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Fuldaer Leitung

Montag 7. Juli (913.

* Darmstadt, 4. Juli 1913. Die bei dem 11 n - J , 1 J’em Weiterstädter E x erzierplatz ver­letzten Soldaten des Trainbataillons g?i. 18 sind bis auf zwei, bei denen jedoch auch keine Lebensgefahr besteht, aus dem Lazarett entlassen worden.

* Mainz, 5. Juli 1913. Gewaltige Wol­ke n bi ldun gen über dem Rheintal unterhalb Dingens und den angrenzenden Gebirgsteilen infolge der trüben Wetterlage hindern feit Tagen jede Fern­sicht. Die Wolken sind so dicht, daß der Ossizierflie-

Anz dem Nachbargebiete.

~ * Bad-Orb, 5. Juli 1913. Auf der Rückkehr vom ^.uppenubnngsplatz st ü r z t e gestern Unterinspektor +> e i z von der hiesigen Garnisonverwaltunq vom Rade und mußte dem Hanauer Landkrankenhaus zu- gesuhrt werden. 3

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 5. Juli 1913. Der Verband Thüringer Oausbetztzervereine hat die Schaffung eines cinbeit- Mre t sVertrages für sämtliche Städte beschlossen.

* Vacha, 5. Juli 1913. Der Gemeinderat besLloß gestern eine Besoldungsregulierung der städtischen samten. Ferner wurde beschloffen eine Anleihe von 7000 Mark gegen 41,'* Prozent Zinsen und 2 Pro- jent Tilgung zur Bezahlung von Grunderwerbskosten der Eisenbahn, em Rest von 6500 Mark soll aus bereitstehenden bezw. aus laufenden Mitteln gedeckt werden. Außerdem wird ein Ortsstatut zum Schutze v°n Feldern, Wiesen und Gärten gegen das freie Umherlaufen von Enten, Gänsen und Hühnern aus

fremden Grundstücken und ferner durch den Tauben, flug während der Saatzeit angenommen. Der Ge- memdevorstand macht schließlich noch davon Mittei­lung, daß für den Amtsgerichtsbezirk Vacha eine Allgemeine Ortskrankenkasse errichtet wer­den soll.

(*) Buttlar, 6. Juli 1913. Auf dem hiesigen Kali, schacht hat man die Wassermassen, deren Ein­bruch das Unglück verschuldeten, beseitigt, so daß nunmehr an die Bergung der Leichen der Verunglückter gegangen werden kann.

* Tiefenort, 4. Juli 1913. Gestern abend wurde „am Krähnberg" die ledige Tagelöhnerin Katharine Thiel von hier mit der Schürze an einem Strauch festgebunden, tot in der Werra hängend aufgefunden. Da sich in den letzten Tagen Anfälle von Verfolgungswahn bei der Verstorbenen zeigten, durste sie in geistiger Umnachtung Hand an sich qe- legt haben.

“ Die Mananische Bruderschaft in der Kloster- Urche am Frauenberge beging gestern ihr Titularfest. Die Teilnahme der Mitglieder aus Stadt und Land ®° q groß. Nach der Nachmittags-Feier wurde im Kloster als Sekretär gewählt Adam Kreß von Niestg und als Präfekt der bisherige Sekretär Loko- motwfuhrer a. D. Trapp von hier

