Zuldaer Zeitung
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6räßere kn;eigen erbitten wir uns tags vorher.
— halbjährlich Taschenfahrpirm. tt
y Zietjungsliften der preußisch-süddeutsch« Kloffen-Cotttrie.
40. Jahrgang..
Dienstag den 15. 3uü 1913
erstes Blatt.
Nr. 161
den Reichstag als Jäger-Regimenter zu Pferde am 1. Oktober aufgestellt werden, entsprechen in der Grund- ärbe dem bekannten Graugrün. Der Kragen, die chwedigen Aermelaufschläge, die Vorstöße an den Schößen und Taschenleisten, die Schulterklappen und Tuchhosen find hellgrün, die Knöpfe mit mattem Tombak mit einer Krone, die Nummern rot. Die Borte am Waffenrock und die Vorstöße der Schulterklappen geben die Regimentsunterscheidungen und sind beim Jäger-Regiment zu Pferde Nr. 8 weiß, Nr. 9 ponceaurot, Nr. 10 zitronengelb, Nr. 11 hellblau, Nr. 12 schwarz, Nr. 13 dunkelblau.
+ Keine Reichstagsersatzwahl in Stuttgart. Die von uns wiedergegebene Meldung des.Tag', daß der ozialdemokratische Reichs« und Landtagsabgeordnete Hildenbrand zum Sekretär der sozialdemokratischen Landtagsfraktion gewählt worden fei und er deshalb- seine beiden Mandate niederlegen werde, wird von der .Schwäbischen Tagwacht' für unzutreffend erklärt. Die Landtagsfraktion werde die Wahl ihres Sekretärs wahrscheinlich erst im Herbst vornehmen, und Hildenbrand komme also für diesen Posten gar nicht in Betracht. Es sei allerdings nicht ausgeschlossen, daß Hildenbrand eine Stellung außerhalb Württem-^ bergs «nnehme.
fln;eigen: Ter Raum einer elnfrotflgen Colonehelte, 4T mm breit, boflet !5Pfg. Reklamen: Ter Raum einer Colonelfelle, 74 mm breit, koflet 4O Pfg. Bel
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Konkursfälltn wird der bewilligte Rabatt hinfüllig. Crfüllungsort für dar Sn», klagen von Sortierungen Ist Sulöa. flnseigen-flnnahme bis JO Uhr tormittagSe
Ausland.
** Frankreich. Lspine, der frühere Chef bet. Pariser Polizei, ist zum Abgeordneten gewähltworden. Die gemäßigt republikanischen und konservativen Blätter legen der Wahl Lepines, die mit 200' Stimmen Mehrheil gegen den sozialistischen Gegen-, kandidaten Robert erfolgte, insofern eine gewisse Be-j deutung bei, als Lepine entschieden für die dreijährige Dienstzeit eingetreten ist, die von seinem Mitbewerber bekämpft worden war. — In Longchamps fand am Montag zur Feier des französischen Nationalfestes vor dem Präsidenten Poincar« eine große Truppenparade statt, an der zum erstenmal auch farbige Regimenter teilnahmen. — Das ,Echo de Paris' tritt dafür ein, daß auch in der Marine die Jahresklaffe von 1910 zurückbehalten werde, da die Mannschaftsbestände ohnehin auf eine Mindestzahl gesunken seien und man sonst genötigt wäre, einige Panzerschiffe außer Dienst zu stellen. — Der französische Senator des Departements Vienne, Servant, ersuchte den Kriegsminister um Aufklärung über die bei Poitiers beim Ankauf von Grundstücken für die neuen K-affe-rrtrn nndbei der Vergebung des Baues derselben vorgekommenen Mißbräuche, durch welche der Staat um bedeutende Summen geschädigt worden sei. Senator Servant erklärte einem Berichterstatter, daß anläßlich des Baues neuer Kasernen ähnliche Fälle in ganz Frankreich vorgekommen seien. Man habe die öffentlichen Gelder mit unbegreiflicher Leichtfertigkeit vergeudet.
