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Fuldaer Zeitung

40. Zahrgang

Donnerstag den 10. 3uli 1913

Nr. 157

- “ wochen-VeNage: - - I - - Monaks-Vestirge: - ,

Illustrierte Sonntagsztihmg I Zutdaer Seschichtsblätter

n Ziehungslifttn der preutzisch-sildveutsch« Klaffen-Iottedt. — fiatbjLhrlich Taschenfahrplan. rr

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Deutsches Reich.

♦* Berlin, 9. Juli 1913. Von der Imperator- Fahrt des Kaisers wird gemeldet: Der Kaiser be­sichtigte das Schiff und nahm den Speisesaal, seine eigenen Zimmer im Deck C., wo ein Ehrenposten von der „Hohenzoüern" aufgezogen war, in Augenschein. Dann besichtigte er das Treppenhaus, die Gesellschafts­säle, wo er die anwesenden Minister und die anderen Gäste begrüßte, den Damensalon und das Promenaden­deck, das Ooerdeck mit den Rettungsbooten, die Turn- Halle, das Rauchzimmer, den Wintergarten, das Restaurant und die Possagierkammern der unteren Klassen. Der ..Imperator" passierte gestern abend Helgoland mit nordwestlichem Kurs und wendete abends 9 Uhr zur Rückfahrt. Heute morgen nach dem ersten Frühstück verließ der Kaiser mit Gesolge den „Imperator" und kehrte an Bord der „Codra" zur „Hohenzollern" zurück. Der Kaiser trat nach der Einschiffung auf der Kaiserjacht von Brunsbültel aus die Nordlandreise an. Tie „Hohenzollern" ging heute Nachmittag durch die Nordsee nach Bergen, woselbst die Ankunft bei guter Fahrt Donnerstag gegen abend erfolgen wird. — Reichskanzler von Belhmannn Hollweg wird demnächst zu seinem ge­wohnten Sommeraufenthalt nach seinem Landgut Hohenfinow übersiedeln. Der Kanzler wird von seinem Landgut aus alle Rcichsgeschäste erledigen.

-T- Der Entwurs über die Haftpflicht der Eisen­bahnen ist nach langwierigen Vorverhandlungen mit den Regierungsstellen und den Vertretern des Ver­bandes deutscher Lohnfuhrunlernehmer und des Ver­eins deutscher Straßenbahn- und Kleinbahnverwal­tungen endgültig abgeschlossen worden; er wird, der „Post" zufolge als eine der ersten Vorlagen den Bundesrat im Herbst beschäftigen und im Winter dem Reichstage vorgelegt werden.

Der Entwurf regelt die Haftpflicht von Personen­schäden und Sachschäden. Gemäß den Anträgen der Interessenten ist in dem Entwürfe unterschieden zwischen Bahnen mit eigenem Bahnkörper und Bahnen in Straßen ohne beiondcren Bahnkörper. Für erstere gelten im allgemeinen die Bestimmungen des Reichs- haflpflichtgesetzes unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse, während für die Straßenbahnen die Haft- pflichlbesüMmungen dem Automobilhastpfiichtgesetz nach- gebitdet sind.

