2. Blatt?
Druck der Zuldaer Hctienbtuderti in $*»«•
--- Fuldaer Leitung.
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totales.
Fulda, 26. Juli 1913.
X # Personalien. Dem Landgerichtsrat Dr. Rinteln in Kassel ist der Charakter als Geh. Justizrat verliehen. — Der langjährige Vorsteher des Zentral- Bureaus der König!. Regierung in Kassel, Präs.- Sekr. Fleischhauer, wurde mit der kommiss. Verwaltung der Ober-Buchhalterstelle bei der Wgierungs- Hauptkaffe in Koblenz beauftragt.
# Verliehen wurde dem Bahnhofs-Vorsteher a. D. Krauß zu Homberg der Kronenorden 4. Klasse, dem Ober - Bahnassistenten a. D. Anders zu Kassel das Verdienstkreuz in Gold, dem Eisenbahn-Lokomotivführer Schiffhauer zu Kassel das Verdienstkreuz in Silber, dem pensionierten Eisenbahn-Gehilsen Leim- rot h zu Eschwege das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens, den Bahnwärtern Möser zu Allendorf im Kreise Kirchhain und Weniger zu Uttershausen im Kreise Fritzlar das Allgemeine Ehrenzeichen.
Anerkennung. Dem langjährigen Heizer Benedikt H a b e r s a ck in der Mechanischen Weberei I. Jacobson wurde das Diplom des Dampfkessel-Ueber- wachungsvcreins sowie eine Geldspende für tadellose Behandlung von Kessel und Maschinen durch den Ingenieur des Vereins, Herrn Gundel, überreicht.
Ä Das Luftschiff „Viktoria Luise", das, wie wir gestern meldeten, in der vergangenen Nacht in Potsdam zu einer Fahrt nach Frankfurt aufsteigen vllte, hat Cie Fahrt programmäßig ausgeführt. Es vnrde hier in Fulda heute morgen um 8,20 Uhr geachtet und flog in sehr schneller Fahrt die Eisenbahn- -trecke entlang. In dem Morgennebel hob sich das Luftschiff nicht besonders klar ab. Ursprünglich war geplant, daß das Luftschiff, das zu Anfang d. M. nach Potsdam übersiedelte, am 15. Juli mit Cer in Hamburg stationierten „Hansa" seinen Standort ivechseln sollte; von dort sollte es bann' am 1. August wieder nach Frankfurt fahren. Das schlechte Wetter hat indes wohl diesen Plan durchkreuzt. Dio Vik- taria Luise wird bis Anfang August in Frankfurt bleiben, um Cann auf einige Zeit nach Baden-Oos zu gehen. — Wie uns ein Privattelegramm meldet, wurde bei Marbach aus dem Luftschiff eine Post hcruntergewcrsen, die der Bahn übergeben wurde.
rt Ferien-Strafkammer. Aus der Halt vorgeführt wurde der 39jährige Reisende Dr. phil. Delacroit, bei Berlin wohnhaft. Nach der Anklage soll er im Oktober 1910 hier ein dreibändiges Sammelwerk unter schwindelhaften Angaben an einen Techniker verkauft haben. In einem Zivilprozeß wurde der Käufer des Werkes auch zur Zahlung einer Teilsumme verurteilt. D. bestreitet heute jede Schuld. In den 26 Jahren seiner Tätigkeit für Buchhandlungen sei ihm bis dato noch nie ein Vergehen wegen Urkundenfälschung nachzuweisen. Die Zeugenaussagen gingen ziemlich weit auseinander. Nach Aussage des Sachverständigen ist D. ein Epileptiker und neigt zu Schwindelanfällen, die auf einen geistigen Zusammenbruch schließen lassen. Der Angeklagte sei wiederdolt in Sanatorien behandelt worden. Der Staatsanwalt bewilligte D. mildernde Umstände und beantragte die geringste Strafe von einer Woche Gefängnis, die durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt zu erachten sei. Der Verteidiger plädierte auf Freisprechung und Aufhebung des Haftbefehls; das Gericht erkannte im Sinne des Verteidigers.
