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Fuldaer Zeitung

tritt flusnohme ^nvm. itnh —

Dochen-Veilage:

Illustrierte Lonntagsreitung

Nr. 155

Erstes Blatt.

Dienstag den 6. Juli 1913

40. Zahrgang.

>u dem Zweck hatte'sie ja

erscheint »SgNch mtt Ausnahme 6er Sonn- und Jelerfage. viertel- jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda sowie auswärts IJO Mark. •— Rotoflonsöru* und Verlag der - 5 Zuldaer flcfienbrudterel in Zulda. Semfpredjer Nr. 9. - -

Deutsches Reich.

ri- Der neue ttriegsminister.

Zum Nachfolger Herrn v. Heerinaens ist General­major v. F a l ken h ay n, der bisherige Chef deS General­stabs des 4. Armeekorps in Magdeburg ernannt worden.

Der neue Kriegsminister ist 1861 geboren. Er ent­stammt der Linieninfanterie und gehörte vornehmlich dem Generalslabe an. Vorübergehend war er auch Mililärinstrutteur in China, er nahm im Stabe des Grafen Waldersee an China-Feldzuge teil und gilt als guter Kenner der ostastatischcn Verhällnisse. Dem Krieg-. Ministerium hat er bisher nichi angehört. In den letzten Jahren versah er die Geschäfte des Generalstab­schefs beim 16. Armeekorps in Metz und feit 1912 beim 4. Armeekorps in Magdeburg.

In der Armee gilt Herr v. Falkenhayn als äußerst befähigter Offizier von unermüdlicher Arbeitskraft, den bei festem Willen und sachlicher Bestimmtheit weltmännisch gewandes Wesen auszeichnet. Von seiner bisherigen Stellung als Leiter des Zentral- departemcnts im Kriegsministerium ist auch der General der Infanterie v.Wachs zurückgetreten und zur Armee versetzt. An seine Stelle tritt der Oberst des 5. Garde-Regiments in Spandau Scheuch, der in Schlettstadt geboren ist. Oberst Scheuch hat bereits früher im Krieg-Ministerium Dienst getan. Zuletzt versah er dort die Geschäfte des Chefs der Ätinisterialabteilung.

J=? Ueber die Notwendigkeit des Steuerkompromisses

wird immer noch in der Presse gestritten. Die Kon­servativen versuchen aus aller Kraft den Nach­weis zu liefern, daß die Nationalliberalen gar nicht die Absicht und die Fähigkeit gehabt hätten, die „W i t w e n- und W a i s e n st e u e r" einzubrin­gen und durchzusetzen, und daß es also nicht notwen­dig gewesen sei, in der Besitzsteuerfrage ihnen ent­gegenzukommen. Dabei berufen sich die Konserva­tiven auf eine Aeußerung des Abg. Bassermann, die vorige Woche auch von uns schon erwähnt, aber ganz anders ausgelegt wurde. Herr Bassermann sagte, mit den Sozialdemokraten zusammen habe man wohl die Erbschaftssteuer von 80 Millionen machen können, aber nicht die Deckung für die zwei­ten hundert Millionen. Darin wollen die Konserva- tiven das Eingeständnis finden, daß die National­liberalen überhaupt davon Abstand genommen hätten, in den Steuerfachen mit der Sozialdemokratie zusammen zu arbeiten. Das hat aber Herr Basser­mann nicht gesagt. Seine Ausführungen hatten nach ihrem ganzen Zusammenhänge den Sinn: Wenn die ganzen 200 Millionen laufender Mehrkosten in einem Zuge gleichzeitig mit der Wehrvorlage ge­deckt werden sollten, so war d i e s e Aufgabe nicht mit Hilfe der Sozialdemokratie zu lösen. Ja, wenn! Unter Bassermann's taktischer Leitung hatte aber die nationalliberale Fraktion es sorgfältig ver­mieden, sich auf die gleichzeitige Erledigung aller Vorlagen festzulegen. Zu dem Zweck hatte'sie ja in dem Ausschuß mit schlauem Vorbedacht den An- tragSpahn, nach der ersten Beratung des Wehr- i gesetzes gleich die Deckungsgesetze vorzunehmen, durch die Linksmehrheit zu Falle gebracht. Sie wollte sich freie Hand wahren, um die Sache auch stück­weise erledigen und für die einzelnen Gesetze die Mehrheit bald links, bald rechts oder beim Zentrum zu suchen. Wäre keine Vereinbarung über eine gleich- zefttge und einheitliche Regelung ' zustande gekom­men, so hätten Herr Bassermann und seine Freunde wirklich die Möglichkeit gehabt, die Witwen- und Waifensteuer mit Hilfe der Sozialdemokratie durch­zudrücken. Zur Beschaffung der weiteren hundert Millionen hätten sie dann die Rechte und das Zen- I trum einladen können. Für den Fall, daß diese sich sträubten, hätte man den Rest der Deckungsftage

