankauf warmblütiger volljähriger Reit- und Zugpferde für Truppendienstpferde sollen im Herbst 1913 im Regierungsbezirk Kassel die nachstehenden öffentlichen Märkte abgehalten werden. In Elm (Kreis Schlüchtern) am 17. Oktober d. I., vormittags 8 Uhr; in Bebra (Kreis Rotenburg) am 18. Oktober, vormittags 8 Uhr. Die Pferde sind nur im geringen Umfange für Kavallerie, in der Hauptsache für Felvarlillerie und zum Teil auch für Ma- schinengewehr-Kompagn'en bestimmt. Es werden nur Pferde angekauft im Alter von 5 bis zu 10 Jahren und in einer Größe von 1,52—1,66 Meter Stockmast, ohne Eisen gemessen. Bei Ankauf der Pferde werden die Anforderungen zu Grunde gelegt, die für Remonte- ankanf maßgebend sind. Zugpferde für Maschinen- gewehr-Kompagnien müffen in Sielen gehen, sind paarweise mit 1000 Kilo Last im tiefen Boden vom Bock vorzufahren und dürfen keine Schimmel sein.
-T- Rekruten-Exerzitieu im Kloster Kreuzberg. Im allgemeinen ist es für keinen jungen Mann ein Schaden, den Rock des Königs tragen zu müssen. Und doch sieht gar manche Mutter ihren Sohn mit Bangen in die Garnison ziehen. Mächtig fragt sich da ihr sorgendes Herz: Wird er wohl brav aus der Kaserne zurückkehren? Und es läßt sich in der Tat nicht leugnen, daß Kaserne und Stadt manche Gefahren in sich bergen. Diesen Gefahren nun die Spitze abzubrechen, ist der Zweck der jährlichen Re« kruten-Exerzitien. Der Segen, den sie schon gestiftet, wird allgemein anerkannt. Auch Heuer wieder sollen in dem so schön gelegenen Kloster Kreuzberg solche Exerzitien vom 20. bis 23. September abgehallen werden. Anmeldungen mögen baldigst gerichtet werden: An das Franziskanerkloster Kreuzberg, Poft Bischofsheim (Rhönll
* Der 16 mitteldeutsche Bäckermeister-Verbandstag, der unter großer Beteiligung in Dillenburg an der Lahn abgehalten wurde, wählte Hanau zum Ort des nächsten Verbandslages. Zum Zentralverbandstag nach Leipzig wurden aus unserem Bezirk die Herren Simmer-Fulda, Runckel-Marburg und Röhrscheld- Melsungen als Delegierte, die Herren Haas.Fulda, Keßler-Marburg und Bornmann-Kassel als Stellvertreter gewählt. In den Verbandstag wurden wieder die Herren Obermeister Bornrnann-Kassel, Obermeister Simmer-Fulda und Runckel-Marburg gewählt.
J) Sommcrtheater. Der Engländer Arthur Sullivan hat eine ausgezeichnete Operette „Der Mikado" geschrieben, die sich wegen ihrer von allem Herkömm
lichen abweichenden Aufmachung jahrzehntelang auf den deutschen Operettenbühnen behauptete. Die Lorbeeren Sullivans haben nun seinen Landsmann Sidney Jones offenbar nicht schlafen lassen; denn frisch machte er sich ans Werk und schuf „Die G eisha". Diese Operette zeigt das gleiche echt japanische Kolorit in Ausstattung, Handlung und Musik wie „Der Mikado". Nach Geist wird man allerdings in dem Textbuch der „Geisha" vergeblich suchen, doch Witz und Humor sind darin zu finden. Aber wie ists denn mit der Handlung? Nun, es war stets ein Hauptkniff der Operettenfabrikanten, den Zuschauer bis zum Schluß darüber im Unklaren zu lassen, was auf der Bühne eigentlich vorgeht. Hat er es am Ende glücklich herausbekommen, so ist die Freude um so größer. Die Geschichte spielt in einem japanischen Teehause, wo die Geishas durch Gesang und Tanz für die Unterhaltung der Gäste sogen. Gelegenheit zu farbenprächtigen Bildern, japanischen Tänzen und Fächerspielen, zu Kuplets und Liedern bietet das Textbuch