= Handwerkskammer. Nach einer neuen Verordnung der Handwerkskammer Kassel ist die Gebühr für die Gesellenprüfung von 3 Mk. auf 5 Mk. erhöht worden. Ferner soll in Zukunft darauf gesehen werken, daß die Prüfungen nicht in Gasthäusern stattfinden. Zur Prüfung darf kein Lehrling zugelassen werden, der nicht in der Lehrlingsrolle der Kammer ober einer Innung eingetragen ist. Dies bezieht sich auch auf Fabriklehrlinge uitb auf Lehrmädchen in Werkstätten kaufmännischer Betriebe. Prüflinge, bereit Fortbildungsschulzeugnisse unregelmäßigen Schulbesuch und mangelhaftes Betragen aufweisen, sind auf % Jahr zurückzustellen. Neben der Anfertigung des Gesellenstückes ist auch auf die Ausführung einer Arbeitsprobe vor dem Prüfungsausschuß zu halten. Der Prüftmg in Materialienkunde soll mehr Bedeutung beigemvsfen werden. Die an die Prüflinge zu stellenden Anforderungen sind allmählich zu steigern, und zwar sowohl in fachlichem als auch int theoretischen Teile.
Wf. Das Volksverems-Sekretariat ist vom 29. Juli bis einschließlich 18. August geschloffen. Die am 5. August in Hünfeld uno am 7. August inGeisa und Eiterfeld fälligen Sprechtage finden nicht statt.
(*) Geflügelzucht - Stallptiimiiermig. Im Anschluß an die Stallprämiierung der bäuerlichen Geflügelhöfe, welche in diesem Iahte von der Landwirtschafts- kammer des Reg.-Bez. Kassel vorgenommen wird, um die noch stark rückständige einheimische Geflügelzucht zu heben, beabsichtigt der Geflügelzuchtverein Fulda gleichfalls eine Besichtigung, verbunden mit einer Prämiierung der Geflügelställe und Geflügelhaltungen, in der Stadt Fulda und Umgebung vorzunehmen, um das Interesse an der Nutz- und Rassegeflügelzucht zu wecken und deren Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Die Besichtigung wird von einer eigens hierzu gewählten Kommission vorgenommen, welcher in Anerkennung des erstrebten Zieles Herr Direktor Schoppmann von der landwirtsch. Winterschule seine freundliche Mitwirkung zugesagt hat. Es wird bei der vorzunehmenden Besichtigung auf die praktische Anlage der Ställe, der zum Ge- deihen des Geflügels erforderlichen Sauberkeit, sowie dessen Pflege besonderes Gewicht gelegt, und nur die- je: igen Ställe und Geflügelhaltungen sollen mit Prämien bedacht werden, welche den gestellten Anforderungen entsprechen oder doch am nächsten kommen. Tie Komitiission ist gern bereit, in Sachen der Ge- flügelzucht jede gewünschte Auskunft zu erteilen, sowie den Geflügelzüchtern auf Wunsch mit Rat und Tat an die Hand zu gehen. Sollten hiesige und in der Umgebung wohnende Geflügelhalter noch keine diesbezügl. schriftliche Mitteilung erhalten haben, so wollen sich dieselben an den Vorsitzenden, Herrn Wilh. Knips, Kanalstraße 41, wenden.
= Vom Truppenübungsplatz Ohrdruf. Die Uebungen der Reserve-Fetdartillerie-Abteilung des 11. Armee- korps, die am 8. Juli begannen, haben jetzt ihr Ende erreicht. Die eingezogenen Mannschaften wurden nach der Besichtigung wieder ausgekleidet und in die Heimat entlassen. In einem langen Militärzüge wurden die Geschütze und Pferde nach Fulda zurück- besördert. In dieser Woche fanden auf dem Truppen- Übungsplatz die Brigadeübungen der Regimenter 32 (Meiningen) und 167 (Kasfel) und des 11. Jäger- bataillons (Marburg) statt. Gestern nahmen der kommandierende General des 11. Armeekorps und die Divisions- und Brigadekommandeure die Brigadebesichtigung vor, und heute werden die Truppen von 'Ohrdruf aus mit der Eisenbahn in die Garnisonen ' Mackbefördert. Bei den Uebungen wurden von der
Infanterie mehrfach Scharfschießen nach markierten Luftschiffen vorgenommen, die ein recht günstiges Ergebnis hatten. Die radfahrende Abteilung der Marburger Jäger mußte öfters mit ihren zusammen- gelegten Rädern, die auf dem Rücken getragen werden, zum Gefecht vorgehen und dabei größere Hindernisse überwinden. Am 27. Juli beziehen die Feldartillerie- Regimenter Nr. 19 (Erfurt) und Nr. 55 (Naumburg) den Truppenübungsplatz, um das Scharfschießen vorzunehmen.
