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3. Blatt.

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**♦ Fuldaer Leitung.

JVo 1ZZ.

»amslag 2. August 191$.

wocheN'Nundschau.

[:] Sulba, 2. August 1913.

Die Stille auf dem Gebiete der inneren Politik, die die „Saure Gurken-Zeit" mit ihren Begleiterscheinungen — Parlamentsferien, Sommer­reise des Kaisers in die nordischen Gewässer, Ahtoe- senheit der Minister und Staatssekretäre von der Reichshauptstadt — mit sich zu bringen pflegt, ist auch in der Berichtswoche kaum gestört worden. Abgesehen von einigen kleineren Plänkeleien schweigt der Streit der Meinungen. Und das einzige Ereignis, das der Griffel des Chronisten für diese Woche verzeichnen kann, ist ein Abkommen der Reichsregierung mit der Regierung der französischen Republik, das 'ich mit der Luftschiffahrt beschäftigt. Dieses Luftschiffahrts-Ab- kommen will für ähnliche Zwischenfälle, wie sie sich bei denk Abstecher des Zeppelinluftschiffes nach Lune- ville ereignet hohen, vorbeugende Mahregeln treffen. Es will sowohl die Luftfahrzeuge vor Beschädigungen wie auch seine Insassen vor Unannehmlichkeiten schützen.

In den Reihen der Parlamentarier, die dem Reichstag fett den Tagen feiner Gründung angehören, bat der Tod wieder einmal eine Lücke gerissen. Der Zentrumsabgeordnete Prälat Dr. Lender ist am Dienstag m Sasbach im Alter von fast 83 Jahren ge­storben. Er war das älteste Mitglied des Reichs­tages, in dem er den achten badischen Wahlkreis Ba­den-Rastatt seit dem Jahre 1871 vertrat.

Der Werftarbeiter st reik hat von seiner Schärfe bislang nichts verloren. Wohl stehen die Ar­beiter mit ihren Organisationsleitungen noch auf dem Kriegsfuß, doch scheint es, als ob diese unter dem Druck der Organisationen und eines großen Teils der roten Presse schließlich doch nachgeben müßten. Ein auf Anfang August einberufener Vertretertug des Metallarbeiter-Verbandes wird zu dem Steit zwi­schen Arbeitern und Lestungen Stellung nehmen und dann werden die Streikenden ihren Willen schon be­kommen. Bei dem jetzt allenthalben in der Sozial­demokratie geschürten Streikfieber ist es auch guter- dings ein Ding der Unmöglichkeit, die Arbeiter noch zurückzupfcifen. Die Agitation für den Massen- st r e i k wird immer wilder und nimmt geradezu gro­teske Formen an. Führende Genossen rechnen "gar schon für den kommenden Winter mit einem Massen- ausstand zur Erringung des Reichstagswahlrechts in Preußen, obwohl auch sie zugeben müssen, daß die Arbeiter noch nicht genügend darauf vorbereitet und geschult find. Wie dringend not es der Sozialdemo­kratie tut, ihre Mitglieder aufzukitzeln, geht auch aus dem Bericht des Parteivorstandes an den diesjährigen Parteitag in Jena hervor. Die Sozial­demokratie hat im letzten Geschäftsjahr so ziemlich auf der ganzen Linie Fiasko gemacht. Nicht nur, daß sie gar keinen Erfolg im politischen Leben aufzuwei­sen hat, daß ihr vielmehr die große Militärvorlage sehr schwer auf den Magen drückt, auch der Mitglieder­bestand hat sich nur um 1,3 Proz. gegen 15,9 und IM Proz. der beiden letzten Vorjahre gehoben. Nicht mit Unrechr klagt der Parteivostand über diese Zu­nahme, „die in ihrer Geringfügigkeit an Stagnation grenzt". Die Mitgliederzahl hat in 15 Bezirken und 164 Wahlkreisorganis-stionen absolut abgenommen. Das ist gewiß kein glänzendes Bild für den Stand der deutschen Sozialdemokratie und bietet derselben wenig Anlaß, so breitspurig und prahlerisch über die christl. Gewerkschaftsbewegung abfällig zu urteilen.

