2. statt.
Dxuct Ser Sulöeet XctieniTudcrei in Silio.
Fuldaer Leitung.
M 174.
Mittwoch 50. Juli i9iö
£ofak$.»
Fulda. 3O.^Juli 1913.
!.*) l"i t Kreistagssitzung findet am Samstag den 16 August d. Js., vormittags 9 Uhr im Stadt- verordneter!-Sitzungssaal im Stadtschloß statt. Die Tagesordnung ist folgende. 1. Bericht..- der Wahl- p'.üsung- kommiffion über die Äü'Ugkeit zweier Er- iLtzwahlen zum Kreistage und Beschlußsasiiing darüber nach § 71 Nr. 2 der KreiSirdnung 2. Neuinab' eines KrcrLdeputierten nach § 15 der Krcisordnung. 3. Verzicht auf die Gründung einer allgemeinen Orw- trankcnkasjc und einer Landkrankeukaffe für den Landbezirk des Kreises zu Gunsten der Ausgestaltung der bestehenden Ortskrankenkassen Fulda-Land, Gro- ßenlüder, Salzschlirf und Hofbieber. Gründung einer allgemeinen Ortskrankenkasse für den Amtsgerichts- bezirk Neuhof. 4. Befchluhsassung über die Satzung der allgemeinen Ortskrankenkasse für den Amtsgerichtsbezirk Neuhof. 5. Ucbernahmc der Aufgaben des Gememdeverbandes auf den Kreis bei den sämtlichen Ortskrankenkassen, di- über den Bezirk einer Gemeinde mnausgehen, zur Vermeidung der Bildung besonderer Zweckvcrbände. 6. Beschlußfassung Wegen einer Stiftung zu einem gemeinnützigen Zweck aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums Sr Maiestät des Kaisers und Königs. 7. Anlage von Ruhebänken und Materiallagerplätzen an den Landwegen. 8. Beitrag zu den Kosten der Beschaffung eines Kranken-Automobils für das Landkrankenhaus in Fulda.
-y- Zum Bohuhofsumbau. Die Arbeiten für den Erweiterungsbau des Bahnhofs sind in letzter Zeit bedeutend gefördert worden. Vor 8 Tagen wurde Mit den Erdarbeiten zum Waidesdurchlaß begonnen, und schou Ende dieser Woche wird man mit den Betonarbeiten beginnen können. Die Erdab- hcbung bei den Gummiwerken sowie die Abtragung der Brücke an der Künzellcrstraße gehen ihrem Ende entgegen. Seit gestern nachmittag arbeitet gegenüber den Gummiwerken eine Baggermaschine an der Abtragung der Böschung. Bei jedem Aushub wird ein Transportwagen mit Erde gefüllt. Innerhalb 8 Minuten wurde gestern abend wiederholt je ein Transportzug von 8 Wagen geladen. Die Arbeiten an den beiden Durchlässen am „Krätzbach" sind schon weit vorgeschritten. Für die Betonierung sind hier zwei Maschinen zur Vermischung des Kleinschlages mit Zement in Tätigkeit. Auch die Erdarbeiten an der Edelzellerstraße, nach der Brücke zu, haben grohe Fortschritte gemacht. Links neben der Brücke steht ebenfalls eine Mischmaschine. Während seither nur zwei kleine Lokomotiven den Transport der Erdmassen re. besorgten, ist seit einigen Tagen noch eine weitere kleine Maschine eingestellt, die hauptsächlich den Schutt von der Bagqermaschine weg befördern soll. Bei den „Krätzdnrchlässen" ist leider der schöne Fußweg durch die Wiesen, der direkt in die Rhön führte und von Touristen gern begangen wurde, verschwunden.
□ Auszeichnung. Dem Schuhmachermeister Hugo Fleischer dahier ist in Anerkennung seiner 40jährigen Tätigkeit als Kirchendiener St.' Severi das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden.