$n d" gestrigen Versammlung °eS St. Josefsverems sprach Fräulein Dr. Im le über die Aufgaben, welche durch die wieder not- wendig gewordene Christianisierung der Massen au die Mitglieder der kath. Arbeitervereine gestellt werden In erster Linie bedarf es der Apologie der Tat, welcher falsche Einbildung, Feigheit und Eigennutz viele Hmderniste bereiten. Hier ist eine Gewlssensersorschung darüber anzustellen, was wir sur das Christentum getan haben. — Die Frauen sollen die Feindlichkeit gegen die Organisationen ab­legen, die im Grunde geeignet sind, das Christentum sur die gesamte Kultur wieder zu gewinnen. Ehr- surcht vor der Handarbeit, Verständnis der Arbeiter für geistige Arbeit ist geboten. Die alten Tugenden Opferwilligkeit, Entsagung und Pflichttreue passen auch für die Jetztzeit. Die Rednerin verglich dann unsere Zeit mit der des hl. Franz von Assisi und wies mit Begeisterung hin auf die Erstrebung der ewigen Ziele, die Gott der Menschheit gestellt hat. — Der Präses, Herr Domkaplan Tr. Müller, dankte der Rednerm für ihre erhebenden Ausführungen, welche die höchsten Gedanken in die Arbeiterbewegung hlneintragen, den Weg zur Einigung im Glauben zeigen und zur praktischen Betätigung des Glaubens anetfern. Mögen die Belehrungen auf fruchtbaren Boden gefallen sein.

*c?r 5trien Bezirksausschusses beginnen am rä'./oulr und endigen mit dem 1. September d. Js. Wahrend der Ferien dürfen Termine zur münbüdien Verhandlung der Regel nach nur in schleunigen Sachen abgehalten werden. Auf den Lauf der gesetzlichen fristen bleiben die Ferien ohne Einfluß.

& Auf der Zuverläfsigkeitsfahrt Moskau-Paris passierten gestern mittag etwa 30 Automobile unsere Stabt 9^$ kurzer Rast hier würbe die Fahrt jottgeley:. v

fertig und man ist soeben mit der Aufstellung der 600 Personen fastenden Tribüne beschäftigt. Als Tag der Einwechung bat man den 2 0. Juli gewählt. Für die. les rtest i;r folgendes Programm aufgestellt: Es sollen

Vormittag die Verlaufe und Vörkämpfe der Leicht- athletik erledigt werden, sodaß für den Nachmittag nur Endkampfe um die Bezirksmeisterschaften in Frage kom- mcn. Nachmittags 2 Uhr wird der Vereinsam Vereins­lokale (Enstbaus Traube) aus, voraussichtlich unter Bc. teiligung der Bezirksvereine, die einzelnen Mannschaf-

,ln_. ^bortklcidung, nach dem neuen Platze ziehen. ~or* ftudet Weiherede, Konzert und Endkämpfe um die Bezirksmeisterschaften statt, auch für Volks- und Kin- derbeluuigung wird reichlich Sorge getragen werden. Eegen -/-6 Uhr wird dann die erste Mannschaft in neuer Kleidung (weißes Triko und rote Hose) zu dem Eröff- nungsfuxballioettspiele antreten. Hierfür sind von der Spielleitung Unterhandlungen mit Mannheim, Duis­burg, Lipzig 2C. angeknüpft.

— Soinruerthrater. Am Dienstag abend kommt die "Die Forste rch ristel" von Jarno zur Aufführung. Die einschmeichelnde Musik, die interes- fante Handlung und das reizende Wiener Millieu wer- den dem sorgfältig einstudierten Werke gewiß eine freundliche Ausnahme sichern.

"7* Prrmiz. Gestern feierte in bet Kapelle des hiesigen Josephsheims Herr Josevh K l a s s e r t aus ber Kongregation vom hl. Herzen Jesu, ein Sohn des zu Oberrodenbach verstorbenen Lehrers Klassert, fein erstes hl. Meßopfer. Der neugeweihte Priester wird sich balb m bie Missionen von Zentralafrika begeben. 1 *• Beschaffung von2. Hypotheken. Die Hausbesitzer, welche bei einer neueinzurichtenben städtischen Hypo- l * Hypotheken an zweiter Stelle aufzunehmen beabsichngten, waren neulich aufgeforbert worben, sich Magistrat zu melben. Daraufhin würben bei dieser Behörde im ganzen 800000 SWart angemelbet, ,als zweite Hypotheken gewünscht werben.

r-lJ tfeftgenommen würbe am Samstag ein aus bet F?stalt m Kleinzimmern bei Dieburg entflohener Fursorgezogling, der sich mehrere Wochen betteinb umhertried. Er wird morgen früh seiner .Heimat" «Heber zugeführt.

