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- - Zuldaer flctitnbnidttrei In 5ulda. Zemsprecher Nr. 9. z z ~ Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Klossen-Lottrrie. — halbjährlich Taschenfahrplan, k

Nr. lbv. Montag den 14* * Juli 1913»

+ Zwei Reichstagswahlen und ihre Lehren.

Am Donnerstag und Freitag haben zwei Reichs- iQgsersatzwahlen stattgefunden, durch die der Rechten des Reichstags zwei Mandate verloren gingen, die nun im Besitze der Linken sind, lieber Jordan von Kröcher hat der Bauernbündler Dr. Böhme den Sieg dcwongetragen und dem Sozialdemokraten Etoald ist der Reichsparteiler von Oertzen unter­legen. In Salzwedel-Gardelegen ist der Bauern­bündler nur durch die sozialdemokratische Unter­stützung gewählt worden und in Zauch-Belzig hat der Genosse der freisinnigen Wahlparole feinen Sieg zu verdankn. Daß Kröcher wenigstens vorläusig dem Reichstag verloren geht, wird nicht nur in der kon­servativen Fraktion bedauert und der Einzug Dr. BKchnes ins deutsche Parlament dürfte bei den Bauern auch keine große Begeisterung Hervorrufen, zumal der liberale Bauernbündler die Jenaer Stich- wahlbÄingungen anerkannt hat und dadurch zum Vasall der Sozialdemokratie geworden ist. Wie wenig das sozialdemokratische Programm gerade auf bäuerliche Interessen zugeschnitten ist, dürfte doch selbst allen Bauernbündlern einleuchten. Daß es der liberalen Richtung unter den Bauern im Ber­eut mit den Sozialdemokraten dennoch gelungen ist, tu altkonservative Domänen Bresche zu legen, muß zur Mahnung dienen, daß mehr noch als bisher auch iauf dem Lande politische Aufllärung geschaffen wird.

Die sozialdemokratische Stichwahlhilse in Salz- Wchel-Gardelegen ist in Jüterbog voll bezahlt worden. Dort ist mit freisinniger Hilfe der 111. Äzialdemo- krat gewählt worden und die reichsparteiliche Gruppe ist dadurch wieder um ein Mandat geschwächt wor­den, sodaß sie jetzt nur noch 12 Mitglieder zählt. Sozialdemokraten und Lcherale feiern die beiden -Siege als Zeichen für die Werbekraft ihrer Ideen, während in Wirklichkeit doch nur von einem Wahl- sch ach er mit der Umsturzpartei die Rede sein kann. Waldeck-Pyrmont, Salzwedel-Gardelegen und Zauich- Behig zeigen klar, welche Taktik die Linke in Zukunft Lei Wahlen einzuhalten gedenkt.

Für die übrigen Parteien ergeben sich daraus ernste Schien, von deren Befolgung für die zukünftige Gchtaltung unserer inneren Politik viel abhängen wird. Durch die letzten Reichstagsersatzwahlen ist die Mehrheit der Linken zur Tatsache gewor­den uud was dies vor allem für die bevorstchenden Kämpfe um die Erneuerung der Zolltarife bedeutet, bedarf keiner nähern Darlegung. Wohl aber ergibt sich daraus die ernste Mahnung an die schutzzöllneri- schen Parteien, geschlossen beisammen zu stehen und den Hader untereinander zu meiden. Je stärker und erfolgreicher der Einfluß der Linken im Reichstage ist, um so mehr müssen die rechtsstehenden Parteien die weitgehende Gemeinsamkeit ihrer Interessen mit deu Parteien der Mitte erkennen und betätigen. Das ZusammenwirLn der bürgerlichen Parteien bei der Schaffung der Deckung für die letzte große Militär­vorlage bietet den Ausgangspunkt für weitere erfolg- rchche Zusammenarbeit. Die konservativen Parteien, die sich damals ferngehalten hatten, sollten durch die schweren Verluste, die sie jetzt erlitten haben, zur Er­kenntnis kommen, daß chr Platz an der Seite der übrigen bürgerlichen Parteien ist, mit denen zusam­men zu wncken auch unter persönlichen und partei­politischen Opfern ost eine vaterländische Pflicht ist.