[] Zum Tertiarenkongrctz in Köln fährt von Frank, furt aus ein Extrazug. Derselbe wird am Montag, den 11. August morgens zwischen 8 und 9 Ubr von Frankfurt abfahren. Der genaue Fahrplan wird am 1. August festgesetzt werden. Der Fahrpreis be- trägt 3. Klasse 4 Mark. Anmeldungen für diesen Extrazug mögen sofort im Kloster Frauenberg gemacht werden.
-x- Rosendiebstähle auf den alten städtischen Friedhöfen sind in der letzten Zeit wieder mehrfach vorge- lommen, und die Diebe begnügten sich nicht nur mit einzelnen Blumen, sondern es wurden sogar ganze 'Zweige von Rosenstöcken entfernt.
i . S Das Beinstellen, eine von unserer Schuljugend vielfach geübte Unart, hat wieder einmal traurige Folgen gehabt. In der Löhersstraße kam ein 10- jjähriges Mädchen dadurch zu Fall und erlitt einen Schlüsselbeinbruch.
§ Kreuzotter. Im Walde bei Riesig wurde von einem Eisenbahnbeamten eine etwa 95 Zentimeter lange Kreuzotter gefangen.
. a. Von der Sparkasse. Einer der letzten Nummer des Amtsblattes beigelegten Nachweisung über den Geschäftsbetrieb der Sparkassen im Regierungsbezirk Gaffel für das Jahr 1912 entnehmen wir bezüglich cher Sparkasse Fulda folgende Einzelheiten: Von '11628 rm Umlauf befindlichen Sparkassenbüchern, von denen kein einziges gesperrt war, lauteten 2648 auf Betrage bis 60 Mark, 1566 bis 150 Mk. 1414 dis 300 M., 1768 bis 600 M., 2412 bis 1500 M 1182 bis 3000 M., 613 bis 10 000 M. und 25 über 10000
Mark. Neu ausgegeben wurden im Berichtsjahre 1119 Bücher, zurückgezogen 1005 Stück. Die Gesamtem- lagen, die am Schlüsse 1911 9 271958,62 Mark betrugen, erhöhten sich bis Ende 1912 auf 9 278 758,93 Mark. Der Zuwachs entstand durch Zuschreibung von Zinsen in Höhe von 2 6 786,64 Mark und durch Neueinlagen im Betrage von 1 141310,81 Mark. Die Rückzahlungen erreichten die Höhe von 1 421 297,14 Mark. Ter Reservefonds stand mit 928002.65 Mark zu Buche. Den Zinseinnahmen in Höhe von 405106,37 Mark standen Zinsausgaben im Betrage von 305 038,83 Mark gegenüber, sodaß sich ein Zinsüberschuß von 100067,54 M. eraibt. Die Verwaltungskosten beliefen sich aus 13 668,07 Mark. Von dem Vemiöaen der Sparkasse waren verzinsbar ange'egl: 5 736617 Mk. in städtischen Grundstücken, darunter 53 629 Mark Nmorlisationsdypothekeii, 770479 Mark in ländlichen Grundstücken, in Jnhaberpapiercn, zu Tageskurs ge- rechnet, 2122 866 M.; der Ankanfswert letztgenannter Vapiere beträat 2 360159 M., der Nennwert 2358 250 Mark. Auf Schuldscheine mit Bürgschaft waren aus- aeliehen 110392 M., gegen Faustpfand 911 M.. bei öffentlichen Instituten und Korporationen 1454145 Mark, zusammen in Jnhaberpapieren 10195 454 M.; dabei waren angeleat in Schuldverschreibungen des deutschen Reiches 192000 Mark (Nennwert) und in wichen Preußens 1060 000 Mark. Am Schluffe des Rechnungsjahres verfügte die Sparkasse über einen Kaffabestand von 189,56 Mark. — Bei den 36 städtischen Sparkaflen des Regierungsbezirks betrugen die Einlagen am Schluffe des Rechnungsjahres 174485 236,99 Mk. (geaen 168935 668,48 M. im Jadre vorher). Die Zinsüberschüffe beliefen sich im Rechnungsjahre 1912 auf 1 287 622,36 Mark, eie Verwaltungskosten auf 323142,53 Mark, der