3. Blatt
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Zuldaer Leitung. *>
D Zur 60. Generalversammlung bet Katholiken Deutschlands in Metz.
«nr -ebn Jahren hat das heilige Köln die Ehre nebabt baS goldene Jubiläum der Generalver- faSungm der KathoMen Deutschlands zu feiern. De^ alten Hefte Metz, die ehedem wegen ihrer Un- menge von Lerchen und Klöstern auch als heilig gelten konnte ist es beschreden, die diamantene c^nbelreier 'dieser so wichtigen Veranstaltungen zu beheben. Darum rüstet sich auch die Bürgerschaft mft "ifL «-off und der Gcmeinderat hat dem Lokal- komitee die Summe von 12 000 Mk. bewMgt.
2taf der Festhalle hat vor einigen Tagen der reickacschmückte Baum verkündigt, daß das Richtfest «feiert wurde. Mächtig und edel erhebt sich der Bau, von dem demnächst Abbildung und Beschreibung erscheinen werden. Er wird seine Weihe erhalten durch die drei hl. Mesien, die am Sonntag, 17. August, in ihm gefeiert werden.
Die Eröffnung der Generalversammlung findet bekanntlich jetzt bereits am Sonntag statt. Der Herr- liche, akustisch so günstige Terminussaal wird diese erste geschlossene Versammlung sowie die übrigen aufnehmen. Auch werden in ihm die französischen öffentlichen Versammlungen abgehalten, mit Ausnahme der letzten, die Mittwoch abend 8 Uhr in der großen Festhalle tagen wird. Die Abhaltung der deutschen Versammlungen erleidet durch die Veranstaltungen in französischer Sprache keine Aend-erungen; hem Präsidium des Katholikentages erwächst allerdings dadurch eine Vermehrung der Lasten.
Dem Fest zu g bieten sich, was Aufstellung und Wege anbelangt, m Metz große Leichtigkeiten. An der neuen Moselanlage, unterhalb der Esplanade, wird die Ehrentribüne errichtet. Die Teilnehmer am Zuge sowohl wie die Zuschauer werden jenen wunderbaren Ausblick auf das Moseltal und den St. Quentin genießen, von dem bereits Alexander v. Humboldt so entzückt war. Neben Deutschland wird besonders auch Luxemburg im Zuge vertreten sein.
Der Hauptgedanke der Tagung wird die Erinnerung an den Sieg und das Edikt Konstantins sein. Dieser Gedanke ist denn auch auf der Vorderseite der Mitgliedskarte zum Ausdruck gebracht worden. Ein Fahnenschaft, an dessen Spitze im Lorbeerkranze das Christusmonogramm hängt, durchbohrt den heidnischen Drachen, der wutschnau^ bend den Schaft zu durchbeißen sucht. Auf dem purpurnen Fahnentuch, das in der Form des römischen Vexillums gehalten ist, nimmt das Medaillon des Kaisers Konstantin die Mitte ein, während rechts und links Papst Melchiades, der Zeitgenosse Konstantins, und Papst Pius X. ihn umgeben. Die oberen Ecken tragen die Jahreszahlen 313 und 1913; die Ungeheuer, auf denen die Zahlen ruhen, deuten die feindlichen Brächte an, die damals tobten und auch heute noch tätig sind. Unten in zwei Feldern erblickt man weithin ^>t. Peter mit den Kolonnaden und die Metzer Kathedrale. Gelb und rot, die Farben Lothringens, sind es, die aus diesem Zehnfarbendruck am meisten hervorragen. Der Entwurf stammt von Zeichenlehrer Calixt Remy in Metz.
Neben Kaiser Konstantin wird auch der Gesellenvater K o l p i n g, der vor 100 Jahren geboren wurde, gebührend gefeiert werden. In den übrigen Reden werden, unter Beiseitelassung alles dessen, was trennen könnte, die wichtigen Fragen der Gegenwart besprochen. Insbesondere werden auch wieder Drei Morgenversammlungen mit freiem Eintritt ftattfhr. den: am Montag über die christliche Schule, am Dienstag vom Volksverein, am Mittwoch über die Biissionen.