Die letzten Reichstagsersatzwahlen haben aber mich erneut den Beweis erbracht, daß das jetzt übliche Wahlprüfungsverfahren im Reichstag äußerst bedenkliche Mängel aufweist. Eine Wahl- pr^nng muß stets nach Grundsätzen der Gerechtig- keit vorgenommen werden, geschieht sie statt besten »ach den Regeln der Machtverhältniffe, so ist ein Muke« des Ansehens des Parlaments unausbleib- Lch. In der letzten Zeft haben wir es aber des

öfteren erlebt, daß die Linke des Reichstags ihre größere Stärke einfach dazu benutzte, um ihr miß­liebige Mandate der Rechtsparteien zu kassieren und eigene faule Mandate durchzudrücken. Welche Taktik dann bei den Neuwahlen beliebt wird, zeigen die oben genannten drei Ersatzwahlen. Es ist darum nicht nur ein durchaus berechtigtes Verlangen der Reichstagswähler, sondern es liegt auch im Interesse des Ansehens des Reichstags selbst, daß die Wahl­prüfungen auf anderem Wege als bisher vorgenom­men werden, ohne daß darum dem Reichstag das Prüfungsrecht entzogen zu werden braucht. Es inäre vielleicht angängig, daß ein besonderer Ausschuß die beanstandeten Mandate möglichst schon in der erften Session des Reichstags prüfte.

Deutsches Reich.

J Berlin, 12. Juli 1913. Die .Hohenzolleru* verließ heute Bergen um 6 Uhr früh mit Kurs nach Norden. Am Eingang des Sognesjords ging der Kaiser nebst Gefolge auf den „Steipner" über und fuhr nach Balmholm, wo die vom Grafen Görtz zu Schlitz geschaffene Bele-Statue aufgestellt wurde. Am Nachmittag wurde nach Vangsnäs gefahren und die Arbeiten zur Aufstellung des Fridtjof-Denkmals be­sichtigt. Die Abendtasel fand auf der »Wittelsbach* statt. Abends um 9 Uhr traf die »Hohenzollern* vor Balsolm ein. — Prinz Joachim von Preußen, der nun im dritten Semester an der Kaiser-Wilhelms- Universität in Straßburg dem Studium der Rechte und Slaatswissenschaiten obliegt, wird am 30. d. M. um 9 Uhr in der Aula der Universität vom Rektor die Exmatrikel empfangen. Der Prinz wird an dem­selben Tage Straßburg verlassen.

-T- Noch immer der Streit über die Deckung. In ihren Rückblicken schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg.st

»Die Presse hat die Erörterung über die Deckungs- vorlagen noch nicht abgeschlossen. Die ,Schl. Volkszkg/ batte in einer Polemik mit der .Deutschen Tagesztg/ die Mitteilung gemacht, daß die maßgebendsten Stellen der Regierung in Vorbe-prechungen keinerlei Zweifel darüber gelassen hätten, daß sie die reine Erbschaftssteuer von einer beliebigen Mehrheit, in der auch die Sozialdemokraten hätten sein können, angenommen haben würden, wenn anders keine Verständigung erzielt worden wären. Daran knüpft die .Kreuzztg/ folgenden Kommentar: „Wenn diese Angaben zutreffend sind, wie man angesichts der Quelle doch wohl annehmen muß, so sind die Ausstellungen, die wir bisher bereits an der schwächlichen Haltung'der Regierung machen mußten, nicht mehr scharf genug, um das ganze Maß ihrer Nachgibigkeit zu kennzeichnen. Sie hat danach trotz der Rede des Rerchrkanzicrs von vorn­herein von jedem Kampf für ihre Vorlage abgesehen, und war bereit, die Sozialdemokratie zum ausschlaggebenden Sakior des ganzen Gesetzgebungswerkes zu machen."