* Wiederausbruch der Revolution in Mexiko. In politischen und Handelskreisen betrachtet man die Lage in Mexiko neuerdings wieder mit großer Besorgnis. Es wird der Wiederausbruch einer Revolution befürchtet, die den Sturz Huertas im Gefolge haben wird. Die amerikanische Presse veröffentlicht heftige Angriffe gegen die mexikanische Regierung und de- schuldigt Huerta der Agitation gegen Nordamerika, die er in Szene gesetzt habe, um seine Stellung zu erhalten. In der Stadt Mexiko ist eine Verschwörung zur Ermordung Huertas, Blanquets und des Kriegsministers Felix Diaz aufgedeckt worden. Ein Deputierter und zehn andere Personen wurden verhaftet, die geplant hatten, Bomben auf die Straßen zu werfen, während Huerta, Blanquet und Diaz sie durchfuhren.
Deutscher Reich.
• Berlin, 14. Juli 1913. Der Kaiser begab sich nach einer Meldung aus Balestrand heute vor- mittag mit den Herren seines Gefolges auf dem „Sleipnei" zum Fridtjofdenkmal. Heute nachmittag, nach dem Eintreffen des Feldjägers, arbeitete der Kaiser allein und hörte abends einen kriegsgeschicht- lichen Vortrag. Entgegen den früheren Reiseanord- nungen hat sich der Kaiser entschlossen, fernen Aufenthalt in Balholm in Norwegen erheblich auszu- dehnen. — Prinz Ernst August, Herzog zu Braun- schweig und Lüneburg, ist mit seiner jungen Gemahlrn am Montag abend in sein Heim Rathenow em- gezogen.
der Burschen, jedenfalls im Sinne des Verbots des Haltens zweier Burschen oder „Ordonnanzen".
9. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, die cr- orderlichen Maßnahmen zu einer Reform des Ein. ährig-Frerwilligendienstes im Sinne einer Erweiterung und Erleichterung der Zulassung auf Grund auch der Fachausbildung einzuletten.
10. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, gemäß § 18 des Mannschaftsversorgungsgesetzes dafür Sorge zu tragen, daß Gemeinden die bestehenden Vorschriften über Anstellung von Militäranwar- tern nicht umgehen.
11. Bei der Verabschiedung der Militärvorlage die bestimmte Erwartung auszusprechen, daß ange- sichts der hohen Lasten dieses Gesetzes die Heeresverwaltung mit allen Kräften bestrebt ist, größte Sparsamkeit walten zu lassen und alle Maßnahmeu zu treffen, um unter möglichster Einschränkung des Pa- rademäßigen und unter Ausschluß des Luxus nur die Kriegstüchtigkeit des Heeres zu erhalten und zu fördern.
12. Bei der Verabschiedung der Militärvorlage die Erwarttmg auszusprechen, daß die Beschaffungen des Kriegsmaterials tunlichst durch die reichseigenen technischen Institute erfolgen.
13. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, Anordnungen zu treffen, nach welchen nur solche Arbeitgeber den Zuschlag auf Lieferung von Staatsaustragen erhalten, welche: a) den Arbeitern das Koali- t i 0 n s r e ch t unangetastet laffen, b) bei Einsendung von Offerten gleichzeittg ein Verzeichnis der bet thnen gezahlten L ö h n e mit einreichen, c) keine geringeren Löhne bezahlen und keine schlechteren Arbettsbedm- qnngen stellen wie in gleichartigen Staatsbetrieben oder gleichen privaten Unternehmungen, welche mcht für Heer und Marine arbeiten, d) eine Emtgnngs- nnd Schiedsiustanz bezeichnen oder schaffen, welche berechtigt und verpflichtet ist, bei ausbrechenden Dtf- ferenzen die Vermittlung zu übernehmen.
14. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, daß bei allen Arbetten und Lieferungen, welche infolge der neuen Militärvorlage notwendig werden, das ortsansässige Gewerbe in erster Linie be- rücksichttgt wird.
15. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, Anordnungen zu treffen, daß a) bei Vergebung des durch die Heeresvermehrung enfftehenden Mehrbedarfs von Arbeiten und Sieferuhgen Handwerk und Gewerbe, insbefondere auch dessen gewerbliche Organisattonen in weitestgehendem Maße Berücksichtigung finden; b) bei Ausführung von Arbeiten möglichst inländisches Material verwendet wird; c) die Arbeiten zu einem unter Zuziehung von Sachverständigen festgesetzten angemeffenen Preise vergeben wird. .
Endlich beantragte das Zentrum tn Gemeinschaft mit den anderen Parteien, daß die Mindeststrafe bei einer Reihe militärischer Verfehlungen (Aufruhr usw.) ganz erheblich herabgesetzt würden.
)( Die neue Gebühren - Ordnung für Zeugen unb Sachverständige wird nach den Beschlüssen des Bundesrates im,Reichsanz/ veröffentlicht. Der Höchstbetrag der Entschädigung für den durch Abwesenheit vom Aufenthaltsorte verursachten Aufwand des Zeugen oder Sachverständigen soll von 5 Mark für jeden Tag und 3 Mark sür jedes Nachtquartier auf 7 Mark 50 Pfg. bezw. 4 Mark 50 Pfg. erhöht werden. Die Vergütung für Sachverständige soll auf einen Betrag bis zu 2 Mark für jede angefangene Stunde, bei besonders schwierigen Leistungen aber ausnahmsweise auf einen Betrag bis zu 6 Mark für die angefangene Stunde festgesetzt werden.
c. Zum ZwangSversteigerungsgesetz. Im Reichstage war bekanntlich von freikonservativer unb konservativer Seite eine Aenderung des § 57 de- Zwangsversteigerungsgesetzes angeregt worden, um der Möglichkeit entgegenzutrelen, daß durch Pfändungen und Zessionen die gesamten Mieten eines Grund st ücks längere Zeit den Hypothekengläubigern oder Erstehern des Grundstücks in der Zwangsver- steigerung entzogen werden. Nach Berliner Blättern sind im Reichsjustizamte Erwägungen in dieser Rich- tung im Gange, unb demnächst werden Sachverständige ans den an dieser Frage interessierten Kreisen gehört werden, um Material für ein etwaiges gesetzgeberisches Vorgehen zu gewinnen.
O: Die Agitation für den Massenstreik wird von den Genossen augenblicklich stark betrieben. Nach einem Referat des Genossen Zubeil wurde im 4. Berliner Wahlkreis ein Antrag angenommen, der die Genossen allerorts, den Parteitag zu Jena, sowie die Genossenschafts, unb Gewerkschaftsführer aufforbert, den politischen Massenstreik als Mittel für die Erringung einer preußischen Wahlreform zu proga- gieren, damit dieselbe in kürzester Zeit durchgeführt wird. Genoffe Zubeil rechnet auch damit, daß der Massenstreik nötig wird, wenn bei den Zolltarif- debatten „die Reichstagsfraktion allein zu schwach ist, um dem Willen des Volkes Geltung zu verschaffen". Für den Genossen Zubeil ist der Massenstreik em Mittel, den ganzen Kampf zwischen der bürgerlichen Gesellschaft und der Sozialdemokratie, die durch eine unüberbrückbare Kluft getrennt sind, auszufechten. Es handelt sich mithin für den Genossen Zubeil bet der Propaganda des Massenstreiks um die Vorbereitung des Kampfes für das sozialdemokratische Endziel.
+ Die Arbeiten der Strafrechtskommission, die mit der Ausarbeitung eines Vorentwurfs zum neuen Strafgesetzbuch betraut ist, dürsten, nach Berliner Blättern, bereits zum 1. Oktober d. I. beendet fein, da der Vorsitzende der Kommission, Geheimrat Prof. Dr. Kahl, von diesem Termin ab infolge beruflicher Verpflichtungen an der Universität behindert ist, den Vorsitz weiter zr» führen. Aus diesem Grunde werden die Ferien der Kommission nur vom 16. Juli bis 16. August dauern.
