Monats-veNage:
x
wochen-VeNage:
s Zieftungsliften der preutzisch-süddeittsch« Klaffen-Iotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan. n
Größere firn ei p en erbitten wir uns tags vorder.
u
40. Jahrgang
Donnerstag den 31» 3uli 1913
Erstes Blatt.
Nr. 175
Ausland.
trfdjeint «lgNch mit «usnahme »er Sonn- «mb Zetertage. Mertel.
Ehrlicher Bezugspreis ohne Brlngerlobn und Bestellgeld In Hilda > sowie auswärts 1.50 Mord. — Rotatkmsöru» und Oerlag der v ' X x Zuldaer flttienbrudterd In Zulda. Zemsprecher Nr. S. 5 s
Deutsches Reich.
L Berlin, 30. Juli 1913. In Balestrand in Norwegen wurde in Gegenwart Kaiser Wilhelms und König Haakons von Norwegen Vie vom Kaiser geflirtete Fritjof-Statue feierlich ft enthüllt. — In Gerabronn tft der württembergische Landtagsabgeordneie und frühere Reichstagsabgeordnele Wilhelm Augst, 60 Jahre alt, gestorben. Er vertrat im Reichstage den Wahlkreis Gerabronn von 1895—1903 und gefaßt te der Volkspartei an.
* Der Ausschuß zur Prüfung der Rüstungslieferungen. Die vom Reichstag verlangte parlamentarische Kommission, deren Au'gabe es sein soll, die gesamten Vt i li- lärlieserungen einmal eingehend zu prüfen, wird Rillte Oktober zusammentrelen. Die Kommission wird vom Reichskanzler zusammengesetzt, der sich dem wünsche des Reichstags gemäß an die Vorschläge halten soll, die ihm von den einzelnen Fraktionen gemacht werden. Vom Zentrum sind bekanntlich die Abgeordneten Erzberger und Speck berufen.
* Die Strafaussetzung bei Jugendlichen hat sich, wie wir in der ,Kreuzzeitung' lesen, in den meisten Fällen vorzüglich bewährt. Es ist darum auch in immer steigender Anzahl alljährlich von der Straf- ausietzung Gebrauch gemacht worden. Während tm ersten Jahr 3200 Fälle verzeichnet wurden, in denen die Strafaussetzung zur Anwendung kam, wuchs ihre Anzahl im Jahre 1911 aus rund 12030 und flieg Dann über 13 009. Hand in Hand geht damit eine starke Vermn derung der Anzahl der Jugendlichen in Den Ge.ängmsjen. Die Jugendabteilungen, die noch vor einigen Jahren rund 3* >00 Gefangene enthielten, umfassen jetzt kaum noch 300. Auch bei den Jugend- heften, be. denen sich von der Aussetzung der Strafe em Erfolg nicht erhoffen ließ, sind Maßnahmen getroffen, um der Gefängnisstrafe einen hohen er- zieherifchen Werl zu verleihen, indem die Beamten, Die die x<ugenoabietlungen leiten, besonders dafür
JuWaer Zeifim
A Eine Wahlreform wünschen schon feit Jahren die Staatsbürger in L u x e m b u r g. Da jedoch eine Reform in der Verfasiung des Landes während der Regentschaft nicht durchgeführt werden konnte, steht das Volk erst jetzt, nach Beendigung der Regentschaft, die Möglichkeit bei Erfüllung seines Wunsches. Der liberale-sozialistische Block konnte es aber nicht über sich bringen, die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes anzuerkennen, weil er befürchtete, daß dadurch die katholische Rechte die Mehrheit bekommen könnte. Die Blockmehrheit stimmte daher nicht für das allgemeine Wahlrecht, sondern brachte an bern bisherigen Wahlrecht nur eine Aenberung an: Wählen kann, wer wenigstens 10 Franken Steuern, bie Gemeinde- umlagen mit einbegriffen, zahlt. Durch biefe Aenberung ist bie Zahl bet Wahlberechtigten bebeutenb gestiegen, aber es bleiben boch noch viele kleine Arbeiter, besonbers Lanbarbeiter, welche an der Religion hängen, ausgeschlossen. Die Linke hat auch ben Vorschlag ber Rechten, baß das Wal echt nicht an bem Hauptort des Wahlkreises, fontc hi den einzelnen Gemeinben ausgeübt werben soll, iiefgeroiefen. Tie Antiklerikalen furchten, baß burch ,<c Annahme bei letzten Bestimmung ben katholischen Gablern die Aus- " " "fechtes erleichtert werden könnte. Trotz- begründete Hoffnung, baß bei ben näch-
X Der Krieg auf dem Balkan.