In den nächsten Tagen erscheint der Führer durch Metz, der den Mitgliedern umsonst geliefert, an Nichtmitglieder aber zum Preise von 60 Pfennig einschließlich Porto abgegeben wird. Er ist von Museumsdirektor Prof. Kenne verfaßt und kann Wohl als das Beste gelten, was bisher über Metz erschienen ist. Unter den gleichen Bedingungen wie der deutsche Führer wird auch der Führer in französischer Sprache abgegeben.
Auch das Festblatt wird in doppelter Fasiung erscheinen, das deutsche in zehn Nummern, das französische in fünf Nummern. Dieses kostet 50 Pfg., jenes 1 Mark, ohne Bestellgeld. Die Post nimmt jetzt bereits Bestellungen an.
Wegen Bestellungvon Karten möge man sich beeilen. Mitgliedskarten für Herren, mit Berechn ttgung zu allen Sitzungen, zum Führer sowie zum umfangreichen Bericht, kosten 7.50 Mark. Teilnehmerkarten für Herren, nur zu den öffentlichen Versammlungen berechtigend, kosten 5 Mark. Dasselbe Recht gewähren die Damenkarten, die aber außerdem
Unpolitische Zeitkäufe.
N. Berlin, 17. Juli 1913.
(Nachdruck nicht gestattet.)
Wenn ein moderner Mensch eine Erholungsreise unternimmt, so bindet er sich immer Bleikugeln ans Bein: sein Gepäck. Er glaubt, es sich und seinen zivilisierten Mftmenschen schuldig zu sein, daß er bat halben Hausrat mitnimmt. Schachteln, Körbe und Koffer toerben vollgepfropft. Möglichst viel ba- bon nimmt man ht bas Eisenbahnabteil mit; bei dem Schleppen unb Verstauchen gerät man selber in Schweiß unb bie Mitreisenden in Aerger. Während der Fahrt gibt es einen lieblichen Zeitvertreib, wenn bald der eine, bald der andere Koffer herabgeholt und durchgesucht und wieder hinaufbalanziert wird. Wenn die Nachbarn einige Stöße oder Hühneraugentritte bekommen, so sagt man auf gut Deutsch Pardon. Nun, bie Leute finb ja froh unb dankbar, wenn ihnen kein Gepäckstück auf den Kopf fällt unb nicht etwa eine der schlecht verwahrten Flaschen das Abteil zu einer Tropfsteinhöhle mach.*
Was der Kulturmensch braucht, muß er auf der Reise bei sich haben. Aber braucht er denn wirklich all das Zeug, was da zusammengepackt ist?
Ja, wenn du mit deiner gnädigen Frau in ein erstklassiges Weltbad reifen und dort unter der „feinsten Blüte der internationalen Gesellschaft" eine Rolle spielen willst, dann brauchst du allerdings eine Reihe von Toiletten mit einer Unmasse Zubehör. Das wäre aber keine Erholungsreise, sondern eine Protz- und Hetzreise. Wer nur Erfrischung und Behagen sucht, der macht sein Gepäck möglichst leicht unb klein.
Von Zett zu Zett steht in den Zeitungen immer toiebet em Klagelied über das schlechte Aussehen der deutschen Touristen, die in ihren Jägerhemden und sonstigen saloppen Kleidungsstücken umherliefen und elend abstächen von den fein gekleideten Engländern, Franzosen, Amerikanern. Gewiß, man muß immer saub er angezogen sein, auch auf der Reise, und ein brrrchschwitztes Wollhemd gehört nicht an die Sveise-
einen numerierten Platz zusichern. Studentenkarten, die zu allen Sitzungen Zutritt gewähren, kosten 4 Mark, eine Zuschlagskarte für einen numerierten Platz 1 Mk. Zuschlagskarten für Herren kosten 4, 3 oder 2 Mark, je nach Block und Nummer des Platzes. Karten für das Festmahl am 21. August kosten 5 Mark das trockene Gedeck.
Am Schluß sei noch aus die Festschrift „Lothringen unb seine Hauptstadt" aufmerksam gemacht, die zwar nicht offiziell vom Lokalkomitee herausgeqe- ben wird, aber doch alle Empfehlung verdient. SX> gen der unerwarteten Ausdehnung des Textes ist der Preis mit dem Erscheinen des Werkes auf 3 Mark festgesetzt worden. Es ist eine Prachtschrift, gediegen im Inhalt, schön in der Ausstattung, mit Karten, Tafeln, Textbildern und Vignetten reich versehen; nur die Unterstützung von Stadt, B^irk und Privaten hat die Herausgabe und den billigen Preis ermöglicht.