Betrag des baren Kassenbestandes auf 2 781810,94 Mk. — Bei den drei Landgemeinde-Sparkassen (Jesberg, Kleinschmalkalden und Steinbach-Hallenberg) stellten sich die Einlagen auf 5 215 910,08 M. (gegen 4 994 993,52 M. im Jahr vorher), die Zinsüberschüffe auf 37 565,82 Mk., die Verwaltungskosten auf 11 952,43 Mark, der bare Kassenbestand auf 46581,64 Mark. — Für die 17 Kreis-Sparkassen ergaben sich folgende Zahlen: Einlagen 91 302 032,71 M. (gegen 87883 619 Rk. im Vorjahr!, Zinsüberschüffe 676811,63 Mark, Verwaltungskosten 191524,58 Mark, barer Kassenbestand 1864154,21 Mark. — Bei den Vereins« und Privat-Sparkassen lF ranken berg und Vöhl) betrugen dicEinlagen 12053516.80M. (gegen 11017406.26 M. im Vorjahr), die Zinsüberschüffe 109532,46 M., die Verwaltungskosten 19426,33 M., der bare Kaffen- bestand 186397,42 Mark. — Alle Kassen zusammengenommen, ergibt sich ein Betrag an Einlagen von 283056 696,58 M. (gegen 272891687,26 M.'im Vorjahr), an Zinsüberschüssen von 2111532,27 M, an Verwaltmigskosten von 546 045,87 M„ an barem Kassenbestaud von 4 878 944,21 Mark. Tie Reservefonds der Kassen halten eine Höhe von zusammen 14122616,55 Mark. Tie Zahl der von den Kassen unterhaltenen Filial- oder Nevenkaffen betrug 54, der tz-ammel- oder Annahmestellen 99, der Verkaufsstellen von Sparmarken 14.
a Die Fleifchpreise haben seit der ersten Hälfte des Juli wieder eine steigende Bewegung angetreten, nachdem bis'Ende Juni eine sinkende Tendenz vorgeherrscht hatte. Die Preiserhöhung hält sich jedoch auch in mäßigen Grenzen und betrögt im Durchschnitt der Marktorten des Reg.-Bez. Kassel bei Rindfleisch 4 Pfp. und für Scheinefleisch nur 2 Pfg. pro Ktlogr. Ausfallend hoch ist die im Amtsblatt für Fulda angegebene Erhöhung des Preises für Schweinefleisch; denn während der Durchschnitt an den Normalmarkt, orten nur 1,75 M. beträgt, wird für Fulda 1,97 M. verzeichnet.
Amt Geisa und Umgebung.
* Geisa, 29. Juli 1913. Tie Landwirtschasts- Jammer für das Grobherzogtum will im Herbst d. I. Anbauversuche mit Winterweizen einleiten, zu denen Anmeldungen bis zum 15. August an die Ge- schästsstelle der Landwirtschastskammer — Weimar, Breitestraße 31 — oder durch die landwirtschafllichen Hauplvereine erbeten werden. — Tic Laudw.rtjchasts- tammer zu Weimar warnt vor dem Abonnement auf die in Halle erscheinende Zeitung ,Der praktische Landwirt', mit der eine Unfall- und Sterbegeld«Versicherung verbunden ist. Zahlreiche Beschwerden beweisen, daß der Verlag die von ihm in Aussicht gestellten Versicherungsbeiträge zu zahlen verweigert. Die Versicherungsbedingungen sind so gehalten, daß eine wirkliche Verpflichtung des Verlegers überhaupt nicht besteht.
* Diedorf, 28. Juli 1913. Ein Vagabund, der hier in einer Wirtschaft nicht schnell genug Nachtquartier bekam, lief der Wirtin in die Küche nach.
ergriff einen Kochtopf und schlug ihr denselben über den Kopf, so daß sie eine Wunde an der Stirn erhielt. Alsdann flüchtete er. Der Wirtssohn eilte ihm nach und wurde von dem rabiaten Menschen dicht am Auge mit dem Messer gestochen. Noch in der Nacht wurde der Vagabund verhaftet und in das Amtsgericht nach Kaltennordheim gebracht.
