erscheint »glich mit Ausnahme Ser Sonn- und Zeiertage. viertel. ! jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda I sowie auswärts 1.50 mark. •••• Rotationsbruck und Verlag der | ' X s Sulbaer flctienbnitkerel in Zulda. Zemsprecher Ur. 9. :: |
~ ~ wochm-veilage: ~ ? x ~ TTIonats-Belräge: n s
Illustrierte Sonntagszeifung \ Fuldaer Seschrchtsblätter
s Ziehungslisten der preußisch-süddeutsch« Klaffen-Lotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan, er
flnidgau Per Raum einer dnfpatflgen Co ton ereile, 47 m breit, Wollet HPfg. Reklamen: Der Raum einer Coloneheile, 74 mm breit, kostet 40 Pfg. Bei Wieberholungen Rabatt $ür Offert- und ftuskunftanjeiaen 20 Pf. extra. 3a KonkursfäUen wirb der bewilligte Rabatt hinfällig. Crfütlunosort für bas Sn- Magen von Sortierungen ist Zulba. finjeigen-flnnahme bis 10 Uhr Dormittag*, s s Srötzere Nn;eigen erbitten wir uns tags vorher. : 1
Mittwoch den 50. Juli 1913
Erstes Blatt.
Nr. 174
40. Zahrgang.
X Die Qual der Steuerwahl.
8n Frankreich ist das Militärgesetz mit der etwas abgemilderten dreijährigen Dienstzeit seiner endgültigen Verabschiedung nahe. Aber die Seife ungsfrage ist kaum angeschnitten. Wegen der vorgeschlagenen Einkommensteur tritt schon ein Zwiespalt zwischen den beiden Kammern zu Tage. Wenn einmal eine derartige Vorlage mit allen Einzelheiten der Einschätzung und Beitreibung zur Verhandlung kommt, so wird es noch sehr langwierige und hitzige Kämpfe innerhalb der Parteien und zwischen den verschiedenen Faktoren der Gesetzgebung geben.
Steuersachen gehören zu den Geldsachen, bei denen die G cm ütlichkeit aufhört. Das gilt hiiben und drüben. Darum können wir froh sein, daß bei unS sofort im Verein mit der Hecresvorlage auch die Deckung erledigt werden konnte. Auch wer gegen unsere neue Zuwachssteuer Bedenken hat, wird die Abkürzung der leidigen Steuerdebatten als tröstlichen Ilmstand gelten lassen. Das Agitieren, Demonstrieren, Streiten, Feilschen usw., das mit der Austragung von bedeutenden Steuerfragen unvermeidlich sich einstellt, ist weder lieblich noch erbaulich. Tas Schiff der Gesetzgebung schwimmt gleichsam auf hoher, src'cr See, wenn es sich um die Verteidigung des Vaterlandes oder sonstige nationale Lebcnsinter- essen handelt; aber wenn Steuern geschaffen werden sollen, dann mutz das Schiff der Gesetzgebung zwischen den Klippen der Einzelinteressen und den Sandbänken der Unlust mühselig sich durchlavieren. Hart im Raum stotzen sich da die Sachen. Mit den hohen Idealen und den großen Prinzipien ist in diesem Gewirr nicht dürchzukommen. Der gordische Knoten der Steuerfrage läßt sich nicht zu allgemeiner Befriedigung auffingern, sondern er muß durchhauen werden mit einem Machtspruch der Mehrheit, der einem Telle gefällt, aber dem anderen Teile nicht be- hagt. Die Steuerkämpfe wirken demgemäß zersetzend. Sie können nicht bloß Parteigruppen zersprengen, sondern auch die Eintracht innerhalb der Partei erschüttern. Der Blülowblock kam s. Z. über die Schwierigkeiten der Börsengcsetzgebung und des Bereinsrechts hinweg; aber an der Steuerreform von 1909 erlitt er Schiffbruch. Damals führte die Steuersragc die Konservativen wieder an die Seite des lang gemiedenen Zentrums. Jetzt hat die neue Steuersragc die Konservativen wieder vom Zentrum abgelenkt und dagegen die Nationalliberalen an die Seite des Zentrums gebracht. Ausfallende Wendungen; aber es geht alles mit natürlichen Dingen zu, weil die Steuerfrage ihrer Natur nach ein so krauses Spiel der Interessen und der Stimmungen mit sich bringen.
