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2. Blatt.

Druck der ?X«lh«er Aktiendruäerei in Znldo.

Fuldaer Leitung. ♦**

M |68.

Mittwoch 25. 3uli 1913.

Kleines Fenitleton

von mit eine Der So-

£ofaks.

Fulda, 23. Juli 1913.

# Verliehen wurde dem Bürgermeister Schlund zu Oberwalgern im Kreise Marvurg das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens.

F°T Schöffengericht. (Fortsetzung.) Ein Ackergehilfe von Großenlüder sollte im Auftrag seines Herrn bei dem Metzgermeister M. L. hier Gelinge holen. Da der Metzger solches nicht da hatte, verkaufte er seinem Kunden 15 Pfund Abfallfleisch ä 35 Pfennig. Unter diesem Fleisch befanden sich verschiedene Teile, die nicht nur gesundheitsschädlich, sondern auch ekeler. regend gewesen sein sollen. Als Sachverständiger trat Metzgermeister K. Sunkel auf. Der Amtsanwalt hatte 50 Mark Geldstrafe beantragt, das Gericht sprach L. jedoch frei. — Der wiederholt vorbestrafte 27jährige Arbeiter A. M. hier mißhandelte und bedrohte in derNacht zum 1. Juni ds.Js. seine Ehefrau, Schwägerin und Schwiegermutter, zertrümmerte eine Fensterscheibe und leistete den herbeigerufenen zwei Schutzleuten energischen Widerstand, riß einem Beamten sogar den Rock entzwei. Das Gericht erkannte dem Anträge des Amtsanwalts entsprechend auf 4 Monate und

eine Woche Gefängnis. — Der 20jährige Arbeiter E. St. von hier soll einen fremden Hund versilbert haben, mußte jedoch mangels genügender Beweise freigesprochen werden. — Der 28jährige Packer I. Qu. hier hatte ein Paket mit einem Paar Arbeitsschuhe rechtswidrig mitgenommen. Diesen Diebstahl muß ec mit 3 Tagen Gefängnis büßen.

& Fern der Heimat wurde gestern auf dem neuen städtischen Friedhöfe eine stadtbekannte Persönlichkeit, der Italiener I. Diana, zur letzten Ruhe gebettet. Mit anderen Landsleuten war er zu Erdarbeiten beim Bau der Wasserleitung und der Kanalisation hierher­gekommen, und cs gefiel ihm hier anscheinend bester als in der südlichen tpeimat, denn er blieb zurück, während seine Landsleute wieder fortzogen. Der gutmütige 62 jährige Alte fiel überall durch seine auf­fällige Kleidung (Federhut, buntes Halsiuch, große Blumen im Knopfloch usw.) auf.

gi. Zm Sommerthrater kam gestern das Schauspiel „Traumulus" von Arno Holz und Oskar Perschke zur Aufführung. Diese tragische Komödie, wie die Verfasser ihr technisch geschickt aufgebautes Werk nennen, erfreute sich einer flotten und packenden Wiedergabe durch das Ensemble. Besonders zeichneten sich aus durch brillantes Spiel: Bruno Eilner als Gymnasiul-Direktor, Robert Behr als Landrat und Artur Pattky als schuldbeladener Primaner. Das Schauspiel erntete den reichen Beifall des ziemlich gut besetzten Hauses.

(*) Die Bereinigung ehemaliger 143er veranstaltete am vergangenen Sonntage ihren geplanten Familien- Ausflug mit Kinderbelustigung. Genau 3 Uhr erfolgte der Abmarsch vom Vereinslokale (Hirsch) mit den Spielleuten unter der Leitung des Kapellmeisters Oswald nach Kohlhaus zum Kameraden Franke. Tort begrüßte der erste Vorsitzende die erschienenen Damen, Kameraden, Mitglieder des Garde. Vereins

