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2. Blatt.

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*•* Fuldaer Leitung.

M 16 7.

Dienstag 27. 3u!t 1915.

Aus Sem Uachbargebiete.

ht. Büdingen, 21. Juli 1913. Tas Bahn» projett Hanau-Büdingen ist endgültig gescheitert, da Büdingen seiner Verwirklichung besonders großen Widerstand entgegensetzte. An die Stelle der Bahn wollen die beteiligten Gemeinden nunmehr eine aus­gedehnte Automodilverbindung treten lassen. Dahin­gehende Verhandlungen sind bereits eingeleitet.

h. Hanau, 21. Juli 1913. In sämtlichen hiesigen Etuifabriken wurde heute infolge vorr Lohnstreitrg- keiten den Arbeitern gekündigt. — Die 12jährige Tochter des Fuhrwerksbesitzers Bender trank nach dem Genuß von Stachelbeeren mehrere Schluck Wasser. Sie mußte ihre Unvorsichtigkeit mit dem Tode büßen.

* Gießen, 21. Juli 1913. In der Aula der Universitär faub am Samstag eine von Vertretern der Regierung, von Professoren und Aerztcn aus dem Großherzogtum zahlreich besuchte Versammlung zwecks Gründung eines L.uwesausschusses zur Ersorfchung und Bekämpfung der lkred skran kheit statt. Nach einem ißotli».' des Professors Lr. Ovitz-Greßen, „über

I Praxis wohl kaum jemals Vorkommen dürste, ergibt | Einen Prozentsatz von 91 Proz. zur Beurteilung der I Abgangsziffer nach dem Rezept des Verfassers. 'Bis- I hex war und ist es üblich und zutreffend, den ftei- I willigen Abgang dem überhaupt vorhande>i»l B e- I st a u d e gegenüberzustellen. Hiernach betrug bei der Leokasse der freiwillige Abgang im Jahre 1912 2,43 Prozent, em Prozentsatz, der so gering ist, Ktz nur I sehr wenige Vollsversicherungen ihn aufweisen I können.

I 6. Die Behauptung, die Leokasse habe keine G c- I winnbeteiligung der Versicherten, ist eine direkte Unwahrheit. Es ist dcnl Artikelschreibcr an-

I scheinend unbekannt, daß der den Versicherten zufal­lende Gewinn auch zur Erhöhung der Versicherungs-

I sunime verwendet werden kann. Für Versicherte, welche frühzeitig sterben, ist diese Art der Gewinnbe-

I teiligung sogar weit vorteilhafter, als die von der Bolksfürsorge angewendete Art der Aufsparung und

I Verzinsung. _ Den Versicherten der Leokasse kommt I der ganze erzielte Gewinn, ausschließlich zugute. Bis­her wurde das Sterbegeld von Mark 75 nach mehrfacher Steigerung auf Mk. 96 — also um bis-

I her 28 Pro;. — erhöht, und nicht von 90 auf 96 Mk., I wie der Verteidiger der Volksfürsorge kühn behauptet. I Bei der dcinnächstigen Festsetzung, die satzungsgemäß I alle fünf Jahre stattfindet, wird zudem eine weitere ganz beträchtliche Summe für die Erhöhung verwen­det werden. Wie skruppclws der Artikelschreiber diese falsche Behauptung,. die Leokasse hat keine Gewinn­beteiligung der Versicherten, aufgestellt hat, zeigt übrigens die einfache Tatsache, daß er die Bestim­mung des § 34 der Satzung nur bezügl. der gesetzli­chen Vorschrift für Gegenseitigkeitsvereine wegen Deckung eines cventl. Fehlbetrages ausschlachtet, da­gegen die Vorschrift über die Gewinnbeteiligung in das gerade Gegenteil verkehrt. Zudem, wozu ift denn der Gewinnfonds von 194 000 Mk. angesammelt? — Gegen die Herabsetzung der versicherten Summen | schützen die Versicherten die vorsichtig gewählten und j in 17fähriger Tätigkeit als durchaus gesund bewähr­ten Rechnungsgrundlagen der Leokasse, während die Bolksfürsorge hierfür erst noch den Beweis zu erbrin­gen hat.

