5. Blatt.
»ruck der Kützaer Ariientruüerei i» 5«^
«• Fuldaer Zeitung. *
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Samstag 26. J»lf 19(5.
Vochen-Run-schau.
s:s Fulda, 25. Juli 1918.
Die sommerliche Stille macht sich in der inneren Politik bemerkbar. Der Kaiser befindet sich auf der Nordlandsreise und die Minister haben sich in die Sommerfrische zurückgezogen.
Im oberbayerischen Wahlkreis Weilheim hat die Reichstagsersatzwahl für den verstorbenen Frhrn. v. Thünefeldt dem Zentrumskandidaten Emminger eine Mehrheit gebracht, die geringer ist als die Stimmenmehrheit, die Frhr. v. Thünefeldt im Jahre 1912 besaß. Dieser Rückgang der Zentrumsstimmen ist von einem Telle der gegnerischen Preffe darauf zurückgeführt worden, daß das Zentrum die neuen Steuern bewilligt habe. Diese Behauptung scheint unbegründet ju sein, da bei der jetzigen Wahlagllation die neuen Steuern bei wellem nicht die Rolle gespielt haben, wie vor der Wahl des Frhrn. v. Thünefeldt die letzte Reichsfinanzreform. Wenn das Zentrum diesmal einen Verlust von mehr als 3000 Stimmen zu verzeichnen hatte, die fast ausnahmslos dem Bauern- bündler zugefallen sind, so ist das in erster Linie wohl darauf zurückzuführen, daß der jetzige Abg. Amtsrichter Emminger im Wahlkreis nicht ansässig ist und oen Wählern darum meist unbekannt war, dann aber auch, weil der verstorbene Vertreter des Wahlkreises selbst Landwirt war, zu dem die Bauern naturgemäß ein größeres Vertrauen besaßen als zu einem ihnen unbekannten Beamten. Der Ausfall der Weilheimer Wahl birgt für das Zentrum die Lehre in sich, daß von der Lösung der Kandidatenfrage sehr viel abhängt.
Auf den großen Schiffswerften sind die Arbeiter zum großen Teil in den Ausstand getreten, der allerdings keine Aussicht auf Erfolg für sie bietet. Wenn es auch schwer fällt, ein gerechtes Urteil über die Berechtigung der Forderungen der Werftarbeiter zu fällen, so kann doch kaum ein Zweifel darüber be- stehen, daß der jetzt mutwillig inszenierte Streik un- berechfigt ist. Er ist so unberechtigt, daß man das seltene Schauspiel erlebt, daß selbst die Organisationsvorstände chm die Anerkennung versagen und die Auszahlung von Streikgeldern verweigern. Schwere Verantwortung tragen die, die durch ihre maßlose Hetze zum Streik und die allgemeine Propaganda für den Masienstreik die Arbeiter verführt haben. Die Diskussion über den Massenstreik steht ja gerade jetzt auf der Tagesordnung der Sozialdemokratie. In der gesamten roten Presse und in den rotgefärbten Zellschriften veröffentlichen kleine und große Parteigelehrte spaltenlange Artikel über die Ursachen, die Durchführbarkeit und die Notwendigkeit des politischen Massenstreiks, den man jetzt für die Einführung des Reichstagswahlrechtes in Preußen benutzen will. Zuweilen möchte man fast glauben, es fet den Leuten ernst damit. Wenn man dann aber die Auslassungen klarerer Köpfe unter den Sozialdemokraten liest, worin recht kühl und ost recht spöttisch über die unsinnige Masienstrellagitation geurteilt wird, dann kann man nicht anders, als dem Urteil dieser Leute, die es wissen können, sich anzuschließen, daß der ganze Maffen- streikrummel nur ein Berlegenheitsmanöver ist. Der Parteivorstand und die rote Reichstagsfraktion müssen ja die Aufmerksamkeit davon ablenken, daß trotz der roten Aera, die im Januar 1912 so viel verheißend angebrochen ist, bisher noch nichts vom sozialdemokratischen Zukunftsstaat verwirklicht worden ist, daß vielmehr trotz aller Obstruktionsreden der roten Herren Volksvertreter die größte bisherige Militärvorldge mit gewaltiger Mehrheit Gesetz geworden ist. Diese nicht wegzudisputierende Tatsache wird den leitenden Instanzen in der Sozialdemokratie um so unbequemer, als das Jenaer Fehmgericht immer näher rückt.