* Das Kammergericht hatte sich mit der Frage der Giltigkeit einer laudespolizeilichen Anordnung des Regierungspräsidenten zu Kassel zu beschäftigen, welche am 2. und 7. Juli 1911 ergangen war. St. war angeschuldigt worden, Schweine ohne die vorgeschriebene Beobachtung aus Westfalen in den Regierungsbezirk Kassel eingeführt zu haben. Er wurde von der Strafkammer freigesprochen, da die in Rede stehende landespolizeiliche Anordnung ungültig sei; sie beruhe auf einer früheren landespolizeilichen Anordnung, welche vom Kammergericht für nicht gütig erklärt worden fei: insbesondere sei nicht angegeben worden, welche Gegenden als verseucht anzusehen seien. Diese Entscheidung focht die Staatsanwaltschaft beim Kammergericht an. Dieses hob auch die Vorentscheidung aus und wies die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an die Strafkammer zurück und fuhrt u. a. aus, eine landespolizeiliche Anordnung sei nicht gültig, wenn nicht die verseuchte Gegend angegeben werde. Es genüge, wenn eine ganze Provinz als verseucht bezeichnet werde.
* Kinderschutz im Eisenbahnbetriebe. Zur Verhütung von Unfällen, wie sie in letzter Zeit vielfach vorgekommen sind, hat der Minister der öffentlichen Arbeiten folgendes angeordnet: Die Aufstchtsbeamten und das Bahnbewachungspersonal haben streng darauf zu achten, daß die Bahnanlagen an verbotenen Stellen von Kindern nicht betreten werden. Ebenso sollen die Schrankenwärter beim Schließen der Schranken ihr Augenmerk auf Kinder richten, besonders wenn eine Zugbegegnung stattfindet, sodaß die Schranken nach Vorbeifahrt des einen Zuges noch geschlossen bleiben müssen.
ss. Sport. Das am letzten Sonntag wegen ungünstiger Witterung verschobene B e z i r k s f e st des Fuldaer Bezirks wird am morgigen Sonntag auf dem Sportpark Neuenberg zum Austrag kommen. Außer den schon bekannt gegebenen Bezirksmeisterschaften hat der Verein noch eine 5X200 Meter-Stafette eingelegt. Die Vorkämpfe beginnen vormittags 10 Uhr, die End lause nachmittags 3 Uhr. Der 7500 Meter-Langstreckenlauf wird nach der Maber- zellerstraße gelaufen. Nach den Wettkämpfen wird ein kleiner Kommers mit Tanzgelegenheit im Schultheis'schen Gasthause stattfinden. — Für die am 17. August stattfindenden national, olymp. Spiele sind Sonderwettkämpfe für Militär und Jugend vorgesehen.
('s K. K. B. Am morgigen Sonntag wird der K. K. V., das R. Müller'sche Bergwerk Leltengraben besichtigen. (Näheres siehe im Anzeigenteile.)
rm Tie Provinz Hessen-Nassau und der Wehrbeitrag.
