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Fuldaer Zeitung

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«lr. 158»

Freitag den 11» 3ull 1913»

40. Zahrgang.

0 Die Ernenernng des Zolltarifs.

„Eine weitere Stärkung der Linken (im Reichs­tags ist dringend geboten, insbesondere im Hinblick auf die k o nt m e n d e n Kämpfe auf wirt­schaftlichem Gebiet."

So heißt es in der Wahlparole der fortschritt­lichen V o l k s p a r t e i für die Stichwahl in Zauch-Belzig. Mit dieser Bemerkung sollen die „frei­sinnigen" Wähler zur Unterstützung des sozial­demokratischen Kandidaten angetrieben wer­den. Die nationalliberale Wahlleitung in demselben Kreise macht dagegen geltend, daß gerade Oie Erhaltung der bewährten Wirtschaftspolitik die Wähler verpflichte, nicht für den Sozialdemokraten, sondern für den freikonservativen Gegenkandidaten zu stimmen. Das nationalliberale Bekenntnis zur Schutzzollpolitik ist ja sehr schön; aber bei dem Wahlschacher, der jetzt im Gange ist, kommt neben dem genannten Wahlkreise auch noch der Kreis Salzwedcl-Gardelegen in Betracht, und dort sucht der Bauernbündler Dr. Böhme, der sich zur nationalliberalen Partei rechnet, mit Hilfe der Sozialdemokraten den konser­vativen Abg. v. Kröcher zu verdrängen. Herr Dr. Böhme hat zu den Stichwahlbedingungen der Roten einen solchen „Standpunkt kundgegeben, daß die so­zialdemokratischen Führer „die Ueberzeugung gewon­nen" haben, ihre rote Gefolgschaft müsse restlos für Dr. Böhme und gegen Kröcher stimmen. Die Ab­machungen in diesen beiden Wahlkreisen beruhen offenbar auf einer Großblock-Gegenseitig­leit. Wenn Dr. Böhme siegt und in die nationäl- liberale Fraktion eintritt, so wird die Siegesfreude sehr gemischt sein. Das neue Mandat wäre durch die Auslieferung von Zauch-Belzig an die Umsturz­partei erkauft, und das neue Mitglied der national- liberalen Fraktion stände in einer beden..ichen Ab­hängigkeit von der Sozialdemokratie. Unter dem Drucke seiner Dankesschuld und seiner Erklärungen über die roten Stichwahlbedingungen könnte er leicht zu ähnlichen sonderbaren Abstimmungen ver­leitet werden, wie der Abg. Kölsch. Jedensalls ist in dem Kampfe für die bewährte Schutzzollpolitik auf solche Leute kein Verlaß. Für die Wahrheit und Klarheit wäre es besser, wenn derartige Abgeordnete auf den Bänken der Fortschrittspartei Platz nähmen.

Sollten die Großblockkünste in diesen beiden Wahlkreisen Erfolg haben, so muß das für alle Kreise, die den andauernden Schutz unseres Erwerbs­lebens wünschen, ein neuer Ansporn sein, sich recht­zeitig und allseitig auf die kommenden Kämpfe wegen der Wirtschaftspolitik cinzurichten. Das ist ein Ge­sichtspunkt, der auch von den konservativen und agra­rischen Gegnern des jüngsten Steucrkompro- m i s s e s beachtet werden muß.

Mit der Verständigung über die Deckungsfrag: wurde eine S a m m lu n g s p o l iti k in Gang ge­bracht, die gerade für die bevorstehende Erneuerung des Zolltarifs und der Handelsverträge von entschei­dender Bedeutung ist. Wie die Dinge im Reichstage jetzt liegen, ist für eine schutzzöllnerische Mehrheit die nationalliberale Fraktion notwendig, we­nigstens der rechte Flügel derselben. Das notwendige Zusammenarbeiten der Nationalliberalen mit den andern schutzzöllnerischen Parteien schien aber bisher sehr erschwert oder gar g-sährdet zu sein durch die Erinnerungen von 1909 und die damit zusammen­hängende „Taktik" der Eifersucht und des Argwohns. Von Seiten des Zentrums wurde schon im vorigen ^ahre eine Milderung der Spannung angebahnt durch den bekannten Paragraphen Bassermann-Erz- berger, der die allgemeine und angemessene Besitz­steuer als Versöhnungsformel aufstellte. Es wäre a?” em schlimmer Rückschlag erfolgt, wenn fetzt mcht über die Durchführung dieses Paragra-

Dar Münchner Kindl.