Wenn man der Sache auf den Grund geht, so findet man hier auch die Lösung des Rätsels, 'warum es nicht gelungen ist, die Deckung des neuen Mehrbedarfes auf dem sogen. Umwege über die Einzel st aaten durchzuführen. Dieser Gedanke fand gerade dort, jvo sonst die Selbstherrlichkeit der Einzelstaaten ihre besten Vorkämpfer findet, keinen Anklang. Das dargebotene Geschenk an die Stener- autonomie der Landtage wurde nicht ergriffen, weil jeder sich sagte: Wenn wir bei uns zu Hause die Steuerkämpfe austragen und das Odium der neuen Belastung auf uns nehmen sollen, was wird das für eine Verwirrung in unserem Landtage und Bergis- tung in unserm heimischen Parteiwesen geben! Eine von Berlin verhängte Steuer ist ein kleineres Uebcl, als eine selbstgemachte mit ihrem unvermeidlichen Zank und Stank! —
, Die Steuermache ist eine schwere, verdrießliche, undankbare Arbeit, aber doch eine bittere Notwendigkeit. Wer die Natur und die Geschichte des Steuerwesens betrachtet, wird die unangenehmen Begleiterscheinungen und die Uebergangs- wehen nicht zu tragisch nehmen. Er wird die Dinge nehmen, tote sie sind, und sich mit den vollendeten Tatsachen abfinden. Erst wenn btc Sache ihre tat-
Das Münchner Kindl.
53} Roman von Felix Nabor.
l „Was", rief Max, „ich soll als Reiseonkel durch die Welt kutschieren? Das ist geradezu verrückt! — Ich — und Kaufmann? —" Er lachte verächtlich.
„Aber ich bin doch auch Kaufmann!"
i „Ja - Du!"
, Ludwigs Augen blitzten. „Bin ich etwa weniger wert als Du?" rief er im Tone eines Richters.
Im Bewußtsein seiner Schuld schlug Max die Augen nieder und es ward ihm heiß.
„Kaufmann sein ist eine Ehre", sagte Ludwig ernst. „Denk an die Fugger, an die Hanseaten! __
Schau auf die Tausende von Männern, die als Kaufleute in ehrlichem Ringen die Höhen des Lebens erklommen haben und stolz und hochgeachtet durchs Leben gehen! — Wie dem aber auch sei — uns beide bindet die Pflicht an dieses Haus und an den Handel, den es betreibt. Wir sind Söhne dieses Hauses, tragen den Namen unseres Vaters und haben die Ehrenpflicht, das Erbe zu hüten und zu wahren, das er uns hinterlassen hat. Du hast bisher von diesem Erbe nur gezehrt, jetzt sollst Du es erhalten und mehren helfen — und ich erwarte von Dir, daß Du dich dieser Aufgabe nicht entziehst."
„Welcher Aufgabe?"
„Den Dir zukommenden Teil der Arbeit aus Dich zu nehmen, dies Haus stützen zu helfen, damit es nicht über uns zusammenbricht! Du sollst in unser Geschäft eintreten — und als Mann Deine Arbeit tun. Das Spiel mit dem Leben, wie Tu es bisher getrieben hast, hat nun ein Ende: der Ernst des Lebens tritt an Dich heran! — Die Arbeit fordert ihr Recht!"
Max fuhr sich mit beiden Händen in die Haare. „Mer ich kann nicht Kaufmann werden", rief er. „Ich habe nicht die geringste Lust dazu, ich würde todunglücklich. Ehe ich das tue, jage ich mir eine Kugel durch den Kopf."
