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2. Blatt. ,

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Zuldaer Zeitung ♦ *8*

0 Selbftiindigen-Fiirsorge.

. Die Alters- und Hinierbliebenen-Versicherung der Privatangestellten ist in Kraft getreten. Sie bat für die beteiligten Unternehmer sehr erhebliche Kosten mit sich gebracht und in deren Kreisen den Wunsch »ach einer ähnlichen Versorgung laut werden lassen. Lin Briefwechsel, den kürzlich die „Kreuzztg." ver- siffLutlichte, läßt das Interesse der Selbständigen an feiner ähnlichen Versorgung sehr lebhaft erscheinen. Es schrieb also jemand an die Verwaltung der An- gestellten-Versicherung:

Leipzig, den 19. Mai 1913.

An das Direktorium der Reichsversicherungs-Anstalt für Angestellte Berlin-Wilmersdorf. Soeben unterschrieb ich einen der monatlich fälligen Schecks zur Angestellten­versicherung in Höhe von 389,40 Mark. Ich gestatte mir daher die höfliche Anfrage, ob ich in dem Fall, wenn ich nun 25 lange Jahre zur Angestelltenversicherung beigetragen habe und dann durch Unglück Pleite gehe, auch in meinem Alter eine Rente bekomme oder ob ich bann gezwungen bin, mit dem Stock auf der Landstraße ;gu wandern. Sie werden mir zugeben müssen, daß solche Fälle vorkommen können. Ihre Antwort erbitte ich durch Ginschreiben. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenft Ehristian Berlin.

Darauf antwortete die Anstalt:

F. 11925/13. Berlin-Wilmersdorf, 31. Mai 1913.

Der Arbeitgeber hat auf Grund der von ihm für die Angestellten bezahlten Beitragshälsten keinen Anspruch auf Rente oder anderweitige Bezüge. Das Bersicherungsgesetz für Angestellte ist ein Gesetz, das lediglich dasJnteressederAnaestellten bezweckt. Hahn, i Der Anfrager bemerkt dazu in der „Kreuzztg.": „Nach meiner Ansicht mutz aber das, was dem Ar- chestnehmer recht ist, auch dem Arbeitgeber billig sein. Es muß also nun auch unbedingt den selbständigen Kaufleuten die Möglichkeit geboten werden, durch eine staatliche Versicherung sich im arbeitsunfähigen Alter vor Not zu schützen." Diese Hoffnung wird in absehbarer Zeit nicht in Erfüllung gehen. Seiner­zeit erklärte Graf Posadowsky im Reichstage: Er werde beim Versicherungswesen nicht den Rubiko, die Grenze von den Unselbständigen auch zu den Selbständigen überschreiten. Es ist stets die Aufsas- ffung der Regierung gewesen, daß die Selbstän­digen für sich selber sorgen müßten, wozu ihnen das in Deutschland ja doch auf sehr hoher Stufe stehende, einmal infolge der energischen Kritik in der Agstation um die Angestelltenversicherung, zweitens infolge der strengen Staatsaufsicht sehr ge­sunde deutsche Lebensversicherungswesen die mög­lichste Gelegenheit bietet.

Trotzdem aber hat das Reich einem Teil der Selbständigen die Angestelltenversicherung eröffnet, und darauf sei bei dieser Gelegenheit hingewiesen. Der § 394 des Angestellten-Versicherungsgesetzes flautet:

Dasselbe Recht steht Personen zu, die in ihrem Betriebe regelmäßig höchstens drei ver­sicherungspflichtige Personen beschäftigen, vorausgesetzt, daß sie in mindestens dreißig Kalender­monaten eine den Bestimmunqen des § 1 ent« - sprechende Beschäftigung ausgeübt haben.

Mer auch darüber hinaus wirkt das Gesetz in ganz außergewöhnlichem Umfange in den Kreis der Selbständigen hinein. Kein Mensch wird als selbst­ständiger Unternehmer geboren, jeder muß erst ler­nen und Gehilfe sein. Er mutz sich also in der Jugend zwangsweise versichern lassen, und wenn er sich dann nicht freiwillig weiter versichert, dann trögt er selber die Schuld und hat niemandem Vorwürfe zu machen.