In Böbmen ist endlich zur Tatsache geworden, was schon lange kommen mußte. Der ewige Zwie­spalt zwischen Tschechen und Deutschen im böhmischen Landrag hat das Königreich dem finanziellen Ruin entgegengcführt, sodaß dem Kaiser Franz Joseph zur Rettung des Landes nur der Ausweg blieb, die auto­nome Vei-valtung des Königreichs einstweilen anfzn- heben und eine von ihm ernannte besondere Regie­rungskommission mit der Führung der Geschäfte zu betrauen. Für Böhmen ist es Haupterfordernis, daß ein nationaler Ausgleich geschaffen werde. Vielleicht nicht mit Unrecht versprechen sich die Deutschen aber wenig Berücksichtigung ihrer berechtigten Forderun­gen von der provisorischen Regierung und auch die Tschechen protestieren leidenschaftlich gegen das Pro- visoriurn, das ihnen ihre Majorisierungspolitik vor­derhand unmöglich macht. Es scheint jedenfalls zwei­felhaft, daß es der neuen vorläufigen Regierung ge­lingen wird, erträgliche und ersprießliche Zustände in Böhmen zu schaffen.

Eine neue Revolution scheint in Portugal wenn nicht im Gange, so doch in Vorbereitung zu fein. Da die Lissaboner Regierung es ausgezeichnet

Unpolitische Zeitlaufe.

N. Cuxhaven, 30. Juli 1913.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Im. Heißhunger nach frischer Luft bin ich auf dem kürzesten Wege an die Nordsee gefahren. Ein weiser Gönner hatte mir freilich gesagt, in Cux­haven gäbe es auch keine richtige Seeluft, weil dort zu viel rauchende Dampfer ein- und ausliefen. O ja, der Schiffsverkehr ist bedeutend und bietet eine unendliche Serie von hübschen Bildern. (Als ob man im Kientopp säße, tote Jung-Berlin sagt.) Wer die Rauchsäulen der Dampfer tun uns wirklich nichts zuleide. Die verschwinden in dem gewaltigen Lustmeer, das sich über der See wölbt, auf Nim­merwiedersehen, an den Strand gerät kein Hauch davon. Was da an der Küste sitzt, liegt oder schwimmt, atmet reine Lust ein, das ist die Haupt­sache in den sogen. Seebädern. Ich gehe nicht mehr ins kalte Wasser, aber ich nehme den ganjen Tag ein Luftbad. Und die Luft wird nicht bloß von den Lungen genossen, sondern von dem ganzen Körper, da der allzeit frische und manchmal recht scharfe Wind die gesalzene Seeluft einem auf die Haut i.t die Poren drückt. Dieses natürliche Frottieren macht mir Freude und schafft Erfrischung. Daheim habe ich, wie die meisten Stubenmenschen, Scheu vor be­merklichem Luftzug. Am Strande suche und genieße ich den Wind, ohne der sonst so gefürchteten Erkal­tung zu verfallen. Die Seele geht am Meeres­ufer auch nicht leer aus. Der Blick auf die grenzen­lose Wassermasse, die den ganzen Erdball umaibt, das Beobachten von Ebbe und Flut und von dem ewigen Wogentreiben, das Nachdenken über die un­ermeßlichen Kräfte, die da rastlos tätig sind: das gibt ein erfrischendes Geistesbad in der Idee der Allmacht und Unendlichkeit.

Manche Leute gehen lieber ins Gebirge. Das hat auch etwas Herzerhebendes. Die Berge sind so­zusagen versteinerte Wogen. Imposant, aber be­wegungslos und fhtmnt. Die Meereswogen haben den Vorzug der lebendigen Kraft, des fielen Wechsels, der stetigen Wiedergeburt unter eigener RausiÄuusik. Sehe jeder, wo er bleibe. Die Erhabenheit des Schöpfer- kann man hier und dort bewunden- und

Straßenbild, aber keineswegs in unangenehmer Weise. Die militärische Bedeutung von Cuxhaoen bat nebenbei für die katholischen Einwohner und Gäste einen schätzbaren Vorteil. Es ist neben der protestantischen auch eine katholische Garnisonkirche erbaut worden, die auch den Zivilisten offen steht. Sonst wurden schwerlich die Katholiken in dieser hamburgischen Diaspora schon zu einem so stattlichen Gotteshanse gelangt sein.