Zum Unglück für die konservativen Ausbeuter I kommt nun Herr Bassermann selb st im Ver- I laufe feiner Rückblick-Artikel auf den fraglichen Punkt I zurück und gibt folgenden interessanten Abriß der I „Taktik": I

Eiebungsliften der preußisch-süddeutsche, Klaffen-Lotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan, r.

~ ~ ITIonats-Behßge: ~ - Fuldaer Sefchrchksblütter

»Volkes als Gegendruck eine Stimmung gegen Osfizierkorps erzeugen muß. Man möge das ver. hangmsvolle Beispiel des Kulturkampfes in der französi­schen Armee nicht übersehen. Auch Herr v. Heerinaen hatte nicht die Kraft, diesen, der Armee feindlichen Geist der konfelsionellen Zwietracht in der Armee wirksam zu bekämpfen. Man weiß, welch verhängnisvollen Einfluß iS bvet, Vrmee das Berliner Organ des Evangelischen Bundes, die liberale .Tägliche Rundschau' ausübt. Und trotzdem ist es möglich, daß dieses Organ in den Militär- lasinos und in den Kadettenanstalten den Oifizieren als geistige Kost nahezu aufgedrängt werden darf. Es ist foweit gekommen, daß in der großen HauI'kadettenanstalt in Großlichterfelde kaum noch drei Dutzend katho­lische Kadetten Aufnahme gefunden haben. Und es Schreiben ehemaliger Offiziere und anderer lalholischer Vater zugegangen, die trotz aller Bemühungen und trotz glanzender eigener Vergangenheit die Aufnahme ihrer katholischen Söhne ,n die Kadeltenanstalt nichi durchsetzen konnten. Man hat in katholischen Kreisen das Gefühl, als ob die Katholiken auch von der Hauptkadetten­anstalt systematisch ferngehalten würden, nicht durch das Kriegsministerium, aber durch untergeordnete Organe. Der Krtegsminister, der die Autorität und die Kraft be. faße, das zerstörende Uebel des konfessionellen Hasses und der konfessionellen Voreingenommenheit gegen die Katholiken wieder aus dem Osfizierkorps zu entfernen, würbe ft* ein nicht minder großes Verdienst erwerben, als mit der größten Wehrvorlage. '

es durch Ablehnung der Wehrvorlage mangels Deckung den Konflikt und die Reichstagsauflösung her- beisuhren wollte. Diese Lage bot naturgemäß einen starken Anreiz zur Verständigung, gleichmäßig für die Liberalen und das Zentrum."

Dieses Zeugnis des nationalliberalen Taftikers, (zu dessen Einzelheiten gelegentlich noch Randglossen zu machen sind) beweist ganz klar, daß die Liberalen die hohe Besteuerung des Gatten- und Kindeserbes beantragt und durchgesetzt hätten, wenn nicht das Kompromiß rechtzeitig zustande gekommen wäre. Es laßt sich nicht rütteln an der Tatsache, daß durch das Kompromiß ein größeres Uebel vermieden worden ist. Ja, sogar zwei große Uebel. Einer- seits die drohende Witwen- und Waifensteuer, ande­rerseits die verhängnisvolle Verwirrung, die durch die Abtrennung der Deckungsgesetze von' der Wehrvorlage herbeigesührt worden wäre. Das Kom­promiß toar. das einzige Mittel, um eine glatte und würdige Erledigung der ganzen Angelegen­heit herbeizuführen und den guten Eindruck im Aus­lände sowie die Entspannung im Innern zu sichern

