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Fuldaer Leitung

- ~ Wochen-Vesiage: s 5 f n 5 ITlonats-Behage: 2 s Illustrierte Sonntagszeitung Zuldaer Seschichtsblütter s Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Klaffen-Lotterie« — halbjährlich Taschenfahrplan« n

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(rftDelni »stgstch mit Nusncthme der Sonn- und Zeierioge. viertel- jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda sowie auswärts 1.50 mark. —• Rotationsdruck und Oerlag Oer - - julöaer fltfien6rudterei In Julöa. Fernsprecher Nr. 9. : S

Nr. 167« Crftes Blatt

Dienstag den 22. Juli 1913.

40. Jahrgang.

K Bier Jahre Reichskanzler.

Am 14. Juli 1909 ist Herr v. Bethmann. Hollweg, nach dem Bülowbankerott, zum Reichs­kanzler ernannt worden. Der Jahrestag dieses Er­eignisses ist sonst nicht besonders gefeiert worden. Aber der nationalliberale Prof. Metger gibt heute noch nachträglich in der Berliner .Nationalzlg' einen Rückblick auf die vierjährige Amtstätigkeit des Reichs­kanzlers.

Der Aufsatz Metgers ist insofern beachtenswert, als er wieder einmal den Beweis liefert, wie zäh­lebig die alten Vorurteile sind und wie sehr die her­gebrachten Schlagworte den Tatsachen Troy bieten können. Heute noch, nachdem soeben das große Be­steuerungswerk gegen die Konservativen durch gesetzt worden ist, versichert uns Herr Metger mit der größten Gemütsruhe, Herr o. Bethmann habe sich 1909 bereit erklärt, im Sinne der neuen konser­vativ-klerikalen Mehrheit zu arbeiten, und dieses Programm habe er im wesentlichen innege­halten!

Diese kühne Behanptung widerspricht erstens den Tatsachen, zwestens der Tugend der Dankbarkeit. In Wirklichkeit hat nämlich Herr v. Bethmann-Holl- weg während dieser Zeit auf die nationalliv erale Partei mehr Rücksicht genommen, als auf die Konser­vativen oder gar das Zentrum.

Auch im Punkte der preußischen Wahl- res orm. Herr Metger wird geradezu aktenwidrig, wenn er Herrn v. Bethmann nachsagt, er habe sich in der Wahlfrage den Wünschen der Konservativen gefügt. Nein, der Gesetzentwurf zur Abänderung des preußischen Wahlrechts scheiterte schließlich des­halb, weil die Regierung mit Hilfe des Herrn v. Schorlemer-Lieser im Herrenhause ein Amendement durchdrückte, das den nationalliberalen Wünschen und Interessen zu weit entgegenkam. hätte Herr v. Bethmann nur halbwegs ini Banne der „konservativ-klerikalen Mehrheit" gestanden, so würde er das Kompromiß angenommen haben, das die Rechte mit dem Zentrum im Abgeordnetenhause geschloffen batte. Er schloß sich aber den natio­nalliberalen Gegnern dieses Kompromisses an und ließ zu deren Ehre die Reform scheitern.

Auf weitere Einzelheiten, z. B. die elsaß-lothrin- zische Berfaffungsfrage, wollen wir nicht näher ein­gehen. Es genügt der Hinweis auf die jüngsten Deckungsgefetze, um vollständig klar zu stellen, däß Herr v. Bethmann Hollweg nicht im konserva- tiven Schlepptau hängt. Bon entscheidender Bedeutung war bekanntlich die Bereitschaft der Re­gierung, auch die Witwen- und Waisensteuer, das Lieblingsgesetz des Liberalismus, gegebenenfalls aus den Händen einer Linksmehrheit anzunehmen. Die Abwehr dieses größeren Uebels war ein starker Antrieb für das Zentrum, eine Verständigung über eine anderweite Deckung mit den Nationalliberalen herbeizuführen. Soweit die Liberalen auf diesem Gebiete einen Erfolg erreicht haben, sind sie Herrn v. Bethmann Hollweg zu Dank verpflichtet. Er hat tatsächlich auf die nationalliberale Partei m e h r Rücksicht genommen, als auf die konservative.