* Ostheim, 28. Juli 1913. Die seit längerer Zeit int Ostheimer Bezirk ootgenonimenen Bohrungen nach Kali sind ergebnislos verlaufen. Tie Gewerk- ichaft „Viktoria" in Bochum hat daher die Bohrungen na* Kali gänzlich einstellen lassen.
* Ocrstunaeu, 29. Juli 1913. In der benachbarten Gemeinde Dankmarshausen ist der Gemeinderat schon lange Zeit mit dem Bürgermeister zcrfalletr und will keine Beschlüsse mehr fassen, solange letzterer noch im Amt ist. Alle Anklagen gegen den Bürgermeister sind jedoch von der Behörde als unbegründet abgewiesen worden. Verschiedenemale hat sich der Gemeinderat geweigert, einen Vorsitzenden zu wählen und erst auf eine Strafandrohung des Bezirks-Direktors hat man einen Vorsitzenden gewählt, den Betreffenden aber schon vorher verpflichtet, die Wahl abzulehnen. Deshalb machte jetzt der Bezirksausschuß von seinen Zwangsmaßregeln Gebrauch und setzte den Landwirt Heuchel als Vor- sitzcndett ein.
Au§ Gberheffen u. den Hess. Aenttern.
* Fritzlar, 29. Juli 1913. Zu dem bereits gemeldeten Tode des Kreisarztes Tr. Nolte in Altena erfährt die „Deutsche Journalpost" folgende Einzelheiten: Tr. Nolte hatte von seinem Amtsvorgänger Dr. Thomalla dessen Hausgrundstück zum Preise von 60 000 Mk. übernommen. Nachträglich wurde ihm bekannt, daß Dr. Thomalla das Haus kurz vorher für 46 000 Mk. erworben hatte. Das Geld war ihm von der Stadt zur Verfügung gestellt worden. Dr. Nolte erhielt erst nach Abschluß des Kaufes von diesen Verhältnissen Kenntnis und glaubte, in rmgerechtcr Weise überteuert worden zu sein. In der Folge entstand zwischen ihm und Tr. Thomalla ein Briefwechsel, der aber zu keiner Einigung führte. Dr. Nolte scheint über den nach seiner Meinung unrentablen Kauf in eine derartige Erregung geraten zir sein, daß er den Selbstmord als" einzigen Ausiveg aus den Schwierigkeiten ansah.
— Mardorf, Kr. Kirchhain, 27. Juli 1913. Unsere Gemeinde, ans welcher schon so viele Priester bervoraegangen sind, hatten heute wiederum das Glück, einen neugeweihten Priester am Altäre zu sehen. Herr Karl Hofmann, der Sohn unseres verehrten Lehrers, feierte seine erste hl. Messe. Begünstigt vom schönsten Wetter bewegte sich der Festzug vom Elternhause, wo der Ortspfarrer den Neu- geweihten begrüßte, durch die gezierten Straßen zum reichgeschmückten Gotteshause. Hier schilderte als Festprediger Herr Dechant Dr. Fischer von Poppenhausen, ein Verwandter des Primizianten, in begeisterten und herzlichen Worten die Würde und Bürde des Priesters im Lichte des Kreuzes. Dann brachte der Neugeweihte sein Erstlingsopser dar. in welchem die Verwandten und Freunde die hl. Kommunion empfingen. Ein feierliches Te Dcum mit sakramentalem Segen schloß die ergreifende Feier. Möge das schöne Fest, an welchem die ganze Gemeinde frohen Anteil nahm, dazu beigetragen haben, daß auch in Zukunft noch recht viele Jünglinge unserer Gemeinde für den erhabenen Beruf des Priestertums begeistert werden!
* Marburg, 28. Illi 1913. Der Mitteldeutsche Verband des E h r i st l i ch e n Sängerbundes deutscher Zunge hielt gestern hier sein Jabresfest ab. Der 1879 gegründete, sich über Deutschland, die Schweiz, Oesterreich-Ungarn und einen Teil Rußland erstreckende Bund umfaßt 30 000 Mitglieder in 1200 Vereinen. Zu dem Jahresfeste waren etwa 2000 Teilnehmer aus unserer und den benachbarten Provinzen sowie den angrenzenden Bundesstaaten erschienen.
