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w Fuldaer Zeitung.

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Dienstag 8. Juli 1915.

5ta-tveror-neten-versammlung.

> v FuIda, 8. Juli 1913.

An btt gestrigen Stadtverordneten-Versammlung nahmen 23 Mitglieder des Kollegiums und der Stadt- probator Wohlgemuth teil. Der Magistrat war durch Oberbürgermeister Dr. Antoni vertreten.

! Den Vorsitz führt seit langem zum ersten Male wie­der Justizrat Gegenbaur, der schon vor Beginn der Ver. Handlungen von allen Seiten üufs herzlichste zu seiner Genesung beglückwünscht wurde. Aeutzerlich hatten Magistrat und Stadtverordneten-Kollegium ihren Ge­fühlen der teilnehmenden Freude auch dadurch Aus­druck verliehen, daß sie auf den Tisch vor den Präsi­dentensitz ein Bouquet schöner Rosen hatten aufstellen lassen. Vor Beginn der Verhandlungen nimmt der stell­vertretende Stadtverordneten - Vorsteher Rechtsanwalt Rang das Wort und führt aus: Zum ersten Male seit ungefähr 7 Monaten waltet unser hochverehrter Vor­sitzender wieder seines Amtes. (Bravo!) Ich möchte ihn namens des Stadtverordnetenkollegiums begrüßen und der Freude darüber Ausdruck verleihen, daß er wieder genesen ist, und daran den Wunsch knüpfen, daß er sein Amt noch recht lange ausüben möge. Dann führt Ober- bürgermeister Dr. Antoni aus: Ich möchte der Freude des Magistrats darüber Ausdruck geben, heute wieder hier unfern verehrten Stadtverordnetenvorsteher begrü­ßen zu können. Es war mir ein besonderes Vergnügen, heute an der Sitzung teilnehmen zu können, und ich glaube, daß die Sitzung eine Festsitzung für uns werden wird. Stv.-Vorst. Gegenbaur erwidert: Auch ich bin erfreut, daß es mir vergönnt ist, wieder hier unter den Herren zu weilen, mit benerf ich so lange zu­sammen arbeiten konnte. Ihre herzliche Begrüßung hat mich mit großer Freude erfüllt, ich habe jedoch das Em- pfinben, baß ick eine solche Begrüßung nicht verbient hccke. Ich bin stets bemüht gewesen, pflichtgemäß unb gewissenhaft meines Amtes zu walten und werbe, soweit mir Kraft geschenkt ist, auch fernerhin mich in den Dienst der Stadt stellen.

Stv.-Vorst. Gegenbaur schlägt vor, daß die Füh­rung der Rednerliste künftig in die Hände des stellver­tretenden Vorstehers gelegt werde, damit der Vorsteher selbst ungeteilt seine Aufmerksamkeit den Verhandlun­gen widmen könne und damit verhindert würde, daß Meldungen der Redner zum Wort übersehen würden. Dem Vorschläge stimmt die Versammluirg zu.

1. Verpachtung eines städtischen Geländestückcs an der Rhabanusstraße an die Dresdner Bank. Stv. Laux: Die Direktion der Dresdner Bank ist an den Magistrat herangetreten mit dem Ersuchen, die Stabt möchte ihr den freien Raum zwischen ihrem Anwesen und der Turnhalle verpachten; sie will darauf ein ein­stöckiges Gebäude mit Kellerräumen errichten. Der Magi­strat hat dem Ersuchen stattgegeben mit folgenden Be­dingungen: Der Platz wird der Dresdner Bank auf 10 Jahre zu einem jährlichen Pachtzins von 500 Ml. überlassen. Die Aufwendungen für Schaffung von Er­satzbeleuchtung für die ausfallenden Fenster an der Turnhalle durch Einbauung eines großen Fensters und eines Oberlichts sowie sonstiger Mittel und ehenso für Aenderungen an der Turnhalle trägt die Dresdner Bank. Bei Auflösung des Packtverhältnisfes hat sie den ur­sprünglichen Status wtederherzustellen. Die Dresdner Bank will nur einen Pachtzins von 250 Mk. zahlen. Stv. Singer betont, daß die Stadt ihre Interessen wahren müsse; der Preis von 250 Mk. sei zu gering. Der Oberbürgermeister hält den Preis von 500 Mk. angemessen. Die Interessen der Stadt seien durch die gestellten Bedingungen gewahrt. Stv. Adam hält den geforderten Zins für zu hoch. Er kalkuliert, daß nach dem Wert des Grundstücks ein Pachtpreis von etwa 190 Mk. herauskommt, die Stadt dürfe in diesem Falle nicht mehr fordern als sonst. Stv. Kircher meint, wenn die Stadt kein Geschäft dabei machen könne, hätte sie es nicht nötig, das Grundstück herzugeben. Zudem wisse die Dresdner Bank in ihren Geschäftssachen auch ihre Forderungen zu stellen. Stv. Singer stellt fest, daß der Preis bei Berücksichtigung der langen Zeitdauer, während welcher sich die Stadt ihrer Rechte auf das Grundstück begebe, nicht zu hoch genommen sei. Es sei ja möglich, daß während dieser Zeit von anderer Seite der Stadt noch bessere Angehote gemacht würden. Stv. Adam stpllt den Antrag, den Magistrat zu ermächtigen, den Preis bis auf 250 Mk. zu ermäßigen. Bei der Ab­stimmung fällt der Antrag gegen die Stimme des An­tragstellers. der Magistratsantrag wird angenommen.