Eine Schlägerei entspann sich gestern abend nach Eintreffen des Rhönzuges vor dem Bahnhofs- Votel zwischen Soldaten, in dessen Verlauf blankge- j°S?n svurde. Ein Reserve, Offizier gebot den Hitz« köpfen Einhalt und ein Schutzmann nahm sie mit zur Pottzerwache.

"7" ^.^ifiou des 44jährigen, mehrfach vorde- Masten Fabrikarbeiters R. von hier, der vom Schöffen- gencht zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt worden war, weil er in angeheitertem Zustande Passanten -ohne rede Veranlassung mit Dlesser und Schlagring bedroht hatte, wurde von der Hanauer Strafkammer verworfen.

»ebürfttiganftalt in den Anlagen an «r Niefigerstraße geht bald ihrer Vollendung entgegen. Gegenwärtig ist man mit der Herstellung des Platten- klags dtt Wände beschäftigt. In dem Gebäude ist enle Transformat orenstation M» Elektrizitätswerkes untergebracht und ferner ein ??^Erwehrdepot, das bis auf die beiden Tore vouendet tft.

Jugendpflege. Für die Vorstände von Jüng- Kngs» Vereinen ist von Bedeutung ein Erlaß des pvenßr^en Kultusminister folgenden Wortlautes: ^^ebrauch von Schießgeräten beiVeranstal- ^ngen für die schulentlassene männliche Jugend führt leicht zu Unzutraglichkeiten und Unfällen. Ich ersuche

totales.

Fulda, 7. Juli 1913.

f - ,i# Personalien. Ernannt wurde der Regterungs- -affeffor Dr. Bömke in Kassel zum Stellvertreter des Regierungspräsidenten im Bezirksausschüsse zu Kassel, bie Amtsrichter Dr. Roßbach in Wihenhausen, Ar-mmet-mann in Oberkaufungen, Ruhlin Gubens- berg'unb Loos in Felsberg zu Amtsgerichtsräten, der Stadtrechner Ritter jn Treyfa zvm Stellver- tretet des Amtsanwalts daselbst. — Zugelassen zur Rechtsanwaltschaft wurde der Rechtsanwalt Schulte- Wintrop bei dem Amtsgericht Fulda. — Versetzt TOUii der ordentliche Professor der Universität Greifs- wald. Geh. Regierungsrat Dr. v. Auwers, in die philosophische Fakultät der Universität Marburg — Ki den Ruhestand versetzt wurden die Fußgendarmerie- Wachtmerster Quester in Mottgers und Kikorskn in Fulda vom 1. Juli ab, ber Geheime Baurat Tdos, Betrlebskontrolleur Rechnungsrat Kromm beide in Kassel. — Versetzt wurden die Bahnmeister Ebeling von Marsberg nach Wabern und Drewes von Kirchhain nach Zierenberg, technischer Bureau- assistent Fischer von Marburg nach Corbach, der ,Eisenbahnassistent Bachmann von Marburg nach Kassel. — Versetzt ist der Amtsgerichtsrat Dr. ,Valentin in Frankfurt a. M. als Landgerichtsrat -an das Landgericht daselbst, Obermilitärintendautur- iEekretär von der Intendantur des XVIII Armee- 'korps zur Intendantur des VII. Armeekorps. — «um Gerichtsassessor wurde ernannt Referendar Cramer !im Bezirke des Oberlandesgerichts zu Kassel.

Verliehen wurde dem Pfarrer Schuchard, ^Direktor der Anstalten Hephata in Treysa, der tote fAdlerorden vierter Klasse, dem Garnisonverwaltungs­inspektor und Kontrollesührer Amthauer zu Kassel der Kronenorden vierter Klaffe, dem bisherigen Vor- arbetter bei der Pulverfabrik bei Hanau Johann Simon zu Niederrodenbach das Kreuz des Allge- memen Ehrenzeichens, dem Streckenarbeiter a. D. Magnus Gömpel in Dietershan, dem bisherigen Eisenbahnschlosser Möhrstäd t zu Rotenburg a. F., das Allgemeine Ehrenzeichen.

