Fuldaer Zeitung
Mittwoch 16. 3ult 1915.
2. Statt.
Druck »er fuldaer XtlitntntCcrti in S»üa-
Aus Oberhessen u- Öen Hess. Aemtern.
# Ziegenhain, 15. Juli 1913. In den Herbst- fericn wird hier ein vom Turninspektor Buchenau- Kassel geleiteter achttägiger Turn- und Spielkursus statlfinden, zu dem sich bereits 24 Lehrer angemeldet haben. Am Schlüsse des Kursus findet ein Krcis-Turn-Jugendtag statt.
* Aus dem Kreis Zieaeuhain, 15. Juli 1913. Der Gutsbesitzer Matthäus Corel! in Ransbach ist als Bürgermeister gewählt und vom Landrat bestätigt worden. — Am 24. Juli findet auf dem Paradeplatz in Ziegenhain der Ziegenhainer Pferde-, Fohlen- undRindviehmarkt, verbunden mit Prämienverteilung für Pferde und Rindvieh statt.
* Zella (Kr. Ziegenhain), 15. Juli 1913. Am Sonntag feierte Bürgermeister a. D. Seelig, welcher hier 40 Jahre lang Bürgermeister war, mit seiner Gemahlin in geistiger und körperlicher Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Vier Kinder und 8 Enkelkinder, sowie Verwandte und Bekannte nahmen an der Feier teil.
* Neukirchen b. Ziegenhain, 15. Juli 1913. Die Arbeiten an unserer elektrischen Lichtanlage sind so weit gediehen, daß das Licht voraussichtlich am 1. August brennen wird.
* Gladenbach, 15. Juli 1913. Spielende Kinder fanden in der Nähe des Aussichtsturmes am Kirchberg ein gut verschnürtes Paket mit der Leiche eines schon einige Wochen alten Kindes. Der Kleidung nach scheint das Kind den besseren Ständen anzu» gehören.
* Treysa, 15. Juli 1913. Der aus Homberg gebürtige Metzgergeselle G. Schröder hatte gestern das Sängerfest in Wasenberg besucht. Plötzlich fühlte er sich unwohl und ließ sich deshalb hierher fahren, um zu seinen Eltern zurückzureisen. Auf dem Wege hierher erlitt er jedoch einen Schlaganfall und kam als Leiche auf dem hiesigen Bahnhofe an.
* Buchenau, 15. Juli 1913. Der Zimmermeister S ch äfer von hier fiel aus der Landstraße von seinem Wagen und zog sich solche Verletzungen zu, daß er auf dem Transport zur Marburger Klinik in der Eisenbahn starb.
!! Amöneburg, 14. Juli 1913. Für Verdienst» um das Feuerlöschwesen wurde dem Kommandanten der Hydrantenzüge, Spenglermeister Nebel, das vom Könige gestiftete Ehrenzeichen auf dem 19. Feuerwehrtag des Feuerwehrverbandes für den Regierungsbezirk Kassel zu Kirchhain durch Herrn Landrat von Gilsa überreicht.
s. Fritzlar, 15. Juli 1913. Einem Sohne unserer Stadt, dem am 1910 im Alter von 80 Jahren ir. Hildesheim verstorbenen Dommusikdirektor Professor Winand Nick soll dort ein Denkmal errichtet werden. Der Auftrag, ein Broncemodell des Meisters auszuführen, wurde dem Bildhauer Prof. Seeboeck in Rom übertragen. Prof. Winand Nick wurde 1831 hier als Sohn eines Lehrers geboren. Schon als sechsjähriger Knabe spielte er Klavier, Geige und Orgel. 1846 wurde er Gesanglehrer am Bischöflichen Gymnasium Josephinum zu Hildesheim und Direktor des Domchors. Am Gymnasium war er bis 1898, also 42 Jahre tätig, während er dem Domchor bis zu seinem Tode treu blieb. Groß ist Pros. Nicks schriftstellerische Tätigkeit auf kirchenmustkalischen Gebiete gewesen; so komponierte er u. a. eine ganze Anzahl von Messen, Litaneien usw. Sein Wirken wurde von der Staatsregierung durch Verleihung des Professortitels anerkannt, während seine hervorragende Tätigkeit auf kirchenmusikalischem Gebiete durch Verleihung des päpstlichen GregoriusordenS ausgezeichnet wurde.