Was nun das „klerikale" Stück des angeb­lichen Bethmann'schen Programms angeht, so ar- beftet Herr Metger zunächst mit der alten Behaup­tung, daß Herr v. Bethmann „dem Vatikan ge­genüber nicht immer die Rechte des Staates energisch benug gewahrt habe. Das ist nicht richtig; wir er­innern nur an das scharfe Vorgehen gegenüber der mißverstandenen Borromäus-Enzyklika. Vollends komisch wird Herr Metger, wenn er dem Reichskanz­ler einen Borwurf daraus macht, daß Herr v. H e r t- l i n g bayerischer Ministerpräsident geworden ist.

Das Münchner Kinöl.

46] Roman von Felix Nabor.

„Ich bedauere sehr, Dir nicht dienen zu können. Es wäre endlich an der Zett, das Spiel aufzugeben und vernünftig zu werden, sonst. ist's dein Ruin. Ich will dir aber ein letztes Mal entgegenkommen. Hier nimm diese Brieftasche — ich habe mir das Geld darin erspart, um mir eine neue Segel-Jacht zu lausen. Nun bringe ich sie dir zum Opfer."

Er grüßte kühl und verließ das Kontor.

Max war wütend;^ er zählte die Banknoten und lachte verächtlich. „Fünftausend Mark — solch eine Bagatelle! — Das reicht kaum zu einem anständigen Souper, zum Frühjahrsmeeting und einer Spritztour in die Berge. Na ja, in Dreikuckucksnamen, dann muß eben Papa bluten."

Der Kommerzienrat wetterte zwar ein bißchen; aber seinem schönen, lieben Maxl konirtx er nicht zürnen. Er leerte den Inhalt seiner Privatkaffe und gab Max das Geld. — Dieser nahm es mit bitter­süßer Miene, danfte in überschwenglichen Worten und 9* Als er die Treppe hinabstieg, dachte er: „Es reicht noch lange nicht, es fft kaum die Hälfte des Betrages, den ich brauche. Was tue ich nur?" — Und mit einem energischen Nicken des Kopfes schloß er: „Nun ja, wenn ihr mich dazu zwingt, dann muß ich eben zu Gutmann/'

Er schlug den Weg zum Viftualienmarkt ein, den er nur in „allerhöchster Not" aufsuchte. Ihm ekelte vor den üblen Gerüchen, vor den dicken, ratschenden Marktweibern und dem schlüpfrigen Pflaster. Aber seit einem Jahre war ihm das hohe, schmale Haus des Agenten Gutmann in einer der engen Seiten­gassen wohlbekannt. Und ebenso vertraut war ihm der mächtige Geldschrank in dem düsteren Kontor, in dem auch bei Tag die Gasflammen brannten. Gut­mann begrüßte den Leutnant mit einer gewissen Ver­traulichkeit, die diesen ärgerte; aber was wollte er machen? Er war nun einmal in den Händen dieses Mannes, und wußte auch, daß Gutmann niemals einen freigab, der ihm einmal in die Hände geraten war. Güt»«ann machte übrigens keinen üblen Ein-

Als ob Prinzregent Luitpold und seine Nachfolger sich die Ministerpräsidenten von Berlin aus vor­schreiben lassen müßten! Herr Metger ist sodann von einer Vergeßlichkeit, die hart an Undank grenzt: er verschweigt vollständig die kulturkämpferische Großtat, die leider unter der Aera Bethmann vollzogen worden ist: die neue verschärfende Auslegung des Jesuitengesetzes. Das allein genügt doch wahrlich, um Herrn v. Bethmann von dem Verdacht „klerikaler" Änwandelungen zu schützen! Oder verlangen die Kulturkämpfer noch mehr?

