Zuldaer Zeitung
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Zuldaer Seschichtsblätter
Illustrierte Sonntagszeifung
~ Zieljungstiften der preußisch-süddeutsches K1afTen-£otterie. — holdjährlich Taschenfahrplan, n
40. Zahrgang.
Mittwoch den 9. Juli 1913
krstes Blatt.
Nr. 156
trfdjeint »glich mit flusnatjme 6er Sonn- vnd Feiertage, viertel- IShrlidjer Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Jutta Lob auswärts 1.50 Mark. •••• Rotationshru* und Verlag der - - Zuldaer fldienbrudterei In Zulda. Zernsprecher Nr. 9. ::
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Reklomen: Der Roum einer Colonetjelle, 74 mm breit, kostet 40 Pfg. Bei Wiederholungen Rabatt. $ür Offert- und flusliunflcnjeigen 20 Pf. extra. 3n Konkursfdllen wird der bewilligte Rabatt hlnfdlllg. Erfüllungsort für bas €tn- ktagcn oon Forderungen Ist Zulda. ßnjeigen-flnnahme bl* JO Uhr vormittag*. :: " Größere flnjeicen erbitten wir un* tags vorher. :: U
j? Das aufgefrischte
Kriegsministerrum.
Nicht nur ein neuer Minister, sondern auch drei neue Abteilungschefs! Und lauter junge Leute, d. h. im Verhältnisse zu ihren Vorgängern. Em gründlicher Wechsel mit der Tendenz der Verjungung.
Man könnte von einem umgekehrten Jungbrunnen reden. In den Jungbrunnen des Märchens humpelten alte Leute hinein und tänzelten junge Leute heraus. In das Kriegsmrnlsterrum marschieren die Jungen hinein, während die Alten herauskontmen.
Wie hat sich das so entwickelt? War es von vornherein geplant, die sämtlichen Spitzen der Verwaltung zu erneuern und zu verjüngen, oder hat sich erst aus dem Ministerwechsel der Wechsel der Abteilungsleiter ergeben? Die Wahrscheinlichkeit spricht für die letzte Annahme. Herr v. Heeringen war als Minister müde und fallreif geworden; den frischen Lorbeer vom 30. Juni benutzte er sehr geschickt zur Dekoration der schon geöffneten Ausgangstür. Bei der Suche nach einem neuen Kriegsminister hat offenbar der Große General st ab den entscheidenden Fingerzeig gegeben. Generalmajor v. F a l k e n h a y n, der alte Generalstäbler, wurde als der richtige Mann erkannt. Er wurde schleunigst zum Generallieutnant befördert; aber damit hatte er noch nicht den gehörigen militärischen Vorweg gegenüber den älteren Generälen, welche die Abteilungen leiteten. Also mußten letztere weichen, wenn der neue Minister einziehen sollte. Vermutlich hat man sich an der entscheidenden Stelle gesagt, es schade auch nichts, wenn mal die alten Verwaltungschefs wieder in die frische Luft des Frontdienstes kämen, und Herr v. Falkenhayn wird sich wohl gesagt haben, daß er bequemer fahren werde, wenn er sich für den neuen Wagen das Dreigespann selber mitbringe.
Das Ergebnis ist einerseits eine Verjüngung des Kriegsministeriums, andererseits eine bessere Harmonie mit dem Großen General- st a b e.
Der untfassende Personenwechsel bringt freilich die überraschende Wendung, daß diejenigen Leute, welche die Heeresverstärkung auf das gesetzgebcrifche Papier gebracht haben, sich an der Uebersetzung in die Wirklichkeit nicht mehr beteiligen, fondern die Durchführung des großen Gesetzes neuen Personen übertragen wird, die an der Fertigstellung des Planes nicht beteiligt gewesen waren. Wenn nun doch gerade in diesem Augenblick, wo die wichtigsten Maßnahmen für die neue Ordnung im Oktober sofort getroffen werden müssen, der Personenwechsel verfügt worden ist, so hatte man gewiß die Sicherheit gewonnen, daß alles nötige schon vorbereitet ist und die Arbeiten unter allen Umständen in stetigein und planmäßigem Gange bleiben. Die Sorge um die Durchführung der Heeresvergrößerung können wir ruhig den militärischen Fachmännern überlassen. Dagegen ist die öffentliche Meinung mehr interessiert an ver Frage: Was wird aus den Reformen, die der Reichstag verlangt hat?