Wenn es hier im ganzen einfach und natürlich zugeht, ohne Protzerei und ohne Nachtleben, so hin­dert das freilich die Gastwitte und Zimmervermieter nicht, sich ihre Leistungen ordentlich bezahlen zu lassen. Das ist natürlich und bleibt erträglich, wenn die Leute etwos Ordentliches liefern für das Geld, und in der Beziehung bin ich bisher zufrieden.

So gebe ich mich behaglich dem Genuß der fri­schen und würzigen Seeluft hin, um den Berliner Dunst und Staub aus den Lungen und dem Blute und der Haut nach Möglichkeit auszublasen. Ja, ist denn die Berliner Luft so schlecht, obschon doch Berlin als die reinlichste Stadt der Welt gepriesen wird? Leider wird sie trotz aller Straßenfegerei immer schlechter, und zwar wegen der Automobile. Wenn ich jemals auf die Pferde gescholten habe we­gen der Andenken, die sie auf den Straßen zurück- lassen, so nehme ich jetzt alles zurück und erkläre die Zuggäule für Ehrentiere. All' der flüssige und feste Abfall der Pserdewagen ist ein kleineres, viel kleine­res Hebel im Vergleich mit dem gasförmigen Abfall, den die Kraftwagen zurücklassen. Dieser Benzin- und Benzolgestank ist scheußlich und wird immer uner- ttäglicher. Dem Unrat der Tiere konnte man immer noch ausweichen, aber den Mißdüften der vielen Auto­mobile und der großen Kraftomnibusse kann man nicht entgehen. Immer wieder hat man die Nase voll von dem widerlich häßlichen Rauch, man muß ihn schlucken, weil man das Atmen beim besten Wil­len nicht einstellen kann- Und wenn man in so einem stänkrigen Omnibus fährt, so bekommt man für einen Groschen eine ganze Viertelstunde lang die Lunge mit Benzindüften imprägniert. Bisher benutzte man den Asphalt, um das großstädtische Wesen und Trei­ben nach der Schattenseite hin zu kennzeichnen. Jept sollte man lieber auf den Benzingeist schimpfen, statt

versteht, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ihre Ge- schäfte zu betreiben, so gelangen ins Ausland nur sehr dürftige und verstümmelte Nachrichten über die inne­ren Vorgänge. Das aber weiß doch alle Wett, daß dort Bonibenattentate und Putsche an der Tagesord­nung sind und daß jetzt auch in militärischen Kreisen bedenkliche Strömungen gegen die Machthaber sich bemerkbar machen.

Ans dem Balkan geht der Krieg seinem Ende entgegen. In Bukarest sind die Delegierten der Bal­kanstaaten zusammengetreten und haben zunächst einen fünftägigen Waffenstillstand beschlossen. Hof­fentlich wird daraus ein dauernder Friede

Tie chinesischen Wirren nehmen ihren Fortgang. Nach den bisherigen Meldungen sind die Regieningstruppen über die Rebellen im Süden Sie­ger geblieben, doch scheint die Wiederherstellung der Ruhe noch in weitem Felde zu stehen, zumal Ruß­land und Japan an der baldigen Wiederherstellung friedlicher Zustände im Chinesenreich wenig Gefallen zu finden scheinen. Wir Deutschen haben in China große toirtschaftliche Interessen und auch von poli­tischem Gestchispunkte aus darf die Bedeutung China- für uns nicht zu gering bemessen werden. In einem Kriege mit Rußland könnte China für uns ein wert­voller Bundesgenosse fein und schon darum könnten wir uns mit einer Aufteilung des Riesenreiches nicht gut einverstanden erklären. Zum Schutze der zahl­reichen Deutschen im fernen Osten hat unfere China­flotte besondere Ordres erhalten.

Ausland.