Stv. Keil erhält sodann das Wort zu folgender Anfrage: Bei dem Erweiterungsbau des Bahnhofs soll die Unterführung des Weges von der Krätzmühle zum Bachrain und Florenberg zwischen Künzeller und Edelzellerstraße Wegfällen. Hat der Magistrat nichts ge­tan, um dies zu verhindern? Oberbürgermeister Dr. Antoni erwidert, daß der Plan zur Beseitigung die. fes Weges früher beiden städtischen Körperschaften vor- gelegen habe und daß von beiden beschlossen worden sei, den Durchlaß Wegfällen zu lassen. Es sei dies iwtwen- dig, da an dieser Stelle der Bahndamm sehr breit werde, sodaß ein Tunnel von über 200 Meter Länge gebaut werden müsse. Längs des neuen Bahndammes sollen Ersatzwege geschaffen werden.

2. Genehmigungsbeschlutz des Bezirksausschusses zu dem Gemeiudebeschlutz wegen Erhebung einer Kanal- berrutzungsgebühr im Rechnungsjahr 1913 und Wahl der Schätzungskommission. Stv. Dux: Unser Beschluß vom 7. Juni betreffs Erhebung von Kanalbenutzungsgebüh- ren für das laufende Jahr ist vom Magistrat unb Be­zirksausschuß genehmigt worben. Nach ber beschlossenen Ordnung wird die Abschätzung des Grundstückswertes einer Kommission Vorbehalten. Ich schlage vor, die be­stehende Schätzungskommission mit dieser Arbeit zu be­trauen. Die Kommission setzt sich zusammen ans den Herren H. Büttner, Fritz, Fuhrmann, Frz. Jestädt, F. A. Müller und Louis Thiel als Mitglieder, sowie aus den Herren Breitenborn, Hobes, Rich. Knips, Walth. Plappert, Fr. Reinhardt, Wilh. Rupperti unb Jos. Schultheis als Stellvertretern. An stelle des verstor­benen Kunstgärtners Breitenborn wäre ein Ersatzmann zu wählen. Ich schlage Herrn Breusing vor. Stv. Kapp schlägt den Kaufmann Zirkenbach, Stv. Singer den Vorsitzenden des Mietervereins, Herrn Laux, vor. Die bestehende Kommission wird gewählt und als Ersatz­mann Herr Breusing.

3. Beitritt zur Deutschen K-mmunalbank. Stv. Dux begründet den Beitritt der Stadt Fulda und schlägt vor, die Angelegenheit einstweilen der Finanzkommission zu übertragen und den Stadtprobator Wohlgemuth zu den Verhandlungen der Kommission hinzuzuziehen. Ober­bürgermeister Dr. Antoni erklärt: Der Kern des Unternehmens liegt darin, daß in der letzten Zeit die Anleihen stark zugenommen haben und vielfach nicht mehr zu haben sind. Um dieses Uebel zu beheben, d. h. Geld flüssig zu machen, will die Kommunalbank, eine Art Aktiengesellschaft Deutscher Städte, Obligationen ausgeben und jede Stadt muß eine ihrer Größe ent­sprechende Summe zeichnen. Fulda müßte _ für etwa 20 000 Mark Aktien übernehmen. Es ist wünschenswert, daß auf diese Weise ein einheitlicher Typ und eine be­quemere Operationsbasis geschaffen werde. Im übrigen ist eine Defcklußfafsung in dieser Angelegenheit nicht dringend. — Der Antrag Dux auf Ueberweisung der Vorlage an die Finanzkommission wird angenommen.