Ludwig sah ihn drohend an. „Nein, so billig kommst Du nicht weg, mein Junge! Matz schießt sich
sächliche Probe bestanden hat, läßt sich mit Nutzen über Aenderung reden. Der Zahl' ist gezogen worden, ohne viel Zögern und Zerren mit einem kurzen kräftigen Ruck- Nun spülen wir den Mund aus und warten das Zuwachsen der Wunde ab. Wenn Frankreich nach wie vor auf dem Operanonsstuhle sitzt und die Steuerpolitiker über die Vorzüge und Nachteile der verschiedenen Zangen einen langwierigen Streit führen, so brauchen wir deshalb nicht neidisch zu werden.
jo. Beschämende Begleiterscheinungen des 12. deutschen Turnfestes.
Tie Jahrhundertfeier der Erhebung der Station war bekanntlich auch Anlaß, das in dieses Jahr sal- lende 12. deutsche Turnfest in Leipzig, dem Zentralsitze der „Deutschen Turnerschaft" ganz besonders glanzvoll zu begehen, um dem Baterlande zu zeigen, wie viel die „Deutsche Turnerschaft", deren Ursprung ja in die Zeit vor hundert Jahren fällt, vermocht habe zur Ertüchtigung des Volkes. Ein Stadion wurde angelegt, welches die größten bisher er- | richteten übertrifft. Zehntausende von Turnern kamen aus allen Gauen, um den Hunderttausenden von herbeigeströmten Zuschauern ein Bild deutscher Jugend- und Manneskraft zu bieten.
Daß wir nun dauernd eine zum Teil andere Erinnerung von diesem gewaltigen Fest haben werden, ja daß dasselbe einen ständigen Beweis dafür darstellen wird, wie Körperkultur, losgelöst von religiös-sittlicher Erziehung, wohl den Menschen zu tierischer Kraftentwicklung, aber noch lange nicht zu wahrer Leibeszucht und erst recht nicht zu der die modern Triebe beherrschenden Willenskraft erzieht, dafür liegt eine Fülle von Ereignissen vor, die jeben Freund des Volkes mit Sorge erfüllen und jetzt, im Zeitalter Jber Jugendpflege ein warnendes Exempel für alle diejenigen barstellen, welche Jugendpflege und Körperpflege fast gleichzustellen suchen. Wir haben kürzlich auszugsweise mitgeteilt, was ein Beobachter im „Reichsboten" unter der Ueberschrfft „Turnen und Sittlichkeit" über tief beschämende Begleiterscheinungen des 12. deutschen Turnfestes berichtet hatte. Er erzählte, daß die Turner in großen Scharen Nacht für Nacht sittliche Abwege gegangen seien. Ein anderer Beobachter klagte in derselben Zeitung, daß die Kirchen Leipzigs an dem Festsonntage so leer gewesen seien, wie wohl seit 100 Jahren noch niemals; daß die Festteilnehmer stellenweise die gemeinsten Witze ins Publikum gerufen, ja sich vor öffentlichen, unanständigen Handlungen nicht gescheut haben; daß sie auf dem Festplatze von einer Masse gemeiner Dirnen begrüßt und nicht vergeblich umworben worden seien; daß endlich, weil die Straßen Leipzigs zu klein gewesen seien für dieses gemeine Treiben, ganze Scharen von Turnern in ihren Turnanzügen und geschmückt mit dem stolzen Abzeichen „Frisch, Fromm, Froh, Frei" nach Berlin gefahren seien und dort die berüchtigten Häuser bevölkert hätten.
Seit dem Turnfest sind zwei Wochen vergangen. Das soeben erschienene letzte Heft (Nr. 30) der „Deutschen Turnzeitung" bringt wohl einen Protest gegenüber einer in anderen Dingen ungerechten Berichterstattung des „Berliner Tageblattes", aber kein Wort der Abwehr gegenüber diesen Anschuldigungen. Wir müssen also leider annehmen, daß dieselben nicht bestritten werden können.