Ausland,

■ ** Was ihn zum Schurken machte. Zu dem un­

erhörten Verrat des österreichischen Generalstabs- o fstziers, des O b e r st e n R e d l, der Militärgeheimniffe an Rußland verriet, und sich nach der Entdeckung

I oer Schurkerei selbst entleibte, schreibt die ,Warte" in Wien:

„Was aber war die Triebfeder, toeldfc^Ren Mann) i>er eine glänzende Laufbahn hinter sich hatte und dem eine noch glänzendere fast in absolut sicherer Aussicht stand, bewog, am eigenen Vaterlande so unsagbar schuf­tig zu handeln? Die Sucht nach Wohlleben^ aber noch mehr die grenzenlose Unmoral, in deren Schmutz und Schlamm er immer tiefer sank und deren Giftatmosphäre ihm, wenn man so sagen will, die Em­pfindung für das unaussprechlich Elende seiner Hand­lungsweise nahm. Der vollständige Mangel jedes mora- lifchen und sittlichen Empfindens ist vielleicht der einzige Entschuldigungsgrund, den man für Redls Verbrechen ins Feld führen kann. Jetzt werden Dinge bekannt, die man maßgebenden Orts schon früher hätte wissen müs­sen, die man aber augenscheinlich auf die leichten Achseln nahm. Redl war in den Kreisen der Halbwelt eine sehr, bekannte Persönlichkeit, und seine „Damen"bekanntschaf- ten sollen sich zunächst durch besondere Vielheit ausge­zeichnet haben. Man wußte, daß der Redl, wie man sagt, ein flotter Bursch und fescher Kerl war, und man erkannte und sah die Eigenschaften dieses „Ehren­mannes", als man die schmerzlichen Folgen dieses welt­männischen Treibens Redls spürte.

** Das italienische Königspaar hat gestern abend auf der Dacht „Trinacria" die Rückreise von Stockholm angetreten.

△ Die Verweltlichung der Krankenhäuser in Bel­gien. Die Freimaurer in Lüttich, der großen bel­gischen Industriestadt, haben einen heftigen Feldzug zur Verweltlichung der verschiedenen Hospitäler und Krankenhäuser der Stadt und der umliegenden Ge­meinden begonnen. Die meisten dieser Anstalten, haben den Charakter frommer Stiftungen.

△ Japanische Einwanderung in Brasilien. Di« amerikanischen Zeitungen berichten mit einer gewissen Genugtuung, daß Japan in Zukunft feinen Aus­wandererstrom nach Brasilien leiten wird. 1500 Japaner sind in Santos am 15. Mai gelandet, sie sind die ersten Mitglieder einer Kolonie, die sich nach einem Uebereinkommen zwischen der brafitianifden und der japanischen Regierung dort bilden soll. One weitere Kolonie soll im Lause des kommenden Jahres gebildet werden. Die künftigen Kolonisten werden Ende des Jahres von Japan abfahren.

Das Münchner KinM.

85] Roman von Felix Rabor.

„Ich verspreche nichts Bestimmtes", sagte er und ging. Die Fürstin war aber durch Besuch verhindert, chn zu empfangen, ließ ihm aber ein Billett über- Feichen, in dem sie ihn auf den folgenden Tag zu sich einlud.

Da kehrte er nach Hause zurück und fuhr mft Annie nach Halensee. Sie war darüber heiter und glücklich. Sie war ihm so dankbar, daß er ihr dieses Lpser gebracht hatte und dabei doch so stolz auf ihn, Lächelnd erzählte sie ihm von ihren kleinen All­tagsfreuden und -sorgen und ahnte nicht, daß sie dabei in seinen Augen immer kleiner wurde und zu­sammenschrumpfte zu einer unbedeutenden Null in seinem Leben.

Während er schweigend ihrem Geplauder lauschte, dachte er: , „Wie klein und unbedeutend ist sie! Jm- mer klebt sie an der Erde und an den ärmlichen Din­gen ihres engbegrenzten Daseins, indes ich in kühnem rfluae zur Sonne fliegen möchte, jawohl: zur Sonne!

