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Lokales.

Fulda, 11. Juli 1913.

# Personalien. Verliehen wurde der Charakter als Postsekretär den Ober^Postassistenten Eimer­mann in Gelnhausen, Gasch in Hanau und Kreis in Fulda; der Charakter als Telegraphen­sekretär den Ober-Telegraphenassistenten Bock in Hanau und K o ch in Hersfeld; der Titel Ober-Post- assistent dem Postassistenten Kircher in Fulda. Etatsmäßig angestelit wurde die Telegraphengehilfin M a e n z in Fulda. Versetzt wurde der Ober-Post- sekretär H a r m u 1 h von Bebra nach Eisenach. Dem Generalkommissionssekretär Brencher in Kassel wurde der Charakter als Rechnungsrat verliehen.

# Verliehe» wurde dem ordentl. Professor an der Universität in Gießen Dr. S ch w a l l y, dem Ober­lehrer a. D. Profesfor Dr. Pelisser zu Frankfurt a. M. der Rote Adlerorden vierter Klasse, dem Ver­messungsinspektor Landes-Oekonomierat Forster in Kassel der Kronenorden 3. Klasse, dem Oberland­messer Ziege in Hanau der Rote Adlerorden 4. Klasse, dem Spezialkommissions-Bureauvorsteher, Obersekretär I e n i s ch, seither in Hünfeld, der Kro­nenorden 4 Klasse.

a Vom Dom. Seit einigen Tagen sind mehrere Arbeiter des Bauunternehmers Hillenbrand damit beschäftigt, mit Hülfe eines modernen Entstau­bungsapparates Wände, Statuen und Ge­simse einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. Diese neue Methode bewährt sich gegenüber den schwierigen Entstaubungsarbeiten der srüheren Zeit ganz vortrefflich, da der Apparat sämtlichen Staub absaugt, ohne daß ein Teil, wie es bei anderen Ver­fahren unvermeidlich ist, wieder in der Luft entflieht. Die behandelten Flächen und Figuren zeigen des­halb auch wieder schone Weißen. Für die Reinigung der Kuppel muß ein besonderes Gerüst gebaut wer­den, während im übrigen Teil die Leiter der Feuer­wehr ausreicht. — Demnächst wird im Dom auch eine Warmluftheizung angelegt werden. Das Projekt ist mit 20 000 Mk. veranschlagt worden.

(*) Ter Sonderzug für die Teilnehmer am Turn­fest in Leipzig aus Fuldaer Gegend fährt heule Nacht 2.M Uhr vom Bahnhof Fulda ab.

-T- Soinmertheatcr. Der gestrige Abend brachte ein Doppel-Programm. Zunächst wurde das bekannte Baumannsche Singspiel „Das Versprechen Hinterm Herd" aufgeführt und in allen Rollen lebendig und treu wiedcrgegcben. Besonders gefiel die witzvolle Wiedergabe des Berliner Assessors durch Herrn Bebn. Den Höhepunkt des 'Abends bildete das Auftreten der Schlastänzerin Madeleine Trilby, die unter der Lei­tung und dem Einfluß des Hypnotiseurs Hans Brede im Traume sehr Interessantes bot. Neben einigen Liedchen, die sie in dem hypnotischen Traumzustande sang, wirkten geradezu verblüffend ihre plastischen Darstellungen der durch Deklamation oder Musik suggerierten Empfindungen und Gefühle, die in wirk­lich lünstlcrischerVollendung durch dasZusammenwirken von Mienenspiel und schönster rhythmischer Bewegung zum Ausdruck kamen. Auf die aus den Reihen des Publikums benannten Stoffe reagierte sie ebenso vollendet. Auch die verschiedenen Nationaltänze wurden charakteristisch vorgeführt. Auffallend war bei den verschiedenen Darbietungen des Mediums die fast blitzartige Schnelligkeit, mit der die durch Musik oder Deklamation geweckten Empfindungen wiedergegeben wurden. Das vollbesetzte Haus spendete reichen Beifall.