Ein linksliberales Blatt macht die übcrschlaue Bemerkung, bei diesem umfassenden Pcrsönenwechsel sei der Reichstag nicht gefragt worden und habe mcht mitgesprochen. Du lieber Himmel! Wenn der Reichstag es überhaupt dahin bringt, daß er über die Auswahl der Minister vorher befragt werden muß, so wird jedensalls gerade das Kriegsmini st erium gerade das all'erletzte sein, das sich für den Parlamentarismus erobern ließe! Einen gewissen Einfluß auf den jüngsten Ministerwechsel hat aber der Reichstag tatsächlich doch gehabt; denn Herr v. Heertn- gen ist durch die Tätigkeit im Parlament, die ihm
» Das Münchner ttin-l.
36] Roman von Felix Nabor.
Pirkheimer hatte sich nach langem Zögern und auf beständiges Drängen seiner kunstsinnigen Freunde endlich nun doch entschlossen, die historische Tracht zu wählen, die ihm vortrefflich stand und ihm schon bei .seinem ersten Erscheinen die Sympathien der Zuhörer gewann.
i Sein Organ war nicht groß, aber es beherrschte vollständig den Raum, es besaß Fülle und Wohl- Aang, war ausdrucksvoll und sehr modulationsfähig, Und was das wesentlichste und bestrickendste war: es hrrtte solch tiefe, ergreifende Herztöne, die ganze Steele lag in ihm.
Schon der Konzertsaal, die Bühne, das Auftreten fdes Troubadours war so verschieden von der herkömmlichen modernen Konzertseuche, war etwas so Neues und Originelles, daß die Zuhörer entzückt waren; Pirkheimers erstes Lted steigerte diese Freude zur Begeisterung. Er sang zur Laute, die er meisterhaft beherrschte, ein altes Minnelied, das Heinrich v. Meißen, genannt „Frauenlob", vor 600 Jah- fren gedichtet hatte. Es lautete:
„Ihr Frauen hoch, ihr Weiber rein, Ich hab' das Recht, daß ich euch sage: Was mag euch größeren Wert verleih'», Stets mehr und mehr von Tag zu Tage. Als daß ihr voneinander nicht Mit Willen hört ein böses Wort ? Beschützet hier — und decket dort, Das bringet süße Zuversicht! —"
Der Beifall wollte nicht enden und steigerte sich nach jedem Liede, das Pirkheimer vortrug, sodaß er am Schlüsse in Hellen Jubel ausmündete, der nicht enden wollte.
Die Lieder, die der Meister vortrug, waren die zarteste und reinste Poesie wie sie zur Zeit des Minnesangs so herrlich blühte. Nichts Sinnliches und Unreines war an ihr; sie war weder sentimental, noch schwärmerisch, noch glühte sie für eine bestimmte weibliche Schönheit — vielmehr war diese Art Minne eine reine, inuia zarte Huldigung. welche der Würde,
schlecht lag, hauptsächlich amtsmüde geworden, und bei der Genehmigung seines Abschiedsgesuchs hat gewiß die Wahrnehmung mitgewirkt, daß er für den Verkehr mit dem Reichstag und das Auftreten im Reichstag nicht besonders geeignet war. Der Reichstag hat das neue Gesetz dem V at er l and e, bewilligt, nicht dem General v. Heeringen. Die Reichstagsmehrheit, welche die Reformanträge befchlossen hat, braucht sich über den Rücktritt Heeringens nicht zu grämen. Im Gegenteil: er war ein so starrer Verteidiger des Hergebrachten und so unzugänglich für die Reformgedanken, daß man mit aller Wahrscheinlichkeit annehmen kann, sein Nachfolger werde mehr Verständnis für die zeitgemäßen Verbesserungen im Heereswesen zeigen. Was insbesondeere das beschlossene Gesetz zur Milderung des Mlitärstraf- rechtes anaeht, so hat sich der Reichskanzler für dessen Genehmigung im Bundesrat eingesetzt, und der Reichskanzler ist bisher von dem Verjüngungssystem noch nicht betroffen worden..