Durch diese Bemerkungen wollen wir nur der Geschichtsfälschung vorbeugen. Zu einer abschließenden Kritik über die Tätigkeit d-s Herrn v. Bethmann Hollweg ist die Zeit noch n ft gekom­men. Bor der Hand ist nur festzustellen, daß er die Erwartungen der konservativen Partei und des Zentrums vielfach enttäuscht hat und im letzten Grunde den Nationalliberalen näher steht, als den anderen Parteien.

Deutsches Reich.

i Berlin, 21. Juli 1913. Der.Reichsanzeiger' veröffentlicht die Verleihuna der Königlichen Krone zum Roten Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub an den Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Wirkl. Geh. Rat Kühn. Man geht wohl nicht fehl, wenn man diese Ordensverleihung mit der Verabschiedung der Steuervorlagen in Verbindung bringt. — Der Bun- desrat hat im Hinblick auf den Ablauf der Handels- vertrage, die mit Ausnahme des Vertrags mit Frank- reich auf Ende 1917 gekündigt werden können, be- schloffen, eine Durchsicht des Zolltarifs vorzu- nehmen. Es wird dabei keine durchgehende Um- gestaltung beabsichtigt; die Änderungen sollen sich vielmehr auf das Nötigste beschränken.

+ Beteranenfürsorge. Mit dem Beginn des nächsten Vierteljahres treten die Bestimmungen des Gesetzes über die Gewährung der Beihilfen an Kriegsteilnehmer in Kraft. Es erhöhen sich danach die Beihilfen von jährlich 120 auf 150 Mark. Eines besonderen Antrages, dieser Erhöhung teilhaftig zu werden, bedarf es nicht. Den Witwen der Beihilfenempiänger werden die Bezüge der Verstorbenen vom 1. Oktober ab für die auf den Sterbemonat folgenden drei Mo­nate beiassen; die Zahlung erfolgt in einer Summe im voraus. Das neue Gesetz erweitert aber auch den Kreis der für Beihilfen empfangsberechtigten Kriegs- teilnehmer, und aus diesem Grunde sind die neuen am 1. Oktober in Kraft tretenden Bestimmungen für manche Kriegsteilnehmer, denen bisher eine Beihilfe nicht zugesprochen war, von Bedeutung. Denn die Beihilfen werden in Zukunft bei vorliegender, nicht nur auf vorübergehender Ursache beruhenden Unter- stützungsbedürstigkeit gewährt, unabhängig von dem Nachweis brt Erwerbsunfähigkeit. Zuwendungen Dritter werden bei der Prüfung der wirtschaftlichen Lage deS Antragstellers nur insoweit berücksichtigt, als sie auf rechtlichen Verpflichtungen beruhen. Auch solche Reichsangehörigen, die infolge früherer Staats­angehörigkeit im französischen Dienst in oder vor den Jahren 1870/71 an kriegerischen Unternehmungen teilgenommen oder in dänischen Diensten die Kriege von 1864 mitgemacht haben, haben Anspruch auf die Beihilfen für die Kriegsteilnehmer, sofern die Voraus- setzungen des Geietzes voiliegen.

t*) Weitere Staatsmittel zur Förderung der Land­arbeiter. Nach Berliner Blättern dürf.en im näcbnen preuglichen Staatshaushalte weitere Mittel für die Förderung und Vermehrung der Landarbeiter bereit« gepellt werden Es werde geplant, bet den Land­

druck; er war . mit einer gewissen Eleganz gekleidet, sprach korrekt hochdeutsch und hatte das Aussehen eines Biedermannes, mit einer leichten Neigung zunl Spott. Das kam wohl daher, weil er sich all denen, die hier zu verkehren gezwungen waren, überlegen fühlte.

„Womft kann ich dienen, Herr Leutnant?" fragte er und bot Max einen Stuhl an.

„Ich brauche Geld, selbstredend," erwiderte Max. „Papa ist krank und schlecht gelaunt, sodaß ich ihn nicht inkommodieren mag." — Und während er sprach, überlegte er, ob er nicht einen „großen Schlag" wagen sollte, um endlich einmal aus der lächer­lichen Misere herauszukommen. Wenigstens wollte er einen Versuch machen. „Wieviel borgen Sie mir gegen meine Unterschrift, Gutmann?" fragte er. —

Der Agent zuckte die Schultern und schwieg.