0 Tie fortschrittliche Stichwahlparole in Zauch- Belzig, wo der Reichsparteiler.. v. Oertzen mit dem Genossen Ewald in Stichwahl steht, ist so ausgefallen, wie wir es von vornherein erwartet haben: zu Gun­sten des Genossen. Die Parteileitung der Fortschrsttlichen Volkspartei Hai offiziell empfohlen, den Kandidaten der Rechtsparteien jebc Unterstützung zu versagen: „Bei den allgemeinen Wahlen im vo­rigen Jahr galt die Stichwcchlparole: keine Stimme einem Kandidaten der Rechtsparteien! Seit dem vo­rigen Jahre ist keine ins Gewicht fallende Aenderung der Parteigiuppierung eingetreten." Das ist klar und deutlich. Der Fortschritt gefällt sich also weiter­hin in seiner Rolle, dem Umsturz Vorspanndienste zu leisten. Der „Vorwärts" hätte zwar gewünscht, daß die fortschrittliche Parteileitung einen Schritt weiter gegangen wäre und zur entschiedenen Unter­stützung des Genossen Ewald aufgefordert hätte. Aber er ist schließlich doch zufrieden und bezeichnet die Pa­role als für alle entschieden Liberalen klar genug. Was wir von vornherein erwartet haben, ist also eingetrof­fen: die Fortschrittler und Sozialdemkoraten gehen zusammen, um durch gegenseitige Unterstützung die Wahlkreise Salzwedel-Gardelegen und Zauch-Balzig der Rechten zu entreißen, denn daß die Sozialdemo­kraten den nationalliberalen Bauernbündler Dr. Böhme unterstützen werden, kann keinem Zweifel unterliegen, nachdem festgestellt ist, daß dieser die so­zialdemokratischen Stichwahlforderungen anerkannt hat. Die Rolle, die Herr Dr. Böhme hiert spielt,

Das Münchner Kindl

37] Roman von Felix Nabor.

Die Gescllschaftssäle des Palastes waren feenhaft erleuchtet, und es glänzte von Gold und Marmor. Eine erlesene Gesellschaft bewegte sich auf dem glän­zenden Parkett: der hohe Adel, die Aristokratie d:s Reichstags, die Hofkreise, hohe Militärs, dann in weiterer"Abstufung die Hochfinanz Berlins, sowie hervorragende Künstler und Gelehrte. Ein Flor von schönen Damen in prächtigen Toiletten, zum Teil mit altem edlem Familienschmr.ck gab diesem glän­zenden, sarbenrcichen Bilde noch einen ganz beson­deren Reiz.

Der Fürst und die Fürstin machten die Honneurs mit einer Lieb°nswürdigkeit, Welche wirklich entzückte. So strahlend hatte man die Fürstin noch nie gesehen. Es ging ein förmlicher Glanz von ihr aus, sodaß die Herren bezaubert waren und die Damen eine leise Regung des Neides mcht zu unterdrücken vermochten. Die Fürstin Ilona schien das Geheimnis gefunden zu haben, das ewige Jugend verleiht. Unstreitig war sie die Königin des Festes.

Mit unnachahmlicher Grandezza machte der Fürst ben Cicerone durch die Prunkgemächer, zeigte seinen Gästen die Schätze, die hier aufgespeichert waren, und gab die nötigen Erklärungen. Wenn ihn das Ge­dächtnis verließ oder wenn ihn seine historischen Kenntnisse im Stiche ließen, dann sprang Hardh von Sandow für ihn ein und wurde zum Kommentator. Dann trat freilich der Fürst etwas in den Hinter­grund — aber auch nur scheinbar: denn der volle Glanz überstrahlte doch ihn, der all diese Herrlichkei­ten ins Leben gerufen hatte, indem er die Mittel be- tvMgtc.

Schon die Wandgemälde im Treppenhaus hatten allgemeinen Beifall gefunden, und der erste Saal, in Blan und Gold, war ein Wunder an Schönheit. Staunen und Bewunderung wuchsen noch, je weiter vtan ft, der endlosen Flucht der Gemächer vordrang. Die jßrnrfrt juw. itahfthen und der Nk«b-udL dm tei^

muß seine bäuerlichen Wähler doch eigenartig an­muten.

** Der Reichstagsabgeordnete für Reumarkt in der Oberfalz, Domkapitular Anton Kohl (Ztr.) in Eich- stält ist s ch w e r erkrankt. Der Zustand des 62 jährigen Patienten ist besorgniserregend.