Amt Geisa und Umgebung.
* Vacha, 14. Juli 1913. Die Handwerker- Vereinigung für das Eisenacher Oberland hielt hier gestern eine Versammlung ab. Von 24 der Vereinigung angehörigen Korporationen waren nur 10 vertreten; außerdem waren vertreten die Gewerbevereine Dermbach, Empfertshausen, Kaltennordheim und Tiefenort sowie Vacha. Den wichtigsten Punkt der Tagesordnung bildete das neue Krankenoersicherungsgesetz, worüber Hoftapezierer Köberich- Vacha berichtete. Es wurde beschlossen, der Aufsichtsbehörde bei Einführung des Gesetzes folgende
Lokales.
Fulda, 16. Juli 1913.
* Personalien. Versetzt wurde Regierung?. Baumeister Geißler von der Jntend. des 18. Armeekorps in Frankfurt a. M. als Vorstand eines Militär-Neubauamtes nach Gießen, Militäl-Jntend.-Rat Sauer bei der Jntend. des 8. Armeekorps zum 1. September zu der Jntend. des 11. Armeekorps. Banrat Wehl beim Melioranons-Bauamte in Kassel ist unter Vcr- setzung nach Potsdam dem meliorationstechnischen Re- gierungs- und Baurat für die Provinz Brandenburg als Hilfsarbeiter überwiesen worden. — Dem Landgerichtsrat Dr. Kl ein mann am Landgerichte in Hanau wurde der Charakter als Geh. Justizrat verliehen. _ Gerichts-Referendar Gabriel von Kassel ist nach abgelegter großer juristischer Staatsprüfung zum Gericht safseffor im Bezirke des Oberlandesgerichtes Kassel ernannt worden.
X Arbeiteivereine des Bezirks Fulda. In der gestrigen Versammlung der Präsides der Arbeter- vereine der Diözese Fulda wurde die Tatsache festgestellt, daß in manchen Gemeinden viele Arbeiter zwar christlich organisiert sind, den ausgesprochen katholischen Staudesvereinen jedoch noch sernstehen. Es wurde deshalb angeregt, daß die Vertrauensmänner mehr als bisher dahin wirken sollen, daß diese Arbeiter auch für die katholischen Vereine ge- wonnen werden. Ferner wurde beschlossen, die nächste Delegiertenvcr^ammlung im September abzuhalten.
= Radfahrer-Unfall. Heute Vormittag stürzte der in den Gummiwerken beschäftigte. Arbeiter Sch. aus Pilgerzell auf der Künzellerstraße so heftig mit seinem Rade, daß et bewußtlos nach der Arbeitsstätte getragen wurde, von wo er mit Wagen einem Arzt zugeführt wurde, der starke Kopf- und Beinverletzungen seststellle.
§ Neuer Lokomotiveulyp. Eine sonderbare Lokomotive erregt bei den Arbeitern der Eisenbahnhauptwerkstätte Fulda große Verwunderung. Weder ein Schornstein, eine Pumpe noch ein Tender ist an der Maschine zu entdecken. Auf dem Führerstand fehlt auch die Feuerung. Diese seuerlosen Lokomobilen unterscheiden sich von den gewöhnlichen dadurch, daß sie nur einen Wasser- behälter besitzen, dem vor Beginn der Fahrt durch ein an der Stirnwand befindliches Ventil aus einer stationären Anlage Dampf zugesührt wird. Das Wesentliche des Systems ist die Erhitzung des in dem Behälter befindlichen Wassers auf die Temperatur der zur Verfügung stehenden Dampfspannung der Kesselanlage, wodurch eine bestimmte Wärmemenge aufgespeichert wird, die später nach Bedarf durch die Maschine in Arbeit umgesetzt werden kann. Der Betrieb der feuerlosen Lokomotive ist so einfach, daß jeder Arbeiter die Führung übernehmen kann. Der Betrieb vollzieht sich ohne Feuersgefahr und Rauch- belästigung, dabei erreichen die Betriebskosten nicht die Hälfte von dem einer gefeuerten Lokomotive. Diese merkwürdige Lokomotive findet vorläufig zum Ein- rangieten von Probezügen Verwendung.
gi. Zm Sommertheater gelangte gestern die Operette .Die lustige Witwe" zur Ausführung. Die Operette hat ihre Glanzzeit längst überschritten, brachte aber dennoch der Direktion ein vollbesetztes
Handel und Industrie.