Gewiß wollen wir nicht die 'deutsche Turnerschaft als solche für die Vorkommnisse verantwortlich machen und wir müssen auch leider zugeben, daß beim Zusammenströmen großer Massen von Menschen stets sich solche befinden, die derartige Veranstaltungen in der niedrigsten Weise mißbrauchen. Nach den vorliegenden Berichten scheint es sich aber nicht um Vereinzelte, sondern um ganze Scharen gehandelt zu haben. Es ist eben eine nicht zu leugnende
Tatsache, daß in manchen Turiwereinne, das muß einmal bei dieser Gelegenheit öffentlich gesagt werden, — wir denken hier keineswegs an die hiesigen Vereine — nicht die Zucht herrscht, welche man unbedingt verlangen muß, sonst wären die ständigen Klagen, die bald aus dieser, bald aus jener Gegend Deutschlands über ähnliche Vorkommnisse bei Gau- und Kreisfesten geführt werden, unmöglich. Wir verstehen es darum, und billigen es durchaus, wenn christlich denkende Kreise, insbesondere die Jünglings- und Gesellenvereine immer mehr dazu übergehen, ihren Mitgliedern auch Gelegenheit zu Körperübungen zu bieten, damit diese als Teil der Gesamterziehung höheren Lebenszielen unterstellt, nicht übertrieben und überschätzt werden.
Eine harmonische Jugendpflege kann unmöglich Turnen und Sport zum Ausgang und Zentralpunkt machen. Sie wird stets in erster Linie Geistes- Pflege sein müssen, und für einen Christen Seelenpflege im engeren Sinne. Diese schließt natürlich eine gereaelte, maßvolle, charakterstärkende Körperpflege nicht aus. Wohin einseitige Körperkultur führt, dafür wird das äußerlich so glanzvolle 12. deutsche Turnfest ein dauernder Beweis und jedem, der die Jugend- und Volkskrast erhalten will, eine ständige Mahnung sein.
Geben wir der körperlichen Ertüchtigung ihren Platz, aber erst recht der sittlichen Erziehung.
© Die böhmische Zwangsverwattrmg.
Kaiser Franz Joseph hat, wie wir bereits berichteten, das Entlassungsgesuch des Oberstlandmarschalls von Böhmen, Prinzen Lobkowitz, angenommen, den böhmischen Landtag aufgelöst, wodurch auch der Landesausschuß (der noch von dem vorigen Landtag gewählt war, weil der aufgelöste infolge der deutschen Obstruktion nicht einmal zur verfassungsmäßigen Einsetzung dieser obersten Landesbehörde fähig war) seine Daseinsberechtigung verlor, und eine Landesverwaltungskommission eingesetzt, die die Vollmacht erhalten hat, das Land bis zur Herstellung verfassungsmäßiger Zustände provisorisch zu verwalten und zu diesem Zweck eine vorläufige Erhöhung der Landesumlagen von 55 auf 65 Prozent vorzunehmen und eine Landesbierabgabe von 4 Kronen auf den Hektoliter ein» zuführen.
Das Völkergemisch in der österreichisch-ungarischen Monarchie hat der Regierung schon des öfteren die größten Schwierigkeiten bereitet. Der Nafionalitäfen- hader erschwert und verhindert eine gedeihliche und organische Fortentwicklung der Gesetzgebung und kann ein Land leicht zum Ruin bringen. Wenn jetzt in Böhmen der greife Kaiser Franz Joseph die Selbstverwaltung des Königreichs einstweilen hat aufheben müssen, so blieb dem Monarchen nichts anderes mehr übrig, da die Lage des böhmischen Kronlandes immer schlimmer wurde und die verfassungsmäßigen Faktoren sich nicht über Maßnahmen zu einigen vermochten, um einen finanziellen Zusammenbruch des Landes zu verhüten.