* Frankenhain b. Treysa, 29. Juli 1913. Unser! stilles Dörfchen, das so idyllisch am Bergabhang von Wäldern umgeben daliegt und in anderen Jähren Obst in Menge gibt, wird in diesem Jähre mit einem geringen Ertrage der Obsternte rechnen müssen, was nickt nur für die einzelnen Gartenbesitzer, sondern auch für die Gemeinde von einschneidender materieller Bedeutung ist.
* Neustadt, 29. Juli 1913. Ein schweres Gewitter mit wolkenbrnckartigem Regen vermischt, kam am Sonntag nachmittag hier zur Enlladuna. In vier Telegraphenftangen an der (Strane narb Speckswinkel schlug der Blitz ein und zerfförte sie. Die Holzsplitter lagen im weilen Umkreise auf der Straße; auch waren die Telephonlei'ungen gestört. Leider war der Regen
Kleines Feuilleton.
> — Li» deutscher Pionier des Flugwesens. Bor urzem verstarb m M a r g g r a b o m a in Ostpreußen Jngemeur Oskar Mo ecke, der sich schon während jeiner Studienzeit als Schüler der Professoren Rello lud Dove mit dem Problem der Luftschiffahrt be= tfaftigtc Schon vor jenen vierzig Jahren gelangte rr auf die Idee der Propeller. Als Antriebskraft wollte er Preßluft verwenden, da die Gasmotoren damals als Antriebsmaschinen für Flugzeuge noch nicht geeignet waren. Er fand damals mit seinen Ideen wenig Anklang. Auch seine beiden obengenannten Lehrer standen seinen Plänen skeptisch gegenüber. Noch schlimmer erging es dem rastlos an der Vervollkommung feiner Ideen Arbeitenden, als er mit feinen Plänen vor ungefähr 12 Jahren trt Vorträgen, die er in Berlin und anderen Städten hielt, an die Oeffentlichkeit trat Nachdem Mo ecke ein nicht unbeträchtliches Vermögen seinen kühnen Plänen geopfert hatte, zog er sich fast ganz von der Welt zurück, immer noch an der Vervollkommnung seiner Ideen weiterarbeitend. Jetzt nach seinem Tode erfahren wir, daß seine Skizzen, Zeichnungen, Be- .schreibungen, Abhandlungen und Modelle von der Direktion des Deutschen Museums für Meisterwerke -der Naturwissenschaften und Technik in München als grundlegend auf dem Gebiete des gesamten Flugwesens anerkannt sind. Die auf das Problem des Flugwesens sich beziehende Hinterlassenschaft des Verstorbenen wird in München im Deutschen Museum aufbewahrt werden zum Ruhme des allzu früh Tahiu- geschiedenen, einer späteren Generation zur Nacheiferung.
, —Tie Erfindung der künstlichen Zähne ist noch nicht so sehr alt. Jin Jahre 1774 erfand sie ein Franzose und zeigte seine Erfindung — die Masse bestand aus Porzellan — bald darauf der sranzö- sischen Akademie. In den Jahren 1789 und 1808 wurden sie vielfach verbessert und schließlich in Amerika em geführt. Ein paar Jähre später bereits fluten-sich-in allen Ländern, vor allem in den Ver
einigten Staaten, in Deutschland und Großbritannien die ersten Fabriken auf. Heute dürfte wohl die größte, Fabrik künstlicher Zähne bei Versailles sein; sie beschäftigt 75 Arheiter und Arbeiterinnen und schafft allmonatlich die stattliche Quantität von etwa V2 Million Zähne. Die Technik ist heute schon so softgeschritten, daß man die Farbe der künstlichen Zähne ganz den andern Zähnen anpassen kann; man stellt weiße für junge Leute, leicht gelbe für Erwachsene, gelbe für gereiftere Leute und so fort alle Niiancen bis schwarz für Raucher her. Die Fabrikation ist übrigens nicht einfach; sie erfordert große Sorgfalt; der künstliche Zahn besteht aus zwei Teilen, dem oberen, der zum Einstecken in den künstlichen Gaumen bestimmt ist und dem eigentlichen Zahn, mit dem gekaut und gebissen wird. ' ms.