— Ein wirksames Rezept gegen die Cholera dürfte, da diese Krankheit jetzt wieder im. Orient aus- gebrochen ist, wohl zeitgemäß erscheinen. Im Jahre 1830, als in Kassel und Umgegend die Cholera herrschte, traf eines Tags ein bisher dort ansäffig gewesener, aus Fulda gebürtiger Geschäftsmann daselbst unerwartet bei einem Verwandten ein und sprach zu ihm nach herzlicher Begrüßung: „Wie froh bin ich, daß ich aus der bedauernswerten Residenz glücklich fortgekommen bin, wo jetzt die Cholera furcht­bar haust und auch schon in der Straße, in welcher 'ich wohnte, mehrere Opfer gefordert hat. Ich will mich daher jetzt so lange in Fulda aufhalten, bis die mörderische Seuche in Kassel wieder ganz erloschen ist." — Kaum hatte er dies gesagt, als der Verwandte, ein in günstigen und behaglichen Verhältnissen leben­der Junggeselle mittleren Alters, welcher sich bis dahin stets einer vortrefflichen Gesundheit erfreut hatte, auch schon ein Mißbehagen im Unterleibe ver­spürte und mit Ungeduld dem Scheiden des ihm nach dieser Mitteilung durchaus nicht mehr sympathischen Besuchers entgegcnsah. Dieser hatte sich noch gar nicht lange entfernt, da fühlte sich der Junggeselle, von der peinlichen Vorstellung beunruhigt, ihn um­armt und geküßt und dadurch vielleicht den An­steckungskeim der furchtbaren Krankheit auf sich über­tragen zu haben, ernstlich unwohl und war genötigt, sich zu Bett zu begeben. Kurz darauf glaubte er alle Symptome der Cholera an sich wahrzunchmen, wie sie in dem von ihm gelesenen Kasseler Blatt geschil­dert worden iDf.ren. Er ließ daher schleunigst den ihm bereits persönlich bekannten Medizinalrat Tr. Ignaz Wiegand, einen kenntnisreichen und viel­begehrten, wenngleich wegen seiner derben Aufrich­tigkeit auch.gcfürchteten Arzt (gestorben am 2. Mä"

und Kinder, sowie Herrn Plappert aus Straßburg (Kassierer des Hauptvereins) und gedachte der ent­schwundenen schönen Dienstzeit beim Regiment. So- dann dankte Herr Plappert dem Vorsitzenden für die liebenswürdige Einladung und überreichte im Namen des Gesamt-Vorstandes der Vereintgung ein Bild Straßburg, den Kaiserpalast nebst Kaiserplatz Denkmal darstellend. Der Vorsitzende erhielt Ehren-Urknnde für seine Mühen und Arbeiten.

rm Die Vermögenszuwachssteuer in der Provinz I Hessen-Nassau. Die Vermögenszuwachssteuer (Bc- I sitzsteuer) beruht bekanntlich auf dem Gedanken, den I Vermögens zuwachs zu besteuern. Es soll dies alle drei Jahre, zum ersten Male im Jahre 1917, I erfolgen. Der Ertrag dieser Steuer fließt aus zwei Quellen, zunächst aus dem Zuwachs durch eigenen I Erwerb und weiter aus dem Zuwachs durch Erwerb I von Todeswegen. Etwa drei Fünftel der Vermö- I genszuwachssteuer fallen auf die Quelle aus dem eigenen Erwerbe. Die amtlichen Berechnungen gehen hierbei davon aus, daß der Gesamtbetrag des Vermögenszuwachscs nach der Veranlagung 1911/13 gegenüber der Vor Vermögensveranlagung 12 215 Millionen Mark betragen hat und mit einer gleich großen Summe des Vermögenszuwachses für die Zukunft gerechnet werden könnte. Die Provinz Hessen-Nassau hat hieran den großen Anteil von 999 Millionen Mark Vermögenszuwachs. Da ans jede Million Mark Vermögenszuwachs nun eine durch­schnittliche Steuerleistung von 9077,50 Mark entfal­len wird, so wird die Provinz Hesten-Nassau alle drei Jahre den ansehnlichen Betrag von 9 068 423 Mark an Vermögenszuwachssteuer aus dem Zuwachs durch eigenen Erwerb aufzubringen haben. Auf das Jahr berechnet macht das 3 022 808 Mark. Dazu kommt noch der Ertrag aus dem Zuwachs durch Er­werb von Todeswegen. Er beziffert sick auf [ den Kops der Bevölkerung auf rund 64 Pfg. und be­trägt mithin für Höffen-Nassau 1 421 453 Mk. Das jährliche Gesamtaufkommen an Vermögenszuwachs­steuer beträgt also für die Provinz Hesten-Nassau 4 444 261 Mark. Da die Vermögenszuwachssteucr für das ganze Deutsche Reich nach den amtlichen Be­rechnungen insgesamt 100 Millionen Mark auf­bringen soll, so würde die Provinz Hesten-Nassau also rund. 4,44 Prozent der gesamten Steuern zu zahlen haben.