Um die Höhe der Beisteuer zum Wehrbeitrag zu ermitteln, ist von der preußischen Vermögensveranlagung für die Jahre 1911-13 auszugehen. Hiernach bringen die hessen-nassauischen Vermögen bis zu 100 000 Mk. gemäß den derzeit möglichen Berechnungen die Summe von 3 035 387 Mk. auf. In bcr nächsten Gruppe 100 000 bis 200 000 Mk. entfallen nach bcr Vorlage runb 440 Mk. auf jeden Zensiten. Vorhanden waren in der Provinz Hessen-Nassau 8005 solcher Zensiten, so daß der von dieser Gruppe zn bestreitende Wehrbeitrag 3 522 000 Mk. beträgt. Be> den Vermögen von 200 000 bis 500 000 Mk. beträgt der Anteil eines jeden Zensiten durchschnittlich 1471 Mk., das ergibt bei 5111 Zensiten insgesamt 7 518 281 Mk. Auf die Vermögen von 500 000 Mk. bis 1 Million entfällt ein durchschnittlicher Wehrbeitrag von 4440 Mk. Da in der Provinz Hessen-Nassau bei der letzten Veranlagung 1655 Zensiten in dieser Gruppe gezählt wurden, so hat sie an Wehrbeitrag zu zahlen 7 348 200 Mk. 695 Zensiten mit einem Vermögen von 1 bis 2 Millionen Mk. zahlen jeder durchschnittlich 11159 Mk., zusammen also 7 755 505 Mk. An der Besteuerung der Vermögensträger mit mehr als 2 Millionen Mk. kommen nur 27 212 992 Mk.; es entfallen durchschnittlich 60 608 Mk. auf jeden der 449 Veranlagten. Die physischen Vermögensträger zahlen also nach den derzeit möglichen Berechnungen in Hessen-Nassau insgesamt 56 392 565 Mk. Man rechnet nun bis zum Stichtage, dem 31. Dezember 1913, auf Grund früherer Veranlagungen, mit einer Steigerung des Vermögens um etwa 13,5 Prozent. ES würden hiernach die physischen Vermögensträger der Provinz Hessen-Nassau runb 64 Millionen Mark Wehrbeitrag zu leisten haben.
Von Interesse ist es, auf bic großen Ver - mögens träger noch besonbers einzugehen. Mit einem Vermögen von 2 bis 5 Millionen Mk. sind in Hessen-Nassau? 330 Zensiten heranzuziehen. Sie zahlen jeber durchschnittlich 30 515 Mk. Wehrbeitrag. Die Zensiten mit einem Vermögen von 5 bis 10 Millionen Mk. — insgesamt 78 — zahlen durchschnittlich jeder 82 510 Mk 15 Zensiten mit einem Vermögen von 10 bis 15 Millionen Mk. zahlen jeder im Durchschnitt 160 670 Mk. 8 Zensiten, deren Vermögen zwischen 15 bis 20 Millionen Mk. liegt, haben 233 885 Mk. im Durchschnitt zu zahlen. Außerdem kommen noch 20 Zensiten, deren Vermögen über 20 Millionen Mk. groß ist, in Betracht. Ihre Leistung zum Wehrbeitrag beziffert sich im Durchschnitt schätzungsweise auf 375 000 Mk. Es sind hiernach also ganz außerordentliche Summen, die auf die großen- Vermögensträger entfallen.
Aus dem Wehrbeitrag vom Einkommen und dem Wehrbeitrag vom Vermögen der Aktiengesellschaften und der Kommanditgesellschatfen auf Aktien erwartet man insgesamt für das ganze Deutsche Reich 120 Millionen Mk. ober auf ben Kopf ber Bevölkerung (nach ber letzten Volkszählung) 1,85 Mk. Davon entfallen % auf ben Wehrbeitrag vom Einkommen unb % auf ben Wehrbeitrag vom Vermögen ber Aktiengesellschaften unb Kommanditgesellschaften auf Aktien? Aus die Provinz Heffen-Nassau würden hiernach, der Bevölkerung entsprechend, 4108 889 Mk. entfallen. Insgesamt und abgerundet würde somit die Provinz Hessen-Nassau an Wehrbeitrag 68 Millionen Mk. aufzubringen haben.
Aus dem Nachbargebiete.
* Aus dem Kreise Fulda, 24. Juli 1913. Für Zusammenlegungsarbeiten ist verschiedenen Gemeinden des Kreises Fulda im laufenden Rechnungsjahre durch Vermittelung der Königlichen Generalkommission ein Betrag von 5800 Mark aus staatlichen unb kommunal- ständischen Fonds als Beihülfe zur Verfügung gestellt worden.
□ Weyhers, 25. Juli 1913. Herr Gustav Edel von hier, Studrosus der Mathematik und Naturwissenschaften, hat an der Friedrich-Wilhelms-Um«
versität zu Bonn das Doktor-Examen mit Auszeichnung (magna cum laude) bestanden. Herr Dr. Edel promovierte in Petrographie.