7. Daß die Prämienreserven den Ver­sicherten für die Erfüllung übernommener Verträge haften, ist kein besonderer Vorzug der Volksfürsorge, sondern allen Lebensversichreungen durch Gesetz auf­erlegt. Daß ferner der Organisationsfonds von 200 000, Mark für die Verträge der Volksfürsorge haften soll, ist jedenfalls neu und nur anscheinend Privatansicht des Artikelschreibers. Der Organisa­tionsfonds hat doch, wie schon sein Name sagt, zu ganz anderen Zwecken, nämlich zum Ausbau der Organisation und zur Ausbreitung des Geschäftes zu dienen. Uebrigens wird, wie die Erfahrung lehrt, der geringe Betrag von 200 000 Mark des Organisa- tionsfonds bald aufgebracht sein, sodaß für die Er­füllung der eingegangenen Verbindlichkeiten nur das Aksienkapital von 100 000 Mark verbleibt. Bei dem nach den Ansichten der Volksfürsorge voraussichtlich bald vorhanoenen gewaltigen Versicherungsbcstand will aber auch dieses Aktienkapital nicht viel bedeuten.

Der Artikel der sozialdemokratischen Presse be­weist, daß seinem Verfasser noch sehr viel Sand in den Augen klebt, er mag sich nur angelegen sein las­sen, ihn bald zu beseitigen und erst durch praktische Erfahrungen zu lernen, daß die „Volksfürsorge" praktisch genau so verfahren wird, was er bei der Leokasse als verwerflich und unhaltbar heute hin­stellt.

Diese Proben sozialdemokratischer Weisheit mögen unseren Lesern zeigen, wo tatsächlich mit allen Mit­teln, auch den verwerflichsten der Lüge und Ver­leumdung gearbeitet wird, und sie mehr noch wie bis­her anspornen, der Volksversicherung ihre Aufmerk­samkeit zu schenken dadurch, daß sie die einzige auf katholischer Seite demgegenüber in Betracht kom­mende Leokasse als Volksversicherung für den katho­lischen Volksteil einführen und ausbreiten helfen.

lieber die Einrichtungen der Volksfürsorge mit ihren „selbstlosen" Bestimmungen wird später noch ein Näheres zu sagen sein, für heute mögen die vor­stehenden Proben sozialdemokratischer Kampfesweise genügen.

I die Strahlenbehandlung bösartiger Geschwülste, ins, besondere mit Radium und Mesothorium", wurde eir hessischer Landesoerein für Krebsforschung mit dem Sitz m Gießen gegründet. In den Landesausschuß wurden 19 Herren gewählt, die zum 1. Vorsitzenden | Dr. Opitz wählten.

I k. Schwanheim a. M., 21. Juli 1913. Unter dem Versprechen der Heirat schwindelte der Drogist Barth einem Dienstmädchen 2303 Mark ab und verschwand damit. Jetzt wurde der Schwindler iu Frankfurt verhaftet.

ss. Griesheim a. M., 21. Juli 1913. Der Streik oer Bauarbeiter ist beendet; auf allen gesperrten Betrieben wurde die Arbeit wieder ausgenommen? dagegen dauert der Ausstand in Scbwanheim und Hof heim fort.

ht. Rödelheim, 21. Juli 1913. Nach langen Irr» sahrten hat eine nach hier verkaufte Kuh ihren neuen Besitzer gefunden. Schuld daran trug der Begleiter des Tieres, ein landfremder Mann, der vergessen hatte, ob er das Tier nach Flörsheim ober Hofheim ober Sossenheim ober Rödelheim ober sonst einem — heim bringen sollte. Der arme Kerl war schon in verschiedenen — heims gewesen unb landete nach langen Irrfahrten in Griesheim, wo er den treuen Vierfüßler kurzerhand im Stich ließ und iu ein Land ohne die sinnverwirrenden »Heims" wanderte. Nach mancherlei Rundfragen kam bann auch die Kuh nach hrer.

s. Friedrichsdorf i. T., 21. Juli 1913. Die von der hiesigen etwa 200 Seelen umfassenden katholischen Gemeinde erbaute Kapelle ift soweit fertiggestellt, daß sie im August eingeweibt werden kann.