In Frankreich ist mit einer Mehrheit von über 150 Stimmen von der Deputiertenkammer die Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit beschlossen worden. Im Grunde genommen beträgt jedoch fortan die Militärzeit der Franzosen nur 32 Monate, denn das Gesetz gibt jedem Soldaten das Recht auf 120 Tage Urlaub.
Die Hauptstadt Portugals wurde vor einigen Tagen wieder etnjnal durch einige Bombenwürfe und damll im Zusammenhangs stehende Verhaftungen beunruhigt. Es waren dies Umwälzungsversuche, die nicht von feiten der Royalisten, sondern, wie schon seit einiger Zeit öfter, von Republikanern ausgingen, die mit dem jetzigen Regime unzustieden sind.
In E n g l a n d hat der Flollenetat die Billigung des Unterhauses gefunden. Im Anschluß daran erklärte Marineminister Churchill, daß an eine Aende- rung des englischen Flottenprogramms im Mittelmeer nicht gedacht werde. Gleichzeitig spielen sich die großen englischen Flottenmanöver ab, bei denen zum ersten Male die 1904 eingeleitete große Neuorganisierung der britischen Flotte zum Ausdruck kommt,
UnpoMische 3«ItlS«se.
N. Berlin, 24. Juli 1213.
(Nachdruck nicht gestattet.)
Ein aller Staatsmann stellte die Weisheitsregel auf; man dürfe niemals „niemals" sagen. Ich glaube, er hat recht. Denn erstens kommt cs manchmal ganz anders, wie man denkt, und zweitens muß man ost in einen sauren Apfel beißen obschon man sich früher verschworen hat, daß man ihn niemals tn den Mund nehmen werde.
Ich batte mir vorgenommen, über das abscheuliche Regenwetter tüchtig zu schelten, das Elend der frffchgemähten Roggengarben und der triefenden Ferienschüler mit schwarzer Gallussinle auszumalen. Aber nun scheint mir die Sonne ins Tintenfaß; zu meinet blauen Verwunderung sehe rch einen blauen Himmel und ich spüre sogar ein warmes Lüftchen. Wer hätte gedacht, daß man in diesem Juli noch ohne Ueberzicher und Regenschirm ausgehen könnte! Die Wetterpropheten sagen freilich, die Witterung wäre noch unbeständig und unsicher. Aber diese Laubfrösche, die sich so ost zu unferm Nachteil geirrt haben, können ja auch einmal zu unserem Vorteile und Bessern belehrt werden. Vielleicht gibt es doch noch Hundstage, in denen man nicht auf den Hund kommt. Die großen und kleinen Kinder im Westen, die ihre Ferien erst später antraten, können dann über die Elbe hinüber „Etsch, etsch" rufen. Aber wer klug ist, lobt die Ferien nicht vor dem Schulanfang. Es kann immer noch anders kommen.
Ferner hatte ich mir vorgenommen, unfern deut- -schen Fliegern einmal tüchtig die Leviten zu lesen. Ich wollte ihnen sagen: die Franzosen laßt ihr über euch wegfliegen, und ihr bleibt bedürftig auf dem Boden siegen. Der Monsieur Brindejonc fliegt bei rauhem Wetter von Paris nach Berlin, von Berlin nach Warschau und Petersburg, von Petersburg über Stockholm, Kopenhagen, Hamburg nach Paris zurück, und ihr bringt nicht einmal einen Flug von Berlin nach Paris zustande. Habt ihr keinen Schneid, odN sind die Flugzeugfabrikanten so knickerig, daß sie auch keine» Apparat iür eine anständige Wcitic hrt zur
die den Schwerpunkt der Verteidigung nt die Hemmt- flotte und in den Kanal rückt und jetzt den Strategischen Verschluß beider Ausgänge der Nordsee erreicht hat.
