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Zuldaer Zeitung

Erschein« »gNch mtt Ausnahme Oer Sonn- und Selertoge. viertel. Ehrlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Zuldo sowie auswärts 1.50 mark. •••• Kotationsöru* und Verlag der 3 - gulöaer fldienbruckerel In $ulöa. Zernsprecher Nr. 9. z s

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Illustrierte Sonntagszeitung 1 Fuldaer SeschichtsblLtter

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Nr. 168.

€rftes Blatt.

Mittwoch den 23. Juli 1913.

40. Jahrgang.

O Gan, anders ist das gekommen, als man gehofft hat. 110 Sozialdemokraten zogen im Januar 1912 in den Reichstag ein und jede echte Genossenbrust hob sich in stolzer Zuversicht. Jetzt hat dieser „rote Reichstag" schon zwei Tagungen hin­ter sich. Und was ist erreicht?

Die gewaltigste Militärvorlage, die »em deutschen Reichstage je präsentiert worden ist, ist rotz aller wütenden Genossenreden mit großer Mehr­heit Gesetz geloorden und die roten Volksvertreter müssen wieder einmal tief betrübt mit leeren Händen »on ihre Wähler hintreten. Nichts hat sich bisher »erwirklicht von den rosigen Zukunftshoffnungen, die 'm Januar 1912 jedes Genossenherz schwellten- Eine recht miese Stimmung herrscht allerwegen im Genos- jenlager und lähmende Niedergeschlagenheit bemäch­tigt sich allerwärts der vertrauensseligen sozialdemo- watischen Mitläufer. Selbst der „Vorwärts" ist ganz geknickt und beginnt zu philosophieren:

.Es ist eine alte Erfahrung", meint er, »daß nach naßen Wahlsiegen in unserer Partei eine gewisse Reaktion einlritt. Trotz aller theoretischen Einsicht knüpfen sich an solche Siege unbestimmte Erwartungen, vage Hoffnungen aus äußere Erfolge, und wenn diese nicht etntreffen, dann sinkt die Stimmung."

Der arme „Vorwärts"! Wie miserabel muß es Ihm zu Mute sein, wenn er schon aus diesem Loche »feist. Den anderen sozialdchnokratischen Organen »nd Instanzen geht es nicht besser. Sie haben aber »or dem „Vorwärts" den Vorzug, daß sie die vollen Schläuche ihrer Entrüstung über den Partcivorstand iffnen und dadurch wenigstens einigermaßen ihre Verlegenheit und Beschämtstes verbergen können.

Ferner hat sich als rettender Engel die Diskussion über die Massen streikfrage eingestellt. Da- rurch sollen die Massen wieder einmal gekitzelt und chloroformiert werden. In der gesamten sozialde­mokratischen Presse, der radikalen sowohl, wie auch Oer revisionistischen, sind seit Wochen spaltenlange Ar- ,iikel über den Massenstreik, über alle seine Formen "and seine Durchführbarkeit zu lesen. Der „Vor- värts" hat das ganze Dutzend Massenstreikartikel nahezu schon voll. Aber dmcch all das revolutionäre Phrasengeklingel scheint allezeit das Auersche Wort rurchzutönen, „daß ein Generalstreik General»n- , i n n sei." Der „Vorwärts" hütet sich natürlich, ,as offen auszusprechen: man fühlt es aber heraus uns den ""wunderten Sätzen.

Und '. e dem „Vorwärts", so ergeht es auch vie­len anderen der Sozialdemokratie. In der „Neuen Zeit" veröffentlicht der Genosse M e e r f e ld nach- -enkliche Betrachtungen, worin er, o Graus, bereits eine Verbürgerlichung der Sozialdemo- k r a t i e und ein Abflauen des revolutionären Geistes beklagt. Er verspricht sich nichts von all der Agita­tion für den politischen Massenstreik und findet da­durch auch beim Ober getroffen Karl Kantzky' Siner* kennung und Unterstützung. Kautzky meint, daß man sich zum Masienstreik nicht aus Siegeszuversicht, son­dern aus Verlegenheit znwende und spöttelt darüber, daß bei der ®t§htffton über den Massenstreik immer größere Meinungsverschiedenhei­ten sich ergeben:

„Die eine Richtung propagiert den Massenstreik nach dem letzten belgischen, die andere nach russischem Muster. Eine dritte erklärt, weder der belgische, noch der ruffische Massenstreik sei für uns möglich, damit aber auch jede Möglichkeit eines Mastenstreikes für uns ausgeschloffen. Die vierte Richtung endlich stimmt der dritten darin zu, daß der Maffenstreik in der Art der beiden Muster bei uns nicht mehr möglich fei."