Zs Kläranlage. Bekanntlich wird die Funktion unserer Kläranstalt regelmäßig von einem Chemiker untersucht. Die beiden letzten Untersuchungen des Klärwassers haben am 25. und 28. Mai stattgesunden. Die vom 25. Mai hatte folgendes Resultat: 1. Sus­pendierte Substanz; a) Kanalwasser vor Eintritt in die Anlage 0,2137 °/00; b) Klärwasser am Ausfluß aus der Anlage 0,0534 °/00. Es fand also eine Klärung von 75,4 °/o statt. 2. Permanganat-Ver­brauch : a) Obiges Kanalwasscr 0,9533 °/co; b) Obiges Klärwässer 0,325 °/00. Die Oxydation betrug 68 °/0. Die Klärung war gut, die Oxydation mäßig. Funt- tion der Anlage gut. Die Untersuchung der Probe­entnahme vom 28. Mai hatte folgendes Ergebnis: 1. Suspendierte Substanz: a) Kanalwasser vor Ein­tritt in die Anlage 1,12 °/00; b) Klärwasser aus dem Wiesenschachte 0,272 °/00. Sonack crwlgte eine Klär­ung von 75,7 °/0. 2. Permanganat-Verbrauch: a) Obig. Kanalwasser 0,5113 °/00; b) Obiges Klärwasser 0,0631 p/08. Es wurden 87,6 °/0 organischer Sub­stanz exyviert. Funktion gut. Von dem Untersucher wird die Gesamt-Funktion' der Anlage als eine sehr gute bezeichnet.

X Wieder das rafrnde Radfahren. Als gestern mit­tag in der Karlstraße ein mit Ziegeln beladener Wagen einem andern entgegenkommenden auswcichen wollte, kam ein Radfahrer im sausenden Tempo die Brauhausstraße herab und rannte den Malermeister Krick, der mit dem Leiter eines der Fuhrwerke sprach, zu Boden, natürlich stürzte auch der Radfahrer. Glück­licherweise kamen beide mit ziemlich heiler Haut da­von, es hätte aber leicht ein schweres Unglück absetzen könner!.

j= Uebersahren wurde gestern nachmittag Ecke des Viehmarktplatzes rind der Schloßstraße von dem Fuhrwerk des Chr. Gorsler das sechsjährige Söhn­chen des Elektrotechnikers Backes. Das Fuhr­werk setzte erst kurz vor dem Knaben zum Trapp ein. Der Junge wurde vom Pferde niedergeworfen und erhielt einen Huftritt ins Gesicht, wodurch er mehrere Zähne einbüßte. Zwei Räder gingen ihm dann noch über Brust und Beine Während der Fuhrmann weiterfuhr, ohne sich um xbcn schrecklich schreienden Knaben zu kümmern, trugen hilfsbereite Seilte den Schwerverletzten in die elterliche Wohnung.

x Falsch angebrachte Schlagfertigkeit. Als gestern nachmittag ein mit einer Kuh bespanntes Fuhrwerk aus Horas einige Zeit unbeaufsichtigt am Abtstor hielt, machte sich ein Junge an die Kuh und melkte sie. Als ein Arbeiter ihn wegjagte, kam der Vater des Jungen hinzugesprungen und hieb ohne weiteres den Arbeiter mehreremale so heftig ins Gesicht, daß Blut floß. Gegen den schlagfertigen Mann ist Straf­antrag gestellt worden.

§ Zertrümmert wurde heute Nacht von einem Nachtschwärmer der Feuermelder an der „Bierhalle".

-y- Vichmarkl. Anläßlich des gestrigen Vieh­marktes wurden auf hiesiger Station 95 Waggons Vieh verladen.

* Tie Befreiung von der Angestel!ter.veisichernng hat der Bundesrat für solche Angestellte deutscher Eisen­bahnverwaltungen ausgesprochen, die der Pen­sionskaffe für Beamte deutscher Privateisenbahnen in Berlin angeboren.