+ Der nrneste Bericht über die Tätigkeit der Zen- trnmsftaktion des Reichstags erscheint bereits in dieser Woche im Verlage der ,®ermania'. Er ist verfaßt vom Abg. E r z b e r g e r. Das Werk betitelt sich rote die früheren: Zentrumspolitik im Reichstage. Wenn es auch eine Privatarbeit des genannten Abgeordneten ist und keine offizielle Publikation der Fraktion, so werden unsere Parteifreunde doch recht reine nach ihr greifen. Gemäß den vielfach geäußerten Wünschen tst in diesem Jahre die Schrift viel früher als lonst erschienen; sie stellt sich auch wesentlich billiger. Der Verfasser hat die drei großen Fragen des letzten Reichstages in erschöpfender und übersichtlicher Weise behandelt: 1. Die Jesuitensrage im Reichstage. 2. Die Militärvorlage 1913. 3. Die Reichsfinanzreform 1913. In jedem dieser Teile findet sich eine erschöpfende und übersichtliche Darstellung der gesamten Verhandlungen.

+ Die Verwaltungskosten der Reichsversichernngs- anstatt betragen etwazweiMillionen Mk. jährlich. In der Presse waren auf Grund dieser hohen Summe ungünstige Schlüffe auf die finanzielle Ent­wicklung dieses Instituts bezogen worden. Die ,Nordd. Allgem. Ztg.' bezeichnet diese Schlußsolge- rungen als „völlig unzutreffend."

Zunächst ist, so schreibt das halbamtliche Blatt, die Reichsverstcherungsanstalt nicht mehr im Ausbau begriffen, sondern sie umfaßt bereits die Gesamtheit der Versicherten; am 1. Januar 1913 mußten also bereits sämtliche für den vollen Dienstdetried erforderlichen Ein­richtungen getroffen sein. Ferner ist zu beachten, daß die Einnahmen der Reichsoersicherungsanftalt gegen« wärlig jäbrllch 150 Millionen Mark betragen. Danach machen die Verwaltungskosten nur etwa IW/o aus gegenüber 7 bis 8% bei der privaten Lebensversicherung und bei der Invalidenversicherung. Sie sind also außer- ordenilich niedrig und werden auch später, wie mit Sicherheit angenommen werden darf, den in der Be­gründung zu dem Gesetzentwurf in Aussicht genommenen Betrag von 2% nicht wesentlich übersteigen.

--- Dir Weitersührun« des land virtschastlichen Unterrichts im Heere. Unter diese Frage haben sowohl der Kliegsminister wie der Minister sür Landwirtschaft Verfügungen erlassen, in denen im Gegensatz zu Meldungen peffimistischer Art betont wird, die bisherigen Erfahrungen rechtfertigten keineswegs die Annahme, daß die versuchsweise ein­geführten Unterrichtskurse aufgegeben werden sollten. Andrerseits konnte man auch noch nicht zu einem abschließenden Urteil darüber gelangen, ob die Ein­richtung dauernd und obligatorisch eingesührt werden soll. Der landwirtschaftliche Unterricht hat sich, rote die .Post' erfährt, nach den vorliegenden Berichten insofern günstig entwickelt, als in den Garnisonen jetzt überall ein Zusammengehen aller beteiligten Faktoren zu erkennen ist und auch auf eine plan­mäßige Leitung des Unterrichts hingeroirkt wird.

* Stillstand im sozialdemokratischen Lager. Der „Fränkische Kurier" berichtet aus Bamberg;

Nach dem sozialdemokratischen Jahresbericht für den Wahlkreis Bamberg, klagen die Genossen, daß ihre Be­wegung im letzten ftahre keine Fortschritte gezeigt habe. (Bet der letzten Reichstagsersatzwahl hatten die Sozial' demokraren einen erheblichen Stimmenrückgang zu oer« zeichnen.) Die Ursachen lägen in der wirtschaftlichen Depression, namentlich in dem Darniederliegen des Bau- Handwerks, das sich besonders auf dem Lande fühlbar mache. Auch andere Umstände, die aber, so in­teressant 7ie wären, nicht näher bezeichnet werden, seien für den Stillstand der Partei im Wahlkreise maß­gebend. Der Jahresbericht hofft und wünscht, daß die bisherigen persönlichen Auseinandersetzungen verschwin­den würden.

in golddurchzogenem Stuck, i:it§ als Gold-Kassetten- deckc gehalten waren, erregte laute Ausrufe der Be­wunderung: die Türfüllungen, Vertäfelungen und Kamine waren Kunstwerke für sich.