4. Erhöhung des Zinsfußes für Einlagen und Aus­leihungen bei der Sparkasse. Stv. Singer: In der letzten Sitzung wurde diese Angelegenheit einer Kom­mission überwiesen. Bekanntlich sollen sämtliche Zins­füße um ’/-. % erhöht werden. Die Kommission kam zu dem Resultat, daß eine Erhöhung des Zinsfußes für Einlagen unbedingt eintreten müsse, betreffs Erhöhung des Zinsfußes für Ausleihungen gingen die Meinungen auseinander; indes konnte ein anderer Ausgleich für die durch die Erhöhung für Einlagen bedingten Mehr- luswendungen [2'5 500 Mk.), als die vom Magistrat ge- forderte Erhöhung deS Zinsfußes auch für Hypotheken, nicht gefunden werden. Die Kommission beschloß des­halb mit Mehrheit, den Antrag des Magistrats dtS

Kollegium zur Genehmigung vorzuschlagen. Oberbürger­meister Dr. Antoni: Die Stadt hat mit der Er­höhung des Zinsfußes schon feit Jahren zurückgehalten, hat eS aber nicht länger tun können, nachdem die Kasse in eine prekäre Lage gekommen ist. Die Erhöhung ge­schieht also aus dem Drange der Not, da die Stadt sonst gezwungen ist, Hypotheken zu kündigen. Sie kann nicht bei Banken 6 % bezahlen und selbst mit 4 % für ihre Ausleihungen auskcmmen. Wenn sich auch durch die geforderte Maßnahme die Einlagen nicht erhöhen, so steht doch zu erwarten, daß die Abhebungen von Kapi­talien aufbören. Stv. Schwarz spricht sich gegen eine Erhöhung des Zinsfußes für Ausleihungen in der ge­forderten Höhe aus, weil dadurch die durch allerhand Steuern gequälten Hausbesitzer noch mehr belastet wür­den. Stv. S u n k e l stellt den Antrag, den Zinsfuß für Ausleihungen um % % zu erhöhen. Stv.-Vorst. Gegenbaur teilt mit, daß nach § 47 der Städteord- nung an Abstimmungen über städtische Angelegenheiten diejenigen Stadtverordneten, die persönlich interessiert sind, nicht teilnehmen können. Es fei deshalb in vor­liegendem Falle denjenigen Stadtverordneten, die Hypo­theken von der Stadt bezogen hätten, anheimzugeben, freiwillig zurückzutreten. Stv. Sunkel zieht darauf seinen Antrag zurück. Nachdem vier Stadtverordnete den Saal verlassen haben, sprechen sich noch die Stv. Dux, Trabert und Singer für die Notwendigkeit ber Erhöhung des Zinsfußes für Einlagen unb Ausleihun­gen aus. — Bei ber Ahstimmung stimmten für bie Magistratsvorlage von 19 Stadtverordneten 14, es ent­halten sich der Abstimmung die Stv. Kircher, Axt, Sunkel, Fleischmann und Giez. Die Magistrats- Vorlage ist somit angenommen. Stv. Singer teilt mit, daß die für Beratung über Schaffung eines städtischen Instituts für 2. Hypotheken eingesetzte Kommissim folgende Resolution der Versammlung un­terbreite: Der Magistrat soll ersucht werden, ber Grün­dung einer Bank für 2. Hypotheken näher zu treten. Oberbürgermister Dr. Antoni teilt mit, daß er vor­aussichtlich anstelle des kürzlich verstorbenen Bürger­meisters Vocke-Eschwege in die vom Städtetag eingesetzte Kommission für Beratung dieser Angelegenheit gewählt werde. Er werde dann Gelegenheit haben, sich genauer in der Sache zu informieren, und nach Beendigung seiner Ferien, die er in den nächsten Tagen antrete, mit entsprechenden Vorschlägen aufwarten können. — Die Versammlung schließt sich der Resolution an. Auf Antrag des Stv. Singer tritt die Erhöhung des Zins­fußes am 1. Januar 1914 in Kraft.

5. Johresrechnung der kath. Kleinkinderbewahr­anstalt. Stv. Laux: Die Rechnung schließt im ver­flossenen Jahre ab in Einnahme mit 2781,80 Mk. und in Ausgabe mit 3070,34, mithin ist ein Defizit von 288,64 Mk. entstanden, das auf neue Rechnung vorge­tragen ist. Es sind insgesamt 23 350 Pflegetage zu ver­zeichnen, die Kosten der Verpflegung belaufen sich pro Kind auf 13 Pfg. täglich. — Die Versammlung nimmt von dem Bericht Kenntnis.