* Von der Eisenbahn. In einem Streitfall hat die Eisenbahndircltion entschieden, daß auch in den Wagen 4. Klasse das Belegen der Plätze beim reitweil-gen Verfassen der Wagen seitens der Reisen­den gestattet ist

* Postscheckverkehr. Im Reichspostgebiet ist die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr Ende Juni 1913 auf 80 969 gestiegen. ^Zugang im Monat Juni 740.) Auf diesen Postscheckkonten wurden im Jstni gebucht 1413 Millionen Gutschriften und 1417 Millionen Lastschriften. Das Gesamtguthaben der Kontoinhaber betrug im Juni durchschnittlich 176,9 Millionen Mark.

△ Statistik des Standesamtes. Im Monat Juni wurden 8 Aufgebote erlassen und 7 Ehen geschloffen. Im ganzen wurden 33 Geburten angemeldet (17 männliche und 16 weiblichen Geschlechts.) Hiervon waren Lebendgeborene 16 männl., 16 weibl. Tot­geborene — männl., — weibl. Auf Neuenberg, Leh­nerz und Ziehers entfallen 1 männl., — weibl, Ge­schlechts. Im Bezirke der Stadt Fulda starben 15 männl., 17 weibl. Personen. Hiervon entfallen auf das Land krankenhaus 7 männl., 6 weibl. Ortsfremde. Außerdem starben in Neuenberg, Lehnerz und Ziehers — männl., — weibl. Personen.

xf Die Fuldaer Liberalen und die .Frankfurter Zeitung'!

Das Rotblockorgan in der alten Kaiserstadt am Main beschäftigt sich wieder einmal mit unseren politischen Verhältniffen und bringt darüber einen längeren Artikel, den wir unseren Lesern, die gewiß auch gern einmal etwas Humoristisches lesen, nicht vorenthalten wollen. Das Klagelied der frankfurter Zeitung' erklingt folgendermaßen:

Fulda. Bereits bei früheren Gelegenheiten hatten wir an dieser Stelle betont, daß bei fortgesetzter rühriger Agitation auch in Fulda für den Liberalismus etwas — wenn zunächst auch nur Achtungserfolge — zu holen sein müsse. Obschon Reichs- und Landtagswahlkreis Fulda seit 1867 ununterbrochen durch das Zentrum ver­treten sind, entfaltet diese Partei doch bei jeder Wahl (so kürzlich wieder bei der Landtagswahl) eine Agita- tions<Ähigkeit, als sei der Wahlkreis in Gefahr, ver­loren zu gehen. Das Zentrum hat hierfür seine guten Gründe. Zwar gelten die Fuldaer für gute Katholiken, in politischer Beziehung sind sie jedoch eher demokratisch, als ultramontan gesinnt (klerikal-demokratisch, wie F. Zwenger in seiner Buchoma sagte). Dies ist der Zen­trumsleitung hier genau bekannt, und daher die un­ermüdliche, systematische Arbeit. Von dieser Zentrums­rührigkeit sticht umsomehr die Lauheit, ich möchte sagen Gleichgültigkeit und Stumpfheit der hiesigen Liberalen ab. So geschah nichts bei der Landtagswahl kürzlich und fast nichts bei der letzten Reichstagswahl. Erinnern sich denn unsere hiesigen Liberalen nicht des Erfolges früherer Wahlen, wo an­sehnliche Stimmen erreicht wurden? Die Aussichten auf Erfolg heute sind doch gegen früher gewiß nicht schlechter geworden. Allerdings hängt das meiste von einem zugkräftigen Kandidaten ab, wie wir bereits auch schon bei früherer Gelegenheit hervorgehoben haben. Mit der Umschau nach einem solchen, wie mit den Vor­bereitungen zu den Wahlen überhaupt, darf man jedoch nicht warten bis kurz vor den Wahlen, einerlei, ob es sich um Reichstags-, Landtags- oder Stadtverordneten­wahlen handelt. Für die Reichstagswahlen scheint es auch an der notwendigen engeren Fühlung mit den Parteileitungen in Schlüchtern und Gersfeld zu man­geln. Der Reichstagskandidat müßte unseres Erachtens unbedingt ein Fuldaer sein, und zwar ein Mann, der möglichst mitten im Volke steht und allgemein beliebt und angesehen ist. Es ist ja ganz natürlich, daß syste­matische, allmähliche Kleinarbeit das bisher so lange Zeit brachgelegenc Agitationsfeld wieder bearbeiten muß, und wir möchten wünschen, daß es der kleinen Anzahl eifriger, entschiedener Liberalen Hierselbst gelingen möge, die große Masse der Liberalen aufzuraffen zu unentwegter Mitarbeit. Schließlich wird dann auch der Erfolg nicht fehlen.