In Bukarest haben gestern bie Beratungen der Friedenskonferenz begonnen. Erfreulicherweise wird der Donner der Kanonen nicht bie bumpfe Begleitung zu bem Friebenslieb in Bukarest bilden. Man ist übereingekommen, einen fünftägigen Waffenstillstand einzuhalten, womit man endlich gewähren würde, was man bisher dem Drängen Rumäniens verweigert hatte. Unter diesen Umständen wären Beratungen in Risch nichtig. Tatsächlich hat denn auch der Vertreter Bulgariens Risch verlassen, weil dort Verhandlungen nicht stattsinden. Gewiß sind damit nicht alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt. Schon verlangt Benezilos für Griechenland den Besitz Kavallas und wirst damit die schwierige Frage auf, wie die Verteilung der Küste des Aeoäischen Meeres vorgenommen werden soll. Trotz dieser und mancher anderen Meinungsverschie. denheiten hofft man, in ungefähr zehn Tagen bie Verhandlungen zu erlebigen, was badurch erleichtert wirb, baß die Botschafter mit Vollmachten versehen sind. Von den Bedingungen, die Serbien und Griechenland stellen, hört man freilich noch immer nichts. Es verlautet nur, daß sie auf dem Abschluß eines gemeinsamen Friedens bestehen. Die Rolle, bie Griechenlanb spielt, ist noch immer unklar, vor allem in seinen Beziehungen zur Türkei. Jetzt wird berichtet, daß bie beiben Staaten die diplomatischen Beziehungen zu einander wieder ausgenommen haben, was man wohl nur auf eine Unterstützung der türkischen Forderungen durch Griechenland deuten kann. Wenigstens gebrauchten Enver Bei imd der türkische Thronfolger große Wo-te, und versichern, von Adrianopel nicht zu lassen. Ob die Pforte diese Ansprüche aufrecht erhalten kann, darüber ist sie vielleicht sich selbst nicht klar. Richt nur, daß England mit der Entziehung der Unterstützung zur Organisation Kleinasiens droht, es machen sich auch andere Schwierigkeiten bemerkbar. Sie liegen in der Verproviantierung der türkischen Truppen in Thrazien, die bereits im ersten Krieg eine der wesentlichsten Ursachen für die Niederwerfung der Türkei geworden ist.
Die Bukarester Verhandlungen.
W Bukarest, 30. Juli 1913. Die Sitzung bei Friedenskonferenz begann um 4 Uhr. Majoreseu hielt eine Ansprache. Auf diese erwiderte der griechische Ministerpräsident Veniselos. Er erklärte, daß die Missionen dem Vorschlag der Aufhebung der Feindseligkeiten zustimmten. Tontschew, der sich dem Vorschlag anschloß, drückte den Wunsch aus, daß alle Misiionen von dem gleichen Geiste der Versöhnll-^keit beseelt sein möchten wie die Bulgaren. Man unterbrach dann die Sitzung, um ben I militärischen Sachverständiaen Gelegenheit zu geben, das Abkommen über die Einstellung der Feindselig- I feiten zu redigieren- Rach der Wiederaufnahme der I Sitzung billigte die Konferenz das Protokoll über einen W a f f e n st i l l st a n d v ö n fünf Tag e n. I Pier Exemplare wurden den Chefs der Millionen I übergeben, um an die Hauvtguartiere telegraphiert zu werden. Alle Bevollmächtigten verzeichneten nut lebhafter Genugtuung die einmütige Zustimmung zu I dem Waffen still stand. Die Konfereiiz vertagte llch
alsdann auf morgen nachmittag 4 Uhr. Um 6 Uhr wurde Veniselos vom König in Audienz cmvfange Ter König der Hellenen hatte an Veniselos cm langes Telegramm gerichtet, in dem er gegen bte < P' tungen der Bulgaren von angeblichen Grausamkei n I der Griechen gegenüber den Kutzowalachen protestier und seinerseits die Bulgaren der Metzeleien uni Brandstiftungen beschuldigt. König Konstantin be. | ruft sich dabei auf das Zeugnis sämtlicher Vertretei
sten Wahlen das Regime, welches bie Entchristlichung Der Schule in bie Wege geleitet hat, stürzen wirb.