Also Konfusion aller Orten in der So­zialdemokratie. Der beste Beweis für die Verlegen­heit, in der man sich augenblicklich im roten Lager befindet. Man möchte gern, und man kann nicht. Die schwungvollen Reden mit ihren vielversprechenden

Das Münchner Rinds.

17] Roman von Felix Nabor.

Er zog ihn neben, sich nieder und sagte: „Das soll ein schöner Abend werden, Freund! Jetzt fehlt nur eins zu meinem Glücke: daß Fran Marguerite und Maxl an meiner Seite wären! Aber es geht net: der Maxl darf als Offizier net da herein und Frau Marguerite ist zu zart für die Kulturluft und — hm —" Das übrige, was er noch sagen wollte, ging in der Höhlung des Maßkruges verloren, den er an die Lippen führte.

Dann schlug ein anderer ein neues Thema an und es wurde immer noch eine Maß getrunken, weil der Stoff halt gar so damisch gut war: eine Maß auf die Freunde, eine auf die Münchner Stadt, eine „auf alles, was wir lieben," bann kam die „große Runde", wobei die auf den Tisch gestoßen und lustig mit den Deckeln geklappert wurde —

Auch an den übrigen Tischen stieg die Fröhlich­keit. Schnadahüpfeln und Juchzer flogen, herüber und ' hinüber; junge Paare wiegten sich selig int Takte der Musik: landfremde Menschen, die sich vor zwei Stun­den zum erstenmal gesehen hatten, saßen Arm in >lrm und tranken Brüderschaft; etwelche echt bajutoa- cische Kraftworte schmetterten dazwischen; eine allzu­rasch geschlossene Freundschaft ging unter den Ham­merschlägen politischer Meinungsverschiedenheiten, jäh 'm Trümmer — und dort wurde einer, den der „Bock" gestoßen hatte und der nun seinerseits zu bocken an­fing, unsanft an die Luft gesetzt.

Darüber war es Abend geworden. Die elektrischen Lampen strahlten chr Weißes, grelles Licht aus und zahlreiche Schutzleute tauchten auf, ein Beweis, daß die Stunde nahte, in der di» Pforten des Salvator- Palastes geschlossen wurden.

Pirkheimer drängte zur Heimkehr. „Für dich ist die Märzlust zu kühl, Joseph", warnte er. „Du wirst deine Salvator-Freuden mit wochenlangem Rheuma büßen müssen."

und tönenden Phrasen rächen sich jetzt. Es ist doch wirklich keine zu leichte Sache, sozialdemokratischer Volksvertreter zu sein, denn schließlich ist es mit dem Reden allein nicht getan. Und der Masienstretlköder will auch nicht verfangen, denn die Gewerkschaftler wissen, was dabei für sie auf dem Spiele steht. Sie wollen jedenfalls nicht für andere die Köpfe ins Loch stecken.

Und der Jenaer Parteitag rückt immer näher. Wie wird es dir, armer Parteivorstand, dort ergehen? Rosa Luxemburg und Klara Zetkin lassen nicht mit sich spaßen.

□ Homerule

Seit Jahren wird in Großbritannien um die Durchführung eines recht gesunden modernen, Ge­dankens gestritten. Zur Entlastung des britischen Unter- und Oberhauses und um eine bessere Berück­sichtigung der verschiedenartigen einzelnen Landes­interessen zu ermöglichen, vertritt die liberale Partei die Forderung, daß den einzelnen Ländern Selbst­verwaltung gewährt werde. Dadurch würde in Großbritannien ein ähnlicher Zustand wie im Deut­schen Reiche geschaffen, wo die einzelstaatlichen Par­lamente die Landesfragen und das Reichsparlament die Reichsfragen regelt.

Die entschiedensten Vertreter dieser Forderung sind von jeher die katholischen Irländer gewesen, die jahrhundertelang von den protestantischen englischen Gewalthabern geknechtet worden Jinb, bis unter O' Connels Weiser Führung eine freiheitlichere Aera für sie anbrach. Dem irischen Verlangen nach Homerule stehen aber bas englische Oberhaus unb bie pro­testantische Ulsterpartei als erbitterte Gegner gegenüber.