Von den 6% Millionen Einwohnern Böhmens sind etwa 37 Proz. Deutsche und 63 Proz. Tschechen. Der böhmische Landtag besteht aus 242 Mitgliedern und wird auf 6 Jahre gewählt. 5 Jahre stehen sich nun schon dort Deutsche und Slawen in fruchtloser Ausgleichsarbeit gegenüber und alle Nachgiebigkeit der deutschen Vertreter hat es nicht vermocht, die Unversöhnlichkeit der Tschechen zu überwinden und den Deutschen jene Stellung zu verschaffen, die ihnen ihrer Zahl und Bedeutung nach gebührt. Die Folge der deutschen Obstruktion und der tschechischen Ma- jorierungspolitik ist jahrelange Arbeitsunfähigkeit des Landtags gewesen, die es verhindert hat, daß den immer steigenden Bedürfnissen des Landes neue Einnahmequellen erschlossen worden sind. Die Finanzlage Böhmens ist infolgedessen heute derartig, daß der böhmische Landesausschuß nicht über die Geld
nicht tot, weil man zu — faul zur Arbeit ist. Man lebt — und tut feine Pflicht, das ist ehrenhaft und männlich' Diese Moral ist zwar etwas hausbacken und altfränkisch, aber sie führt zu einem guten Ziele und entlastet das Gewissen. Auf Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und Pflichttreue wollen wir unser zukünftiges Leben aufbauen, dann wird es ein gesegnetes sein. Tiefe goldenen Pfeiler hast Du bisher nicht gekannt, Tu hast ein weichliches Schlaraffenleben geführt, darum bist Du auf Abwege geraten und unwürdig befunden worden, des Königs Rock zu tragen. Dir fehlte von jeher der Ernst des Lebens, der militärische Geist, die ideale Auffassung Deines Berufes, darum hat man Dir den Degen abgenommen. Was sollen Schwächlinge und Zierpuppen dem Vaterlande nützen, wenn der Feind seine Marken bedroht? — Unsere Zeit braucht Männer von Stahl und Eisen, unsere Armee braucht echte deutsche Krieger, Männer voll Adel und Kraft, die nüchtern, ernst und zielbewußt ihren Weg gehen, unser Offizierskorps muß die Elite des Heeres sein. Du hast nie den wahren Begriff eines echten deutschen Offiziers erfaßt, Dir war Dein herrlicher Beruf ein müßiges Spiel und der bunte Rock nur ein Deckmantel für Deine Einbildung und Deinen falschen Stolz — dafür traf Dich harte Strafe, dafür mußt Du nun büßen. Aber falsch und ungerecht wäre es, wenn Tu jetzt die Hände müßig in den Schoß legen würdest. Nein — Tu sollst gut machen, was Du gefehlt hast, Tu sollst Mitarbeiten, um das Vermögen, das Tu leichjsinnig vergeudet hast, wieder zurückzugewinnen. Fahnenflucht wäre Feigheit. Du bist jung, hast Kraft und Talent — und Du sollst all dies unserem Hause zur Verfügung stellen. Ich werde nicht dulden, dcß Du dies Haus feige verläßt, um einem ungewissen Glücke nachzujagen, ich fordere vielmehr von Dir, daß Tu an meiner Seite cmsharrst und für unsere Sache kämpfst."
„Ich kann nicht", stöhnte Max. „Alles iu mir sträubt sich gegen diesen Beruf."
„Weil Tu ihn nicht kennst. Verliefe Dich einmal in ihn, gib Dir Mühe, ein auter. tüchtiger Kauf
mann zu werden. Dann wirst Du diesen Beruf lieben lernen."
„Niemals! i-- Ich lasse mich nicht zwingen und nicht binden."
„Tu bist so lange an dieses Haus gebunden, bis Du Deine Schuld an dasselbe abbezahlt hast. Tas bist Tu Deiner Ehre — wenn man bei Dir überhaupt von diesem Begriff reden kann! — schuldig."
