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Fuldaer Leitung.

JV» 159.

»amrtag 12. Juli ,9lS.

tvohl Rumänien wie auch die Türkei entschlossen zu sein, sich Vorteile aus der veränderten Lage zu ver­schaffen. Es verlautet, daß die beiden Staaten zu diesem Zwecke ein Abkommen geschlossen haben.

In Südafrika hat der Streik der Minen­arbeiter große Ausschreitungen in Johannesburg hervorgerufen, bei denen es eine Anzahl Tote, dar­unter auch zwei Deutsche, gegeben hat. Militär mußte einschreiten, um die Ruhe wieder herzustellen. Nach einer Einigung mit den Minengesellschaften haben sämtliche Streikende die Arbeit wieder ausge­nommen.

des ehemaligen Herzogtums gleichen Namens, zählt sieben religiöse Bruderschaften, deren Ursprung teil­weise bis auf das 14. Jahrhundert, teilweise auf die Zeiten der Farnese und der Dynastie der Bourbonen zurückgeht. Sie hesitzen ein Stiftungsvermögen von mehr als 12 Millionen; die Zinsen gehen an be­stimmte wohltätige Anstalten. Ein Beschluß der Stadtverwaltung errichtete kürzlich eine städtische „Armenunterstützung", der sie ohne weiteres die Zinsen des Kapitals der Bruderschaften über­wies. Der Bischof von Parma, das Kapitel der Kathedrale und die Nachkommen der Wohltäter der Bruderschaften protestierten gegen die offenkundigen Raub an diesem frommen Stiftungsvermögen bei dem Staatsrat in Rom. Dieser ordnete die Rückgabe des Kapitals an, soweit dieses Stiftungen bezüglich religiöser Unterweisung und zu Gunsten der Toten (Stiftungsmessen) betrifft; alle anderen Kapitalien dagegen werden zum Eigentum der neuen städtischen Armenpflege erklärt. — Diese Entscheidung des ita­lienischen Staatsrates werden sich die sozialistischen und kirchenfeindlichen Stadtverwaltungen schleunigst zu Nutzen machen.

** Ti- Währungsvorlagen der Vereinigten Staa­ten. Der Schatzamtssekretär Me Adoo erklärte sich zusammen mit dem Vorsitzenden des Währungs­komitees damit einverstanden, die Währungsvorlage zu a m e n d i e r e n. Sie schlagen vor, das Umlauf­privileg für die 2prozentigen U. S.-Bonds während des ganzen Zeitraums von zwanzig Jahren beizu­behalten. In dieser Zeit, so wird vorgeschlagen, sollen die jetzt im Umlauf befindlichen Siebenhundert- Dollar-Noten der Nationalbanken, für die diese Bonds als Sicherheit dienen, aus dem Verkehr zu­rückgezogen werden.

△ Die erste katholische Universität in Japan. Die Jesuiten haben von der japanischen Regierung die Erlaubnis zur Eröffnung einer Universität er­halten. Die bisher eröffneten Kurse umfaffen Philo­sophie, Literatur und Handelswissenschast. Die Uni­versität heißt: „Gochi-Daigakon"-Universität der Weisheit. Der Rektor der katholischen Universität ist P. Hoffmann, ein Deutscher, die anderen Profes­soren sind p. Dahlmann, ebenfalls ein Deutscher, P. Hellwig, ein Deutscher, P. Boucher, ein Franzose, P. Göttelmann, ein Deutsch-Amerikaner und P. Tsuchihashi, ein Japaner, p. Dahlmann ist bekannt durch .seine philosophischen Studien und Arbeiten über Indien und über den Bddhismus. p. Tsu- chihashi ist ein ausgezeichneter Mathematiker. Die zwei anderen Jesuiten Hellwig und Göttelmann ha­ben sich durch literarische und' philosophische Studien einen Namen gemacht. Es werden noch manche Schwierigkeiten zu überwinden sein, bis der Ausbau der Universität vollendet ist. Augenblicklich werden die Vorlesungen von etwa. 20 Studenten besucht. Gegen 60 Studenten besuchen die Sprachkurse Deutsch und Englisch.

