Fuldaer Zeitung
Ziehungslisten der preußisch-süddeutsch« Klaffen-Lotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan. r.
erscheint tägNch mit tlusnahme der Sonn- und Zelertage. viertel- ,Ehrlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda sowie ouswörts 1.50 Mark. •••• Rotationsdruck und Verlag der s 5 Zuldaer kctiendruckerei In Zuida. Zemsprechcr Nr. 9,
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Illustrierte Sonnfagszeihmg
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Zulbaer Seschichtsblütter
Nr. §54.
Erstes Blatt.
Montag den 7. 3uli 1913.
40. Zahrgang.
Ruslanö.
Beide lachten fröhlich, und Hardh sagti Ter Schlitten, aus dessen Bock der Ki
:e zu. —
Auch öfter« seines
Zuwiderhandlung klagen totH; bon der anderen Sette wird für den Fall der Vereinbarung einer Vertrags- strafe der Ausschluß der Unterhaltungsklage ge- Wünscht.
3. Nach den Rcgierungsborschlägen sollen Vereinbarungen, durch die sich Prinzipale untereinander berpflichten, Handlungsgehilfen, die bei einem bon ihnen im Dienste sind oder gewesen sind, nicht oder unter bestimmten Voraussetzungen anzustellen, klaglos sein; bon der anderen Seite wird berlangt, daß sie nichtig sein und daß die Prinzipale, die eine solche Vereinbarung eingehen, den Handlungsgehilfen gegenüber für schadenersatzpflichtig erklärt werden.
x* 1 Spargroschen und Steuerpflicht. Unter dieser Spitzmarke schreibt das ,Fuld. RreiSblatt' in feiner Nr. 153 unter Anderm:
| knecht äußerte sich in einer großen Volksversammlung in Neu-Kölln nach dem Vorwärts folgendermaßen:
-Der Kampf um ein besseres Wahlrecht ist wichtiger als der Kampf um eine Lohnerhöhung. Die Gewerlschaslen dürfen nicht davor zurückschrecken, für die politischen Rechte einen Massenstreik zu führen. Die Gewerkschaften müssen auch die Gefahr einer Niederlage mit in Kauf nehmen. Hat nicht schon die Arbeiterschaft der ganzen Welt Niederlagen erlitten und haben sie ihr geschadet? Nein, gestärkt und neu belebt ist sie wieder aufgestanden. Man wird einiuenben, ja machen auch die christlichen und gelben Organisationen mit? Wenn wir mit frischem Mute in die Arena treten, werden auch die zögernden mitgerissen. Früher hieß es, es gäbe nur einen Generalstreik auf Leben und Tod. Das ist falsch. Man kamt ihn führen als Demonstrationsstreik, als Streik bestimmter Orte und Berufe, kurzum, e8 gibt die verschiedensten Formen des Streiks. Es wird nötig fein, einen außerordentlichen Parteitag für Preußen einzuberufen. Die Gewerkschaften werden gewonnen werden, gewonnen werden müssen. Es wird ein Kampf fein, der sich über ganz Deutschland verbreiten wird, weil es keine allein preußische Sache ist. Ist die Bahn in Preußen fret, wird das andere schon kommen. Die Situation von heute sagt uns: So kommen wir nicht weiter. Aus dem Empfinden heraus, etwas Erhabenes, etwas Machtvolles zu schaffen, gebrauchen wir den Massenstreik als Machtmittel."
Mit solchen Hetzreden leistet Herr Liebknecht den aufrichtigen Freunden der Wahlrcform den denkbar schlechtesten Dienst. Seine Ratschläge sind geeignet, eine Wahlreform in Preußen eher zu hindern als zu fördern.