Im Unterhaus.ist für bie Homerule-Vorlage in allen brei Lesungen dieselbe beträchtliche Mehrheit eingetreten, sodaß nicht der geringste Zweifel darüber bestehen kann, daß auch die Mehrhest des Volkes für die Einführung von Homerule ist. Nichtsdestoweni­ger hat das Oberhaus nun schon zum zweiten Male in diesem Jahre die zweite Lesung der Vorlage mit großer konservativer Mehrheit abgelehnt und den Antrag angenommen, die Vorlage zuvor dem Ur­teil der Wählerschaft zu unterbresten. Die Lords ver­langen also zur Feststellung des Willens der Wähler Neuwahlen zum Unterhaus und scheinen sich da­von einen Sturz der liberalen Regierung zu verspre­chen. Damit kann jedoch, selbst wenn bte liberale Pattei einige Mandate einbüßen sollte, keineswegs ge­rechnet werden, denn die Regierungsmehrheit betrug bei der Annahme der Homerule-Vorlage im Januar dieses Jahres 110 und jetzt 109 Stimmen. Auch g e- g en den Widerspruch der konservatwen Mehrhest im Oberhaus wird die Homerule-Vorlage nach ihrer dttt- ten Einbringung und Annahme im Unterhaus Ge­setz werden, da das jetzige liberale Kabinett eine diesbezügliche Verfaffungsänderung durchgesetzt hat und die Sanktion des Königs aller Wahrscheinlichkeit nach nicht verweigett werden wird.

Auch vom konservativen Standpuntt aus wäre die Hattnäckigkeit der Lords den Forderungen der großen Mehrheit des Volks gegenüber unverständlich, würde man nicht konfessionellen Haß und Ras­senabneigung in Rechnung stellen, die von den Protestantischen Ulsterleuten im Norden Irlands auf unglaubliche Weise genährt und verbreitet werden. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die konservativen Lords von der Hetze der Ulsterpartei stark beeinflußt sind. Kaum glaublich klingen die Nachrichten über die Agitation und das Vorgehen der Ulsterleute und ihre offen zutage tretenden Vorbereitungen zu einem Bürgerkrieg.

Die protestantischen Orangemen in Ulster drohen der Regierung offen mit Revolution, wenn den Jr-

Aber Heuberger wich nicht. „Und wenn über mich, den Zyprianer, das Fegfeuer kommt", sagte er, „solang heute der Salvator aus dem Fasse springt, so lang weich ich nicht. Baherntreue soll auch hier zu ihrem Rechte kommen!" Und nachdem er den Krug geleert hatte, fuhr er fort: „Bedenk doch, Michael, daß der Salvator nur eine Woche lang fließt — dann müssen wir ihn 12 Monate missen. Da heißt es, chm beizeiten alle Ehre antun —"

„In sechs Wochen kommt der Maibock im Hof- bränhaus an die Reihe. Der ist auch nicht zu ver­achten!"

„Nein, Bruderherz! Dem wollen wir auch ganz energisch zu Leibe gehen. Ach, du, Michael, es ist halt doch schön in München. Immer ist was los, immer eine Gaudi, vom „Salvator" angefangen, über die Starkbierzeit hinweg, bis zum Oktoberfest und dann wieder zum Fasching! Immer treibt die Freude das große Rad des Lebens und schwingt ihre bunten Mahnen. Hurra — es lebe die Münchener Stadt!" —

Drüben am nächsten Tisch gab es ein kritisches Intermezzo. Einer der Gäste hatte ein spöttisches Wort über den Riesendurst der Münchner und ihre Vorliebe für Starkbiere und Kalbsharen fallen las­sen und dabei von einem „Biersumpf" geredet. Das wurde ihm gewaltig krumm genommen. Sofort streckten sich dem Missetäter ein halb Dutzend Fäuste entgegen und zornige Augen funkelten ihn an. „Sie, san S' ftaab, sonst kumtts sein, baß S' außifliag'n. Sie vermalebeiter Vreiß! —“

„Gott, bie Wahrheit bars man boch sagen!" er» toiberte ber Bedrohte.

To. schrie eine Stimme: „Haut ihn aufs Dach! — Der Gutmann ist's, der Geldagent! So 'n Hals­abschneider."

„Das verbitt' ich mir'" rief dieser.