AN8 dem Nachbargebiete.

* Kassel, 11. Juli 1913. Der Magistrat hat dem Konsortium, welches auf die neu zur Ausgabe ge­langende 1000 000 Mk. 4 Proz. Kasseler Stadtanleihe, Abteilung V, das Höchstgebot mit 94,29 Proz. abgegeben hatte, den Zuschlag erteilt. Das Konsortium besteht außer der Dresdner Bank, Filiale Kasiel und dem Bankhause L. Pfeiffer, noch aus der Direktion der Diskonto-Gesellschaft in Berlin und dem Bankhause Ephraim Meyer u. Sohn in Hannover. — Dtzr am 6. Dezember 1885 zu Laufach geborene Arbeiter P. L., der sich hier eine Reche von Strattaten hat zuschulden kommen lasien, ist, als er verhaftet werden sollte, durchgebrannt. Bis jetzt fehlt noch jede Spur von dem Geflüchteten.

* Aus Franken, 11. Juli 1913. Nach kaum dreimonatiger Arbeit konnte jetzt in Speicher; die Wasierleitung vollendet und eingeweiht werden. — Wegen betrügerischen Bankerotts verurteilte das Un- terftänkische Schwurgericht den Schweinehändler Kunzmann von B o ck l e t zu 6 Monaten Gefängnis. — Das Fabrikanwesen der in Konkurs geratenen Fränk. Malzfabrik A. Gärtner und Söhne in Neu­stadt a. S. wurde um 54 000 Mk. von der Malz- sabrik M e l l r i ch st a d t ersteigert. Das Anwesen kostete mit Bau und Einrichtung 120 000 Mk,

tischen die amtlichen Notenfabriken und Bericht- I erstatter. In den Depeschen wird der Gegner so her­untergerissen, daß kein gläubiger Hund noch ein Stück Brot von ihm nehmen möchte, und die eigene Tugend und Herrlichkeit wird in ein so helles Licht gesetzt, daß einem die Augen weh tun. Die alte Prahlerei, die alte Schmähsucht, die ganze alte Maulheldenwirt­schaft mit einer Lügenkunst, die bis zum Selbstbetrug sich steigert — das ist auch im zwanzigsten christlichen Jahrhundert noch im Schwange —, nur in moder­nen Formen, wodurch freilich die Sache nicht schöner wird.

Lügen haben kurze Beine; aber wenn der Lügen­fabrikant an einem Telegraphendraht sitzt, so haben sie ungeheuer flinke Beine. Der falsche Bericht geht im Nu in alle Welt, er steht sofort in allen Blättern, er wirkt, er macht Stimmung. Die Leichtgläubigen nehmen alles für bare Wahrheit, und die Besonnenen fragen sich, ob nicht am Ende doch etwas Richtiges dahintersteckt. „Gelogen, wie telegraphiert" soll einst Bismarck gesagt haben. Dieser Warnungsruf ist aber längst vergessen. Die öffentliche Meinung kriecht gar zu gern auf den ersten besten Depeschenleim.

Neugier macht leichtgläubig, und die Neugier ist geradezu eine Zeitkrankheit. Ein Mensch, der in die Welt paßt, will doch am Morgen beim ersten Kaffee ganz genau wissen, was alles gestern da hinten in der ehemaligen Türkei passiert ist. Und wenn er in der Großstadt wohnt, so verlangt er am Mittag einen Be­richt über die Morgenereignisse und abends eine Dar­stellung der Mittagsereignisse. Die Neuigkeiten müs­sen fix und interessant sein; ob sie wahr sind, das ist Nebensache.