I »Nur in der christlichen Erneuerung liegt I das Heil Oesterreichs," führte er aus und von I den Worten: „In hoc signo vinces" ausgehend, erklärte I er: auch wir werden siegen, wenn wir Wien seinen beut. I scheu, österreichischen und christlichen Ueberlieferungen I treu ' erhalten. Redner streifte sodann kurz die I Fortschritte, welche die Katholiken im Laufe der I letzten Generation gemacht haben: '„Der katholische I Schulderem war so gut wie unbekannt, jetzt zählt er I 133 000 Mitglieder; wir hatten keine Preßorganisation, heute arbeitet der, Piusberein mit 140 000 Mitgliedern; die /katholischen Studentenverbindungen sind von 5 auf 19 gestiegen; die christliche Arbeiterorganisation zählt heute 100 000 Arbeiter und 200 000 Bauern nur in den deutschsprachigen Ländern der Monarchie. Vor 25 Jahren schien der Liberalismus unbesiegbar; heute hat Wien, eine Stadt mit 2 Millionen Einwohnern, eine christliche Verwaltung mit einem christlichen Bürgermeister."
Dr. Weiskilchner erinnerte sodann an die großartige religiöse Kundgebung des eucharistischen Kongresses. Seine Worte erweckten lebhaften Beifall.
** Der Kulturkampf in Frankreich. Die Freimau- rerei ist im Begriffe, nochmals einen entscheidenden Schlag gegen die katholischen Privalschulen zu führen. Der Abgeordnete Debierre, eine der Hauptsäulen der Loge, hat tn der Unterrichts-Kommission den Antrag eingebracht, daß nur der Staat berechtigt sein solle, Volks- und Mittelschulen zu errichten und zu unterhalten. Für die Hochschulen will Debierre gnädig die Unterrichts-Freiheit gestatten. Der Antrag Debierre ist nichts anderes, als das staatliche Unterrichtsmono- pol, das bisher nur für die Volksschule gefordert wurde; jetzt ist man mit dieser Monopol-Forderung nicht mehr zufrieden und will auch den katholischen Mittelschulen den Garaus machen. Die Debatten über
| diesen Monopol-Antrag in der Kammer werden zweifel. los den Höhepunkt in der Schulsrage darstellen. — Der Pfarrer von Audineourt, Abbs Ja cg uo t, wurdk vor den Untersuchungsrichter in Montbeliard geladen,
I weil er am Fronleichnamstage eine Prozession I veranstaltet habe, an der sich 4000 Personen beteilig« ten. Was diesem „Delikt" eine besonere Färbung
I gibt, ist die Strafe, die den Geistlichen bedroht. Er hat nämlich seine Pfarrlinder in einem Rundschreiben eingeladen, sich cn der Prozession zu beteiligen. Im Rundschreiben wird die öffentliche Aufforderung zur Uebertretung des Artikels 35 des Trennungs-Gesetzes erblickt, der eine Strafe von 3 Monaten bis zu 2 Jahren
I Gefängnis vorsieht.
** Antimilitaristische Unteroffiziere. Der sran- zöstsche Kriegsminister hat zwei Korporale der Divi- sion Narbonne, die eine Kundgebung gegen die dreijährige Dienstzeit veranstaltet hatten, zu zwei Jahren Gefängnis veruteilt.
** Das italienische Königspaar ist am Samstag abend in Stockholm zum Besuche des schwedischen Königspaares eingetroffen. Nach Begrüßung des italienischen Königspaares durch den Vizevorsteher des Stadtrats schritten die Könige die Front der Ehrenkompanie ab, worauf sich die Herrschaften in das Schloß begaben.
A Tie Neurahlen in Italien und die Katholiken. In diesem Jahre werden die Wahlen in Italien zum ersten Male nach dem erweiterten allgemeinen Wahl, recht durchgeführt werden. Inmitten der vielen ein, ander bekämpfenden Parteien ist die Stellung der Katholiken nicht schlecht. In Italien gibt es keine eigentliche katholische Partei, und es bleibt bei der Verbindung der katholischen mit den gemäßigt Liberalen, jedoch nur zum Zwecke der Durchführung eines klaren Verwaltungsprogrammes. Die Verfolgung der katholischen Interessen erleidet darunter keinen Schaden. Bis jetzt haben 150 liberale Kandidaten die von den Katholiken für die Wahlhilfe verlangten Bürgschaften gegeben, nämlich das Versprechen, kirchenfeindliche Maßregeln, wie Einführung der Ehescheidung und Entchristlichung der Schulen, Bedrückung der religiösen Kongregationen, in der Kammer zu bekämpfen.