s ist, wenn man die tatsächliche Entwicklung der Deckungssrage im Auge behält, nicht leicht, den Gedanken- gang der .Kreuz,tg.' zn verstehen. Wenn die Regierung die im Jahre 1909 von ihr vertretene reine Erbschafts­steuer nicht eingebracht hat, obwohl sie sich dadurch manche Schwierigkeit im Bundesrat erspart hätte, so war dafür der Wunsch mitbestimmend, den Parteien der Rechten die Mitarbeit an derDeckungzu ermöglichen, und eine Entwicklung zu verhindern, bei der die Sozial­demokratie für die Deckungsgesetze eme ausschlaggebende Rolle hätte spielen können. Dieser Wunsch fft erfüllt worden. Der größere Teil der Rechten hat die Brücke, welche die Regierung bot, betreten. Daß es gelang, die Erledigung der DecknngSgesetze durch eine bürgerliche Mehrheit zu erreichen, ist der Regierung, die den Weg gezeigt, und den Kompromißparteien, die ihn betreten haben, zu danken, wenn die Regierung dem Verlangen der Rechten, jeder reinen Erbschaftssteuer von vornherein ein Unannehmbar entgegenzusetzen und im Falle ihrer Annahme das Scheitern des ganzen Werkes in Aussicht zu stellen, nicht nachgegeben hat, so wird man logifcher- roeife darin einen Beweis der Schwäche nicht er­blicken können. Die Frage, ob eine vom Reichstag be­schlossene Erbanfallsteuer vom Bundesrat anzunehmen

oder abzulehnen gewesen wäre, würde erst akut geworden sein, wenn der andere Teil der rechten Parteien an der Haltung der Konservativen gefolgt und ein Kompromiß auf der Grundlage der Regierungsvorlage nicht zustande gekommen wäre. Da eine solche Entwicklung dank der Einsicht der bürgerlichen Parteien und der Bemühungen der Regierung vermieden wurde, scheinen uns die Vor­würfe der,Krtnzztg/ unangebracht zu fein."

Es war also recht und gut, daß die Regierung andere Wege zur Deckung in Vorschlag brachte. — Die Regierung brachte die Erbschaftssteuer nicht ein, aber sie erklärte sie auch nicht für unannehmbar. Diese taktische Schweigsamkeit, sagen die Offiziösen, bilden logischerweife keinen Beweis der Schwäche. Zwischen Vorsicht und Schwäche, zwischen Geschmei­digkeit und Haltlosigkeit ist die Grenzlinie nicht im­mer ganz klar scharf zu erkennen. In den langen Wochen hatte man häufig das Gefühl, daß der Reichs­kanzler die Zügel schleifen ließe. Vielleicht erklärt es sich aus der E n t st e h un g der Vorlagen int Bundesrat, daß er sich für die „veredelten Ma- trihtlarbciträge" nicht wuchtig einsetzte. Seine Bered­samkeit bei der ersten Lesung spitzte sich negativ zu: Nur keine Reichsvermögenssteuer! In Bezug auf die reine Erbschaftssteuer sprach er freilich ein solches Unannehmbar nicht aus. Manches spricht für die Annahme, daß er selbst die vom Bundesrat vorge­schlagene Lösung nicht für den besten Ausweg gehal­ten, sondern vom Reichstage eine Verbefferung des Konzepts erwartet hat. Die Kompromißparteien des Reichstages haben ja auch einen anderen Ausweg gefunden. Vor der Hand ergibt sich aus den offiziö- fen Auslastungen eine weitere Erhärtung für die drohende Gefahr der re inen Erbschaft s- fteiter. Diese Gefahr hat wesentlich dazu mitge­wirkt, die Kompromißverhandlungen in Fluß zu bringen. Diese Gefahr hat auch Opfer notwendig gemacht; denn die nationalliberale Partei wußte sehr wohl, daß sie den Stein der Erbschaftssteuer im Breit halte. Man kommt also immer wieder auf das alte Ergebnis hierzu: durch die Zuwachssteuer ist ein größeres liebel vermieden worden. Das sollten nun endlich auch die Konservativen aner­kennen.