Wir haben also keinen Grund, den neuen Männern mit Vorurteil entgegenzukommen. Freilich auch nicht mit Vorschußlorbeeren. Mögen sie zeigen, was sie können. Frisches Blut ist gut, wenn es nur gesundes Blut ist.
Deutsches Reich.
** Berlin, 8. Juli 1913. Der „Imperator" mit dem Kaiser an Bord ist heute nachmittag 1'/- Uhr von der Altenbrucher Reede in See gegangen. Der Kaiser wird am Mittwoch morgen zwischen 9 und 10 Uhr von der Fahrt auf dem „Imperator" nach Kuxhaven zurückkehren und sich sofort an Bord der „Hohenzollern" begeben, die dann die Reise nach Norwegen antritt.
-ft Weitere Veränderungen im Heere. Zum Nachfolger des zum Kriegsminister ernannten Generalmajors v. Falkenhayn als Chef des Generalstabes des 4. Armeekorps in Magdeburg ist der Generalmajor und Kommandeur der 49. Infanterie-Brigade (1. Großherzogl. Hess.) v. Stocken unter Versetzung in den Generalstab der Armee berufen worden. An die Stelle des zum Direktor des Zentral-Departe- ments int Kriegsministerium berufenen Obersten Scheuch tritt als Kommandeur des 5. Garde-Regiments zu Fuß in Spandau v. Hülsen, bisher Oberst und Chef des Generalstabes des 14. Armeekorps. Testen Posten übernimmt v. Brauchitsch, bisher Oberstleutnant und Bataillons-Kommandeur im 6. Badischen Infanterie-Regiment Kaiser Friedrich HL Nr. 114.
)( 77 Millionen Mark Ueberschuß in der Reichshauptkasse. Die Ergebnisse des Reichshaushaltes für das Rechnungsjahr 1912 haben sich nach dem Endahschluste der Neichshauptkaste, abgesehen von den auf die außerordentlichen Deckungsmittel angewiesenen Ausgaben, wie folgt gestaltet: Der Ueberschuß der Reichspost- und Telegraphenverwaltung ist um 5 892 000 Mark hinter dem Voranschläge zurückgeblieben. Beim Ueberschusse der Reichseisenbahnverwaltung ist ein Mehr von 12 308 000 Mark und bei demjenigen der Reichsdruckerei ein solches von 563000 Mark zu verzeichnen. Die Einnahmen an Zöllen, Steuern und Gebühren haben den Voranschlag um 48 007 000 Mark überschritten. Beim Bankwesen sind 10 536 000 Mark mehr aufgekommen. Dagegen sind an Einnahmen aus der Prüsung der Nechitungen 207 000 Mark und aus dem Hinter- bliebeuenversicherungsfonds zur Deckung der Reichszuschüsse für die Hinterbliebenenversicherung, hier den geringeren Ausgaben entsprechend, 1173 000 Mark weniger zu verzeichnen. Im ganzen hat sich ein Ueberschuß von 77106 023,97 Mark ergeben,
Anmut und Tugend des ganzen Frauengeschlechtes dargebracht wurde. Jedes kündete das Lob züchtiger Frauen, treuer Gatten, jedes klang aus in dem Gedanken Herrn Walthers von der Vogelweide:
„Tugend und reine Minne Wer die suchen will, Komm' ins deutsche Land!" —
Dieser moderne Troubadour, dieser neue „Frauen- lob" schlug einen völlig neuen Ton an, den man lange nicht mehr gehört hatte: den reinen, keuschen, echt deutschen Ton süßer Minne!
