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Fuldaer Zeitung

Erschein» »glich mit Ausnahme otr Sonn- unb Zeiertage. viertel. . jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn unb Bestellgelb in Zulba sowie auswärts 1.50 Mark. — Rotationsbru» und Verlag der s Zulboer fldienörudterd in Zulba. Zernsprecher Nr. 9. ; z

Jlr. 171. erstes Blatt.

z ~ Wodjen-Beitage: s 5 I s s Monats-Beilage: s s

Illustrierte Sonntagszeifung ] Fuldaer Sefchichtsblütter

« Ziehungslisten der preußlsch-süddeuffch« Riossen-Lotterie. — Halbjährlich Taschenfahrplan, n

Samstag den 26. Juli |913»

flnjelgm: Der Raum einer etnfpalflgen toloneljtlle, 47 X» breit, haftet 15 Oft Reklamen: Der Raum einer Coloneljtilc, 14 nun breit, kastei 40 Pfg. SU Wieberholungen Rabatt. $ür Offert- unb fluskunftcnjeigrn 20 Pf. extra. 3n Konkursfällen wirb ber bewilligte Rabatt hinfällig. Erfüllungsort für bas An­klagen von Sortierungen Ist Zulba. flnjelgen-flnnabme bl* 10 Uhr oarmlttags. u n Größere knzelgen erbitten wir uns tags vorher. s 4

40. Zahrgang.

+ Sie mögen nicht.

In dem Heinen holländischen Nachbarstaat hätten diesmal Sozialdemokraten Mini st er irei=> den können, doch haben sie es vorgezogen, dankend a b z u l e h n t n in Weiser Befolgung des Ersah- rungssatzes, daß Vorsicht der Tapferkeit bester Teil sei.

Die letzten Wahlen haben der Rechten in Holland eine Niederlage gebracht. Während bisher in der Kammer den 59 Katholiken und orthodoren Calvi- nisten nur 41 Abgeordnete der Liberalen, demokra­tischen und sozialistischen Parteien gegenüberstanden, verfügt die Rechte in der neuen Kammer nur über 45 Stimmen, denen 37 Mandate der bürgerlichen Linken und 18 der Sozialdemokratie gegenüberstehen. Den stärksten Zuwachs hat die Sozialdemo­kratie erfahren, deren Fraktion von 7 auf 18 Ab­geordnete angewachsen ist. Diesen Erfolg haben die holländischen Genossen allerdings nicht der eigenen Kraft, sondern der sehr tatkräftigen Unterstützung durch die Liberalen zu verdanken. Nicht nur, daß die Liberalen ein Wahlprogramm aufgestellt hattm, das der Minister des Innern mit Recht „eine rote Flagge im Nebel" nannte, sie haben auch die So­zialdemokraten in den erforderlichen 47 Stichwahlen kräftig unterstützt. In einem so parlamentarisch re­gierenden Staat, wie es der holländische ist, mußte das bisherige Ministerium der Rechten natürlich fei­lten Abschiw nehmen und die Königin sah sich ver- fasiungsgemätz gezwungen, ihre Verantwortlichen Ratgeber aus den Reihen der Mehrheitsparteien zu entnehmen. Der liberal-sozialdemokratische Groß­block mußte also die M i n i st e r stellen und auch an die Sozialdemokraten erging der Ruf, nunmehr an Verantwortlicher Stelle die Geschicke des Landes zu leiten.

Das aber haben die Genosien aller Länder an- scheinend gemein, daß sie die Verantwortung fürs Regieren nicht gern übernehmen. Und den holländischen Genossen wurden gar drei Minister­portefeuilles angeboten. Man versteht es, daß man sich im roten Laaer in Holland ob dieser un­erwarteten Gunst des Geschickes äußerst ungemüt­lich fühlte und in allen Ländern, wo Genosien leben, sich gleich Federn in Bewegung setzten, um die Schädlichkeit sozialdemokratischer Beteiligung an einer Kabinettsbildung nachzuweisen. Und richtig, noch ehe der zur Entscheidung dieser Frage auf den 26. Juli einberufene holländische Parteitag zusam- menqetreten war, hatten sich die Kammerfraktion ur.b der Parteivorstand bereits darüber verständigt, daß von dem Eintritt sozialdemokratischer Führer in das neue Kabinett Ab st and genommen werden soll.