,3, Berlin, 15. Juli 1913. Auf Grund einer ruhigeren und zuversichtlicheren Beurteilung der politischen Sage zeigte die Börse heute gleich zu Beginn eine ausgesprochen feste Tendenz unter besonderer Bevorzugung von Phönix. Bochumern, Orenstem und Schiffahrtsaktien. Deutsche Anleihen und Privatdis- kont unverändert. __
Anträge zur Berücksichtigung vorzulegen: 1. ben Seldstversicherten, welche von der Kasse als Mitglieder ausgenommen werden, ist die Entschädigung iir ärztliche Untersuchung zu gewähren; 2. Sterbe- gylder sollen auch an freiwillig Versicherte gezahlt werden; 3. statt 12 Klaffen mögen 6 Klassen ge» chaffen werden und zwar von Klaffe 1 gleich 1 Mk. bis 6 Mark bei einer Zugrundelegung des Grundlohnes von 0,50 bis 5,50 Mk.; Anstatt 4 Prozent ollen nur 21!» Prozent vom Grundlohn als Beitrag gezahlt werden. Weiter kam in der Versammlung die in Verbindung mit einer landwirtschaftlichen Ausstellung geplante Gewerbe- Ausstellung im Jahre 1914 in Vacha zur Sprache. Die Vertreter der Korporationen stehen dieser Ausstellung sympatisch gegenüber.
* Dermbach, 15. Juli 1913. Für die Hochwassergeschädigten sammelte Herr Pfarrer Barckow in seinem Kirchspiel Labuhn (Bezirk Köslin) 40 Mark und hat ie an das hiesige Hilfskomitee abgeliefert. Herr Pfarrer Barckow hatte durch feinen Frenno Herrn Pfarrer Dreßler-Weilar Mitteilung von dem Unwetter und feinen Folgen erhalten. Die Stadtverordneten in Mainz bewilligten die ansehnliche Summe von 1000 Mark.
k Motzlar, 14. Juli 1913. Um die Arbeiten und Lieferungen zum Bau einer Hochdruck-Wasserleitung für die hiesige Gemeinde bewerben sich olgende 10 Firmen: H. Schäfer-Weimar 18692 Mk.; Fleischmann-Andenhausen 18432 Mk; Ehrig-Fulda 18274 Mk.; Fischer-Kranlucken 18200 Mk.: Schäfer L. Neuert-Sontra 18161 M.; Vogl-Hünfeld 17992 M.; Hoffmann-Geifa 17872 M. ; Hahn-Buttlar 17446 M.; Schön-Vacha 17235 M. und Knauf-Geisa 15724 M.
vermischtes.
♦ Selbstmord einer Morphinistin. Die 32 Jahr» alte Schneiderin Berta Weiland in Berlin hat ihrem Leben ein freiwilliges Ende gesetzt, weil ihr Morphium, an das sie sich seit vielen Jahren gewöhnt hatte, entzogen wurde.. Als sie kein Geld mehr besaß, um sich eine neue Dosis zu beschaffen, wandte sie sich an ihre Mutter, die es adlehnte, ihr Geld zu geben. Hierüber war das Mädchen so verzweifelt, daß es sich in der Nacht in feinem Zimmer erhängte.