Wohnungen besorgt Herr Beigeordneter Konrath, Metz, Stadthaus.
Altarkarten (täglich 50 Pfg.) versendet Herr Erzpriester Müller, Metz, Ziegenstraße; Angabe des Tages notwendig.
Alle sonsttgen Bestellungen sind an Herrn Bankier C. Reumont, Metz, Posfftraße 2, zu richten; Postscheckkonto 5025 Karlsruhe.
wochen-Nundschau.
s:s Fulda, 18. Juli 1913.
Zwei Reichstagsersatzwahlen haben stattgefunden, deren Ergebnis der Linken des Reichstages die unbestrittene Mehrheit verschasft. Durch die Wahl des 111. Sozialdemokraten Ewald im Wahlkreise Jüterbog-Luckenwalde an Stelle des bisherigen Vertreters, des Reichsparteilers von Oertzen, und des Bauernbündlers Dr. Böhme im Wahlkreise Salzwedel-Gardelegen an Stelle des bisherigen Abgeordneten, des Konservativen v. Kroecher, hat die Linke mit insgesamt 200 Stimmen das Uebergewicht über die Rechte erlangt, die jetzt nur noch über 197 Sitze im Reichstage verfügt. Für die Parteien, die sich nicht ins Fahrwasser der Sozialdemokratie begeben wollen, ergeben sich aus dem Ausfall dieser beiden Ersatzwahlen ernste Lehren. Einmal, daß auf dem Lande mehr als bisher politische Schulung und Aufklärung verbreitet werden muß, um der rührigen Agitation der Sozialdemokratie dortselbst einen Damm zu setzen, bann aber auch, daß bie Rechtsparteien sich nicht mutwillig isolieren dürfen, wenn sie ihre eigenen Interessen nicht schwer schädigen wollen. Die von den Linksparteien bei den letzten Reichstagsersatzwahlen befolgte Taktik gibt den übrigen Parteien einen deutlichen Fingerzeig, wie sie sich in Zukunft bei Neuwahlen unb Ersatzwahlen zu verhalten haben. Eine weitere Schwächung der Rechtsparteien wäre im Hinblick auf die bevorstehenden Kämpfe um bie Erneuerung unseres Zolltarifs verhängnisvoll. Gerade diese Erwägung müßte die Konservativen zur Einsicht bringen, daß ihre jetzige durch den Streit um bie Besitzsteuer hervorgerufene isolierte Stellung ein schwerer politischer Fehler ist.
Diese Erkenntnis dürfte ihnen um so leichter, werden, als sie jüngst noch in einer offiziösen Erklärung attestiert erhielten, daß die neue Steuergesetzgebung weit mehr noch als es geschehen ist, eine für _ die Konservativen unerfreuliche Gestalt hekommen hätte, hätte auch das Zentrum, wie es von konservativer Seite gefordert wurde, gleich den Konservativen Prinzipienretterei getrieben. In dürren Worten läßt nämlich der Reichskanzler in der „Nordd. Allgem. Ztg." mitteilen, daß die Regierung, die im Jahre 1909 von ihr vertretene reine Erbschaftssteuer nicht cingebracht habe, obwohl sie sich durch diese Einbringung manche Schwierigkeit im Bundesrat erspart hätte, daß die Regierung aber andrerseits dem Verlangen, jeder reinen Erbschaftssteuer von vornherein ein Unannehmbar entgegenzusetzen, nicht nachgegeben habe. Es ist nicht schwer, auf diese Erklärung sich einen Reim zu machen. Sie besagt eben ganz trocken, daß der Regierung auch die Witwen- und Maisensteuer genehm gewesen wäre, wenn eine andere aus besonderen Rücksichten auch ihr genehmere Lösung der Deckungsfrage nicht erzielt worden wäre.
Die Bildung des neuen Ministeriums macht in Holland nur sehr langsame Fortschritte. Zwar hat die Königin den Liberalen Dr. Bos bereits mit dieser Aufgabe betraut. Ein neues Kabinett hat er indes noch nicht zusammenbekommen können.