X Die Unruhen in Mexiko. Das amerikanische Schlachtschiff „Louisiana" wurde nach Mexiko geschickt. Zwei Kanonenbote in Guyamas gingen zu den Insurgenten über. Die dortige Garnison mit dem General Ojeda an der Spitze ergab sich nach viertägigem Widerstand. In Durango überfielett * völlig disziplinlose Söldner von Ausständigen die Wohnungen und beleidigten die Frauen. Die meisten Frauen flohen in die Wälder.
I »Es sind überhaupt manche irrige Ansichten gerade im I Gebiet des Steuerwesens verbreitet; so hört man oft I sagen, bei großen Schätzungen, wie beispiels- I weise jetzt beim einmaligen Wehrbei. I trag, würden frühere Mogeleien in Gnaden über- I sehen, wenn jetzt nur ehrlich angegeben I werde. Steuerhinterziehungen werden I natürlich nach wie vor bestraft, und das ist I recht so."
I Diese Angabe des ,Fuld. Kreisbl/ ist unrichtig. I Das Gesetz über den einmaligen außerordentlichen Wehrbeitrag bestimmt in feinem § 68 ganz das Gegenteil.
I Dieser Paragraph lautet:
I »Gibt ein Beitragspflichtiger bei der Veranlagung I öum Wehrbeitrag oder in der Zwischenzeit seit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes bei der Veranlagung zu einer I direkten Staats- oder Gemeindesteuer Vermögen oder I Einkommen an, das bisher der Besteuerung durch einen I Bundesstaat oder einer Gemeinde entzogen worden ist, I so bleibt er bon der landesgesetzlichen Strafe und der Verpflichtung zur Nach- zahlung der Steuer für frühere Jahre
I fret.
I Diese Bestimmung ist außerordentlich wichtig und es liegt im öffentlichen Interesse, sie so viel als möglich zu verbreiten, da das neue Gesetz ausdrücklich vorschreibt, das frühere Steuerdefraudationen straf, frei bleiben sollen, wenn der betreffende Steuer, pflichtige sein Vergehen dadurch wieder gut macht, baß er bei der demnächstigen Veranlagung zur einmaligen außerordentlichen Wehrbeitrag fein Vermögen oder Einkommen richtig angibt.
-4- Ueber die letzten namentliche» Abstimmungen im Reichstage liegen jetzt die Abstimmungen vor. Die Steuerpflicht der Fürsten für die Zuwachssteuer wurde, wie berichtet, abgelehnt mit 194 gegen 170 Stimmen bei 8 Enthaltungen. Gegen die ©teuer« I pflicht haben die Konservativen mit Ausnahme des I Abg- v. Boni» gestimmt, der sich enthielt, ferner geschloffen die Nationalliberalen,. das Zentrum mit I wenigen Ausnahmen, von der Reformpartei die Abg. Grafe und Werner.HerSfeld, sowie die Wirt- schaftliche Vereinigung, von der ttut der Abg. Geb. Hardt für die Steuerpflicht eintrat, und die Welfen. Für die Steuerpflicht eingetreten sind: die Sozial« I demokraten und Polen, die Mehrheit der Fortschritts- Partei, der Abg. Bruhn von der Reformpartei, die I Elsoffer, der Bauernbündler Laux und die Zentrums« obgeordneten Häufler und Müller-Fulda. Der | Stimme enthalten haben sich außer dem Reichstags- I Präsidenten und dem Konservativen v. Sonin die I Zentrumsabg. Schwartz < Schweinfurt und Pauly, j Graf Oppersdorfs sowie die fortschrittlichen Abg. Heckjcher, Hudrich und Hoff. I
© Massenstreik. Der „Vorwärts" veröffentlicht in den letzten Tagen eine sehr umfangreiche Serie I von Artikeln, die sich mit dem politischen Massenstreik befassen. Die einzelnen Auslassungen sind zu extrem und radikal, als daß sie bei politisch Vorurteilslo en I auch nur den geringsten Eindruck machen könnten. Nun will Herr Liebknecht schärfere Seiten aufziehen I und die deutschen Gewerkschaften zu einem Versuch I mit dem Generalstreik förmlich zwingen. Herr Sieb« I
A Eine Rede des Bürgermeisters von Wien. Bürgermeister Dr. Weiskircher, der frühere reichische Handelsminister, folgt dem Beispiel Vorgängers Lueger, so oft als möglich bei den großen katholischen Kundgebungen Wiens das Wort zu ergreifen. Kürzlich sprach er in einer Massenversammlung des neunten Bezirkes, die anläßlich der konstan. tinischen Zentenarfeier einberufen worden war.