Das war das deutsche Lied in seiner ursprünglichsten und reinsten Form, das endlich aus seinem Dornröschenschlaf zu neuem Leben erweckt wurde! Meister Pirkheimer war der edle Ritter, der Wieder- erwecker echter Poesie!
Jeder der Zuhörer wußte, daß die moderne- deutsche Dichtung tief gesunken war, daß besonders auf den modernen Bühnen der Theater die Frauen ihrer Würde entkleidet, als „Bestien" und „Dirnen" dar- gestellt wurden — und das in einem Lande, in dem von altersher die Frauen so hohe Achtung genoffen, daß selbst der Römer Taeitus von ihnen sagte: es wohne ihnen etwas „Heiliges und Ahnungsreiches" inne: Ritterfrauen und Burgfräulein, die nach den höfischen Sitten der Ritterzeit sich nur selten blicken ließen, erschienen den tapferen Mannen wie das Morgenrot oder ein strahlendes Gestirn, das aus dein dunkeln Gewölbe hervortritt — und sie wurden von Sängern und Poeten in Ehrfurcht und Verehrung, in viel schönen, süßen, minniglichen Liedern besungen
Inmitten des Sumpses der modernen Dichtung erblühte hier die reine und keusche Lilie der Poesie. Die Frauen vor allem lauschten diesen Liedern mit Entzücken — wahrlich, hier wurde den Frauen wieher die Ehre gegeben, die ihnen lüsterne Dichter abgerissen hatten, hier wurden sie im Glanze ihrer Tugenden gefeiert, von diesem Frauenlob, der ihnen eine neue, goldene Zeit verkündete, der sie auf den gleichen Thron setzte, den ihnen Schiller anwies, als er sang:
„Ehret die Frauen! Sie flechten und weben Himmlist^» Dosen ins irdische Leben."
welcher den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend auf das Rechnungsjahr 1913 übertragen worden ist.
a Die Welsen. Sämtlichen Mitgliedern des Deutschen Reichstages ist die am 8. Juni d. auf der Landesversammlung der deutsch-hannoverschen Partei zu Verden a. d. Aller gefaßte Entschließung zur Aussöhnung des Hohenzollernhauses mit dem Welfenhaus von dem Vorsitzenden der deutsch-hannoverschen Partei, Frhrn. v. Schele-Schelenburg, zu- gestellt worden. Es berührt dws um so seltsamer, als in dieser Entschließung nachdrücklichst die Wiederherstellung des Königreichs Hannover gefordert wird, obwohl Prinz Ernst August, der einzige Erbe und Rechtsnachfolger des alten Herzogs von Cumberland, in seinem Briefe an den Reichskanzler vom 20. April d. I. (veröffentlicht in der „Nordd. Allg. Ztg." am 19. Juni) mit Berufung auf feinen Offizierseid ausdrücklich erklärt hat, daß er nichts tun und nichts unterstützen werde, was darauf gerichtet sei, den derzeitigen Besitzstand Preußens zu verändern. Dian merkt: je näher das Ende der Welfen herankommt, um so mehr versuchen ihre Führer, durch Kraftmittel ihre Bewegung am Leben zu erhalten. Es sind die Todeszuckungen einer sterbenden Partei.