Dasselbe gilt freilich auch von allen jenen, die die (Arbeiter-)Jnvalidenversicherung nach dem Aus­scheiden aus der Versicherungspflicht leichtsinniger­weise nicht fortsetzen.

Lokales.

Fulda, 17. Juli 1913.

# Personalien. Der Kreistierarzt Lieb old zu Berleburg ist in die Kreistierarztstelle zu Hünfeld versetzt worden. Die Rechiskandidaten Stand und Schaub wurden zu GerichtSreferendaren im Bezirk des Oberlandesgerichts zu Kassel ernannt. Der landrätliche Privatgehilfe Kleiuhaus zu Hünfeld wurde zum Kreis-Assistenten ernannt. — Militär- Jntendantur-Rat Dr. Juschke ist von der Inten­dantur des XI. Armeekorps zu der XII. Armeekorps versetzt.

i # Verliehen wurde dem Generalmajor z. D. von Pentz in Marburg der Kronenorden 2. Klasse mit Schwertern am Ringe, und dem Ortsschätzer, Schreiner Bräutigam zu Haddamar im Kreise Fritzlar das Allgemeine Ehrenzeichen.

[] Promotion. An der Universität in Erlangen promovierte gestern der frühere Lokalrevatteur unserer Zeitung, Herr Johannes Kramer aus Fulda, magna cum laude zum Dr. phil. auf Grund einer Arbeit aus dem Gebiete der Staotswissenschasten, die sich mit der Entwickelung des Frauenunterrichts be­faßt. Herr Dr. Joh. Kramer wird demnächst wieder in die Redaktion der ,Fuldaer Zeitung^ eintreten.

Kleines Feuilleton.

Was ist „Cellit"? Was Celluloid ist, weiß feder, denn was wird nicht alles aus Celluloid ange­fertigt! Ehedem wußte man sofort, wenn irgend­etwas, ein Ball, Kamm, Knopf, Bild, Schirm- oder Stockgriff, ein Halskragen, ein Schlips, eine Puppe und was sonst noch — aus diesem Stoff hergestellt war, denn: er roch nach Kampfer! Cellulose und Kampfer dienen zur Herstellung des Celluloids. Das aufdringliche Kampferparfüm hat man zu beseitigen verstanden, immerhin blieb noch ein anderer, ein sehr großer Uebelstand, nämlich die Feuergefährlichkeit. Es ist selbstverständlich, daß Chemie und Technik be­müht waren, auch diesen Uebelstand zu beseitigen. Das ist denn auch schon vor einigen Jahren gelun­gen. Aber der neue Stoff, das Cellit, ist kein eigent­liches Celluloid mehr, sondern ein Allerweltsstoff, wie man ihn idealer kaum noch ausdenken kann.. Kein einziger anderer Körper kommt dem Cellit an so viel­seitiger Verwendungsmöglichkeit gleich. Cellit ist nicht nur durchaus geruchlos, nicht nur nicht feuergefähr­lich, stmdern ebenso verwendbar wie Leder, Horn, Gummi, Holz, sogar wie Glas, denn es ist ebenso durchsichtig wie dieses und dabei biegsam und ge­schmeidig wie Wollstoff. Man kann es schneiden, sägen, drechseln, hobeln, pressen, schnitzen, prägen und auch blasen wie Glas, man kann die feinsten Fournie- 're und Papiere und auch die stärksten Platten aus ihm herstellen, man kann es färben wie Wachstuch, Leder, Metallbleche, Emaille, kurz, Cellit ist geeignet :ür alles und jedes, und dabei — eine deutsche Cr- indung! Eine Erfindung des Chemikers Tr. Eichen- ;rün. In eilte ganze Menge von Industrien hat es chou Eingang gefunden. wo.