„Also nichts!" sagte Max Heuberger zornig. „Dann zum Kuckuck, geben Sie mir dreißigtausend auf unsere Villa am Starnbergersee. Sie kennen sie doch? Sie ist unter Brüdern fünfzigtausend Mark wert. — Und schuldenfrei."

„Es ist ein Risiko, Herr Leutnant. Aber ich will es wagen. Schreiben Sie das Nötige Herr Leut­nant. "Hier ist Schreibzeug und Papier."

Nach Verlauf einer Viertelstunde zahlte Gutniann 20 000 fflcarFan Max Heuberger aus, so daß dieser fast erschrocken ries: „Aber es fehlen noch zehntau­send, Gutmann!"

„Nein, es stimmt. Sie haben die Zinsen, die Spe­sen und das Risiko vergessen!"

„Zum Teufel, das ist mir doch ein bißchen zu dick!"

„Dann tauschen wir die Werte um."

„Nein, nein!" rief Max und steckte das Geld zu sich. Aber dann dachte er an das Kostüm, ^st, an Olympias Frühjahrstoilette und einige dringende Schulden, und sagte sich, daß er unbedingt noch 50 Mille brauche.

„Können Sie mir fünfzigtausend Mark verschaf­fen, Gutmann?" fragte er. „Aber es müßte rasch ge­schehen."

„Sie können die Summe in zwei Stunden haben, wenn Sie mir dieses W chselformular mit der Unter­schrift Ihres Herrn Vaters bringen." —

Wirtschaftskammern die Anstellung von besonderen Geschäftsführern für das Landarbeiterwesen vorzu- tthen. Ferner dürfte» der Ausbau der Arbeitsnach­weise und der Rechtsauskunftsstellen aus dem Lande, desgleichen die berufliche Ausbildung der Landarbeiter und die ländliche Wohlfahrtspflege weitere Förderung erhalten.

* Eine Ente. In verschiedenen Blättern erschien Ende voriger Woche die Meldung, daß eine Neu- besckaffung der Artillerie binnen kur,em bevorstände. Den Anstoß hierzu sollte eine Rede des Bbg. Häusler im Reichstag am 9. April d. Js. gegeben haben, in der er das Artilleriematerial als modernen Anforderungen nicht mehr entsprechend bezeichnet hatte. Ganz abgesehen davon, daß der Abg. Häusler in derselben Sitzung dem bayerischen Generalmajor Wenninger gegenüber, seine Worte gewissermaßen berichtigend, die deutsche Artillerie als die beste der Welt bezeichnete, wird dem «Tag' jetzt auch von zuständiger Seite auf Anfrage mitgeteilt, daß im Kriegsministerium weder eine Neubewaffnung noch eine Umbewaffnung der Artillerie in Aussicht genommen ist.

*. Das Prinzen-Znterview Zu den angeblichen Aeußerungen eines Prinzen über die österreichisch- ungarische Balkanpolitik schreibt das amtliche »Dres­dener Journal':

Wie wir von zuständiger Seite erfahren, steht Se. König!. Hoheit der Prinz Max, Herzog zu Sachsen, dem Artikel „Ein deutscher Prinz über die Balkanwirren" in der .Wiesbadener Zeitung' und den darin erhobenen Angriffen aus die österreichisch-ungarische Balkanpolitik fern. Es handelt sich vielmehr um eine indiskrete, mißverständliche und tendenziöse Wiedergabe eines gelegentlichen, nicht für die Presse bestimmten, ganz privaten Meinungsaustausches zwischen Sr. Königlichen Hobest und einem ihm bekannten Herrn über beiderseitige persönliche Eindrücke und Erinnerungen aus Reisen auf dem Balkan. Daß die König!. Sächsische Regierung dem erwähnten Artikel der,Wiesbadener Zeitung' vollständig ser steht, ist schon früher zum Ausdruck gekommen.