* Hünfeld, 24. Juli 1913. Der früher hier als Lohnschreiber beschäftigte R., der jetzt als Musketier bei der zweiten Kompanie Infanterie-Regiments 83 steht, hat vor seiner Einreihung in das Heer seine Stellung dazu benutzt, um auf Kosten vermögender Verwandten und Bekannten sich pekuniäre Vorteile zu verschaffen. Er stand dieserhalb in diesen Tagen vor dem Kriegsgericht der 22. Division in Kassel unter der Anklage des Betruges und der Unterschlagung. Die Aussagen der Verwandten des redegewandten Angeklagten fielen für diesen günstig aus, sodaß er wegen mangelnder Beweise freigesprochen wurde.
* Schlitz, 25. Juli 1913. Der vorgestrige Som- mermarft ist vollständig verregnet. Auswärtige auf reiche Ernte hoffende Verkäufer hatten sich zahlreich eingestellt, aber die Abnehmer blieben aus. Sehr spärlich gegen ffüher war auch ber Besuch ber Salzschlirfer Kurgäste. — Der Verkauf ber hiesigen Molkerei bestätigt sich nicht; vielmehr besteht ber Plan, eine neue Molkerei-Genossenschaft zu grünbem — Die Gemeinberats-Ersatzwahl finbet hier am 2. September statt.
* Geissel.» 25. Juli 1913. In ber letzten Stadt- verorbnetenversammlung würben folgende Punkte erledigt: Der Preis für den Kubikmeter Wasser wurde auf 15 Pf. festgesetzt, kann aber bei größerem Gesamt- Verbrauch entsprechend ermäßigt werden. Der Mindestsatz pro Haus- oder Grundstück beträgt 6 Mark. Der Verkauf der Untermühle an Herrn von Waldthausen zum Preise von 10 000 Mk. wurde genehmigt und der Betrag zur Schuldentilgung bestimmt. Zugestimmt wurde ferner einem mit Herrn v. Waldthausen abgeschlossenen Kaufvertrag, wonach dieser die dem engeren Bezirk Gersfeld gehörigen Rhöngrundstücke „H a s e n h ö h e", 43,82,74 Hektar umfassend, zum Preise von 10 956,85 .Pf. (ä Hektar 250 Mk.) erhält. Für das Kriegerdenkmal genehmigte die Stadtverordnetenversammlung einen Beitrag von 300 Mk. Ten angeregten Bau eines städt. Schlachthauses lehnten die Stadtverordneten ab, da hierfür kein Bedürfnis vorliege und sie keine Auf- wärts-Eutwicklung der Stadt erkennen können, solange die Einwohnerzahl noch abnimmt. Mit ber enbgültigen Anstellung bes Stadt- und Polizeidieners Kümmel erklärte sich die Stadtverordnetenversammlung einverstanden. — Am Dienstag markt waren 320 Stück Rindvieh, 230 Läufer unb 1000 Saug- schweine aufgefahren. Der Handel Ivar lebhaft bei guten Preisen. — Auf bcr Wasserkuppe weilt gegenwärtig toieber eine Abteilung ber Flugveremi- gung Darmstabt unb unternimmt daselbst täglich Üebungsflüge mit einem Gleitflieger. — Unter dem Schweinebestanb bes Oberförsters Biebermann in Schackau ist Schweineseuche ausgcbrochen. — Die hiesige Schützengesellschaft feiert am 26., 27. unb 28. b. M. ihr IMjährigcs Bestehen.