Sie versteht mich nicht, ahnt nichts von meinem Ringen, von meinen kühnen, himmelstürmenden Plä- nen-— Sie ist die Taube — ich bin der Adler!" —

Annie aber träumte von einem neuen Glück, von oem sie glaubte, daß es heute bei ihr eingekehrt sei. —

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j.® Proben zu den „Lebenden Bildern" wurden 5L”. Zer Energie betrieben. Die Fürstin war Feuer

° r.lamme für ihre Idee und ruhte nicht eher, als die kleinste Einzelheit des Bildes zu ihrer ^Z.^detzheit ausftel. Hardy von Sandow ging, ihr

""d Tat zur Hand. So wurde das unh wirklich zu etwas Einzigartigem,

Wb e§ ber Iurst bei einer Probe zum ersten Male wy, war er voll Bewunderung für das Bild und für Kme i§rau, welche es verkörperte.

Tpn g? konnte sich auch kaum etwas Schöneres den- c - . T einem Ruhebett mit goldenen Löwensüßen j

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I noch! — Das sieht dir mit deinem Spatzengehirn gleich —" j

„Hardy — vergiß dich nicht! Du sprichst zu deiner Frau! —"

„Ebendarum sage ich dir das, einmal mußt du es ja doch erfahren: du benimmst dich, als ob du aus Krähwinkel kämest. — Wir sind in Berlin, verstan-i den? — So, und nun nimm dich in acht und zeige! dich würdig des Namens, den du trägst. Du wirst beb dem Bilde mitwirken! Ich befehle es dir! — Und damit Schluß! — Schluß!" schrie er, als sie reden, sich verteidigen wollte. Mit kurzem, zornigem Gruß

I ging er davon.

Annie blieb in größter Bestürzung zurück. Daß er so brutal sei, daß es wegen einer Kleinigkeit zu einer so häßlichen Szene kommen könnte, hatte sie nie für möglich gehalten. Sie schloß sich in ihr Zimmer ein und weinte bitterlich. Das Fest war ihr verhaßt, weil es schuld daran war, daß sich eine Kluft zwischen ihr und ihrem Gatten auftat — und dennoch sehnte sie es herbei und sagte sich: „Wenn er mich wieder als sein liebes Münchner Kindl sieht, wird sein Zorn verrauchen und er wird mich wieder liebgewinnen. Denn es erinnert ihn an den Frühling unserer Liebe — und wer vermöchte diesem Zauber zu Wieder­stehen? — Das Glück wird wiederkommen! —"

So pflanzte sie mitten in ihrem Kummer das gol­dene Banner der Hoffnung auf.

Während Annie schwere, trübe Stunden in Kum­mer und Herzeleid zubrachte, feierte ihr Vater in München seine ersten künstberischen Triumphe.

Ten unermüdlichen Bemühungen Frau Mar­guerites und Freunden Pirkheimers war es gelun­gen, die weitesten gebildeten und kunstsinnigen Kreise Münchens für Pirkheimers neue Liederkunst zu inter­essieren und so wurde zuerst in einem Privatzirkel ein Versuch gemacht, ob sich des Meisters „Lieder zur Laute" dazu eigneten, daß sie vor einem größeren Publikum vorgetragen würden. Ter Versuch gelang mit geradezu glänzendem Erfolg, sodaß rasch ein Kon­zert angekündigt wurde zu dem schon.nach wenigen Tagen olle Plätze verkauft waren.

I und sonstigen Vorschriften über indirekte Reichs- und I Landesabgaben verwirkte Strafen niedergeschlagen I oder gemildert werden, wenn die Personen durch I »tot, Leichtsinn, Unbesonnenheit, Unerfahrenheit und I Verführung zu den Straftaten veranlaßt worden sind I und. für den Gnadenerweis würdig erscheinen. Die I Königliche Oberzolldirektion ist angewiesen, die I Straffälle von Amts Jvegen nachzuprüfen und die I Vorschlagslisten dem Finanzminister einzureichen.