II. Vilbel, 21. Juli 1913. Gestern abend über­raschten die hiesigen Gendarmen in der Nähe von Harheim zwei Ziegeleiarbeiter beim Wildern; beide führten Jagdgewehre und zahlreiche Patronen bei sich. Die Wilddiebe wurden nach kurzer Gegenwehr über­wältigt und dem hiesigen Gefängnis zugeführt. Heute früh wurde noch eine dritte Person als des Wilderns verdächtig verhaftet.

* Walldorf (Hessen), 21. Juli 1913. Vor 150 Jahren wurde hier als Sohn eines Metzgers Johann Jakob Astor, der Begründer der bekannten ameri­kanischen Milliardärsfamilie Walldorf-Astör, geboren. Als er sich durch Pelzhandel ein großes Vermögen erworben hatte, stiftete Astor in seiner Heimat eine Anstalt für Arme und Unterstützungs­bedürftige, in der bis zu 40 Personen Unterkunft finben können. Dafür wurde ihm in Walldorf ein Denkmal gesetzt und jetzt aus Anlaß des 150. ®e» burt-tages des Wohltäters eine Feier veranstaltet. William Walldorf-Astor, das gegenwärtige Haupt der Familie und Ehrenbürger von Walldorf, erhöhte bie (Stiftung um 50000 Mark.

Aus Oberhessen u. den Hess. Aemtern.

* Aus dem Kreis Kirchhain, 21. Juli 1913. Der schon so oft beklagte trostlose Zustand unseres O h m- f l u sses ist seit Jahrzehnten der alte, Noch ist keine merkliche Verbesserung an den schlimmsten unb gefährlichsten Zuständen geschaffen worden. In der Gemarkung der Kreisstadt soll, dem Vernehmen nach, in Verbindung mit der Verkoppelung der Grund­stücke auch die zeitgemäße Regelung der Wasserläufe bewerkstelligt werden. Es sind dies die Ohm, die Wohra und die Klein, die bei Kirchhain sich ver- einigen und hier immer starke lleberschwemmungen hervorgerufen haben. So läßt sichMrhoffen, daß für Kirchhain die schädlichen lleberschwemmungen in ab­sehbarer Zeit aufhören werden. Es bleibt dann aber immer noch das höchst rückständige Stück von der Brückermühle bis zum sogenannten alten Wehr be­stehen. Dieser Flußteil — die alte Ohm benannt — ist sicher eines der schlimmsten iieberschwemmungs- gebiete und befindet sich in einem solchen Zustande der Unzulänglichkeit und Vernachlässigung, der kaum schlimmer gedacht werden kann. Bei starkem Hoch­wasser wird das ganze Tal überschwemmt und steht dann oft Wochen- und monatelang unter Wasser. Die Ohm tritt hier bei nur einigermaßen starkem Regen über die Ufer und bringt den anschließenden Ge­markungen schädliche lleberschwemmungen. Möge endlich Wandel zum Besseren eintreten.

* Ziegenhain, 21. Juli 1913. Sonntag abend st arb hier im 75. Lebensjahre einer unserer ältesten und angesehensten Mitbürger, der Maurermeister G. £>. Ditzel. lieber 30 Jahre lang bekleidete er dal Amt eines Stadtverordneten.

* Bürgeln, 21. Juli 1913. Der hiesige Einwoh­ner Joh. Höck wurde während einer militärischen Hebung am letzten Tage von einem Geschütz über­sah r e n und getötet. Der erst zwei Jahre ver­heiratete Mann hinterläßt Frau und Kind.

1! Mendorf, Kr. Kirchhain, 21. Juli 1913. Heute feierten die achtbaren Eheleute Bahnwärter a. T Andreas Hisserich und Theresia, geb. Müller, tu geistiger und körperlicher Frische ihre golden Hochzeit. Wie vor 50 Jahren, knieten sie wieder an den Stufen des Altars, um G"" danken und

III. Vom Schießplatz Ohrdruf zurückgekehrt sind gestern die aktiven Mannschaften, welche zu den übenden Reservisten und Landwehrleuten komman­diert waren. Dre Uebungsmannschasten sind vom Schießplatz aus in ihre Heimat entlassen worden.