Haus, das ihr umsomehr zu wünschen war, da sie keine Kosten gescheut hatte, auf der immerhin doch sehr beschränkten Bühne in Bezug auf Ausstattung ihr möglichstes zu leisten. Alle Mitwirkenden gaben sich große Mühe und entledigten sich ihrer Ausgabe zur vollsten Zufriedenheit, bis auf den einen, den Grafen Danilowitsch, der von Herrn Herrmann wiedergegeben wurde. Dieser war zwar darstellerisch sehr gut, versagte gesanglich aber vollständig, und so gelang ihm das schöne Lied „Es waren zwei Königskinder" kraß daneben. Er sprach den Text des Liedes mehr, als er ihn fang. Seine Partnerin, Frau Cilly Vauermann, verkörperte mit ihrem wohlklingenden Organ und ihrem sicheren, gewandten Spiel die Titelrolle in ausgezeichneter Weise. Der Dirigent, Herr Bauermann, verstand es, aus der kleinen Musikschar alles nur irgend wie mögliche herauszuholen, so daß die luftigen und größtenteils bekannten Weisen vortrefflich zur Geltung kamen und den guten Eindruck der Vorstellung erhöhten.
[] Rhönklub. Die Tagung der Abgeordneten zur 37. Hauptversammlung des Rhönklubs in Bischofsheim findet am Samstag den 19. Juli nachmittags 3 Uhr und Sonntag den 20. Juli vormittags 10 Ui,r nicht im „Rathaussaale" sondern im Saale des Gasthofes zum „Goldenen Stern" in. Bischofs- heim statt.
— Apotheker und Umsatzsteuer. Das Obervei- waltungsgerichk fällte eine grundsätzliche Entscheidung in einem Rechtsstreite, welcher zwischen dem Apotheker K. und dem Magistrat von Tann (Rhön) wegen der Gemeindeumsatzsteuer für feine Apotheke schwebte. Der Preis für die betreffende Apotheke belief sich auf 82000 Mk.; es waren vereinbart worden: für das Grundstück 12000 Mk., für bewegliche Gegenstände 10 000 Mk. und für das Apothekengeschäft nebst Gerechtsame €0000 Mk. Der Umsatzsteuer unterliegen auch Rechte, für welche die auf Grundstücken bezüglichen Vorschriften gelten. Der Magistrat nahm an, daß die Apothekergerechtigkeit eine Realgerechtsame sei, und mithin bei Bemessung der Umsatzsteuer zu berücksichtigen sei. Während der Apotheker nur 120 Mk. Umsatzsteuer zahlen wollte, verlangte der Magistrat 720 Mk. Umsatzsteuer. Nach fruchtlosem Einspruch erhob der Apotheker K. Klage beim Bezirksausschuß und beantragte, die Umsatzsteuer um 600 Mk. zu ermäßigen. Nachdem der Bezirksausschuß Erhebungen angestellt hatte, entschied er zu Gunsten des Apothekers und folgerte aus dem Umstande, daß die Apvthekenge- rechtsame nicht im Grundbuch verzeichnet stehe, daß die Gerechtsame ihre dingliche Eigenschaft verloren habe und bei der Berechnung der Umsatzsteuer nicht zu berücksichtigen sei. Diese Entscheidung focht der Magistrat von Tann durch Revision beim Oberverwaltungsgencht an und betonte, es handle sich um eine Realgerechtsame, welche ihren dinglichen Charakter nicht verloren habe. Das Oberverwaltungsgericht hob auch die Voi- entschkioung auf und wies die Klage des Apothekers ab, indem u. ä. ausgeführt wurde, es handle sich um eme Gerechtigkeit subjektiv dinglicher Natur, welche mit dem Grundstück verbunden sei, sie verliere diese thre Eigen- schäft dadurch nicht, daß die Gerechtsame nicht im Grundbuch verzeichnet stehe. Hingegen werde eine subjektiv persönliche Gerechtigkeit durch grundbuchamtliche Eintragung gemäß § 96 des B. G.-B. Bestandteil des Grundstücks und sei bei der Bemessung der Umsatzsteuer
Vorträge auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit der konfessionellen Erziehung aufmerksam machen und das Gewissen der Eltern in diesem so überaus wichtigen Punkte schärfen. Und wenn seitens der kathol. Lehrer darüber Klage geführt wird, daß sie in ihren auf christliche Erziehung und Erhaltung der Autorität gerichteten Bestrebungen so wenig unterstützt werden, so soll auch in dieser Beziehung durch die Organisation ein gemein- ämes Band um Eltern und Lehrerschaft geschlungen werden. Ich hoffe, daß die Organisation auch hier festen Fuß fassen wird.
