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2. Blatt.

ott Xulbctt Actiendrvserei in .su.tu.

♦* Zuldaer Zeitung.

M 170.

Freitag 25. 3ull 1913

Lokales.

Fulda, 25. Juli 1913.

# Verlieht« wurde dem Zuschneider Maeder »u Frankfurt a. M. das Verdienstkreuz in Gold, dem Polizeiwachtmeister Sturm zu Frankfurt a. M. das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens, dem Fürstlich Jsenburg'schen Diener Herchenröder zu Birstein das Allgemeine Ehrenzeichen.

* Militiirpersonalien. Befördert wurden Vize. Wachtmeister v. Stu mm. (Marburg) des 2. Garde. Drag.-Regts. zum Lt. d. Res., O st e r m a y e r-(Hersfeld) zum Oberlt., Assist.-Arzt der Res. Dr. Birkelbach. (Marburg) zum Oberarzt.

/ * Dom. Die Diakonatsweihen in der Marienkapelle ,deS Domes finden am Samstag morgen um 6V» Uhr statt, nicht um Vi 6 Uhr, wie gestern infolge eines Druckfehlers mitgeteilt wurde.

v. Unfug. Heute nacht wurde von einigen Nacht- jfchwärmern an der Leipzigerstraße ein großes Reklame- Ichrld aus der Erde gerissen und in einen Kartoffel- acker geworfen. Der Vorfall wurde von einem Bahn­beamten beobachtet.

v Sommertheater. Zu den besten Eingebungen des Walzerkönigs Johann Strauß gehört der ^Ztgeunerbaron", welcher oestern vor ausver-

Städtische Rechnungen von Neustadt erwähnen ein „Glymen", verzeichnen alljährliche Ausgaben für „die Meffe in Glymen" und benutzen-des öfteren als

— lieber die Schädlichkeit der hohen Absätze hat Dr. Hübscher-Basel einen interessanten Vortrag gehalten, aus dem wir folgendes entnehmen: Durch den hohen Absatz wird die Ferse gehoben und der Unterschenkel aus der vorher senkrechten Stellung mehr nach vorn gebracht. Das so nach vorn tretende Knie muß nun durch besonders angestrengte Tätigkeit der Streckmuskeln des Oberschenkels zurückgedrängt werden. Im Hüftgelenk mutz infolgedessen eine ent­gegengesetzte Stellung eintreten. Das Becken neigt sich mehr als gewöhnlich nach vorn und kann nur durch angestrengte Tätigkeit der Bauch- und Rückenmuskeln gehalten werden. Durch den erhöhten Druck dieser Muskeln macht sich ein schädlicher Einfluß auf die Bauchorgane geltend. Außerdem tritt infolge der angestrengten Muskeltätigkeit beim Gehen mit hohen Absätzen sehr schnell Ermüdung ein. Soldaten können bekanntlich mit hohen Absätzen nicht marschieren. H-

I laustem Hause gegeben wurde. Erreicht die Operette | an musikalischer Feinheit auch bei weitem nicht die I .Fledermaus" des populären Wiener Tanzklaffikers, I so steht sie doch turmhoch über den Operetten modernen Schlages. Das Textbuch ist nach einer Erzählung

I von Maurus Jokai von I. Schnitzer verfaßt. Die Handlung spielt zur Zeit Maria Theresia's, als sie | von Feinden rings umdrängt, mit dem kleinen Kron­prinzen auf dem Arm in der Magnatenversammlung

I erscheint und die Ungarn zum Beistand anruft. Das Geschichtliche ist aber nur ganz nebenbei betont.