Roman von Felix Rabor.

Sie war verstimmt und begab sich in den Kon- zertfaal. Hardy gab ihr das Geleite und trat an der Tur respektvoll zur Seite, um die Fürstin eitt- treten zu lassen. .

Er selber blieb zurück und ließ sich in einer Ecke nieder, um em wenig auszuruhen: denn tatsächlich war er entsetzlich müde von den Strapazen der leb­ten Tage;

Aus dem Konzevtsaale her klang eine Helle süße Stimme, die das Zigeunerlied aus „Carmen"'sang Hardy schloß die Augen und lächelte.

„Die Liebe von Zigeunern stammt __"

„Unsinn!" dachte er. „Aus dem Himmel stammt sie, oder doch tvenigstens aus dem Paradiese!" Und er dachle an seinen kurzen Liebestraum. ' ■

Zwei Leutnants von der Garde pflanzten sich in seiner Nähe auf, ohne ihn zu beachten. Der eine sagte: „Fabelhaft reicher Kerl, dieser Ostrowitz! — Die Diva erhält für zwei Arien 3000 Mark! Ter russische Tenor soll gar 10 000 Mark bekommen! Da­für hält er das hohe G fünf Minuten lang aus, ohne Luft zu schnappen! Ucbrigcns, schauerlicher Mensch, Keser Jwanvff oder wie der Kerl heißt. Pavian! (Trumme Beine wie ein Schuster und einen Mund wie ein offenes Portemonnaie! — Na, es kollern ja auch Goldstücke 'raus!"

„Pikfeines Hans!" sagte der andere. „Erstklassig! Aeh — hast du die Prinzessin gesehen? — Göttliches Weib! — Junonische Gestalt — äh! Venus von Milo Waisenmädchen. 'gegen!"

„Werde Ausschau halten!"

Aus dem Konzertsaal ertönte lauter Beifall, und auch die beiden Leutnants hatten die Gnade, die Fingerspitzen ihrer feudalen Hände zweimal' gegen­einander zu tippen. Dann sagte der eine:

„Diva singt wirklich brillant!"

„Na, bitt' Dich: für 3000 Märker wird sie sich

phen eine Verständigung erfolgt wäre. Die Väter des Kompromisses haben sich auch um die Zukunft der Wirtschaftspolitik verdient gemacht, und wenn man die größeren liebel aufzählt, die durch das sog. kleinere Nebel der Zuwachssteuer verhütet worden sind, so gehören dahin auch die schweren wirtschaftspolitischen Wirren und Kämpfe, die bei einer unversöhnlichen Stimmung und Taktik der natwnalliberalen Partei zu befürchten gewesen wä­ren. ES wird auch jetzt, bei der Stärke der freihänd- lerischcn und sozialdemokratischen Linken, noch Mühe genug kosten, um den Zolltarif so durchzubringen, daß auch die Landwirtschaft den gebührenden Schutz behält. Tie Arbeit wird aber wesentlich erleichtert, wenn die ausschlaggebende nationalliberäle Partei den alten Groll- und Schmollwinkel verlassen und wieder nach rechts hin Fühlung genommen hat.

Ter Hinblick auf die große Aufgabe der Zukunft muß cs den Konservativen erleichtern, sich mit den vollendeten Tatsachen der jüngsten Vergangenheit ab- zufinden. Die Zuwachssteuer ist nun einmal da; die rückschauende Kritik kann nichts mehr ntztzen. Wohl aber kann cs nützen, wenn man sich auf den Boden der Tatsachen stellt und entschlossen lagt: Wir gönnen euch das Heu, das ihr bei der Steuerfrage mit Hilfe dec, Zentrums eingefahrcn habt: nun zeigt euch auch als brave Nachbarn bei der Zollsrage!

Deutsches Reich.

* Berlin, 10. Juli 1913. Die „Hohenzollern* hatte, so wird von der Nordlandreise des Kaisers gemeldet, eine sehr leichte Ueberfahrt. Die Temperalur ist winterlich. General v. Frcytag hielt heule vor- m'lltag feinen ersten Vortrag. An Bord ist alle? wohl. — Der Kaiser ist heute Nachmittag in Bergen eingetrosfen. Die festlich geschmückte Stadt brennt ihm zu Ehren mächtige Wachtfeuer auf den sieben Hügeln vor dem Fjord. Die gelernte norwegische Kriegsflotte hat Ordre, sich zu seiner Begrüßung später rn der Nähe des Frithjo «Felsens zu sammeln. Die Frirhjof-Statue ist ausgeschifft; sie wird unter Leitung von Professor llnaer äuiaeiiellt.