in Hülle und Fülle, und der Komponist hat sie weidlich ausgenutzt. Die Melodik Sidney Jones' ist fließend und ansprechend. Das Orchester tritt nur in den Tänzen selbständig hervor und bei dem Liede „Der verliebte Goldfisch" wird es einigermaßen polyphon behandelt. Komponist und Librettist haben es in der „Geisha" hauptsächlich auf die Schaulust der Menge abgesehen und Verblüften im ersten Akt geradezu mit der Fülle des Gebotenen. Das fast vollbesetzte Haus amüsierte sich gestern ausgezeichnet. Die Aufführung der Operette war sehr gut vorbereitet worden, und die Regie, die anmutige Bühnenbilder schuf, kann mit dem Erfolg ihrer Arbeit wohl zufrieden fein. In der richtigen Erkenntnis, daß die Wirkung des Stückes nur in der Ausstattung liegt, hatte es sich die Direktion etwas kosten lasten und die Szenerie prunkvoll hergerick,tt. Solisten und Chor steckten in neuen farbenprächtigen Kostümen. Cilli Bauermann, welche die Titelrolle vertrat, fang mit ihrer wohllautenden Stimme die Lieder der Geisha ganz allerliebst und verkörperte die niedliche Japanerin mit natürlicher Grazie. Als Molly bewährte sich Anny Herrmann durch ungezwungenes Spiel und durch die reizende Schalkhaftigkeit, mit der sie ihre Gesänge vortrug. In den männlichen Rollen waren die Herren Herrmann (Leutnant Reginald), Erdmann (Wun-Hsi) und Behn (Marquis Jmari) mit bestem Erfolge beschäftigt.
s. SturmiuSdenkmal. Für das dem Gründer Fuldas, St. Sturmius, zu errichtende Denkmal ist bekanntlich als Standort die Mauer am Domplatz nahe der St. Michaelskirche in Aussicht genommen. Ein Modell war seinerzeit gelegentlich des Bonifatius« Jubiläums im Jahre 1905 dort zur Aufstellung gelangt. Zum Zweck des Kostenanschlages werden nun gegenwärtig am Domplatz Grabungen vorgenommen, um die Fundamentierungsarbeiten berechnen zu können. Es stellt sich heraus, daß der Boden dort mehrere Meter tief aufgefüllt ist. Es finden sich allerhand Scherben, angekohlte Steine, die jedenfalls von einem Dombrand herrühren, und ganze Schichten Knochen, die einen einstigen Friedhof vermuten lassen.
w. Friedhofs-Erweiterung. Der dompfarrliche Friedhof am Rordabbange des Frauenberges hat eine wesentliche Vergrößerung erfahren; d eje Vergrößerung war bei der Errichtung des Kirchhofes bereits vorgesehen. Das hinzugekommene Stück, mindestens 700 Quadratmeter, reicht bis nahe an die am Herz-Jesu« Heim vorbeiführende, noch nicht ausgebaute verlängerte Buttlarstraße. An dieser Seile des Friedhofes ist die Umfriedigung gleich der des neuen städtischen Friedhofes an der Künzellerstraße, nämlich Sockelmauerwerk aus Sandstein und darüber durchbrochene Verputzflächen abwechselnd mit Holzeinfassung. Die beiden Seitenmauern sind in Beton ausgesührr. Da der dompfarrliche Friedhof stark in Anspruch genommen wird, ist die Benutzung des neu hinzugekommenen Teiles in absehbarer Zeit zu erwarten.
* Don änenvelpachtungen. Bon Domänen im Reg.« Bezirk Kastel werden im Jahre 1915 voraussichtlich zur öffentlichen Ausbietung kommen: Im Kreise Fulda: Domäne Ziehers mit Vorwerk Obergötzenhof. Im Kreise Hanau: Domäne Basersr öder Hof. Im Kreise Melsungen: Domäne Fahre und Mittelhof mit Vorwerk Carlhause. Im Jahre 1914 werden Domänen im Reg.-Bez. Kaffel nicht zur Ausbietung kommen.
(-) Bei der neuesten chemischen Untersuchung der hiesigen Kläranlage fino die Funktionen für gut be« imiven worven.