= Sie Referendarprüfilug bestand vor ber Prü­fungskommission in Kassel Herr Neidhardt von Fulda.

* Aus Thüringen, 4. Juli 1913. Ein Freunb der Jugenderziehung hat ber Direktion bes Lehrer- semrnars in Ko bürg die Summe don 10 000 Mk- ubeüuei|ert lassen mit ber Bestimmung, baß ber IMrliche Zmsabwurf zu Prämien für die Semina- rrsten verweubet wirb. — Im Krankenhaus zu

Hausen starb unter großen Schmerzen ein achtjähriger Knabe aus Altengottern, ber unreifes Cbft gegessen und danach Wasser getrunken hatte. — enter Kiesgrube in Niederdorla wurde ein Mann verschüttet; er konnte nur als Leiche geborgen werden. — In der Dampfziegelei von Drewes bei Eisenach wurde der Arbeiter Messalla aus Oscheck von der Mahlmaschine erfaßt und am Unterleib ent­setzlich gequetscht, auch wurde ihm das linke Bein total^ zermalmt- Der Verunglückte war alsbald tot. 7~ V”einingen hatte ein Arbeiter die Orts- krankenkasse um 8,40 Mk. betrogen, die er als anoeb-

Kranker sich auszahlen ließ. Das Gericht er­kannte auf drei Wochen Gefängnis. — In einer Dampfziegelei in Stregda wurde ein Arbeiter vom Getriebe erfaßt und getötet. — Der Direktor Stock bom Bankverein in Zeulenroda ist noch immer nicht gefunden worden. Man hat festgestellt, daß das Bankvermögen zu schwach ist und so wurde beschlossen, die Geschäftsanteile von 300 auf 500 Mark zu erhöhen. — In Gera war ber seltene Fall jujyietrfmen, daß ein Arbeiter fein 60jähriges Ar- belts,ubilaum bei einer Firma begehen konnte — Tas Sotel „Deutsches Haus" in S u h l erzielte beim Zwangsverkauf 106 221,86 Mk. — In Stützer- b a ch (Pr A ) ist schon das vierte Kind an Diph- therrtts gestorben. — Die Kleinbahn von L a n g en- f0 1 Za nach Kirchheilingen wurde dem Betrieb über­geben. .— Die Verkaufsvereinigung der Ziegeleien s „,ct^ und Umgegend ist mit dem 1. Juli Ö. x). tn Liquidation getreten. — Das Schöffengericht ZU K v n i g s f e e verurteilte einen Arbeiter aus Unterweißbach ßvegen Bogelstellens zu einer Woche Haft. — Bei einem nächtlichen Einbruch in die Post­agentur zu Molau (Sachs.-Meiningen) fiel den Tatern ein Geldbetrag von 100 Mark in die Hände. — Ter Finanzausschuß des Meininger Landtags beantragt, der Landtag wolle ber Vorlage betreffend Bau einer Bahn von Weilahausen nach Neustadt bei Koburg zustimmen. — Die Stadtverordneten in Erfurt beschlossen, eine städtische Bauberatungs- !.EA„.e'uZnrichten. Ferner wurden 122 000 Mark betoungt zur Einrichtung einer elektrischen Feuer- melde-Anlag?.

und den von bett deutschen sehr verschiedenen Maß- und Gewichtssystemen vertraut. Dazu komntt die ihm als Deutschen angeborene Gründlichkeit, zu der sich mit der Zeit auch die amerikanische Firigkeit ge­sellt. Tazu ein offener Kopf und ein wenig Unter­nehmungsgeist, und in ein paar Jahren wird der Mann auf seinem eigenen Grund und Boden stehen. Er wird von all seinen aus Deutschland mitgebrach­ten Gedanken unb Erfahrungen nur noch ein un­veräußerliches Gut in sich tragen, die Erinnerung. Ob er sich als Deutscher fühlt ober in dem großen amerikanischen Schmalztopf zu einem amerikanischen Wesen geworden ist, kann ich nicht konstatieren.