0 Herrknhailsvünsche. Im Interesse des Herren­hauses ist es, so schreibt man der ,Tägl. Rundschau', sehr erwünscht, daß der Landtag tunlichst Mitte No­vember alljährlich zusammentritt. In den letzten Jahren mußte das Herrenhaus kurz vor dem Sessionsschlusse eine ganz unwürdige Schnellarbeit leisten, weil die andere Kammer alle größeren Vorlagen erst gegen Schluß der Tagung verabschiedete und an das Herren­haus das Ansinnen gestellt wurde, in 8—10 Tagen wie im April d. I ein Dutzend Vorlagen, darunter Millionenforderungen und wichtige wirtschaftliche Fragen, schnell zu beraten. Das Herrenhaus wird sich diese Art der Arbeit auf die Dauer nicht gefallen lassen. Schon verschiedene Male sind auch Entwürfe auf diese Weise gescheitert, weil das Herrenhaus sie nicht mehr beraten konnte oder die andere Kammer keine Zeit mehr fand, den Abänderungen des Herren­hauses zuzustimmen. Beispiele der neueren Zeit sind das ländliche Fortbildungsschulgesetz (das dreimal vorgelegt wurde) und daS Ausgrabungsgesetz. Eine Abänderung dieses peinlichen Zustandes ist nur zu erwarten, wenn das Abgeordnetenhaus vor der Etats- beratung im Januar die ersten Lesungen der wichtigeren für die Session in Betracht kommenden Entwürfe vornehmen kann und die Ausschüsse im Januar ar­beiten können. Das Herrenhaus kann diese Vorlagen dann schon im März beraten. Es würde sich auch empfehlen, dem Herrenhause mehr Vorlagen als bisher zuerst zur Vorberatung, zu unterbreiten.

--- Das Religionsbekenntnis der 110 Roten. Welch treubesorgte „Kirchenfreunde" die Sozialdemokraten sind, darüber belehrt schon ihr Religionsbekenntnis, das sie selbst ablegen. Im Kürschnerschen Reichs- tagsalmanach bezeichnen sich von den 110 Genoffen

Mas Münchner Kindl

V

Und dann schwieg er. Im Geiste stellte er schon cen Prunkbau in die Welt hinein, türmte Onader

Roman von Felix Rabor.

% „Akfo ein neues Kapitol!" rief Hardh. „Das ist ftchilich ein gewaltiger und kühner Gedanke, und eine Luft Ms, an einem solchen Werke Mitarbeiten zu iäafen. Wer aber ist der Bauherr?"

„Zunächst das Reich. Es sollen hier die neuen RÄchsgebände errichtet werden, dann aber kommt der Wel in Betracht, die Hochfinanz, mit Privat-Palästen Md Etablissements großen Stils! — Tas Nähere er- ftchren Sie ans dem Wettbewerb, den ich Ihnen in

i „Ich baute, Durchlaucht! Nun freut mich mein Leben doppelt: weil es von Ihrer Gunst überstrahlt

— und weil es reich an Arbeit wird!" '?,„Sie haben also noch andere Pläne?"

■ —’„$a. Der ProspeU zum neuen Opernhaus ist cr- .schieneu, und ich werde mich an dem Wettbewerb öe- Iteiligen. Noch heute werde ich beginnen, und jetzt ^ich will ich das Gebäude in Augenschein nehmen, -yti) hoffe, die Erwartungen des Preisgerichts, in dem ausschlaggebende Persönlichkeiten der Fürst und mein Vater sitzen, zu erfüllen."

X „Nehmen Sie sich in acht, Sandow! — Der Fürst hat ganz besondere Pläne, die er selbst mir nicht ver­trat. Er spielt mit verdeckten Karten, und man muß Iber ihm auf lleberraschnngen gefaßt sein."

Hardh lachte sorglos. „Die fürchte ich nicht," ftkgte er. „Auch ich werde ihm mit llcbexraschungen pstftoarten: mein Werk soll ein so herrlicher Bau werden, daß er selbst die Große Oper in Paris und kt§ Skalatheater in Mailand in den Schatten stellt. Ah — was wird es eine Wonne sein, unter Ihren Aigen zu arbeiten, Fürstin! Wie ein Gott komme ich ptir vor, der neue Welten schafft!"