(*) Eine Sitzung der Stadiverordnetenvetsammlnng findet am Montag, den 21. Juli, abends 7'/i Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Ordnung zum Schutze gegen Verunstaltung und über die Bauweise in verschiedenen Stadtteilen (B.-E. Adam u. Kircher). In geheimer Sitzung: 2. Führung eines Rechtsstreites wegen Grenzstreitigkeiten (Weber). 3. Usbernahme einer Kanalisationshypothek auf die Stadtkasie (Reil).

△ Heeresvermehrnng. Als bekannt wurde, daß bei der großen Militärvorlage auch die Neubildung von Regimentern beabsichtigt sei, hat sich der Magi­strat sofort schriftlich und mündlich beim Kriegs« Ministerium darum bemüht, daß Fulda bei Auswahl der Städte, die diese Neusormationen ausuehrnen sollen, berücksichtigt werde. Alle Vorstellungen sind leider erfolglos geblieben.

[] Rhönklub. Die 37. Hauptversammlung des RhönklubS verbunden mit Stiftungsfest, die in diesem Jahre in dem reizenden Landstädtcheu Bischofs­heim abgehalten wird, weicht in ihrem Programm von den früheren Tagungen insofern ab, als die Hauptversammlung bereits am Samstag, den 19. Juli, nachmittags 3 Uhr, im „Goldenen Stern' beginnt. Wichtige Beratungen erwarten die Delegierten. Ein Antrag des Hauptausschusses, der übrigens in Bischofsheim ueugewählt wird, tritt sür die vom Malermeister Fuchs-Fulda entworfene Rhönwander- tarte ein. die eine neue einheitliche Wegebezeichnung bringt. Einen bedeutsamen Antrag stellt der Zweig­verein Ostheim: Es möge zum Bau des Wasser- kuppenhauses noch in diesem Jahre in allen Zweigvereinen ein außerordentlicher Mitgliedbeitrag in der Mindesthöhe von einer Mark erhoben und an den Hauptausschuß abgeführt werden. An Zuschüsien aus der Hauptkasse werden insgesamt 3650 Mark verlangt. Nun auf nach Bischofsheim! Voraussichtlich wird auch die Beteiligung an der diesmaligen Haupt­versammlung eine recht rege werden.

n. Nachprüfung der Pacht- und Mietetverzeichnisse. Das König!. Stempel« und Erbschaftssteueramt zu Kassel fordert gegenwärtig die Hausbesitzer in einem an diese gerichtetem Zirkular auf, die von ihnen geführten Pacht- und Mietverzeichnisse zwecks Nach­prüfung der Versteuerung nach Kassel einzureichen. Viele Hausbesitzer sind natürlich hierüber ungehalten, da sie ihre Mieterverzeichnisse ordnungsgemäß beim hiesigen Steueramt versteuert haben und nun das Porto nach Kastel tragen müssen. Sie sind der Meinung, das Stempelamt in Kassel könne sich ja bei dem hiesigen Steueramt über die Richtigkeit orientieren. Das ist wohl richtig, aber die Ober­behörde will mit dieser Maßnahme die hiesige Steuer­behörde gewissermaßen kontrollieren.

□ Baumfrevel. In der Nacht zum Dienstag wurde ein im Garten des Herrn Zimmermeisters Otto Schneemann stehender und mit edler Frucht überreich tragender Kirschbaum nicht nur seiner reifen und unreifen Frucht beraubt, sondern es wurde auch der Baum derartig mitgenommen, daß es wohl mehrerer Jahre bedarf, bevor er sich wieder erholt hat. Dieser Fall zeigt, daß die rohen Spitzbuben, nachdem sie noch vor einigen Wochen in den in der Nähe liegenden Schrebergärten einbrachen, stahlen und groben Unfug verübten, ihr Handwerk nicht lassen können. Es wäre zu wünschen, daß man diese traurigen Helden endlich mal erwischte und ihnen den verdienten Lohn diktieren könnte.

* Die Maul- und Klauenseuche, die Hesten-Nassau mehrere Monate lang verschont hat, ist jetzt auf der Domäne Fasanenhof bei Wolfsanger wieder ausge­brochen.