Die Ausführungen des Redners fanden in der Ver- ämmlung begeisterten Beifall. Herr Domkapitular Hcrbener dankte dem Redner u:-ter Hinweis auf den allgemeinen Beifall mit kurzen Worten und eröffnete dann die Diskussion. Es wurde zunächst die Frage auf. geworfen, ob als Träger der Organisation in den einzelnen Gemeinden nicht die bestehenden, von der bischöflichen Behörde eingesetzten Ausschüsse für Jugendpflege in Frage kommen könnten. Herr Oberlandesgerichtrat Marx erwiderte, daß grundsätzliche Bedenken hiergegen nicht beständen, daß es aber möglicherweise von gewisser Stelle aus nicht gern gesehen würde, wenn beide Organisationen in denselben Händen bereinigt würden. Nachdem dann die Versammlung sich formell für die Gründung eines Bezirksausschusses der Organisation erklärt hatte, wurde die Wahl der Mitglieder für Sitten Ausschuß einstweilen zurückgestellt und ein Diözesankomitee gewählt, das geeignete Personen für den Ausschuß namhaft machen soll. Das Komitee setzt sich zusammen aus den Herren Abg. Rhiel, Domkapitular Herbener, Professor Voiiderau, Rektor Sondergeld-Hünseld, Pfarrer S<büler.Eiterseld, Lehrer Jestädt-Kohlhaus und Lehrerin Frl. Freys-Petersberg. Es wurden dann die für den Bezirk Köln ausgearbeiieten Statuten, die auch andern Bezirken al^ Muster dienten, ebenfalls für den hiesigen Bezirk in der Hauptsache angenommen. Dar- nach soll der Bezirksausschuß die Organisation im allgemeinen und den Landesausschuß im besonderen bei der Erfüllung der Aufgaben in jeder Weise unterstützen. Er besteht aus einem vom Zentralkomitee der Katholiken. Versammlungen bestimmten Vertrauensmann, aus Ver. tretern der angeschlossenen Vereine und Organisationen, aus Vertretern der zum Bezirk gehörenden Orisaus. Schüsse und aus zugewählten Mitgliedern. In jeder Gemeinde mit mehr als 10 000 Einwohnern ist ein Orts, ausschuß zu bilden, der mindestens einen Vertreter in den Bezirksausschuß zu entsenden hat. Kleinere Ge» meinben können einen Ortsausschuß hüben ober srch mit andern zur Bildung eines gemeinsamen OrtLaus- chusses vereinigen, wobei die Grenzen eines Kreises oder Dekanates zu berücksichtigen sind. Jeder Ortsausschuß hat als Jahresbeitrag 3 Mark auf je 1000 Katholiken, mindestens jedoch 5 Mk. an den Bezirksau^ schuß abzuliefern. Vereinsverbände, die sich dem Bezirksausschuß anschließen, zahlen jährlich 20 Mk. Im September und Oktober soll eine weitere Versammlung anberaumt werden und auf dieser endgültig die Wahl des Bezirksausschusses erfolgen. Herr Oberlandesgerichtsrat Marx wies noch empfehlend auf eine von der Organisation herausgegebene Korrespondenz mit konfessionell-politisch gehaltenen Aufsätzen über Fragen des Schulwesens hin. Diese soll demnächst zu einer größeren Zeitschrift ausgestalket werden. Zum Schluffe gab Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Marx feiner Freude darüber Ausdruck, in Fulda so segensreiche Unterstützung gefunden zu haben.
Namens der ganzen Veriammlung widmeie der Hochw. Herr Bischof Dr. Schmitt dem Redner herzliche Worte: Wir dürfen dem Herrn Oberlandesgerichtsrat auf aus'vrccken für die großen Opfer, die er seither für die heilige Sache gebracht hat. Aus ihm hat ein wahrer Laienapostel gesprochen, begeistert für eme große Eache, und wir dürfen hoffen, bag die gu:e sarf;e nch auch in der Bonifatinsstadi Bahn brechen tmrb. e'tc Schule muß aufgebaut sein auf theoretisch und Praktisch christlichen Prinzipien der Erziehung, die so überaus wichtig sind für das ganze Leben des Menschen. Daher darf ich dem Redner im Namen aller den wärmsten Dank aussvrechen. m r o
Lebhafter Beifall folgte den Worten unseres Oler- hirten. Die Versammlung wurde darauf von Herrn Domkapitular Herbener geschlossen.
in Betracht zu ziehen.