(*) Aus dem deutschen Turnfest in Leipzig sind einem hiesigen Turner 130 Mark in der Straßen­bahn verloren gegangen. Alle Bemühungen, sie wieder zu bekommen, sind ergebnislos gewesen.

-y- Obstverkauf. Bei der gestrigen Versteigerung des an der Sandhohle, Bachrainerstraße, Petersberger« weg, Niesigerstraße, am Frauenberg, Sickelser«, Löher- und Truchseßstraße, im Irrgarten unb in her Baum­schule befindlichen städtischen Obstes wurden insgesamt M3,50 Mark erlöst.

= Ermittelt. Vor einigen Tagen wurde aus der Labenkasse eines Geschäfts am Schweinemarkt ein kleiner Geldbetrag gestohlen. Als Täter wurde ein 16 jähriges Bürschchen ermittelt, das den Diebstahl eingestand.

Schöffengericht. Ter 17jährige Fürsorgezög­ling A. S. von Gichenbach, bereits wegen Diebstahls wiederholt vorbestraft, stahl als Hausbursche bet einem hiesigen Bäckermeister im Juni d. Js. aus einem Hause in der Kurfürstenstraße ein Paar Schnür­schuhe und erhält dafür drei Wochen Gefängnis. — Der Hüttner C. G. von Wiesen hatte aus Bosheit auf dem Grundstück des W. B. zwei Obstbäume gänzlich unb an einem dritten mehrere überhängende Aeste abgesägt. Der Schaden wurde auf 150 Mark geschätzt. Das Gericht verurteilte ihn zu 40 Mark Geldstrafe. — Der 27 jährige Schlosser I. D. von Petersberg hat sich wegen körperlicher Mißhandlung einer Kellnerin zu verantworten. Bei einem Wirtshausstreit soll D. der Kellnerin mit einem Stock eine blutende Wunde am Kopf beigebracht haben. Die Verhandlung mußte vertagt werden, da D. die Tat nicht bestimmt nachgewiesen werden konnte.

». Laudarmenpflege und das Korrigendenwesen. Die Landarmenpflege im Bezirksverband des Regierungs­bezirk Kassel hatte im verflossenen Jahre einen Rech­nungsabschluß von 543057,83 Mk. in Einnahme und Ausgabe, die Korrektions- und Landarmenanstalt in Breitenau außerdem einen solchen von 81 568,96 Mark zu verzeichnen. Die Ersatzleistungen an ilimen« verbände betrugen 70638,22 Mark, die Verpflegungs­kosten 89 960,30 Mark, ferner wurden gezahlt für bie Heilanstalt zu Marburg ein Zuschuß von 33 533,30 Mark unb für Privatanstalten ein solcher von 269 991,53 Mark. In der Korrektionsanstalt Breite­nau waren im Jahre 1912 insgesamt 372 Personen, darunter 59 weibliche, untergebracht.

* Der Rechnmigsabschluß der Landes-Versicherungs- ! anstatt tzessen-Rastan ergibt für bas Rechnungsjahr 1912 eine Einnahme von 13 942 621,64 Mark, der eine Ausgabe in der Hauptsache für Rentenleistungen und Heilverfahren von 12 641343,31 Mark gegen« übersteht, sodaß ein Bestand von 1301278,33 Mark als Ueberschuß ausgewiesen werden kann. In der Bilanz wird ein Vermögen von 67537 715,64 Mark aufgeführt, das in der überwiegenden Hauptsache in Wertpapieren angelegt ist.