Bogen — bis der Wunderbau die Stadt und die Welt überragte.

Sie hatten inzwischen die Korneliusorücke über­schritten und standen am Kurfürstendamm. Hier follte der Bau erstehen.

Hardh maß den Raum mit den Augen ab und agte: „Das Terrain fft nicht besonders günstig; zu anggestreckt — es fehlt die Tiefe. Aber das wird sich indem Der Grundriß paßt sich eben den Verhält­nissen an — ich strebe ins Weite und in die Höhe. Ach, Fürstin, ich sehe den Bau schon emporragen, als ein Denkmal echter deutscher Kunst! Denn aus deut’ chem Geiste soll er geboren werden und Anmut, Kraft und Klarheit in sich bereinigen. Deutsches Empfinden soll sich mit klassischer Schönheit paaren und in höchster und reinster Harmonie ausklingen, auf seiner steinernen Stirne soll man lesen, daß beut’ cher Geist hier wirkte und waltete, daß die deutsche Kunst und die deutsche Kultur hier ihren Thron auf­geschlagen haben."

Immer lebhafter und feuriger sprach er, als er örtfuhr: „Ich will eine neue deutsche Kunst schaffen, einen neuen monumentalen Stil, der ganz aus deut- chern Empfinden heraus geboren ist! — Seit mehr als hundert Jahren besitzen wir keinen einheitlichen Baustil mehr. Die Technik ist mit der Anwendung des Eisens zu großer Entwicklung gelangt, aber eine neue Kunstsorm ward nicht gesunden. Man begnügte ich damit, die älteren Formen nachzuahmen, woraus eine schwächliche Willkür und Zerfahrenheit entstand. Der neue Stil, den ich suchte und gefunden habe, ist der Stil der Zukunft und unseres Volkes! Aus dem deutschen Volke, dessen Repräsentant ich bin, aus sei­ner Entwicklung und geistigen Kultur ist er heraus­gewachsen wie ein Baum aus der Muttererde. —"

„Diese Idee ist herrlich," rief die Fürstin, „sie ist o kühn, so stark, schön und lebenskräftig, daß man Sie darum beneiden könnte. Aber sagen Sie mir: Wie denken Sie sich diesen Stil?"

Hardys Augen weiteten sich. Sein Blick flog em« )or zur Sonne, welche die Luft mit Gold durchspann.

|emcn Prunkbau in die Welt hinein, türmte Onader und er sagte: „Ich knüpfe an den echt deutschen Stil JDtauer;yiLMauer^setzte^Bogen au^Mi _. cmgotische«' _ Sie^dtai.formen müssen

durch die künstlerische Idee neu belebt und erweitert werden; die schweren Mauermafsen lösen sich in wohlgeordnete Glieder auf, von denen jedes seine eigene Gestalt und seinen eigenen Schmuck erhält. Im Grundriß sowohl wie im Aufbau wird unbe­schränkte Freiheit herrschen und das Ideal der Schön’ heft mit den praktischen Bedürfnissen Hand in Hand gehen. Bei allem Ernst und aller Strenge der Grund­linien soll doch der schöpferischen Kraft und der Phan­tasie ddr weiteste Spielraum gegönnt sein, und Fülle und Mannigfaltigkeit der Formen fallen herrschen, dabei überall der eine große Gedanke gewahrt blei­ben. Der alle Formen und Linien einhefflich um­schließt und zusammenfaßt: Deutsch vom Fundament bis hinauf zur höchsten Zinne! Ein Wunder von Schönheit und Kraft soll diesex Bau werden, ein Sie- geszeichen deutscher Arbeit, deutschen Geistes, deut­scher Kultur! Er soll dieser Riesenstadt mit ihrer zähen Energie und dem rastlosen Fleiße, mit ihren millionenfachen zielbewnßtcn Kräften und ihrem stol’ zcn und sieghaften geistigen, künstlerifchen und wirt­schaftlichen Aufschwung, die Krone aussctzen. Und wenn das Werk vollendet zum Himmel ragt, dann soll in diesem Bau der Pulsschlag des deutschen Vol­kes ertönen, dann soll er sein das laut und freudig pochende Herz dieser Stadt, unseres Volkes und der großen heiligen deutschen Kunst!"