Auf dem B al Ian drängt alles aus eine Lösung ber endlosen Krisis hin. Die Lage der Bulgaren ist völlig hoffnungslos und sie sind darum nur einem Gebot der Klugheit gefolgt, als sie der Forderung der Sieger sich unterwarfen und in direkte Friedens- Verhandlungen eingetreten sind. Das zurückgetretene Kabinett Danew hat dem neuen Kabinett Rados- lawow schwere und bittere Aufgaben hinterlasten, für deren noch so geschickte Lösung es beim Volke sicherlich nicht auf Dank rechnen kann. Der Sturz der Bulgaren fft überaus tragisch; sie, die Sieger im blutigen Türkenkrieg, sind letzt ganz der Gnade ihrer einstigen Verbündeten ausgeliefert und hielte Europa nicht feine Hand über das bedrängte Land, so stände es jetzt in der Macht seiner Feinde, den unglücklichen Staat ganz zu zerstückeln und zu berteilen. Zu den vielen Verwicklungen, die der Balkankrieg herauf- beschworen hat, ist zuletzt durch die Türkei die schwerste getreten. Die türkische Regierung will sich in Heber- einstimmung mit den Forderungen der Militärpartei nicht mehr mit der im Londoner Friedensvertrag festgesetzten Enos-Midia-Linie begnügen, sondern die bedrängte Lage Bulgariens ausnützend, seine Landesgrenze weiter nördlich ziehen unb das Hinauswei- fungsnrteil aus Europa, das die Großmächte gefällt haben, umfloßen. Der Abenteurer Enver Bey ist bereits an der Spitze der türkischen Truppen in Abria- nopel eingezogen und damit ist von neuem die schwierige Adrianopel-Frage aufgerollt worden. Wenn aber anfangs die Befürchtung bestand, daß jetzt die Einigkeit ber Mächte in bie Brüche gehen könnte, so haben bie Tatsachen doch bald gezeigt, daß die europäischen Großmächte auch jetzt einig und enffchlosien sind, der Türkei in Europa nicht mehr als ihren Portierposten am Goldenen Horn zu belasten. Unb bie Türkei darf froh sein, wenn ihr verwegenes Spiel keine schlimmeren Folgen für sie haben wirb. Von England hat man bereits eine sehr scharfe Warnung zur Türkei hinübergelasten. Unb auch Rußland schickt sich an, bie Türkei zu belehren, baß sie nicht straflos an bet Langmut ber Mächte sich versündigen darf. So scheinen die drohenden Wollen auch diesmal noch verziehen zu wollen und man darf hoffen, daß den furchtbaren Kriegsgreueln auf dem Balkan jetzt endlich ein Ende gemacht wird.
In China spielen sich blutige Dinge ab. Süd- China steht in offener Rebellion gegen den Norden und die Regierung und noch ist die Frage nicht entschieden, ob^Juanschikai mit den Regierungstruppen die Oberhand über die Rebellen des Südens behalten wird. Ungeklärt ist auch noch die Haltung Rußlands und Japans, die allem Anschein nach teils direkt, teils indirekt die Bestrebungen der Revolutionäre fördern; Japan, um im südlichen China seine Handels- interesten zu festigen, Rußland, um die Mongolei urtV Mandschurei ganz sachte zu annektieren.
Deutsches Reich.