I Ten Schwerpunkt bildet die Liebs l ast zwischen einer jungen Zigeunerin, die sich indessen als die Tochter

I des letzten Paschas im Ungarland entpuppt, und I einem aus der Verbannung heimkehrenden ungarischen I Magnaten. Strauß war es, als er die Jokai'sche I Erzählung als Textbuch wählte, hauptsächlich darum I zu tun, ungarische und Zigeunermusik zu schreiben. I Diese magyarische Musik, die schon durch ihre elektri- I fierenden Rhythmen nie versagt, hat einen eigenen I Reiz, indem sie unvermittelt von tiefer Traurigkeit I zu ausgelassener Lustigkeit überspringt. Das von I Kapellmeister Bauermann geleitete, aus Mitgliedern I der Artilleriekapelle bestehende Orchester verlieh den Gedanken des Komponisten Leben und brachte sie zu zündender Wirkung. Von Robert Behn, der in der Partie des Kalman Zsupan große Heiterkeit erzielte, war das Werk mit den bescheidenen Mitteln der

I Sommerbühne vortrefflich in Szene gesetzt worden. Cilli Bauermann sang und spielte das Zigeuner-

I mädchen Saffi ausgezeichnet. Der junge Emigrant Barinkay wurde von Otto Raimond darstellerisch anziehend gegeben. Die alte Zigeunerin Czipra ver­körperte Anna Herrmann in Maske, Rede und Ge­sang ganz hübsch. Das Duett „Doch mehr als Gold und Geld" (Czipra und Saffi) mußte auf stürmisches Verlangen wiederholt werden. Franz Erdmann blieb dem Königlichen Kommissar nichts schuldig. Den Grasen Homonay zeichnete Bruno Bitner ritterlich und mit liebenswürdigem Humor. Das Publikum befand sich in animiertester Stimmung und spendete lebhaften Beifall.

L- Der Provinzialverbanb der Hans- und Grund­besitzervereine von Heffen-Nassau hall am Sonntag, den 3. August in Bad Homburg v. d. H. im „Schützenhof" einen außerordentlichen Verbandstag ab, auf dem auch der hiesige Grund- und Hausbesitzerverein durch einige Delegierte vertreten fein wird. Die Tagesordnung um­faßt u. a. einen Bericht der Kommission über den der­zeitigen Stand der Pfandbrief-Jnstituts-Angelegenheit. Ferner wird verhandelt über die Versicherungsanstalt deutscher Haus- und Grundbesitzervereine A-G. und über den Anschluß des Provinzialverbandes an den Zentralverband. Herr Redakteur Ernst Blumschein wird einen Vortrag über den preußischen Wohnungs- Gesetzentwurf halten. Auch die Wahl des Vororts für den ordentlichen Verbandstag steht auf der Tages­ordnung.

e Landwirtschaftlicher Kreisverein. Am Sonntag, den 27. d. Mts. nachmittags 3V< Uhr hält der Land­wirtschaftliche Kreisverein in Neuhof im Saale des Herrn Gastwirts Emil Möller eine Wanderversamm­lung ab. Auf einen Beschluß des Vereins hin sollen derartige Versammlungen in Zukunft an geeigneten I Orten unseres Kreises stattfinden, damit auch den in I den entlegenen Teilen des Kreises wohnenden Land- I wirten Gelegenheit gebotest wird, die Bedeutung des I Landwirtschaftlichen Kreisvereins kennen zu lernen I und sich die Vorteile desselben zu nutze zu machen. I In der Versammlung am Sonntag wird der Vor- I sitzende, Herr Direktor Schoppmann, Zweck und I Ziele des Vereins klarlegen und Herr Landwirtschasts- I lehrer Lutte über das sehr zeitgemäße Thema „Schweinezucht und Volksernährung" sprechen. In I Anbetracht der interessanten Tagesordnung wäre ein I zahlreicher Besuch der Versammlung sehr erwünscht. I Auch Nichtmitglieder des Vereins sind als Gäste will- I kommen.

Hk. eine amtliche Karte aller Handelskammerbezirke wird auf amtliche Veranlassung im Maßstabe von ! 1:800000 hergestellt. Die Karte enthält die polt« I tische Einteilung einschließlich der Kreiseinteilung.