** Der zweite Kongreß der chrfftlichen Gewerk­schaften Belgiens, der dieser Tage in Brüssel statt- fand, nahm einen glänzenden Verlauf. Die christ­lichen Gewerkschaften Deutschlands waren durch den Reichstagsabgeordneten Schiffer vertreten; ferner waren Abgesandte erschienen aus Deutschland, Hol­land, Frankreich, Oesterreich, der Schweiz, Italien und aus Mexiko. In einer bemerkenswerlen Rede überbrachte Prälat van Rooh dieGrüßedesKar- d i n a l s Mercier, der den christlichen Gewerk­schaften feine dolle Sympathie ausspreche und hoffe, daß sie an der bedeutsamen sozialen Aufgabe, zu deren Erfüllung sie berufen seien, treu festhalten würden. Reichstagsabg. Schiffer wies in seiner Be­grüßungsansprache hin auf die christliche Gewerk­schaftsbewegung in Deutschland mit ihren 360 000 Mitgliedern und 400 Funktionären bei einem Ver­mögen von acht Millionen Mark. Rens de Bruhne erstattete den Jahresbericht. In dem letzten Jahre hat die christliche Gewerkschaftsbewegung in Belgien rund 20 000 neue Anhänger gewonnen, und hat jetzt mehr als 100 000 Mitglieder- Mehr und mehr er­kennen die christlichen Arbeiter die Bedeutung ihrer Organisation. Generalsekretär P. Rutten stellte fest, daß die Fortschritte der christlichen Organisa­tionen in Verbindung stehen und abhängig sind von folgenden Voraussetzungen: 1. eine entwickelte soziale Ausbildung unter den Vorkämpfern der Bewegung, 2. die Zentralisation der Organisation, 3. die beharrliche Agitation der ununterbrochen tätigen Agitatoren, 4. die Unterstützung der christlichen Organisation durch wirtschaftliche Arbeiten. Frl- Baers berichtete über die Gewerkschaftsbewegung unter dem weiblichen Ge­schlechte und machte Vorschläge zu einer wirksamen Propaganda. Ein Delegierter befürwortete die Haus- agitation. Von anderer Seite wurden die Mißstände in den Zinkhütten zur Sprache gebracht, p. Rutten teilte mit, daß in dieser Frage eine ministerielle Audienz stattfinden werde. Weitere Wünsche wurden laut für die Eisenbahner und für die Dockarbeiter, so­wie bett, die soziale Versicherung- Hinsichtlich der letz­teren sprach sich der Kongreß einstimmig für deren obligatorische Einführung aus. Im einzelnen behan­delte der Kongreß die Frage der Arbeitsunfälle/die Frage der Kollcftiv-Arbeitsverträge und die Notwen­digkeit von Spareinrichtungen aus gewerffchaftltcher Grundlage. Gleichzeitig mit dem Kongreß tagte die Sektion für Angestellte, welche die von der Regieung angestellte Rundftage über die Lage der Angestellten begrüßte und deren beschleunigte Durch­führung forderte. Der Kongreß gab noch dem Wunsche Ausdruck, daß sich sein Bureau mit den katholischen Vereinen Englands in Verbindung setzen solle, welche den Wunsch geäußert haben, an einem internationalen christlichen Vereinsleben teil­zunehmen.

; Italienische Beamte und Nkbeugeschäste. Der Ministerrat genehmigte den Rücktritt des Marine­rn t nist er 8 Leonardi-Cattolica und schlug als Nach-