= Der Kornschnitt ist in den höher gelegenen Teilen des Fuldaer Landes, namentlich an den Abhängen der Rhön, durch das naßkalte Juniwetter doch recht beträchtlich hinausgeschoben wor
den. Obgleich augenblicklich das rechte Wetter herrscht, um das Getreide zur Reife zu bringen, soll nach fachmännischem Urteil vor Ablauf von etwa 14 Tagen in den genannten Bezirken noch nicht an die Äb- erntung zu denken fein. Allerdings fehlt es dafür auch nicht an monströsen Halmen. Ein solcher von 2 Metern Höhe wurde uns vorgelegt. Im Bannkreise der Stadt und im Fuldatale ist die Ernte in vollem Gange.
F Eine „sprechende Uhr" ist zurzeit im Schaufenster des Uhren- und Goldwarengeschäftes von Joseph Häußler in der Marktstraße ausgestellt. Diese Zimmeruhr verkündet die Zeit nicht durch Tonfederoder Glockenfchlag, durch Signal-, durch Kuckusruf oder dergleichen, fonbern sie ruft mit deutlicher M e n s ch e n st i m m e aus, z. B. „zwölf Uhr", „zwölf Uhr dreißig" u. f. w. Was die sprechende Uhr auszeichnet ist der Umstand, daß man das Ruswerk mittels eines kleinen, an der Seitenwand angebrachten Hebels abstellen kann. Drückt man jedoch auf den im Gehäusedach eingelassenen Metallknopf, so antwortet die Uhr sofort mit der jeweiligen Zeitangabe und wiederholt nach jedem Druck beliebig ost die Zeit. Die Konstruktion des Sprechwerkes der Uhr beruht nicht auf Verwendung einer Grammophonplatte, einer Phonographenwalze, sondern auf der eines Filmbandes, das in verschiedenen Sprachen hergestellt wird. Ein Wunderwerk der Technik!
[:| lieber die Regenmengen, die in der letzten Zeit niedergegangen sind und eine ungewöhnliche Höbe erreicht hatten, geben folgende Notierungen einer hessischen Beobachtungsstelle genauere Auskunft. Während der Juni eine Niederschlagshöhe von 92,5 mm. an 17 Regen-Tagen aufwies, betrug diese im Juli 76,7 mm. an 18 Tagen. Der regenreichste Tag des Juni war der 22. mit 19,1 mm., während der 30. die niedrigste Menge von 0,4 mm. hatte. Jrn Monat Juli hatte der 12. mit 16,4 mm. die größte Niederschlaashöhe, andererseits der 26. mit 0,3 mm. die geringste Menge. Seit 10 Jahren hat es im Juni nur einmal mehr geregnet als Heuer, nämlich 1910. Danach betrug die Regenmenge 155,6 mm. In der Regel pflegt die Menge 60 mm. nicht zu überfteigen. Auch für den Juli haben wir Heuer eine Rekordleistung. Nur im Jahre 1905 hat es noch mehr geregnet, nämlich 104 mm. Blicken wir auf die verflossenen 7 Monate dieses Jahres zurück, so batte der Januar 42,4 mm. in 15 Tagen, Februar 32,4 mm. in 7 Tagen, März 33,6 mm. in 16 Tagen, April 45,5 mm. in 12 Tagen, Mai 69,0 mm. in 15 Tagen, Juni 92,5 mm. in 17 Tagen und Juli 76,7 mm. in 18 Tagen, lieber mangelnde Feuchtigkeit läßt sich also im Jubiläumsjahr 1913 nicht klagen und eine Periode der Trockenheit würde recht gut am Platze fein.
+ Steuern zahlen! Am Montag den 4. d. MtS. beginnt die Erhebung der Steuern pro II. Quartal. Gleichzeitig wird die Kanalbenutzungsaebühr pro II. Quartal sowie das Waffergeld pro I. Quartal, worüber gegenwärtig die Zettel zugestellt werden, erhoben.
(*) Ein Promenadenkonzert des Trompeterkorps unseres Feldartillerie-Regiments findet morgen vormittags 1<»11 Uhr bei günstiger Witterung im Schlvß- g art en statt.
Amt Geisa und Umgebung.