+ Der 90. Minister. Der Kriegsminister v. Hee« I ringen war, wie Berliner Blättern geschrieben wird, I der 90. Minister unter Kaiser Wilhelm II. Dabei I sind natürlich nicht nur die preußischen Staatsmini- I fier, sondern auch sämmtliche Staatssekretäre des I Reiches, sowie die Leiter der früheren Kolonial-Abtei- I lung gezählt. An der Spitze des Reichspostamtes steht I zurzeit erst der dritte Leiter, an der Spitze des Reichs- I amtes des Innern, des Reichs-Justizamtes, des Reichs- | Marineamtes, des preußischen Finanzministeriums, | des Justizministeriums und des Eisenbahnministeriums I der vierte, an der Spitze des Landwirtschasts-, Kultus- I und Handelsministeriums der sechste Leiter. Herr von I Bethmann-Hollweg ist bekanntlich der fünfte Reichs- I kanzler; Exzell. Kühn ist der siebente Staatssekretär I oes Reichs - Schatzamtes, Herr v. Jagow der achte I Leiter des Auswärtigen Zimtes. Bei der Ziffer 90 I sind auch die sechs preußischen Ministerpräsidenten I eingerechnet, von denen aber nur einer diesen Posten I im Hauptamte bekleidet hat, während er sonst von I dsm Reichskanzler versehen wurde.

+ Neue Verkäufe von Domänen zu BesiedlungS- I zwecken. Wie die freikonservative ,Posü erfahrt, hat die deutsche Ansiedlung in den Provinzen Schleswig I und Posen eige wesentliche Stärkung dadurch er- I fahren, daß jetzt sämtliche domänenfiskalischen Binnen- I ländereien nebst den Gewässern und Fischereirechten I im-Streife Tondern (Schleswig) an den Kreis Tondern I veräußert sind, wodurch der inneren Kolonisation I zur Stärkung des Deutschtums wesentlich gedient sein dürste. Die Größe des ganzen Gebiets beträgt I rund 3860 Hektar. Dann ist die Domäne Ust, Kreis Culm, Regierungsbezirk Marienwerder, die etwa 260 Hektar groß ist, zu Besiedlungszwecken verkauft, I und ebenso ist auch die Domäne Ummendorf, Kreis Reuhaldensleben, Regierungsbezirk Magdeburg, deren I Verkauf sich einige Zeit lang Schwierigkeiten entgegen« gestellt hatten, nunmehr an die Landgesellschafl „Eigene I Scholle" veräußert worden. Der Besitz ist 725 Hektar groß. Weiler ist u. a. die Domäne Buchenhagen, I Kreis Schrofa, Regierungsbezirk Posen, von Der An­siedlungskommission erworben worden, und ebenso I die Domäne Forbach, Kreis Posen-Ost.

)( Die Voftage über den Verkehr mit Leuchiöl ist I bekanntlich bis auf den Wiederzusammentritt des Reichs- I tages im Herbste vertagt worden. Die Reichsregie- I rung, die, wie in den „Rückblicken" der ,Rordd. All- I gern. Zig/ betont wird, nach wie vor auf tue Erledi- I gung Der Sache Gewicht legt, hat dieser Vertagung zugestimmt,

weil sie mit der Kommission der Ansicht war, daß bei I der starken Belastung des Reichstages durch die Wehr- und Deckungs-Vorlagen eine sachgemäße Erledigung der I noch ausstehenden dritten Kommissions-Lesung mchl mög- I Och war und nach ihrer Auffassung die Beschlüsse zweiler Lesung keineswegs eine endgültige Lösung der Frage Dar- I stellen können.