-T- Tie Hundsiage haben gestern kalendermäßig begonnen. Im allgemeinen pflegt damit die heißeste Jahreszeit einzusetzen, heuer führen sie sich mit Kälte und Regenschauer ein.

* Zählung der Obstbäume im Deutschen Reich. Nach einem Beschlüsse des Bundesrats findet im September dieses Jahres in allen Bundesstaaten eine Zählung der Obstbäume statt. Die Zählung erstreckt sich auf Aepsel, Birnen, Zwetschen, Pflaumen, Kirschen, Apri-

Spender wurde in geziemender Weise gedacht, dann traten die Kleinen zur Polonaise an; jedes Kind erhielt ein Fähnchen nebst Backwerk und Wurst. Nach fröhlich verlebten Stunden trat man nach 8 Uhr die Heimreise mit Musik zun Vereinslokate an.

Herabsetzung zur Folge, weil zu gleicher Zeit ein un­erhörter Fortschritt ut der gesamten Technik und in der Verwendung der Rohstoffe eintrat, mit dem die Ausbildung des Handwerkerstandes keineswegs Schritt zu halten vermochte. Eine Zerrüttung der Preiswirtschaft haben wir als modernstes Symptom zu konstatieren und mit Macht regen sich die Hand­werkerinnungen aller Grade und Formen, Innun­gen, Genossenschaften wie Gewerbevcrcinc, um die Beseitigung des § 100 q der Gewerbeordnung anzustreben. Die Regierungen der Bundesstaaten und der Reichstag werden sich demnächst mit der Be­seitigung dieses Paragraphen zu beschäftigen haben, der als der eigentliche Hemmschuh des deutschen Handwerks, angesehen wird. Die Handwerker sind der Auffassung, daß die Selbstverwaltung der In­nungen durch den Paragraphen nicht nur beschränkt, sondern in ihrem entscheidenden Wert direkt unter­bunden sei. Eine Gesundung des Handwerkerstandes sei erst von dem Tage ab zu erwarten, wo dieses Ge­schwür in der Gesetzgebung beseitigt fei.

Das kaufende Publikum steht in dieser Frage durchaus nicht auf demselben Boden wie der Hand­werkerstand. Insbesondere glaubt man in weiten Kreisen, daß es durch die gesetzlich festgesetzten Preise der Innungen zu einer unnatürlichen Preissteige­rung kommen würde und daß die Innungen der einzelnen Bezirke zu harte Bedingungen den Abneh­mern ihrer Erzeugnisse auferlegen werden. Es wird daher von vielen Handwerkerinnungen von vorn­herein angestrebt, ein Aufsichtsrecht der Regierungen über die Preisfestsetzungen zuzugestehen. Deren ge­setzmäßige Giltigkeit soll von ihrer Genehmigung ab- hängen. Andererseits läßt sich schon heute Voraussa­gen, daß die hinreichend scharfe Konkurrenz schon von selber dafür sorgen wird, daß die Preise nicht ins Ungerneffene steigen. Schon die Konkurrenz benach­barter Bezirke ist einer Uebertreibung der Preise sehr schädlich. Auch wird der Großbetrieb immer als ein Regulator wirken. Außerdem werden die Innungen gezwungen sein, jede etwa geplante oder getroffene Maßregel auf Betreiben einzelner geschädigter Jn- nungsgenosten schnell ihrer schädlichen Wirkung zu berauben oder die Maßnahme ganz umzustoßen.