— Dermbach, 1. Slug. 1913. Der Landtag des Großherzogtums Sachsen hat in seiner letzten Tagung das Gesuch der Stadt Creuzburg um Wiedererrichtung des dortigen Amtsgerichts der Staatsregierung zur tunlichsten Berücksichtigung überwiesen. Jetzt hat aber die größte Gemeinde des Bezirks, Mihla, im Verein mit andern Orten des Werratals sich gegen die Wie- dererichtung eines Amtsgerichts in Creuzburg ausgesprochen. Allgemein sei zu wünschen, daß die Land- orte ihr Amtsgericht in der Stadt haben, mit der sie geschäftlich verbunden sind. Der Marktort solle auch der Amtsort sein. Diese Eingabe wird zur Folge haben, daß die Staatsregierung von der Errichtung des Amtsgerichts Creuzburg absieht. Nach der „Eis. Ztg." haben sich auch in andern Bezirken die Landorte gegen die geplanten Amtsgerichte in kleineren Städten (Tiefenort, Dermbach, Dornburg usw.) ausgesprochen.
* Zella, 1. August 1913. Hier sand eine Versammlung der Ziegenhalter statt. Der Versammlung wohnten bei der Assistent des Tierzucht- Inspektors, Stendel aus Eisenach, sowie der Vorsitzende des Ziegenzuchtverbandes für das weimarische Rhöngebiet, Fabrikant Möller-Empfertshausen. Es sand eine interessante Aussprache über den Wert der praktischen Ziegenzucht statt. In einer demnächst abzuhaltenden Versammlung soll der Gründung eines Ziegenzuchtvereins näbergetreten werden.
Aus Obnheffeu u- Öen Hess. Aemtern.
* Fritzlar, 1. August 1913. Die am 14. August hier stattfindende Kreistagssitzung wird sich mit einigen für den Kreis und dessen Zukunft besonders bedeutungsvollen Fragen zu beschäftigen haben. Zunächst soll das eleltrische KreiSnetz und der übet dessen Ausführung mit der Firma Braun-Bowen in Mannheim abgeschlossene Vertrag beraten und im Anschluß daran die Ausnahme der erforderlichen Gelder beschloffen werden. Nötig sind einstweilen 200000 Mk. für den Kreis, 150000 Mk. für bie beteiligten Gemeinden zur AuSbauung der Ortsnetze.' Ein weiterer Punkt betrifft die Erbauung der Kadaver-Verwertungscmlage, für die der Kreis bet Gefellschaft ein Darlehen von 10000 Mk. vorschießen will; das Kapital ist mit 3' a Prozent zu verzinsen und mit Vli Prozent abzutragen. Die Erborgunz des Darlehens soll beschloffen werden. Der Land-! wegebau für 1914 ist in den Voranschlag mit zirka! 65 000 Mk. eingestellt. Ferner steht die neue allge-i meine Ortskrankenkasse auf der Tagesordnung; die Statuten sind entworfen und harren der Bestätigung^
* Kirchhain, 1. August 1913. Dieser Tage weilten! mehrere Regierungsvertreter hier und besichtigten die! Schlachthäuser der hiesigen Metzgermeister; nut einzelne sollen den bestehenden Vorschriften entsprechend! eingerichtet sein. Es ist dieser Besuch wohl ein! weiterer Schritt zu einem städtischen Schlacht^ Hausbau.
* Marburg, 1. Aug. 1913. Die Venia legende für innere Medizin wurde in der hiesigen medizinischen Fakultät dem Assistenten an der medizinischen Poliklinik Dr. Friedrich Loeninq erteilt. —■ Die! Straßenbahn hatte im Monat Juli eine, Einnahme von 11 052,40 Mk. gegen eine solche von 8316,19 Mk. im gleichen Monat des Vorjahres. Die durchschnsttliche Tageseinnahme betrug 365,53 Mk.! gegen 268,26 Mk. -
e. AuS Oberheffen, 1. Aug. 1913. In den letzten Tagen wurden in verschiedenen Gemarkungen der! Provinz mehrere vorgeschichtliche Funde gemacht. Bei Lechgestern legte man ein Bronzegrab frei,, das ein gut erhaltenes Frauenskelett und als Beigabe»! kunstvoll gearbeitete Armringe und einen Halsring mit hübscher Ziselierung barg. Auf dem „Trieb" bei; Gießen entdeckte man ein gallisches Skelettgrab. enthielt in einer ovalen Steinkiste ein Skelett, ferner, ein Schwertgehänge, Nägel und Eisenhaken. Sodann, fand man bei Ederstadt ein Bronzegrab, in dem! acht gut erhaltene Urnen, bie in Steinpackungen, standen, und eine Gewandnadel gefunden wurden., Sämtliche Funde wurden von den Besitzern dem ober* hessischen Museum in Gießen überwiesen.