-i- Die Einberufung des Landtags. Die Meldung, daß der preußische Landtag bereits zu einer Hcrbst- lagung cinberufen würde, dürfte, wie wir in Ber­liner Blättern lesen, in irgendwelchen diesbezüglichen Erwägungen der Regierung eine Stütze nicht finden. Wenn auch naturgemäß ein Beschluß des StaatS- ministeriums in dieser Frage noch nicht gefaßt ist, so ist doch anzunehmen, daß von dem ü b l i ch e n T e r- mi n der Einberufung des Parlaments, die im Ja­nuar zu erfolgen pflegt, auch diesmal nicht abge­gangen wird. Bezüglich der Anmeldungen zum Etat ist Anweisung ergangen, daß die einzelnen Forderun­gen der Ressorts bis zum 1. September vorliegen müssen. Eine frühere Vorlegung des Etats, die auch im Hinblick auf seine nicht zu späte Verabschiedung gewünscht wird, sei nicht möglich, und irgendwelche Vergleiche mit der Einbringung des Reichsetats, für den bereits Anfang August die Anmeldungen statt- finden seien schon deshalb hinfällig, weil nicht nur die Einnahmeseite, sondern auch die Ausgabeseite bei den großen Betriebsverwaltungen der Eisenbahn- und Bergverwaltung, sorgfältig nachgeprüft werden müssen. Tie Zahlen, die zum 1. September ange- rneldct werden, seien dementsprechend zumteil höchst ungenau, und um dem wirklichen Bedarf möglichst nahezukommen, sei es im Interesse der Richtigkeit des Etats notwendig, daß die Ergebnisse der Monate Oktober und November mitberücksichtigt werden. In­folgedessen müssen die Zahlen noch geändert werden. Auch für die zahlreichen, in den verschiedenen Extra­ordinarien der einzelnen Verwaltungen enthaltenen Bauten müsse eine sorgfältige Prüfung an Ort und Stelle vor der Ausstellung der Projekte erfolgen. Es

wohl fünf Minuten anstrengen können! llcbrigens: kennst Tu Programm?"

„Selbstredend! Zum ersten: Vier Piecen Gesang: Aino Acts — Jwanosf! — Zweitens: Klaviertiger. Kapazität. Langhaarige Rasse. Tann — zwei Car­men. Madame Rejans. Mimt von Minne —"

„Aeh — Minne? Gan; mein Fall! Ta müssen wir 'bei sein. Schon wegen Dekollete: Pariserisch!" „Selbstr.....Oaaah!" Er gähnte hinter der

vorgehaltenen Hand. „Folgen Städtebilder — sol­len tadellos fein. Tann Souper. Ball g la Louis XIV. Bin riesig gespannt!"

Nun gähnte auch der andere. „Gott — ja! Kunst und so — freilich 'was Schönes! Ideal, kolossal, äh! — Aber ewig Seide spinnen — na, ich danke! Man wird nicht satt dabei. Mir ist ganz schummerig 'von. Sehne mich nach Kaviar und Pommerh."

„Na — es Wird doch Wohl in diesem gesegneten Hanse 'ne Sektbude geben! Wollen wir rekognos­zieren?" ■

„Immer dabei, wo es etwas zu stürmen gibt! Am liebsten Sektbatterie: man los!"

Sie zogen Arm in Arm ab. Hardy folgte lä­chelnd den schlanken Söhnen des Mars, um an ihren Heldentaten teilzunehuien.

Der russische Tenor schmetterte in der Tat fein Hobes C in den Saal, daß man glaubte, cs käme aus der Kanone geschossen. In den Beifall mischte ich leichte Unruhe. Ein Diener war zu dem Fürsten getreten und hatte ihm ein paar Worte zugeflüstert. Wie von einer Feder geschnellt fuhr er empor und eilte mit der Fürstin davon.

Der Tenor zog sich beleidigt zurück. Nicht ein: einzige Dame war vor Wonne über seine schmelzen­den Triller in Ohnmacht gefallen! — Barbarisches Land!