* Handwerks- und Handelskammern. Eine rechtliche Gleichstellung der Handwerkskammern mit den Handelskammern, die von verschiedenen Setten beantragt worden war, ist vom preußischen Handelsministerium abgelehnt worden, da ein Bedürfnis zu einer solchen Aenderung der bisherigen Praxis nicht anerkannt werden könne.
s- Die Parteien im Reichstage. Durch die beiden letzten Reichstags«Ersatzwahlen hat die Linke des Reichstages jetzt die unbestrittene Mehrheit; sie zählt jetzt 200 Mitglieder der liberalen und sozialdemokratischen Fraktionen. Die Frattionsstärke ist zurzeit im Reichstage folgende: Sozialdemokralen 111, Natio- nalliberale 45, Freisinnige 44, Konservative 42, Reichspartei 12, Wirtschaft!. Vereinigung 7, Reformpartei 3, Zentrum 88, Polen 18, Elsaß - Lothringer 9, Deutsch-Hannoveraner 4 und Fraktionslose 8.
c. Die Uniformen der 6 neuen Reiter-Regimenter, die auf Grund der Bewilligung der Wehrvorlage durch
/rMwlnt «milch mv klusnohme der Sonn- unb Vertage. Mettel-
«ghrthher Bezugspreis ohne Bringerlohn und vestellgeid In Sulöa j SonntaQSZCihmg
auswärts 1.50 Mark. - - Rotationsdruck unb Verlag der | . ..
- X zuldaer fldknbrudterd In Sulba. Zemsprecher Hr. 9. 5 5 ] l . _ . . ----
4- Das rre«e Wehrgesetz und das Zentrum.
Es fft bekannt, daß das Zentrum die große Wehr- borlage benutzt hat, um seit Jahren laut gewordenen, dringenden Wünschen des deutschen Volkes tn Bezug auf das Militärwesen. Gehör zu verschaffen. In seiner soeben veröffentlichten Schrift „Die Zentrums- Politik im Reichstag vom 26. November 1912 brs 30 Juni 1913" stellt Abg. Erzberger zusammen, was das Zentrum nach dieser Richtung hin erreicht hat:
1. Hebungen des Beurlaubtenstan- d e s. Auf Antrag des Zentrums ist in das Friedens- präsenzaesetz folgender § 3a ausgenommen worden: Die Mannschaften des Beurlaubtenstandes werden, soweit militärische und wirtschaftliche Gründe es gestatten, nur in den Wintermonaten zur Hebung em- berusen." , , „...
2 Aufwandsentschadtgung für solda- tenreiche Familien. Im Etat des Reichsamts des Innern ist auf Antrag des Zentrums folgende Position eingestellt worden: „Zu Aufwandsentschadigun- qen an solche Familien, von denen bereits drei Sohne ihrer qeseblichen zwei oder dreijährigen Dienstpflicht im Reichsheer oder in der Marine als Hnterofsizrere oder Gemeine genügt haben oder noch genügen und »toar in Höhe von 240 Mk. für das Jahr während der gleichen gesetzlichen Dienstzeit eines jeden wetteren Sohnes m denselben Dienstgraden 240 000 Mk."
3. Steuernachlaß für soldatenreiche Familien Im außerordentlichen Wehrbeitrag ist ferner <mf Antrag des Zentrums bestimmt worden: „Hat der Beitragspflichtige ein Vermögen von nicht mehr als 200 000 Mk., ober ein Einkommen von nicht mehr als 20 000 Mk., so ermäßigt sich der Wehrbeitrag für den brüten unb jeden wetteren Sohn, welcher seine gesetzliche Dienstpflicht bei Heer ober bei Flotte aoge- leiftet hat, um je 10 vom Hundert seines Betrages. Die Beitragsermäßigung tritt auch ein, wenn die Ableistung ber Dienstpflicht noch in ben Jahren 1914, 1915 unb 1916 erfolgt. Ist ber Wehrbeitrag in bie= fern Falle bereits voll entrichtet, so ist ber entsprechende Betrag dem Bettragspflichttgen auf Antrag zu erstatten."