Das Zeugnis, welches hier den Fuldaer Liberalen ausgestellt wird, „Gleichgiltigkeitund Stumpf­heit" ist gewiß kein sehr ehrenvolles, wir glauben aber, daß der Einsender des Artikels die armen Fuldaer Liberalen doch zu streng beurteilt. Wie sollen sie denn eine große Tätigkeit entfallen, wenn Niemand etwas von ihnen wissen will, und wenn man ihre Anhänger erst mit der Laterne suchen muß. Unseres Wissens ist auch seit länger als 30 Jahren keine ernstliche liberale Kandidatur mehr in Fulda ausgestellt worden.

Als liberal kann man doch nicht die „frei« konservativen", „antisemitischen", „konservativen" und „Bund der Landwirte"-Kandidaten bezeichnen, welche in den Jahren 1837, 1890, 1893, 1903 und 1907 dem Zentrum gegenüber aufgestellt worden sind?, oder versteht der Korrespondent der .Frankfurter Zeitung' unter „liberal" nur jeden beliebigen Gegner des Zentrums, wenn er auch Antisemit oder Konser­vativer ist? Der bei der letzten Reichstagswahl 1912 aufgestellte liberale Kandidat Traeger brachte es auf 398 Stimmen im ganzen Wahlkreis, also auf etwa Vis Prozent der Wahlberechtigten, der andere liberale Kandidat auf 480 Stimmen, oder 2 Prozent der Wahlberechtigten. Die gesamte liberale Stimmcnzahl betrug also 878! Das nennt der Verfasser des Artikels „die große Masse der Liberalen". Wenn er in seinen Ansprüchen immer so bescheiden bleibt, wollen wir ihm diese behagliche Selbstzufriedenheit gönnen.

Etwas Richtiges hat der Verfasser allerdings er- wähnt, nämlich die Tatsache, daß die Grundanichauung der Bewohner unseres Fuldaer Landes eine demo­kratische ist. Weil aber unsere Anhänger im Wahl­kreise diese ihre Grundanschauung in der Zentt.um-- partei, die bekanntlich zu allen Zeiten eine wirkliche Volkspartei gewesen ist, verkörpert sehen, deshalb bleiben sie ihr auch treu und wählen ihre Abgeordneten mit immer steigender Mehrheit, wie die Erfahrung der letzten 40 Jahre gezeigt hat. Daran werden auch alle liberalen Klagelieder nichts ändern.

Amt Geija und Umgebung.