Ein Flüstern und Fragen ging durch den Saal. .Graf Strantz hatte^die. Nachricht "gehört, welche der Diener dem Fürsten zuraunte, und gab sie weitere Seine Majestät iuollte dem Fürsten seine Allerhöchste Gunst zu erkennen geben und hatte als seinen Stell- vertret-r den Prinzen Eitel Fritz entsandt!

ist daher damit zu rechnen, daß der Etat, wie gewöhn­lich, zur Weihnachtszeit auszugsweise veröffentlicht und im Januar bei der Eröffnung des Landtages eingebracht wird.

*. Gegen alle Möglichkeiten. Die,RH.-Westf. Ztg/ ein Organ, das fortgesetzt für die Vermehrung der Kriegsrüstungen agitiert, veröffentlicht eine Würdigung deS zurücktretenden Kriegsministers v. Heeringen durch ihren militärischen Mitarbeiter, aus der folgender Satz festgehalten sei:

„Wir können sagen, daß unter dem letzten Krieps- minister die Armee einen Ausbau erfahren hat, der sie auf ein Jahrzehnt und mehr hrnaus in den Stand setzt, allen Eventualitäten gewachsen zu fein."

Vielleicht wird schon in wenigen Wochen die ,RH.-Westf. Ztg/ an dieses Geständnis erinnert werden müssen. Möglich ist auch, daß die getroffene Lösung der Teckungssrage von wohltätigem Einfluß auf das gegenwärtige Urteil der ,RH.-Westf. Ztg/ gewesen ist. Herr Basser mann sagte, lei einer nächsten Steuer­suche würde man auf die Monopole stoßen. Sollte man dann zu der Bergwerksindustrie kommen, dann ist es nicht ausgeschloffen, daß bei der ,RH.-Weftf. ZtgL das Rüstungsfieber vollständig aufhört.

+ Die Bist uernng und Konzessionirrung der Buch­macher. Schon wiederholt ifi ein Gesetzentwurf über die Besteuerimg und Konzessionierung der Buchmacher in der Presse angekündigt worden. Unter anderem sollte eine Herabsetzung der Totalisatorsteuer von auf 12 Prozent vorgesehen werden, und die Buchmacher, die sowohl auf der Rennbahn wie außer­halb von ibr Einsätze entgegennehmen können, sollten von dem ein'ommenden Gesamtumsatz zunächst eine Steuer von 6 Prozent an das Reich zu leisten haben. Diese Einzelheiten scheinen indessen den Tatsache vor- auszueileu. Berliner Blättermeldungen zufolge stehen Emzelheiten noch gar nicht fest, da der Entwurf noch gar nicht fertiggeftellt ist und zurzeit noch die Beratungen zwischen den beteiligten Ressorts schweben, in denen diese Fragen behandelt werden. Man hofft aber, daß dem Reichstag bei seinem Wieder­zusammentritt ein derartiges Gesetz zugehen kann. Ganz allgemein läßt sich bis jetzt sagen, daß erjreulicher- roetfe die Absicht besteht, einige zuverlässige Buchmacher zu konzessionieren, während gegen die übrigen um so schärfer eingeschritlen werden soll. Um diese Maß­nahme durchzuführen, werden besondere Bestimmungen notwendig werden.

I Die ReillistaMichwahl in Salzwedel^GardclegkN. Bei oer Stichwahl in Salzwedel-Gardeiegen erhielt v. Kröcher lkons.) 11100, Böhme (Deutscher Bauern­bund) 13 803 Stimmen. Einige Ortschaften fehlen noch, ändern zedoch das Resultat nicht. Böhme ist gewählt.

4- Die Natwnalliberalen in Zauch-Belzig. Die parteiamtliche „Natlib. Korr." richtet an die national liberalen Wähler in Zanch-Belzig die Aufforderung, für den konservativen Kandidaten einzutreten. Sie schreibt:

„Im ReichZtagswahlkreis Zauch—Belzig—Lucken­walde findet am Freitag die Stichwahl zwischen dem freikonservativen bisherigen Abg. v. Oertzen und dem sozialdemokratischen Kandidaten statt. In der Haupt­wahl erhielten Herr v. Oertzen 11115, der Sozialdemo­krat 13 778 Stimmen. 7956 liberale Stimmen geben den Ausschlag. Die Volkspartei hat soeben Parole gegen Herrn v. Oertzen ausgegeben. Demgegenüber halten wir e§ für selbstverständlich, daß die National- liberalen D'ann für Mann ihre Stimme dem bär­ger li ch e n Kandidaten zusühhren. Da die Volkspartei es unterlassen hat, positiv zur Wahl des Sozialdemo­kraten aufzufordern, so kann, selbst wenn die fortschritt­lichen Wähler insgesamt der Weisung ihrer Parteilei­tung folgen sollten — was bekanntlich im Vorjahr nicht der Fall war —. erwartet werden, daß der Wahlkreis dem nationalen Bürgertum erhalten bleibt."