□ Zur Wetterlage schreibt die Weilburger Wetter­dienst-Stelle: „Die vor einigen Tagen ausgesprochene Hoffnung auf bessere Witterung dürfte sich langsam erfüllen. Westlich von Großbritannien ist zum ersten Male wieder seit langer Zeit ein stärkeres Hoch auf« getaucht. Seinem schnellen Vordringen setzt zwar noch ein großes nordeuropäisches Tief Widerstand entgegen, I sodaß die Besserung nut ganz allmählich erroar« I tet werden darf. Immerhin ift Aussicht darauf in I den nächsten Tagen porhandeu." Hoffen wir, daß die I Prophezeiung diesmal sich erfüllt, wir sind jetzt lange I unb oft genug genarrt worden. Es wäre ja schreck- I sich, wenn es 7 Wochen regnen wollte, nachdem am I Siebenschläfertag (27. Ium) Regen fiel. Der Land- I mann blickt bekümmert zum Himmel, als suche er die I Sonne, bie in diesem Sommer bisher ein so seltener I Gast gewesen ist. Das Korn steht gut unb kräftig auf I dem Halme, aber es kann nicht reifen, weil Die Sonne ehlt. Sonst standen um diese Zeit schon die Garben I aus dem Felde und heute kann noch niemand an's I Schneiden Der Frucht denken.

* lieber das Erdbeben vom Sonntag mittag sind noch verschiedene Meldungen aus der engeren und weiteren Umgebung Fuldas eingegangen. Je nach den örtlichen Verhältnissen machte sich das Beben I stärker oder geringer bemerkbar. Von größeren Un- I fällen ift auch bis jetzt nichts verlautet. Interessant ist eine Mitteilung des Ballonfahrers Direktors Otto I Neumann, der mit feinem Ballon „Tillie II" wäh- I rend des Erdbebens unterwegs war, daß das Erd­beben auch in der Höhe wahrgenommen worden ist. I Tie Lusrschiffer befanden sich um 1 Uhr in etwa I 700 Dieter Höhe über Pforcheim. Plötzlich hörten I die Korbinsassen ein starkes Rollen, das wie der Nach- I hall schwerer Artilleriegeschütze klang. Das Geräusch I konnte von keinem Gewitter herrühren, da es von I unten und nicht von oben kam; es war nur einige Se­kunden vernehmbar, dann wurde es wieder still in der Luft. Im Ballon „Frankfurt", den Herr Robert I Marburg führte, wurden die gleichen Wahrnehmun­gen gemacht Als die Luftschiffer in der Nähe von Göppingen niedergingen, wurden sie durch die ein- gestürzten Schornsteine über die Ursache jenes Rol­lens aufgeklärt. I

(*) Die „Schwäbischen Singvögel". Das berühmte, I überall gern gehörte Vokal-Doppel-Quartett vom Königl. I Hoftheater Stuttgart wird sich auch bei uns auf der I Echloßgarten-Terraffe oder im Stabtfanl am Freitag, I den 25. Juli b. I. mit einer Auslese von Quartetten I v. Mozart, Haydn, Mendelssohn, Lorying :c., sowie mit schwäbischen Volksliedern im Schmuck der farbenfrohen I Landestracht hören lassen. Dem Quartett wurde vom I Kaiserl. Botschafter in Wien volle Anerkennung, nament- I sich für den Vortrag der Herz unb Gemüt erfreuenden I Volkslieder in schwäbischer Mundart, gezollt.

Amt Geisa und Umgebm^.

* Dermbach, 21. Juli 1913. DemHilfs-Komitee sind zur Unterstützung bet durch das Hochwasser Ge­schädigten weiterhin 3376 Mark 65 Pfg. zur Verfügung gestellt worden.

& Unterwaid, 19. Juli 1913. An der Tür des Amtszimmers des hiesigen Bürgermeisters ist folgen­des zu lesen: „Wer hier schimpft, hat Unrecht." Dieses Sprichwort ist an sich ja ganz richtig, jedoch wohl zu allgemein gehalten. Passender wäre viel­leicht folgendes: „Kritisieren kann jeder Bauer, besser machen, das ist sauer!"