Zurzeit stehen wir im gegenteiligen Extrem. Die Handwerker können nicht wie der Großbetrieb ge- nleinsam ihre Preise festsetzen, wie es ihnen recht dünkt. Es ist ihnen nicht tote dem Großbetrieb ge­stattet, beliebige Preisvereinbarungen zu treffen, viel­mehr besagt der § 100q der Gewerbeordnung, daß Handtoerkervereinigungen, also Innungen und Gc- toerbebereine, kein eilet bindende Preis- Vereinbarungen treffen dürfen.

Die unglaublichen Submissionsblüten drängen je5 doch immer mehr dazu, einigermaßen einheitliche Preise für gleichartige Arbeiten festzulegen. Die man­gelnde Fähigkeit mancher Handwerker, einigermaßen richtig zu kalkulieren, läßt diesen Ucbelstand immer bösartiger werden. Der völlig freie Wettbewerb des Handwerkerstandes hatte nicht die gewünschte Steige­rung der Leistungsfähigkeit, sondern eine Preis­herabsetzung zur Folge, weil

<*. Ein Vielumstrittener Paragraph.

_ Die Blütezeit des Handwerks wird zu einem be­trächtlichen Teile dem Umstande verdankt, daß jeder Zunstgenoffe gehalten war, die von seiner Zunft- genossenschaft festgesetzten Preise einzuhalten. Schwere Strafen waren gegen eine Uebertretung dieser Vor­schrift gesetzt. Wohl hatte auf diese Weise der ein­zelne Zunftmeister sein hinreichend fest garantiertes Einkommen, aber die freie Konkurrenz war damit ausgeschaltet und der technische Fortschritt unter­bunden.

1867 als Direktor des Landkrankenhauses zu Fulda) — zu sich rufen und teilte diesem auf seine Frage, ob er etwa einen Diätsehler begangen habe, dies ver­neinend, feine aus der Begrüßung des Verwandten aus Kassel geschöpften Befürchtungen mit. „Ich er­sehe hieraus," — entgegnete hierauf der Arzt, — „daß Ihr Krankheitsfall von ganz besonderer Art ist und demnach auch eine besondere Behandlung erfordert. Ich werde Ihnen etwas für denselben Passendes ver­ordnen. Dann setzte er sich an den Schreibtisch, schrieb ein Rezept und überreichte es dem Patienten. Dieser las zu seiner grenzenlosen Verblüssung Folgendes: „Recipc: Sie sind ein Tor, eine Memme, ein Hasen­fuß!" „Das," — sprach dann der Doktor mit sehr ernster Miene und in strengem Tone, — „lesen Sie sich zuerst alle Viertelstunde, dann alle halbe Stunde laut vor, und Sie werden dann, tote ick bestimmt annehme, bald genesen fein. Wenn Sie jedoch diese Anordnung nicht gewissenhaft und genau befolgen, kann ich für nichts einstehen." Damit empfahl sick der Medizinalrar, der Patient aber, so verblüfft er auch anfangs über das sonderbare Rezept gewesen war, erkannte doch nun bald zu seiner tiefen Beschä­mung die Meinung, welche der scharfblickende Arzt von seinem Zustande hatte und die Absicht, welche er mit der in dein Rezepte enthaltenen derben Beleh­rung verband. Er befolgte daher regelmäßig und mit immer zunehmender Heiterkeit die ihm erteilte Vor­schrift. Er machte dabei die angenehme Wahrneh­mung, daß sich sein Zustand rasch und zusehends bes­serte und sein früheres Wohlbefinden schnell zurück- kehrte, und als der Mcdizinalrat am dritten Tage wiederkam, um sich nach dem Befinden des „Cholera- kranken" zu erkundigen, trat ihm dieser im besten Wohlbefinden entgegen und empfing ihn heiter lachend mit den Worten: „Ihr Rezept, Herr Doktor, hat bei mir vorzüglich gewirkt und kann in ähnlichen Fällen allen Patienten aufs beste empfohlen werden." -X-

fofen, Pfirsiche und Wallnüsse und umfaßt auch Zwergobst und Spalierbäume.