* Meistei Prüfungen. In der Handwerkskammer zu Raffel legten kürzlich die Meisterprüfung ab Kunst­gießer Joh. Schäfer aus Hanau, Schlosser und Dreher E. Westphal ans Kassel, die Schmiede A. Henrichs aus Naumburg, D. Kunold aus Riede bet Fritzlar und ®. Mit ter aus Altenstedt bei Wolfhagen.

(*i Deutscher Bankbeamten-Berein c. B, Auf Ver­anlassung des Zweigvereins Frankfurt a. M. sanden sich am Sonntag in Heidelberg die Vertreter der südwestdeutschen Zweigvereine und Ortsgruppen zu­sammen und beschlossen einen Gau SüdWest­deutschland zu bilden, dem die Landesteile Hessen-Nassau, Hessen, Baden, Württemberg, Elsaß-Lothringen und die P'alz angehören sollen. In den Vorstand wurden gewählt als Gauvorsteher Wendel-Franksurt a. M., Schriftführer Decker-Frank­furt a. M., Kassierer Göbel-Frankfurt a. M. und als Beisitzer Brill-Darmstadt, Hertzig-Straßburg, Krauß-Stuttgart, Ullrich-Mannheim. Die Geschäfts­stelle des Gaues befindet sich in Frankfurt a. Pt., Kronvrinzenstraße 7.

* Der 15. Deutsche Handwerks- und Gewerbekammer­tag wird vom 11.-13. August in Halle a. S. stattfinden. Auf Der Tagesordnung stehen sein wichtige Punkte, u. a. wird über den Schutz der Arbeitswilligen, Errichtung der Haupsielle für Berdingungsmefen beim Deutschen Handwerks- und Gewerbelammertag, Schutz von Hand­werksbetrieben gegen Einsprüche der Nachbarn wegen Belästigung durch Geräusch (§ 906, B - R.-B?, Abschätzung und Beleihung von Grundstücken, Unterstellung von BernfskrankheiienunierdieUnfallversicherung ulro. beraten.

— Der Wind als Eisfabrikant. Daß man die ungeheure motorische Kraft des Windes außer zu kleinen Wasserturbinen und Windmühlen technisch noch beiweitem nicht genügend verwertet, erscheint dem Laien unverständlich. Vielleicht wird das noch einmal anders. Es braucht nur einmal einer den Anfang mit einer größeren „windigen" Erfindung zu machen, dann wird diese sicher bahnbrechend wir­ken und eine Menge Nachahmer finden, die es noch besser verstehen.' Eine ganz hübsche Idee hat man bei Triest mit Hilfe des Windes bereits'durchgeführt. Fast jeden Tag bläst dort über die Hochebene ein eisiger Nordostwind, der dieLuft weit unter Nullgrad sinken läßt. Man hat deshalb einen 20 Meter hohen Masserturm errichtet und eine Wasserleitung, die ge­gen Zusrieren wohl verpackt ist. hinaufgeleitet. Aus 48 Höhnen fließt das Wasser schnellstens in einen mächtigen Bottich, erstarrt hier in kurzer Zeit zu festem Eis von ganz hübscher Stärke und wird so­dann in Blöcken abgenommen und in den unteren Teil des Turmes, den Eiskeller, auf einer Rutschbahn hinabtransportiert. Die kleine, einfache, fast kosten­lose Natureissabrik hat es schon einmal aus 24 Waggons Eis an einem einzigen Tage gebracht, mo.

— Im Zeitalter der Maschine. Im „Engi­neering" wird von einem englischen Fabrikanten empfohlen, die mühsame Handarbeit beim Anstreichen verschiedener Gegenstände einfach dadurch auszuschal­ten. daß diese Gegenstände in ein Far beb ad eingetaucht werden. So werden tn einer Fabrik landwirtschaftlicher Artikel zu Gainsborough monat­lich 4500 einzelne hölzerne Gegenstände in eine mit Farbmasse verseheneWanne eingetaucht und hierdurch mit Farbüberzug versehen. Natürlich sind hierzu größere maschinelle Anlagen erforderlich, welche das Jufübren -ur Wanne, das Eintauchen selbst und das

Ans dem ttachbargebiete.