!! Stadtlengsfeld, 21. Juli 1913. Wie unS von zuständiger Seite mitgeteilt wird, hat das evangelische Pfarramt hier bei der Beerdigung des Katholiken Pedrazzi weder das Trauergeläute anfangs verweigert, noch hat bie Witwe des Verstorbenen mit dem Ueber- fritt zur katholischen Kirche gedroht. — Ter Vorfall war zuerst in Eisenacher Blattern mitgeteilt worden, in Denen bisher eine Richtigstellung nicht erfolgte

* Dorndorf, 21. Juli 1913. An den Folgen einer Operation starb der Lokomotivführer Joh. Rutscher, allgemein der „alte Putscher" genannt. Er war eine besonders im Feldatal bekannte und be­liebte Persönlichkeit und der älteste Führer der Feldabahn, denn von Anbeginn an war er bei bet' selben bedienstet.

* Roßdorf, 21. Juli 1913. Die gestern hier oam landwirtschastl. Bezirksverein veranstaltete Ausstel­lung von Rindern, Ziegen, Geflügel und Kaninchen, sowie lanbroirtfdjaftl. Maschinen hatte einen zahlreichen Besuch auszuweisen. Auch Vertreter der Meiningischen Staatsregierung statteten der Ausstellung einen Bo such ab.

! Tt. Zentralfterbekasse Leo und die sozialdemokratische „Bolksfürsorge".

Unter dem Titel: „Zentralsterbekasse Leo und die Bolksfürsorge" macht zurzeit ein Artikel durch die gesamte sozialdemokratische Presse die Runde, — Dgl. auch Frankfurter Volksstimme — um die seitens der katholischen Vereine begonnene und durchgeführte Aufklärungsarbeit über den wirklichen Charakter und die eigentlichen Zwecke der Bolksfürsorge wirkungs­los zu machen, und besonders die von den genannten Vereinen geförderte Einführung der Leokasse nach Möglichkeit zu hemmen. In dem genannten Artikel wird in echt sozialdemokratischer Weise mit direkten Verdrehungen und falschen Angaben operiert, um die Leokasse als äußerst minderwertig und der Volksfür­sorge absolut nicht gewachsen hinzustellen. Bezeich­nend für die sozialdemokratische Kampfesweise ist be­reits die Einleitung des Artikels, wo es heißt:

Die hinter der Leokasse stehenden Herren führen den Kampf gegen die „Bolksfürsorge" — wie sie selbst in Artckeln und Flugschriften erklären — mit allen Mitteln, auch den verwerflichsten, der Lüge und Verleumdung.

Für diese Behauptung bleiben die Genossen aber, trotz ihrer beliebten Art, zu zitieren, in diesem Falle den Beweis schuldig.

Bei Besprechung der Aufnahmebedingungen der Leokasse bezeichnet es sodann der Artikelschreiber als eine mittelalterliche Bestimmung, daß in die Leo­kasse nur Mitglieder katholischer Vereine aufgenommen werden dürfen, und daß beim Aus­scheiden aus einem solchen Verein auch die Zugehörig­keit zur Leokasse endige. — Abgesehen davon, daß diese Vorschrift die Genehmigung des Kaiserlichen Auf­sichtsamtes in Berlin gefunden hat, hat der Artikel- fchreiber dabei übersehen, daß es sich bei der Leokasse eben um eine Einrichtung der katholischen Vereine handelt, und daß es keinen Zweck hat, sich mit einem Genossen darüber zu unterhalten und auseinanderzu­setzen, weshalb diese Besttmmung aufgenommen ift. Daß die Leokasse dazu noch die Verbandskasse der katholischen Arbeiter- und Knappenvereine West­deutschlands ift und schon aus diesem Grunde eine diesbezügliche Bestimmung enthalten muß, weil in vielen Fällen die Vereine die Leokasse obligatorisch eingeführt haben und die Beiträge zur Leokasse zah- fai, ift dem Kritiker des Genossenblattes natürlich unbekannt. Daß die „Volksfürsorge" alle Personen aufnimmt, ist wohl selbstverständlich; würde sie sich lediglich auf die Mitglieder der freien Gewerkschaften und Genossenschaften beschränken, so würde damit der bestrittene, tatsächlich aber verfolgte Zweck der „Bolksfürsorge", neue Stützpunkte nach von Elm im Volke zu gewinnen, von vornherein ausgeschaltet fein. — Im übrigen darf festgestellt werden, daß tatsäch­lich den der Leokasse beigetretenen Mitgliedern bei einem Ausscheiden aus einem katholischen Verein die Möglichkeit geboten wird, direkt ihre Beiträge an die I Zentral st eile zu zahlen, lediglich die irn Verein selbst bestehende Zahlstelle ist berechtigt, nicht aber :einmal verpflichtet, die fernere Entgegennahme der -Beiträge abzulehnen und die Uebertoeifung nach Köln I zu veranlassen.