* jiobert Manmsmatin f. Auf feiner Farm Kraka bei Sasfi in Marokko starb am Mittwoch, 48 Jahre alt, Robert Mannesmann, Mitinhaber der bekannten

„Ach Gott, den schönen Prinzen Eitel!" flüsterten die Damen, glätteten die Falten ihrer Roben und erwarteten den großen Augenblick.

Tis Herren der .Schöpfung, hinter den vergol­deten Sesseln stehend, reckten sich höher, um sich mög­lichst tief verbeugen zu können.

Alles war Erwartung, Spannung.

Nur der Pianist bearbeitete im Schweiße seines Angesichts den Flügel, um die vorgeschriebene Pro­grammnummer durchzudrücken. Während er raste, trat der Prinz ein.

Ein Rauschen von Seide — alles hatte sich von den Sitzen erhoben — ent Neigen von schönen, edlen und ehrwürdigen Häuptern.

Der schöne Prinz grüßte mit einem Lächeln und einer scharmanten Verbeugung, welche die Damen in Entzücken versetzte, und nahm zwischen dem Für- tenpaar Platz.

Ter Tenor trat wieder in seine Rechte und schmet­terte seine Sieges-Fanfaren in den Saal.

In der kleinen Pause begrüßte der Prinz, der in einer kleidsamen Husareiiuniform entzückend schön aussah, einige bekannte Offiziere, ließ sich einen exotischen Fürsten vorstellen und plauderte liebens­würdig mit der schönen Fürstin Ilona und einer weißhaarigen Prinzessin. Immer weitere Gäste wurden in den Kreis gezogen und aus der intimen Konversation wurde schließlich ein kleiner Cercle.

Ter Fürst strahlte vor Freude, weil seinem Feste in letzter Stunde doch noch eine Sonne aufgegangen war. ‘

Darüber wurde die große Pariser Schauspielerin beinahe vergessen; aber sie verstand es, sich glänzend einzusühren, iribem sie, einer brennenden Rakete gleich, die große Frage unter die Zuhörer ■ warf: „Qu’ast ee l’amour?"' (Was ist Liebe?)

Da fingen alle. Feuer und standen im Banne ihrer wunderschönen Augen und ihrer bestrickenden Stimme.

Tie bösen Leutnants hatten übrigens der Künst­lerin unrecht getan. Madame war „angezogen" wie die übrigen Damen der Gesellschaft. Kein bißchen

Jndustrie-Firma Gebr. Mannesmann aus Remscheid, deren Marokko-Jntereffen das Auswärtige Amt wie' die öffentliche Meinung Deutschlands so lange Zeit m hervorragendem Maße beschäftigt haben. Dem Ver- storbenen lag es ob, die großen marokkanischen Jn­tereffen der Firma wahrzunehmen.

Ausland,

Gegen die Einstellung der Zwanzigjährigen. Der französische Kriegsminister teilte der Heereskominission. die Entscheidung der Kommission für das Militär- Gesundheitswesen über die Einstellung der Zwanzig­jährigen mit. Die Meinung der Kommission ist der Einstellung der Zwanzigjährigen durchaus ungünstig und stellt den Grundsatz auf, junge Leute dürften nur mit 20 Jahren eingestellt werden, wenn sie sich frei­willig melden und wenn es ihre Gesundheit gestattet. ■ Die Kommission sprach sich darauf mit allen gegen eine Stimme gegen die Einstellung der Zwanzig­jährigen aus.

** Echt russisch. Rußland hat nach einer Meldung der ,Times" eine Brigade von Eisenbahnschutztruppeir mit drei Batterien Artillerie zwanzig Meilen von Zizikar zusammengezogen. Zweck vieler Aktion ist, die Entfernung des chinesischen Militärgou- verneurs durchzusetzen, dessen völkerrechts­widrige Behandlung russischer Untertanen Anlaß zu diplomatischen Vorstellungen gegeben bat.

♦* Holland. Ter frühere holländische Minister­präsident Dr. Kuh Pers, bekanntlich Calvinist, wurde von den Provinzialstadten von Südholland in die erste Kammer gewählt, wo er Führer der^ Opposition sein wird.