Dieser Entschluß ist nicht nur äußerst bequem, sondern auch sehr klug. Das verrät die Auslassung eines holländischen sozialdemokratischen Abgeordneten in den „Sozialistischen Monatsheften", wo er schreibt, daß für ihn die Losung der Krise am liebsten die sei:

„daß die liberale Konzentration das Ministerium ganz aus ihren eigenen Anhängern bildet, stch verpflichtet, die Wahlrechts- und die Alterspenflonsfrage zu lösen und die Sozialdemokratte die Gegenverpflichtung über­nimmt, das Ministerium den Angriffen der Rechten gegen­über zu unterstützen".

Das ist bequem zugleich, denn dadurch wälzt die Sozialdemokratie nicht nur die Verantwortung für die Lösung der Wahlrechtsfrage auf die Liberalen ab, fondern deckt sich auch gegen die Vorwürfe der Ra­dikalen und Unentwegten. Solange die Sozialdemo­kratte allein nicht die Mehrheit der Kammer hat, wollen sie sich auch dem Risiko der Regierunqsfuh- rung nicht aussetzen; wenn einmal die Sozialdemo­kratte in der Kammer das Heft in der Hand haben wird und ihre Forderungen mühelos durchdrücken kann, dann werden sich auch wohl sozialdemokratische Minister finden. Bis dahin sind die Liberalen

Dar Münchner Ktnöl.

'5OJ Roman von Felix Nabor.

Seine Faust fiel schwer auf die Bettdecke. „Fünf- taufend Marl? — Und das nennst Du eine Baga­telle? — Marguerite, Du lebst beständig in Illu­sionen und wirst niemals den wahren Wert des Geldes schätzen lernen. Was Du da verlangst, ist unmöglich. Ich kann Dir diese Summe nicht geben, weil ich nicht über so große Mittel verfüge. Wir muffen uns eine zeitlang einschränken, bis die Krisis vorüber ist. Hier hast Du 200 Mark — mache Dir damit irgend eine Freude! —"

Erzürnt ballte sie die zwei Scheine, die er ihr hinschob, zusammen und schleuderte sie zu Boben. „Ist das Deine Liebe, die Du beständig rühmst?" rief sie.

„Du darfst die Größe der Liebe nicht nach der Höhe der Geschenke bemessen" erwiderte er schmerz­lich betroffen von ihrer Lieblosigkeit, „sondern mußt auch den guten Willen und die gute Absicht dazu in die Wagschale legen —"

Sie lachte schrill. „Das ist lächerlich! —" sagte sie. „Das wiegt in meinen Augen nicht schwerer denn zwei Flaumfedern. Bekomme ich den Schmuck oder nicht?"

„Ich kann ihn nicht kaufen, Marguerite- — mir fehlen die Mittel —"

„Aber ich will ihn haben! — Um jeden Preis will ich chn haben. Reize mich nicht, sonst wirst Du es bereuen!"

Sie geriet immer mehr in Erregung, wobei ihre Augen zitterten und zuckten.

„Rege Dich nicht auf", mahnte Heuberger. „Ruhe Dich aus, Du bist nervös, und dann mache einen Spaziergang in der frischen Luft, das wird Du gut tun. Es ist doch kindisch, sich wegen ein Paar kalten Steinen so zu alterieren."

„Ist das Dein letztes Wort?"

,^a."