„Nix hast dir zu verbitt'n, du g'scherter Rammcl, du!" Und Gutmann fühlte sich gepackt, gestoßen, ge­schoben, gepufft, bis er vom Tische weg und einge­keilt war. „Mit dir woll'n wir net an einem Tisch sitzen, du Bluatsakra, du! — lieber unser schönes Minken srozzeln, — na, dös gibt's net!" Und aufs

ländern Selbswerwaltungsrechte verliehen würden; sie sind die Nachkommen der englischen Unterdrücker, die die an ihrem Glauben festh astenden Irländer von chrer Scholle verjagt und versklavt haben; sie sehen heute noch mit Verachtung auf ihre katholischen Lands­leute herab und lassen sie ihren Haß und ihre Ge- ttngschätzung bei jeder Gelegenheit fühlen; sie treiben die widerlichste konfessionelle Hetze und ver­anstalten, wo es eben möglich ist, Krawalle mit den katholischen Mitbürgern. Zusammenstöße zwischen Orangistenbanden und irischen Nationalisten sind fast an der Tagesordnung. Wunder muß es nehmen, daß die Regierung gegen das revolutionäre Treiben der Ulsterleute nicht einschreitet und sich anscheinend im Glauben befindet, daß die Orangemen nur bluffen und einen Druck ausüben wollen. Diese Ansicht könnte verhängnisvoll werden, denn wsa den Führern vielleicht nur ein Bluff ist, wird der urteilslosen Gefolgschaft bitterer Ernst. Die katholischen Irländer haben jedenfalls das Recht, ge­gen die Rüpeleien der Ulsterrebellen geschützt zu wer- ben.

Dem braven Jrenvolk, bas so tapfer für seinen katholischen Glauben gelitten unb gestritten hat, Wünscht alle Welt, baß es enblich zur Ruhe komme unb chm bie Grundlagen geschaffen werden, auf denen seine kraftvolle Entwicklung sich weiter gestalten kann.

* Die Rüstungen der Großmächte.

Der neue ,Nauticus' enthält einen Ueberblick über die Rüstungen für Heer und Flotte Der Großmächte;

Rußland

England

Deutschland

Frankreich

Bereinigte Staaten Oesterreich (1912) Italien Japan (1912)

Ausgabe 1913 1 751670000 M.

, „ 1520398 000 „

„ , 1476097000 ,

„ „ 1178010000 „

_ „ 1017172 000 „

„ „ 611060 000 „

, „ 537100000 „

„ , 399112000 ,

Die höchsten Ausgaben für die Armee, auf den Kopf der Bevölkerung berechnet, hat Frankreich: 19,29 M.; daS Deutsche Reich folgt mit 14,94 M.; England mit 12,51 M.; Italien mit 9,45 Di.; Ruß­land mit 7,95 M.; Vereinigte Staaten mit 4,36 Mark.

Für die Marine werden aufgebracht in England 20,54 Mk. pro Kopf der Bevölkerung: in Frankreich 10,38 M.; im Deutschen Reich 6,92 M.; in den Bereinigten Staaten 6,14 Mk.; in Italien 5,85 M.; in Japan 3,74 M.; in Rußland 3,15 M.; in Oester­reich-Ungarn 2,95 Mark.

Ein Stärkevergleich der acht größten See­mächte nach dem Bestände am 15. Mai 1913 zeigt folgenden Kriegsschiffbesitz:

Große

Linienschiffe Panzerkreuzer Kampf­schiffe im Gesamt- im Gesamt- tm fertig Bau Deplaz. fett. Bau Deplaz. fett. Bau

England

63

15

1456060 42

2

633140

25

17

Ber. Staaten

33

6

684450 15

—

189540

8

6

Drutlchrs Reich 33

8

705 370 13

3

260 990

15

11

Frankreich

27

10

621 350 22

——

214960

8

10

Japan

16

4

468 830 14

3

25 590

5

7

Ruiiland

12

7

317800 6

4

194940

——

11

Italien

14

8

385 880 10

—

81120

1

8

Oester.-Ungarn 14

2

2O2 750 3

—

18995

2

2

Ferner verfügen bie Vereinigten

Staaten

über 9

Küstenpanzer schiffe, Deutschland über 8, Japan über 2; die Zahl bet geschützten Kreuzer beträgt in England 86 (Und 20 im Bau), in den '-Bereinigten Staaten 18, Deutschland 41 (6), Frank­reich 13 (3), Japan 18, Rußland 8 (8), Italien 10 (5), Oesterreich-Ungarn 8 (3); große Torpedoboote: England: 239 (44), Vereinigte Staaten 63 (13), Deutschland 142 (12), Frankreich 84 (3>, Japan

neue sah er sich von braunen, festen Fäusten be­droht.