* Vom Knüllgebirge, 1. Aug. 1913. In einet Vorstandssitzung des Knüllklub, die in Oberaula statt- fand und an der auch die Vorsitzenden der Zweigvereine Oberaula, Niederaula, Wallenstein, Neukirchen, Ziegenhain und Frielendorf teilnahmen, wurde beschlossen, die Einweihung des Borgmanns- turmes aufdemEisenberg am Sonntag den 24. August d. I. nachmittags halb 3 Uhr festlich zu begehen. Im Mittelpunkte der weiteren Verhandlungen stand die Frage der Deckung der Baukosten., Die wiederholt in Aufrufen ergangenen Bitten um Unterstützung haben leider nicht den erhofften Erfolg gehabt, vielmehr fehlt immer noch mehr als ein Drittel der Bausumme, weshalb die Aufnahme einer nicht unbeträchtlichen Anleihe unumgänglich ist. Es muß! auch versucht werden, zur Verzinsung und Amorti-i fation neue Einnahmequellen zu eröffnen. Zu diesem Zwecke soll namentlich zur Turmbesteignng ein Eintrittsgeld von 10 Pf. erhoben werden.
Handel nnd Industrie.
* Berlin, 1. Aug. 1913. Infolge von Oelönoten; eines Teiles der Großindustrie herrschte an der Börse- Mißstimmung und Tatlostgkeit. Heimische Anleihe» und Privatdiskont unverändert.
Märkte.
+ Fulda, 2. August 1913. Auf dem heutige«, Schwernemarkte waren 333 Ferkel und 6 Läufer, aufgetrieben. Bezahlt wurden für Ferkel 15, 22 und 29 Mk. pro Stück, für Läufer 40, 65 dis 70 2JL vro Stuck.
ä rrtlich bevorzugt.
Kleines Feuilleton.
— Aber er wollte eine Unterstützung haben. Weich' ein ungeheuerlicher Mißbrauch mit Anträgen auf Armenunterstützung getrieben wird, beleuchtet folgendes mehr scherzhafte Erlebnis, das ein Berliner Armenvorsteher zum besten gibt: Ein angeblich stellenloser Kaufmann mit vier unmündigen Kindern hatte schon öfters um Unterstützung nachgesucht und zur Begründung feines Gesuches vorgetragen, er sei krank und arbeitsunfähig. Da man jedoch nut den Unterstützungen nicht so herumwersen kann, wurde ich beauftragt, die nötigen Ermittelungen anzustellen. Ich ging also in bie Boxhagenerstraßk, wo der Mann in einer Zweizimmer-Wohnung tm vierten Stock einer Mietskajerne hauste und fragte zunächst beim Verwalter an, inwieweit die Unterstützungs - Bedürftigkeit ihre Richtigkeit habe. Der Hausverwalter, der vom Miete-Einziehen doch ein wenig die Verhältnisse der Leute kannte, sagte mir wenig Gutes; besonders sollte es mit der Krankheit des Mannes gar nicht so weit her sein, er sei eben ein Faullenzer und Säufer. Trotzdem verfügte ich mich noch 4 Treppen hoch, denn man konnte ja nicht wiffen, ob diese Auskunft des Verwalters nicht aus irgendwelchen Gründen tendenziös gefärbt war. Ich betrat eine Wohnung, wie ich sie auf meinen Armenpflegeschafts - Reisen öfters zu sehen bekomme; es waren nur die allernotwendigsten Möbel vorhanden, zwei Stühle, eine Bettstelle und in einer Ecke ein größeres Lager, aus Decken, Stroh und Seinen bestehend, offenbar für die Kinder. Der Mann, der mir öffnete, war sofort sehr höflich, als er hörte, ich komme wegen seines Gesuches an die Armen-Direktion und schilderte mir seine Leiden mit all' der lieber« schwenglichkeit, deren fein schnapsdustender Mund fähig war. Ich hörte geduldig zu und machte unterdessen meine Beobachtungen; als er fertig roar, fragte ich ihn: „Nun, sagen Sie-mir aber einmal, lieber Freund, soll denn dieser Zustand ewig dauern? Sie haben doch vier unmündige Kinder! Wie wäre es ibenn eigentlich mit der — Arbeit?" Da streifte ein ^mitleidsvoller Blick erst die vier ungewaschenen Jöhren
in der Ecke, die beim Anblicke des fremden Mannes mäuschenstill waren, bann streifte ein strafender Blick mich, der ich so etwas auszusprechen wagte, und grollend kam es von feinen Sippen: „Nee, wissen Se, die vier atmen unschuldigen Wermer (Würmer), for de Arweet sin die noch ze jung!" Der brave Mann dachte an sich selbst zuletzt! ms.