Dann aber die Teppiche und Gobelins, die echten Damaste und Samte, die Brokate und Tapisserien, die Bronzen, die Uhren und Leuchter auf den Marmor­kaminen, die venezianischen Lüster und vor allem diese edlen, wunderbaren Renaissance-Möbel mit ihren blitzenden Goldkuäufen und den funkelnden Nägeln in dem leuchtenden Samt, diese alten, herrlichen Ge­mälde aus der italienischen Schule mit ihren Prunk­rahmen — all das rief ununterbrochenes Staunen hervor, und das fürstliche Paar stieg in bet? Achtung aller, nicht nur seines Reichtums, sondern vor allem seines hohen Kunstverständnisses wegen.

Dabei wirkten diese unermeßlichen Kunstschätze durchaus nicht protzig und aufdringlich, sondern ruhig und stimmungsvoll. Hardy konnte mit eigenen Ohren hören, wie man seinem Arrangement Lob sPenkAte. Ein Paar Damen von altem, märkischen Adel, die selber ein Palais an der Wilhelmstraße besaßen, rie­fen in Heller Bewunderung aus: „Einfach wunder­bar! Soviel Geschmack und Kunstsinn hätte ich dem Fürsten wirklich nicht zugetraut! Man findet das in gleicher Vollendung nur in der Stadt der Renaissance — in Florenz: Es wirkt alles so ruhig und klar, wie eine Symphonie von Mozart!"

Fürstin Ilona, an welche diese Worte gerichtet waren, sagte später zu Hardy: „Sandow, das kön­nen Sie auf Ihr Konto schreiben! Uebrigens habe ich heute noch viel Wichtigeres gehört. Wie es scheint, bereiten sich große Ding- in Berlin vor. Man spricht von einem großartigen Bauplan, der ein neues Stadt­bild hervorzaubern soll; man nennt bereits Ihren Namen!"

„Und das danke ich Ihnen, Fürstin!" erwiderte er dankbar. „Sie haben meinen Namen der Menge fuggeriert. O, wie gütig sind Sie!"

„Bin ich nicht Ihr Genius?" lächelte sie. „Es ist meine Pflicht, für Sie einzutreten, Sie zu den golde­nen .Gipfeln zu führen."

Auch andere Umstände, die aber, so intereffant sie wären, nicht näher bezeichnet werden, seien für den Stillstand der Partei verantwortlich — dieser Satz läßt in Verbindung mit dem Nachsatze, der von Kämpfen im toten Lager berichtet, tief blicken. Was man hier nicht näher bezeichnen will, sucht man um so eifriger in anderen Lagern. Mögen unsere Freunde sich wieder einmal merken, daß die Sozial­demokratie auch mit Wasser kocht, und daß sie nicht anzuroachsen braucht, wenn andere auf der Hut sind.

Aurland.