A Vom französischen"Kulturkamps. Der Generalsuperior der Väter vom Heil. Herzen Jesu von Picpus hat bei dem Ministerpräsidenten Barthou gegen den Beschluß ber Kammer, welcher bie Regierung ermächtigt, bie Immobilien ber Gesellschaft in ber Rue be Picpus zu erwerben, feierlichen Protest erhoben. Die Väter vom Heil. Herzen Jesu sind eine Missionsgesellschaft, die 1805 von dem französischen Priester Pierre Jos. Ccudrin gegründet wurde und von dem Mutterhaus in Paris in der Piepusstraße den Namen Picpus-Gesellschaft annahm. Von diesem Hause, das jetzt vom Staate „liquidiert" wird« sind im Lause eines Jabrhunderts zahlreiche Missionäre, besonders nach Polynesien ausgezogen, wo sie stanzösischen Einfluß und französische Sprache verbreiteten. In dem Haus- der Rue Picpus hat sich eines der bekaiintesten und berühmtesten Mitglieder ber Gesellschaft, ber Apostel ber Aussätzigen, P. Damian Gott geweiht. Alle biefe Erinnerungen und Verdienste ber Missionäre haben ihre Grünbungsstätte nicht retten können.
* Reue Umtriebe Castros. In Wilhelm st ad sind Gerüchte im Umlauf, daß die Anhänger Castros Coro (Westindien) eingenommen und den Gouverneur General Jnrado festgeiwmmen hätten. Außerdem verlautet, daß Castro am Dienstag in Venezuela gelandet fei. Die politische Lage in Venezuela hat sich verändert. Zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten wurden verhaftet. Eine Anzahl Anhänger Castros, darunter zwei seiner Neffen, reiften heimlich nach Coro und Bogota ab. Die New-Iorker Blätter melden, daß die Anhänger Castros eine Revolution vord ereiteten.
♦* Die Unruhen in China. Infolge der Einste!« lung des gewöhnlichen Dienstes der Handelsdampfer sind die Fremden'Niederlasjungen von Man« gel an Lebensrnitteln bedroht. Die fremden Konsuln haben bei den Admirälen der Flotte der Nord» i partei wegen des Bombardements von Schanghai in Der letzten Nacht energischen Protest erhoben. SJlög- licherweise wird eine Flotten-Aktion der internationalen Streitkräste erfolgen. — Nanking hat sich der Regierung des Nordens wieder unterworfen.
Preise ber Konkurrenzfirma haben miiteilne lassen. Dafür soll er ben Beamten Gefälligkeiten burch Ein- labungcn in Restaurants unb Theater erwiesen unb Bargelb zu Weihnachten unb bei anderen Gelegenheiten sowie Gelbbarlehen gewährt haben. Die Voruntersuchung hat sich auch barauf erstreckt, ob , unb inwieweit Mitglieder des Direktoriums der Firma Krupp von der Tätigkeit Brands Kenntnis hatten, und weiter darauf, wie der Abg. Liebknecht in den Besitz der dem Kriegsminister überreichten Geheim- berübte gekommen sein kann. Abg. Liebknecht wurde darüber auch als Zeuge vernommen unb hat angegeben, baß ihm bie Berichte mit bem unleserlich geschriebenen 9tamen des Absenders durch die Post zugegangen seien und daß er das Kuvert vernichtet habe. Sowohl Brand wie die. anderen Angeklagten sind nach einigen Wochen aus der Untersuchungshaft entlaßen worden.