% Eine bemerkenswerte Auslastung über das Zentrum finden wir in der neuesten Nummer der.Sozialistischen Monatsheftes W. Schröder bespricht dort die Arbeit des Volksvereins für das katholische Deutschland und kommt dabei auch sehr eingehend auf das selbstlose Wirken Windthorsts zu sprechen. Dann schreibt er (Seite 854):
„Nun ist es bequem, die Zentrumspartei von heute in einen Gegensatz zur Zentrumspartei von ehedem zu stellen, ihr nachzusagen, daß sie sich von ihrem selbstlosen Führer <Windthorst) entfernt und ihre demokratischen Grundsätze verleugnet habe. Mich dünkt aber, man soll mit solchen Vorwürfen gerade der Zentrumspartei gegenüber sehr vorsichtig sein. Die Partei ist ihrer Anhängerschaft und ihrem historischen Ursprung nach weit eher konservativ als demokratisch zu nennen, oder richtiger gesagt, es ist ein Teil der Größe und der Volkstümlichkeit dieser Partei, daß sie eine konserva- tioe StaatSaufsassung mit demokratischen WesenSzügen zu verbinden weiß, womit gleichzeitig gesagt ist, daß der Begriff ihres Konservatismus nicht im ostelbischen Einn zu deuten ist. Beruht doch auch die innere Standfestigkeit der katholischen Kirche darauf, daß sie, die mit allen Fasern in der Vergangenheit wurzelt, bei ber Würdigung des Talents keine Schranke der Geburt kennt, daß bei ihr jeder streitbare und geschickte Rekrut, und sei er der ärmste Bauernsohn, den Marschallstab im Tornister trägt Der im wesent- lichen konservative Charakter der ZentrumSpartei ließ es auch ganz natürlich erscheinen, daß sie und die Regierung sich verständigten, sobald der Liberalismus an die Wa d gedrückt war und die Konservativen die Bahn wieder frei fanden. Dieser konservative Zug macht es denn auch erklärlich, warum die BiSmärckische und
Verfügung stellen wollen? — So wollte ich mich entrüsten. Aber als ich zu der Predigt mich räusperte, ba kam bie Nachricht, baß Leutnant Jolh in einem Tage von Köln über Berlin nach Königsberg geflogen ist, unb baß er diese 1100 bis 1200 Kilometer sogar mit einem Passagier zurückgelegt hat, unb zwar mit einem gewöhnlichen Militärflugzeug, bas von einem deutschen Motor tadellos getrieben wurde. Alle Achtung! Die Sache wird! Zugleich hat ein fliegender Zivilist die Strecke Kiel—Berlin—Posen (etwa 560 Kilometer) glatt in der Luft zurückgelegt. Wir haben freilich die französischen Rekords noch nicht geschlagen, aber wenn unsere Leistungen so weiter wachsen, so können wir doch noch die Nachbarn einholen. Ich habe sonst keinen Sinn füt die Kilo- meterfrefserei und die Geschwindigkettsfexerei; doch in der Fliegekunst muß man die Ziele so weit und so hoch stecken, als nur eben möglich ist. Ta kommt alles auf die Ausdauer an. Namentlich brauchen wir Motors, dis stundenlang ihre ganze Kraft in dem regelmäßigsten Takt abgeben, ohne daß in der Ma- schinierie auch nur das kleinste Teilchen schwach oder heiß wird. Solche Motoren werden aber nur erbaut, wenn die gewagten Weitflüge in Mode kom- mets. Auch für die Vervollkommnung des sonstigen Flugzeugs mit seinen Tragflächen, seinen Verwindungen, seinen Steuern usw. bilden die fortgesetzten Writflügc mit ihren schweren Anforderungen den wirlsamsten Antrieb. Und dieses Wirken und Wagen ist kein eitler Sport, sondern dient der Landesverteidigung. Im Kriegsfall ist mit den minderwertigen Flugzetmen und den schwächlichen Fliegern, die höchstens zu kleinen Schauflügen bei günstigem Wetter geeignet sind, nichts rechtes zu machen, namentlich nicht gegen das luftbeherrschende Frankreich. Da müssen bie Leute und das Zeug sich die höchstmöglichste Sicherheit und Ausdauer erworben haben, um tortz Wetter und Waffen den Aufklärungsdienst w»it- hiil dsti-teu und glücklich vollenden zu können Nur wer wagt, gewinnt; das gilt für dm Kampf in den Lüften erst recht. Soweit ich b*e Ernqu-ffe verfolgt habe, fomnten die bedauerlichen Unglücksfälle fast stets bei den kleineren Luftfahrten vor, während