△ Die Neuwahlen in Holland und ihre Folgen. Wie schon berichtet, ist das holländisch- Ministerium, an dessen Spitze Präsident Heemskerk stand, infolge des sozialistischen Wahlsieges, d-r 18 neuen Sozial­demokraten die Türe der Generalstaaten öffnet, zu­rückgetreten. Dieses Ereignis ist auch sür die In­teressen der holländischen Katholiken, die dem zurücktretenden Ministerium mannigfache Konzessio­nen auf dem Gebiete der Schule verdanken, ein fchwerer Schlag. Die holländische Kammer fetzt sich aus 100 Abgeordneten, die auf 4 Jahre gewählt werden, zusammen. Die neue Kammer be­steht aus 25 Katholiken, 11 Antirevolutionären, 9 der Christlich-Historischen, im Ganzen 45 Mitglie­dern der Rechten; aus 30 Liberalen, 7 Demokra­ten und 18 Sozialdemokraten, den 55 Mitgliedern der Linken. Die Provinzen Limburg-Nordbra- bant und Südgeldern sind ganz katholisch, die im Zentrum und int Osten gelegenen Provinzen haben gemischte konfessionelle Bevölkerung, die nördlichen Provinzen sind kalvinistisch. Bei den Wahlen 1909 hatte beim ersten Wahlgang die aus den Katholiken und den übrigen christlichen Parteien bestehende Koa­lition die Mehrheit bekommen. Dieser Erfolg war der Uneinigkeit int Lager der früheren liberalen Mehrheit zu verdanken, die wegen der Wahlrechts­reform sich gespalten hatte. Die einen wollten das direkte Wahlrecht, wie es augenblicklich besteht; die andern das allgemeine unbeschränkte Wahlrecht; die Sozialisten wollten, daß jeder mit 20 Jahren wahl­berechtigt ist und das Wahlrecht auf die Frauen aus­gedehnt würde. Die Königin hat den Führer der Sozialisten, Troelstra, empfangen, aber dieser hat erklärt, daß er die Bildung des neuen Ministe­riums nicht annimmt Die Sozialisten werden sich hüten, den liberalen die Kastanien ans dem Feuer zu holen. Ihnen behagt die verstärkte Opposition besser. Da auch eine Wiederkehr des früheren libe­ralen Ministeriums de Mester nicht wahrscheinlich sein dürste, wird wohl ein Arbeitsministerium ge­bildet werden. Ob dabei eine gedeihliche Arbeit her­auskommt, muß sich ja zeigen

* Spanien in Marokko. Rach amtlicher Meldung haben 5000 Rebellen Elksar und die spanischen Lager in der Umgebung der Stadt mit Ungestüm an­gegriffen. Nach mehrstündigem Kampfe Haupt- sächlich auf dem linken Ufer des LekkuflusseS wurde der Feind, der erhebliche Verluste erlitt, zerstreut. Er hinterließ auf dem Schlachtfelde mehr als hundert Tote und zahlreiche Waffen nebst Munition. Die Spanier verloren einen Unteroffizier und siebzehn Soldaten an Toten und drei Offiziere und achtzehn Soldaten an Verwundeten.

* * Die russische Reichsduma ist bis zum 28. Oktober vertagt worden.

♦ * Mexiko. Der Minister des Aeußern de la Barra hat seinen Abschied genommen.

♦ In Britiich-Judien Hut der Scheich Abdulla von Oman einen Religionskrieg gegen den Sultan von Oman begonnen. Masna, Rostock und andere Orte sind gefallen. Die Truppen des Sultans sind nicht imstande, die Erhebung zu unterdrücken, und Angriffe auf Mattra und Maskat stehen bevor.

„Alles, Leben unb Blut für meinen guten, hohen Genius!" rief er begeistert. „Die goldene Harfe der Freundfchast klingt!"

Sie lächelte ihm noch einmal gütig zu unb ging weiter, wobei ihre Schleppe ihn streifte. Er empfanb bas wie eine freunbliche Ermunterung unb erbebte vor Freude.

Aus ben Prunkgemächern ergoß sich ber Strom bcr Gäste in ben Konzertsaal, der mit seinem vor­nehmen Weiß-Golb und seiner reinen, keuschen Li­nienführung an einen hehren Tempel erinnerte. Die hohen Wandflächen schmückten einige Italiener, ein wundervoller Fries umzog ben ganzen Raum, unb barüber, in ber hohen Wölbung, sah man in Me- baillons bte Silber ber berühmtesten Komponisten, von Mozart angefangen, bis auf Wagner unb Liszt.

In ber Mitte des Saales stand ber Flügel, wäh- rned ringsum an den Wänden vergoldete Seffel auf­gestellt waren.

Da der Zeitpunkt zum Beginne des Konzertes näher rückte, füllte sich langsam der Saal. Der Fürst war in fieberhafter Unruhe^ lief zehnmal in die Vor­gemächer und kam endlich völlig niedergeschlagen zurück.

„Was ist Ihnen, Durchlaucht?" fragte Hardy, ber ihn erwartete „Sie sinb ia ganz blaß!"