Der Prinz scheint mindestens in der Auswahl seines Gesprächsteilnehmers nicht vorsichtig genug ge­wesen zu sein.

(♦) Ein großes Resormationsjubiläum soll im Jahre 1917 zum Gedächtnis des 400jährigen Bestehens des Protestantismus gefriert werden. Man hat nun be­schlossen, zur Feier dieses Jubeljahres eine Luther- Millionenspende auszubringen und diese für die neuen und neu zu gründenden protestantischen Schulen in Oesterreich, also einem wesentlich propagandistischen Zweck zu verwenden. Die Sammlung dafür hat bis jetzt schon 180000 Mk. eingebracht, so daß es wohl gelingen dürste, die Million zusammenzubrmgen. Zu den bestehenden zehn Arbeitsausschüssen ist jetzt ein elfter in Hamburg gekommen. Man bittet im allge­meinen um Bausteine von je 100 Mark, doch werden Beiträge von 99—1 Mark auch nicht abgelehnt.

♦ lieber die Hypotheken»»! wird der,Küln. Ztg., von sachverständiger Seite geschrieben:

„Bor allem hat der Mangel an jeglicher Organisation den Hypothekenmarkt so hilflos gemacht. Hier ist der Punkt, wo die Städte einzeln oder in Verbänden ein­greifen könnten, ohne ihren eigenen Kredit allzusehr an­zuspannen und ohne ernste Risiken einzugehen. Eine solche Organisation wäre in etwa folgender Weise zu denken: Eine Vermittlungsstelle für zweite Hypotheken wird als Aktiengesellschaft gegründet. Die von den be­teiligten Städten zu übernehmenden Aktien werden mit 25 Prozent emgezahlt, während die restlichen 75 Prozent eine Reserve für den Notfall darstellen. Die Vermittlungs­stelle bat die Ausgabe, die Darlehnsgesuche und die per« 'örtlichen Verhältnisse des Suchenden zu prüfen und tn 'ländiger Fühlung mit den berufsmäßigen Hypotheten- Vermittlern, Bankiers und Banken zu bletben, dte durch Provinonsametle für die Vermittlung zu interessieren sind. Vor allem aber kann die Aktiengesellschaft dem

Max starrte auf das Blatt, das Gutmann mit seiner schönen, steilen Schrift ausfüllte, faltete und ihm zuschob.

Max steckte es in den Aufschlag seines Tiantel», erhob sich und sagte: „Ich spreche um sechs Uhr wieder vor." — Und eilte davon. —

Er traf seinen Vater nicht zu Hause; man sagte ihm, er habe sich in die Fabrik fahren laffen. Da saß Max am Schreibtisch seines Vaters und schrieb immer zu deffen Namen auf ein weißes Blatt, bis er täuschend ähnlich war. Und mit einemmal stand dieser Name mit dem genialen Schnörkel auf dem Wechsel.

Gutmann löste ihn anstandslos ein. Max hielt 50 000 Mark in der Hand und hatte in seiner Auf­regung gar nicht beachtet, daß der» Wechsel auf 70 000 Mark lautete.

XIII.

Wieder schlug der Fasching seine hohen Wellen in der Münchner Stadt. Der Höhepunkt aller Freude war diesmal ohne Zweifel das große Kostümfest im Deutschen Theater, 6d dem die vornehmsten Kreise mitgewirkt hatten. Nach dem Urteil Sachverstän­diger übertraf es fogar die berühmten Künstlerfeste; dafür endete es aber auch mit einem Defizit von 100 000 Mark. Der Umstand, daß Max, Heuberger mit einem Münchner Künstler die oberste Leitung übernommen hatte, ließ zum voraus einen solchen Ausgang erwarten. Beides, der durchschlagende Er­folg, wie das riesige Defizit, imponierten den genuß- frohen Münchnern und alle jene, die keinen Zutritt zu dem Feste erhalten hatten, staunten es aus der Ferne an tote ein Märchen hinter kristallnen Manern.