(*) Theater. Am Donnerstag gelangt im Sommer­theater die melodiöse Operette „Der Zigeuner- baron" von Johannes Strauß zur Aufführung, Über deren Schönheit man wohl keine Worte zu verlieren braucht. Die Darstellung-dieses Werkes gehört zu den besten Leistungen des Herrmann'fchen Ensembles und noch überall hat die Direktion mit ihr ein ausverkauftes Haus erzielt.

st. Sport. Der erste Fuldaer F. C. „Borussia" e. V. wird die am Sonntag ausgefallenen Bezirksmeisterschaflen bei günstiger Witterung am kommenden Sonntag zum Austrag bringen. Bei ungünstiger Witterung werden dieselben am 17. August mit den nationalen olyin. Spielen zusammen gefeiert werden.

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 22. Juli 1913. Nach dem Bericht des G e w e r b e a u f s i ch t s b e a m t e n für Sachsen- Weimar für das Jahr 1912 hat sich die Zahl der B et r i e b e mit mindestens 10 Arbeitern gegenüber dem Vorjahre von 2006 auf 2213 erhöht. Die Zahl der in diesen Betrieben beschäftigten Personen ist von 42 810 auf 45 509 gestiegen- An Ausständen waren 46 Betriebe beteiligt; es erwuchs daraus etwa 645 Arbeitern ein Lohnausfall von ungefähr 22 800 Ar­beitstagen, der allerdings zum größten Teil durch Entschädigungen der Gewerkschaften ausgeglichen wurde. 26 Ausstände betrafen Erhöhung des Lohnes und Verkürzung der Arbeitszeit. Die Arbeiter hat­ten in 4 Fällen vollen Erfolg, achtmal keinen und im übrigen einen Teilerfolg. Zum erstenmal abge­schlossen wurden 31 Tarife für 269 -Arbeiter mit zwei- bis vierjähriger Vertragsdauer. In 855 Be­trieben wurden 9109 Arbeiterinnen Über 16 Jahre beschäftigt, im Vorjahre 8613. Die Zahl der an der lieberarbeit beteiligten Arbeiterinnen ist mit 2712 um 912 gestiegen und die Zahl der bewilligten lieber« stunden ist von 25 356 auf 41503 angewachsen. Es wurden beschäftigt in 933 Betrieben 2591 männliche und 1029 weibliche Jugendliche. Betriebsunfälle gemeldet wurden 850 leichte, 133 schwere und 10 tödliche, sodaß im Vergleich zum Vorjahr mit 768 leichten, 95 schweren und 10 tödlichen Unfällen eine nicht unbeträchtliche Zunahme stattgefunden hat. An Bergwerksbetrieben waren vorhanden 11 Kaliberg­werke, 2 Salinen, 1 Erzeisenbergwerk, 1 Flußspat­bergwerk und 4 Umbragruben.

* Vacha, 22. Juli 1913- Der gestern in Suhl tagende Unterverband Thüringens vom Verbände Deutscher Schneider-Innungen bestimmte Vacha als Ort für den nächstjährigen Bezirkstag.

* Stadtlengsfeld, 22. Juli 1913. Einen Ein­bruch verübte im Hause des Büttners Trauwetter in Hutha ein bis jetzt Unbekannter, wobei ihm 50 Mk. in bar in die Hände fielen. Glücklicherweise entging ihm das Vorhandensein eines Kästchens mit 100 Mk. Inhalt.

Aus Gberhesien u. den Hess. Aemtern.

* Marburg, 22. Juli 1913. Zum Rektor der Universität wurde Geh. Justizrat Professor Tr. Träger für baS Rektoratsjahr 1913/14 gewählt. — Der Rentner und frühere Kaufmann, Magistr.üs- mitglieb Hermann Spruck, ist gestern im 61. Le­bensjahre an einem Schlaganfall Plötzlich verstorben. — Das Dienstmädchen ein er kürzlich nach hier übcr- gesiedelten Herrschaft wurde von einem Hausbur­schen, der ihm nachgereist war, mit Liebesanträgen verfolgt, obwohl es ihn wiederholt abgewiesen hatte. In dem Garten des von der Herrschaft bewohnten Hauses unternahm nun der Liebhaber einen Selbst­mordversuch, die Kugel blieb jedoch in einer Brieftasche stecken.