Zu den sonstigen Ausstellungen an den Satzungs- I Vorschriften ist noch folgendes zu bemerken:

1. Es ist selbstverständlich, daß eine Vvlksver- I sicherungsunternehmung Personen mit lied erli- I ch em Lebenswandel nicht aufnehmen kann, I toenn sie anders nicht die Interessen der übrigen Ver- I sicherten schädigen will. Auch die „Volksfürsorge" wird dies nicht tun. Trinker und arbeitsscheue Per- I fönen, um nur einige Beispiele anzuführen, sind I keine geeigneten Risiken für die Lebensversicherung. I Wenn daher die Leokasse in ihren Bedingungen die I Aufnahme solcher Personen ausdrücklich aus'schließt, so tut sie nur etwas, was die übrigen Anstalten in der Praxis auch tun, ohne dieses besonders zu er- | wähnen.

2. Daß im Jahre 1912 in 638 Fällen die A u f- »ahme abgelehnt sei, weil die betreffenden I Personen keinen achtbaren Lebenswandel geführt ba- I Ben, ist eine willkürliche Annahme des Artikelschrei­bers, da der angezogene Jahresbericht ausdrücklich I wörtlich hierüber sagt: „Die nicht immer ordnungs­mäßige Beantwortung der gestellten Fragen in dm Aufnahmeanträgen gab in 638 Fällen Anlaß zur Beanstandung bezw. Ablehnung." Eine ärgere Ver­drehung ist Wohl nicht gut möglich, zumal die meisten der beanstandeten Anträge nach ordnungsmäßiger Beantwortung der vorgeschriebenen Fragen des Ans- I nahmeantrages anstandslos aufgenommen wurden, und nur in einigen Fällen, wo vorhandene Krank- I beiten, wie Lungenspitzenkatarrh usw. die Aufnahme I einfach unmöglich machte, die tatsächliche Ablehnung I erfolgte. Daß auch die Volksfürsorge keine notorisch I leidende und kranke Personen aufnehmen wird, braucht Wohl nicht besonders betont zu werden, jeden- I falls stellt diese vom Artikelschreiber aufacstellte falsche I Behauptung die Urteilsfähigkeit des Verfassers in das I rechte Licht.

3. Ebenso verhält es sich mit dem Vorwurf, daß I die Leokasse bei Versicherungen über 500 Mk. ein ärztliches Attest verlangt, um sich vor lieber« I raschungen und Ausbeutungen zu schützen. Einem .Unternehmer wegen dieser Vorsichtsmaßregel einen Vorwurf zu machen, ist doch wohl der Gipfel der Ab­surdität, umsomehr, als die Leokasse gar keine Warte- I jeit als Sicherungsmaßregel wie die „Volksfürsorge" vorgesehen hat.

Wie entgegenkommend übrigens gerade die Leo- kaffe verfährt,'zeigt eben Die bemängelte Tatsache, daß sie von der Vorschrift, v- zweifelhaften Fällen ein I ärztliches Gesundheitsattest zu verlangen, im Jahre 1912 in 41 Fällen keinen Gebrauch gemacht und sich I mit der Wartezeit begnügt hat.

4. Die bemängelten Aufnahmegebühren fließen nicht der Leokasse als solcher zu, fordern stehen den Kassierern der einzelnen Zahlstellen zu. In den mei­sten Fällen werden überhaupt keine ober doch nur sehr geringe Aufnahmegebühren gezahlt; besonders bei Neueinführung wird meistens eine einschreibefreie Zeit den Mitgliedern eingeräumt.