„Gut. Dann weiß ich, woran ich bin!" —*

Von sozialdemokratischen Ministern sind wir in Deutschland natürlich noch weit entfernt, da diese nur in parlamentarisch regierten Ländern in Frage kommen können, nicht dort, wo der König rctne Ratgeber aus eigenem Vertrauen beruft; aber lernen können wir und vor allem auch unsere Liberalen aus den Vorgängen im kleinen Holland doch. Das libe­rale Reichstagspräsidium ist im Grunde genommen auch nichts anderes als ein Platzhal­ter für die Sozialdemokratie und so manche anderne Erscheinungen ht unserem innerpolitischen Leben lasten nur die eine Deutung zu, daß sich auch der deutsche Liberalismus sehr oft nur zu Borspann­diensten für die Sozialdemokratie gebrauchen läßt.

vielleicht ihre Juwelen nur nachlässig verschlossen; er wollte sie warnen. Zugleich aber hatte er das be- ängsttgende Gefühl, als ob ihm etwas Unangeneh­mes bevorstünde. Er war gewiß nicht abergläubisch, aber er hatte die unbesttmmte Ahnung von einem kommenden Ereignisie, das schlimme Folgen haben würde. Schon öfter hatte er solche Ahnungen gehabt und immer hatten sie sich bestätigt; er vermochte sie nicht wissenschaftlich zu erklären, aber sie waren nun einmal da, vielleicht waren sie höhere Eingebungen, vielleicht nur „Witterungen" der Seele — genug: er glaubte ihnen, er war fest davon überzeugt, daß ihm oder den Seinen eine Gefahr drohe'. Kündet doch auch das ferne, leise Donnergwllen das Nahen eines Gewitters und damit die mögliche Blitzgefahr an!

Die Zeitung in der Tasche, begab er sich zu seiner Frau; da er Weiche Filzpantoffeln trug und alle Tü­ren, schon mit Rücksicht auf Frau Marguerites zarte und leicht zu verletzende Nerven, lautlos gingen, ge­langte er ohne jedes Geräusch tum Budoir seiner Frau und trat ein. —

Unter ber Türe blieb er, tote zu Stein erstarrt, stehen; seine Kehle toar tote zugeschnürt, so daß er keinen Laut über die Lippen brachte.

Frau Marguerite saß am Tische, über den die Samtdecke gebreitet toar. Auf derselben lagen eine Menge von funkelnden Jutoelen, die ihr geheimnis­volles Licht aussttahlten, deren Feuer gleich kleinen Blitzen aufzuckten. In der Hand hielt sie einen Präch­tigen Rubin, der in Altgold gefaßt toar. Sie hielt ihn gegen das Licht, drehte und wendete ihn, strich zärtlich mit dem Finger über ihn hin, und küßte ihn endlich so stürmisch, als ob er der rote Mund eines Kindes ober eine blühende Rose wäre, die der Bräu­tigam seiner Braut sandte.

Jetzt rang sich ein heiserer Schrei aus Heubergers Mund- „Marguerite," rief er und drückte die Türe lautlos hinter nch zu, Marguerite — wie kommst Du zu diesem Rubin?"

Sie starrte ihn an, als ob er ein Gespenst wäre. Dann schrie sie laut auf, legte schützend ihre Hand auf die Juwelen unb rief: „Was willst Du hier? —- Fort,

* Aegypten.

Die Frage ber Aufhebung der internationalen Konsulargerichtsbarkeit in Aegypten, der sogenannten Kapitulationen, hat die europäische Diplomatie und nicht zuletzt die deutsche wieder auf das heute schon nahezu unter englischem Protektorat stehende Nil- land und seine eigen- unb einzigartige Konstellation unter ben orientalischen Reichen aufmerksam gemacht.

Dynastisch ein selbständiges Vizekönig- reich (mit eigenem Münz- uno Anleiherecht) und in paradoxem Verhältnis hierzu dennoch ein tribut­pflichtiger Basalen st aat der Türkei, ent­wickelt es sich seit der, dem Bombardement von Alexandrien im Jahre 1882 folgenden englischen Ok­kupation zu einer regelrechten britischen Ko­lonie. Zwar ist Tewfik Pascha, nominell auch noch nach der englischen Truppenlandung unb später fein Sohn Abbas Hilmi, ber heutige Khedive, absoluter Herrscher, aber langsam unb stetig gelingt es Lorb Cromer, bem englischen Prokonsul, der Dynastie unter peinlichem Respekt vor ber äußerlichen, souveränen Würde die Zügel ber Regierung aus bei Hand zu nehmen. Zwar besagt eine Klausel des Abkommens van 1883, daß die Okkupationsarmee nur der Wie-

für die Ministerposten gut genug und die gefallen sich auch gut tu dieser Platzhalterrolle. Man sieht, die Sozialdemokratte weiß nicht nur in Deutschland allein sich den Liberalismus mit seinem MandatS- hunger und seinem Herrschaftsdünkel dien st dar zu machen.