Mar Heuberger aber war der Held des Tages. Er hatte bei dem Kostümfest die Rolle irgendeines fabelhaften Prinzen gespielt; sein Bild prangte in zahlreichen Kunsthandlungen im Schaufenster und zierte als Vollbild verschiedene illustrierte Zeitschrif­ten.

Der Stolz des Kommerzienrat? Heuberger feierte in diesen Tagen seinen höchsten Triumph. Trotz seiner Gicht und des abscheulichen Schmutzes der Straßen und Trottoirs ging er von einer Kunst­handlung zur andern, bewunderte die Bilder seines Lieblings, lauschte auf die Reden der Umstehenden.

Geldgeber gegenüber die Ausfallgarantie für die ver­mittelten Hypotheken übernehmen. Solche Garantie- Verpflichtungen kann sie natürlich nicht unbeschränft anhäufen; aber Garantiesummen in Höhr deS drei- bis fünffachen Aktienkapitals erfcheinen nicht ungesund. Die Vermittlunasstelle hat ferner die pünktliche Zinszahlung zu überwachen, die belasteten Objekte regelmäßig auf etwaige Wertverminderung zu beobachten und überhaupt alles zu tun, was fachgemäß zur Sicherung des Geld­gebers getan werden kann. Die Berwaltungskoften sind nicht hoch zu veranschlagen, da im wesentlichen die Mitglieder städtischer Körperschaften ehrenamtlich tätig sein würden."

* Ei» wirkliches „Muster"-Ländle. Aus Baden wird berichtet: Der .Sinsheimer Landbote' brachte diese» Tage folgende Meldung:

„Zum Beweis, daß es mit dem Vaterlandsgefühl bei gewissen Leuten noch recht windig aussieht, sei folgendes Beispiel der Oeffentlichkett anheimgestellt: In einem Ort unseres Bezirks hat ein dort angestellter junger Herr — laffen wir seinen Beruf unerwähnt — am Geburtstage unseres Großherzogs statt der üblichen Landesflagge das an einem Bohnen­stecken befestigte Leintuch an seiner Wohnung aus­gehängt."

Wie die .Badische Warte' dazu erfährt, handelt es sich um den Lehrer einer Gemeinde in der Uv- gebung von Sinsheim, der zur Verspottung der mo­narchisch gesinnten Bevölkerung am Geburtstag« des Großherzogs ein Bettuch als .Flagge" her­aussteckte. Auch die von einem Hauptleh^r diri­gierte Musikkapelle desselben Orte- hat sich von de» Geburtstagsfeier des Großherzogs ferngehalten, Man steht, der Parteichef der badischen Großblock« liberalen, Oberschulrat Rebmann,der zugleich der Vorgesetzte der badischen Lehrerschaft ist, macht in der badifchen Schule — Schule!

----- Köln, 21. Juli 1913. Vor kurzem war von mehreren Blättern behauptet worden, Führer der, christlichen Gewerkschaften hätten sich bei der' letzten päpstlichen Enzyklika in aller Heimlichkeit der Kurie unterworfen und den deutschen Bischöfen Ver­sprechungen gemacht, die im unmittelbaren Wider­spruch zu ihren öffentlichen Aeußerungen auf dem Essener Kongreß gestanden hätten, insbesondere die evangelischen Mitglieder seien hintergangen worden. Wie das Zentralblatt der christlichen Gewerk- Ichaften nunmehr mitteilt, wird gegen sämtliche Blätter, die diese Beschuldigungen weiter verbreitet haben, gerichtliche Klage angestrengt werden. Die Vertrauens­männer der christlichen Gewerkschaften werden auf- 'geiordert, alle in Frage kommenden Zeitungen dem Generalfekretariat m Köln einzusenden.