* Die gestohlene Zeitungsnummer. Häufig laufen Klagen darüber ein, daß aus den Briefkästen oder von sonstigen Zeitungsablegestellen von unberufenen Händen die Zeitungen entfernt werden. Welch schwere Strafe unter Umständen darauf steht, lehrt eine Ge­richtsverhandlung, die jüngst in Königsberg stattge- sunden hat. Zwei Arbeiter hatten aus einem Hause eine von der Zeitungsfrau dort eben gebrachte Nummer I der .Königsberger Allgemeinen Zeitung' aus einem I Briefkasten an sich genommen, angeblich, um in dem I Anzeigenteil den Arbeitsmarkt nachzusehen. Sie waren mit der Zeitung dann weiter gegangen, bis ein Schutz­mann sie verhaftete, da sie im Verdacht standen, in mehreren Häusern die Brotbeutel entwendet zu haben. Es wurde gegen sie ein Verfahren eingeleitet, das

nur die Entwendung der Zeitung feftfleHte.' Die An­gabe des einen, daß er allein die Zeitung genommen habe, wurde vom Gericht für glaubwürdig erachtet. Ter andere wurde freigesprochen, während der Zeitungs­dieb zu drei Wochen Gefängnis verurteilt wurde.

X Sport. Der Vorstand des Fußball-Vereins teilt uns mit, daß die in der Stadt verbreiteten Ge­rüchte von einer Fusion des Vereins mit dem Fußball- Klub Borussia nicht den Tatsachen entsprechen Der Vorstand des Fußball - Vereins hm entschieden, daß eine Verschmelzung nicht in Frage kommen könne, daran änderten auch eine von einigen Mitgliedern des Vereins auf eigene Faust mit der Borussia ge- sührten Verhandlung nichts.

Trotz andere, tiefer wurzelnde Verbindungen anzu- bahnen, da in den letzten Jahren eine größere An­zahl Mädchen aus diesen Dörfern als Hausfrauer ihren Einzug in Neustadt gehalten haben.

So sehen wir, daß mancherlei Beziehungen zu unseren „Darmstädter Nachbarn" bestehen und von alters her bestanden haben. Tagtäglich verkehren die beiderseitigen Bewohner in schönstem Einvernehmen miteinander und Streitigkeiten zwischen ihnen, mö­gen sie auf religiösem oder politischem Gebiete liegen, gehören in das Reich der Fabel. Wo immer sich nur die beiderseitigen Interessen berühren, halten die Einwohner obiger Dörfer mit Neustadt zusammen, und nicht zuguterletzt ist die bestehende Autoverbin­dung mit Alsfeld ein Werk unserer hessischen Nach­barn. Ja, käme es auf diese an — ich erinnere nur an die rastlose, leider jedoch vergebliche Tätigkeit des verstorbenen Pfarrers Kraiger von Ruhlkirchen sowie der Gemeindevertretungen von Arnshain und Wahlen — schon längst ertönte der schrille Pfiff des fauchender Dampftosses durch die Gefilde der Antreff.

Aus dem llachbarqebiete-

* Uetzhausen, 24. Juli 1913. Das letzte Stünd­lein unfern alten Schlitz brücke am nördlichen I Ortsausgange, ein altes Schmerzenskind der @e= I meinde und des Kreises, hat bald geschlagen. Gegen- I wärtig ist man damit beschäftigt, dieses Verkehrs- hinderuis durch einen modernen Neubau zu ersetzen. I Die neue Brücke wird etwas weiter vom Ort§ abe I gerückt und der Laus des Schlitzflusses erhält nach Fertigstellung der Brücke durch Gradlegung eine I andere Richtung, sodaß Ueberschwemmungen, wie sie I seither öfters vorgekommen sind, später ausgeschlos- I sen sein sollen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 44 000 Mk., wovon auf den Brückenbau allein 19 000 Mk. entfallen. Diese wird ganz aus Eisen­beton bergestcllt.