Wmn nun schließlich der hinkende Bote nach­kommt und die erste Meldung für falsch erklärt wird, dann gibt es kluge Kritiker, die der Zeitung einen Borwurf daraus machen wollen, daß sie solche Un­wahrheiten ausgenommen habe. Ja, was soll denn der arme Redakteu- machen? Wenn aus Belgrad gemeldet wird, daß die Serben an diesem oder jenem Oertchen in Mazedonien die Bulgaren in die Flucht getrieben hätten, so kann er doch nicht erst dorthin fahren, um sich durch den Augenschein von der Lage der Dinge zu überzeugen. Er kann auch nicht todx= \

Ausland.

△ Raub katholischer Stiftungsvermögen in Ita­lien. Die Stadt Parma, die frühere Hauptstadt

Unpolitische Seitläufe.

N. Berlin, 10. Juli 1913.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Wer hat angefangen? Der Andere Wer tft roh gierig, grausam? Der Andere. Wer schwmdelt und lügt? Der Andere Wer tft feige, schwach, flüchtig und v e r l o r e n?

Immer der Andere.

So gchts int neuen Balkankrieg, und ähnlich gehtS von altersher auch bei den gewöhnlichen Strei- ttgketten zwffchen Familien oder Einzelmenschen. Je­der verkündet mit dem Zungenschlag eines Perpe- Urum moblle, daß er selbst ein Engel und Held sei, -aß aber dem Gegner zu einem ausgewachsenen Teu­fel nichts weiter als der Pferdefuß fehle.

In alten Zesten war es Mode, daß die Kampf­hahne, ehe sie mit Schwert und Spieß aufeinander los gingen, sich ein herzerhebendes Wortgefecht liefer­ten. Bei unseren Straßenjungen hat sich noch ein Rest dieser geräuschvollen Sitte erhalten. Mit aller Kraft der Stimmbänder werden Schmähungen, Prahlereien und Herausforderungen in die geduldige Lust geschleudert. Nachdem man sich so gegenseitig in die richtige Wut hineingeredet Hat, geht die Kei­lerei los. Auf österreichisch ausgedrückt: Erst ver­sucht man's mit der Maulgewalt, dann kommt die Brachialgewalt. In den modernen Kriegen dehnen sich die ^Schlachtfelder bis aus hundert Kilometer aus. Die Kämpfer bekommen häufig das Angesicht der Gegner gar nicht zu sehen. Sie tauschen ihre bleier­nen Visitenkarten auf weite Entfernung aus. Sie sind floh, wenn sie in dem Getöse und Getriebe noch ow Stimmen ihrer eigenen Führer hören können. Kommen sie mal an den Gegner in Hörweite heran, w fft gar keine Zeit mehr zu einer Ansprache, dann Ms f 8siw, Sturm, und die ganze Beredsamkeit er» Mpst sich in dem einen Wort Hurra. Aber ist denn

,r“-e Maulheldentum wirklich unter das Schwei- dbr Trappisten gebracht? Nein; nicht aufge- ^^»'^udern nur verschoben. Was früher die Lun- h?- rafäg-r Führer vor der Front sich leisteten, das

-Sen .jetzt an ihren Schreib, und Telegraphier-

vermischtes.