* Kirchhain. 22. Juli 1913. An dem Regierungs­jubiläum des Infanterieregiments Nr. 81 werden aus dem Kreise Kirchhain etwa 240 ehe­malige Regimentsangehörige teilnehmen. — Mit den Arbeiten zur Erweiterung des Wasserwerks und zwar mit der Quellenfassung ist gestern begonnen worden.

♦ Aus dem Kreise Kirchhain, 22. Juli 1913. In dem Straßenzuge Kirchhain—Homberg a. d. Ohm, der bis auf eine Ausnahme fast gradlinig durchführt, besteht noch eine recht unangenehme Lücke, die für den ganzen Fährverkehr sehr störend und zeitraubend ist. Diese Strecke befindet sich zwischen Schweins- b e rg und Niederofleiden; es ist hier ein Um­weg von über dreiviertel Stunde über den früher allein vorhandenen sogenannten Winkeltoeg zu ma­chen. Schweinsberg und Niederofleiden sind nur etwa 20 Minuten entfernt, die fahrbare Straßenverbindung mit Lastwagen erfordert aber über 34 Stunde. Wohl ist hier vor mehr als 30 Jahren, gelegentlich der Ver­koppelung, ein direkter Verbindungsweg nach Süden in der Verlängerung der Talstraße Schweinsbergs, der sogenannte Sackweg geschaffen worden, also als Verbindungsstrecke vorgesehen. Aber dieser neue, angelegte Verbindungsweg ist bis heute noch nicht völlig ausgebaut, er ist unbefestigt und daher nur bei trockenem Wetter und mit leichtem Fuhrwerk zu befahren. Dabei ist aber dieser Weg die natür­lichste und direkteste Straßenverbindung in südlicher Richtung, aber auch die einzige nach dieser Seite. Die Hinansziehung ihres Ausbaues ist geradezu unbe­greiflich

* Treysa, 22. Juli 1913. Der Landwirt Euler und seine Ehefrau geb. Schmidt in Ascherode eierten im Kreise ihrer Geschwister, Kinder und Enkelkinder die goldene Hochzeit. — Hier wurde dieser Tage eine Zwangsinnung für das Schmiedehandwerk gegründet. Derselben müssen auch die Zunftgenossen in den Amtsgerichtsbezirken Neukirchen und Oberaula beitreten.

* Ottrau, 21. Juli 1913, In unserem Orte fand gestern eine große Schwälmer-Hochzeit statt, an der über 200 Personen teilnahmen. Einen präch­tigen Anblik gewährte es, als die Hochzeitsgäste in der schönen Tracht in 34 geschmückten Wagen aus Klein- Ropperhausen zur Kirche nach Ottrau fuhren.

* Fritzlar, 22. Juli 1913. Die Früchte flehen in hiesiger Gegend geradezu großartig, namentlich ist eine Haferernte in Sicht, wie sie noch nicht da war. Allerdings hat sich schon vielfach Lagerfrucht gebildet. Die Haseraussaat ist in diesem Jahr deshalb beson­ders groß, weil der nasse Herbst die Aussaat von Wintergetreive vielfach verhinderte- Die Hack - f r ü ch t e haben sich vorzüglich entwickelt, namentlich Rüben, während für die Kartoffeln das nasse Wetter leicht verhängnisvoll werden kann. Leider liegt viel­fach noch Heu uneingeerntet und wird zu Grunde gehen.

vermischtes.

* Zu einer förmlichen Schlacht kam es in der Nacht zum Dienstag in Köln zwischen einer größe­ren Zahl von Bauarbeitern und Tagelöhnern, die seit acht Tagen in Streit lebten. Die Kämpfenden gingen mit Messern und Dolchen aufeinander los. Mehrere Beteiligte erlitten schwere Verletzungen. Der 28- jährige Tagelöhner Küpper erhielt eine derartige Stichwunde, daß er auf der Stelle tot zusammen­brach. Zwei andere Bauarbeiter mußten lebensgefähr­lich verletzt ins Hospital geschafft werden. Erst einem größeren Polizeiaufgebot gelang es, die Ruhe wieder­herzustellen. Neun Verhaftungen sind vorgenommen worden.