Tas Militärgericht wird in der bevorstehenden Verhandlung nun zunächst über die Schuld ber militärischen Angeklagten urteilen, unb bann wird in ber Sache vor bem 'zuständigen Zivilgericht verhanbelt werben. Daß bei beiben Gerichten die Oessent- lichkeit nur in bem unbebingt im Interesse der Landesverteidigung gebotenen Maße ausgeschlos- s e n werden wird, darf als sicher angenommen werden. Für bie Verbandlungen vor dem Militärgericht sind drei Tage in Aussicht genommen.
T „brüske Uebersall".
In Frankreich wird bekanntlich *aS Schreckgespenst eines plötzlichen Ueberfalles diuch die deutsche Armee an die Wand gemalt, wenn man das Volk zur militärischen Opferwilligkeit bewegen will.
Warum und wozu wir rötlich Frankreich überfallen sollten, ist uns Deutschen ein Rätsel. Wir wollen von Frankreich nichts haben, und wenn wir tn inen Krieg verwickelt würden, so tonnten wir nach errungenem Siege kein Stück von dem zranzopjchen Grenzgebiet gebrauchen. Die Maste der Franzosen traut uns aber trotz alledem ben unsinnigen Plan des brüsken Ueberfalles zu. Nur ein gewesener Minister, der vielgewandte Millerand, fühlte unlängst das Bedürfnis, zu dem deutschen AngriffAlan den fehlenden Grund und Zweck hinzuzudichten. Er meinte, Teutich- lanb werde bei seiner wachsenden Bevolkerungszahl ui wirtschaftspolitische Schwierigkeiten kommen und in dieser Rot über Frankreich §crfaaen. Dieser mühselige Versuch der Ratsellosung schertert aber an der einfachen Tatsache, baß auf dem Weltmärkte keineswegs bas bebädjtige Frankreich, sondern vielmehr England und ^Rorbametita unsere ern-
Hn,tlgen: Der Reum du er dnfpelfigen Colonel; dir, 4T am breit, Wollet 15 Pfg.
„ „ ___________D._ _____ ---- _ Reklamen: Der Raum einer Colonefacite, 74 mm breit, kostet 40 Pfg. Bel
3lluftrierte Sonntoasztitung ! $uföaer Gefdjidjtsbläftet KÖ?kursiäJl?entolrbb?er' bewimgteRcto'tt1 rfnnmgnlltr7tUunp50rPfür“lat€in2 ” * klagen oon Sortierungen Ifl Sulba. fin;eicen-flmahme bis 10 Uhr eormittags.
öorgebilbel roetoen.
* Stuttgart, 30. Juli 1913. Herzog Philipp von Württemberg, ber nächste Anwärter auf Den würUernber gischen Königsthron, feiert heute i am 30. Juli) in seinem Sommeraufenthalt Gmunden in aller Stille im Kreise ferner Familie ben 75. Geburtstag. Geboren als Sohn bes protestantischen Herzogs Alexander von Württemberg unb bereu Katholischer Gemahlin, ber Prinzessin Maria von Orleans, ber Tochter bes „Bürgerkönigs" Louis Philipp, würbe er selbst protestantisch getauft, erhielt aber eine ganz katholische Erziehung. Als er int Jahre 1865 sich zu Wien mit ber Erzherzogin Mana Theresia, ber Tochter des Erzherzogs Albrecht, vermählte, war bie Aussicht, einst für ben württembergischen Thron in Frage zu kommen, noch in weiter Ferne. Doch heute «ft er ber nächste Anwärter, da sämtliche anbere thron- folaeberechtigten Linien im Mannesstamm erloschen sind. Der Herzog lebt in Stuttgart sehr zurückgezogen- er machte noch nie von bem ihm verfassungsmäßig zustehenben Recht ber Angehörigkeit zur Ersten Kammer Gebrauch, im Unterschieb von seinen bret Söhnen, ben Herzögen Albrecht, Robert unb Ulrich.
o. Der sozialdemokratische Parteibericht.