* Salzschlirf, 17. Juli 1913. Die Zahl der hier ein getroffenen Kurgäste dürfte das 4. Tausend über­schritten haben. Bis Dienstag waren 3966 Kurgäste gemeldet.

X Kstinheiligkreuz b. Fulda, 16. Juli 1913. Heute nachmittag kurz vor 4 Uhr wurde hier dicht über den Waldungen an der Hessenmühle ein Ballon ge- sichtet, der offenbar landen wollte, jedoch schon so niedrig schwebte, daß er Gefahr lief, in den Bäumen hängen zu bleiben. Schließlich tarn er über eine Wiese und wurde mit Hil e mehrerer aus der Nähe herbeigeeiUer Arbeiter glücklich niedergedracht. Dem Korbe entfliegen zwei Pionierossiziere und ein Serge­ant aus Mainz. Der Ballon wurde verpackt und vom Bahnhof Großenlüder wieder nach Mainz be­fördert.

? Sargenzell, 16. Juli 1913. Ein 16jähriger Bursche von den Neunhardtshösen ist seinen Eltern entwichen und treibt sich nun in der Hardt, in der Waldung des Landwirts Biedenbach-Sargcn ell und im Hünfelder Stadtwald umher. Den Heidec- beersuchern nahm er die gesarnrncsteu Beeren und das mitgenommene Brot ab. Er ist im Besitz meh­rerer Schußwaffen, die er seinem Vater ent­wendete. Ein Mädchen verletzte er durch Schrol- schüffe und auch andere Passanten des Waldweges schreckte er durch Schüsse. In Burghaun stahl er 320 Mark und ein Fahrrad. Der Polizei ist es bis jetzt nicht gelungen, des Burschen habhaft zu werden. Wahrscheinlich ist der junge Taugenichts ein Opfer der Schundliteratur geworden.

* Aus der Rhön, 15. Juli 1913. Die Benutzung der P e r s o n e n k r a 11 w a g e n auf der Strecke Meiningen- Kaltennordheim-Fladungen sowie Fladungen-Wüsten- fachsen-Hilders hat sich im Lauf der letzten Zeit derartig gehoben, daß sich anstelle des seither in Be­trieb befindlichen Zwölssitzer-Kraftwagens die Eio- stellung eines Achtzehnfitzers notwendig machte. Während sich der Betrieb auf der Stecke Fladungen- Hilders-Wüstenfachfen rentiert, scheint die neuge» fchaffene Sommerverbiudung Gersfeld-Wasser kupppe (Fladungen)-Wüstensachfen weiten Kreisen noch nicht bekannt zu fein, da die doppelte Verbindung, die man seit 1. Juli hat, noch schwach benutzt wird. Diese Verbindung hat weniger postalisches Interesse; sie soll hingegen in erster Linie dazu dienen, eine Querverbindung Hilders-Gersseld herzustellen. Man kann mit dieser Autopost fast dis zum Gipfel der Wafferkuppe (Station Fuldaquelle) 805 Meter hoch gelangen, von wo man in 30 Minuten bequem das Schutzhaus auf dem höchsten Gipfel der Rhön er­reichen kann. Die genannte Sommerverbindung ist von feiten der Postverwaltung ein Versuch. Wenn bei nicht genügender Beteiligung diese Verbindung wieder eingehen müßte, so wäre dies im Interesse der vielen die Rhön besuchenden Fremden zu be­dauern. — Für die mit den Thüringer Zügen über Geisa ankommenden Reifenden und Touristen sei noch daraus bingcroiefen, daß der Kraftwagen am Mittag von Hilders nach Fladungen, der auch in Wüstenfüchsen Anschluß nach Gersfeld hat, jetzt den 1,52 Uhr in Hilders eintreffenden Zug abwarten, um so den bisher vermißten Anschluß herzustellen.