Die Fürstin drückte ihm in heller Begeisterung die Hände. „Das war ein großes Wort!" rief sie, „und ich weiß, daß Sie es einlosen werden. Aber dazu braucht cs -all Ihre Kraft! Nur jetzt keine Ablenkung, keine Zersplitterung der Kräfte! Sie gehören ganz diesem großen, herrlichen Werke! Alles andere muß zurückweichen vor der Allgewalt dieser Schöpfer­kraft! —"

„Alles — ja! Nur eins nicht, Fürstin: Ihre Gunst! Ihre Huld und Güte! Ich brauche Sonnen’ schein auf meinem Wege zu den goldenen Gipfeln! Dann wird das große Werk gelingen."

I-ytt Fürstin drückte ihm die Hand. „Ohne Sorge — ich werde an Ihrer Seite stehen und Sie an« feuern^ toenn Sie ermatten sollten. Aber ich glaube.

40. Zugang.

7 als religionslos, darunter der Führer Bebel, IS sind „konsessionslos", 7 „freireligiös", nicht weniger als 27 erklären sich als „Dissidenten", d. h. Freirel. Protestanten nennen sich 4, evangelisch sind 15, luthe­risch nennt sich 1, deutsch-katholisch, ein anderer Name für freireligiös, 1, katholisch nennen sich ganze 3, 5! bezeichnen sich als Inden, an sich ist deren Zahl viel' großer, sie nennen sich aber freireligiös usw. Endlich geben 17 sozialdemokratische Abgeordnete über ihr Religionsbekenntnis gar nichts an.

# Stuttgart, 12. Juli 1913. Wie der „Tag" er«; fährt, wird im Reichstagswahlkreise Stuttgart dem­nächst eine Ersatzwahl erforderlich werden. Der bisherige Vertreter, Reichstagsabg. Hilde n- brand, wird anstelle des verstorbenen Abg. Zietsch zum Sekretär der sozialdemokratischen Reichstags’ fraktion gewählt werden, siedelt infolgedessen nach Berlin über und beabsichtigt, sein Mandat zum Reichstag und zum württembergifchen Landtag nie­derzulegen. Wenn man bedenkt, meint das genannte Blatt, daß verschiedene sozialdemokratische Abgeord­nete, die ihren ständigen Wohnsitz in Berlin haben, auswärtige Wahlkreise im Reichstag vertreten, so! wird man wohl zu dem Schluß berechtigt sein, daß der angegebene Grund nur ein Vorwand ist. Hildenbrand ist den Stuttgarter Genossen radikaler Färbung langst ein Dorn im Auge und von ihnen wiederholt cmfs schärfste bekämpft worden. Hierin dürste die etgerrt«' liche Ursache seiner Mandatsniederlegung zu erbüchm sein.

Ausland.

* Tas neue Hauptquartier der englifchen StffftÄ-^ gelten. Nach ©rmittelung der Polizeibehörde in; Manchester haben die streitbaren Suffragetten ihr Hauptquartier dorthin verlegt. I« den Bureaus.der Organisation in Manchester fand eine Hau-fuchrmg statt, wobei eine große Zahl von Dokumenten be­schlagnahmt wurde. — Unerschöpstich sind die englischen Suffragetten im Erfinden neuer Gemein­heiten. In einem Londoner Postamt explodierte einem Briefe sortierenden Beamten unter den Händen ein Brief, der mit Sprengstoff geladen war. Verletzt wurde zum Glück niemand. Zwischen den Postsachen fanden sich die Propaganda-Schriften der «Suffragetten; die mit in den Briefkasten geworfen worden waren.