m;».e^r„bi.e beiden achteten deffen nicht. Sie glitten blitzschnell über das Eis, schlugen weite, kühne Bogen, sausten Seite an Seite an krachenden Eisflächen vor- ei und gewannen festen, sicheren Grund. Beide Meisterfahrer und Überboten sich in fünft- couen Figuren und gewagten Pas, trieben ein freu, oigcö Spiel, das sie erfrischte und ihre Nerven stählte.
Stunden wurde die Fürstin, die frisch und lugendlich tote ein Mädchen aussah, aber doch müde, eina,. c» b^aben sich zu dem Försterhaus, um dort iu hinfen^ einzunehmen und ein Glas Glühwein
Das Münchner KinöL
/34] Roman von Felix Nabor.
">l^,lvullte ja gerne", sagte er, „aber es wird ;wohl Nicht gut gehen Denn ich stehe ja zurzeit ge- Wissermaßen tut Dienste Ihres Herrn Gemahls."
D,e Fürstin lachte „Aber mein Mann ist es ja eben, der diesen Vorschlag machte!" rief sie. „Sie sollen Mich nämlich als Ehrenkavalier begleiten, weil " selbst leine Zeit dazu hat. Er steckt nämlich zurzeit bis zum Hals tn Ostmarkenpolitik, hat täglich Konferenzen und kommt heute nicht vor Mitternacht von seinen politischen Freunden los. Und weil er weiß wie ich für den Eissport schwärme, machte er Er.den Vorschlag. Sie sozusagen — aufs Eis zu entfuhren."
Deutsches Reich.
** Berlin, 6. Juli 1913. Zur Teilnahme an einer Fahrt des „Imperator" trifft der Kaiser Dienstag früh, von Kiel kommend, auf der „Hohen- zollern" in der Elbmündung ein, geht sofort an Bord des „Imperator" und macht dann mit ihm eine Seefahrt von 24ftünbiger Dauer. — Der Herzog von Cumberland und Prinz Ernst August, Herzog von Braunschweig und Lüneburg, haben in Bad Ischl dem Kaiser Franz Joseph einen längeren Besuch abgestattet.
** Die Reorganisationen im Heere. Die neueste Ausgabe des Armeeverordnungsblattes veröffentlicht die Durchführung der in der Wehrvorlage beschlossenen Neuorganisationen. Es werden sowohl die einzelnen neu zu bildenden Truppenteile, wie deren zukünftige Standorte bekanntgegeben. Es handelt sich um 15 dritte Bataillone bei der Infanterie, 80 Maschinen- gewehrkompanien bei den Jnfanterieregimentern und Jägerbataillonen, 14Radfahrerkompanien,15 Festungsmaschinengewehrabteilungen und 6 neue Kavallerie- Regimenter. Außerdem enthält die Veröffentlichung die Einteilung der Luftschiffahrer- und Fliegertruppen.