* Hersfelb, 25. Juli 1913. Obgleich man bestimmt erwartet hatte, baß bie neue Haltestelle „H ers- f e l b - S ü b" (Strecke Hersfelb-Treysa) im Laufe des Sommers erstehen würbe, ist außer ben im vorigen Winter gemachten Aufschüttungen bis heute noch nichts bavon zu sehen. Dies erregt in weiten Kreisen berechtigte Enttäuschung unb zwar umsomehr, als bie Anlage vom Eisenbahnministcr genehmigt, bie geforderten Kosten aufgebracht unb auch alle sonstigen*- Fordcrungen erfüllt sinb. Zn ben Enttäuschten gehören auch bic Bewohner des Fuldatales, für bic bic Haltestelle besonders wichtig ist. Man vermutet, baß mit bcr Errichtung ber Haltestelle gewartet wirb, bis bie Bahn Hersfelb-Homberg-Wabern gebaut, resp. bis bie Einmündung dieser neuen Bahn entschieden fei. Sollte sich dies bewahrheiten, dann wird unsere Haltestelle noch lange auf sich warten lassen, denn für die Bahn Hckrsfcld-Honibcrg-Wabern sind kaum die ersten Absteckungsarbeiten vollendet. — Herr Hans Geisler (aus Fnlda), bcr Schwager bes Herrn Wilhelm Weder hier, ist als Teilhaber in bie feit 53 Jahren bestehende Firma Ad. Wevcr, mechanische Weberei und Dampffärberei, eingetreten.
* Hanau, 25. Juli 1913. Der Schmied Hermann Horst aus Wittgenborn, der mit mehreren anderen im Januar beim Wildern im Büdinger Wald von einem Forstbeamten durch einen Schuß ins Bein erheblich verletzt wurde, ist jetzt aus dem hiesigen Landkrankenhaus in das Gießener Untersuchungsgefängnis übergeführt. Die Genossen Horst's, die wie dieser bei dem Wildern durch Vorbinden falscher Bärte sich unkenntlich gemacht hatten, sollen noch nicht ermittelt fein.
* Gelnhausen, 24. Juli 1913. Gestern fand im Kreishause hier die Gründung der Automobil- Omnibus-Gesellschaft im Kreise Gelnhausen statt. Gesellschafter sind: der Kreis Gelnhausen, die Stadt Gelnhausen, die Stadt Bad Orb, die Landgemeinden Lohrhaupten, Bieber, Oberndorf, Mernes, Pfaffenhausen, Burgjoß, Flörsbach, Fischborn, Wüst- willenroth, Lichenroth, Schlierbach, Neuenschmidten, Streitberg, Helsersborf, Hettersroth, Marjoß und Jossa, ferner die Firma Benz in Gaggenau und einige andere Interessenten. Ter Aufsichtsrat besteht aus ben Herren Landrat Graf von Wartensleben in Gelnhausen als Vorsitzenden, Bürgermeister Dr. Schmidt-Gelnhausen, Bürgermeister Dr. Dahmann- Bad Orb, Kammerdirektor Bräunig-Birstein, Bürgermeister Freund-Lohrhaupten. Der Betrieb auf den drei Automobil-Linien, nämlich der'Speffartlinie, der Vogelsberglinie und ber Gelnhausener Linie soll am 15. August d. I. eröffnet werden.
* Klein-Krotzenburg, 25. Juli 1913. Bei einer unvermuteten Revision bcr vor einigen Jahren gegründeten Kohlenkasse „Selbsthilfe" wurden Veruntreuungen in Höhe von einigen tausend Mark festgestellt. — Eine Mutter von drei Franziskanerpatres ist in ber Person ber Frau Flehler hier gestorben. Der eine Sohn ist Provinzial ber rheinisch-westfälischen Orbensprovinz, ber zweite Guardian des Kapuzinerklosters in Mainz und ber dritte Theologieprofessor in seinem Orden.
kk Frankfurt, 25. Juli 1913. Im Mittelpunkt des zweiten Festtages der 81er standen heute Vormittag die rein militärischen Feiern auf dem Festhallengelände. Sie wurden durch ein großes Wecken eingeleitet, dem gegen 8 Uhr bie Aufstellung bes Regiments mit ben Gästen folgte. Der, Riesenzug, 19 000 Personen stark, von einer unübersehbaren Menschenmenge begleitet, bewegte sich nunmehr nach bem Parabeplatz, wo er bataillonsweise in einem gewaltigen Viereck Aufstellung nahm. Der Felbgottes- bienft, ber nun folgte, wurde von ben Geistlichen beiber Konfessionen gehalten. Hierauf gab General von. Schenck eine große Reihe von Auszeichnungen unb Beförderungen bekannt unb verlas sodann ein Handschreiben des Kaisers, durch das dem Regiment der Name „Infanterieregiment Landgraf Friedrich I.