Also ber Handwerker, ber fein Fach versteht, Lust hat zu arbeiten, braucht hier keine Befürchtungen für bie Zukunft zu hegen, im Gegenteil, ein herzliches Willkommen winkt ihm selbst von ber amerikanischen Einwanberungsbehörbe, er ist ein Bürger, wie man ihn sich wünscht. Anbers bestellt ist es mit unseren sogenannten gebildeten Ständen. Ich unterscheide hier zwei Arten. Der junge, gebildete Mann, sei er was er wolle, dem draußen durch irgendwelche Um­stände der Boden zu heiß unter den Füßen geworden ist, findet hier Gelegenheit, sich zu rehabilitieren, allerdings nur unter Preisgabe aller seiner früheren Allüren und Verbindungen. Ein solcher ist Wohl am schlimmsten daran im Lande ber goldenen Freiheit. Er ist meistens derjenige, der nach seiner Ansicht nichts weiter als seine Vergangenheit aufzuweisen hat und sich bald berufen fühlt, dies und jenes in den hiesigen Einrichtungen ungünstig zu kritisieren. Unb warum? Weil er keine Gelegenheit findet ober fin­den WM, festen Grund zu fassen. Selbst ist den nie­drigsten Stellungen vermag er sich nicht zu behaup­ten, weil er ständig von seinen Erinnerungen an die goldene, ihm so schön verflossene Jugendzeit zehrt und weil er mit seinem Geschick hadert, das im Grunde genommen doch nur die Folge seiner Lebens- führung ist. 1

Doch selbst diesen draußen verkrachten Existen­zen reicht Amerika die helfende Hand, wenn sie nur feft entschlossen sind, ein neues Leben anzufangen und einen neuen Beruf zu ergreifen. Beweise haben wir hier, wenn auch nicht viele, daß ehemalige Offiziere und Studenten tüchtige amerikanische Bürger gewor­den sind^ Aber derartige Leute soll man nie zu

— Tas Gift der Giftschlangen wirkt, wie Wit im „Buch für Alle" lesen, bei dem ersten Biß, den eme Giftschlange nach längerer Ruhe austeilt, hes- tiger als bei den späteren Bissen, den nach und nach wird der Vorrat an Gift erschöpft. Der Amerikaner Burnett ließt acht Mäuse von einer großen Klapper­schlange beißen: bie erste starb sofort, die zweite nach fünf, die dritte nach zehn Minuten, die vierte nach emer, die fünfte nach zwölf Stunden, die sechste war einige Sage krank, die siebente nur wenig und die achte überhaupt nicht. Seit alten Zeiten hat man gewissen Tieren eine Unempfänglichkeit gegen Schlan­gengift beigelegt, so dem Ichneumon, dem Schwein und dem Igel. Es ist aber sicher, daß hier Irr­tümer vorliegen: die betreffenden Tiere werden höchst wahrscheinlich, vertraut mit der Kampfesweise ihres Gegners, diesen geschickt so zu fassen wissen, daß er gar nicht zum Beißen kommt, und es mag auch speziell beim Igel und beim Schwein mancher Biß gar nicht bis zum Blute durchdringen, sondern durch die Stacheln unb bie bicke Schwarte abgefangen wer­ben. Vom Igel steht es fest, daß er, wenn es der Schlange gelang, ihn doch zu beißen, dem Einflusses des Giftes unterliegt, unb nicht viel anders wird es mit den übrigen für giftfest gehaltenen Tieren sein.! Eine andere, oft aufgetoorfene Frage ist es, ob die Giftschlangen, wenn sie sich untereinander beißen, an dem Biß zugrunde gehen. Türk tat eine sehr giftiges ägyptische Schlange ("Schis varia) mit einer Klap­perschlange und einer Sandviper in einen Käsig. Die erstere tötete die beiden letzteren sofort durchs ihren Biß. Zu ganz anderen Resultaten kam Guyon,' der die umfassendsten Untersuchungen über beir Gegenstand angestellt zu haben scheint: er infizierte eine Lanzenschlange mit dem Gifte von acht anderen, ohne eine Wirkung zu erzielen: er ließ Sandvipern, Dreieckkopfe und verschiedene Pufsotlem sich unter-, einander beißen, gleichfalls ohne Erfolge,