* Geisa, 10. Juli 1913. Die Geschäfte der B e r g ä m t e r im Großherzogtum werden von den Bezirtsdirektoren versehen, wobei die Bergamtsbe­zirke den Verwaltungsbezirken entsprechen. Als tech­nischer Beirat steht den Bezirksdirektorcn ein B e r g- rcvierbeaniter zur Seite. Der Geschäftskreis der Bergämter umfaßt hauptsächlich die Wahrung der landesherrlichen Berghoheitsrechte, die Behand­lung der Schürf-, Mutungs- und Beleihungsange- lcgenheiten, die Beaufsichtigung des Bergbaues und die Handhabung der Bergpolizei. Die Geschäfte des Bergrevierbeamten wurden bisher auf Grund einer Vereinbarung mit der Preußischen Regierung von dem König!. Preuß. Bergmeister in Naumburg a. S. besorgt, nur die Geschäfte für das Kalibergwerk „Grogherzog von Sachsen" sind dem Herzog!. Mei- ningischen Berarevicrbeamten in Saalfeld übertragen. Nunmehr ist für das Grotzherzogtum eine eigene Bergrcvierbeamtcnstclle geschaffen worden, die dem Bergaffessor Rudolf Schulze aus Berlin übertra­gen wurde.

* Barsch b. Geisa, 10. Juli 1913. Die durch das Hochwasser verursachten Schäden auf den Wiesen traten bei der H e u e rn t e erst recht zutage. Ein großer Teil der Wiesen ist durch Schlamm und Steine

verunreinigt. Tas Abmähen der Wiesen und das Trocknen des Futters war äußerst mühsam. Das ge­wonnene Heu ist durchweg minderwertig und zürn Teil wertlos. Tie Schäden in der hiesigen Flur und die der Einwohner an weggeschwemmten Gärten, zer­störten und beschädigten Häusern und Eigentum sind von Sachverständigen auf 39 703 Mk. geschätzt wor­den. Ter Schaden der Gemeinde an zerstörten Stra­ßen. Drücken, Wasserläusen usw. beträgt 26 390 Mk. Große Kosten wird vor allem die Wiederherstellung der Einfaffung des Dorfwassers verursachen, welche gänzlich zerstört ist. Vorläufig ist dos Wass-r, das sich ein neues Bett gerissen hatte, in sein altes Bett geleitet, und die Straßen sind soweit wieder herge- stellt worden, daß die Einwohner die Ernte cin- bringen können.

* Frauensee, 9. Juli 1913. Die Abteufungs­arbeit en auf Sckacht I der Gewerkschaft „Dönges" haben bald die nötige Tiefe des Schachtes, 420 Mlr., erreicht. Dann wird der jetzige Holzturm abgebrochen. An seine Stelle tritt ein eiserner Förderturm. Auch wird der Schacht dann vollständig ausaebaut, so daß die Förderung sofort beginnen kann. Schacht II steht vor dem Dolomit. Das Wasser ist bereits angebohrt und steht auf Sohle ca. 10—12 Meter hoch. Es soll deshalb eine Pumpe eingebaut werden. Gegenwärtig wird der Schacht mit Tübbings ausgebaut.

* Oechskn, 9. Juli 1913. 'Im jugendlichen Aller von 20 Jahren starb an den Folgen einer Bfind- darmoperation der im Jahre 1912/13 hier amtierende Lehrer Laubling aus Weimar.

Aus Gberhesien u. den Hess. Aemtern.

* Kirchhain, 10. Juli 1913. Bei einem gestern nachmittag hier niedergegangenen Gewitter traf ein B l i tz st r a h l den Turm der Friedhofskapelle, jedoch ohne zu zünden. Die Kuppel des Turmes wurde abgerissen und ein Teil des Daches arg be­schädigt. Zu gleicher Zeit wurden die sämtlichen Uhren auf dem hiesigen Bahnhofe zerstört. — Der Erweiterungsbau des hiesigen Wasserwerks wurde im 'Submissionswege den Firmen Philippi- Kassel und Becker-Mardorf zugeschlagen. .— Bei den Baggerarbeiten an der Neubaustrecke Kirchhain-Ge­münden wurde gestern wiederum einem auslän­dischen Arbeiter ein B e r n g e q u e t s ch t, sodaß seine Ueberfühlung in die Klinik zu Marburg notwendig war.