derherstellung ber Ordnung biene (also nur eine zeit- wellige Funktion erfülle), ober in Wirklichkeit ist es Englands Absicht nie gewesen, die Besitzung auf ab­sehbare Zeit zu beschränken. Mit den Sudanfeld­zügen gewinnt der britische Einfluß wetteren Boden, wird das Abhängigkeitsverhältnis Aegyptens ein positives. Bekanntlich gab Aegypten 1885 mit dem Fall Khartums den nach mühseligen Kämpfen er- oberten Sudan den Mahdisten Preis; erst elf Jahre später wird, auf Anraten und mit dem Befftand Eng­lands, eine Expedition unter Kitchener (damals ©io» dar, Höchstkommandierender der ägyptischen Armee) ausgerüstet. Nach zweijährigem Bau der Wüsten- bahn von Madi-Halfa nach Khartum (vielleicht die größte sttategische Leistung KitchenerS) bricht in der grauenhaften Schlacht von Ondurman (September 1898) das Blutregiment der Derwische zusammen. Der Sudan ist zurückerobert. Aber nicht mehr als ägyptischer, sondern als anglo - ägyptischer Sudan. Ein Vertrag von 1899 geht dahin, daß der Besitz zwar zu gleichen Tellen normiert sei, Aegypten aber, so­lange die Verwaltung der Sudanprovinzen ein Defi­zit ergebe, diesen Ausfall allein zu tragen habe. Zu bemerken ist, daß bisher von einem Ueberschuß noch nicht die Rede war, das Defizit betrug noch Ende 1912 etwa zehn Millionen Mark. Daß die von Eng­land in diesem Jahre finanzierte Sudan-Anleihe die Grundlage zu späteren Privilegien ist, liegt auf der Hand. Soweit das englische Vordringen im Sudan. In Aegypten blieb das britische Vordringen nicht hin-

Mit zuckenden Lippen, bie einen Weinkrampf an- kündigten, ging sie.

Von da an war sie unter Tags nur selten mehr zu Hause; immer toar sie unterwegs und kam erst abends von ihren geheimnisvollen Gängen zurück. Dann erschien sie für ein paar Minuten im Kranken­zimmer, ließ sich von ihrem Manne erzählen, was er in der Zeitung an Neuigkeiten erfahren hatte, rrichte ihm die Arznei und zog sich in ihr Zimmer zurück.

So verging eine Woche. Heuberger erholte sich langsam; zwar war sein linker Arm gelähmt, aber an seinen Beinen war das Hebel wenigstens so wett gehoben, daß er mtt Hille eines Stockes sich im Zim­mer bewegen konnte. Da ihm Einsamkeit und Un­tätigkeit gleich unerträglich waren, so setzte er sich tagsüber ans Fenster, um wenigstens Menschen zu fefcn und das Leben und Ti''4e.i auf der Straße und in den Jsaranlagen zu betrachten. Mit Schmer­zen wartete er dann auf di- Zeitungsfrau, die ihm mit ihrer großen Ledertasch r tote eine Art Götter- bötin erschien, brachte ihm doch die Zeitung Nach­richt von allen Neuigkeiten aus seiner geliebten Münchnerstadt! Den Kneifer auf der Nase, studierte er jede Zeile von der ersten bis zur letzten Seite, vergaß darüber Sorgen und Schmerzen und pries die Presse als eine Himmelsmachi.

teilte biteben seine A r, v längere Zeit auf enter kurzen Notiz haften, die ihn fesselte, ja ihn sogar in-! einer leisen Furcht erfüllt?. Sie lautete