* Hersseld, 16. Juli 1913. Der diesjährige Prämienmarkt war außerordentlich gut be­schickt. Pferde und Rindvieh waren in großer Zahl und in prächtigen Exemplaren aufgetrieben. Zum ersten Male waren von dem Prämienmarktkomitee Preise für Kaninchen ausgesetzt worden. Die Zahl der ausgestellten Ziegen war bedeutend größer als früher. Einen Rückgang in bezug auf die Zahl der ausgestellten Tiere konnte man bei den Schweinen bemerken. Landwirtschaftliche Maschinen, Geräte, Wagen, Geschirre, Baumaterialien usw. hatten die einschlägigen Geschäfte in großer Zahl ausgestellt.

* Bebra, 16. Juli 1913. Ein 16jähciger Schmiede­lehrling hantierte mit einem 9 Millimeter Tesching, welches geladen war. Dabei entlud sich die Waffe. Die Ladung drang dem jungen Mann in den Kopf und verletzte ihn lebensgefährlich. Er wurde nach dem Hersfelder Krankenhaufe gebracht.

* Hanau, 16. Juli 1913. Die Gewerkschaft Gustä v, Braunkohlenzeche, Brikettfabrir und elek­trische Ueberlandzentrale, hat ihren aus acht Gru­benfeldern tm Landkreis Hanau bestehenden Gruben- felderbesitz um drei Felder in der Größe von 6 531 900 Quadratmeter neuerdings durch Erwerb vermehrt. Der Gesanubesitz beträgt nun rund 60 Millionen Quadratmeter.

* Offenbach, 16. Juli 1913. Der Verfassungsaus­schuß hat sich mit der Beschaffung von zweiten Hypotheten beschäftigt und sich zur Uebernahrne der Bürgschaft bereit erklärt, wenn die Hessische Landes- hypotheteiibank solche Beleihungen nach Wiesbadener Muster und auf der Grundlage von ortsgerichtlichen Taxationen gewähren will.

ch Frankfurt, 16. Juli 1913. Im Auftrage des Reichskolonialamts tritt der hiesige Geologe Dr. E l- bcrt Ende d. Mts. eine mindestens 15 Monate

Wiederfortführen der Gegenstände an eine Stelle be­sorgen, wo sie trocknen können. Alles in allem ge­nommen sind die Kosten mit etwa ein Viertel des­jenigen Betrages anzusetzen, der für das Anstreichen der einzelnen Artikel durch Menschenhand ausgegeben werden müßte. So dürfte es wohl noch viele Ge­legenheiten im Gewerbe und Industrie geben, wo mit nicht allzugroßen Mitteln Handtätigkeit in mechanische Tätigkeit umgewandelt werden kann. kc-

— Sollen wir die Raubvögel vernichten-' Beher­zigenswerte Worte schreibt Profeffor Roch in der Wo­chenschrift „Tie Naturwissenschaften" über die Ver­folgungswut, welche in Deutschland Platz gegriffen hat, um bald den letzten Raubvogel aus unseren Gauen für immer zum Verschwinden zu bringen. Freilich führen die Raubvögel ihren Namen mit Recht, aber das, was sie rauben, sind oft Schädlinge, welche der Förster und Jäger auf andere Weife gar nicht vertilgen könnte. Ja, die Eulen, gegen welche geradezu ein Vernichtungskrieg geführt wird, sind tatsächlich als nützliche Tiere zu bezeichnen; sie nähren sich hauptsächlich von Ratten, Hamstern und ähnlichen schädlichen Geschöpfen. Aber auch ganz abgesehen von diesen rein praktischen Gesichtspunkten sind es noch viel höhere, welche gegen den Vernichtungskrieg gegen die Raubvögel sprechen. Die Natur ist ent großes Kunstwerk, in welchem jedem Einzelwesen eine bestimmte Aufgabe^ zufällt; durch die Vernich­tung eines Teils dieses Kuvstweks wird dieses ver- hindert, seine harmonische Gesamtrolle zu spielen. Hiermit steht nicht in Widerspruch, daß der Mensch Raubtiere, die ihm wirklich schädlich sind, ihn an Leben und Gesundheit bedrohen, bekämpft. Aber die wenigen Raubvögel, welche noch in deutschen Lan­den Hausen, schaden dem Menschen nicht, und darum wollen wir sie am Leben lasten. kc.