In Frankreich wurde am Montag das Nationalfest begangen. Diesmal mit weniger Begeisterung und Schwung als es in anderen Jahren üblich war. Das liegt einmal an der so mißliebigen Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit und an der Aus
tafel. Aber daß man auf einer Erholungsreise den Frack und die Balltoilette mitnehmen müßte, will mir noch nicht einleuchten. Ich wenigstens würde bie Speisesäle, bie so viel Umstände verlangen, links liegen lassen und mir mein Esten und Trinken dort suchen, wo man nichts weiter mitzubringen braucht, als einen anständigen Anzug, ein ordentliches Benehmen, einen mäßigen Geldbeutel und einen guten Appetit. Wenn ich mich in Gala und Unkosten werfen soll, so warte ich lieber zu Hause eine passende Gelegenheit ab; bann weiß ich wenigstens, warum und wozu?
Willst bu dich wirklich erholen, so geh' dorthin, wo du ungeniert bist. Dann kannst du den Gepäckballast beschränken. Nimm nichts Ueberflüssiges mit; aber laß auch nicht das Notwendige zu Hause. Die rechte Auswahl ist eine Kunst, und die zweckmäßige Verpackung auch. Darum darf man das Packen nicht bis zur letzten halben Stunde verschieben. Dann wird unnützes Zeug hineingestopft, manches Nützliche vergessen,' das Empfindliche mit dem Groben vermengt, der Raum schlecht ausgenutzt. Besonders muß man darauf achten, daß die Sachen, die man während der Fahrt oder sofort nach der Ankunft braucht, nicht unten in die großen Koffergeräten, sondern in der Handtasche bereit gehalten tverden. Größere Gepäckstücke mit in das Abteil zu schleppen, ist eine falsche Sparsamkeit. Man bezahle lieber das bißchen Gepäckfracht, um sich bie Bewegungsfreiheit zu sichern. Auch bei ber Benutzung ber Gepäckträger unb der Fuhrwerke in einem fremden Ort soll man nicht knickerig sein. Man spart sick Mühe unb Zeit; diese kleinen Ausgaben kann man schon an anderer Stelle wieder ausgleichen.
Nun sagt vielleicht mancher Leser: „Ich mache überhaupt nur kleine Fahrten und komme also in keine Schwierigkeiten wegen des Gepäcks." Schön, da wollen wir von einer anderen Sorte von Gepäck reden, das nicht auf der Wage gewogen wird und doch oft recht sperrig und drückend ist. Es ist eine Art von moralischem Gepäck, das man nicht mitneh- men soll, weder auf eine lange Reise, noch auf eine kurze Erholunosfabri
sicht auf die hohen Steuerlasten, die zur Deckung der Kosten der Wehrvorlage erforderlich geworden finb. In mehreren Städten Frankreichs kam es benn auch am Tag bes Nationalfestes zu argen Auschreitungen ber Antimilitaristen.
In England stand die Homerulevorlage in den letzten Wochen im Mittelpunkt ber parlamentarischen Erörterungen. Während das Unterhaus sie zum zweiten Male angenommen hat, ist sie im Ober- Hause abermals mit großer Majorität, 302 gegen 64 Stimmen, abgelehnt worben. Ob die Regierung dem Beschlüsse des Oherhauses stattgeben wird, die Vor« läge zuvor dem Urteil der Wählerschaft zu unterbreiten, erscheint ziemlich unwahrscheinlich.