-L- Eine drahtlose Verbindung mit den Schutzgebieten ist, wie die Tägl. Rundschau erfährt, in kurzer Zeit zu erwarten. Die Tclefunken-Gesellschaft hat nach Vereinbarung mit der Reichskolonialverwaltung eine Expedition nach Togo gesandt, die sich jetzt schon im Innern der Kolonie befindet und Versuche anstellt, sich mit der Station 9iauen bei Berlin auf drahtlosem Wege zu verständigen. Die Versuche dürfen als gelungen bezeichnet werden, da es geglückt ist, längere Mitteilungen der Expedition in Nauen aufzunehmen. Die Versuche, auch drahtlose Mitteilungen nach Togo zu übermitteln, werden noch fortgesetzt. Es sind auch Versuche im Gange, eine drahtlose Verständigung zwischen Togo, Deutsch-Südwestafrika und Kamerun herzustellen.
Ausland.
** Annahme der dreijährigen Dienstzeit in Frankreich.
Die Deputiertenkammer hat mit 339 gegen 223 Stimmen denjenigen Teil der Regierungsvorlage angenommen, der besagt, daß jeder als militärtauglich erkannte Franzose drei Jahre lang der aktiven Armee augi-hören muß. Weiter nahm die Kammer mit 475 gegen 2 Stimmen einen von der Kommission gebilligten Zusatzantrag Daniel Vineent an, nach dem alle Militärtauglichen gehalten sein sollen, tatsächlich die gleiche Zeit bei der Waffe zu bleiben.
Seit langen Wochen hat die französische Deputiertenkammer über die von der Regierung beantragte Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit beraten. Leidenschaftliche Erörterungen knüpften sich an das Projekt, das im Lande säst ebenso viele erbitterte Gegner wie Anhänger fand. In vielen Garnisonen demonstrierten die Reservisten gegen ihre Zurückbehaltung unter den Fahnen, und in den erregten Debatten des Parlaments drohte der ganze Regierungs- plan mehr als einmal zu scheitern. Zahlreiche Gegenanträge wurden eingebracht, jedoch sämtlich verworfen. Schließlich hat das Ministerium Barthou die Oberhand behalten, wozu wohl die Annahme der Wehrvorlage in Deutschland wesentlich beigetragen haben dürfte.
** Mißerfolge Italiens in der Cyrenaika. In Tripolitanien muß die Regierung noch manchen Soldaten opfern, bevor sie sich des ungestörten Besitzes erfreuen darf. So gab es, wie General Brieeola aus
Pirkheimers Konzert wurde zu einem Ereignis; es leitete eine völlig neue Epoche ein und di» Herren der Schöpfung konnten dieser Art von Gesang ihren Beifall nicht versagen. Die Frauen aber schwärmten für diese Musik und Poesie.
In künstlerischer Hinsicht bedeutete Pirkheimers Auftreten einen Sieg über jene seichte, sinnliche oder gar lüsterne und sinnkitzelnde moderne Musik, die sich auch in die Konzertsäle einschleicht — einen Sieg des Guten, Mahren und Schönen über das Häßliche, Gemeine und Niedrige, das, aus dem Ausland importiert, in den Großstädten immer mehr an Boden gewinnt und die Kunst der Degeneration und Versumpfung entgegentreibt.
Pirkheimer war ein vollendeter Meister nicht nur im Gesang, sondern auch im Lautensch^rgen und in der Komposition der Lieder, die er völlig neu in Musik gesetzt hatte. Seine Musik hatte nichts Sinnlich-Lüsternes, sondern sie war rein und schön. Sie alich einem frischen, kühlen Borne, der im Waldes- febatten aus der Erde quillt. Kräftig, hell und stark rauschte dieser heilige Born, schön und regenbogen- farbia wölbten sich die von ihm ersonnenen Melodien." K- lag Kraft und Anmut, Herbheit und doch Süßigkeit in ihnen — sie sprachen zum Herzen wie schöne Märchen einer fernen Zeit, sie Hangen wie ein altes, liebes, trautes, süßes, längst verklungenes Lied. Sie machten die Menschen weinen — und jauchzen.
Wahrhaftig: die goldene Zeit brach an!