^4- Ministerkaudidatureu. Wie ein Berliner Blatt aus eingeweihten Kreisen erfahren haben will, roerben^neuer« dings Generalleutnannt v. Lindenau, Kommandeur der 16. Division, sowie Generalmajor v. Staabs, der bei dem Regierungsjubiläum des Kaisers in den Adelsstand erhoben wurde,alsKandidaten für denKriegsministerposten genannt, v. Lindenau, der an allerhöchster Stelle rin unbedingtes Vertrauen genießt und Abteilungschef im großen Generalstabe war, gilt als außerordentlich befähigter Verwaltungsbeamter und gleichzeitig als Kenner des gesamten Heerwesens. Er wird als diskreter und humanerHeerführer bezeichnet. — General- major v. Staabs ist langjähriger Direktor des Ärmeeverwallungsdepartements und gilt ebenfalls als ein sehr ruhiger und umsichtiger Verwaltungsbeamter mit guten parlamentarischen Formen. Zweifellos erfordert die Durchführung der neuen Heeresvermehmng an der Spitze des Kriegsministeriums eine Persönlichkeit, die nicht nur ein tüchtiger Soldat, sondern auch ein erfahrener Verwaltungsbeamter ist.
)( Die Konkurrenzklausel. Zn den Gesetzesvorlagen, deren Erledigung mit der Vertagung des I Reichstags auf den Winter verschoben worden ist, ge- I hört auch der Entwurf über die Konkurrenzklausel I bei Handlungsgehilfen. Nachdem die mit der Be- I ratung des Entwurfs betraute Kommission in der | ersten Lesung Beschlüsse gefaßt hatte, die weit von der Regierungsvorlage abwichen, haben die verbün- I beten Regierungen zu Beginn der zweiten Lesung in I Form eines neuen Gesetzentwurfes die Grenzen be- I jeichnet, bis zu denen sie bereit seien, den Beschlüssen I des Reichstags entgegenzukommen. Die Eini- I gung zwischen den Mitgliedern der Reichstagskom- I Mission und dem Bundesrate wird nun aber, wie I halbamtlich in der „Nordd. Allg. Ztg." ausgeführt wird, dadurch erschwert, daß die Verbände der I Handlungsgehilfen an Forderungen festhal- I len, die die verbündeten Regierungen für übertrie- I ben ansehen, und erklären, bei Ablehnung dieser j Forderungen kein Interesse an der Verabschiedung | des Gesetzes zu haben. Ein Widerspruch zwischen I den Vorschlägen der verbündeten Regierungen und I den Wünschen der Mitglieder der Reichstagskommis- I swn besteht hauptsächlich noch in drei Punkten:
1. Nach den Regierungsborschlägen soll eine Kon- I kurrenzklausel unzulässig fein bei Gehilfen, deren Be- I zuge 1500 Mark jährlich nicht übersteigen; I z Seite wird eine Erhöhung dieser Grenze I
auf 2000 Mark gwünscht. ' 6
o den Regierungsvorschlägen soll, wenn für die I öutmDetbanöIungen gegen das Konkurrenzverbot eine I Sertragaftrafe vereinbart ist, der Prinzipal bei einer Zu- I Widerhandlung die Wahl haben, ob er auf Zahlung der I Vertrags strafe oder auf Unterlassung der I
. Schlitten, auf dessen Bock der Kutscher und em Lakai saßen, trug sie unter luftigem Schellenqe- tlmgel hinaus zum Wannsee.
^.. -j6 spiegelnde Eisfläche war ziemlich belebt. Die tfurfün und Hardy verloren sich in dem Gewimmel von Schlittschuhläufern. Die Musik spielte, es war ein lautes Gesumme, Lachen und Schwatzen. Das starte sie und so fuhren sie weiter hinaus, wo köstliche Stille herrschte. Nichts störte sie hier. Nur ~le„ toarnenben Strohmänner standen als stumme Sachter da draußen und mahnten die Allzukühnen, bag außerhalb ihres Kreises der Tod in der schwarzen Tiefe lauerte. 3
| mir lieber als die Fürsteiikrone! — Ach, mein I Freund, Sie wissen nicht, wie schwer eine Krone I wiegt! — Ihr goldner Reif drückt mir die Stirne I wund und hemmt den Flug meiner Seele. Ich bin I einsam auf den stolzen Höhen des Lebens, denn der I Fürst kennt den Höhenflug nicht, er ist ganz von I materiellen Interessen erfüllt und klebt an der Erde!