Auf dem B a l ka n hat auch noch in dieser Wockie das Schwert gewütet, doch hat sich jetzt bei den Bulgaren die Erkenntnis Bahn gebro tjen, daß ein wri- terer Widerstand gegen die Uebermacht ber Feinde Wahnwitz wäre. Zu den feindlichen Exverbündeten, die im Westen und Süden siegreich in Bulgarien vordrangen, haben sich im Norden die Rumänen und im Süden die Türken gesellt. Rings von Feinden umgeben, bleibt den Bulgaren nichts anderes mehr übrig, ols ber Uebermacht auf Gnade und Ungnade sich zu ergeben Wohl hat der bulgarische Premier den Versuch gemacht, durch eine Flucht nach Petersburg einen günstigeren und weniger unrühmlichen Frieden zu erlangen, aber die siegreichen Feinde fühlen ffch stolz und stark genug, daß sie den russischen Vermittlungsvorschlag ablehnen zu können glaubten und die Forderung stellten, daß der bulgarische Besiegte direkt in Belgrad und Athen um den Frieden bitten müsse. Das hat Bulgarien getan unb darum darf man jetzt mit ziemlicher Zuversicht hoffen, daß der Friei e auf dem Marsch ist. Zwar sind die Frie- densfvrderungen, die von Serben und Griechen gestellt werden, äußerst hart, doch dürfte es der Diplomatie gelingen, diese Forderungen auf ein erträgliches Maß herabzudrücken. Die Großmächte sind allesamt bemüht, nach Möglichkett ein Gleichgewicht auf dem Balkan zu schaffen. Mag das Wort unb ber Begriff Gleichgewicht auch äußerst ungewiß sein, es leuchtet doch ein, daß ein allzusehr geschwächtes Bulgarien nicht im Interesse ber Erhaltung des Friedens auf dem Balkan liegen kann. Denn alsdann mürbe in Zukunft der Zwist auf dem Balkan wohl niemals mehr aushören. In diesem Sinne üben die Großmächte auf bie siegreichen Balkanstaaten einen finanziellen Druck aus, ’ba von einem solchen mehr erwartet werden kann, als von einem politischen. Die militärisch-politische Aktion Rumäniens hält sich ^anscheinend in vernünftigen Grenzen. Die rumänischen Truppen haben das Territorium zwischen der alten Tobrubscha-Grenze unb ber Linie Turtukai-Baltfcknk besetzt und damit ihre militärische Aufgabe erfüllt. Allerdings hat Rumänien sein letztes Pulver noch lange nicht verschossen. Es steht zu erwarten, daß es auf Sofia losmarschieren wird, wenn Bulgarien sich weigern sollte, die rumänische Besetzung als berechtigt anzuerkennen. Die Greueltaten, die schon im Türkenkrieg das Entsetzen Europas bildeten, haben in dem jetzigen Krieg der Exverbündeten eine noch grausigere Wiederauflage erlebt. Wer in den Greueln am meisten geleistet hat, steht noch dahin; Tatsache ist mir, daß jeder von ihnen gegen den andern die heftigsten Vorwürfe erhebt.
In China bereitet sich ein blutiger Bürgerkrieg vor. Juanschikai ist es bisher nicht gelungen, die tiefe Kluft zwischen Norden und Süden des Riesenreichs zu überbrücken. Es haben bereits schwere Kämpfe zwischen den Nordtruppen und den Aufrührern der Südprovinzen stattgefunden unb wettere Kämpfe stehen bevor. Große Erregung hat es im chinesischen Norden hervorgerufen, daß auf Seiten der Aufständischen im Süden auch Japaner gefochten haben. Meldungen besagen bereits, daß der Süden seine Unabhängigkeit von Peking proklamiert habe. Zu diesen inneren Schwierigkeiten tritt noch die drohende Haltung Rußlands, das die Schwäche der chinesischen Regierung dazu benutzt, um mit neuen großen Forderungen an dieselbe heranzutreten. Es verlangt die völlige Autonomie der Mongolei und die Anerkennung des russischen Protektorats über dieselbe Es ist nicht abzusehen, wie die junge chinesische Republik die jetzige schwere Krisis bestehen wird.
Ans dem Nachbargebiele.
» Homberg, 17. Juli 1913. Der Landwirt Lepper aus Aümulhshawen wollte gestern eines Halsleidens wegen einen hiesigen Arzt aussuchen. Unterwegs wurde er von ein'em Lungenschlag befallen und fiel tot zu Boden.