* Vor Schreck die Sprache verloren. Der elf­jährige Sohn des Polizeidieners Ruffie in Rhein­bischofsheim hat plötzlich die Sprache verloren. Kurz ten, bis etwa von Sofia eine Berichtigung kommt; denn die Entgegnung kann lange ausbleiben, und in­zwischen wird die Belgrader Meldung das Tagesge­spräch bilden, sodaß er unbedingt auch seine Leser auf dem Laufenden erhalten muß. Unter Umständen kann er ja an die fragliche Meldung seine Rand­glossen knüpfen, um auf Unwahrscheinlichkeiten, Uebertreibungen usw. hinzuweisen. Aber manchmal sind die Depeschen so geschickt abgefatzt, daß man beim heften Willen nicht gleich dahinter kommen kann, wo die Wahrheit aufhört und der Schwindel anfängt. Da muß der Leser selbst die nötige Vorsicht üben. Es steht ja dabei, woher die Nachricht stammt. Wenn die betreffende Regierung Siege ihrer eigenen Trup­pen meldet, so muß man von oen angeblichen Erfol­gen recht viel a b z i e h e n; wenn sie aber einmal sich genötigt sieht, eine Schlappe ihrer eigenen Truppen anzudeuten, so darf man zu dem Mißgeschick noch recht viel hinzurechnen. Ferner kann man sich zur Regel machen: Wenn eine Regierung recht breite und ausgeblasene Berichte über alle möglichen Ein­zelgefechte in die Welt schickt, so ist es mit der dor­tigen Kriegskunst schlecht hestellt. Wo wirkliche Stra­tegen einen wohlerwogenen Feldzugsplan verfolgen, da herrscht Moltkesche Schweigsamkeit. Man wartet, bis ein großer Schlag gelungen ist, und auch dann bringt man nur so viel an die große Glocke, als der Gegner wissen darf. — Goethe hat mal gesagt: „Bilde, Künstler; rede nicht!" So kann man auch einem Schlachtenlenker zurufen: Denke, aber berichte nicht; schlag, aber rede nicht!

In diesen kriegerischen Zeitläufen muß der wiß­begierige Zuschauer nicht bloß Urteilskraft haben, sondern auch Geduld. Die Ereignisse wickeln sich nicht so schnell ab wie die Filmrollen im Kientopp. Die Schlachten ziehen sich in die Breite und zugleich in die Länge. Als im deutsch-französischen Feldzuge das Ringen um Metz herum sich 3 Tage lang hinzog, wun­derte man sich über die Schlachtdauer. Aber "im ost- asiatischen Kriege wurde dieser Rekord schon gründ­lich geschlagen. Die mehrtägige Schlacht wurde da zur Regest Auf dem Balkan geht es nun ebenso. Da werden die Regimenter hin- und hergeschoben; die Wage hat nicht ein, sondern mehrere Zünglein, und

' Jahrhundertfeier der Geburt Adolf Kolpings.

I Am 20. und 21. Juli d. Js. wird der Verband kath. Gesellenvereine den hundertjährigen Geburtstag seines Stifters Adolf Kolping in Köln, der Stadt seiner Arbeiten und Erfolge, feierlich begehen. Be­reits richtete ein Ehrenausschuß, an dessen Spitze sich der Hochw. Herr Erzbischof von Köln, Felix von Hartmann, und Se. Kgl. Hoheit Prinz Max von Sachsen gestellt und dem sich eine lange Reche der besten Namen von Rang und Klang angeschlossen haben, einen Aufruf an alle Mitglieder und Freunde des Gesellenvereins. Gleichzeitig ist das Programm der auf zwei Tage berechneten Feier erschienen. Der erste Tag beginnt mit einem Ponti­fikalamt in der hohen Domkirche, zelebriert vom Hochw. Herrn Erzbischof. Am Nachmittage schließen sich an einen Festzug, zu dem über 10 000 Gesellen erwartet werden, vier Parallelversammlungen an, in der P. Korbinian Wirz 0. S. B. (Merkeweek), Ge­neralsekretär Dr. Donders (Münster), Prof. Dr. Meyers (Luxemburg) und Landtagsabgeordneter Msgr. LValterbach (München) über die Bedeutung Kolvings und seines Werkes sprechen werden. Mehrere Festversammlungen werden dr» Tag be­schließen.