„Juwelendiebe. Seit untrer Zeit sind in ver­schiedenen Juwelierläden der Stadt mir geheimnis­volle Weise wertvolle Juwel m und Petriosen ab» baitd'i gekommen, ohne daß es gelang, die Täter zu >-ffen. ^etzt hat die Polizei neulich eine Svnr entdeckt und man hat von den Dieben, die einer internationalen Bande anzugehöreit scheinen, die Fährte gefunden. Juweliere und Private werden bei Aufbewahrung ihrer Schätze zu größter Vorsicht gemahnt; die ersteren mögen beim Verkaufe beson­ders auf unbekannte Kunden wohl acht haben."

Unwillkürlich mußte Heuberger, als er diese Zei­len gelesen batte, an feine Frau denken. Sie war io unpraktisch in vielen Sinnen des Lebens und hatte

ter den Erfolgen im Süden zurück. Zunächst begann Cromer mit einer systematischen Ausschaltung aller nicht-englischen Elemente (außer den ägyptischen natürlich) im Berwaltungswesen. Wurden bis da­hin Offiziere aller europäischen Nationen im ägyp­tischen Heer ausgenommen, so hörte in den neunziger Jahren diese Einrichtung zu bestehen auf. Was sich also heute noch an deutschen Funktionären im ägyp­tischen Staatsdienst findet, sind vertraglich Deutsch­land zugesicherte Positionen, wie die Stelle eines Kommissärs bei der noch der internationalen Kon­trolle unterliegenden ägyptischen Staatsschuldenver­waltung (Exzellenz von Mohl), des Direktors der vize- königlichen Bibliothek und einiger höherer Posten im Sanitätswesen. Aber auch diese werden bald auf- horen zu existieren.

Mtt der rein organisatorischen Arbeit hielt die zivilisatorische und kulturelle Tätigkeit der Engländer ständig Schritt Bekannt sind die Riesenbauten der Staudämme (Assuan, Esneh), mit deren Hilfe das Areal des kultivierbaren Landes mehr als verdoppelt worden ist. Nachdem Frankreich in dem Faschodah- Abkommen von 1899 auf seine seit etwa 50 Jahren gepflegten Interessen in Aegypten gegen die bekann­ten Entschädigungen in Marokko verzichtete, gab es für die englische Politik kein Hindernis mehr. Frei­lich Cromer wurde alt — er hatte in Kairo, feit fünf» undzwanzig Jahren, noch zu Zetten des in Khartum gefallenen Gordon Pascha, für England Wache ge­standen — und verriet öfter eine Orientmüdigkeit, die ihn schließlich zu dem Khediven in ein unerträg­liches Verhältnis brachte. Im Jahre 1907 laut es zu einem (öffentlich kaum bekannt gewordenen) Eklot, und Abbas Hilmi, der Vizekönig, dem das Vormund- system Crowers seit langem ein Greuel geworden toar, drohte mit Abdankung. Sir Grey rief Cromer nach England zurück. Auf den heiklen Posten kam Elden Gorst, der langjährige Financial adviser der egyptischen Regierung, ein "überzeugter Freund der Egypter, ober toillensschwach, ein Mann der Politik der gants de velours Sein Tod im Jahre 1911 kam seiner unvermeidlichen Abberufung zuvor. Das Foreign office in London erkannte, daß der unruhige Orient, ber ausbrechende italienisch-türkische Krieg einen ganzen Mann als Vertreter Englands in Kairo erforderte. Und fo rief es seinen bewahrten Feldmar- schall, Wis^mmt Lord Kitchener aus Indien zurück unb nach Egypten. Sein Dienstantritt als englischer Prokom'ul bedeutete den Wendepunkt in der aller- neusten Geschichte Egyptens. Zunächst bewies er, was fast niemand von chm erwartete, daß er nicht nur Soldat, sondern auch Diplomat toar. Die neu­trale Stellung Egyptens int Streit zwischen ber Tür­kei uub Italien war sein eigenstes Werk. Es lag mehr barm als nur eine gelegentliche Handlung, <3 bewies die absolute Unabhängigkeit Egyptens von der Türkei, trotz Tribut- und Vertragsverpflichtungen. Im Äalkankrieg wurde dasselbe Prinzip gewahrt; von fteiwilligen Geldunterstützungen der Egypter ab­gesehen, hat Egypten der Türkei keinerlei Dienste er­wiesen.