— Wen» man bie Wut an Unschuldigen aus läßt. . . Tas; der Mensch in Wut gerät, ist keine Seltenheit; daß er die „Wut an andern ausläßt", die ihm nichts getan, soll leider auch des öfteren Vorkommen. Da hat dieser Tage ein Londoner Bankier etwas Aerger an der Börse gehabt; unterwegs Packte ihn die Wut und da er leinen andern in der Nähe sah, spuckte er einem Schuhmann eine kräftige Ladung ins Gesicht, diese heroische Tat kostete ihn freilich hinterher 20 Pfund (400 Mk.); aber er verließ den Gerichtssaal mit der Bemerkung, er könne sich eben in solchen Augenblicken nicht halten. Derlei Vorkommnisse gibts nicht nur in Londoner Millionärskreisen. In Berlin lebte bis vor kurzem ein Schauspieler, den jede Generalprobe bis zu einem Grade ausregte, daß er in ein bestimm', es CafZ ging, zwei Tassen Mokka schlürfte, dann zahlte und dem Kellner eine Ohrfeige herunterhaute, daß es diesem ultraviolett vor den Augen wurde; sowie das aber vorüber war. wurde der Mime die Zärtlichkeit selber, bat flehentlich um Verzeihung, legte eine ansehnliche Schmerzensentschädigung auf den Tisch und — fühlte sich bedeutend leichter. Noch unangenehmer ist ein bekannter Schriftsteller, der mit der flachen Hand die Köpfe seiner Freunde bearbeitet, sobald ihm etwas unangenehmes zugestoßen ist. Bekannt ist auch die Zerstörungswut Bismarcks gewesen in Augenblicken, die kritisch waren. So zerschlug er einmal, als er von eine' stürmischen Audienz bei König Wilhelm kam, ein wertvolles Kristallgeschirr im Vorzimmer. Ein ander Mal schloß er die Türe so „sanft", daß er die Klinke in der Hand behielt. All diese Gewalttätigkeiten gleichen einem Gewitter, das die Atmosphäre abkühlt. tk.