7. Errichtung eines Bedürfnishäuschens am Schweine­markt. Stv. M a hr: Die Vorlage wurde früher ber Baukommission überwiesen. Das Bebürfnishäuschen soll in der ersten Nische an der Harmonie angebracht unb in Bretterverschalung ausgeführt werden. II. a. wird ein Abort für Männer und Frauen errichtet. Die Kosten Belaufen sich auf 850 Mk. Des weiteren ist eine Trinkstelle am. 3. Pfeiler geplant; hierfür werden 150 Mark gefordert. Bei dem Projekt ist in Erwägung ge­zogen worden, daß der Schweinemarktplatz zur Be­bauung veräußert werden soll, sodaß die geplante An­lage nur als ein Provisorium zu betrachten ist unb später bei Aufhebung beS Marktes an biefer Stelle Weg­fällen würde. Stv. Fleischmann: Ich habe wieder­holt darauf hingewiesen, daß ein Bedürfnis für bie Er­richtung einer solchen Anlage an dieser Stelle durchaus nicht vorliegt. Zudem kann die Lage der Anstalt an einer Stelle, wo viele Kinder sich spielend aufhalten, un­angenehme (Verunreinigung) und in sittlicher Beziehung bedenkliche Folgen zeitigen. Zudem verstößt die An­lage, wie sie geplant ist, gegen die neuen Bestrebungen zur Verhütung von Verschandelung öffentlicher Plätze. Stv. Trabert schließt sich den Ausführungen seines Vorredners an. Stv. Reith bittet den Magistrat, da­für Sorge zu tragen, daß die mißlichen Zustände an ber Bebürfnisanstalt auf ber Terrasse des Schloßgartens burch Sckaffung eines besseren Abzugskanals behoben würben. Stv. Sunkel erkennt bie Bebürfnisfrage an, zieht aber in Frage, ob ber Schweinemarkt ber geeignete Platz für bie Anbringung ber Anstalt sei. Zubern scheine es bloß eine Bretterbude zu geben. Oberbürgermeister Dr. Antoni betont, daß man mit Rücksicht darauf, daß die Anlage nur als ein Provisorium gedacht sei, von der Bewilligung größerer Kosten abgesehen habe. Der Antrag des Magistrats wird angenommen.

8. Schreiben der Firma Mölders & Co., betr. Kanal in der B-rgiasstraße. Der Punkt wird vertagt.

9. Bereitstellung von Mitteln für einen anzunehmen­den Techniker. Diefer Punkt wird debattelos an die Baukommission überwiesen.

10. Ersatzwahl eines Mitgliedes der Baukommission anstelle des verstorbenen Herrn Breitenborn. Es wird Stv. Fritz gewählt.

Schluß der öffentlichen Sitzung um 9,45 Uhr.

£ofaks.

* < Fulda, 8. Juli 1913.

* Personalien. Bahnmeister Thissen ist zum 1. August ds. Js. von Burg und Nieder-Gewunden an das Eisenbahn-Betriebsamt Fulda verseht. — Postschaffner Ramme in Hünfeld wurde zum Ober- postschaffner ernannt. — Regicrungs - Landmesser Kürschner in Kassel wurde mit der Verwaltung des Katasteramtes m Biedenkopf beauftragt und Staatsanwaltschaftsrat Bauer in Kassel zum Anus- gerichtsrat in Halle a. d. S. ernannt.

= Ter Obet Präsident Exz. Hrngstenbkrg hat gestern seinen aus 4 Wochen berechneten Sommeruriaub an­getreten und sich zunächst nack Gastein begeben.

y Karambolage. Heute früh rannte mal wieder ein radelnder Bäckerlehrling mit einer Kötze voll Brötchen auS der Brauhausstraße in die Miltelstraßc hinein gegen einen anderen Mann. der dort sein Stahlroß neben sich herschob. Der Bäckerstist purzelte mit den Brötchen auf die Straße. Tas Vordernd des Arbeiters wurde stark verbogen, sonst ging alles noch mal wieder glatt ab.

-o- Einbrecher statteten in der Nacht zum Sonntag dem Zentralhotel einen Besuch ab. Sie stöberten in mehreren Zimmern umher und suchten mehrere Schränke zu erbrechen, in denen gewöhnlich Wertsachen au;» bewahrt wurden. Die Schlösser widerstanden jedoch allen Bemühungen. Den Eindringlingen fiel nur einiges Wechselgeld und Briefmarken in die Hände.

(♦) Ehemal 81 er. Tie am Sonntag im Giesels Saal abgehallene letzte Hauptversammlung vor ber 100 jährigen Jubelseier des Regts. 81 war überaus stark besucht, sodaß der große Theatersaal und der Nebensäal dicht besetzt waren. Der Vorsitzende, Herr Fabrikant Karl Kramer begrüßte die Kameraden und warf einen Rückblick auf die Epoche 1813—1913. Er gedachte auch des silbernen Regterungsjubiläums des Kaisers und schloß seine Ausführungen mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser. Man erledigte nun die vorliegenden Emgänge und Mitteilungen und traf die letzten Vorbereltungen zu dem Fest. Großer Andrang herrschte an dem im Nebensaal organisierten umfangreichen Kassendienft, wo die Spargelder ausgezahlt wurden. Die ge- si«®« Opfee, bie wöchentlich ach«-*» "urdeu er­