„Es ist schrecklich'" stöhnt: der Fürst, „Denken Sie sich bas Unglück: Seine Mafesiät hat absagen lassen! Erkältung glaub’ ich. Ter schreckliche Berliner Win­ter! Nun ist mein ganzes Fest ins Wasser gefallen! — Die Krone ist ihm genommen!" —

„Aber es sind doch noch genug vornehme Gäste da!" erwiderte Hardy.

„Ach die!" sagte ber Fürst hochfahrend. „Was liegt mir an diesen, wenn Seine Majestät fehlt! Gott, wenn ich diese Ünglücksbotschaft nur erst der Fürstin beigebracht hätte! Sie wird mich öffentlich ihre Un­gnade fühlen lassen! Sandow, lieber Sandow, wollen nicht Sie diese heikle Mission übernehmen?"

Hardy lachte. „Das ist ja ein großartiges Ver­trauen, das Sie mir schenken, Durchlaucht!" sagte er. „Da muß ich freilich die Kastanien aus dem Feuer holen; den Kopf toirb es wohl nicht kosten!"

Der Krieg auf dem Balkan,

r-V Was will Rumänien?

Die Mobilisierung Rumäniens ist so gut wie vollenbet. lieber 600 000 Mann stehen in Rumä­nien unter ben Waffen, von denen bereits 150 000 Mann kriegsbereit an ber Grenze aufmarschiert sind. Die Entscheidung dürfte somit nahe bevorstehen. Unb doch ist über die Absichten Rumäniens Zuverlässiges nicht bekannt geworben. Die rumänische Diplomatie hat es terftanben, einen undurchdringlichen Schleier über die mit Bulgarien unb ben übrigen Balkan» floaten geführten Verhanblungen zu becken. Daß Rumänien, bas sich im Türkenkrtege abseits hielt, sich jetzt anschickt, ernstlich in die Entwicklung ber Dinge auf bem Balkan einzugreifen, darf nicht bezweifelt werden. Die Mobilisierung des rumänischen Heeres bedeutet für ba§ Land gewaltige Opfer. Handel und Verkehr sind unterbunden, die auf den Feldern stehende Ernte kann nicht eingebracht werden unb was der Opfer noch mehr sind. Rumänien kann nicht mehr zurück.

lieber seine Absichten sind, wie noch nie zuvor, die widerspruchsvoll st en Meldungen ver­breitet. Heute wird berichtet, die Verhandlungen ber rumänischen Diplomatie mit Bulgarien nähmen einen guten Verlauf, morgen werden die Verhand­lungen als gescheitert bezeichnet und so geht es fort. Dann wieder heißt es, Rumänien sei zu seinem Vor­gehen von Rußland ermuntert worden, am anderen Tage wird bann gemelbet, Rußland werde Rumänien an einem kriegerischen Vorgehen gegen Bulgarien mit Gewalt hindern. Ja nicht einmal darüber herrscht unbedingte Klarheit, ob die Absichten Ru­mäniens wirklich auf einen kriegerischen Konflikt mit Bulgarien hinzielen. 9leuerbing§ wird sogar gemel­det, daß zwischen Rumänien und Bulgaren mit Vor­wissen bcr russischen Regierung ein Geheimabkom­men getroffen sei. Nach biesem Geheimabkommen soll Bulgarien an Rumänien das von diesem ge­wünschte Gebiet abtreten gegen die Verpflichtung, daß ihm Rumänien mit Hilfstruppen gegen Grie­chenland und Serbien zur Seite stehe. Diese Mit­teilung klingt freilich sehr wenig wahrscheinlich. Aus­geschlossen ist eine solche Möglichkeit allerdings nicht. Eines ist jedenfalls sicher, Rumänien kann und wird in seinem eigenen Interesse nicht zugeben können, daß Bulgarien eine Vormachtstellung auf dem Bal­kan gewinnt, wodurch das gefährdete Gleich­gewicht auf bem Balkan auf das empfindlichste gestört werben würbe.