Daneben aber weist das Programm mehrere Ver­anstaltungen auf, die charakteristisch sind für die im Grunde recht ernst gestimmte Arbeit der katholischen Gesellenvereine. So gruppieren sich die Feierlich­keiten des ersten Tages um die Einweihung des neu­erbauten großen Zentralhospitiums in Köln. Wie ein Monument der in Hunderten von Gesellen­häusern seit Jahrzehnten geübten Tätigkeit aus dem Gebiete der Wohnungsfürsorge wird dieses gewaltige Bauwerk auf die Besucher wirken. Jedem, der seine 300 Räume, Säle, Unterrichtszimmer, Werkstätten so­wie die Ausstellung der Fachabteilungen durchwan­dert und das Leben und Treiben beobachtet, wird es eindringlicher als Worte von dem Arbeiten und Stre­ben des Gesellenvereins erzählen. Ebenso eigenartig ist der Abschluß des zweiten Tages: kein Ausflug, Gartenfest ober borgst, sondern eine große eucha­ristische Abendandacht mit Predigt des Herrn Erz­bischoss in der Minoritenkirche, in der Kolping der Auferstehung entgegenharrt. Der Gesellenverein hat sich unter den ersten mitten in die vom Heiligen Vater angeregte eucharistische Bewegung gestellt. In einem eucharistischen Apostolat hat er in kaum einem Jahre 3000 Mitglieder gesammelt und ift damit vorbildlich geworden in der Anleitung der herangewachsenen männlichen Jugend zu einem vertieften und verinner­lichten Glaubensleben. Der Morgen desselben Tages bringt eine weitere Versammlung der anwesenden Mitglieder, in der Provinzial M. K a s s i e p e 0. N- l. (Hünfeld) über die religiös-sittlichen und Diözesan­präses F. Schmitz (Salzburg) über die beruflichen und sozialen Aufgaben der Gesellenvereine referieren werden. Den Rest des Tages werden Besichtigungen der unvergleichlichen Kölner Kirchen und Sammlun­gen ausfüllen. Am Nachmittag nimmt die 16. Ge- neralversamlung der Präsides des Gefamlverbandes ihren Anfang.

Noch lebt in der Erinnerung aller Teilnehmer das letzte große Gesellenfest in Köln anläßlich der Ent­hüllung des Kolpingdenkmals im Jahre 1903. Ohne Zweifel wird die diesjährige Veranstaltung an er­hebenden Eindrücken hinter jener unvergeßlichen Feier nicht zurückbleiben und hundert Jahre nach der Ge­burt Adolf Kolpings auch dem Fernstehenden recht sichtbar zeigen, was seine Schöpfung auch heute noch im sozialen Lrben bedeutet.

' wochen-Rrm-schau.

f:s Fulda, 11. Juli 1913.

■ Die Ferienzeit in der Politik, die den Kaiser auf feiner Nordlandsreise und die Staatssekretäre und Minister mit Ausnahme des Leiters des Aeußern, des Staatssekretärs v. Jagow, fern von Berlin und ihren Staatsgeschäften sicht, brachte als einzige Ab­wechselung den Wechsel im preußischen Kriegs- Ml«tsterium. Bereits vor der Einbringung her feHptr großen Militärvorlage trat das bestimmte Ge­rücht auf, daß Herr von Heeringen nach ihrer Ver­abschiedung durch den Reichstag dem kurulischen Ses­sel im Kriegsministerium Valet sagen werde. Tas Gerücht hat jetzt seine Bestätigung gefunden. Zum Generalinspekteur der zweiten Armseinspektion an Stelle des zur Disposition gestellten Generalfeldmar- schalls Frhrn. v. d. Goltz ernannt, ist General von Heeringen von seinem Ministerposten geschieden, der ihm sichtlich nicht lag. Er ist Militär, aber kein Diplomat. So kam es, daß er fast mit allen Parteien mehr oder weniger hart aneinander geriet. Sein Nachfolger ift der bisherige Generalstabschef des 4. Armeekorps, Generalmajor v. Falkenhahn, geworden, dem in den Blättern Energie, weltmännisches Wesen, Erfahrung auf militärischem Gebiete, Kenntnis der asiatischen Verhältniffe und diplomatische Gewandt- HÄt nachgerühmt wird, die er während des Chinafeld­zuges gegenüber den fremdländischen Truppenkom­mandos bewiesen haben soll.