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Samstag 26. Juli 19X3.
von Kassel 1. Kurhessisches Nr. 81" verliehen wurde. Der General hielt sodann eine Rede, in der er nach einer Begrüßung des Chefs unb der Gäste ben Korpsgeist des Regiments unb seine Waffentaten feierte unb die in einem Hurra auf das Regiment gipfelte. Darauf legte Oberst von Drabich-Waechtler das Gelöbnis der Treue gegen den Kaiser ab, bem auch das Hurra galt. Nachdem Prinz Friedrich Karl bic Fronten ber Soldaten unb Krieger abgeschritten hatte, fanb ein glänzender Parademarsch statt. Den alten kurhessischen Veteranen, 140 anbet Zahl, wurde vom Kaiser eine Bronzemebaille. verliehen. — Im Anschluß an bie militärische Feier würbe barauf ein von ber Stabt gestiftetes Fest- essen eingenommen, an bem 15 000 Personen in Gruppen von je 7500 Mann teilnahmen. Zu benv Mahl wurden verwendet 60 Zentner Schweinefleisch und 35 Zentner Roastbeef, ferner 90 Zentner Kartoffeln (zu Salat), 2 Faß Oel und 300 Liter Essig- Die Speisenfolge lautete demgemäß: Suppe, Schweinebraten, "bezw. Rostbeef mit Kartoffelsalat. Ilm bei der Statistik zu bleiben, sei erwähnt, daß gestern abend 18 000 Paar Frankfurter Würstchen und 40 000 Brötchen verzehrt wurden, wozu man „bloß" 300 Hektoliter Bier trank. Herzlichen Charakter trugen die einzelnen Kompagniefeiern heute abend, die einen n euen Beweis von dem trefflichen Verhältnis zwischen Offizieren und Mannschaften erbachten. Prinz Friedrich Karl nahm mit seiner Begleitung an der Feier der 8. Kompagnie im Zoologischen Garten teil. -
* Frankfurt, 25. Juli 1913. Ein angeblicher Kaufmann Hörlinger betrieb hier umfangreiche Darlehns- schwindeleien. Er wandte sich schriftlich an Personen, die in Zeitungsanzeigen Darlehen gesucht hatten. H., ber bie Brieie von Vilbel absandte, erklärte ben Leuten, daß sie nur bann ein Darlehen erhielten, wenn sie sich in eine bestimmte Lebensversicherung auf nehmen ließen. Das Darlehen würben sie dann von seinem Vater bekommen. Verschiedene Darlehenssucher waren gewillt, sich in die Versicherung aufnehmen zu lassen und entrichteten die angeblich im Voraus zu zahlende Prämie von 40—50 Mark. Dann hörten sie nichts mehr davon. — In einem Uhrengeschäft suchte gestern der Kommis Lion Schmucksachen zu verkaufen. Dem Geschäftsinhaber kam die Sache nicht geheuer vor und er ließ den Unbekannten, der eine Menge Damenschmucksachen bei sich trug, verhaften. Sion gab an, daß er mit einer Frau von Hamburg nach Hannover gefahren sei, der dort das Gelb ausgegangen fei; Sie habe ihn ersucht, ihren Schließkorb nach Frankfurt mitzunehmen. Aus dem Korb habe er die Sachen entnommen. — Der Mechaniker Steng el, der gestern. abend bei Rödelheim mit dem Flieger Schäfer abstürzte, ist gestorben.
h. Friedrichsdorf i. T., 15. Juli 1913. Eine ungewöhnliche fette Pleite ist der Konkurs der hiesigen Lederwerke B. & V. Haas. Während man früher von 50, sogar 60 Prozent sprach, die die Gläubiger erhalten sollten, sind es jetzt nach den Schlußrechnungen höchstens — 2 Prozent. Die Passiven erreichen die gewaltige Höhe von 1,150,400 Mark.