5. Tas Verhältnis des freiwilligen Ab­ganges an Versicherten zum Gesamtabgang zu er­mitteln, blieb der Weisheit des Artikelschreibers Vor­behalten. Als ob die freiwillig Ausscheidenden mit den Gestorbenen irgend etwas zu tun hätten! Man denke sich nur folgendes Beispiel für die Volksfür­sorge: Es würde ihr gelingen, im ersten Jahre 100000 Versicherte zu erhalten, davon scheiden im zweiten Jahre 10 durch den Tod und 100 freiwillig durch Kündigung aus, also ein verhältnismäßig sehr geringer Abgang. Der freiwillige Abgang würde hier­nach bei der Bolksfürsorge 91 Proz. des Gesamtab­ganges ausmachen, ein Prozentsatz, wie er bisher noch bei keiner Volksversicherung zu verzeichnen war. Welch ein Unsinn! Ein freiwilliger Abgang von 1 pro Mille der überhaupt Versicherten, wie er in der

Lokales.

Fulda, 22. Juli 1913.

# Bclliehen wurde dem bisherigen Bürgermeister Ritzel zu Roßbach im Kreise Gelnhausen, dem Gc« meinderechncr Schneider zu Hüttengesäß, dem Orts« diener Schmidt zu Langenselbold und dem pensio­nierten Eisenbahn-Weichensteller Sondergeld zu Unterhaun im Kreise Hersfeld das Allgem. Ehrenzeichen.

-4- Beschlußunfähig. Zu der für den gestrigen Abend anberaumten Stadtverordnetensitzung waren außer dem 1. Beigeordneten, Herrn Halbleib, nur 15 Mitglieder des Kollegiums erschienen, sodaß der Stadtverordnetenvorsteher, Herr Justizrat Gegen- baur, die anwesenden Stadtverordneten nach 20rninu- tigem Warten wegen Beschlußunfähigkeit der Ver­sammlung wieder heimschicken mußte. So ganz glatt ging dies jedoch nicht ab. Aergerlich über die "ver­geblich aufgewendete Mühe schlugen einige Stadtver­ordnete vor, daß den säumigen Kollegen mal das Gewissen aufgerüttelt werde. Meistens seien es die­selben Herrn, die durch Abwesenheit glänzten und sich gleich sür das ganze Jahr Ferien nähmen. Es sei dies ein bedauerlicher Mangel am Empfinden für die Interessen der Allgemeinheit, wie der Stv.-Vor­steher erklärte, der voll und ganz mit dem gemachten Vorschlag einverstanden war Es fei allerdings ein Fehler, daß hier nicht auch, wie in andern Städten, offizielle Ferien vorgesehen feien, vieler Mangel ent­schuldige jedoch keineswegs die Säumigen. Die­jenigen Herren, die den Sitzungen dauernd so wenig Juterqff» entgegenbrmgen, sollen einstweilen durch ein Handschreiben an ihre Pflicht gemahnt wer­den, wenn das keinen Erfolg habe, müsse man nach den gesetzlichen Bestimmungen gegen sie vorgehen. Wer das Amt eines Stadtverordneten annehme, müsse auch die Bürden und Lasten dieses Amtes tragen.

△ Haussammlunge«. Don zuständiger Seite wird daraus hingewiesen, daß alle Anträge auf Gestattung von Haussammlungen für das Jahr 1914 mit dem vorgeschriebenen Kollekteuorganisationsplan spätestens bis zum 1. August d. I. unmittelbar an den Herrn Oberpräsidenten in Kassel einzureichen sind. Bei Kollekten, die sich über den hiesigen Bezirk hinaus auch auf den Regierungsbezirk Wiesbaden erstrecken sollen, sind für jeden Bezirk getrennte Anträge einzu­reichen. Anträge, die nach dem 1. August eingehen, können nur dann Berücksichtigung finden, wenn die Kollekten zur Beseitigung eines Notstandes dienen sollen und die Anträge nicht vorher eingcreicht werden konnten. J