= Die Teilnahme der Handwerkskammern an Ge- sellcnpriifungen. Zur Herbeiführung einer richtigen Handhabung des Gesellenprüfungswesens entsandten die Behörden und die Handwerkskammern regelmäßig Vertreter zu den Gesellenprüfungen. Dieses Recht wollten verschiedene Handwerker-Jnnungen den Handwerkskammern streitig machen. Eine Handwerker- Innung hatte sich bis an den Minister für Handel und Gewerbe gewandt. Letzterer hat nun zu dieser Frage in einem Erlaß Stellung genommen und darin zugunsten der Handwerkskammern entschieden, und ;wrr mit der Motivierung, daß es zu den Ob- liegenheiten der Handwerkskammern gehöre, die Durch- 'ührung der für das Lehrlingswesen geltenden Vorschriften zu überwachen. Zur Erfüllung dieser Aufgabe seien die Kammern aber nur dann imstande, wenn ihnen durch Teilnahme an den Gesellenprüfungen die Möglichkeit gegeben werde, in die Vorbildung der Lehrlinge einen Einblick zu gewinnen.
* Vom neuen Truppenübungsplatz des 18 Armeekorps. Am Montag ist für dieses Jahr bas letzte Militär das 3. Bataillon Jnf.-Regt 118, auf dem Truppenübungsplatz Bad Orb eingetroffen. Das Arbeitskommando wird voraussichtlich bis zum September dortselbst verbleiben. — Der Truppenübungs- platz umfaßt nach den neuesten Feststellungen zirka 4770 Hektar — 19000 Morgen Gelände. Hiervon waren 4009 Hektar Wald, 567 Hektar Acker, 75 Hektar Wiesen, 78 Hektar Wege, 5 Hektar Gebäude mit Hofraum, 36 Hektar Oedland. Der neue Truppenübungsplatz soll nicht nur der größte sondern auch der zweckmäßigste sein, den das gesamte deutsche Reichsgebiet aufzuweisen hat. Der Boden ist höchst mannigfaltig gegliedert. Hohe Bergrücken wechseln mit steilen Hängen und tiefen Schluchten ab zu einet gewellten Hochebene mit weithin sichtbaren Zielen. Es verkauften ihre Grundstücke an den Reichsfiskus aus Lettgenbrunn-Villbach sämtliche Grundbesitzer, davon werden 9 enteignet, aus Pfaffenhausen 52 Grund- besitzet, davon werden 13 enteignet, aus Oberndorf 40 Grundbesitzer, davon werden 9 enteignet.
" Vom Truppenübungsplätze zu Ohrdruf. Das mit so vielen Hoffnungen und Opfern gegründete „Vaterländische Soldatenheim" wird eingehen. Am 24. Juli findet der Zwangsversteigerungs - Termin statt; vielleicht kaust das Gebäude der Jungdeutsch- land-Bund oder das 11. Armeekorps. Daß sang- und klanglos das Werk eingehen soll und das Gebäude etwa in private Untetnehmerhände übergeht, davon kann keine Rede sein, denn weite Kreise, die Regierungen von Gotha und Meiningen, stehen hinter der Gründung. Weithin hat man schon von dem drohen- den Konkurs gehört und man erwartet einen Sanie- runas-Vorschlag.
Zollinhaltserklärungen zu Paketen nach Rußland und weiterliegenden Ländern dürfen keine Aenderungen in den Angaben übet die Beschaffenheit und Menge (Reingewicht) der Waten und über das Rohgewicht der Sendung enthalten. Die russische Postverwaltung wird in Zukunft Pakete mit un- vorschriftsmäßigen Zollinhaltserklärungen von der Weiterbeförderung ausschließen und nach Deutschland zurückschicken.
O»g-miat>-n der Katholiken Le..g<h-
Schule und Erziehung
** F u l d a , 16. Juli 1913.
gestriae Tag beansprucht in unserer Chronik -in be ondeZ Blatt als ein bedeutungsvoller Tag d-s festen Bekenntnisses der Fuldaer Katholiken zur christlichen Schule und Erziehung.