M M.

Donnerstag 17. 3ult 1915.

dauernde Expedition durch N e u k a m e r u n an. Tie Reise soll vornehmlich geologischen und geographischen Untersuchungen dienen. Dr. Elbert wird dabei sest- zustellen versuchen, ob in der Kolonie Zinn und Kupfer in abbauwürdiger Menge vorhanden ist; seine weiteren Untersuchungen erstrecken sich auf die Beschaffenheit des Bodens für Anpflanzungszwecfqz. Dr. Elbert wird von seiner Gattin begleitet, Me ihm bei der Erforschung des Sunda-Archipels vor zwei Jahren eine tapfere Begleiterin war. — Wie das Statistische Amt mitteilt, ist die Bevölke­rungsziffer der Stadt Frankfurt vorn 1. April bis 1. Juli 1913 von 434 000 auf 440 100 Einwohner angewachsen.

ss. Gu ßm, 17. Juli 1913. Auf der Strecke nach Wetzlar stieß gestern eine Lokomotive mit einem? Güterwagen zusammen, wobei letzterer entgleiste. Die Strecke war etwa zwei Stunden für den Ver­kehr gesperrt.

* Aus Thüringen, 16. Juli 1913. Die Strafe fammer zu Koburg verurteilte den Redakteur des sozialdemokratischen ,Thüringer Volksfreundes^ wegen Gotteslästerung zu einem Monat Gefängnis. Er hatte die christliche Taufe als „Hokuspokus* bezeichnet. — Die Strafkammer in Weim ar verurteilte einen Studenten aus Jena wegen Zweikampfes zu drei Monaten Festungshaft und einen Gastwirt aus Löb­stedt wegen Beihilfe zu 14 Tagen Festungshaft. - Der Gegner des Studenten befindet sich in einer Jrrenheilanftalt und kann nicht bestraft werben. — Beim Spielen mit Wurfspeeren ist in Lichte n Hain ein Bureaugehilfe, der nicht rechtzeitig ausgewichen ist, von einem Wurfspeer in die Brust getroffen worden. Die Verletzung war so schwer, daß der Getroffene in die Klinik überführt werden mußte. —i Ein 13jähriger Schulknabe in Rudolstadt wurde bei einem Diebstahl erwischt. Darauf ließ er sich von einem Eisenbahnzug den Kopf abfahren. — Arn 6. August soll auf der Brandensteinsebene beiKobnrg ein Flugstützpunkt eingeweiht werden. — Auf beim Thüringer Schachkongreß in Gotha erhielt der stuck, math. Klotzsch aus Jena den ersten Preis,' einen Ehrenbecher des Herzogs. Warum nun gerade einen Becher?

* Friedberg, 15. Juli 1913. Gestern brannten: in Stammheim zwei Scheunen nieder, ein Wohnhaus' wurde stark beschädigt. Das Vieh konnte gerettet werden. Man glaubt, daß Kinder das Feuer verur-I sacht haben.

* Aus Franken, 16. Juli 1913. Im Besitze eines in Aschaffenburg verhafteten Berliner Reisenden Alfred Baier befanden sich noch 3300 Mark, die er in Berlin entwendet hatte. — Vom Einwohner- Meldeamt Aschaffenburg wurde festgestellt, daß die Einwohnerzahl der Stadt am 1. Juli rund 30800 betrug. — In Würzburg starb der Verlagsbuch­händler F. X. Bucher im Alter von 60 Jahren, der auch eine Zeitlang Verleger des ,Fränk. Volksblatts' war. Später widmete sich Bucker ausschließlich seinem Verlage, in welchem vornehmlich kathol. Theologie, Pädagogik, Jugendschristen und Schulbücher er­schienen sind.