Der sozialbemokratische Partetvorstand be- I ginnt mit seiner Berichterstattung an ben biesjahn- I gen Parteitag zu Jena, ein mießes Geschäft, das wenig geeignet erscheint, den Katzenjammer aus den I Brummschädeln der Genossen zu vertreiben und noch weniger, den Parteivorstand mit einer Gloriole zu umgeben.
Ter Parteivorstand sucht den Geiwffen plaupbe! zu machen, was alles seit bem Chemnitzer Parteitag getan unb geschafft worden ist. Das tut er mn gro- | ßen Worten und pompösen Phrasen; wer aber dahinter in unbescheidener Neugier etwas sucht, dem I klingt es von allen Setten in die Ohren: wir Haden geredet, geredet und nochmals geredet, aber nichts I und auchgarnichts erreicht. Da lieft man in dem Bericht von einer „wuchtigen Bewegung gegen bie herrschend Agrarpolitik", von einem „Protest gegen bie Kriegshetze unb ben Militarismus", von bem „mternationfaen Kongreß in Basel", und von ber I Berner „Verständigungskonferenz" unb schließlich auch noch von einem „Manifest gegen ben Rüstungswahn- in”s)te Tätigkeit ber deutschen Sozialdemokratie hat I sich in dem Geschäftsjahr also auf „machtvolle Kundgebungen" beschränkt und bte Folge war int Reichstag „eine Militärvorlaqe, bie alles übertraf, was selbst militärbegeisterte Kreise für möglich gehalten hatten". Was nützen all bie „machtvollen Kundgebungen unb die Dutzenbe Tuplikatrede» ber 110 roten Volksvertreter: bie Vorlage wurde doch Gesetz; nicht ein Ti- telchen hat die größte Fraktion des Reichstages davon abzwacken können. „Was für Kämpfe" sind „im Reichstag fettens unserer Fraktion wider bte ungeheuerlichen Forberungen geführt worben", ist ber ent. zige Trost, Den bei Parleivorstand seiner Gemeinde spendieren kann. . „ _
Es ist wahrlich nichts gewesen mtt all bem Tun unb Gerede in diesem Jahr und es ist ein billiger Trost, wenn der Vorstand sich sagt, „daß es ein Jahr des Kampfes gewesen ist, vorzugsweise freilich ein Jahr des Abwehrkampfes". Und wenn „bie Organisationen nicht ben Fortschritt gemacht haben, ben alle Parteigenossen wünschen, so muß versucht werden, die Ursachen dieser Erscheinung festzu- stellen. Bewahre, daß diese Ursachen im System siegen und durch bie Jagd nach einem wahnwitzigen Ziel ihre Erklärung finden; die sind vielmehr zum größten Teil zurückzuführen „auf bie wirtschaft- | Iche Lage, bie sich schon wieder erheblich verschlechtert hat". Nichtsdestoweniger wirb gerabe jetzt -rischweg für ben Massenstreik agitiert, als ob ticht gerade dafür „eine erheblich verschlechterte wirtschaftliche Sage" die ungünstigste Vorbedingung seil
Aber nicht genug damit, daß es im abgelaufenen Leschäftsjahr mtt der Arbeit und den Erfolgen gar nicht geklappt hat, auch die Organisation hat, „was sie Mitglieder zahl anlangt, nicht die Fortschritte gemacht, die erwartet wurden". Die Mtt- iliederzahl, die am 1. Juli 1912 970112 betrug, ist sts zum 30. März b. I. nur auf 982 850 Mitglieder leftiegen, eine Zunahme um 12 748 Mitglieder ober 1,3 Proz., wovon noch 10 744 weibliche Mitglieder tnb. Wenn man berücksichtigt, daß die Mitglieder- (teigerung im Jahre 1912 noch 15,9 unb 1911 16,1 siroz. betrug, so kann man bem kleinlauten Partei- gorftanb nur recht geben, wenn er konstatiert, daß im lebten Geschäftsjahr „eine so geringe Mitgliederzunahme zu verzeichnen war wie nie zuvor, eine Zulahme, bte in ihrer Geringfügigkeit an Stagna- si o n, an Stillstanb, grenzt".