— Ich suche nach einer gleichgestimmten Seele — und glaube sie in Ihnen gefunden zu haben. Sie sind ein Himmelsstürmer, dem nur das Größte und das Höchste genügt. Ich möchte an Ihren Kämpfen und Siegen, an Ihrem Höhenflug teilnehmen als starke, treue Schwesterseele."
»Ach, Durchlaucht, so viel Glück ist ja kaum zu fassen. Himmel, welchen Weg zeigen Sie mir!"
„Ten Weg, den Könige schreiten! — Ich habe in | Ihrer Seele gelesen und weiß, daß Sie ein König im Reiche der Kunst fein werden. Ich biete Ihnen die Hand: wir wollen immerbar treue Weggenossen fein."
Sie drückten sich bie Hände unb schritten bann so froh durch die Waldeshallen, als wären diese ein neuentdecktes Königreich.
Im Bahnhof Grünewald bestiegen sie den Schlitten und fuhren nach der Stadt. Und als Hardh sich am Palais verabschiedete, sagte sie: „Dieser Tag ist ein goldener Markstein in meinem Leben. — Ich habe einen Tag in Freiheit genossen und einen Freund gestmden. Nun schreiten wir Hand in Hand den heiligen Gipfeln zu! — Gute Nacht, mein Freund! Morgen um elf erwarte ich Sie; wir wollen die erste Probe zu dem lebenden Bilde halten."
Er sah ihr lange nach, wie sie in dem Portal verschwand, stolz und schön wie eine Königin. Was toar das doch für eine herrliche Frau und welch edler, hoher Geist erfüllte sie! — Im Sonnenreich ihrer Gnade wollte er seine Werke schaffen und zu den höchsten Gipfeln emporsteigen!
Er ging in den Klub, soupierte und leistete sich die beste Sektmarke zur Feier dieses Tages; er war fwch ganz erfüllt von dem Großen, das er heute er- I lebt hatte, und träumte bon Ruhm und Ehren, von I dem Königreiche seiner Km,,.-
Es waren viele Menschen in der niederen Stube, I und cs ging sehr fröhlich zu. Die Fürstin lachte I immerfort in sich hinein und sagte leise zu Hardh v. I Sandow: „Es ist köstlich, einmal den Hermelin ab» I 3uIe£S,n unb f° recht inkognito, d. h. ein Mensch unter Menschen zu sein. Das ist mir nur selten vergönnt, darum freue ich mich heute doppelt über diese» Tag der Freiheit, an dem ich allen lässigen Zwang ab,treffen kann. Ihnen wirb btefer Eislauf auch gut tun, Herr v. Sandow."
„Ich fühle mich förmlich verjüngt", erwiderte dieser, „und spüre die Kraft eines Herkules in mir — bildlich gesprochen, natürlich. Ach — was ist es eine Lust zu arbeiten, wenn man jung, gesund und stark ist. Jetzt widme ich mich wieder mit doppeltem | Eifer der Arbeit! —"
Tie Fürstin litt es nicht allzulange in dem über-- ' heizten Zimmer. „Wir wollen gehen", sagte sie und erhob sich.
Draußen wartete der Schlttten; aber sie hatte keine Lust einzusteigen. „Ein Marsch durch den Grünewald müßte herrlich sein", rief sie. „Der Schlitten kann hinter uns drein fahren."
So wanderten sie denn zu Fuß weiter; hinter ihnen drein klingelten leise die Glöckchen der Pferde. „Ist das nicht wie ein Zauberland!" rief sie und sie betraten den Wald.
2liff den dunklen Föhren, die zu beiden Seiten der Straße, standen, lag der Schnee in breiten Zickzacklinien, in schweren Klumpen, und ein goldenes Flimmern ging über die Bäume, wo die Sonne sie bestrahlte. Ein kalter Wind blies manchmal in kurzen Stößen in die Wipfel; dann riefelte ein feiner Sprühregen von leichtem Flugschnee auf die beiden nieder, daß die Fürstin fröhlich auflachte und jugend- frisch und klassisch durch das glitzernde Märchenreich des Winterwaldes schritt.