an der Herrlichkeit der flüssigen Natur sich gleicher­weise freuen, wie an der ruhigen Schönheit der festen Natur. Viel erquickliche Flecken gibts auf der Welt. Bedauerlich ist nur, daß die Menschen dort, wo die Natur besondere Anziehungskraft hat, alsbald ein modernes Weltbad mit allen Schikanen des groß­städtischen Lebens einrichten. Voriges Jahr war ich einige Wochen an der Ostsee in Swinernünde. Der breite Sandsttand dort ist herrlich, für Kinder na­mentlich ein Paradies. Aber an der Ostseite, wo die Leute sich zusammendrängen, hat man aus dem guten Seestrand einen Abklatsch von Berlin gemacht, fogar ein Berlin bei Nacht. Das sage ich nicht, um die Leute von Stvinemünde abzuschrecken, sondern nur, um den Besuchslustigen den Rat zu geben: Geht nach Westen in die stillere Sttecke nach Ahlbeck zu und laßt das aufgetakelte „Weltbad" rechts liegen- In ^Cux­haven geht es, obschon man dort auch 30000 Som­mergäste zählt, viel einfacher und natürlicher ^zu. Tort gibt Berlin in keiner Weife den Ton an. Ter Ortsgeist ist plattdeutsch. Wenn auch die plattdeu:- schen Wotte (leider!) selten werden, so bleibt doch die Aussprache. Wie der Stimmenklang, so zeigt auch das ganze Benehmen, die Kleidung, die Gesichtsfarbe und "die Gesichtsbildung usw. einen angenehmen Unterschied von Berlin und den berberlinerten Teil Deutschlands- Das Mittelglied zwischen beiden Rich­tungen bilden die Sachsen, und es ist wunderbar, daß man sowohl am Ostseesttand als auch hier an der Nordsee so v>-l urwüchsiges Sächsisch hört. In Sachsen herrscht offenbar eine große Vorliebe für die See, und unser Marineamt könnte bet weiterem Be­darf eit Schiffsjungen und Matrosen Wohl auf den sächsischen Nachwuchs ein Auge werfen, llebrigens ist Cuxhavtn sehr geeignet, um den Flottengeist zu Wecken. Denn Hamburg ist der größte Hafenplatz des Festlandes, und Cuxhaven ist nichts anderes, als der Seehafen von Hamburg, in dem auch die Kriegs­marine ihre Tätigkeft entfaltet. Die hiesige Signal­station für den Echiffsrueldedienst bildet eine Zen­trale bei; größter Bedeutung für den gesamten Ver­kehr auf dem Wasser. Doü der Küstenartillerle be­kommt man Jiuposantes zu sehen, ohne sich an mili- täriftoe Geheimnisse heranzudrängen. Zivile Teer­jacken »nd mUttartsche Blaujacken beleben das

folger den Konteradmiral Millo dem Könige vor. Außerdem beschloß er, daß eS in Zukunft keinem Zivil- oder Militärbeamlen des Staates, gleichviel ob dieser aktiv oder außer Diensten sei, gestattet sein soll, Geschäfte mit Regierungsbeamten ab- zuschließen, sei es unter ihrem Namen, oder als Ver­treter und Zwischenhändler von Privatfirmen. Dadurch toll dem Uebelstand abgeboifen werden, daß ehemalige Offiziere und pensionierte Beamten, weil sie sich der Bekanntschaft ihrer noch im Dienst befindlichen Kollegen rühmen können, weil sie den Gang der dureaukratifchen Maschine und die Bedürfnisse der Militärabtellungen genau kennen, Vertretungen industrieller Firmen über­nahmen und Geschäfte abschloflen, die allzu häufig Veranlassung zu Kritiken gaben.