O weh, bie beutsche Sozialdemokratie stagniert, wie ihr Vorstand in höchsteigener Per- vn 'festzustellen sich genötigt sieht. In 15 Bezirken (mb 164 Wahlkr eisorganisationen hat bie Mitglieder- phl absolut abgenommen. Unb babei ist es icrabe bie rote Presse gewesen, die ihrer Schaden- kreude über bie schwierige Sage der christlichen Ge- verkschaftsbewegung nicht genug tun konnte. Wer nxlefct lacht, lacht am besten; die christlichen Gewerk- 'chaften haben wirklich ein Kampf- unb Sturmjahr sinter sich, inbern sie bewiesen haben, baß sie ben har- >en äußeren unb inneren Belastungsproben, bie an Sie gestellt wurden, gewachsen sind und schon beginnt m ber christlichen Gewerkschaftsbewegung neues Se- ben zu pulsieren. Die Sozialbernokratie hat nach aem Bericht ihres Parteivorstandes wahrlich keine Ursache hämisch auf andere Organisationen herabzusehen; Jena wird zeigen, wie sehr es ihr nottut, vor der eigenen Tür zu kehren.
Vielleicht bietet uns bte Fortsetzung bes Vorstands- berichtes noch Wetter Gelegenhett, einige Blümchen aus dem sozialbemokratischen Garten zu pflücken.
Ansang nehmen.
Unter ber Anklage des Vergehens gegen da- Gesetz über den Verrat militärischer Geheimnisse, der Bestechung und des Ungehorsams gegen militarifche I Befehle haben sich sieben M i l 11 ä r b e a m t e zu verantworten, u. zwar der Obenntendantursekretar Pfeiffer aus Steglitz, der Zeugleutnant Hoge aus Charlottenburg, der Feuerwerker Bryse, früher bet ber Artillerieprüfungskommission, spater Angestellter ber Firma Krupp, der Zeugleutnant Adolf Ttltan von der Spandauer Munitionsfabrik, der Zeugleutnant Hinst vom Marienburger Artilleriedepot, ber Seugleutnant Schleuder vom Koblenzer Arttllerte- depot unb der Feuerwerker Jürgen Schmitt. Zur . Verhandlung sind eine große Zahl von Offizieren aller Chargen, Mitglieder des Direktoriums der Firma Krupp in Eisen, ferner ehemalige Direktoren der Firma Krupp unb schließlich eine Reihe militärischer Sachverständiger geladen worden.
Von bett der Anklage zugrunde liegenden Tat- sackten — es handelt sich um 9 0 0 E inz e l fa ll e — erfuhr die weitere Oeffentlichkett zum erstenmal Näheres durch bie bekannte Rede, bie ber sozialdemokratische Neichstagsabgeorbnete Dr. Siebknecht m ber Reichstagssitzung vom 18. April b. I- gehalten hat. Die Untersuchung schwebt allerdings schon sett längerer Zett, war aber geheim geführt worden Zu ihr chatte gleichfalls der Abg. Siebknecht den Anstoß Sben, als er schon int Herbst vorigen Jahres dem eren Kriegsminister v. geringen Abschriften | einer Anzahl von Geheimberichten übergeben hatte. Die von der Berliner Filiale der Firma Krupp stammten und an das Essener Hauptbureau ber Firma adressiert waren. In diesen Geheimberichten sollen '.Otitteilungen enthalten gewesen fern, die die Berliner Filiale der Finna Krupp von Militarbeamten erfahren haben soll, und deren Geheimhaltung tut Interesse der Landesverteidigung geboten war. Die sofort eingeleitete Untersuchung hatte zum Ergebnis, daß im Februar d. I. die sieben 2JhIitarbcamten verhaftet wurden, die sich jetzt vor dem Knegsgencht
I ui verantworten hoben.