** Chinesischer Sieg über die Mongolen. Die> Truppen der Südmongolei sind durch eine An­zahl überlegene Chinesen, die auch mit stärkerer Ar­tillerie bewaffnet waren, in der Nähe von Kuku- Choto geschlagen woiden. Die Verluste der Mon­golen sind verhältnismäßig gering.

+ Die Lage auf dem Balkan.

Wenn die vorliegenden Nachrichten zutreffend sind, so scheint in dem blutigen Ringen zwischen dem einstigen Verbündeten aus dem Balkan bereits ein Stillstand cingctreten zu sein, der entweder die Stille vor dem Sturm bedeutet oder ein Symptom der Er­müdung und Erschlaffung ist. Serben und Griechen haben allem Anschein nach schon bedeutende Ersolge errungen und die bulgarische Siegeszuversicht, die nach den anfänglichen Mißerfolgen wieder stark ge» stiegen war, läßt nichts mehr von sich verlauten. Sie; bulgarische Heeresleitung schweigt. Noch ist, allerdings der entscheidende Zusammenstoß der feind­lichen Hauptarmeen nicht erfolgt, doch scheint bicj Lage für die Bulgaren immer bedenklicher zu wer­den. Von Saloniki bis hinaus zum Timok und der Donau stehen sich die Truppen gegenüber, südlich die griechischen Divisionen in einer Stärke von zusam­men vielleicht 80—100 000 Mann, ihnen gegenüber der linke bulgarische Flügel unter General Iwanow mit etwa der Hälfte an Soldaten. Ihm gegenüber sind die griechischen Truppen unzweifelhaft im Vor­teil, sie haben bereits die Stromitza-Pässe eingenom­men. Die Verbindung der Süd-Armee mit den Mit- telgruppen wird auf Seite der Verbündeten durch eine serbisch-griechische Verbinduugsgruppe herge­stellt, der drei bulgarische Divisionen unter General Kowatschew entgegenstehen. Das Gros der ^ser­bischen Truppen stellt in der Mitte der bulgarischen Hauptarmee unter General Toschew gegenüber. Die erste und zweite serbische Armee, etwa 120—150 000 Mann stark, hat die Aufgabe, nach Sofia vorzudrin- gen und hat bereits Jstip eingenommen. Die bul­garische Hauptarmee ist etwa 90 000 Mann stark und

freier. Und sie war wirklich hübsch — aber noch reizender als sie selbst war ihr geistvolles Plaudern.

Tie Leutnants lächelten verständnisinnig _Zind zupften an ihrem sprossenden Flaum auf der Ober­lippe, der sie erst zu richtigen Herren der Schöpfung und damit zu Helden und „Löwen" des Salons machte.

Den schönen Damen klopfte däs Herz stürmisch unter der knisternden Seide, die Herren beugten sich vor, um keines der geistvollen Worte zu verlieren. Tas war so süß und pikant, als ob man prickelnden Wein aus goldenem Becher schlürfe, das mahnte an die eigene Jugend, an jauchzende Liebesworte! —

Freilich — man hatte auch die Empfindung, als ob es ein süßes Gift sei, das man da schlürfte.

Ter Beifall war leise, aber herzlich.

9!un war alles voll Spannung: die Städtebilder kamen an die Reihe.

Tie Darsteller begaben sich in die Garderobe­zimmer. Hardy prüfte nochmals den szenischen Rah­men, den er so sinnreich konstruiert hatte, daß er mit einem Schlage gewechselt werden konnte, was eine rasche Aufeinanderfolge der Bilder ermöglichte und die Spannung erhöhte. ,

Eine Fanfare ries die Gäste in den großen Taa., der sogleich verdunkelt wurde, nachdem die Plätze eingenommen waren.

Hardy führte von der linken vorderen Kulisse aus die Regie und gab seine kurzen, energischen Befehle. Tas Orchester war für die Zuschauer unsichtbar; es befand sich ans der Galerie und intonierte bei jebem Bilde ein Orchesterstück oder ein Lied, das dem Cha­rakter der betreffenden Stadt entsprach; doch klang die Musik so dezent, daß sie wie ein Echo aus weiter Ferne wirkte

Ein leises Kfingeln kündete den Beginn an. Der Vorhang teilte sich: Berlin! Ein schönes Weib mit Krone, Schild und Schwert, fast etwas zu aufdring­lich an die „Germania" erinnern, stand auf mar­mornem Picdestal, ihr zu Füßen ruhten die Vertrete­rinnen der Schwesterstäbte, bie ihr den Kranz darq reichten.