△ Gewissensfreiheit der Katholiken in Rußland. Die Katholiken Rußlands warten mit Spannung auf die Beratung der Duma über neue Gesetze be­treffend die Gewissensfteiheit. Bekanntlich wird in Rußland zum Schaden der katholischen Kirche Katho­lizismus und Polentum als ein und dieselbe Sache bezeichnet. Die Russen haben auch deshalb vielfach Bedenken, katholisch zu werden, weil es sich nach ihrer Meinung um einen Uebertritt zum lateinischen Ritus, dem Ritus der Polen handelt. Die Regie­rung bestärkt diese Auffassung, um Konversionen zu verhindern. Katholisch zu werden, gilt in den „patriotischen" Kreisen Rußlands vielfach als Vaterlandsverrat, als Uebergattg zu dem russenfeindlichen Polentum. In Rom hat man diese Schwierigkeit längst behoben und in Rußland kann jeder, der katholisch werden will, das tun, ohne den flavischen Ritus aufzugeben. In Rom selbst wurde eine Kirche für die russischen Katholiken des flavi­schen Ritus erbaut. Diese russischen Katholiken fla­vischen Ritus wünschen nun, daß ihre Rechtslage vom Staate geregelt wird und daß man sie als gute Russen und Katholiken nach ihrem Ritus ungestört leben läßt. Die Frage ist nun, ob die russische Re­gierung, da ihr das Argument des „polnischen rus­senfeindlichen Katholizismus" entzogen ist, die Tat­sachen berücksichtigt und den russischen Katholiken die versprochene Freiheit beschert. Denn es steht fest, daß die Erlasse vom 15. April und 17. Oktober 1905 die Gewissensfreiheit verkündigt und die Erlaubnis gegeben haben, aus der offiziellen Kirche auszutreten; es ist auch Tatsache, daß infolge des Toleranzedikts eine Anzahl von Russen, deren Patriotismus unzwei­felhaft ist, zum Katholizismus übergetreten ist, anßer- I dem bestätigt sich, daß die katholische Kirche selbst die Bewahrung des Ritus wünscht und von diesen rus­sischen Katholiken verlangt, daß sie die orientalische Liturgie und Disziplin beobachten. Ans diesen Tat­sachen ergibt sich aber für die russische Regierung die logische Folgerung: die Position ^dieser Gruppe russischer Katholiken orientalischen Ritus gesetzlich zu regeln. Die russische Regierung beklagt sich, daß der Katholizismus in Rußland aus verschiedenen Ursachen noch immer ein gefährliches Werkzeug der polnischen Bestrebungen ist. Ein Grund mehr für die Regierung, die russischen Katholiken gegen diese Gefahr zu schützen und ihnen, anstatt sie sich zu Feinden zu macken, die zustehende Freiheit zu geben, sie offen anzuerkennen und ihnen jede bürgerlichen Vorteile zuzusickern, die sie schon allen anderen Kon­fessionen zugebilligt hat.

vermischtes.

* Ter Gesangverein als Retter i« der 9lot In Hörde in Westfalen brach nachts in einem alten Geschäftshause Großfeuer aus, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff. Das Treppenhaus war sofort verqualmt und unpassierbar, und so wurde die Situation für die in den oberen Stockwerken wohnen­den Familien recht kritisch. In der höchsten Not er­schienen die Mitglieder des Gesangvereins „Lieder­kranz", die gerade von einer Probe heimkehren woll­ten. Den Sängern gelang es, auf langen Leitern sämtliche Hausbewohner aus dem brennenden Ge­bäude zu retten. Die Feuerwehr, die bald nachher erschien, hatte mehrere Stunden angestrengt >u tun, ehe sie des Feuers Herr wurde. Das Haus brannte vollständig aus.

* Ein rührendes Beispiel von Hundetreue wird uns auS Bad Aibling in Oberbayern gemeldet. Dort ist im Oktober vorigen Jahres em Bürger gestorben, dessen (Stab täglich von feinem Hunde besucht wird. Das treue Tier läuft nach Beendigung feinet Nacht­wache frühmorgens nach dem Friedhof und wartet bis das Tor geöffnet wird, um bann zum Grab seines Herrn zu geben, wo es lange Zeit liegen bleibt.

Ä Das Hochzeitsgeschenk der politischen Gefange­nen. Ter Exkönig Manne Ivon Portugal hat von seinen Anhängern einen ergreifenden Beweis chrer unverminderten Treue erhalten. Unter den zahlreichen Geschenken, die dem König anläßlich seiner bevorstehenden Vermählung mit der Prinzessin Auguste Viktoria von Hohenzollern, die am 23. Sep­tember stattfindet, zugingen, befindet sich ein Ring aus Zinn, der von politischen Gefangenen in dem Kerker in Lissabon angefertigt wurde; der Ring wurde heimlich ans dem Kerker gebracht und konnte dem Exsouverän übermittelt werden. Dieses Ge­schenk ist für den König besonders wettvoll, weil er weiß, welche Schwierigkeiten seine Getreuen bei der Anfertigung des Ringes und besonders bei dem Hin- ausbringen des Geschenkes aus dem Gefängnis über­winden mußten. Die politischen Gefangenen Por­tugals gehören allen Klassen der Bevölkerung an, aber wie es scheint, befindet sich eine große Anzahl von Goldarbeitern und Juwelieren darunter. Die­sen ist es gelungen, von ihren Utensilien aus Zinn einige Stücke wegzunehmen, aus denen sie den Ring machten, in den das königliche Wappen eingrabieri wurde.