* Geismar, 10. Juli 1913. Die steil nach unserem Ort hin abfallende Straße von Fritzlar hat schon manchen Unglücksfall verursacht. So kam dieser Tage das beladene Fuhrwerk des Gütertransporteurs aus Züschen infolge Reißens der Bremse ins Rollen. Die P'erde konnten den Wagen nicht halten und im Bestreben die Tiere zu dirigieren, kam der Fuhrmann Schminke zu Fall, wurde überfahren und stark verlebt.

* Wetter. 10. Juli 1913. Der Wunderdok­tor Spieß, der vor einigen Jahren hier seine Praris ausübte, hat diese jetzt nach Göttingen verlegt.

* Zwesten, 10. Juli 1913. Auf der Straße Gerstenhausen-Zwesten wurde heute mittag der Aus­zügler Beyer von einem angeblich aus Kassel kom­menden Automobil überfahren und auf der Stelle getötet.

* Treysa, 10. Juli 1913. Der Direktor der Ooer- realschule in Kasse!, Herr Dr. Dewitz, unterzog von Montag bis gestern die hiesige höhere Schule einer Revision. Da dieselbe angeblich befriedigt hat, hofft man auf einen Anschluß der hiesigen Schule an eine Vollanstalt, so daß den Schülern der Uebergang auf eine andere Schule erleichtert wird.

vermischtes.

* Interessante Funde. Bei Ausschachtuugsarbei- ten im Schlosse in Oranienburg wurden in einer Tiefe von etwa einem halben Meter acht Ton- g e f ä ß e entdeckt, die mehr als hundert Jahre alt sind und wahrscheinlich aus einer Fabrik stammen, die im Jahre 1802 von einem Dr. Hempel mit Er­laubnis des Königs Friedrich Wilhelm III. auf einem Teil des Geländes des königlichen Schlosses in Ora­nienburg errichtet worden ist. Der Gründer hatte sich zwar verpflichten müssen, das Unternehmen min­destens bis zum Jahre 1818 in vollem Betriebe zu erhalten, doch machte her Ausgang des unglücklichen Krieges 1806/07 und das Eindringen der Franzosen in Oranienburg dem Betriebe ein vorzeitiges Ende. Von den plündernden Feinden wurden das Schloß und die Tonwarenfabrik bald verwüstet. Die jetzt aufgefundenen Tongefäße sind wahrscheinlich einige der ersten Erzeugnisse der Fabrik und von ihrem Be­sitzer wohl damals vergraben worden. — In Becnz in der Mark fand ein Landwirt bei der Herstellung eines Dammes zwischen seinem Stall und der Dung- grube einen irdenen Topf mit sechs großen M ü n - z e n aus dem Jahre 1531 und 1675 und kleinere Münzen aus dem 14. und 15. Jahrhundert.

* Ein Gedenkstein auf dem Schlachtfelde von Katzbach. I.: "unmittelbarer Nähe der einsam im Katzbachschlacktfelde stehenden „Blücherlinde", die 25 Jahre nach der Schlacht an der Stelle gepflanzt wurde, von. der aus Blücher den Sieg seiner Truppen verfolgte, ist jetzt vom Kriegerverein Malitsch-Trie- belwitz ein Gedenkstein errichtet, und feierlich geweiht worden, der die denkwürdige Stelle auch dann noch künden soll, wenn der Baum einmal nicht mehr stehen sollte. Er trägt auf der einen Seite über der Widmung des Vereins die Worte: „Nachwelt, gedenke stets des Treuspruchs deiner Väter: „Mit Gott, für König und Vaterlandl", auf der anderen die Erklärung: „Gott half hier im heißen Kampfe am 26. August 1813 dem Fürsten Blücher und seinem treuen Heere."

A Benediktion einer englischen Regimentsfahne. Die Garde des Königs von Großbritannien und Irland besteht aus beit Regimenter der Garde- grenadiere, der Goldstream-Gardeu, der schottischen und irischen Garde, der „Irish Gards". Der letz­teren, die aus 780 Mann, säst lauter Katholiken be­steht, hat König Georg eine neue Fahne verliehen, die kürzlich in Gegenwart des Königspaares im Park des Buckiughampalastes nach katholischem Ritus ge­segnet wurde.