Der' Meister erschien allen wie ein Zgubernteister, der mit seinen Minneliedern die schlummernde Seele weckte, der die deutsche Treue, die deutsche Ehre, die reinen Frauen und die hohe Tugend pries, was die modernen Dichter verlernt zu haben schienen.
Er war der Herold einer neuen Zeit und einer neuen, reinen Kunst.
Sechsmal mußte er sein Konzert wiederholen, sechsmal war der Saal zum Erdrücken voll, sein Name klang ruhmbedeckt durch Stadt und Land — er aber suchte nach neuen Lorbeeren.
Endlich war der große Tag gekommen, an dem sich die Pforten des Valais Dftr»1”^ der ar^eu
Ware.
(Forffetzung folgt.)
Welt öffneten. Die Zeitungen verkündeten ihn mit Posaunenschall und feierten den Fürsten als euren neuen Medici, Leo von Sandow als den größten Baumeister seiner Zeit.
In der Reichshauptstadt zirkulierten die abenteuerlichsten Gerüchte über die märchenhafte Pracht, dre in dem Palast herrsche, und über das Fest, von dem gesagt wurde, daß Berlin Aehnliches noch ine gesehen habe.
Lange vor Beginn desselben war daher das Palais von einer tausendköpfigen Menge umlagert.
Das imvosante Portal erstrahlte nn Scheine von zwölf mächtigen Lampen, deren milchweißer Schern auch die Fassade erleuchtete, sodaßmandre.Schorn heit und Klarheit der architektonischen Verhältnisse, die reine Linienführung und die herrlichen Formen unterfcheiden konnte. Ein paar Kenner, ,die^ sich unter den Zuschauern befanden, sprachen m begeisterter Weise von einem neuen „Cinquecento und von der Schöpferkraft eines Brarnante und Michelangelo; die Umstehenden, welche kaum eine Ahnung davon hatten, welche Welt von Schönheit und Große drese Namen in sich schlossen, staunten vor allem über den ungeheuren Reichtum, der dem Fürsten zur Verfügung stand. Man sprach von Milliarden Man raunte sich zu, daß seine Gemahlin bei dem Feste als Sultanstochter erscheinen und Schmuck im Werte von zwei Millionen tragen würde. Die Klügsten behaupteten, daß das Fest die Märchen aus Tausend und eine Nacht noch übertreffen werde.
In ununterbrochener Reihe fuhren dre ^agen vor. Die meisten liefen auf Gummiradern und trugen eine Krone auf dem Schlag; die Gaste, dre ihnen entstiegen, gehörten zur Elite der Reichshauptstadt.
Sandows waren unter den letzten. Die alte Dame war immer sehr umständlich bei ihrer Torlette umkonnte nie rechtzeitig fertig werden. Als sie nun mit ihrem Gatten und Annie die Marmortreppe emporstieg, fand sie kaum Worte für ihre Bewunderung über die Pracht und Schönheit, die hier betraten. Annie machte vor ehrlichem Staunen so große Augen, als ob sie in ein Märchenreich versetzt u^rben
Benghasi meldet, bei dem Kampf bei Cyrene am 3. Juli folgende Verluste:
Sieben Offiziere tot, darunter Geniemajor Billi, der Kommandeur der angegriffenen Abteilung, und Major Migliaccio, der Kommandeur der Verstärkungen, die in den Kamps eingegriffen hatten; sieben Offiziere verwundet und ein Offizier verschollen; etwa 100 Soldaten tot oder verschollen und 103 verwunder, meist leicht verwundete. Die Verluste der Feind« sind schwer. Vor dem Fort Sas As hatten fie zwölf Tote zurückgelaffen.
In römischen offiziellen Kreisen versichert m-i, daß die italienische Regierung beschlossen hat, den Gouverneur der Cyrenaika abzuberufen und durch General Amelgio, den Gouverneur von Rhodos, zu ersetzen. Der bisherige Gouverneur, General Briola wird verantwortlich gemacht für die letzten ungünstigen Gefechte der Italiener.