X Heesfeld, 24. Juli 1913. Vor kurzem starb in Königstein i. T. der Begründer der nach seinem Namen benannten Auskunftei, Wilhelm Schimmel- p seng. Er war im Jahre 1842 hier als Sohn eines Advokaten geboren, und er selbst war der Schwieger­sohn des Uebcrsctzers Wilhelm Jordan, von dem auch die Bezeichnung „Auskunftei" herrührt. Gegen­über der hervorragenden Bedeutung, welcher im heutigen gewerblichen und kaufmännischen Leben dem reellen Auskunstsuchen zukommt, darf auf einige Haupt­erscheinungen im Leben Sch.'s hingewiesen werden. 1872 begründete et, ausgerüstet mit hohen Gaben des Geistes und der Erfahrung, fein Geschäft. Seinem Unternehmen gab er den Wahlspruch „Für Recht und Ehr im Weltverkehr." Mit bewundernswerter, nie erlahmender Tatkraft brachte dieser charakterfeste, ziel­bewußte, treu deutsche Mann sein Institut, das in der Zwischenzeit Weltruf erlangt hat, zu immer größerer Ausdehnung und höchstem Ansehen. Eine, an alle Angestellten und Abonnenten 1897 verteilte Schrift: So schließen wir die ersten 25 Jahre mit einem günstigen Ausblick auf die Zukunft, enthält Abdrucke der in Wort und Schrift aus Kreisen der Angestellten, Be­hörden, Freunden und in Zeitungen jeglicher Richtung dem Jubilar dargebrachten, wohlverdienten Ehrungen. Nahm er diese an, so tat er es, um seinem Wirken auch den idealen Inhalt zu geben. Sch. gründete 1897 für das große Heer seiner Beamten eine Pensionskaffe. Wiederholt und reichlich flössen die Beträge, die er für den edlen Zweck stiftete. Wenn auch die Arbeit des einzelnen in der Auskunftei Geschicklichkeit und Pünktlichkeit voraussetzt, und starke Inanspruchnahme der Kräfte bedingt, so fühlte doch jeder Angestellte eine gewisse Befriedigung mit feiner Stellung, nament­lich mit Rücksicht auf die gesicherte Zukunft. Viele haben dann auch eine Anzahl Jahre der Auskunftei gedient, und mit betrübtem Herzen sahen sie 1906 i ihren Chef und Freund aus ihrem Kreise scheiden, um die wohlverdiente Ruhe -für den Lebensrest zu genießen. Die Auskunftei zählte damals über 30 Niederlassungen im In- und Auslande und mehr als 1000 Angestellte. Alle die ihn kannten, besonders diejenigen, welche unter seiner gestrengen Leitung dienten, schätzen ihn über das Grad hinaus.

* Hanau, 24. Juli 1913. Nach einer Meldung des Reichskolonialamtes ist der von hier stammende Regierungsrat Dr. Houy, der an der deutsch-fran­zösischen Grenzexpediiion in Neu-Kamerun teilnahm, von seinem schwarzen Diener in der Nacht während des Schlafes ermordet worden. Der Mörder sei sofort erschossen worden. Die Leiche des so tragisch aus dem Leben Geschiedenen wurde auf Veranlassung der militärischen Leiter der Expedition mit allen Ehren fern von der Heimat bestattet.

ch Frankfurt, 24. Juli 1913. Beim Einzug der Veteranen der Einundachtziger vom Bahn- I Hof Bockenheim nach der Festhalle sprang eine junge Frau, um den Zug besser sehen zu können, von einem I schnellfahrenden Straßenbahnwagen ab, sie stürzte da- I bei und trug eine schwere Gehirnerschütterung davon, die eine sofortige Uebersührung der Frau ins Kran­kenhaus bedingte. — Zu dem B u n d e s k e g e l n der I Mitteldeutschen Keglervereinigmig haben bereits 51 I

Vereine aus west- und mitteldeutschen Städten ihre Beteiligung ziigesagt. — Die planmäßige Durchfor­schung der R ö m e r st a d t Nida bei Heddernheim wird durch das mangelhafte Entgegenkommen der Grundbesitzer außerordentlich erschwert und manches Ackerstück mutz übersprungen werden, wobei oft kost­bare Funde und wertvolle Aufschlüsse verloren gehen. I Trotzdem war es möglich, die gestellten Aufgaben zu I lösen. Sie betrafen die Fortsetzung der Grabungen I an dem großen Bad, das in den östlichen Teil des Fo- I rums von Nida eingebaut war, ferner die Unter« I fu.Tung b-a neu gefundenen Erdlagers und die Nach- forschmigen über die bürgerliche Besiedelung von Nida. I Die Grabungen haben in topographischer und histo- I rischer Hinsicht die Kenntnisse über die Römerstadt I Nida erheblich erweitert und den reichen Bestand I Heddernheimer Altertümer um bedeutsame Schau- I stücke bereichert. Hierzu rechnet in erster Linie eine I Bachusbüste aus Bronze. Das Stück stellt Dionysius I mit dem Weinlaubkranze geziert dar.