ger Leutnant Schulz-Metz, der mit einem Fluggast bon Darmstadt nach Köln fliegen wollte, dreimai vor den schweren Wolkenbänken bei Bingen umkeh- ren mußte, weil jede Orientierung unmöglich wurde Nach dem dritten Versuch gab Leutnant Schulz den Kampf aut und flog direkt nach Metz zurück. — Der 9tbeI auS Gensingen wurde ^ctnfalschung von der Mainzer Strafkammer f“ 1/2. Geldstrafe verurteilt. A. hatte fas HW Weißweine überstreckt und gezuckert. Vie- Stuck Wem wurden eingezogen

* Limburg, 5. Juli 1913. Drei Jahre Z u ch t- haus erhielt von ber hiesigen Strafkammer der 31 Jahre alte Metzger I. Kl. wegen Betrugs und Dieb­stahls als Gesamtstrafe einschließlich einer in Wies baden erhaltenen Zuchthausstrafe von 1 Jahr. Die Ehrenrechte wurden dem Manne auf 5 Jahre ab erkannt. u

, * Ans dem Großh. Hessen, 5. Juli 1913. Nach l%iaf)nger Bauzeit werden jetzt 35 Gemeinden durch bte Ueberlanbantagc mit Licht und Kraft versorgt. Die Verbindung zwischen den Kraft­werken Wolfersheim und Bad-Nauheim ist fertig gestellt: auch die Stromlieferung an die Eisenwerk' wurde jetzt ausgenommen. Der An schluß weiterer Gemeinden steht unmittelbar bevor

entern Schritt veranlassen, dessen volle Verantwor­tung man nicht zu tragen vermag. Gewöhnlich, und dies ist die Regel, begehen Eltern einen großen Feh­ler, wenn sie den Sohn ins ungewisse Amerika sen­den, meistens senden sie ihn ins sichere Verderben, körperlich wie geistig. Da heißt es denn oft: ver­dorben und gestorben.

Ein erfreuliches Bild bieten die jungen Leute, die kommen, um zu lernen und mit dem Erlernten nach einer Reche von Jahren ins alte Vaterland zurück- zukchren. Dies ist die dritte Art, von der ich sprechen

Junge Männer, ausgerüstet mit einer guten Bil­dung, wo möglich mit dem Einjährig-Freiwilligen- Zeugms in der erften Zeit ihres Hierseins versehen leben Monat mit 60—80 Mark von den Eltern, werden hier ihre besten Lehrjahre durchmacheii kon- uetz- Dazu kommt, daß sie in ihren jungen Jahren, zwischen 17 u. 19, die englische Sprache am besten er« lernen, noch nicht durch große Lebensansprüche blasiert geworden sind, unb sich mit dem Feuereifer, den das große Neue erregt, an einen Beruf heranwagen, '..ut der gründlichen deutschen Allgemeinbildung kön- nen sie^ sich irgend einen Ansangsposten, allerdings nicht glänzend bezahlt, verschaffen. Wer darum sen­den ;a die Eltern einen Zuschuß von 60—80 Mark, damit dem jungen Mann auch Gelegenheit gegeben wnd, das Leben und Treiben im fremden Lande kennen zu lernen. Diese Zeit wird diesen jungen Leuten die lehrreichste und zugleich werwollste unb erfolgreichste sein. Mit Interesse werden sie die großartigen Geschäftsmethoden des Amerikaners er­kennen, werden vertraut werden mit den Machen­schaften des amerikanischen Genies, das den Welt­markt erobert, und nicht gehemmt durch pekuniäre Sorgen, zum wirklichen Weltmann und Kausmann werden. , Wir kennen hier keinen Bureaukratismus, ledern wird dieselbe Aussicht in seinem Fortkommen geboten. Ein junger Mann, dem es nach seiner Är- beitszert freisteht, auch in das soziale Leben des frei- -

--I^korenen Lehrgebietes einzudringen, wird als weitsichtiger Mann später leicht imstande fein, zu erkennen, was ihm in feinem Geschäft am meisten not tut. Wohl dem jungen Mann, der Eltern hat, die eme derartige Einsicht besitzen unb auch bie Mittel haben, ihrem Sohn eine solche Lehrzeit zu verschaffen.