** Der Justizpalastskandal in Italien. In einer streng geheimen Sitzung des Staatsrates, in der über den Justizpalastskandal verhandelt wurde, ist der durch den Skandal bloßgestellte Staatsrat Bruni a l t i mit 22 gegen 10 Stimmen aus dem Staatsrat ausgeschlossen worden. Das Urteil bedarf noch der Bestätigung des Ministerrates.
△ Sperrung von 58 Kongregationsschulen. Der französische Ministerpräsident Barthou kennt hauptsächlich eine Sorge: die Radikalen und radikalen Sozialisten darüber zu beruhigen, daß er mit den Katholiken keinerlei Gemeinschaft hat, mit jener Katholiken, die in erster Linie der Regierung dü Heeresvcrlagen und Heeressteuern bewilligen. Zurr Danke dafür schließen Dekrete, die sich auf das Gesetz vom 7. Juli 1904 stützen, auf einmal 58 katholische Schulen. — Ob die von Barthou ersehnte Aw Näherung an die Radikalen dadurch endlich versekt wird? 58 Schulen ist jedenfalls ein zu hoher Einsatz dafür, daß Barthou das Ministerportefeuille erhall ten bleibt.
** Zur Verurteilung Paul Kunschaks wegen Ermordung des österreichischen SozialistensührersSchuh- meier schreibt die radikal-sozialistische Halbmonats- schrist „Wohlstand für alle" in der Nummer vom 11. Juni 1913 folgendes:
„Wie eine symbolische Erscheinung der Tragrk des österreichischen Proletariats muß dieser Mann gewertet werden, der nun zum Tode verurteilt ist. Tragrk ist es sehen zu müssen, wie dieser Arbeiter, durch Parteihaß und stampf in solch verblendete Wut gejagt wurde, daß er zur Mordwaffe griff, um einen — Arbeiterführer niederzuknallen. . . . In fünf konkreten Fällen wurde er durch seine gleichfalls verblendeten Arbeitskollegen ans der Fabrik gejagt, obgleich er nie unter dem Lohne ge- arbeitet, solidarisch mitgestreikt hatte, als ferne Arbeits- brüder ihn dazu aufforderten. Kunschak hat «nen gemeinen Mord verübt und hat diesen auf dem Gewissen. Aber er verübte ihn nur, weil ihn, den Arbeiter, d er Ter« rorismus der Sozialdemokratie gegen Arbeiter auf dem Gewissen hat. Und nun, nachdem der Prozeß Kunschak stattgefunden hat, soll ausgesprochen werden: Die Tat Kunschaks, die in seinem Prozeß zu Tage geförderten Tatsachen sind eine einzige Schmach für die gesamte sozialdemokratische Arbeiterbewegung Oesterreichs- und kennzeichnet sie genugsam. Wie entsetzlich traurrg muß eS um eine Arbeiterbewegung bestellt sein, wenn ste^ derarlige Auswüchse, wie die Tat Kunschaks, zeitigt. (
So urteilt ein sozialdemokratisches Blatt, allerdings ein Organ jener Richtung, die zur heutigen Führerschaft der österreichischen Sozialdemokratie m Opposition steht, über die Kunschak-Schuhmerer- tragöbie. Der hier erfolgten Brandmarkung der österreichifchen Zwangs- und Gewaltpolitik braucht kein Wort hinzugefügt zu werden.
* In der „freien" Republik Portugal wurde soeben ein Erlaß des Kriegsministeriums veröffentlich^ wonach für alle diejenigen, die die r e p u b l i k a - nifcheFlaggenicht durch Hutabnehmen g r u= 6 e n ober während des Spielens der Nationalhymne nicht'ihr Haupt entblößen, Geldstrafen festgesetzt werden. Unter Umständen kann auch auf Gefängnis