„Bruder — geh nicht zu weil' — Wenn ich auch — den Degen nicht mehr trage, beschimpfen lasse ich mich darum nicht." >
„Ich sprach nur die Wahrheft. Tu bfft durch Deine Schuld an dieses Haus gefesselt —"
„Und ich lasse mich nicht fesseln: ich bin ein freier Wann und gehe, wohin es mit beliebt." Er erhob sich und loollte zur Türe. Mec Ludwig vertrat ihm den Weg, sperrte die Türe ab und steckte den Schlüssel in die Tasche- Du wirst dieses Zimmer erst dann verlassen, wenn ich es Dir erlaube", sagte er. „Unsere Abrechnung ist noch nicht zu Ende. Ich muß erst Tein Wort haben, daß Du freiwillig in unser Geschäft eintrittst, und die Ueberzeugung gewinnen, daß Du ein anderer — ein besseret Mensch geworden bist. Tie Dir drohende Strafe, der Tod des Vaters, das Opfer, das er Dir brachte — hat das nicht auf Dich gewirkt? Sollte das spurlos an Dir vorübergegangen sein? —. Haben nie in einsamen, finsteren Nächten Reuequalen deine Seele gefoltert? — Dann müßtest du ein hartgesottener Sünder und ein schlechter Mensch sein. Und für schlecht halte ich Dich nicht — nur für leichtsinnig! — Ich bin sogar fest davon überzeugt, daß in einem stillen Winkel Deines Herzens noch eine kleine heiße und reine Flamme brennt: Die Liebe zu unserem Vater! — Zu diesem Ehren- manne, der dies Haus so stolz aufgerichtet hat- Weißt Du denn nicht, daß wir für die höchsten Güter kämpfen — für Heimat und Ehre? — Siehst, Du nicht die Not unseres Hauses? Erkennst Du nicht, daß es untergehen muß, wenn wir nicht fest zusammen stehen? — Soll dieser schöne, stolze Bau, den unser Vater in lebenslanger Arbeit errichtet hat, zusammenbrechen, weil seine Söhne uneinig sind und fahnenflüchtig werden? — Wenn Tu unfern Vater
mittel verfügt, die ihm zur Bestreftung der dringendsten Aufgaben notwendig sind.
Der Kaiser betont in einem Handschreiben an bett Ministerpräsidenten Grasen Stürgkh, daß es seist Wunsch sei, „daß an die Stelle der durch den Ernst des Augenblicks notwendig gewordenen Einrichtungen baldigst eine neuerliche gedeihliche Wirksamkeit der verfassungsmäßigen Organe der Landesverwaltung treten kann, wofür die natürliche Voraussetzung eist vertrauensvolles Zusammenwirken der beiden ba&; Land bewohnenden Volksstämme bildet". Nach bett; Erfahrungen der letzten Jahre und der jetzigen Aufnahme der kaiserlichen Kommffsion in Böhmen find aber die Hoffnungen auf ein baldiges Einvernehmen! zwischen Deutschen und Tschechen nicht groß. Vor( allem die deutschen Böhmen befürchten, daß die Re-, gierungskommission ihren Forderungen und Wünschen nicht gerecht werden, vielmehr auf die tschechiche Majorität unberechtigte Rücksicht nehmen wird.
Einen gerechten nationalen Ausgleich zwischen den! stommesverschiedenen Völkern herbeizuführen wird' der kaiserlichen Kommission eine wohl erstrebenswerte, aber doch schwer durchführbare Aufgabe sein- Wenn es den Deutschen und Tschechen Böhmens! nicht s e l b st gelingt, ein friedliches Nebeneinander; herzustellen, bann dürste es auch der Regierung schwerlich gelingen, ein erträgliches Verhältnis zu finden, dann wird den Verantwortlichen schließlich nichts anderes übrig bleiben, als die provisorische Aufhebung der Selbstverwaltung Böhmens im Interesse des Landes dauernd zu machen.
Deutsches Reich.
D Reichstagsabg. Prälat Dr. Lender f. '
Sasbach, 29. Juli 1913. Prälat Dr. Lender, der gegenwärtig älteste Reichstagsabgeordnete, ist heute nachmittag um 2% Uhr sanft entschlafen.
Mtt Prälat Lender, der ent Alter von nahezu 83 Jahren erreicht hat, ist ein Veteran der Zentrumspartei und einer der wenigen Parlamentarier dahingegangen, die dem Reichstag feit seinem Bestehest angehören.