* Eine Reise um die Welt in 35 Tagen. Der Amerikaner John Henry M e a r s, der den Rekord von 39 Togen und 19 Stunden, den der Franzose Andrg Jagerschmidt geschaffen hat, um fünf Tage schlagen will, ist bereits unterwegs. Mears hofft am 6. August wieder in Newyork einzutreffen. In Lon­don kommt er mit dem Dampfer „Mauretania", auf dem er den Ozean überquert, am 7. Juli an, fährt von do« nach Paris und trifft am 9. Juli in Berlin, am 11. Juli in Moskau ein. Von Petersburg fährt er nach Charbin, das er am 20. Juli zu erreichen hofft. Am nächsten Tage schifft er sich in Wladiwostok

Fuldaer Leitung

z. sian.

Druck Oer zuldaer HetienOrudetei in $il6a.

JVs 158.

Freitag U. Juli 1915.

ein, um am 23. Juli Tsurega zu erreichen. In Yokohama muß er den am 24. Juli abgehenden Dampfer „Expreß" erreichen, der am 2. August Vic­toria in Britisch-Columbia berührt. Nun will Mears mit der Bahn quer durch den amerikanischen Kon­tinent fahren und Newyork noch vor Mitternacht des 6. August erreichen.

* Gesetzgeberische Narreteien nordamerikanischer Staaten sind schon oftmals Gegenstand der Erheite­rung gewesen. Aber die Junggesellensteuer vou Memphis in Tennessea dürfte allem die Krone aufsetzen. Tie Junggesellen st euer schreibt vor, wie der „Voss. Ztg." gemeldet wird, daß kein Herr über 21 Jahren in den Straßen der Stadt Memphis nach 9 Uhr abends sich aushalten darf, und daß es ihm nicht gestattet ist, eine unverheiratete Frau zu-irgend einem Vergnügen zu begleiten, falls er nicht die Junggesellenfteuer bezahlt hat. Er hat sich eine Konzession auf der Sparkasse zu verschaffen, die für ein Jahr 20 Mark kostet. Die Strafe, die er bei Un­terlassung der Einholung dieser Konzession zu gewär­tigen hat, beträgt 40 bis 200 Mark.

* Im Wasserflugzeug von London nach Rotter­dam- Der Flieger Levasseur traf auf einem Niewport-Wasserslirgzeug mit einem Passagier, von London kommend, in Rotterdam ein. Heber dem Aermelkanal kam er in einen dichten Nebel, der ihn längere Zeit umherirren ließ. Levasseur hat die Ab­sicht, über Hamburg und Berlin die Luftreise durch­zuführen.

* Streik in der Baunrwollinbustrie. Mehr als 1000 Arbeiter der Baumwollspinnereien Jakob Kestenberg, der Gesellschaft Grohmann und der Leinenmanufaktur Bennich Aktiengesellschaft in Lodz (Russisch-Polen), so­wie 300 Arbeiter der Gietzereigesellschaft Jona und der Maschinenfabrik Voigt haben die Arbeit eingestellt. Die Baumwollspinnerei Julius Kindermann, die 800 Arbei­ter beschäftigt, ist wegen Streik geschlossen.

Literarischer.

Ter große Portiunkulaablaß von Pater Raphael Hüfner, Franziskanermissionar. 2. Auflage. 64 ©., geh. 25 Pfg., geb. 50 Pfg. (Porto 5 Pfg.). Verlag von Hermann Rauch-Wiesbaden.