Die Genehmigung des Bundesrats haben in dessen letzter Sitzung folgende vom Reichstag ange­nommene Vorlagen gefunden; die Wehr- und De- ckunAsvorlagen, das Gesetz über die Erhöhung der Gchaltex der mittleren und unteren Postbeamten, das Reichs- und Staatsangehörigkestsgesetz und das Ge­setz über die Angestelltenversicherung der Privatlehrer. Der Erledigung im Herbst harrt noch als einziger von den Reichstagsbeschlüssen die Aufhebung des Je- furtengefetzes.

In Frankreich ist die Wiedereinführung der dreijährigen Dienftzeit ihrer Verwirklichung einen großen Schritt näher gekommen. Die Abgeordneten­kammer hat vielleicht angespornt durch das Beispiel von schneller Arbeit, das ihr der Deuffche Reichstag gegeben hat, nach langen Debatten den grundlegen­den Arükel der französischen Heeresvorlage, der die Wiedereinführung des dreijährigen Militärdienstes ausfpricht, angenommen. Gleichzeitig hat sie aber mit allen gegen zwei Stimmen die gleiche Dienstzeit für alle Rekruten beschlossen, also das Privileg, das Militärpflichtige mit höherer Schulbildung eine kür­zere Dienstzeit zusicherte, abgeschafft. Durch diesen letzteren Beschluß aber hat das ganze Gesetz wieder einen Haken bekommen: denn wenn es in Kraft treten sollte, wird sich ein solcher Ueberschnß an Re­kruten ergeben, daß die vorgesehene Deckung nicht einmal zu einem Drittel der Kosten ausreichen wird.

In England hat das Unterhaus zum zweiten Male die Homerulebill angenommen, die dem irischen Volke die Verfassung geben will. Doch wird die Bill auch dieses Mal nicht Gesetzeskraft erlangen, da sie von dem Haus der Lords in der nächsten Woche wie­der wie nach der ersten Annahme durch das Unter­haus abgelehnt werden wird. Es wird dies das letzte Mal fein, daß das Oberhaus die Bill zu Fall bringen wird. Denn nachdem sie Anfang des nächsten Jah­res zum dritten Male vom Unterhaufe angenommen fein toirb, bedarf sie dann nach den Beschlüssen des englischen Parlamentsgesetzes, um in Kraft zu treten nur noch der Unterschrift des Königs.

Auf dem Balkan schwingt der Kriegsgott seine verderbenbringende Fackel. Wie der Krieg enden - ^Ermag noch niemand zu sagen. Es kommt auf Rumamen an, das ja bereits mobil gemacht hat und demnach dem Ringen der ehemaligen Verbün- oewn mcht tatenlos zuschauen will. Bis jetzt scheint bas Gluck mehr auf Seiten ber gegen bie Bulgaren I ziehenden Serben unb Griechen zu fein. Der erfolg» reidje .Bormarsch des griechischen Heeres wird von bulgarischer Seite nicht geleugnet, wohl dagegen stehen den Belgrader Siegesnachrichten stets solche mrs Sofia gegenüber. Immerhin darf heute aber tooM als feststehend gelten, daß sich die Bulgaren, ^wdem sie ^sstip an die Serben verloren haben, nach Norden zurückziehen. Den Serben aber ift es gelungen', die unmittelbare Fühlung mit den im Süden operierenden Griechen herzustellen, so daß, wEinE etwa die bulgarischen Gegenzüge sich end- "w wrrffam erweisen sollten, die Operationen von F”” ö^J®D51.cJneit rascheren Verlauf nehmen wer- ven. Die Machte werden bei diesem zweiten Bal- kan kriege mcht intervenieren. Dagegen scheinen so-

bevor der Knabe sich zu Bett legen wollte, ging et noch in den Hof hinaus. Kaum hatte er diesen be­treten, als vom Schopfe oben eine mächtige Ratte ihm direkt auf den Sopf sprang und in de» Hof lief. Vor Schreck hierüber hat der Knabe btt Sprache verloren und sie bisher nicht wiedererlangt.