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 16. Juli 1913. Der Gemeinderat Hai den Betrieb einer Säuglingsberatungs stell» beschlossen. Es ist dies die vierzehnte, die seit 1912 im Eisenacher Oberlande gegründet wurde. — Am Samstag fand im benachbarten Grüsse Ibach die Weihe der Fahne des dortigen Krieger- und Militär­vereins statt. Elf Vereine waren mit ihren Fahnen erschienen, darunter die Nachbarvereine: Geisa, Butt­lar, Barsch und Wiesenfeld. Den Weiheakt nahm der Kreiskriegerverbandsvorsitzende, Oberamtsrichter von Burghaun, vor.

* Vacha, 16. Juli 1913. Dem Reservelokomotiv- führer Becker-Vacha wurde von der Cisenbahudirek- tion Erfurt eine besondere Belohnung für die rechtzeitige Verhütung eines Eisenbahnunfalles und die dabei bewiesene Aufmerksamkeit gewährt.

Aus Gberhefsen u« den Hess. Aemtern

* Treysa, 16. Juli 1913. Im benachbarten Ortc Wiera wurde derForstausstber Gonther beim Klee­holen von seinem Gefährt, dessen Kühe scheuten, über- fahren. Mit schweren Verletzungen im Genick und Gesichte blieb der Verunglückte liegen und wurde von Bauern, die auf dem Felde beschäftigt waren, in einem bedenklichen Zustande in seine Wohnung gebracht.

* Ranfchenberg, 16. Juli 1913. Set der Jagd- verpachtung blieb ein Herr aus Marburg mit 1810 Mark Höchstbietender. Bisher betrug die Pacht 1000 Mark.

* Fronhausen, 16. Juli 1913. Ein Landwirt aus Salzböden wollte gestern hier mit seinem Fuhr­werk Dielen holen. Beim Umwenden des Wagens scheuten die Kühe und gingen durch. Der Landwirt wurde überfahren und erlitt so schwere Verletzungen u. a. einen Bruch der Wirbelsäule, daß seine sofortige Ueberführung in die Marburger Klinik notwendig wurde.

Ausruf zum ersten Tertiarenkongretz iu Norddeutfchland.

Tertiären und Verehrer des hl. Franziskus!

Von der Höhe des apostolischen Stuhles erging vor vier Jahren an unsere in der ewigen Stadt versammelten Brüder und Schwestern ein Worl des hl. Vaters Pins X., das aller Kongresse Programm bleiben muß: „Weil es ausgemachk ist, daß vereinte Kräfte mehr »er» „mögen, als zerstreute, sieht man die Femde des katho- „lifchen Namens mit großem Eifer sich verbünden, damit „sie desto sicherer ihre bösen Absichten erreichen. Mithin „müssen auch alle Guten, die jene ernstlich bekämpfen „wollen, sich zusammenfcharen; jene namentlich, die unter „der Fahne des bl. Franziskus berufen sind zu echt christ- „licber Lebensauffassung, haben das Beispiel christlichen „Lebens zu geben und tm Volke den Glauben und christ- „liche S tte zu pflegen und zu hüten.

Diesen Worten fügte der hl. Vater am 8. September vorigen Jahrcs erneut die Empfehlung des Zusammen- schlaffes aller Kräfte hinzu. Er rühmt es als untrüg­liches Zeichen vom Aufblühen des dritten Ordens, daß derselbe wiederholt schon Kongresse veranstaltet habe, unter denen der zu Rom abgehaltene besonders hervor­gehoben zu werden verdiene. Schließlich bekundet der Papst, wie sehr die Kongresse von ihm geschätzt werden und was er von ihnen sich verspricht, in eingehenden Verfügungen, die nunmehr bei solchen zu befolgen sind.

Um die Kongresse des dritten Ordens ift es somit nicht mehr Sache freien Beliebens. Des Papstes Wunsch ist für die Kinder des hl. Franziskus Befehl. Viele Kongresse hat der dritte Orden in den letzten Jahrzehnten in allen Ländern gefeiert. Mit dem voriges Jahr m München so musterhaft verlaufenen sind dieselben unseren norddeutschen Provinzen des ersten Ordens unmittelbar