$ Die christliche Erziehungsschule ,st nichts anderes als eine Erweiterung der Familie. Die christliche ^ckule soll die FamilienerziehMig unterstützen, er- oft ersetzen, und manchmal auch korrigieren.
Schulerzieher, der Lehrer, ist Stellvertreter und Gehilfe der Eltern. Daraus ergibt sich ohne weiteres, daß wie Oberlandesgerichtsrat Dr. Marx gestern mit Recht hetvorhob, Eltern und Lehrer eine innige Verbindung unterhalten müssen. Das ist eine der Hauptaufgaben der Organisation der Katholiken Deutschlands zur Verteidigung der christlichen Schule und Erziehung.
In fast allen zivilisierten Staaten ist die Schul- ftage akut geworden. Wohin wir blicken, sehen wir die uns entgegenstehende Weltanschauung den Kampf um die Schule und damit den Kampf um die Seele des Kindes zielbewußt führen. Fast überall hat leider unser Gegner Teilerfolge, manchmal sehr große Erfolge buchen können. Noch vor nicht ganz einem Jahre ließen sich unsere Glaubensbrüder in dem fast ganz katholischen Luxemburg durch ein Schulgesetz überraschen, das die christliche Erziehung der Kinder nicht gewährleistet: jetzt stehen sie dort im ganzen Lande zum Kampfe zusammen, der ihnen die verlorene Schulgestaltung erobern, soll.
Da es auch bei uns in Deutschland an warnenden Vorzeichen eines Durchbrechens der christlichen Gestaltung unseres Schulwesens nicht fehlt, ist eine Organisation zur Erhaltung der christlichen Schule unbedingt notwendig, um beizeiten gerüstet zu stehen, wenn ein Vorstoß auf dem Schulgebiet auch bei uns kommen sollte. Bei dieser Organisation mitzuwirken, ist eine natürliche Pflicht für alle, die auf christlichem und katholischem Boden stehen, eine Pflicht der Selbsterhaltung aller Stände und Berufe. Daher will die Schulorganisation alle Kräfte mobil machen.
Möge die Organisation zur Verteidigung und Förderung der christlichen Schule und Erziehung feste Wurzeln schlagen im Herzen der Katholiken des Fuldaer Landes, möge sie ein starkes Rüstzeug werden, das den Sieg erftreitet, wenn uns die Not der Zeit den Kampf um unsere Ideale aufzwingt.
*
Unter sehr starker Beteiligung tagte gestern nachmittag in der „Harmonie" eine vom Reichs- und Landtagsabgeordneten Oberlandesgerichtsrat Marx-Düsseldorf einberufene Versammlung, um zur Organisation der Katholiken Deutschlands für die Erhaltung der christlichen Schule und Erziehung Stellung zu nehmen. Der Versammlung, die auch der Hochw. Herr Bischof Dr. Schmitt mit seiner Anwesenheit beehrte, wohnten Reichstagsabgeordneter Richard Müller, sowie die Landtagsabgeordneten Rhiel und Drinnenberg, viele Vertreter des Welt- und Ordensklerus, Lehrer und Lehrerinnen, Mitglieder der städtischen Korporationen und andere Interessenten bei, sodaß der große Doppelsaal der Harmonie voll besetzt war.