* In eine Pilgerprozession, die auf dem Wege nach Deutsch-Pickar war, fuhr in Schömberg in Oberschlesien ein Fleischerwagen. Ein Pilger wurde auf ber Stelle getötet. Der Kutscher würbe ver­haftet-

* Infolge einer glücklichen Operation sehend ge­worben ist nach mehr als 50jähriger Blindheit die 66 Jahre alte Dame Mary Welsh in C h i e a g o. Mary Welsh, die sich im Alter von 22 Jahren ver­heiratet hat, hat ihren Gatten, der im vergangenen Jahre gestorben ist, niemals gesehen. Ihre sechs Kinder hat sie jetzt zum ersten Male erblickt.

* Vater und Kin 1 in den Flammen umgekommen. Unbekannte Täter setzten das Haus des Händlers Lewkowitsch in Kieloein Russisch-Polen aus Rache in Brand. Die in dem Hause schlafenden vier Kinder des Besitzers, sein Bruder, dessen Frau und ein Sohn konnten sich mit Mühe aus den Flammen retten. Als Lewkowitschs Bruder noch einmal in das Haus zurück­kehrte, um ein eigens Kind ans dem brennenden Hause zu holen, fanden Vater und Kind den Tod.

* Spionage. Der deutsche Kaufmann Böhm aus Jllowo wurde in Mlawa (Russisch-Polen) verhaf­tet in dem Augenblicke, als er die Warschauer Festungspläne von einem Agenten empfangen sollte

Literarisches.

Waffen der Wahrheit. Von Chefredakteur Alfred An­ton Laub. Monatlich 1 Heft- Preis 5 Mk. bei Bezug durch Postabonneinent oder den Buchhandel. Verlag Raber u. Co., Luzern.

. Waffen der Wahrheit sind das Vadernecuin für Geistliche, Präsides, Redakteure, Lehrer und Ver- einsleiter.^ Hier sammelt eine kundige Hand Materia­lien, wie sie heute ein jeder, der eine Zeitschrift zu re­digieren, einen Verein zu führen oder volksaufklärende und bildende Vorträge zu halten hat, stets zur Hand haben mutz, wenn er nicht selbst sich ber zeitraubenden Arbeit des Sammelns unterziehen will, was bei der vor­trefflichen Auswahl, die nur „Waffen der Wahnheit" in schönster, übersichtlicher Form bietet, eine Versündigung an der Zeit zu nennen wäre." So schreibt mit vollem Recht ein praktischer Mann, Pater Damian in Simpel- beld, Holland. Wie sehr dieses Urteil berechtigt ist, be­weist von neuem das soeben erschienene Heft bes 3. Jahr­ganges, das wieder 97 aktuelle Vorkommnisse uns Zeit­bilder aus allen Gebieten religiöser und sittlicher Kultur bringt.

Griebens Reiseführer. Band 32: „Bad Neuenahr und das Ahrtal". 7. Ausl. Mit 2 Karten (1.— Mk.). Verlag von Albert Goldschmidt, Berlin W 35.

In der bekannten Sammlung Griebens Reiseführer ist die 7. neu bearbeitete Auflage dieses Bandes ' er­schienen, der jedem Besucher des Bades Neuenahr und seiner Umgebung bestens empfohlen werden kann. In zuverlässiger unb übersichtlicher Weise sind sämtliche An­gaben, die für den Kurgast und Touristen von Wichtig­keit sind, wie: Hotels, Sanatorien, Kurzeit, Kurtaxe, Bäder rc. zusammengestellt. Das Büchlein enthält fer­ner die genaue Beschreibung zahlreicher Spaziergänge und Ausflüge durch das schöne Ahrtal mit seinen be­rühmten Weinorten. Zum Schluß ist das Brohltal und der Laacher See mit vielen lohnenden Touren ausführ­lich behandelt. Zwei gut revibierte Karten unterstützen trefflich die textlichen Ausführungen.