— Sonderbare Hochzeitsreisen. Die Flitterwochen eines jungen Paares dauern heute nicht mehr so lange wie in früheren Zeiten; umso mehr erregt es Aufsehen, wenn ein Ehepaar eine längere Hochzeitsreise antritt; so wird die Hochzeitsreise, die das Berliner Ehepaar Scharlieb vor einigen Jahren glücklich beendete, an Länge sicherlich einen Rekord aufstell-m: die Reise dauerte nämlich drei Jahre und führte um die ganze Welt. In der Zwischenzeit waren sie die Kleinigkeit von 100 000 Mark los geworden; dafür kehrten sie aber nicht allein, sondern in Begleitung zweier Babies, zweier Ammen und eines Bergs von Spielwaren zurück. — Etwas eigentümlich und weniger lustig verlief die Reise, die ein Kaufmann in Söderland an seinem Hochzeitstag antreten mußte. Er verübte nämlich derartig tollen Unfug, daß er verhaftet, dem Polizeirichter mitsamt seiner nicht we- niger übermütigen Frau vorgeführt und trotz der flehentlichsten Bitten zu einem sofort vollstreckbaren Monat Gefängnis verurteilt wurde. — Noch tragischer als diese" Hochzeitsreise ins Gefängnis war die Reise, die dem Kapitän Andrews mit seiner jungen Frau am Hochzeitstage antrat. Es ist dies derselbe Andrews, der sich dadurch einen Namen gemacht hat, daß er mehrmals den Atlantischen Ozean in einem Kahn überquerte. Er schiffte sich auch mit seiner Braut in^lllantic City ein. umlauf einer solchen Nußschale
Europa zu erreichen. Sein Fahrzeug war ein einfaches Ruderboot, vier Meter lang, sechzig Zentimeter breit; es harte allerdings noch einen kleinen Mast und ein winziges Segel für den Fall, daß günstiger Wind kam. , Irgendwelche Rettungsgürtel oder sonstige Gegenstände, die im Falle der Not hätten dienen können, wurden nicht mitgenommen; als Ballast dienten die paar Konservenbüchsen, die für Mundvorrat mitgenommen worden waren. Andrews hatte die Barke schon mit einem ominösen Namen versehen; er hieß sie „Düsteres Geheimnis" und es blieb in der Tat ein düsteres Geheimnis, wohin hie beiden Eheleute von Wind und Wellen verschlagen worden sind. Man hat seit ihrer Ausreise nie wieder etwas von ihnen gehört. tk
— Woher kommt der Regen? In den letzten regenreichen Wochen sind manchem wohl oft die Worte entfahren: „Woher kommt bloß der viele Regen?" Es mag wohl weniger Wißbegierde als Wut der Verzweiflung uif. Sehnsucht nach Sonne sein; aber er möge sch trösten. Ganz genau wissen auch die Meteorologen noch nichi, woher der Regen kommt, soweit wir uns nicht mit der etwas allgemeinen und wenig wissenschaftlichen Erklärung zufrieden geben: Der Regen kommt vom — Himmel, eine Binsenwahrheit, an der freilich nicht zu zweifeln ist. Wollen wir aber der Ursache des Regens auf den Grund gehen, so müffen wir zunächst von den Wolken fpre- chen. Die Wolken sind eine ungeheuere Menge winziger Dafferkügelcheu, deren Tnrchmefser kaum einen zwanzigstel Millimeter beträgt; diese kleinen Kügelchen werden vermöge ihrer Kleinheit schwebend in der Lust gehalten. Am meisten für sich hat nun die vorläufig noch unbewiesene Theorie, daß der Regen da- durch, entsteht, daß diese Wasserkügelchen sich zu Tropfen bereinigen, dadurch aber bedeutend schwerer werden und nun nicht mehr von der Lust getragen werden können, daher „Niederschlagen", woher der wissenschaftliche Ausdruck „Niederschläge", den wir leider in den Witterungsberichten der letzten Wochen nur allzu häusig gelesen haben, abzuleiten ist. Die letzte Ursache der Vereinigung der schwebenden Wasserkügelchen zu niederschlagenden Tropfen ist übrigens
auch mit Hagel vermischt, der vielfach in der angrenzenden Momberger und Wieraer Gemarkung nicht »nerbeblicken Schaden angerichtet hat.