Aber dann wurde sie doch ernster- „Das ist", sagte sie, „feit ich in Berlin bin, mein erster Tag der Freiheit! Sonst bin ich ja immer eingeschloste» in I den goldenen Käsig, den Stand, Etikette und Kon- I denienz um mich aufgerichtet - haben. Wie ich bas I hasse! — Dieser Tag der ungebundenen Freiheit ist |
* Die Lage auf dem Balkan.
I hat sich noch nicht geklärt; doch zwei Nachrichten ber» bessern bie Aussichten. Erstens bie Meldung, daß I bie Verhandlungen zwischen Rumänien und Bul- I garten in gutem Fortgänge sind; zweitens die Kunde I von dem Siege der Bulgaren bei Krivolatsch, der zur Vernichtung der serbischen Timokdivision geführt
I haben soll.
Die Nachrichten vom Kriegsschauplätze muß man I freilich mit der größten Vorsicht aufnehmen. Es ist I gewöhnlich wenig Wahrheit mit viel Dichtung der« I mischt. Sie sind auf Stimmungsmache be- I rechnet; bei dem ersten Triumphteleg ramm aus I Belgrad war diese Absicht mit Fausthandschuhen zv I greifen. Das Körnchen Wahrheit betrifft meistens einen Teilerfolg. In Schlachten, die sich drei, I vier, fünf Tage hinziehen, erringt bald die eine, bald I die andere Partei an dieser oder jener Stelle einen I Vorteil. Dessen Wert läßt sich aber erst ermessen, I wenn das Gesamtergebnis des Ringens vor- I liegt. Auch nach dem Abschlüsse eines Gefechts ist erst noch zu prüfen, ob der taktische Erfolg ein wirk-
Als er um Mitternacht nach Hause ging, sah er I den Himmel voller Sterne und alle schienen ihm zu I Winken: „Steig' herauf zu uns! Du bist der Manu dazu, die Sterne vom Himmel herabzuholen! Nur nimm dich in acht, daß du nicht dabei das Genick brichst."
Er fuhr sich über's Gesicht und lachte. „Nein", dachte er, „so dumm bin ich schon nicht. Gut' Nacht, ihr goldenen Sterne!"
Arn anderen Morgen nahm er sich keine Zeit zu frühstücken. „Entschuldige", sagte er zu Annie, „ich muß gleich wieder fort — die Arbeit drängt. Ich
I wühle in Arbeit, tauche in ihr unter, wie in einem Meer."
„Ich hasse diese Arbeit", rief Annie, „weil sie Dich immer wieder bon meiner Seite reißt und Dich mir entfremdet."
„Was sagst Du da!" rief er und setzte die Tasse klirrend auf den Tisch. „Meine Arbeit, die Krone meines Lebens, hassest Du?" Weißt Du nicht, daß sie mein Höchstes ist?"
„Was nützt alle Arbeit, alles Ringen und Streben, wenn nicht auch ein bißchen Liebe daneben Raum findet! Dann ist das Leben trostlos, kalt und öde. Komm, Hardh, mache nicht solch böse, kalte Augen! Sei gut zu mir! — Hab' mich lieb! — Wir gehören doch zusammen!"
Das Wort traf ihn wie ein Blitzstrahl, erschreckte — und durchleuchtete ihn. Nein, sie verstand ibn, fein Ringen und Streben, seine Größe nicht! Sie war ein Kind, das den Ernst des Lebens und die hohen Ziele des Mannes nie berstehen lernte.
Nur jene andere, herrliche Frau verstand ihn, war sein Genius. Während Annie um Liebe bettelte, träumte die Fürstin von seinem Ruhme!
Er wollte unmutig gehen, aber Annie hielt ihn zurück. „Komm', Hardh, laß uns den heutigen Tag gemeinsam verleben. Wir wollen nach Halensee hinaus und fröhlich sein."
„Aber ich muß doch um elf Uhr ins Palais Ostrawitz! Vor zwei Uhr bin ich nicht frei."
„Dann fahren wir eben um zwei Uhr." (Fortsetzung folgt.)