Joseph Graf zu Stolberg-Westheim 1804—1859. Seine Verdienste um die katholische Kirche Deutschlands. Ein Lebensbild. Von Otto Pfüls 8. J. (Er­gänzungsheft zu den „Stimmen aus Maria-Laach".) gr. 8° (VIII und 194 S.) Freiburg 1913, Herder- sche Verlagshandlung. 3,40 Mk.; geb. in Leinwand 4,40 Mk.

Der Held dieser Biographie, der erst einige Jahre der Gesellschaft Jesu angehörte, dann ungarischer Kaval­lerieoffizier war und schließlich in seiner deutschen Hei­mat sich so’große Verdienste um die katholische Sache er­warb, tritt uns als ein Muster eines katholischen Edel­mannes entgegen. Seine Verdienste um die ersten Ver­sammlungen der Katholiken Deutschlands und die An­fänge de§ katholischen Parlamentarismus in Preußen werden anschaulich dargestellt. Besonders hervorragend waren seine Verdienste um den Bonifatiusverein, dessen erster Präsident er bis zu seinem allzufrühen Tode war. Die Schrift ist ein interessanter und wichtiger Beitrag zur Kirchengeschichte Deutschlands im 19. Jahrh. I. P

Handel und Industrie.

Berlin, 22. Juli 1913. Die beruhigte Auffassung der politischen Lage und günstige Berichte von der Newyorker Börse bestärkten die Börse in ihrer freund­lichen Stimmung. Deutsche Anleihen unverändert Der PrivatdiZkont stieg auf 4,5 Prozent.

Märkte.

Ms. Kassel, 22. Juli 1913. Die hiesige Genossenschaft für Häute- und Fettverwertung brachte bei gutem Besuch und lebhafter Kauflust 838 rote und 123 schwarze und bunte Ochsen-, 608 Bullen-, 3027 Kuh- und Rinder­häute, 7515 Kalb- und 1457 Schaffelle zur Versteigerung. Bei flottem Gebot und lebhaftem Zuschlag wurden er­zielt für rote Ochsenhäute 71—78*/» (am 17. Juni 71—78 V, < Pfg., schwarze und bunte Ochsenhäute 70*/» —73V, (70V- bi« 72V» Pfg., rote Weide-Ochsenbäute 65 (nicht angeboten: Pfg., Bullenhäute 59—67*/, (60*/i—68*/,) Pfg., tote Kuh­häute 72*/,—81V, (74—82*/,) Pfg., schwarze und bunt« Kuhhäute 71—80 ( 72 —79V») Pfg., rote Rinderhäute 78 bis 82*/, (77*/,—85) Pfg., schwarze und bunte Rinderhäut« 75V1-82 (74—83) Pfg., Fresserhäute 76 (73) Pfg., alles für das Pfund bei Schlachtung mit Horn und ohne Schweifbein. Kalbfelle mit Kopf erlösten 7—12,30 Mk. (6,95 bis 12,50 Mark), schwarze und bunte Kalbfelle mit Kopf 6,80-11,60 M. (6,90—11,65 M ), rote Kalbfelle ohne Kops 7,60—12,60 Mk. (7,55—11,95 Mark), schwarze und bunte Kalbfelle ohne Kopf 7,40-10,50 Mk. (7,40—10,50 Mk.), alles für das Stück. Schaf- und Hammelfelle brachten für Lämmer (kleine) 26 (25*/,) Pfg., große Lammfelle 40V, (40) Pfg., Blößen 43 (42*/,) Pfg., kahle Felle 46*/: (46*/,) Pfg., frühgeschorene Felle 48V, (48*/,' Bfg., Woll­tolle 63-55*/, (52*/,—55V») vfg., Hammelfell«.27V. (27*/,) Pfg., alles für das Pfund. Es wurde alles schlank ver­kauft.

Eine reizende Neuheit, welche die Kinder spielend Geschicklichkest erlangen läßt und gleichzeitig Anregung verschafft, erhält auf Wunsch jeder Leser dieser Zeilen kostenfrei von Netzle*s Kindermehl G. m. b. H , Berlin W. 57. Es ist dies eine Ausschneidepuppe nnt drei ver­schiedenen, allerliebsten Gewändern, womit die Kinder sehr gern und lange spielen. Auf Wunsch wird auch eine Brobedose des berühmten Kindermehls umsonst beigefügt