* Wabern, 29. Juki 1913. Zwecks endgültiger Feststellung der Linienführung der geplanten Eisenbahn von hier über Homberg nach Hersseld wird am Donnerstag und Freitag eine Bereisung des Gebietes,^ ganz besonders der noch zweifelhaften Strecke von Grebenhagen-Schwarzenborn bis hierher statt- finden. Aus der in Rede stehenden Strecke gehen die Wünsche der Interessenten noch am weitesten auseinander.
* Kirchhain, 29. Juli 1913. Der Amnestie- erlaß ist auch zwei hiesigen VerurteiUen zugute gekommen. — Die alljährige Magdalenen«Okta» fand in der vergangenen Woche statt. (Sine Prozession von Amöneburg sowie von R ü d i g h e i m nach der Linda,iwp-lle beschloß die Feier. /
Handel und Industrie.
Si Berlin, 29. Juli 1913. Die guten Bericht, der Auslandsbörsen, an denen infolge der gestriger zuversichtlicher lautenden Balkanmeldungen die Frie- oenszuverficht zunahm, besonders ober die höheren Änfangsknrse der heutigen Wiener Börse, deren Spekulationsmarkt so leicht beeinflußt werden kann, gaben dem Gesamtmarkt der hiesigen Börje einen guten Rückhalt. Die fortdauernde Befestigung des Z nkmarktes und günstige Berichte vom amerlkanischen Eisen- und Kupfermarkte blieben auch nicht ohne Einfluß. So konnte Die Börse in fester Haltung schließen. Von deutschen Anleihen zogen Sprojentige Konsols 0,10 Prozent an, dagegen gaben 3projenttge Reichs- anleihe ebensoviel nach. Privatdiskont unverändert.
* Einen Rückgang der wirtschaftlichen Konjunktur kündigt der Oberfinanzrat im preußischen Finanzministerium Exzellenz Schwarz, in einer soeben erschienenen, höchst beachtenswerten Abhandlung an. Er erklärt, daß der Rückgang sich immer sicherer vorbereite und schärfer und von längerer Dauer sein werde als seine Vorgänger. Der letzte Aufschwung von 1909, oder von der kurzen Unterbrechung abgesehen, von 1907 her, war nicht nur intensiver, sondern hatte auch eine allgemeinere Grundlage als seine Vorgänger. Fast alle Länder der Erde nahmen in diesem Zeitraum eine außerordentliche wirtschaftliche Entwickelung. Schon die ungeheure Steigerung der Verkehrsmittel zeigt das an. Die Eisenbahnlänge stieg in dem Jahrzehnt 1890 bis 1901 von 617 285 auf 816 755 und von da bis 1907 auf 957 283 Kilometer. Das starke Anwachsen der Goldgewinnung von 0,8 auf 2 Milliarden ermöglichte es außereuropäischen Ländern durch Stabilisierung ihrer Währung ihren Warenaustausch mit allen Kulturländern der alten Welt bedeutend zu erweitern. Um die Vorbedingungen für gewaltige Steigerung des Warenaustausches zu schassen, mußten die betr< außereuropäischen Staaten ihr Eisenbahn-, Straßen- und Kanalnetz entsprechend ausbauen und zu diesem Zweck riesige Summen von den Geldzentren der alten Welt entleihen. Dadurch wurden die europäischen. Geld- und Kapitalmärkte um so mehr angespannt, als die Warenbestellungen auf Grund jener Anleihen große Betriebserweiterungen nötig machten, die zum großen Teil auch wieder mit geliehenem Kapital aus® geführt wurden. Auch in den europäischen Großstaaten wurden die Sparkapitalien für heimische Zwecke außerordentlich in Anspruch genommen. Tie letzten