spätere Regierungen sich auf die ZentrumSpartei stützen mußten, als der Liberalismus feine Episodenrolle ausgespielt halte; im Konservatismus der Partei ist eS auch begründet, daß sie bei Aufhebung deS Kulturkampfes nichts von ihren Grundsätzen zu opfern brauchte, sondern daß im Gegenteil BlSmarck nach Kanossa gehen mußte. Der Sozialdemokratie wird die Erfüllung ihrer Gegen- wartsausgabe erleichtert, je mehr sie vom Zentrum lernt, daß man feine Grundsätze bewahren und dennoch eine Grundlage für den Verkehr mit dem Gegner finden und ihn sich dienstbar machen kann. Die Verlegenheit, gleich Windthorst, mit einem Reichskanzler eine Berständigungsgrundlage suchen zu muffen, mochte dieser Kanzler auch noch vor kurzem feinen Widerpart öffentlich als Reichsfeind, als vaterlandslosen Gesellen usw. verwünscht haben, diese Verlegenheit tritt für die sozialdemokratischen Parteiführer ja nicht von heute auf morgen ein. Für künftige Fälle zeigt aber das Beispiel der vom Zentrum erlebten Beschimpfungen unb Verdächtigungen, daß Worte flammender Entrüstung eitel Wind sind, selbst wenn sie aus dem Munde eines genialen Staatsmannes kommen. Noch weniger bleibenden Wert haben sie dann wohl,-- wenn Epigonen mit ihnen paradieren. Es zeugt für die Klugheit, mit derdieZentrumspartei geleitet wird, daß sie, die Hüterin altherkömmlicher Anschauungen, die politische Kerntruppe des Katholizismus, die Erinnerung an ihr selbst und der Kirche zugefügte Unbill über Bord wirft, sobald diese Ermnerung ein Hindernis bildet, im Bereiche des Gegners festen Fuß zu fassen."
vermischtes.
* Stiftung zum Wohl der leidende» Mensche». Der regierende Fürst Lichtenstein will durch fünfzehn Jcchre hindurch alljährlich 50 000 Kronen dem Zwecke widmen, Bestrebungen und Forschungen zu unterstützen, die darauf hinzielen, die Leiden der krankm Menschen zu beheben oder zu lindern. Die Stiftung ist in erster Linie zur Verfügung des österreichischen Pharmakologischen Universitätsinstituts in Wien ge-, stellt worden.
* Der Delphin in der Nordsee. Bei Carlshagett auf Usedom ftng der Fffcher Mehl einen Delphin, der als vermeintlicher Walfisch die Badegesellschaft mehrere Tage beunruhigt hatte. Der Fisch ist 3ytz Meter lang, hat 2 Meter Umfang und eine % Meter lange Schwanzflosse.
* Von Gesteinsmassen verschüttet. Seft mehrere» Tagen liegt auf der Zeche „Karl Friedrich" bei Bochum der Bergmann Emil Risie unter gewalttgen Gesteinsmasten begraben. Der Unfall hat sich in einem zu Bruch gegangenen Streckenbau ereignet. Es ist Hoffnung vorhanden, daß sich Rffse in einen Hohlraum geflüchtet und gerettet werden kann. Die Ber- gungsarbeiten werden von zwei Setten her mit fieberhaftem Eifer betrieben.
Die Festhalle
für die 60. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Metz.
Die F e st h a 11 e für die 60. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands erhebt sich auf einem überaus günstig gelegenen Platze, vor dem alten Bahnhofsgebäude, unweit des neuen Hauptbahnhofes. Den Plan hat Hochbauinspettor Druxes entworfen, die Ausführung liegt in den Händen der Straßhurger Firma Steckreiser.