4. Jährliche Freifahrt für Soldaten in die Heimat. Auf Antrag des Zentrums ist folgende Etatsposittion neu eingestellt worden: „Zu freien Urlaubsreifen ber Unteroffiziere und Gemeinen in die Heimat 1600000 Mk. Der Betrag ist fo berechnet, daß Unteroffiziere unb Gemeine jährlich einmal freie Hin- unb Rückfahrt in bie Heimat erhalten können."
Auf Anfrage bes Abg. Hebel erklärte bie Regierung, baß bei wetten Entfernungen auch Schnellzüge benutzt werben bürfen. Folgende Resolutionen des Zentrums sanden ferner Annahme unb Billigung ber Heeresverwaltung:
5. Bei Verabschiebnng ber Militärvorlage bie Erwartung auszusprechen, baß nur Volltaugliche eingestellt werben.
6. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß bie Bestimmungen ber Wehr- orbnung, bett. Befreiung vom aktiven Heeresdienst infolge bürgerlicher Verhältnisse (einziger Ernährer hilfloser Familien usw.) in der bisherigen rücksichtsvollen Weise auch in Zukunft Anwendung finden.
7. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, bie et« forderlichen Anordnungen zu treffen, damit
a) bie Soldaten mindestens durchschnittlich jährlich vier Wochen Urlaub erhalten können,
b) ber Urlaub für die berittenen Waffen in erhöhtem Umfange gewährt wird,
je) diese Urlaubszeiten für die aus ber Landwirtschaft stammenden Soldaten tunlichst in der Erntezeit erteilt werden.
8. Den Herrn Reichsskanzler zu ersuchne, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen zur Verringerung
Das Münchner KinM.
41] Roman von Felix Nabor.
Aber sie eroberte damit das verlorene Paradies ihres Glückes nicht zurück, weil Hardh ihre Tränen überhaupt nicht sah. Er lebte sein eigenes Leben, ging ganz in seiner Arbeit auf.
Annie schien aus seinem Leben ausgeschattet zu sein und litt entsetzlich darunter. Sie gab bie Schutt» baran dieser Riesenstadt, die nur bas Aufpeitschen ber Arbeit kannte unb ihr wie ein Dämon vorkam, ber den Gatten von ihrer Sette riß und auch sie selber zu verschlingen brohte. Ein Grauen befiel sie, eine zitternbe Furcht, hier untergehen zu müffen.
Sie bilbete sich ein, von Feinden umgeben zu fein, bereit gefährlichster ber Fürst war. Sie hatte einmal einen Blick von ihm aufgefangen, ber förmlich vom Haß sprühte. Den Grund ahnte sie und verwünschte den igu, an dem sie das Palais Ostrawitz betreten hatte, ^ardh hatte sie von diesem kleinen Vorfall nichts ßut- sagen gewagt, weil sie fürchtete, er möchte eifersüchtig werden oder mit dem Fürsten in Konflikt geraten. Aber dieses Geheimnis lastete nun schwer auf ’"t, preßte ihr Tränen aus und bewirkte, daß sie im Wachen unb Träumen immer diesen furchtbaren Dämon sah, bei sie mit feurigen Augen an- stairte •—
Ganz in Träume aufgelöst fand Leo von Sandow eines Tages feine Schwiegertochter. Zögernd gestand sie ihm auf feine Frage, daß sie unter Hardhs Kälte leide. Der alte, liebenswürdige Herr tröstete sie. „Das bilbeft du btt ein," sagte er. Wir alle lieben dich. Hardh aber ist in seiner Liebe nur deswegen spar- ‘ samer, weil er ganz in seiner Arbeit aufgeht. Das ist nun einmal fo bei großen und starken Naturen; sie werden von ihren Ideen und Plänen so sehr m^ An- spruch genommen, daß alles andere »davor zurücktrttt. Und Hittdy ist einmal einer von den Großen, von den Himmelsstüimern, das mußt du doch selber zugeben, nicht?" ___
Annie nickte. Sie dachte dabei an einen Wettlauf zwischen ihr und Hardh, bei welchem ihr dieser in weitausholenden Schritten vorauseilte, daß sie nicht mehr zu folgen vermochte.