Er blickte hilfesuchend um sich unb gewahrte ben Kommerzienrat. Da zuckte ein Hoffnungsstrahl über sein glattes Schelmengesicht. „Herr Kommerzienrat, Sie finb ein gerechter und mächtiger Mann und wer­den mich in Schutz nehmen!" rief er.

„Ich kenne Sie nicht", entgegnete dieser abwei­send. „Und überdies geschieht Ihnen ganz recht: warum verhöhnen Sie an einem öffentlichen Orte unser schönes München? Wenn Sie gelyncht toer­ben, tragen Sie selbst bie Schulb btiran. Ich rühre dabei kernen Finger für Sie."

„Bravo! bravo!" rief es int Kreise, und aufs neue gab es für den Sünder Stöße und Püffe. Dieser war erblaßt. Er klammette sich an Heubergers Stuhl an und zischte diesem ins Ohr: „Herr Kommerzienrat, nehmen Sie sich in acht! — Der Gutmann läßt sich nicht treten wie ein Wurm. Er krümmt sich. Er beißt- Und wenn der Gutmann redet, so kommt Ihr Sohn, der schöne Leutnant, ins Zuchthaus! — Weil er ein Wechselfälscher ist!"

Heuberger fuhr mit einem Schrei empor. „Du Schurke, du lügst!" schrie er und schüttelte Gutmann an bewert Schultern, daß ihm grün und blau vor den Augen wurde. Er begann um Hilfe zu schreien

Diese nahte auch in Gestalt von drei Schutzleuten, die in den Knäuel einbrangen unb Gutmann in ihre Mitte nahmen. „Sie sind Julius Gutmann?" fragte der eine.

„Ja, der bin ich! — Schützen Sie mich vor diesen Menschen."

„Tas tun wir! Kommen Sie nur ruhig mit uns, Herr Gutmann, denn — Sie sind verhaftet!"

Gutmann fühlte, wie sich zwei Fäuste gleich Eisen­zangen um seine Handgelenke legten, und erblaßte- „Das — das — ist ein Irrtum!" stammelte et. „Ich bin nicht der, d:n Sie suchen!"

„O doch! — Der Sekretär des „Klubs der Einsa­men" hat sich heute mittag erschossen. Man fand in seiner Tasche einen Brief von Ihnen, in dem Sie die Einlösung eines Wechsels von 80 000 Mark for-

53 (2), Rußland 95 (45), Italien 62 (13), Oesterreich. Ungarn 24 (27); kleine Torpedoboote: England 36, Vereinigte Staaten 8, Deutschland 70, Frank­reich 163, Japan 30, Rußland 25, Italien 59 (6 im Bau), Oesterreich-Ungarn 55; Unter fee boote: Eng­land 70 (25), Vereinigte Staaten 30 (20),Deutsch­land 23 (?), Frankreich 60 (15), Japan 13 (2), Rußland 30 (25), Italien 20 (4), Oesterreich-Ungarn 6 (8). Die Zahl der in Deutschland im Bau befind­lichen Unterseeboote wird nicht bekannt gegeben.

Deutscher Reich.

** Berlin, 22 Juli 1913. Aus Balestrand, 22. Juli, wird gemeldet: Der Kaiser unternahm gestern vormittag einen längeren Spaziergang. Nachmittags faiib ein Wettrudern statt. Um 6 Uhr abends traf der Feldjäger hier ein. Heute fft Tee und Tanz an Bord der „Hohenzollern", woran 132 Personen teil» nehmen. — Aus Berlin wird ber „Braunschweigischen Lanbeszeitung" gemeldet, die Reichsregierung Habs Auftrag für den Bau eines Luftschiffes als Er­satz für den bei Schneidemühl verunglückten „Schütte- Lanz" (S.-L. 1) erteilt. — Der „Reichsanzeiger" ver­öffentlicht eine Bekanntmachung des Reichsamts des Innern betreffend die Uebergangsbestimmungen zur Reichsversicherungsordnung, so wett sie sich in der Hauptsache auf die Ortskrankenkassen er­strecken. — Ferner wird ein Erlaß des Kriegsmini'' sters verösfentlicht, betreffend das Verbot für Unteroffiziere und Mannschaften der Armee, zur Ausübung des Gewerbebetriebes Bechilfe zu leisten, insbesondere durch Vermittelung oder Erleichterung des Abschlusses von Tauschgeschäf­ten, Versicherungsverträgen oder dergl. — Zu einer Meldung des „Petit Parisien", daß am letzten Sonn­tag in Nancy 12 Fahnenflüchtige verschie­dener Regimenter eingetroffen seien, die in die Frem­denlegion eingereiht zu werden wünschten, erfährt der Berliner Korrespondent der „Köln. Ztg.", daß an amtlicher Stelle von dieser angeblichen Maffensahnen, flucht nichts bekannt ist.