<? Der Bezirk Fulda bes westbeutschen Spieler« verbanbes, bem die Vereine von Fulba, Hersfelb, - m "Ub Alsselb angehören, hielt gestern vormittag im Parkhotel seinen ordenllichen Bezirkstag ab. Die tajt oterftunbigen Verhanblungen waren meist interner „ ft'f ®{lt! Fußballklub Borussia wurde für den 2°- zu dessen Platzeinweihung am Neueuberg baö Bezirksfest übertragen. Dem Fußballklub Viktoria wurde die Genehmigung erteilt, einen Waldlauf für me ^Bezirksvereine zu veranstalten. Ein Antrag auf Gründung einer Schiedsrichterorganisation würbe einstimmig angenommen und zum Obmann Herr Landmesser Jäger-Fulva gewählt. In den Aus­schuß wurden gewählt Lüderitz- und Schneiber- Fulba, sowie Kuhn-Hersfeld. Der nächste Bezirks­tag findet in Hersfeld statt.

--- Erinnerungsmünzen. Der Bundesrat hat auf Antrag der preußischen Staatsregierung beschlossen, weitere sechs Millionen Erinnerungsmünzen auspragen zu lassen unb zwar brei Millionen aus der Jahrhunbertfeier ber Erhebung Preußens u. drei Millionen Erinnerungsmünzen zum'25jähr. Rc- gierungssubiläum des Kaisers. Es gelangen nur Dreimmckstücke zur Ausprägung. Insgesamt würden demnach in diesem Jahre Erinnerungsmünzen im Werte von 18 Millionen Mark zur Ausgabe gelangen und zwar von jeder Art 9 Millionen. — .jn diesem Monat sollen auch die ersten neuen SlnU“<xle’*üde ausgegeben werden, die das neue k Km^rs tragen, das zum ersten Mal auf den Jubilaumsmünzen erschienen ist. Im ganzen werden 4 Millionen neue Fünfmarkstücke ausgeprägt werden.

-0- Fußballsport. Bei dem gestrigen Wettspiel rwrschen der Fußballabteilung des dompfarrlichen Jünglingsvereins und der bes stadtpfarrlichen Jugenb- verelns gewann der Jünglingsverein der Dompsarrei mit 6 : 3 Toren.

";tne-S”Dmh,tOi’ bes ersten Fuldaer Fußball­klubs „Borussia e. V. am Neuenberg geht seiner Vol- !5"bung entgegen Die seit einigen Wochen fertigge­stellten Tennisplätze erfreuen sich wegen ihrer schönen Lage bereits regen Zuspruchs der hiesigen Bürgerschaft. mnnn"^i,b^„d'ballfeld erforderlichen Arbeiten (zirka 10 000 cdm Erdbewegung, Zaun und Abgrenzung) sind

Äk^Ersebenst, diesem Gebrauch durch die Vermitte- ungder Jugendpflege.Ausschüsse unb in sonst geeignet erscheinender Werse entgegenzuwirken."

junge Deutsche in Amerika.

Bon Jean Seipel-Chicago.