(BottesMenfforönung.

Katholischer Gottesdienst.

Sonntag, 3. August, Fulda Dom. v,6, 6 unb 7 Uhr hl. Mess n, Vs7 Uhr hl. Messe unb Kommunion der chrrttenlehrpsüchtigen Jünglinge in der Mattenlapelle, 8 Uhr Pfarramt und Predigt, *'»10 Ubr Umgang unb Kathebralamt, 11 Uhr Christenlehre, Vs 12 Uhr hl. Messe unb Predigt, V,2 Ubr Andacht unb Christenlehre, 4 Uhr Andacht unter besonderer Anrufung des hl FranziSkuS unb Verrichtung der Litanei von allen Heiligen. Von Samstag abend, den 2. August bis Sonnenuntergang, den 3 August können alle Gläubigen nach Gnpfang der hl. Sakramente so oflmal einen vollkommenen Ab­laß gewinnen, als sie die Domkirche besuchen und in derselben eine Zeitlang nach der Meinung des hl. VaterS beten? — Stqdtpsarrkirche. (Portiunkula-Ablaß.) •/i6 Uhr Austeilung der hl. Kommunion, V«6 Uhr hl. Messe, V-7 Uhr hl. Messe, Predigt und Kommunion der Mitglieder des Männerapostolats, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, V«10 Uhr und Vs2 Uhr Christenlehre, ‘/»IO Uhr Amt und Predigt, 11 Uhr hl. Messe m b Pre­digt, 3 Uhr Rosenkranzbruderschast. — Pfarrkirche ,um heiligen Geiste. V«7 Uhr Austeilung der hl. Kom­munion, 7 Uhr Frühmesse, 8 Uhr Hochamt mit Predigt, V»5 Ubr Christenlehre, 5 Uhr Andacht mit Segen. — Sodalität VilO Uhr. — Frauenberg. Hl. Messen von 5 bis 7 Uhr, 8 Uhr Rosenkranzmesse mit kurzer Predigt, 9 Uhr Hochamt. Nachm. 2 Uhr Kreuzweg-Andacht mit Predigt auf dem Kalvarienberge.

Nonnenkirche. Vom 3. dir 10. August täglich Vs9 Uhr Hochamt.

Kassel-Alt. a) Pfarrkirche zur heiligen Elisabeth (Fttedrichsplatz 16): 6 unb 7 Uhr heilige Messen mit Austeilung der heiligen Kommunion, 8 Uhr Militär­gottesdienst (auch für Zivilpersonen), 9V, Uhr Hoch­amt mit Predigt, 11 Uhr Kindergottesdienst mit Predigt. Nachmittags 2Vs Uhr Andacht. — Werktags 7V< und 8 Uhr heil. Messen. — Gelegenheit zur hl. Beicht vor Sonn- und Festtagen nachm. von 5 bis 7 und 7*/t bis 8Vs Uhr, an diesen selbst von 6 Uhr morgens an. — b) Pfarrkirche zur hl. Familie (Kölnische Straße 58, nahe beim Hauptbahnhof): Heute kann der Portiunkula-Ablaß gewonnen werden. Vs7 und 8 Uhr hl. Messen, */slO Uhr Hochamt mit Pre­digt, 11 Uhr hl. Messe mit Predigt; abends Vs8 Uhr Andacht unb Segen. — An den Werktagen 710 unb 7“ Uhr hl. Messen. — Gelegenheit zu beichten: An den Vor­abenden der Sonn- und Festtage von nachm. Vs5 Uhr an; an diesen selbst morgens von 6 Uhr an. — Kassel-LLehl« Heiden. Pfarrkirche St. Marien (Rosenkranzkirche am Neumarkt): */>7 unb 8 Uhr hl. Messen mit Austeilung der heil. Kommunion, Vs 10 Uhr Hochamt mit Predigt, 11 Uhr hl. Messe mit Predigt; abends 8 Ubr Andacht mit Segen. —An den Wochentagen 71/* u. 7V« Uhr hl. Messen. — Gelegenheit zu beichten vor Sonn- unb Festtagen nachm. von 4Vs—6Vs Uhr, an biefen selbst von morgen« 6 Uhr ab. — Kassel-Rothenditmold. (Josephskirche Vell- Marsche Straße 82): Vs8 Uhr Frühmesse, Vs 10 Uhr Hoch­amt mit Predigt, nachm. Vs2 Uhr SegenS-Andacht. — Gelegenheit zu beichten: Samstag nachm. von 5—7 und 8 — 9 Ubr; Sonntag srüh von 6 Uhr an. — Kassel-Bettenhausen. 6V< Uhr Frühmesse, 9 Uhr Hoch­amt unb Predigt; nachm. 2 Uhr Christenlehre und Andacht.