)( Wahlstatistik und Wahlreform. Wie die „Täg­liche Rundschau" hött, ist das gesamte Urmaterial der Landtagswahlen dem landesstatistischen Amte mit dem Auftrage überwiesen worden, es zu einer geeig­neten Wahlstatistrk zu verarbeiten. Das Er­gebnis dec statistischen Bearbeitung der Wahlziffern geht zuerst an das Ministerium des Innern und von diesem an das Staatsmmisterium. Man geht wohl nicht fehl, schreibt hierzu das obengenannte national- liberale Organ, wenn man diese Wahlstatistik als Vorarbeit sur die Beschaffung politisch-wissenschaft- lischen Materials für eine über kurz ober lang beab­sichtigte Resorm des preußischen Wahlrechts ansieht.

)( Eine Sondersteuer für Kraftfahrzeuge wirb, wie in Kreisen ber Automobilinbustrie mitgeteilt wirb, von ber preußischen Regierung geplant. Sie soll bie Heranziehung der Kraftwagenbesitzer zu den Wege- Unterhaltungskosten ermöglichen. Der Mi­nister des Innern und der öffentlichen Arbeiten haben an die Oberpräsidenten eine gemeinsame Ver­fügung gerichtet, in welcher diese um Beantwortung einer Reche von Fragen ersucht werden. Die Ober­präsidenten haben bis zum 9. September d. I. zu be­richten.

Auriand.

** Die Spionageaffäre Della Rocca. Im italie­nischen Kriegsmimsterium hält man den Fall des früheren Sektionschefs Morozzo della Rocca, der, wie schon gemeldet, Spionage zugunsten einer fremden Macht getrieben haben soll, größtenteils für die Aus­geburt einer überhitzten Phantasie. Es fei, sagt man,

betten unb mit Anzeige drohten. Nun hat ber Sekre­tär aber, ehe er zur Waffe griff, Sie angezeigt unb als ben gefährlichsten Wucherer Münchens bezeichnet. Die Durchsuchung Ihrer Wohnung, bie wir eben vor­genommen haben, hat so viel belastendes Material ergeben, daß sosott ein Haftbefehl ausgestellt wurde. Ja, Herr Gutmann, es wird eine schlimme Sache werden — schade, daß auch der Adel und das Offi­zierkorps in die schmutzige Geschichte verwickelt ist. Und nun kommen Sie gutwillig — Widerstand ist nutzlos. Draußen wartet schon der Wagen.

An den Tischen war es sttll geworden. Alles lauschte den Wotten des Kriminalkommiffärs und erst als dieser mtt seinem Gefangenen abzog, brach die Sturmflut der Schmähungen über den Verbrecher los. —

Heuberger sank stöhnend auf seinen Sessel. „Das Offizierkorps? — mein Maxl?" stammelte er. Seine Knie begannen zu zittern, seine Beine schmerzten, als ob ein Heer von Ameisen an chnen emporliefe. _ Die Worte Gutmanns standen wie mit Flammenschrift vor leinen Augen. „Mein Maxl — ein Wechfelfäl- scher?" — In seinem Hirn brauste es tote ein rau­schender Wasserfall; er toar nicht mehr fähig, zu den­ken und seine Hand suchte nach einem Halt- „Mi­chael — Freund, too bist du?" rief er in feiner Slot.

„Hier, Joseph — an deiner Sette!"

„Ein Auto! — Ich will nach Hause! — Nur rasch, rasch! —

Pirkheimer bezahlte, stützte den Freund und bat einen der Gäste, einen Chauffeur herbeizurufen —

Der Gatten leerte sich. Drinnen in der großen Halle tobte noch der Lärm; das laute Gehämmer der hölzernen Schlegel kündete an, daß das letzte ^aß angezapst wurde. Jeder wollte sich noch eine Maß des schäumenden Edelbieres erobern, erkämpfen. Ein mächtiger Ansturm begann gegen die hölzerne Burg der Schenke — und triumphierend jogen bte Glück­lichen, die sich einen vollen Krug erkämpft hatten, ab, um ihn sttll unb sinnierend — ober laut und lärmend zu leeren.