möglichen jetzt vielen die Teilnahme an dem Fest. Es sind im ganzen am Sonntag rund 5000 Mark Spargelder zurückgezahlt worden. Die Fuldaer Ver­einigung dürfte mit 600 Festteilnehmern wohl die stärkste aller Vereinigungen sein, und die ehemalige .Garnison Fulda" beim Jubiläum würdig vertreten. Für die Kameraden welche ihre Spargelder noch nicht abgehoben haben, an dem Feste aber teilnehmen wollen, wird ein weiterer Auszahlungstag bekannt- gegeben. Denen, die an dem Feste nicht teilnehmen können, wird das Geld erst nach dem 'Fest zurück­gegeben.

Post nach Konstantinopel. Die Königlich Ru­mänische Postdampferlinie zwischen Kenstantza und Konstantinopel hat ihren Dienst bis auf Weiteres eingestellt. Die Briefsendungen für Konstantinopel und den übrigen im Machtbereiche der Türkei ver­bliebenen Teil der Balkanhalbinsel sowie für die asiatische Tüikei werden deshalb über Italien, die bisher über Konstantza versandten Pakete über Triest geleitet.

Ans dem Nachbargebiete.

* Bad Salzschlirf, 7. Juli 1913. Die Zahl der Kurgäste hat in den letzten Tagen bedeutend zugc» nommen; die heutige Kurliste verzeichnet deren 3378.

* Aus der Rhön, 7. Juli 1913. Das romantische Rhöngebirgc mit seinen aussichtsreichen Bergen und Kuppen wird von Jahr zu Jahr mehr das Wander­ziel eines breiten Touristenstromes, und besonders ist es die Zeit der Heuernte, die eine besondere Anziehungskraft ausübt, denn um diese Zeit wohnen die mit dem Heumachen beschäftigten Rhönbewohner wochenlang in weithin leuchtenden, auf den langen Bergwiesen errichteten weißen Zelten. In der Regel beginnt die sich einige Wochen hinziehende Heuernte auf den einschürigen Rhönwiesen am Kilianstag. Dem Rhönwanderer wird dabei etwas recht Erfreu­liches gewiß nicht entgehen, nämlich der Versuch, die ausgedehnten Wiesenflächen mit ihrem spärlichen, niederen Graswuchs durch Anwendung künst­licher Düngemittel wieder futterreich zu machen. Nachdem einige bayerische landwirtschaft- Ische Vereine bereits längere Zeit schüchterne Ver­suche mit Kunstdünger angestellt und gute Erfolge erzielt haben, hat seit einigen Jahren auch die Land­wirtschaftskammer zu Kassel auf den Bergwiesen der Wasserkuppe umfangreiche Versuchsflächen mit den verschiedenartigsten künstlichen Düngemitteln bearbei­tet, und es ist hockinteressant für Kenner und Laien, die großartigen, sofort in die Augen springenden Er­folge zu vergleichen. Nicht nur die Menge des Fut­ters ist oft mehr als verdreifacht, sondern auch die Güte ist ganz anders geworden. An Stelle der mehr und mehr sich breit machenden „Rhönborsten" stellen sich wieder bessere Futterkräuter ein, das Moos ver­schwindet und die Wurzeln der Futterpflanzen boh­ren sich tief in den Boden, während sie auf den nicht gedüngten Wiesen nur wenig in das Erdreich bringen. Solche Versuche zeiaen den Rhönbewohnern, daß es ihr eigener Vorteil ist, sich die Ergebnisse der Wissen­schaft zunutze zu machen, statt von den Rhönwiesen nur immer zu nehmen, ohne ihnen auch zeitweise etwas zu geben. Ta es nun unmöglich ist, Stall­dünger auf die höhe Rhön zu schaffen, bleibt nur ein Nachhelfen durch Kunstdünger übrig. Ganz beson­ders hohe Ernteerträge bieten die basaltreichen Rhön­böden bei einer Düngung mit Kainit. Freilich darf, wenn der Futterbau in der Hochrhön dauernd besser werden soll, auch die Frage der Aufforstung zur Schaffung besserer klimatischer Verhältnisse nicht ans dem Auge verloren werden. Ersreulickerweise zeigt man neuerdings auch hierfür Interesse und Ver­ständnis.

* Wiesbaden, 7. Juli 1913. Heute begannen die auf drei Taae bemessenen Festlichkeiten aus Anlaß des bimdertjabrigen Jubi l au ms des Füsilier-Reqi« rnenis von Gersborff (Kurhefsikches) Nr. 80. In 10 Ertrazügen trafen im Laufe des Vormittags über 18000 ehemalige Angehörige des Regiments ein.