Herr Domkapitular Herbener eröffnete als vom Zentralkomitee erwählter Vertrauensmann für die Diözese Fulda die Versammlung und gab seiner Freude über den zahlreichen Besuch Ausdruck. Insbesondere begrüßte er den Hochw. Herrn Bischof und betonte kurz die Wichtigkeit des zur Erörterung stehenden Themas. Sodann erteilte er das Wort dem Einberufer der Versammlung, Herrn
Oberlandesgerichtsrat Marx, der eingehend und überzeugend die Notwendigkeit einer Organisation der Katholiken auf dem Gebiete des Schulwesens begründete: Es hat mich gefreut, so führte der Redner aus, eine Einladung nach Fulda zu erhalten, um hier eine Organisation einzuführen, wie sie auf den Katholikentagen in Augsburg und Aachen angeregt und beschlossen worden ist. Es drängt sich da die Frage auf, ob eine solche Organisation überhaupt notwendig erscheint, nachdem die konfessionelle Schule doch durch ein Gesetz gesichert ist. Für den Augenblick liegt eine folche Notwendigkeit streng genommen zwar nicht offensichtlich vor, muß jedoch als äußerst zweckmäßig anerkannt werden, da die konfessionelle Schule auch in Peußren immer mehr bedroht wird. Denn noch die jüngste Zeit hat gezeigt, daß bestehende Gesetze leicht wieder aufgehoben werden können, und wenn im preußischen Landtag sich etwa eine andere Mehrheit bilden sollte, dann gebe ich für die konfessionelle Schule keinen Pfifferling mehr. Wie gegen die konfessionelle Schule Sturm gelaufen wird, werden manche katholische Lehrer und Lehrerinnen von ihren liberalen Kollegen selbst zur Genüge erfahren haben. Darum auch ist es Pflicht und Recht der katholischen @ 11 e r n , zu beanspruchen, daß sie in Erziehungsfragen ihrer Kinder mitwirken und die Lehrerschaft unterstützen. Aus alledem geht hervor, daß eine Zusammenfassung sämtlicher Katholiken in dieser Frage notwendig ist. Geistlichkeit und Lehrerschaft haben in der Frage der Organisation schon längere Zeit zusammen gestanden, die Eltern selbst haben sich ihr dagegen bis jetzt noch vielfach fern gehalten, und diese in die Arbeit miteinzubeziehen, ist der Zweck der Organisation. Eine Zentralisierung ist aber auch deshalb notwendig, um in bedrohlichen Sagen und Zeiten dem Ansturm von anderer Seite einen machtvollen Damm entgegensetzen zu können. Sie will keine Hetzorganisation fein, wie von gegnerischer Seite behauptet wird, sondern vielmehr die Seele des katholischen Volkes warm erhalten für seine heiligsten Rechte und Pflichten. Weiterhin dient die Organisation aber auch dazu, um allerorts statistisches Material zu sammeln, dessen Wichtigkeit sich schon oft herausstellte, indem die Regierung sich erst durch die Beweiskraft der Statistik zum Eingehen auf bestimmte Forderungen bewegen ließ Aus diesen Erwägungen heraus kam int Jahre 1900 auf der Katholikenversammlung in Augsburg die Gründung der Organisation zustande. Die Idee einer Zusammenfassung aller Katholiken zur Arbeit auf dem Gebiete der Erziehung, die so verlockend und leicht durch- führbar erschien, ist mancherorts auf Schwierigkeiten gestoßen und besonders in der Frage, tote etwa bestehende Vereinigungen zur Mitarbeit herangezogen werden tonnten. Um diese Schiwerigkeiten zu beheben, wurd.n sogenannte Tätigkeitsausschüsse gebildet, ine vornehmlich mit den andern kath. Vereinen vmhlung zu nehmen haben. Diese Ortsausschüsse letzen sich aus Mitgliedern der verschiedensten Stände zusammen und gruppieren sich innerhalb der Diözese oder des Bezirks unter einen Bezirksausschuß mit einem Vertrauens- mann: innerhalb der einzelnen Bundesstaaten bestehen die Landesausschüsse und diese sind wieder dem Zen- tralausschutz untergerbnet. _ r .. . .
Wenn nun eingewendet wird, die Schwirage sei in überwiegend katholischen Gegenden Deutschlands so gut geordnet, daß es einer solchen Organisation nicht bedürfe, so ist zu erwidern, daß sie sich selbst dort nicht gut entbehren laßt. Denn über, all treten Fragen auf, die ein Zusammenhalten auer Katholiken notwendig machen, wie z. B. die des vceu- gionsunterrichts in den Fortbildungsschulen. Cj sl sicher, daß in vielen Stadt- und Kreisverwaltungen em ranz anderer Wind wehen würde, wenn die Katholiken mehr geschlossen zusammenständen. Um dws zu ergte« len, will die Organisation in Volksversammlungen durch
Tausendfach bewährt^ T Nahrung bei:
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