I ’ Melsungen, 24. Juli 1913. Die seit längerer I Zeit in den Gemarkungen Sipperhausen und Ostheim borgenommenen Bohr versuche nach Braun-

I kohle sind an den meisten Stellen von Erfolg ge­wesen. Gegenwärtig werden Bohrungen am nörd­lichen Ausgang von Ostheim vorgenommen und es soll sich an dieser Stelle ein ausgiebiges Kohlenlager vorgefunden haben. Die Kohle soll zwar ziemlich tief' liegen, doch dürfte nach dem Urteil von sachkundiger Seite diese Stelle zur Schachtanlegung am geeignet­sten erscheinen.

* Kassel, 24. Juli 1913. Der schon länger lei­dende Magazinaufseher V. wird seit einigen "Zagen vermißt. — Der Kellner L. von hier, der seinem Prinzipal die für Speisen und Getränke verein­nahmten Gelder im Betrage von 180 Mark unter­schlagen hatte und mit dieser Summe durchge­brannt war, konnte gestern verhaftet werden. Von dem (Selbe fand man nur noch 18 Mark vor.

I k Usingen, 24. Juli 1913. Gegen die geplante Er­bauung der Landeserziehungsanstalt wird von einer Anzahl hiesiger Grundbesitzer Einspruch erhoben. Sie wollen das zum Bau erforderliche Gelände nicht ver­kaufen, da sie durch die Anstalt eine schwere Schädi­gung ihrer wirtschaftlichen Interessen befürchten. Da der Bau der Anstalt aber von der Sicherstellung des Bewirtschaftungsgeländes abhängig ist, hat Landes­hauptmann Krekel-Wiesbaden die Enteignung der Grundstücke beantragt.

* Griesheim a. M.. f 4. Juli 1913 Mir den Vorarbeiten für die Erbauung r-i E'senbahn- H a u p t w e r k st ä 11 e n, die von Frankfurt nach hier verlegt werden und bis zum Jahre 1916 be­triebsfertig hergestellt sein muffen, ist begonnen worden.

* Fechenheim, 24. Juli 1913. Auf dem Rangier­gleise der chemischen Fabrik von Cassella & Co. glitt gestern abend der Rangierer Naumann infolge der Nässe aus und geriet unter einen Güterwagen, der ihm das linke Bein vollständig zerquetschte.

* Vom Eichsselv, 24.Juli 1913. Mit45Jahren zum Priestertum gelangt ist ein Sohn der Ge- meinde Burgwalde, namens Karl Pingel. Er hatte in Westfalen das Schneiderhandwerk gelernt, darauf sich etliche Zeit dem Wanderleben durch Deutschland gewidmet und war dann in Berlin in ein Geschäft eingetreten. Allein ein höheres Ziel zog ihn an, er folgte der Spur eines Schulfreundes, eines jetzigen Patres, und trat in Las Missionshaus St. Gabriel bei Wien ein. Dort sah er eine Reihe Eichsfelder Bekannte sich auf das Priestertum vorbereiten und sein Entschluß war, auch noch Priester zu werden Die Gelegenheit dazu bot sich ihm in Italien im Institute des seligen Don Bosko, wo er sich dew Studium mit bestem Erfolge widmete.