Eisenach. 7 Uhr Frühmesse, 9Vs Uhr Hochamt mit Predigt unb Christenlehre, nachm. 2 Uhr Segensandacht.

Evangelischer Gottesdienst.

Sonntag, 3. August. Fulda. Vormittags 8 Uhr Superintendent Ruhl, */slO Uhr Pfarrer Weber. — Bieberstein. Vorm. 9 Uhr Pfarrer Reich.

auf die Asphaltgesinnung, und wenn einer der Reichs- Hauptstadt einen Ekelnamen anhängen will, so kann er statt Berlin kurzerhand Benzin sagen. Wo bleibt die Polizei, die doch sonst ihre Nase in alles steckt? Hier haben wir ein gröbliches Attentat auf die Nasen des Volkes, das zugleich ein Attentat auf die Gesundheit ist. Auge und Ohr werden viel sorg­samer beschützt als. die Nase und die mit ihr zusam­menhängenden Atmungsorgane. Wir müssen uns in der Tat ernstlich an die Nase fassen und uns über­legen, daß der liebe Gott uns diesen fünften Sinn gegeben hat, um ihn zweckmäßig zu gebrauchen, nicht aber um ihn mißhandeln und verkümmern zu lassen. Die Polizei soll nur mal ernstlich gegen die Luftver- gegen hat, um ihn zweckmäßig zu gebrauchen, nicht aber um ihn mißhandeln und verkümmern zu 'assen. Die Polizei soll nur mal ernstlich gegen die Luftver­pestung durch die Benzinwagen vorgehen. Dann toirb sofort die Technik aus der Not eine Tugend machen und Vorrichtungen erfinden, um eine bessere Verbrennung des Benzins oder eine bessere Ableitung der Abgase herbeizuführen. Und sollte das nicht aus­reichen, so müßte man sür den regelmäßigen Ver­kehr in den städtischen Straßen den eleltitl ch e n Antrieb vorschreiben. Wir haben ja jetzt schon etliche elektrische Droschken. Es handelt sich nur um die Kostensrage, - und die muß so oder so überwunden werden, wenn so große ästhetische und gesunoyertl'che Mißstände aus dem Benzinverbrauch sich ergeben.

Licht und Luft — das sind die unentbehrlichen Zwillinqsgüter. Für gutes Lickt wird besser gesorgt, als für reine Luft. Auch in unseren, Privatleben und namentlich in der eigenen Häuslichkeit müßten wir die Nase besser gebrauchen. Eine Erholungsreife zum Luftschnappen ist doch schließlich nur ein Notbe­helf. Sorge lieber feder, daß er und die Seringen andauernden einer möglichst guten Lust leben- Wenn auch die berbe Lieblichkeit der Seeluft nichts überall und andauernd zu erreichen ist, fo läßt sich doch für die Reinheit und Frische der Stubenluft sehr viel tun, wenn man nur die Nase al6 Prüfstein zu gebrauchen versteht und sür die zweckmäßige Lüftung ebenfogui sorgt, wie für zweckmäßige Ernährung und Kleidung. Und jetzt gehe ich noch e‘f ' "n Strand spazieren —- mit auiaeÄäy!«,' Nüft-m.