— Wenn Kinder lügen — dann ist das Elternhaus gewiß bettübt und von Angst erfüllt. Vorwürfe und Strafen sind die Folge, aber die Untugend wird darum doch nicht ausgetriebe^- War
um? Man sehe sich die Lüge eines Kindes doch erst einmal genauer an und Prüfe, wie sie entstanden ist, und was sie bezweckt, und auch, ob das Kind feinem Alter und seiner geistigen Anlage nach befähigt ist, Wahrheft von Lüge zu unterscheiden. Viele Eltern sürchten schon, daß ihr Kind ein Lügner werden könnte, wenn es nur fabuliert, wenn es phantasiert, wenn es sich selbst Märchen zurecht macht nnd diese nun in seiner naiven Art wiedergibt. Dergleichen ist aber noch lange nicht vom liebel. Hat man doch selbst erst durch Märchen- und Geschichten-Erzählen die kleine Seele ins Land der Phantasie hinübergeleitet, und ist man doch oft aus mancherlei Gründen bemüht, den Geist des Kindes abzulenken von der Wirklichkeit. Man denke an Freund Adolar, der die Mutter ins Bein beißt, man denke an Sorgen und Kummer, die man dem Kinde verbirgt, um ihm seine goldene Kindheit nicht zu stören. Ein Kind braucht natürlich vieles noch nicht zu wissen, aber es knüpft doch Erwägungen an Gehörtes nnd Gesehenes und erzählt bann oft Lügen, die eigentlich gar keine Lügen sind. Aber wenn doch, besonders von größeren Kindern, bewußter Weise die Unwahrheit gesagt wird, auch dann forsche man lieber erst nach dem Grund, bevor man straft. Nur zu ost ist die Lüge die Furcht vor Strafe, vor dem ungestümen Zorn des Vaters, vor dem immerwährenden Schellen der Mutter. Für solche Angstlügen bestrafe man zunächst sich selbst! Erziehe man sein Kind nicht zur Furcht vor den Ellern, sondern zu Liebe und Vertrauen, lerne man sein Kind verstehen, forsche man, wie es behandelt sein will — dann wird es auch nie eine Lüge aus Verstocktheit geben! ef.
— Man muß sich zu helfen wissen. Herr Fritz Müller nebst Familie wünschte in die Sommerfrische zu reisen und fing beizeiten an, ein lieblich Obdach zu suchen. Aber wehe — jeder Hauswirt schrie: toir vermieten nur an Leute ohne Kinder! Da kam Herrn Müller ein rettender Gedanke. „Jawohl, sagte er beim letzten Hauswirt im Dörfchen, der ihn ebenfalls abweifen wollte, ich miete auch nicht für mich, sondern für einen Bekannten, der noch gar keine Kin
der hat, aber feine Eltern und zwei Schwestern mitbringen möchte. Das war etwas anderes; die Sache wurde abgemacht. Alsbald rückte Herr Müller nebst Frau und drei Kindern ins Tusculum ein. „Nanu, hoat er do g'fait . . ." „Jawolle doch", sagte Hery Müller ans Berlin. „Hier, mein Aeltester, zehn Jahre alt, das ist der Bekannte, für den ich mietete, wir sind bloß feine Eltern und dies da sind feine zwei Schwesterchen. Kinder hat mein Aeltester noch nicht . . ! Sie sehen, alles genau, wie vereinbart!" Der Herr Müller hat sich schlau zu heften gewußt! vs.
— Allerlei Weisheit. Die australischen Neger treffen mit ihren Speeren ein Ziel von nur Handtellergroße noch auf 70 Schritt mit Sicherheit. — In mehreren japanischen Städten gibt es öffentliche Kochöfen.! Sie find in dne Hauptstraßen ausgestellt, damit jeden gegen ein ganz geringes Entgelt hier seine Mahlzeiten; zubereiten kann. —- Die größte Geldmünze, die e$ gibt, ist der „Loos" in der französischen Kolonie An- nam. Sie hat einen Wert Yon 1100 Mk. — Die; preußische, englische, schweizerische und isländische! Nationalhymne haben dieselbe Melodie. —- In! Australien vermieten sich die Dienstmädchen immer nur für eine Woche. — Die Insel Island konnte für 1 Million Menschen alle Nahrungsmittel und sonstigen Bedürfnisse liefern, ist aber nur von ca. 80 OOO Menschen bewohnt. — Erst in einer Höhe von ca.i 2000 Fuß ist die Luft völlig staub-: und Mikroben- frei. wo- >
— Zu früh gelobt. Professor: „Da habe ich doch; richtig im zweiten Hause, in dem ich war, meinem Schirm stehen lassen." — Frau: „Nun, es ist immerhin ein Fortschritt, daß Du ihn nicht schon im ersten vergessen hast." — Professor: „Ja, da hatte ich ihn ja entliehen!" . . .•
— Tie Leidende. Ein Arzt hat eine Patientin bid ihn alle Augenblicke wegen der lächerlichsten Kleinigkeiten rufen .läßt und sich von einer Menge Krankheiten befallen glaubt. „O, gnädige Frau," ruft et eines Tages aus, „welche Gesundheit müffen sie haben, um alle, diese Krankheiten auszuhalten."