Der Bau, welcher seinem vorübergehenden Zwecke entsprechend in Holz hergestellt wird, überdeckt eine Bodenfläche von 60X 60 Meter. Er umfaßt hauptsächlich einen großen, hohen, luftigen Hallenraum, mit 10 Meter tiefen Emporen auf 3 Seiten, insgesamt zur Aufnahme von 6 0 00—7000 Zu- Hörern. Zu den unteren Plätzen führen 11 breite
eine große Säulenvorhalle betont. Die Halle selbst hat einen halbkreisförmigen Querschnitt, ist im Scheitel etwa 17 Meter hoch und wird von 12 mächtigen Bohlenbindern, welche einen Abstand von 5—6 Meter haben, getragen. Die Emporen auf der Vorderseite und die Räume auf der Rücksette sind in besonderen Anbauten untergebracht. Die Wände unb Dächer der Halle sind mit Brettern verschalt und werden mit Stoff bezw. mit Dachpappe oder ähnlichem Material bedeckt. Der Fußboden im Eri>- geschoß und in Emporenhöhe besteht ebenfalls aus Bretterbelag. Die ganzen Wände innen und außen erhalten Farbanstrich.
Die Halle erhält ihr Licht durch zwei mächtige Fensteröffnungen an den halbkreisförmigen Settenfassaden; die Emporen und die Räume unter diese» erhalten nochmals besondere Fenster, von welchen ein Teil zwecks Stiftung beweglich angeschlagen wird«
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Tore, zu den Emporen 4 breite Treppen, welche in Ecktürmen besonders untergebracht und leicht zugänglich sind. An der Hinterfront befindet sich im Emporengeschoß die Tribüne für das Präsidium und die Ehrengäste. Vor der Ehrentribüne ist int Erdgeschoß ein besonderer Raum für die Vertreter der Presse abgeteilt. Der Redner steht vor dem Tische des Präsidiums so hoch, daß er von überall her gesehen und gehört werden kann, zumal zu beiden Seiten der Präsidialtribüne keine Plätze sind, sondern nur drei Seiten der Empore besetzt werden. Dafür enthält die Hinterfront zahlreiche nützliche Räume, unten Pressebureaus, Post- und Telegra- phenamt, Schalterraum für das Postpublikum, oben Zimmer für den Präsidenten, den Vorstand, das Lokalkomitee, die Redner und die Stenographen; die oberen Räume werden von zwei besonderen Treppen erreicht.
Die Vorderfront der Halle, nach der Bahern- kaserne zu, wird in schöner und würdiger Weise durch
Zur Lüftung dient außerdem ein großer Dachrefter mit Jalousieöffnungen. Für die Abendstunden kann die Halle nebst sämtlichen Räumen elektrisch be, leuchtet werden.
Die frühere Ausgangshalle des daneben- liegenden allen Bahnhofsgääudes ist dem Lokalkomitee von der Eisenbahn zu Restaurationszwecken vermietet worden; diese prallische Einrichtung wird sich sicher bewähren. Hinter der Halle wird noch ein größeres Abortgebäude mit Kanalisation unb Wasserspülung hergestellt, von den Besuchern der Halle -wie vom Restaurationssaal gleich gut zu erreichen
Der Platz vor dem neuen Bahnhofe wirb eine» besonderen Festschmuck erhallen, desgleichen bie Straße vom Bahnhofe bis zur Festhalle. Auf dem Platze vor der Halle selbst werden zwei mächtig» Pylonen zur Aufstellung gelangen.