* Gesangsvorträge auf freien Plätzen. Eine nach­ahmenswerte Sitte soll in F r i e d l a n d (Bez. Bres­lau) eingeführt werden. Die beiden Männergesang- bereine „Concordia" und „Frohsinn" wollen gemein­sam während der Sommermonate auf den freien Plä­tzen der Stadt von Zeit zu Zeit Liedervorträge zu Ge­hör bringen, um damit bei ber Einwohnerschaft die Liebe zum Volksgesang zu erwecken.

* Verführt durch Schunblektüre, drang in Mün­chen der 19jährige Buchbinder Eugen Brandl mü einem 16jährigen Buchbinderlehrling, mit Revolver unb Messer ausgerüstet, am Pfingstsonntag morgen in bie Wohnung seiner bermögenben 78 Jahre alten Tante in ber Absicht, sie zu ermorben unb bann zu berauben. Die Bürschchen überfielen bie bie Woh­nungstüre öffnenbe Haushälterin unb schlugen sie zu Boben. Auf ihre Hilferufe ergriffen bie jugendlichen Strolche die Flucht. Das Schwurgericht München berurteilte Brandl wegen Raubmordversuchs zu 8 Aahren Zuchthaus unb 10 Jahren Ehrverlust. Sein jugenblicher Genosse hat sich bemnächst vor ber Ju- genbftraffammer zu verantworten.

* Der Aeroplan als Angriffswaffe in Mexiko. Wie bem „Tägl. Korr." aus Newyork geschrieben wirb, ift ber französische Aviatiker Dibier Massou gegentoärtig ber Abgott ber mexikanischen Aufständischen im Staate Sonora. Durch Bombenwerfen von seinem Aeroplan aus hat er ben Revolutionären zwei große Siege er­rungen. In den ersten Tagen machten sich zwar alle über ihn luftig, weil fein Apparat nicht funktionierte; als er aber einen wohlgelungenen Flug nach ber Bai bon Guahrnas vollbracht, bort die beiden Kanonen­boote der Verbündeten, den „Guerrero" und den „Tampico" so ausgiebig bombardiert hatte, daß sie die Anker hoben und in die offene See davonfuhren, zollte man ihm schon allgemeine Achtung. Aus ber Achtung warb aber Bewunderung unb Begeisterung, nadjbem er in ber Schlacht bei Ortiz mehrmals durch Erkunbungsflüge, einmal auch durch einen wohlge- ztelten Granatwurf, entscheidend eingegriffen hatte. Es dürste dies das erste Mal sein, daß der Aeroplan als Angriffswaffe int Kriegsfälle praktische Verwendung fand; die Verheerung, die der eine Gra-, natentourf aus der unangreifbaren Höhe anrichtete,I toar entsetzlich: 52 Soldaten waren tot, über 100 ver­wundet; ber Verbünbeten hat sich eine unsagbare Panik bemächtigt.

— Die Bedauernswerte. „Haben Sie von dem schrecklichen Leid gehört, bas der Frau Plappermaul zugestoßen ist?" — „Sie hat doch nicht etwa die Stimme verloren?" — „Nein, aber ihr Mann hat das Gehör verloren."

Literarischer.

Giganten der Technik. Von Johann Eugen Mayer, berat. Ingenieur. Mit 63 Illustrationen. 8. (VIII ca. 190 Seien.t) 66. Bändchen der „Naturwissen­schaft!. Jugend- und Volksbibliothek". Regensburg, 1913, Verlagsanstalt vorm. G. I. Manz. Brosch.