In kultureller Hinsicht charakterisiert die Tätigkeit Kttcheners eine Schueidigkeit sonder Gleichen. Was unter seinen Vorgängern auf langem und staubigem Aktenwege verkümmerte, wurde unter feiner mit­unter fast rücksichtslosen Hand über Nacht Gesetz. Auf dem Gebiet der Straßenbauten, dem Volkserziehnngs- wesen, am meisten aber, wo es die Unterstützung des Fellachen, des egyptischen Bauern, galt, scheute er vor keinem Hindernis zurück. Zu den großen Bewäsie- rungsarbeiten im Delta tat er den ersten Spaten­stich" (der arme Khedive war, wie immer bei derarti­gen Anläsien, auf Reisen). Um die Bauern aus ihrer Verschuldung zu retten, richtete er Postsvar- kafsen eilt, mit der Bestimmung, daß die hinterlegten Beträgt unantastbar seien, ferner kam ein Gesetz zu Stande, wonach jedes Grundeigentum unter fünf

Feddan (1 Feddan — 4200 qm) nicht mtt Beschlags nähme bedroht werden könne.

Daß es auch sein Bestreben fft, den oben erwähn­ten Kapitulationen ein Ende zu machen, leuchtet ein« In der Hauptsache handelt es sich nur noch unv Deutschlands Einwilligung, die übrigen Ver­tragsmächte haben prinzipiell ihr Einverständnis längst erklärt. Eingeweihte wollen wisien, daß m den englisch-deutschen Ausgleichsverhandlungen be- treffend Kleinasien, Syrien und Persischer-Golf die egyptische Frage ebenfalls ihre Erledigung gefunden habe oder finden werde. Wie dem auch sei, die eng­lische Politik wird ihren bisher beschrittenen Weg wei­ter zu marschieren wisien — zu einem englischen Egypten. —

Wilh. Otte,

Filialletter der Deutschen Orientbank A.-A

Deutsches Reich.

* Berlin, 25. Juli 1913. Die Ernennung bei. Präsidenten der Ansiedlungskommission füv Posen und Westpreußen dürfte, wie die .Post' erfährt^ voraussichtlich erst nach ber Rückkehr des Kaisers von der Nordlandsreise erfolgen. |

c. Der badische ReichstagSabg. Prälat Dr. Lender! (Ztr.) in Sasbach ist ernstlich erkrankt und be­reits mit ben hl. Sakramenten versehen worden. Es ist aber wieder eine leichte Besserung eingetreten, so, daß die unmittelbare Lebensgefahr als beseitigt bei trachtet werden kann, wenn auch sein Zustand wegen seines hohen Alters — er steht iw 83. Lebensjahr« —I zu Befürchtungen Anlaß gibt. Prälat Lender, bet den Wahlkreis Bühl - Rastatt vertritt, gehört dem deutschen Reichstag seit dessen Bestehen an; er wurde erstmalig am 11. Mai 1871 gewählt.

* Die Einjährig-Freiwillige», die bei den Fuß­artillerie-Regimentern mit Bespannungsab­teilung eintreten, müssen noch einer kaiserl. Kabinetts­order vom 1. Oktober ab als Berittene eingestellt werden. — Zu Feldpiloten ausgebildete Aviatiker können als einjährige und mehrjährig Freiwillige bei der Marine-Fliegerabteilung eingestellt werden; In Bezug auf Körperbeschaffenheit werden die gleichen Anforderungen gestellt wie an die Mannschaften der Matrosendivisionen, kleinstes Matz ist jedoch 1,57 Meten Besondere Anforderungen, welche an die Sinnesorgane, da? Nervensystem und sonst an die Körperbeschaffen­heit zu stellen sind, werden noch beim ReichSmarineamt erwogen