Wenn Rumänien babei auch feinen eigenen Vor­teil wahrzunehmen gebenkt unb bie Abtretung gewis­ser bulgarischer Gebietsteile forbert, so muß man diese Forberungen als berechtigt anerkennen, denn zweifellos würbe ein Eingreifen Rumäniens in den Krieg gegen bie Türkei zu einem ganz anberen Er­folge geführt haben, als es jetzt ber Fall ist. Und es ist nicht mehr als recht unb billig, daß Rumänien für seine Zurückhaltung entschädigt wird. Außer­ordentlich merkwürdig ist das Verhalten der bulga­rischen Regierung. Es kann kaum noch bezweifelt werden, daß B u l g a r i e n den S e r b e n gegenüber im Vorteil ist und es läßt sich auch mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß Bulgarien mit beiden Widersachern fertig wird. Die günstige Sage Bul­gariens ändert sich aber in demselben Augenblick, wo Rumänien auf dem Schauplatz erscheint. Durch ihre ablehnende Haltung bereiten sich bie Bulgaren selbst Schwierigkeiten, betten sie sicher nicht gewachsen sein bürsten. Die Halsstarrigkeit Bulgariens kann es leicht bie ganzen Vorteile kosten, bie ihm ber Krieg gegen bie Türkei gebracht hat. Seine, Halsstarrigkeit hat das rumänische Volk auf bas äußerste aufge­bracht, sobaß bie rumänische Regierung, selbst wenn sie es wollte, kaum einen Krieg gegen Bulgarien wirb vermeiden können, wenn dieses nicht noch in

„Gott segne Sic, Sandow! Mir fällt ein Stein vom Herzen! Faktisch! Unb bringen Sie bie Nach­richt meiner Gemahlin schonend bei — tropfenweise! So — nun bitte!"

Hardy ging und traf im nächsten Saale auf seine Eltern und Annie. „Nun, wie gefällt es Dir hier? fragte er diese, unb sie erwiderte: „Es ist wunderbar. Ich habe nie so Schönes gesehen! Wie du das alles nur fertiggebracht und so stimmungsvoll und mit so künstlerischem Geschmacke arrangiert hast! Aber weiß» du, Hardy, so recht wohl ist es mir hier nicht. All diese vornehmen Menschen, dieser Glanz, diese Pracht — bas erbrückt mich beinahe. Ich komme mir so fremb vor, so klein unb unbebeutenb! Unb bann ist immer eine heimliche Furcht in mir, ich könnte eine Ungeschicklichkeit begehen —" _

Ihm würbe plötzlich ganz heiß. „Herrgott, rief er, „das fehlt? uns gerabe noch, daß du dich blamierst: Halte dich an Mama, da bist du in guter Hut. Hast btt denn nicht ein bißchen Stolz? Wir Sandows sind boch auch 'was in der Welt!"

Ihre Augen füllten sich mit Tränen, weil er sie so anfuhr. „O," sagte sie, „ich bin auch stolz — auf dich!"

Das ärgerte ihn, da ihm die Schmeichelet zu plump vorkant; er verstand nicht, daß nur die Lieve aus Annie sprach. Nach einer kurzen Entschuldigung, daß er Ihrer Durchlaucht einen Auftrag des Fürsten überbringen müsse, ging er.

Auch bie Fürstin war sehr deprimiert, als er ihr bl» Ablage Seiner Majestät initteilte. Sie erblaßte unb sagte: „Das ist mehr als ein Unglück — das ist eine Niederlage! Man wird alle möglichen Schlüsse daraus ziehen —"

„Aber ich verstehe sa5 nicht —"

„Aber ich! Sehen Sie, ganz Berlin war gespannt auf diesen Besuch Seiner Majestät! Die Zeitungen haben ihn angebeutet — nun ist ber ganze Effekt weg! Dem Fürsten sinb alle Perlen aus feiner Krone gerissen! Aber ich will Mikos schon bte Mei­nung sagen — vermutlich hat er nicht eindringlich genug gesprochen bei Hofe."

(Fortsetzung folgt.)