d" München, 21. Juli 1913. Die Rotblockprefft jubelt, weil bei der Nachwahl in Weilheim der Zentrumskandidat Amtsrichter Emminger nur mit schwacher Mehrheit gewählt worden ist. Sein Man­datsvorgänger, Abg. Frhr. v. Thünefeld hatte 14 852 Stimmen erhalten; auf Amtsrichter Emminger sind in runden Zahlen bloß 11500 Stimmen entfallen. Der Stimmenverlust des Zentrums beträgt somit annähernd 3300. Demgegenüber steht ein Gewinn des Bauernbundes von ca. 3500 Stimmen. Die Liberalen verlieren rund 630, die Sozialdemokraten 400 Stimmen. Das Zentrum hat nur mit 300 Stimmen über die absolute Mehrheit gesiegt. Um dieses Wahlergebnis richtig würdigen zu können, muß man vor allem bedenken, daß Frhr. v. Thüne­feld seit dem Jahre 1898 den Wahlkreis Weilheim vertreten hat. Er siegte damals mit 7519 Stimmen über den Bauernbund, der 5575 aufbrachte. Der Bauernbund war also schon 1898 ein nicht zu unter­schätzender Gegner. Im Jahre 1903 erhielt Frhr. v. Thünefeld 9777, der Bauernbund 5926 Stimmen. Seither änderte sich aber dieses Stimmenverhältnis gewalttg, denn 1907 stieg die Stimmenzahl Thune-

und wenn so ein Paar süße Münchner Kindlu den „schönen Max" anschwärmten, hätte er ihnen am liebsten zugerufen: „Schaut's, das ist mein Sohn!"

Max selber war nicht so zuversichtlich. (£r haf­tete für ein Fünftel des Defizits und überdies War­in seiner Kasse tiefste Ebbe; es blieb Ihm nichts an-- deres übrig, als seine Zuflucht wieder zn Gutmann zu nehmen, bei dem seine Schulden ti geradezu be»; ängstigender Weise anwuchsen. Ein heimliches Ge-' fühl der Furcht dämpfte den stolzen Siogesjubel, den- der glänzende Erfolg des Kostümfestes in seiner Brust; entfesselt hatte. In Anbetracht des Ii tzteren hatte ihm sein Vater eine ganz ansehnliche Summe au§- geworfen, aber für Max war das nur ein Tropfes- Wasser auf einen heißen Stein!

Wochenlang zehrte der Kommerzienrat von dem Ruhme seines genialen Sohnes und an den Stamm­tischen, denen er verpflichtet war, begann nun schon, ihn ein wenig aufzuziehen; aber das genierte ihn nicht im mindesten und als ihm einer seiner Freunde den Bären aufband, es sei eine indische Prinzessin mit einem Waggon von Perlen und Diamanten extra nach München gereist, um den schönen Max zu er­obern und als König in ihr fernes Sonnenreich zu entführen, da lachte er vergnügt und sagte: „Das kann wohl noch kommen, daß mir mein Maxl ein« Prinzessin als Schwiegertochter zuführt!" —

Frau Marguerite war in dieser Zeit viel allein; ihr Freund Pirkheimer, den ihre seltsame Leiden­schaft für Edelsteine frappiert hatte, mied eine Zett lang das Heubergersche Haus, in dem Unfriede* und Zwietracht Einkehr gehalten hatten; aber fotoo^ der Kommerzienrat, wie auch Frau Marguerite be^'urm- ten ihn solange mit Bitten, bis er wieder regelmäßi­ger Gast im Hause war. Geduldig hörte er ihre bei­derseitigen Klagen an und suchte zwischen ihnen zu vermitteln; aber der Riß wurde immer größer, fett Heuberger es abgelehnt hatte, seiner Frau einen let­tenen Schmuck, den sie in einer Auslage gesehen hatte, und der gegen 50 000 Mark Miete, ju laufen. „Du wärest imstande mich zu ruinieren, sagte er. „Heute willst du einen Schmuck, morgen etn halb Dutzend Roben aus Paris, int Sommer eine Villa in Garmisch. Ich bin kein Krösus und schlage dir diese Dinge ein für allemal rundweg ab."

_©o behandelst du deine Frau!" rief sie zarmg