Amt Geisa und Umgebung.

y. Bremen b. Geisa, 7. Juli 1913. In Jonesboro (Amerika) verschied am 4. Juni die elirroürbige Schwester M. Evangelist e Weber, 0. S. B. Die Verstorbene stammt aus einer geachteten hiesigen Familie und würbe am 21. Juli 1870 hier geboren. Im Jahre 1891 lenke sie ihr Ordensgelübde ab. Seit 1898 war Schw. Eo. als Lehrerin in (Stuttgart (Nord-Amerika) tätig, mußte aber bald wegen körperlicher Gebrechen diese Arbeit aufgeben. An ihrer Beerdigung nahm u. a. Herr Pfarrer Fürst, der auch von hier stammt, teil.

* Vacha, 7. Juli 1913. Mit Genehmigung des Großherzogs ist der Gericktsschreiberqehilse,Registrator Albert Ha afe vom 1. August 1913 ab wegen Krank­heit in den Warkestand verseht worden. — Der 35. Verbandstag Thür. Gewerbevereine, welcher gestern und heute in Blankenhain tagt, wählte Vacha als Ort für feine nächstjährige Tagung.

* Dermbach, 7. Juli 1913. Gestern nachmittag sand auf dem hiesigen MilitHrfriedbof bie feierliche Schmückung derGräber der 1866 bei Dermbach gefallenen Soldaten durch den hiesigen Kriegerverein statt.

Au§ Oberhessen n- den Hess. Aemtern.

* Marburg, 7. Juli 1913, Die tägliche Kraft­wagen-Verbindung Jos dach—Marburg a. L. ist wieder aufgenornnien worden.

* Frankenberg, 7 Juli 1913. An den beiden letzten Tagen der vergangenen Woche sand hier die sogenannte Generalmusterung statt. Dieser hatten sich im ganzen 251 Militärpflichtige zu unter­ziehen, von welchen 165 für tauglich befunden wur­den. — Begünstigt vom herrlichsten Wetter, hat das 40. Turnfest des Gaues Hessen einen glänzenden Verlauf genommen. Schon am Samstag nachmitrag und abend konnte der festgebende Turnverein ca. 600 Turner, Kampfrichter und Gauausschußmitglieder in Empfang nehmen. Zu dem Einzelwetturnen (Zwöl- fcrkampf) traten 314 Turner in ber Unter- unb 32 in ber Oberstufe an. Die Zahl ber am Festzuge be­teiligten Turner wird auf 1100 geschätzt. Bei den Freiübungen vereinigten sich ca. 450 Turner zu einer irnposamen Masscnwirkung. Mit dem Turnen der etwa 40 Musterriegen sanden die turnerischen Leistungen gegen Abend ihren Abschluß.

# Ziegenhain, 5 Jnsi 1913. Unter zahlreicher Beteiligung fand am Sonntag auf dem Knülllöpfchen das Familienfest des Knüllklubs statt. Gleich­zeitig wurde zu dem neuen Wirschaftsgebäude auf Hof Rich berg der Grundstein gelegt. Nach einer nwracke des Vorsitzenden, Herrn Amtsrichter Heußner-

Niederaula, wurde ein verschlossener Blechkasten, die Urkunde, Geldstücke rc. enthaltend, in den Grundstein eingemäuert. Es begann dann im großen Saale ein fröhliches Treiben, — Dem Gemeinderechner a. D.° Joh. Reeder wurde das Allgemeine Ehrenzeichen in Silber verliehen.

* Fritzlar, 7. Juli 1913. Nach der vorn Kriegs­ministerium über die Verpflegungskosten des Mili­tärs veröffentlichten Statistik rangiert unsere Stadt fast unter den billigsten Garnison stabten Während in der billigsten Stadt der Soldat 37 Pfg. an Verpflegungskosten verursacht, kostet hier bei Mann 36 Pfg., in anderen Städten bis zu 47 Pfg. — Wie verlautet, soll der Forstfiskus die Absicht ha­ben, das hiesige als Dienstwohnung nicht benutzte Oberförstereigehöft zu verkaufen. Ob ein, Verlegung der Stelle und Verbindung mit einer Nachbar-Oberförsterei geplant ist, ist nicht bekannt geworden. Im Volksmund heißt das G'ebäude das Deutsch-Ordenshaus.

Märkte.