Es gibt Leute, die ihre Sorgen keinen Augenblick in die Ecke stellen können. Wenn sie einmal Gelegenheit zu einer Ausspannung haben, so verderben sie sich und ihren Angehörigen die Erholung, indem sie den ganzen Wust der Geschäfts- und Berufssorgen mit auf die Reise nehmen.^ Statt frisch und frei aufzuatmey in ber Luftveränderung unb all' die neuen Eindrücke behaglich einzusaugen, wälzen sie in Kopf und Herz die alten Gedanken immer weiter. Sie reden von Ausspannung aber sie schirren die alten Sorgenpferde nicht ab. Sie reden von Erholung aber innerlich arbeiten sie weiter. Ihre Stimmung bleibt gedrückt, und das wirkt auch auf die Angehörigen bedrückend. Das sind unglückselige Naturen, die sich das Leben schwerer machen, als es zu sein braucht. Wer klug ist, der wirst sich während der Arbeitszeit mit ganzer Seele und voller Kraft auf seine Geschäfte oder seine Berufstätigkeit; aber in den Feierstunden oder in den Ferientagen löst er seine Gedanken los vom Dienst und widmet sich seiner Familie, feinen Büchern, seinen Liebhabereien, seiner Erholung. Bei dieser zeitweiligen Ausschaltung der Gefchäftsgedan- ken geht nichts verloren; benn infolge ber Auffrischung von Kopf und Herz geht in den nachfolgenden Arbeitsstunden die Arbeit viel flotter unb fruchtbarer. Will sich ber pflichteifrige Mann eine Erholungsfahrt gestatten, fo muß er freilich vorher feine Arbeiten auf einen solchen Stand bringen, daß die Unterbrechung keinen Schaden bringen kann ober die Fortführung durch einen Stellvertreter ober Gehilfen ohne Störung möglich ist. Nach einer solchen Vorsorge kann man ruhig einen Schluck Lethe trinken, von dem Vergeßlichkeitswasser ber griechischen Fabel Zeitweilig das Lästige zu vergessen, das ist überhaupt ein bedeutendes Stück der Lebenskunst. Vom alten Napoleon erzählt man, daß er sogar mitten in einer heißen Schlacht auf seinem Pferde ein Schläfchen habe halten können, wenn er sich gesagt hatte: Jetzt schabet es nicht, wenn ich auch ein halbes Stündchen einnicke. So müßten wir alle die Willenskraft haben, um unsere Sorgen zu unterdrücken, wenn die Zeit zur Ruhe und Erholung gekommen ist.
JV» 165.
Samstag 19. Juli 191$.
♦ Gießen, 17. Juli 1913. Der 13 jährig, Hand' lungsgehilfe Hermann unternahm vorgestern abend mit feiner Geliebten einen Spaziergang. Im Wald« bei Rödchen, gab er auf baS Mädchen, Anna Dünner aus E;chwege, vier unb aus sich drei Revolver« schüsse ab. Erst gestern mittag wurde bas Paar schwer verletzt von Soldaten aufgefunben und in die Klinik geschafft, wo das Mädchen in hoffnungslosem Zustande darniebrrliegt, während die Aerzte ihn am Leben zu erhalten hoffen. Die Tat ist jedenfalls darauf zurückzuführen, baß ihre Eltern em Liebesverhältnis nicht bulden wollten.
dh. Bad Homburg v. b. H., 18. Juki 1913. Sm» sehr stark besuchte Versammlung der organisiert« Straßenbahner lehnte gestern abend das Aners bieten der Direktion der Lokalbahn-Gesellschaft, die Wünsche ber Angestellten einer im Herbst stattfindenden Aufsichtsratssitzung zu unterbreiten, ab. Die Leut« fordern von ber Direktion ein positives Angebot, bezüglich der Lohnfrage und die Hinzuziehung beä Verbandsvertreters zu den Verhandlungen. Heut« Nachmittag soll der Oberbürgermeister als Vermittler: zwischen ber Direktion und den Angestellten angerufen werden. Die enbgiltige Entscheidung wurde auf Samstag früh festgesetzt.
Literarischer.
Zarenkrone und Sklavenkette. Eine Geschichte des mittel», alterltdjen Bulgarien. Erzählt von Otto vous Schach ing. Mit einem Stitelbilb. Dritte Auflage.^ (Sechstes und siebentes Tausend.) Regensburg 1913,; Verlagsanftalt norm. ®. I. Manz. Preis broschiert! 1 Mark.
Als die Neuauflage dieses billigen, volkstümlich ge* schriebenen Büchleins über Bulgarien vorbereitet wurde- erdröhnte der Balkan von einem End« zum andern unteri Kanonengebrüll, bei Lüleburgas und Kirttiliffe mähtej des Todes Hippe Tausende von Türken und Bulgaren nieder. Will man di» Ziele und Ausgaben des modernen Bulgarien verstehen, so muß man sich vor allem mitj den Schicksalen dieses Landes im Mittelalter »ettraut machen, wozu dieses Büchlein die besten Dienste leistet, weil es in erzählender Form auf die bedeutendsten Herrscher Bulgariens hinweist. Zwanglos wie sich das! prächtige Büchlein gibt, ist es dennoch auS mühevollen- und eingehenden Quellenforschungen entstanden. Was byzantinische Geschichtschreiber, waS abendländische und, ilavische Chronisten in ihrer Muttersprache über die i8e- schicke deS Bulgarenvolkes berichten, daS findet sich, aus jenen Originalquellen geschöpft und zum erstenmal in klarer, volkstümlicher Form erzählt in diesem Büchlein vereinigt. O.