** Eine ernste Beschwerde der deutschen Katholiken erhebt die ,Köln. Voltszrg.' anläßlich des Rücktritts I des Kriegsnunisters v. Heeriugen:

Die Katholiien haben feit einigen Jahren einen I Uebelstand in Der Armee zu beklagen. Der, wenn er I weiteifnßt, verhängnisvoll werden muß. Selbst in den I Jahren des heißesten Kulturkampfes blieb Die Armee I von konfessionellen Leioenschaslen im allgemeinen ver- I schont. In Den letzien Jahren aber ist ein Den Kalhokiken I feindlicher, konfeisionell gehässiger Geist in I weite Kreise des Offizierskorps geoiungen, Der nicht bloß I Die Kameradschaftlichkeit und Einigkeit des Osfizierkorps I zerstö.t, sondern auch, wenn es so weiter geht, in roeiten I

-Der wichtigste taktische Moment war, als man in der Budgetkommission die zweite Beratung der Wehr­borlage vor Inangriffnahme der Deckung beschloß. Dieser Beschluß war deshalb so wichtig, weil die Sozialdemokratie durch ihre Abstimmung zeigte, daß sie nicht willens war, die Geschäfte b e r R e ch t e n zu besorgen. Enffcheidend war die f efte Entschlossenheit der Linken, wenn es nicht an­ders geht, Wehrvorlage und Deckung getrennt zu behandeln, um bi? Verabschiedung der Wehrvorlage auf Ende Juni sicherzustellen. Die Behandlung mag der Sozialdemokratie schwer gefallen fein, da in ihr eine Förderung der Wehrvorlage lag. Aber es hatte diese Stellungnahme das Gute, daß damit klar wurde, daß die Linke in der Lage war, auch die Deszendenten st euer durchzusetzen. Diese Sachlage war für die Entschließungen der Zentrums­fraktion nicht ohne Bedeutung. Das Zentrum mußte erkennen, daß die Mehrheit des Reichstags entschlossen war, nötigenfalls die Wehrvorlage vor der Deckung zur Erledigung zu Bringen; geschah dies aber, dann war das Zentrum in eine fatale Lage gebracht. Dann mußte sich das Zentrum entscheiden, ob es auch ohne Deckung uno, ohne der Art der Deckung in Zukunft sicher zu sein, die Wehrvorlage annehme und sich dadurch eines guten Stückes Einflusses auf die Deckung begeben oder av-r.

„Ich will sehen, Durchlaucht!"

„Bravo! Kling-kling, kling-kling! Die goldene Harfe soll klingen!"

„— Soll klingen!" bestätigte die Fürstin und fragte dann, wie es mit dem Bilde „Münchner Kindl" eigentlich stehe.

„Famos!" erwiderte der Fürst eifrig. „Meine Idee bewährt sich glänzend, liebe Jla! Es hat Hu­mor — und der ist die Würze des Lebens! Nämlich — ich kenne da einen jungen Baron, fein Vater ist I Guts- und Bierbrauereibesitzer in — in — in Dings­da! Student im zehnten Semester. Der Filins näm­lich. Ter soll nun einen Urbajuwaren in germani­scher Tracht darstellen und dem Münchner Krndl hul­digen —" Ich sag' dir, Jla — so 'was Ur — Ur­fideles von Münchner Gemütlichkeit hast du noch nicht gesehen. Man wird lachen, lachen, daß die Tränen kollern — faktisch!"

Sandow schüttelte unwillig den Kopf; er hatte Bedenken gegen diesen allzu derben humoristischen Einschlag, allein da sich der Fürst so stolz als den Va­ter dieser Idee bekannte, schwieg er dazu. Daß auch Annie dieser Idee zugestimmt hatte, darüber ärgerte er sich schwer und es kam zwischen ihnen zu einem regelrechten Streit. „Du hast keinen künstlerischen Geschmack," warf er ihr vor, „kannst dich von dem Münchner Biersumpf nicht losmachen."

Sie erschrak heftig und verteidigte sich nur schwach. „Muß denn alles stilvoll fein'?" fragte sie. „In dem Bilde, so wie es jetzt arrangiert ist, liegt viel Drol­liges und der Münchner Humor kommt kräftig zum Ausdruck. Und das scheint mir bei einem „Städte­bild" doch die Hauptsache zu sein."