„Nun also," fuhr Leo von Sandow fort, „da haben wir den Grund. Du hast ja keine Ahnung davon, Kind, wie ungeheuer groß, umfassend und.weittragend die Arbeit ist, die wir beide auf uns genommen haben. Komm, folge mir — ich will dir einen Einblick in unsere Schaffenswerkstätte gestatten, dann wird es dir klar werden, welche Riesenkräfte die Ausführung unserer Pläne erfordert — und dann werden von selbst deine Bedenken gegen Hardh schwinden. Du wirst ihn milder beurteilen, wirst staunen über seinen Geist, seine Energie und seine, reiche Künstlerschaft."
Er führte sie in die Bureau-Räume. Auf einem mächtigen Zeichentisch, den man umschreiten konnte, wie etwa eine Weltkugel, sah sie ein Niesenbild ausgestellt. Leo von Sandow erklärte ihr: „Das ist unser Plan zum Wettbewerb für bie Ausgestaltung Groß- Berlins. Unsere Reichshauptstadt erinnert in ihrer jetzigen baulichen Gestaltung an das zerfahrene und zerrissene Deutschland vor 70! Eine Menge Duodezstädtchen mit tausend Sonderinteressen! — So umfaßt heute Groß-Berlin 30 polittfche Gemeinden, die alle an der Mutterbrust zehren unb babei satt werden. Aber das ist ungesund, das zehrt am Lebensmark der Mutterstadt. Es muß eine gesündere, lebenskräftigere Verbindung hcrgestellt werden zwischen dem Herz dieser Riesenstadt unb ihren Gliedern, die sich vöm Grünewald bis zur Wuhlheide, von Tegel bis nach Teltow erstrecken. Ein einheitlicher Organismus, ein zusammenhängender Stadtkomplex muß geschaffen werden durch planmäßigen Ausbau dieses'weiten, unermeßlichen Gebietes. Andere Großstädte, wie London, Newhork, Paris und Wien, sind uns darin voraus."
„Und München sicherlich auch," rief Annie, bie stets bereit war, eine Lanze für ihre liebe Heimatstadt zu brechen.
Herr von Sandow lächelte nachsichtig, „Liebes
Kind," sagte er, „im Vergleich zu Berlin ist München eine kleine Stadt."
„Aber ich bitte, Papa: mit ihren fünfmalhundert- taufenb Einwohnern soll München eine Kleinstadt sein?"
„Eine kleine Stadt — im Verhältnis zu Berlin!" belehrte er sie. „Ich will München gewiß nicht zu nahe treten, Annie; ich weiß sogar, daß ein geistvoller Feldherr im Dreißigjährigen Kriege — ich glaube, cs war Gustav Adolf! — von München rühmend sagte: es sei ein goldener Sattel auf dürrer Mähre!"
„Und ich weiß," rief Annie kampflustig, „daß man bei uns im Süden sagt: Berlin mit ber Mark sei bie Streusandbüchse des Deutschen Reiches!"