„Wie erlangt man gefunden Schlaf, heitere Stimmung, Arbeitsfreudigkeit?", von Dr. Paczkowski (0,80). Hof-Verlag von Edmund Demme, Leipzig, VI. Auflage.
Gesunder Schlaf, heitere Stimmung und ArbertS» freudigkeit! Wer möchte diese drei Güter nicht besitzen! Sowohl der Schlaf, als auch die heitere Stimmung und was mit beiden zufammenhängt — die Arbeitsfreudig, keit — werden in ihrem ganzen Wesen von den Nerven beherrscht und diese vom Blute. Die Ursache, worauf der Verlust unserer drei Güter beruhen kann, ist eine fehlerhafte Blutmischung. Wie nun diese zu beeinflus- sen und wieder normal zu gestalten, lehrt daS billige Büchlein, dessen Lektüre wir empfehlen.
Der Kinder bester Schutz gegen Krankheit ist außer Sauberkeit und Abhärtung eine einfache regelmäipge Ernährung. Zu letzterer wählt eine kluge Mutter das Nestle',che Kindermehl, eine naturgemäße, leicht vmrdau- liche und gern genommene Nahrung, welche die Klemen vor Darm- und Magenkatarrhen schützt und das Entwöhnen der Säuglinge bedeutend erleichtert. Probedose gratis durch Nestle-Gesellschaft, Berlin W. 57.
Also lassen wir die Sorgen zu Hause. Das gibt schon eine wesentliche Erleichterung des Reisegepäcks. Ich schlage aber ferner vor, auch bie Launen nicht > mit einzupacken. Vielleicht fagt tta ein Pharisäer, er habe keine Launen, sondern sei tn seinem Denken unb Handeln immer ganz sachlich unb gerecht. Na, na! Keine Rose ohne Dornen. Wir haben allzumal so gewiffe Eigenheiten, bie unseren Angehörigen nicht sehr bequem sind unb uns selbst auch manchmal unangenehm werben. Sie alle Gewohnheit macht, baß totr es selber kaum noch merken. Aber wenn nun einmal eine Unterbrechung bes gewöhnlichen Lebenslaufes eintritt, J- B- ernt Erholungsreise, bann ist Gelegenheit zu einer Extra- Gewisieiisersorschung unb zu bem Vorsatz: Ich werbe nicht mehr so anspruchsvoll unb brummig sein, sondern währenb biefer Ferien mich von ber gemütlichen unb liebenswürdigen Sette zeigen!
Wenn bu sonst ben Kindern gegenüber ben strengen Richter unb Herrn herauskehrst, so versuche es jetzt zur Abwechselung einmal mit Gebulb, Nachsicht unb Zärtlichkeit. Unb wenn im Verhältnis zu beut er Frau im Laufe ber Jahre eine gewisse Gleichgültigkeit unb Kühle eingetreten ist, so könntest bu letzt, bei bem Antritt einer Erholungsfahrt, bie Gattin ber ber Hanb ober auch beim Kopfe nehmen unb sagen: Mutter, das kann eine Hochzeitsreise werden, wenn nur unsere Herzen noch ebenso warm unb treu sind, wie dazumal. Was meinst du, Frauchen, wollen wir auf biefer Erholungsfahrt auch unsere Siebe auffrifchen? — „
Zeit unb Gelb unb ber ganze äußere Apparat bilben bei ber sog. Sommerfrische nicht die Haupsache. Der rechte Geist ist es, ber bie Ferien schön und fruchtbar macht, auch wenn sie nur ganz kurz sind ober gar auf einen Sonntagsausflug zusammenschrumpfen. Wenig Gepäck, aber viele Liebe; toentg Aufwand, aber viel Gemütlichkeit! , Keine ^agd nach soq. Vergnügungen, aber ein ruhiges Behagen tut Genüsse der Natur unb im freundlichen Verkehr nut den Angehörigen und Freunden! -r-ie Welt ist gar nicht so schlecht, wenn nur die Menschen aut fetu) wollen.