„Darauf pfeif ich", rief er wütend. „Es soll ein I Kunstwerk sein. Aber davon hast du natürlich keine blasse Ahnung —"

„Dann trete ich lieber zurück! —“

. Nun wurde er ganz wild; so zornig hatte sie ihn nie gesehen. „Bist du verrückt?" schrie er. „Willst du das ganze Fest in Frage stellen und mich blamie­ren vor der ganzen Gesellschaft, vor der ganzen Stadt? — Was zum Donner, beleidigt tust du auch I

** Berlin, 7. Juli 1913. Der Kaiser hat heute seine Nordlands-Reise, die 25., angetreten. Diesmal bringt er die mächtige Frithjos - Statue für I den lagenumwobenen Sognefjord mit, die in seiner I und König Haakons Gegenwart enthüllt wird. Der Sockel dieses Denkmals enthält die Aufschrift: „Den Norwegern Kaiser Wilhelm II. 1913." Die Rückkehr I des Kaisers nach Deutschland ist für den 5. August vorgesehen. Aus Anlaß der „Jubiläums-Fahrt" beab- I sichligt die Umgebung des Kaisers, dem Monarchen I ein sinniges Geschenk in Form einer Nachbildung des Lenchriurmes zwischen Aalesund und Florö als silber­nen Tafel-Aufsatz zu überreichen. Unter den Gästen I des Kaisers auf seiner Nordlandsreise befindet sich I auch Graf Görtz zu Schlitz. Die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord ist kurz vor 2 Uhr vor Holtenau eingetroffen und jogleich durch den Kara nach Brunsbüttel weitergefahren. Tie Flotte falutierie

I die Kaiser-Standarle nut 33 Schuß.

** Ein Amnestie-Erlaß. Anläßlich des Rcgie- I rungsjubiläurns des Kaisers und Königs sollen zu­folge eines allerhöchsten Erlasses auch bei Zu­widerhandlungen gegen die Zollgesetze

I ruhte^die junge, wunderschöne „Odaliske". In wei-

I chen Falten schmiegten sich die Seidengewänder mit I ihren hellen, leuchtenden Farben um ihre schlanke Ge" | st alt: das dunkle Haar floß in reichen Wellen über I Nacken und Schultern, war mit Perlen durchflochten, I und über der Stirne von einem schmalen Goldreif I zusammengehalten. Die dunklen, halbverschleierten i Augen aber blickten träumend aufs Meer hinaus, die I Rechte grüßte sehnsüchtig in die Ferne. Es war wie I ein zu blühendem Leben erwecktes Märchen aus dem । I Orient, aus „Tausend und einer Nacht".

„Nun," fragte die Fürstin ihren Gemahl, „wie gefällt dir das Bild?"

I „Es ist brillant, faktisch!" beteuerte er. „Dieses Bild wird die Krone des Festes sein, und ganz Berlin wird wochenlang davon reden."

„Dann ist mein sehnlichster Wunsch erfüllt," lä­chelte die Fürstin? „Ich werde berühmt werden, und der Glanz wird auch auf dich zurückfallen, Mikos. Aber eines fehlt doch noch zu dem Bilde —"

„Was denn?"

„Eine Harfe! Sie muß mir zur Seite lehnen, als I ob ich im nächsten Augenblick ein Jubellied anstim­men würde."

„Ach — famose Idee!" lobte der Fürst. „Dadurch gewinnt das Bild an Leben, an Tiefe. Also, eint I Harfe brauchst du?"

„Ja — eine goldene Harfe!"

„Schön, Flora! Machen wir, faktisch! Die Harfe I entlehnen wir einfach in der Königlichen Oper — fo- I viel ich weiß, gibt es da mehrere solche — hm — solche Dinger —"

Tie Fürstin lachte ihm ins Gesicht. „Geh', Mi- ko§", rief sie, „diese Harfen sind ja viel, viel zu groß! I Es fall eine kleine, orientalische Harfe sein."

Ter Fürst zerrte an seinem. Schnurrbart. „So — hm, das ist fatal,, da weiß ich faktisch keinen Rat. I Aber wart' nur, Sandow muß helfen; der macht ja I all den Klimbim". Er rief ihn herbei und erklärte ihm den Wunsch der Fürstin.

„Nicht wahr, Die Harfe schaffen Sie herbei, lieber I Sandow?" sagte er. „’ne Kleinigkeit für Sie, Sie I können doch alles, Sic Taufendkünstler!"