dis großen Fahrten verhältnismäßig glücklich verlaufen. Allerdings werden die Rekordjäger manchmal zu einer Notlandung gezwungen, und dabei gibt es nicht selten eine Havarie. Aber das ist nichts im Vergleich zu den Abstürzen, die schwere Verwundungen oder sofortigen Tod herbeiführen. Vielleicht erklärt sich bie ungleichmäßige Verteilung der Unglücksfälle dadurch, daß bei den großen Unternehmungen die Vorbereitung sorgsamer unb die Aufmerksamkeit gespannter ist, während bei den kleineren Flügen sich der schlimmste Feind, der alte Schlendrian, zu leicht einschleichen kann. Das mögen die Fachleute Wetter begründen. Wir können nur wün- scheu, daß die Flieger, nachdem sie auf dem Flugfelde und in der nächsten Umgebung sich gründlich vorgebildet haben, der französischen Unternehmungslust nacheifern. Halbheiten sind nichts wert. —
Das waren angenehme Ueberraschungen. Aber auch unangenehme Wendungen stoßen manchmal die menschlichen Berechnungen über den Haufen. Als die Festung Adrianopel von den Bulgaren und Serben mit vieler Mühe und unter furchtbaren Opfern endlich erstürmt worden war, welcher vernünftige Mensch hätte damals auch nur eins gegen tausend zu wetten gewagt, daß die niedergeschmetterte Türkei jemals wieder in den Besitz von Adrianopel gelangen würde. Und nun sitzen die Türken doch wieder drin! Das Unbegreifliche, hier ist's getan! Was kein Verstand der Verständigen für möglich hallen konnte, das Passiert in diesem wunderlichen Winkel von Europa. Vier Räuber plündern einen allen Mann aus und lasten ihn halbtot liegen. Bei ber Verteilung ber Beute geraten sich die Räuber in die Haare und Prügeln den begehrlichsten Genosten windelweich. _ Unterdessen hat der Beraubte wieder etwas Lust geschöpft; — er kriecht heran und zieht dem verprügelten Räuberhauptmann den Tausendmarkschein wieder aus der Tasche. Eigentlich müßten nun die drei Spießgesellen über den räuberischen Beraubten von neuem mit vereinten Kräften herfallen; doch anscheinend sind sie sehr vergnügt darüber, daß ihrem verhaßten Räuberhauptmann die Beute wieder abgejagt wird. Es gibt unter ben Menschen komische Leute,
Ich will mir das Prophezeien ganz abgewöhnen. Ein schlechtes Geschäft, das sich gar nicht mehr lohnt- Früher sprach man von dem „blamierten Europäer"^ Jetzt ist ganz Europa blamiert. Erstens weiß es! nichts und zweitens kann es nichts. Europa setzt immer auf das falsche Pferd. Als das Handgemenge! losging, wurde den Türken viel zugetraut, und bum§ — lagen sie ohnmächtig am Boden. Dann hieß es:> Ha. die Bulgaren, das sind die Helden am Balkan k Und klaffch! — da lagen die Bulgaren am Bodens als ob es ein Bündel Waschlappen wäre. Jetzt steht Enver-Bei, der damalige Organisator der Nieder-! lagen, als Held auf den Wallen von Abrianopel. Sollen wir nun auf den wetten? Oder sollen wir uns auf den kühlen Beobachter aufspielen und sagen: die Herrschaften dort sind all einander würdig; bet eine wird vom andern abgetan; Pack schlägt sich, Pack verträgt sich; mögen die Botschafter zusehen, wie sie die Rasselbande zur Ruhe bringen.
Es kommt manchmal ganz anders. Scharfe Feinds werden dicke Freunde, und die heute sich küsten, habe»! sich vielleicht bis morgen schon gebisten. Wenn z B. zu Ostern einer prophezeit hätte, "baß der Hansabunb und der Bund ber Landwirte an einem Strange zie< hen würden, so wäre er für verrückt erklärt worden. Aber es ist doch Wirklichkeit geworden: in der Opposition gegen die neue Zuwachssteuer haben sich bie feindlichen Brüder gefunden. Die sonderbare Annäherung wird freilich nicht lange dauern, wie überhaupt die Aufregung über die neuen Steuern sich bald legen wird. Als unparteiischer Onkel kann idj den Lesern nur den guten Rat geben: Urteilt nicht nach Schlagworten, sondern rechnet euch aus oder laßt euch in genauer Zahl verrechnen, was chr zu bezahlen haben werdet! Dann wird sich Herausstellen, daß der Mittelstand sehr gut fährt und bie höheren Schichten nicht über Gebühr belastet sind. Die Last ist erträglich, und statt zu schelten unb zu klagen, sollte man lieber froh sein, daß es nicht noch schlimmer gekommen ist.