FZm^lieben deutschen Vaterlande wird man all- Kenntnis gelangt sein, daß auch im ? snarar?aS ®eIb nicht auf ber Straße oder daß bem Einwanderer wie im Schlaraffen- in.ben Mund fliegen, tote überein; ertbeite, arbeite intenfih b£J blinkende Lohn nicht a!s- üSS’n verlockend ist dem Greenhorn (Gelb- Mabel) das Arbeiten allerdings nicht. Arbeiten tbS$ "Send etwas, das sich

?i*t «S Ä3*? -npn?er junge Ankömmling W gleich bte Flinte ms Korn werfen, sondern er nnts.eme" sewiffen Humor der Situation fassen m dem Bewußtsein, daß alle Einwanderer ohne Ausnahme, die heuix im Besitze eines fürstlichen ^nkommens ftnb sich in der gleichen unerquicklichen S K?ben3aB-en- ging hier durch die- ß Mu^e. Em junger Manu, der sich mit diesem ^Gedanken vertraut machen kann, mag sich getrost ।einem -oapag-Darnpfer anvertrauen und die Reite toaflcn- An Gelegenheit m E>eichaftlgung zu finden, wird es ihm ^-,cr erst das Heimweh überwun- bc£ ^srgen Verhältnissen angepaßt, b?un winkt ihm hier eine bessere unb aussichtsreichere Lausbahn, als im Vaterlande.

■ Unter den jungen Deutschen, die sich dem Schuhe oes Stern en darin ers anvertrauen, unterscheiden sich im oOpS' Handwerker und Arbeiter, bem X?"“ Vaterlande bte Lebensverhältnisse zu drü- fSiÄCtt l'nd, hat wohl gleich bei seimm Er- iti^ ^rramerTflTni,cf,em Boden bie größten pekn- bS vorzeichnen, selbst dann, wenn er

'Schn^ibev»^^E utcht beherrscht. Zimmerleuten, hZ^ sjin Dri'ckern und vor allem Maschinisten ut^ie^L dor vornherein gute Gelegenheiten, Deutick>l'^>^" ^cht zu befiirchten, aus ihrem in Zn der r:er?'lt-Cn 'Xa^ h-rausgerissen zu werden, itoata ÄÄ8 geM sich beim deutschen Hanb- : mentarbftdlli^^i^ gute Ele-

fähiat ^ /4 ?'- bejonders ben Handwerker be-

$ leicht den veränderten Verhältnissen anzu- " • ^r macht iica schnell mit den. Fachausdrücken

. . 2. Blatt.

>r'\ - i

Druck der zuldaer Aetieadruüerei in $u!öa.

Mus Sterheffen u. »en Hess. Aemtern.

Marburg, 6. Juli 1913. Der seit vielen Jahren dem Lahntal-Sängerbünde angehörende Männer« gesaugverein .Liedertafel" begeht gegenwärtig das Fest seines 50 jährigen Jubiläums, gleichzeitig mit der Einweihung einer neuen Fahne. Die Feier wurde gestern abend mit einem großen Konzert und anschließendem Kommers in den Stadtsälen eröffnet. Glückwünsche überbrachte deren Vorsitzender Haupt­lehrer Storch« Butzbach. Der verdiente Dirigent des festgebenden Vereins, Lehrer Rohde, die Herren Nikolaus Boß, H. Buchbach, D. Schildwächter und H. Schuchhardt, wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Heute vormittag sand auf dem Marktplatz Chorgesang statt, anschließend eine Gedächtnisfeier für die ver­storbenen Mitglieder auf dem Friedhöfe. Heute nach­mittag bewegte sich ein stattlicher Festzug durch bie Stadt. Auf dem Festplatz hielt Prof. Bredt die Ansprache und verband damit die Einweihung der Fahne. Nach Eintritt der Dunkelheit führten etwa 40 Turnerinnen der Turngemeinde einen prächtigen Turnerreigen auf unb hieran schlossen sich Auf« führrungen des Athletik-Sportvereins. Das Fest geht Dienstag zu Ende.

Alle drei Klassen der jungen deutschen Aukömm- hnge, bie es ehrlich mit ihrer Zukunft meinen, müssen es sich zum Ziel setzen, nicht zu arbeiten, sondern bes­ser zu arbeiten. Die Anerkennung ihrer Vorgesetzten wie der wohlverdiente pekuniäre "Erfolg roirb»ihnen nicht ausbleiben, :