Frankfurter Getreidemarktberkcht vom 7. Juli 1913. Am heutigen Markt war wiederum nur sehr wenigGeschäft, trotzdem der Müblenring den Mehlpreis um 25 Mark pro 100 Sack erhöhte. "Das Angebot im guten Land- weizen ist sehr klein. Landroggen notierte unverändert, trotz größerer Nachfrage. Fremde Weizen teilweise etwas höher offeriert. Hafer bei kleinen Geschäften nur in guten Qualitäten gefragt. Mais unverändert. Mehl fest. Futterartikel stetig. Es notierten: Weizen: hiesiger und Wetterauer 20.75—21.00 Mark, aas dem Lande abgeholt 20.25-20.35 Mark, kurhessischer 20.85-21.00 Mark, norddeutscher 20.90—21.00 Mk.. Manitoba 23.25 bis 23.75 M., Kansas 23.00—23.50 Mk., russischer Nicolajeff 23.00—23.50 Mark, Saxonska 22.75—23.25 Mark, Ulfa 23.00-23.25 Mark, Azima 23.00-23.25 M., La Vlata 22.73—23.25 Mark rumän. 23.25-23.75 Mark, Walla Walla 24.00-24.50 M. — Roggen: hiesiger, 17.00 bis 17.25 M., auf dem Lande abgeholt 16.50—16.60 Mk., Pfälzer 00.00-00.00 M. russischer 17.25-17.75 M., Amerikaner 17.50-17.75 Mk. — Gerste: hies. 17.00 bis 18.00 Mark, Pfälzer 17.25-18.00 M., fränkische 17.50—18.00 M., Riedgerste 17.50-18.C0 M., ungarische 00.00-00.00 Mark, Futtergerste 00.00—00.00 M. — Hafer: hiesiger und Wetterauer 17.00—17.50 M.,' kurhess. 16.75-17.50 M., hager. 17.00—18.00 Mark, La Plata 16.75-17.25 Mk., russischer 17.50-18.50 Mark. — MaiS (Mixed) 14.75-15.00 Mark, Donau­mais 14.75-14.90 M., La Plata 14.60—14.70 Mark. Cinqantin 19.00-19.50 M., russischer 00.00-00.00 Mark. — Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: fest. — Es notieren je nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 32.00—32.25 Mark, südd. Nr. 0 31.75-32.00 M., hiesiges Nr. 1 30.00-30.25 M., süddeutsches Nr. 1 30.00 —30.25 Mk., hiesiges Nr. 3 27.00-27.25 M., süddeutsches Nr. 3 27.00—27.25 M.- hiesiges Nr. 4 23.00—23.25 Mark, süddeutsches Nr. 4 23.00—23.25 M. — Roggenmehl, hiesiges, Nr. 0 25.25 bis 25.50 M., do. Nr. 01 24.00—24.25 M., do. Nr. 1 23.00—23.25 M. Alles per 100 Kilo inklusive Saa loko hier. — Futterartikel: stetig. Weizenschalen 9.00—9.10 Maik, Weizenkleie 8.65—8.90 Mark, Roggen- tleie 10.75-11.00 M„ Weizen - Futtermehl 14.25 bis 14.75 M., Biertreber, getrocknet, 12.50—12.75 M„ Malz­keime 12.00-12.25 M., Rapskuchen 13.10—13.25 Mk.," Palmkuchen 13.90—14.10 Mark, Futtergerste 15.50 bis 15.75 M., Melasseprodukte 00.00—00.00 M., Kartoffeln 0.00—0.00 Mark. Alles per 100 Kilo netto effektiv loko hier bei Abnahme von 10000 Kilo.