Darüber lachten nun beide, 'unb Leo von Sandow fuhr in seiner Erklärung fort: „Es ist schwer, bie große Frage ber Bebauung Groß-Berlins mit einem Schlage zu lösen; es spielen zu viele Sonberintereffen, zu viele lokalen und politischen Anschauungen herein. Alan darf dabei nicht bloß Baumeister, man muß auch Sozialpolitiker, Aesthetiker, Nationalökonom unb Hygieniker sein. Für alle Fälle aber müssen wir ben Verkehr unb bie Verkehrsmittel bem ganzen Plan zugrunde legen; es muß dafür gesorgt werden, daß zwis-L«^ dem Zentrum bei Stadt unb ihrer äußersten Peripherie eine möglichst rasche Verbindung hergestellt wird. Von der Innenstadt aus siehst du daher süns breite Straßen mit fünf Schnellbahnen wie Strahlen nach fünf Richtungen ausgehen: nach Rathenow, Zoffen, nach dem Spreewald, nach Warenu- chen und Velten. Das sind sozusagen die Ausfallschächte, die ins Freie führen und die Stadt mit Luft versorgen. Denn dieser Riesenkörper, der da schweratmend in sandiger Heide liegt, braucht Luft, Licht, Wald und Wasser, wenn er gedeihen und gesund bleiben soll. Rings um das Häusermeer Berlins zieht sich glücklicherweise ein Riesengürtel von Wiesen, Wäldern und Seen Das sind die Lungen des Riesen, ohne die er ersticken müßte. Wenn aber dem Spekulationsgeiste nicht energisch unb durch gesetzgeberische Mittel Einhalt getan wird, so überflutet das Häujcrmeer Berlins innerhalb 20 Jahren diese
natürlichen Lungen der Stadt, ben ganzen grünenden Ring um Berlin: den Tegeler Forst, den Grünewald, den Machnowei Forst, die Wuhlheide, die schönsten Gegenden an Havel und Spree, und der Riese leide! lebenslang an Schwindsucht und Asthma — und geht schließlich an Apoplexie zugrunde. Das klingt ^vielleicht paradox, ist aber im Grunde doch wahr. Einer solchen lleberflutung durch das ^steinerne Meer" muß vorgebeugt werden. Daher diese Schnellbahnlinien, diese Hauptadern, welche das Blut hinauS- leiten bis in das kleinste Glied dieses Riesenkörpers. Der Menschensttom, der Berlin überflutet, muß abgelenkt und hinausgeleitet werden in freies Gelände, wo in Menge billiges Land zur Besiebelung vorhanden ist, wo jeder für sich luftig und frei und im Grünen leben kann. Diese neuen BesiedelungSflä- chen bieten nun wieder große Schwierigkeiten. Auch da draußen „im Freien" wird ein Unterschied beü Stände und eine Verschiedenheit an Vermögen uikd Geschmack bestehen- Daher mutz bie Bebauung eine verschiedene sein: es müssen erstehen Landhäuser sür die Ilrbeiter, Villen für den Mittelstand und herrschaftliche Häuser für die Reichen, die für Tage oder Stunden dem Lärm der Grotzstadi entfliehen und Ruhe, reine Luft und Sonne haben wollen. — >L>o sollen an den Peripherien der Stadt neue Ansiedelungen aufblühen, neue Städte und Kolonien, die Fleisch sind von ihrem Fleisch, Blut von ihrem Blut Das wird freilich Milliarden kosten, aber wir werden sie auS ber Erde stampfen. Denn Berlin soll eine -Weltstadt werden und bie besten und edelsten Kräfte beS Reiches an sich ziehen. Berlin soll nicht nur bte volkreichste, sondern auch die reichste, mächtigste, rntel- ligenteste unb gesündeste Stadt des Kontinents werden — das Herz ber Erde! Siehst du, dafür setzen wir unser Talent, unsere Kraft, unser Leben ent. Dafür leben und sterben wir! Unser höchstes Lebensziel ist es, zu arbeiten für das Gedeihen und Blühen unserer Vaterstadt. Und nun wirst du Wohl ermessen können, datz eine solche Riesenarbeit alle Kräfte eines Mannes absorbiert, so daß vor ihr >o- gar bas Liebesleben zurücktreten mutz, —:
’ (Fortsetzung folgt.)