Der große Portiunkulaablaß des hl. Franziskus von Assisi, den die Päpste gutgeheißen haben, wird immer mehr im Bolte bekannt. Der 2. August oder der darauf­folgende Sonntag ist in den meisten Diözesen durch be­sondere den einzelnen Bischöfen erteilte Vollmacht als Tag für die Gewinnung dieses Ablasses bestimmt. Auf zahlreiche Bitten von Seiten vieler Gläubigen hat der hl. Vater große Erleichterungen gegeben, um die Ge­winnung dieses Ablasses recht vielen Gläubigen möglich zu machen. Diese neuesten Bestimmungen enthält das soeben in 2. Auflage erschienene Portiunkulabüchlein nebst einer kurzen Geschichte und 25 Andachten für die Kirchenbesuche zur Gewinnung des vollkommenen Ab­lasses.

GriebenS Reise-Notizbuch 1913. (D. R. G. M. 486 968.) Preis 1 Mark. Verlagsbuchhandlung Albert Goldschmidt, Berlin W. 35.

Ist die praktische Verwendbarkeit des Büchleins schon beim flüchtigen Durchblättern einleuchtend, so be­währt sich dessen mustergiltige Zusammenstellung auf der Reise auss beste. Der vorgedruckte Text nimmt gerade den richtigen Raum ein, jo daß genügend Notizblätter (zum Teil perforiert) bleiben. Sehr zu begrüßen ist, daß der Raum für „Ausgaben auf der Reise" sowie die äußerst praktischen perforierten Wäschezettel bedeutend vermehrt worden sind; das Buch dürste nunmehr für 2—3 längere Reisen ausreichen. Von Touristen wird es besonders angenehm empfunden werden, daß in das Kalendarium neben den Sonnen-Auf- und Untergangs­zeiten auch die Mondviertel aufgenommen sind. Am Schluffe des Buches findet der Auslandreisende ein vier- sprachiges Wörterbuch, das die für die Reise allernot» wendigsten Worte enthält.

Handel und Industrie.

5, Berlin, 10- Juli 1913. Die ruhige Auffassung der Politik veranlaßte zu Rückläufen, sodaß die Börse in sehr fester Haltung schließen konnte. Fest lagen besonders Phönix und Dt.-Luxembura, dagegen Hohen­lohe weiter nichtiger (3 Prozent). Deutsche Anleihen und Privat-Diskont unverändert.

Märkte.

* Marburg, 10. Juli 1913. Auf dem heutigen Schweinemarkte entwickelte sich trotz der hohen Preise ein flottes Geschäft; 4—6 Wochen alte Ferkel kosteten 35-45 Mark, Läufer 70 -110 Mark, und Einleg. schweme 120—160 Mark per Paar, je nach Größe und Qualität.

AuW aus iiem Wender des Kgl. AaMaulls Fulda

vom 4. bis einschl. 10. Juli 1913.

(Anmelde stunden: An Werktagen von 8—12 Uhr vor­mittags, an Feiertagen von 11—12 Uhr vormittag?, nur für Totgeburten und Sterbefälle.)

3. Juli. Werkmeister a. D. Johann Jaeger, 58 I. 4 M. 4. Rosa Herzig, ohne Beruf, von Neuenberg, 27 I. 5 M. 5 T. 6. Schneidermeister Friedrich Faller, Witwer, 70 I. 7 M. 11 T. 7. Schüler Gregor Heurich von Sannerz, 8 I. 5 M. 21 T. 8. Ehesrau Klara Genßler, geb. Schöppner, 65 I. 9 M. 5 T.

Reklamen- «nd Anzeigenteil.

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Natürlich — doch nur in Form von Scotts Emulsion genommen! Denn morgens, mittags und abends regelmäßig einen Löffel voll dürfte eine vorzügliche, bequeme Weise sein, wieder zu Kräften zu kommen. Auf diese Art hat sich Scotts Emulsion für Erwachsene und Heran­wachsende seit bald 40 Jahren bewährt, denn es ist ihr Hauptvorzug gegenüber gewöhnlichem Tran, daß sie bei größerer Wirkungskraft zu jeder Zeit, auch bei der größten Hitze, zuträg­lich ist und sich gut hält. Ein Versuch wird dies am besten bestätigen, nur muß es Scotts Emulsion sein, keine Nachahmung.

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