△ Der erste Katholikentag in Dänemark. Vor einiger Zeit war es dem apostolischen Vikar von Dä­nemark, Bischof van Euch, vergönnt, in Roskilde deu Grundstein zu einer neuen großen katholischen Kirche zu legen. In Roskilde sind in der schönens Kathedrale, die im 18. Jahrhundert den Katholiken.! weggenommen wurde, die Könige und Prinzen Dä-s nemarks begraben. Anläßlich dieser Grundstein-^ legung hatte Bischof van Euch die verschiedenen ka­tholischen Vereine von Seeland und Umgebung z«-' fammengerufen. Es war dies der erste eigentliche Katholikentag in Dänemark. Der König antwortete sehr freundlich auf das Huldigungstelegramm, das die Teilnehmer bei der Eröffnung der Versammlung an ihn abgesandt hatten. In Dänemark genießt die katholische Kirche mit ihren Priestern und Ordens­leuten die weitgehendste Frecheit, Freiheit des Kul­tus, des Unterrichts, Frecheit der Vereinigungen, nichts fehlt

** Marokko. Der zurzeit der marokkanischen Wirrens vielgenannte Bandensuhrer Ra isul i, der als „Statt­halter" der Tuhedbala-Provinz in Marokko tätig ist,' hat sich um deutsches S chutzrecht beworben. Die Bewerbung geschah angeblich auf Betreiben deutscher Kaufleute in Marokko, die sich von einem deutfchen Protektorat wohl Schutz vor diesem gefähr­lichen Zeitgenoffen erhoffen. Es ist aber unwahr­scheinlich, daß die deutsche Regierung dem Ansuchen Raffulis nachgeben wird. Daß er von unserem Aus­wärtigen Amte bereits eire i Korb bekommen hat,'

daß dies nicht nötig sein wird. Denn Ihre beste Krast geben Sie sich selbst. Sie sind aus einem Gusse — ein kühner Himmelsstürmer! Ihr Primat, Ihr uneingeschränktes Königreich, ist die Arbeit, die Kunst, die Größe!"

„Dank, hohe, gütige Frau," erwiderte er und gab die kleine feste Hand frei. „Neun gehe ich freudig ans Werk; ich weiß, daß ein holder Genius über mir wacht. Im Feuer ernster Arbeit, im Sonnenschein fürstlicher Gunst wird mein Werk gedeihen. Wohlan denn: auf, zur befreienden Tat!"

„Heil und Glück Ihrem Werke! Von ganzem Herzen wünsche ich, daß es gedeihe, wachse und blühe! Exzelsior!"

„Dank, tausendfachen Dank für Ihren Segens- und Weihespruch! Nun ist mein Weg bereitet: er führt zum Siege, zur Sonne! —" ,

Mit festem Händedrucke erneuerten sie ihren Freundschaftbund und gingen bann, von kühnen, stol­zen Plänen erfüllt, nach Hause.

* *

*

„Aber Annie," sagte einige Wochen später Fra«> von Sandow zu ihrer Schwiegertochter, „was bist du. wieder blaß! Bist du krank?"

„Nein", erwiderte Annie, und erschrak, weil, sich ihr Kummer allzudeutlich auf ihrem Gesichte abspie­gelte. „Es ist nur ein wenig Kopfweh." Sie sagte damit keine Unwahrheit, weil sie der Kopf wirklich schmerzte. Den wahren Grund ihres Kummers wagte sie dieser stolzen, unnahbaren Dame nicht zu nennen.

„Geh an die Luft, Kind!" kam es kühl zurück. Dabei schloß sie sorgsam den letzten Knopf ihrer Hand’ schuhe und schickte sich zum Gehen an. „Ich habe Komitee-Sitzung. Sorge dafür, daß beim Souper alles klappt. Adieu!"

Sie rauschte hoheitsvoll hinaus, während Annie auf einen Sessel sank, die Hände vor's Gesicht schlug und zu weinen anhnb.

Das war ihre einzige Waffe gegen das herbe harte Schicksal: Tränen!

Tortsetzung folgt) »