* Aus Franken, 23. Juli 1913. Beim Unter­fangen einer Kellermauer sand der Maurermeister K. Reuß in Garitz bei Kissingen einen Topf Silber« münzen aus den Jahren 1735 bis 1797. Die Münzen tragen die Bildnisse des Kaisers Franz von Oesterreich und des Königs Ludwig XV. von Frank­reich. — Die Kurliste Nr. 17 von Bad Neuhaus a. S. endet mit Nr. 1574. — Wie in Münnerstadt und Neustadt a. S. wird nun auch in Mellrich­stadt vom 1. August ab eine Automobilpflaster« gebühr erhoben werden und zwar 20 Psg. für Per­sonen- und 40 Psg. für Lastwagen. — Der Geh.-Rat Prof. Dr. v. Burckhardt an der Universität Würz­burg konnte sein öOjähriges Jubiläum als aka­demischer Lehrer feiern. — In einem Juweliergeschäft in Aschaffenburgstahl ein Gehilfe nach und nach eine große Anzahl Herren- und Damenuhren, Ohr­ringe, Uhrketten, Herren- und Damenringe, Trau­ringe, Halsketten, Stockgriffe und was sonst noch alles in einem solchen Geschäfte vorhanden ist, und

[:] Beziehungen Neustadts zu dem augrenzenden Teile desGrotzherzogt. / f ; Heffen-Darmstadt.

/JDie Beziehungen der Stadt Neustadt zum angren­zenden Teile des Großherzogtums Hessen-Darmstadt sind und waren von jeher die denkbar herzlichsten. Eine Gleimenhainer Tanzmusik ohne Neustädter Teil­nehmer — abgesehen von den häufigen Spaziergängen der „honoratiores" zu jeder Jahreszeit mit der un­vermeidlichen Einkehr bei Hohl oder Becker — tväre undenkbar, und eine Neustädter Kirmes ohne die „Darmstädter" mit Gleimenhain, Wahlen, Arnshain und Bernsburg nebst den etwas entfernt liegenden Bewohnern des sogenannten „Katzenberges", selbst bei schlechter Witterung, würde gewiß in die Chronik gebucht, wert, der Nachwelt überliefert zu werden. Bei dieser Gelegenheit bildeten sich Familienfreund­schaften, welche als treues Band auf die beiderseitigen Kinder und Kindeskinder übergingen und jederzeit in hervorragender Weise gepflegt wurden. Daß dadurch auch Handel und Gewerbe in ähnliche Bahnen gelei­tet wurden, erscheint selbstverständlich, wenn man be­denkt, daß die Verhältnisse eines Landstädtchens mit größtenteils ländlichen Verhältnissen, besonders in früherer Zeit, wenig oder gar keinen Unterschied mit dem Lande aufwiesen. Wenn auch in späterer Zeit die Landesgrenze vielfach störend dazwischen trat, so gab es doch vorher eine Zeit, wo diese Schranke nicht bestand und der gegenseitige Verkehr, auch in landes­herrlicher Beziehung, ein anderer war. Die Ueber- lieferuttgen unserer Vorjahren geben den Beweis, bafe die Beziehungen Neustadts zu den angrenzenden jetzt „Darmstädter Dörfern" auf einer uralten, soliden Basis beruhen und nicht erst ein Produkt der modernen Verkehrsverhältnisse sind, welche die Schranken eines angrenzenden Bundesstaates bei» wischen, oder doch im Großen und- Ganzen nicht hem­mend, störend in Erscheinung treten lasten. Ser» fefjen wir uns zu diesem Zwecke in der Geschichte unseres engeren Vaterlandes einige Jahrhunderte , --------- w ,

zurus-Äolsevd den, Aufzeichnungen, des Chronisten. » Zeitangaben „uf Glymen Kirmeste^ ^Jrn-Unfange