Ferner wurde auf Veranlassung des Untersuchungsrichters beim Landgericht I Berlin ber Setter ber Kruppschen Filiale in Berlin, ber frühere Feuerwerksfeldwebel Max Brand, verhaftet, ber ben Verkehr mit beit Angeklagten angebahnt haben soll. Branb würbe seit 1906 in ber Berliner Filiale be- I schäftigt, unb fein Einkommen betrug zuletzt 7003 Mk. I jährlich, außerdem erhielt er als Repräsentationsgelder 3500 Mark. Er soll sich durch die Angeklagten die I für ihn wertvollen Informationen über Reuanschaf- .—™--ö—- s t
fungen verschafft haben, und ferner soll er sich bet ubung ihres Rechtes erleichtert werden konnte. Tra I Submissionsausschreibungen von den Angeklagten bte | bem hat man begründete Hoffnung, daß bei ben nac
sten Rivalen sinb. Frankreich hat nichts, was uns zu I Raub und Totschlag verlocken könnte. I
Mer glauben denn die Franzosen selbst, b. h. bie benkfähigen Schichten des Volkes, an das Schreckens- I märchen von brüskem Ueberfall? I
Die Mehrheit der Kammer offenbar nicht. Denn die hat soeben eine Regelung ber militärischen I Dienstzeit beschlossen, bie nur für ben Fall zu- I lässig ist, daß Deutschland in den nächsten Jahren nicht angreift. Um die Mannschaften, die noch un- I ter dem Gesetz der zweijährigen Dienstzeit eingestellt ober ausgemustert waren, nicht gar zu unzufrieden zu machen, hat man bekanntlich die Wehrvorlage_ so ab- 1 geändert, daß die Durchführung ber dreijährigen Dienstpflicht auf drei Jahre hinausgeschoben und inzwischen die Süden des Präsenzstandes I gefüllt werden durch die Einstellung des Jahrganges I der Zwanzigjährigen, die nach der früheren Ordnung I noch ein Jahr hätten warten sollen. Man will auf | diese Weise ermöglichen, daß die Seute, bie jetzt ihre I zwei Jahre abgebient haben, spätestens im Novemk 'r entlassen werben, Wenn bas burchgesührt wird, so besteht die französische Armee tm nächsten Winter in ihrer übertoieaenben Mehrheit aus unreifen Rekruten. Die Seute, bie eine einjährige Ausbildung genossen haben, bilden dann nur ein gutes Drittel. I Dazu kommt der Jahrgang der Einundzwanzigjährigen, der im Oktober nach alter Norm eintritt. Boni November aber erscheint dann der neue Jahrgang der Zwanzigjährigen, angeblich 147 000 Mann. Dieser I Zuzug 'bedeutet offenbar eine starke Berwässe- I r tt n g ber militärischen Suppe. In der Uebergangs- I zeit vom nächsten Winter an ist das französische Heer in einem außerordentlichen Zustand der Schwache. I Wenn Deutschland überhaupt an einen brüsken Angriff dächte, so müßte es, natürlich diese Periode ber Verwirrung und Unfähigkeit ausnützen.
Unsertwegen können die Franzosen ruhig ihren ausgedienten Jahrgang entlasten und zwei Drittel ihrer Reihen mit grünen Rekruten füllen. Wenn sie es aber tun, dann beweisen sie eben dadurch, daß sie an bie Angriffslust Deutschlands selber nicht glauben. , „ .
Diese Selbstberichtigung Ware so klar und gemeinverständlich, daß wir gerade de s h a I b noch daran zweifeln, ob wirklich der ausgediente Jahrgang im November entlasten werden wird. Das gegenwärtige Ministerium war von Anfang an für bte Einbehaltung dieses Jahraangs. Kann man nun nicht in ben nächsten drei Monaten noch „Zwischenfälle" schaffen ober gegebene Zwischenfälle aufbauschen. um Borwände für die Einbehaltung von ausgebildeten Mannschaften zu gewinnen?
Wir werden die Entwicklung dieser Dinge nut begreiflicher Neugier verfolgen. Von Schabenfreude soll man im politischen Sehen sein Herz möglichst srethal- ten. Aber man darf boch wohl auf bte Tatsache Hinweisen, daß bas Hetzmärchen vom „brüsken Angriff der Deutschen ben Franzosen ins eigene Fleisch schneidet. _
[] Die Krupp Affäre.
Der in ber gesamten politischen Welt mit Span- mmg erwartete Prozeß in der sogenannten Krupp- anare irtro am heutigen Donnerstag vor Dem Kommandanturgericht der Residenz Berlin fernen