* Frankfurter amtliche Notierungen der Viehinarkt- preise vom 7. Juli 1913. Auftrieb: 1344 Rinder reinschließlich 00 Rinder aus Holland, sowie 00 Rinder aus Schwedens darunter 495 Ochsen, 72 Bullen 777 Färsen und Kühe, 00 Fresser 304 Kälber,! 151 Schafe, 2505 Schweine. Preise für 1 Zentner, Rinder: A. Ochsen: a. vollsteischige, ausgemästete höchsten Schlachtmertes 1. int Alter von 4—7 Jahren (Lebendgewicht) 52—57 Mark, (Schlachtgewicht) 93 bis 98 Mark, 2. die noch nicht gezogen haben (ungejocht) Lebendgewicht) 0' — 00 M., (Schlachtgewicht) 00—00 Mark, b. jui ge fleischige nicht ausgemäsiete und ältere ausgemästeie (Lebendgew.) 48—51 M., (Schlachtg.) 87—93 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere (Lebendgew.) 42-46 M., (Schlachtgew.) 77-85 Mark, d. gering genährte jeden Alters (Lebendgew.1 00-00 M., (Schlachtgew.) 00- 00 M. 8. Bullen: a. vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.) 49—51 <Ui., (Schlachtgewicht) 81—85 M., t>. vollsteischige jüngere (Lebendgewicht) 45—48 Mark, (Schlachtgew.) 78—83 M., c. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere (Lebendgewicht) 00-00 Mark. (Schlachtgew.) 00—00 M., d. gering genährte (Lebdgew.) 00-00 M., (Schlachtgew.) 00 -00 Mark. C. Färsen nnd Kühe: a. vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtmertes (Lebendgewicht) 48—52 Mark, (Schlachgew.) 86—93 M, b. vollfleischige, ausgemästete, (Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren (Ldgew. 46—49 M>, (Schlachtgew.) 86—88 M., c. 1) wenig gut entwickelte Färsen (Lebendgew.) 42—46 M., (Schlachtg.) 81—88 M., do. 2) ältere ausgemästete Kühe uno wenig gut entwickelte jüngere Kühe (Lebendgew. 40-45 M„ (Schlachtgew.) 74—84 M., d. müßig genährte Kühe unb Färsen (Lebendg.) 33-39 M., (Schlachtgew.) 66-78 M., e. gering genährte Kühe unb Färsen (Lebendgew.) 26—30 Mark, (Schlachtgew.) 59—67 M. D. Gering genährtes Jungvieh (Fresser) (Lebendgew.) 00—00 M., (Schlachtg.) Kälber: a. Doppetender seinste Masi (Lebend­gewicht) 00—00 Mk., (Schlachtgewicht) 00—00 Mk. b. feinste Mast- (Pollmilchmast) und beste Saugkälber (Lebendgew.) 00—60 M.» (Schlachtgew.) 000 —000 M., c. mittlere Mast- und gute Saugkälber (Lebendgew.) 56—60 M., (Schlackig.) 95—102 M., d. geringere Mast- u. gule Saugkälber (Lebendgew.) 52—55 3)1., (Schlachtgew.) 88—93 3)1., «) geringe Saugkälber (Liv.) 00 — 00, (Schlachl- gero.j 00—cO 3)1. Schafe: A. Wcwemastschafe: a. Mast- lärnmer und jüngere Masthämmel (Lebendgew.) 47—00 Mk., (Schlachtgew.) 98—00 M., b. geringere Masthämmel und gut genährte Schafe (Lebendgewicht! 00—00 Mark- lSchlachtgew.) 00— 00 M., c. mäßig genährte Hammel und Schafe i Merz-Schafe: (Lebendgewicht) 00—00 M.» ! Schlachtgewicht) 00—00 Mark, d. Marjchschafe oder Riederungsjchaje (Lebendgewicht) 00—00 3)1. (Schlachl- gero.] 00—00 3)1. B. Slallmastjchafe: 00. Schweine: a. vollsteischige Schweine von 80—100 kg L-bendqewichl (Lebendgew.)57V,-60 M., (Schlachtgewicht) 75—77 M., b. Dollfleijdjtge Schweine bis 80 kg Lehendgemickk (Lebendgew.) 57-60 M., (Schlachtgew.) 73 -75 M., c. vollfleffchige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht (Ledenbgew.) 51V,—60 M., 'Zcksiacktqew.j 75—77 M., d. voUfleischige Schweine von 120—15.) Kg Lebend- gero. (Lebendgew.) 57*,3—60 M., (Schlachtgew.) 75 biS 77 Mark, e. Fetlschweine über 150 kg Lebendgewichi (Lebdzew.) 00—00 M., (Schlachtgwichi) 0 —00 Mark, t. unreine Sauen und geschnittene Cst>e.' (Lebendgew. 60-00 ä)l., (Schlachtgew,chl) 00- 00 M. — Bon der Schweinen wurden am 7. Juli verkauft: a. Lbdgew. zum Pretze von 61 Mk. 1 Stück, von 60V, M. 12 Stiick, von 60 M. 148 Slück, von 59’/, M. 86 Stück, von 59 M. 177 Glück, von 58’/, M. 41 Stück, von 58 M. 126 Slück, von 57'/, 3)1.165 Slück, von 57 M. 57 Stück, von 56 M. 5 Stück.! b. Schlachtgewicht zum Preise von 81 M. 0 Stück, von 80 M. 1 Stück, von 79 M. 21 Stück, von <8 M. 53 St., von 77 M 302 Stück, von 76 M. 289 Stuck, von 75 M. 370 Slück, von 74’/- M. 0 Stück, von 74 155 Slück, von 73'/, M 0 Stück, von 73 M. 132 Sluck, von 72 311. 3 Slück, von 71 M. 0 Stück, von 70 M. 3 Stück, von 69 M. 0 Slück. — Marktverkauf: Am Rindermartt gedrückter Handel und lieberftanb; gute Ochsen gesucht. Kälber werden bei gedrücktem und Schafe bei ruhigem Geschäftsgang ausverkauft. Schweine hinlerlasfen bet langsamem Handel Ueberfland.