Reserven wurden heranaezogen. Die gesteigerte Wirtschaftstätigkeit in Verbindung mit der Be- völkenmgsvermehrung wirkte auf die Steigerung der Rohstoff- und Lebensmittelpreise hin. Diese Verteuerung regte wieder zu formierter Exporttätigkeit, die schon etwas fieberhaft erscheint. Konkurse treten bäufiner ein. Eisen- und Montanmärkte zeigen Spuren von Schwachen, Grundstücks- und Baumarkt zeigen vielfach bedenkliche Seiten. Das überseeische 'Ausland klagt über eine unzulässig, Hobe Schuldenlast an Europa. Der Zinsfuß steigt. Findet aber erst einmal eine Einschränkung der Kapitalaufnahme seitens des Auslandes statt, so muß das den europäischen Export beeinträchtigen. Der Beginn der rückläufigen Bewegung, die alle Wirtschaftsaebieie ergreifen wird, ist da? und diese Bewegung wird auch durch die Neu- besckafsttngen für Heeres- und Flottenrüstungen und durch den Wiederaufbau des Wirtschaftsgebäudes am Balkan nur vorüberaehend ausaebalten werden.
< Milch,Kakao,Suppen
oserGemüsendiebestgeeig- nett;, leicht verdauliche und n=...rhefte
noch nicht erforscht; man vermutet, daß Windströmuu- gen und Tempcraturveränderungen dabei eine Rollspielen; beim sonst wäre es undenkbar, daß die be- kannten schweren, bleigrauen Wolken oft stunden- und tagelang am Himmel stehen, ohne daß ein Regenguß erfolgt. Beginnen die Tropfen aber einmal zu fallen, fo vereinigen sie sich im Niedergehen mit andern Tropfen, vergrößern sich und schaffen so Abstände zwischen den „Regenbindfäden", fodaß der Regen durchsichtig wird. Im allgemeinen macht man die Bemerkung, daß in heißen Gegenden die Regentropfen weit größer sind als in gemäßigten oder gar kalten Sonnen; auf den Bergen, die, wie das Volk sagt, „die Wolken nicht mehr fortlasien," regnet es am meisten, am wenigsten in Tiefländern, die von Gebirgen umrahmt sind, so im Rheintal und in Böhmen; der regenreichste Ort der Erde ist Tsckerrapandji (im Gangesgebiet), wo es etwa 24 mal sc cft regnet wie in Berlin. tk
— Konservierung alkoholfreier Getränke. Wie das »Würtembergische medizinische Correspondenzblalf mit« teilt, ist es einem Tübinger Mediziner nach mehrjährigen Versuchen gelungen, ein Verfahren zu ersinnen, wie man alkoholsreieGetränke, insbesondere Apfel- und Trauben« wein, in Fässern ansbewahren und iägl-ch abzapsen kann, ohne daß der Rest in Gärung Übergeht. Dadurch ist jedermann, der Wert auf gute alkoholfreie Getränke legt, di- Möglichkeit gegeben, ohne das umständige Steril fieren in Flaschen in einfachster und verhältnismäßig billiger Weise für das ganze Jahr ftdi einen Haustrunk cinutun, der sämtliche im. Handel befindliche alkoholfreie Getränke nicht nur an Güte und Wohl« gelchmack, fondern auch an Billigkeit bei weitem über« trifft. Durch dieses Verfahren, das patentamtlich geschützt ist, wird es möglich, die Produkte der Landwirte und Weii'gärtner in ausgedehnter Weise unvcr- goren aufbewahren und dadurch wertvolle Nahrungsmittel unfertn Volke zu erhalten.
— Kaseruenhosbliite. Sergeant: „Kerls, wenn ick Euch so dastehen sehe, begreife ick, daß der Reichstag so ungern neue Militärvorlagev bewilligt