0 Die rückschauend« Kritik des Deckungswerkes und der Stellung der Frattionen zu ihm wird noch immer fortgesetzt. Neuerdings hat ein rheinischen Zerh trumsblatt der konservativen Partei kräftig biei Leviten gelesen wegen chrer oppositionellen Haltung in der Steuerfrage. Gewiß, es ist bedauerlich, daß die Konservativen nicht den Anschluß gefunden haben« Ob das die Schuld der gegenwärtigen Führer und Abgeordneten ist, oder ob die Ursache in der Ueb er­wacht der ftm Parteikörper wirksamen Trieb­kräfte liegt, mag dahingestellt bleiben. Die Partei hat ihren Entschluß gefaßt und Betätigt. Mit bet größtmöglichsten Beredtsamkeit wird man sie nicht dahin bringen, sich selbst zu desavouieren. Mtt be* Sittenrichterei wird nichts erreicht; es kommt daraus an, den Weg offen und möglichst eben zu erhalten, auf dem die positiven Parteien sich wieder zu gemein» sanier Arbeit zusammenfinden müssen. Mit der Po­lemik gegen Parteigenossen oder benachbarte Parteien ist nichts rechtes zu erreichen. Was zur Aufilärung und Gewinnung der andersdenkenden Freuilde ge­sagt werden konnte, ist selbstverständlich auch inner­halb der Reichstagsftattionen und im Meinungsaus­tausche zwischen den Frattionen vorgebracht worden. Wenn es dort nicht gelang, die dringend gewünschte Einigkeit in und unter den Mehrheitsparteien von 1909 aufrechtzuerhalten, fo ist das der deutlichste Be­

gehe fort! — Du trägst Deinen häßlichen Kranken­geruch in mein schönes, duftendes Nestchen! Geh, geh! — Ich mag Dich nicht sehen!"

Antworte mir zuerst: wie kommst Du zu biefetrt Juwelen? — zu diesem Rubin? —"

„Nun — ich habe sie mit gekauft! — Das fft doch klar! — Ich liebe nun einmal Juwelen und habe an meinem Nadelgeld gefrort! Aber nun geh, geh! —"

„Und den Rubin hast Du auch gekauft?" forschtö er Wetter. „Obwohl ich Dir das Geld dazu verwei­gerte! — Woher hast Du die Summe genommen?"

Sie war einen Augenblick verlegen und ihm schien es, als ob sie eine Ausflucht suche.

„Ach, man hat doch Kredit!" sagte sie zögernd und unsicher. 1

„Derartigen Schmuck lauft man nicht auf Pump," sagte er strenge. „Ich verlange von Dir, daß Du diesen Schmuck dem Juwelier zurückbringst — und zwar sofort. Du kannst ihm getrost sagen, mir sei er zu teuer."

„Nein, nein — das tu’ ich nicht!" rief sie trotzig und packte die Juwelen rasch und mtt zitternden Fingern in eine Kassette.

„Ich befehle es Dir aber," rief er zornig und die Adern auf seiner Stirne schwollen an.

Sie schrie leise auf. „Du bist ein Unmensch, ein Tyrann! — Jede Freude raubst Du mir!"

„Das ist nicht wahr — ich behüte Dich nur vor Unbesonnenheiten. Komm, sei vernünftig: trage den Schmuck zurück!"

„Nein, nein! Laß mich ht Ruhe!"

„Nicht eher, als bis dieser Edelstein aus meinem Hanse gebracht ist. Denn ich habe die untrügliche Ahnung, daß er uns Unheil bringt." Er ging auf fte zu, streckte die Hand nach ihr aus. , _

Da preßte sie ihren Juwelenschrein stürmisch an die Brust, flüchtete in eine Ecke und streckte abweh- rend die Hand aus. „Du willst mich Wohl gor schst-- gen, Du Tyrann," schrie sie.

(Fortsetzung folgt,)