* Kassel, 25. Juli 1913. Gestern haben 23 Arbeiter in bcr Hessischen Stockfabrik in Nieder- iaufungen bie. Arbeit nicbergelcgt. — Festgenommen würbe ber 20jährige Kellner Stephan N., ein geborener Oesterreicher, ber im' Verdacht steht, einen Kollegen auf einer Bierreise das Portemonnaie mit 170 Mark aus ber Tasche gestohlen zu haben. — Im Stadtteil Bettenhausen stieß ein ländliches Fuhrwerk mit dem Lastautomobil einer hiesigen Großhandlung zusammen'. Das Pferd stürzte, schwer verletzt, zu SSoben, bie Deichsel unb ber Vorderteil des Einspänners waren zertrümmert und auch das Automobil erlitt Beschädigungen. Beide Wagenführer blieben, unverletzt. !
* Hann. Miin lln, 25. Juli 1913. Heute vormittag wurde für den jüngst verstorbenen Bürgcr- vorsteher Schlächtermeister Wilhelm Beyer gewählt.
* Aus Thüringen, 25. Juli 1913. Versetzt fina die Feuerwerkshauptleute Peterson bei der Kommandantur des Truppenübungsplatzes Ohrdruf zum Artilleriedepot in Berlin, Passeroth beim Artilleriedepot in Königsberg zur Kommandantur des Truppen« Übungsplatzes Ohrdruf. — Der Bezirksausschuß des dritten weimarischen Verwaltungsbezirks ver-- warf einen von sozialdemokratischer Seite gestellten Einspruch gegen die letzte Eisenacher Gemeinderats' ersatzwahl. In der Hauptsache stützte sich der Einspruch darauf, daß die Namen vieler Kandidaten unrichtig geschrieben und deshalb die betreffenden Stimmzettel für ungiltig erklärt worden waren. Von feiten der Sozialdemokraten wurde darauf hingewiesen, daß ihr Protest bie Einführung gedruckter Stimmzettel bei den Gemeinderatswahlen herbeiführen solle. — Die 22jährige Tochter des Tischlermeisters Wuntsch in Kranichfeld entleibte sich wegen schwerer Krankheit. — Viel gespöttelt wird in Bürgel eine von der Polizei aufgestellte Tafel mit der Inschrift: „Es wird hiermit verboten, daß Kinder unter 12 Jahren die städtischen Anlagen ohne Bekleidung Erwachsener betreten." j
* Niedermarsberg, 25. Juli 1913. Auf der Straße bei Neuenheerse fuhr das Automobil einer Dame eine sechs Meter tiefe Böschung hinab. Die Dame und ein Kind wurden aus dem Gefährt geschleudert, aber nur leicht verletzt.
k. Gießen, 26. Juli 1913. In Frankfurt feierte heute der in Lauter geborene Schuhmachermeister Aff seinen 70. Geburtstag. Aff ist der Frankfurter Hans Sachs, ein begabter Dichter, der zahlreiche gemütvolle Dichtungen lyrischer Art schrieb und damit vor einigen Jahren bei ber „Ausstellung für Frei- stunden-Kunst" großes Aufsehen erregte. Er hat sich auch auf dem Gebiete des Frankfurter Arbeiterbil« dungswesens einen klangvollen Namen erworben.
dh. Bad Homburg v. d. H., 25. Juli 1913. Der Beginn des internationalen Lawn-Tennistur- niers ist endgültig auf den 25. August festgesetzt. — Infolge der wochenlangen regnerischen Witterung ist im Taunus für die Vogelwelt ein bedenklicher Mangel an Jnsektennahrung eingetreten, der die Tiere jetzt zu allerhand „bedenklichen Mitteln" greifen läßt. Fliegenschnäpper und Meisen holen sich ihre Nahrung jetzt vielfach aus den Bienenständen heraus- Auch den umherfliegenden Bienen jagen die Vögel mit Vorliebe nach.
* Aus Frauken, 25. Juli 1913. Im Konkurs bei Weinfirma Joseph Stern in Würzburg sand gestern die erste Gläubigermrsammlung statt. Nach dem Berichte des Konkursverwalters stehen etwa 300 000 Marr Aktiva ungefähr 800 000 Mark Passiven gegenüber.- Bei günstiger Abwicklung des Konkurses dürften dl/ Gläubiger mit etwa 35 Prozent zu rechnen Haden. - Herr Winterheld von Miltenberg soll mit dem Fürsten von Löwenstein-Rosenberg in Unterhandlung stehen wegen Ankaufs des Schlosses Bergrothenfels. W. beabsichtigt, die ganze Schloßanlage^ur-