1,20 Mk. '

Der neue Riesendampfer „Imperator", viele hervor­ragende Eisenkonstruktionsbauten, Brücken, Luftschiffe hallen, Leuchtapparate, Ueberlandzentralen ziehen in« Wort und Bild am Leser vorüber. Alles ist diesem an», schaulich und gemeinverständlich gemacht. Wahrlich große. Werke sind es, die an unfern Augen vorüberziehen, gigantische Menschenwerke, Beweise der Herrschaft des Menschen über die Materie. Ingenieur Mayer hat sie so volkstümlich als nur möglich beschrieben, daß sich, heute jeder Laie die so notwendigen Kenntnisse über benj gewaltigen Fortschritt der Technik verschaffen kann. T.

Bei

D. R. P. 234631

Eine reizende Neuheit, welche die Kinder spielend Geschicklichkeit erlangen läßt und gleichzeitig Anregung verschafft, erhält auf Wunsch jeder Leser dieser Zeilen kostenfrei von Netzle's Kindermehl G. m. b. H., Berlin W. 67. Es ist dies eine Ausjchneidepuppe mit drei »er» schiedenen, allerliebsten Gewändern, womit die Kinder sehr gern und lange spielen. Auf Wunsch wird auch eine Probedose des berühmten Kindermehls umsonst beigefügt.

bie schwanken ganz verschieben auf unb ab; was heute gewonnen war, geht morgen wieber verloren, unb wenn ber eine Flügel vorbringt, so muß ber andere, wieber zurück. Die Serben wollen burchaus ht ber| Mitte burchbrechen, unb bie Bulgaren wollen eines Umklammerung burchführen. Man träumt schon voul einem „Sedan", obschein feit 43 Jahren keine volle! Nachahmung von Sedan gelingen wollte. So ein Kunststück ist sehr schwer; jedenfalls erfordert es beij ben bärtigen Terrain- unb Wegeverhältnissen cin£. Menge Zeit.

Also G e b u l b müssen wir haben. Freilich K ben bie anbauernben Kriegsunruhen für ganz Europa! eine große Last. Allgemein hört man ben Seufzer: Wenn doch enblich Handel unb Wandel von dieser drückenden Unsicherheit befreit würde! Der Wunsch ist sehr berechtigt; bas Hebel wirb aber durch Lieber« treibung unb Mißmut nicht gebessert. Wenn toir; alles in allem nehmen, so bürfen wir doch dem Him­mel noch für gnädige Strafe Dank sagen. Denn aus )en ganzen Kriegswirren, die seit Beginn des Tri- wlisseldzuges sich aneinander reihten, sind wir bis­her recht glimpflich herausgekommen. Mit blauem Äuge — das ist eigentlich noch zu dunkel gemalt. Es ist für uns ohne Friedensbruch abgegangen!, und wenn auch die Unsicherheit zu gewissen wirtschaftli­chen Störungen Anlaß gab, so ist doch im ganzen die' Erwerbstätigkeit in guter Verfassung geblieben. Wie viel schwerer hat Oesterreich zu leiden gehabt unter der andauernden Kriegsbereitschaft? Und wenn wir einen Blick auf die armen Balkanvölker werfen, die nun einem zweiten Aderlaß an Blut und Gut unter­worfen werden — bann packt uns das Mitleid und verscheucht die Unzufriedenheit und die Ungeduld. Jammer, Elend und Not sind auf dieser Erde immer zu finden. Wen es gerade trifft von den Einzel- menschen ober von ben Völkern, ber muß Fürchter­liches aushalten. Manchmal werben aber die Klagen ber Schwergeprüften übertönt von ben Beschwerden! derjenigen, die nur verhältnismäßig gelindes Unge­mach zu tragen Haven. Ehe du jammerst und schiltst, ieh erst im Kreise umher und frage dich: Wieviel, Erdenbewohner haben es noch schlechter als ich?.