Im Süden von Neustadt, an der Grenze von Hessen-Darmstadt, liegt ein kleiner Basalkegel, Hain oder Nellenburg genannt, den Herren von Dörnberg gehörend, ehemals jedoch ein Besitztum der Herren v. Walen. Einige Ueberrefte, sowie mehrere ring­förmige Gräben sind die einzigen Ueberbleibsel der ehemals so stolzen Nellenburg. Gestrüpp und Busch­werk erschweren in den letzten Jahren den Zugang zur Spitze des Berges, bis erst vor kurzem die v. Dörnberg'sche Verwaltung einige Wege zur be­quemeren Besteigung freilegen ließ. Jagdlich gehört der Hain seit Einführung des neuen Jagdgesetzes zur Gemarkung Neustadt. Da man von ihm eine gute Fernsicht hat, ist und war er von jeher das Ziel vieler Spaziergänger und jetzt umsomehr, da sich auf ihm ein kleiner Aussichtsturm befindet. Von diesem Hain wird berichtet, daß am 16. September 1499, am Sonntage nach Kreuz-Erhöhung, ein „Henne v. Wah­len" und Ursula, feine eheliche Hausfrau, „ihr eygen Erbhaus, die Neilenburg genannt, sampt seinen Zu- gehorungen vor der Nuwenstadt, unter den von Do- ringen gelegen, an den ehrbaren Johann Stenbern und seine Hausfrau Margaretha" verkauft hat. Eine Tochter dieses Besitzers, verheiratet an den Rent­meister Meckbach zu Grünberg, verkaufte chrerseits das Schloß an die v. Dörnberg.

Nicht weit vom Hain, östlich, liegt u. a. die Füchsenmühle, deren oberes Gebäude, früher Rup- Pertsmühle genannt, noch heute auf Darmstädter Ge­biet liegt und im 16. Jahrhundert von einem Glei­menhainer namens Friedrich angelegt worden ist. Das Dorf Gleimenhain gehörte früher zum Stift Fulda, von welchem es die Grafen v. Ziegenhain zu Lehen hatten. Diese schenkten dessen Einkünfte dem Kloster Haina. 2lbt Berto von Fulda gab 1728 hierzu seine Einwilligung und beanspruchte nur da­für zur Anerkennung seines Hoheitsrechtes jährlich 6 Pfund Wachs, lieferbar an seine Kammer zu Fulda.

des 16. Jahrhunderts wird „Glhmenhain" als Wü­stung bezeichnet. Der damalige Besitzer Jost v. Wei­ther setzte fremde Bauern hierher, um die Wüstung zu kultivieren. Doch scheinen noch einige alteingeses­sene Bauern in der Nähe gewohnt zu haben, da 1544 Gleimenhainer Bauern sich beim Landgrafen "be­schwerten, daß durch die Rodungen obiger Kolonisten ihnen die besten Viehweiden verloren gingen. An einer anderen Stelle wird ein „Gleimer Holz" er­wähnt und wir haben noch heute als Flurnamen einen „Gleimer Berg". Des weiteren werden wir gewahr, daß ein Teil des Dorfes Wahlen mit der einstigen Burg in das Gericht und Kirchspiel Ndustadt gehörte. Die genannte Burg soll südwestlich vom Dorfe, in der Richtung nach Lehrbach gelegen haben. Die ade­lige Familie v. Wahlen hatte hier ihren Wohnsitz. Die Herren v. Wahlen waren meistens kurmainzische Vasallen und zwar in der Regel Burgmannen von Neustadt. Ein gewisser Amtmann Kalb von Neustadt berichtet über einen zu Walen gehörigen strittigen Wald, daß Bürger von Neustadt und ältere Bauern von Glimenhan bezeugen wollten, daß besagter Wald zu einem Teile dem Erzbischöfe und dem edlen Heinrich v. Romrod und zu drei Teilen dem Konrad v. Wahlen zustehe. Die Familie v. Wahlen starb im Anfänge des 16. Jahrhunderts aus. Von derselben besaß die Pfarrei Neustadt durch Vermächtnis aus dem Jahr- 1480 einen Teil des Brückendorfer Zehn­ten, welche Ortschaft zwischen Ruhlkirchen und Sei­belsdorf belegen war. Auch der „Katzenberg", be­kanntlich aus den jetzt noch bestehenden Dörfern Ruhlkirchen, Seibelsdorf, Vockenrode und Ohmes so wie aus den untergegangenen Ortschaften Brücken­dorf, Jsenwerkel und Hermannshain bestehend, wurde nach dem Aussterben der Grafen v. Ziegenhain mit dem Amte Neustadt vereinigt. Die Einwohner dieser vier Dörfer bekennen sich, im Gegensätze zu den oben genannten Dörfern, zur katholischen Religion und gehören zur Diözese Mainz. Wenn nun auch nach den Umwälzungen des vorigen Jahrhunderts die Bande einer gemeinsamen Staatsangehörigkeit mit uns zerschnitten sind, so scheint doch das mit Neustadt gleiche. Religionsbekenntnis derLandesgrenze zum