Geboren 1830 zu Konstanz, empfing er 1853 die Priesterweihe. Damals loderte der badische Kirchenstreit auf. Da stellte Lender als jüngster Vikar he Offenburg am wackersten den Mann. Er brachte den verbotenen Hirtenbrief des Erzbischof Hermann von Vicari im Stiefel von Freiburg heim und las ibn, trotz Gendarmen, auf der Kanzel vor. Bon 1856 bis 187’2 war Lender als Pfarrverweser und Pfarrer in Sckwarzach tut badischen MittellanSe tätig. Seist rastlose, energische Pastoration wurde segensvoll. Hiei schuf er fein erstes großes Werk der Nächstenliebe; int Jahre 1859 gründete er die heute noch blühend» und ntuftergiltig wirkende Erziehungs- und Waisenanstalt. Um das geeignete Pflegepersonal zu erhalten, rief er eine religiöse Genossenschaft von Jungstauen ins Leben. Im Jahre 1866 wurde Lender zum Dekan des Kapitels Ottersweier erwählh und 1872 erhielt er die Pfarrei Sasbach bei Acherst
Wie schon in Schwarzach, so entfaltete er hier neben den Seelsorgearbeiten in der weitverzweigten Pfarrei eine vielseitige und bedeutungsvolle politische Tätigkeit. Von 1871 an vertrat er den 8. badischen Reichstagswahlkreis Bühl-Rastatt. Der badischen Zweiten Kammer gehörte Lender in den Jahren 1869 bis 188 6 an. Er war dort das Haupt der katholischen Volkspartei, d. h. des badischen Zentrums und dir geistige Führer der Katholiken Badens im politischen Kampfe. Bei aller Kampfbereitschaft war er stets eine gemäßigte, versöhnliche Natur. Diese Mäßigung führte ihn schließlich zu weit. Als zu Beginn der 1880er Jahre allmählich mit dem Abbruch der härtesten Kulturkampfbestimmungen begonnen wurde, fand der geschmeidige badische Kultus
wahrhaft geliebt hast, dann mutzt Du doch fühlen, datz fein Name nicht gebranbmarlt werden darf. — Erscheint es Dir denn gar so schwer, für die Heimat zu kämpfen, dem Namen Ehre zu machen, den wir tragen? — Ich verlange nichts unmögliches von Dir! Du sollst nicht hier im Kontor über Bücher brüten, sondern sollst hinaus in die Welt und sie erobern —, für unser Haus' — Ein paar Monate im Kontor, unter meiner Anleitung, werden genügen, um Dir einen Einblick in das Wesen unseres Geschäftes und feiner einzelnen Zweige zu verschaffen. Dann aber H: Du reifen — nach Frankreich, Holland, Eng-
, nach Japan und meinetwegen auch nach Amerika — nicht mit dem Köfferchen in der Hand, wie ein Kommis Voyageur, sondern als der Vertreter des Hauses Heuberger, das einen guten Klang hat. als ein Pionier deutschen Kunstgewerbes. Ich bin überzeugt, datz Du mit Seinen glänzenden gesellschaftlichen Talenten zehnmal bessere Geschäfte machst als ich. Und je eifriger Du bist, um so fester wird unser Haus und unser Ruf begründet sein, und Mm so mehr Geld wird in unsere Kasse fliehen- Lockt Dich dektn das nicht? Das Gold und die weite Welt! — Und was noch wertvoller ist: in ehrlicher Arbeit wirst Du sühnen, was Du gefehlt hast und Dich selber wieder finden! — Wenn Du bann reisemüde heimkehrst, so sollst Tu rasten und das Leben genießen, tote es Dir gefällt. Ich habe ein schönes Fleckchen Erde für uns gerettet, eine liebe Heimat: Die Villa am Starn, berger See."
„Wirklich? — Das war lieb von Dir."
„Ein Stück Heimat ist uns damit geblieben — allerdings nur mit Hilfe einer Hypothek. Aber diese tilgen wir, wenn erst das Geschäft wieder flott im Gange ist. Nun, was sagst Du zu meinem Vorschlag?"
Max erwiderte nichts. Es war ein Kampf zweier Weltanschauungen in ihm und er wußte selber nicht, welche von ihnen siegen würde- Aber es war auch eine seltsame Weichheit über ihn gekommen, die ihm sonst fremd war; sein Auge hatte einen feuchte» Glanz,
(Fortsetzung folgt.)