( Kehrseiten der Aufforstrirrgs- / beftrebungen.

der bayerischen Abgeordnetenkammer ist ein Initiativantrag zur Annahme gelangt, durch dessen Gesetzwerdung gewissen Schäden in der Aufforstung landwirtschaftlich benutzter Flächen begegnet werden soll. Auch im übrigen Deutschland ist die Sache reif zur Erörterung.

Die unerwünschten Erscheinungen sind zurückzu- führen auf das Bestreben von Grundstückshändlern .und Gutsbesitzern, dem Großgrundbesitz in ausge­dehntem Maße bäuerliches Waldland oder andere zur Aufforstung geeignete bäuerliche Flächen einzuver­leiben; auch der mittlere Grundbesitz erleidet dadurch Schaden. Daraus erwächst eine den heutigen Ver­hältnissen, insbesondere auch dem Begriff der inneren Kolonisatwn nicht immer entsprechende Latffundien- bildung. Bedenklicher noch ist, daß die ungesunde Grundstücksspekulation sich der Sache bemächtigt hat und daß auch die Großgrundbesitzer selber nicht immer der Versuchung widerstehen, anfechtbare Mittel anzu­wenden. Neben den bekannten verwerflichen Mani- pulatronen der Güterschlächter spielen die Mittel eine Rolle, welche daraus abzielen, den Kleinbesitzer zum Verkauf zu zwingen. Dahin gehört namentlich das sog. „Umforften", d. h. das Verfahren, eingefchlossene Gebiete auf dem Lande mit Waldbestand zu umrah­men, wodurch die Parzelle entwertet wird ™ ÄaHe Bestrebungen des Großgrundbesitzes, die Waldflachen zu vergrößern, sind an sich tadelnswert — namentlich nicht die Gründung von Waldfidei- lommiffen. Auch aus anderen Zusammenlegungen sann wirtschaftliche Gesundung des Gutes hervor- ?ehen — nur nicht aus der Bildung sog. Jagdgüter »le als em Krebsschaden des heutigen Grundstücks- Handels anzusehen ist. Fast immer aber geschieht die Stärkung des Großgrundbesitzes durch Forstland auf Kosten des bäuerlichen Areals. Dies ist als eine der Men Erscheinungen, die das Verdrängen der kapi- Qlistischen Gesinnung auf das Land mit sich gebracht M zu beklagen.

Eine gesetzgeberische Abhilfe erscheint so gut wie Jussichtslos, weil die Materie sehr schwierig und mit Lern heutigen freien Verfügungsrecht über Grund und j Boden nicht vereinbar ist. Wirksam kann nur sein: den rechten Bauernstolz auf den Besitz der eigenen Scholle zu erwecken und zu stärken und vor allem auch den Bauern zum Forstwirt heranzubilden, damit er sich über den heutigen hohen Wert des Waldbesitzes klar wird und seine forstlichen Angelegenheiten selber in die Hand nehmen kann. Hier hat die ländliche Wohl­fahrtspflege mit den Mitteln der Propaganda, der Förderung des forstlichen Unterrichts- Wesens, des Vereins- und Genossenschaftswesens und der Unterstützung der einschlägigen Bestrebungen der Behörden und Kommunen einzufetzen. — Die Waldgenossenschaften und Forstkulturvereine sollten ihr Augenmerk besonders auf diesen Punkt richten I und auch den Raiffeisen- und ähnlichen Verbänden eröffnet sich ein fruchtbares Feld.

Dabei sollen die Gegensätze zwischen Groß- und I Kleingrundbesitzer nicht verschärft werden, sondern I die Sache soll vielmehr zu einem Ausgleich der In­teressen benutzt werden, was sich bei wachsender Er­kenntnis über die Tragweite des Gegenstandes wohl erreichen lassen wird.