Fuldaer Leitung
-amrt-g 5. Juli 1915.
fommen ®5 Bereit§ äu erbitterten Kämpfen ge-
vermischtes
* Wir itnb die Sozialdemokratie.
Bei
ffevariille bevorzugt.
D. R. P. 234631
Kopfschmerz'
5luf dem Balkan hat der Streit um das den Türken abgerungene Gebiet dazu geführt, daß die Schwerter wieder aus der Scheide gezogen worden lind Der Versuch, durch ein Schiedsgericht des Za- n-n r-x en Seiten Balkankrieg zu verhüten, muß als
»ch gescheitert angesehen werden. An der War-
ger Ausspannung, Luftveränderung und Auffrischung ist allmählich von oben her in die breiten Volksschichten gedrungen. Leute, denen in meiner Jugendzeit der Begriff des Sommerurlaubs ganz unbekannt war, erhalten oder leisten sich jetzt einen solchen. Vielfach, kann er nur kurz sein und darf nicht viel kosten; aber, schon ist er doch, wenn man ihn nur klug ausnutzt/ Darüber lassen sich schwer allgemeine Vorschriften aufstellen, denn die Kunst besteht gerade darin» daß jeder einzelne nach seinen eigenen Verhaltnis- !e!,.,unb Bedürfnissen sich die 91 rt seiner Sommer- ttsiwe aussucht. Der eine braucht Ruhe, der andere will sich durch Bewegung und neue Eindrücke anre- rx' tr^cr cinc seine angegriffenen Nerven sich abspannen lassen; der andere weiß nichts von Ner-i vositat und ist schon zuftieden, wenn seine Mus» kein mal einige Tage von dem gewöhnlichen Ar- bertspensum befreit sind. Hier schwärmt man für die. See mit ihrer verhaltenen Kraft, dort für das Gebirge mit seinen stolzen Höhen und stillen Schlnch- ten Leute vom Lande möchten gern mal zur Abwechslung auf Asphalt spazieren, und Städter flüchten m cm beschauliches Dörfchen. Alles drängt nach Ab-
Set die Verhältnisse und die Geschmacksrichtungen verschieden sind, so verteilen sich die Erholungsbedürftigen auf die verschiedensten Wege und Gegenden. Das ist ein großes Glück; denn nichts ist verderblicher für die Gesundheit und für den Geldbeutel als die 1l e b e r f ü l l u n g. Wer klug ist, laßt den großen Hausen lausen und geht seine eigenen Pfave. Vor allem sollte man den Spruch beherzigen: Warum in die Weite schweifen? Sieh', das Gute liegt so nah. Erst einmal die nächste und die nähere Umgebung auskosten; dann kann man später den Durchmesser immer noch verlängern. Auch wer nur einen genügen oder gar keinen Sommerurlaub hat, kann auf kleineren Ausflügen in die Ilmgebung sich und den ©einigen viel Erfrischung und Anregung verschaffen. Und wenn es nur ein freier Nachmittag ist, in der rechten Ferienstimmung schmeckt er süß.
Wohl dem, der die Sorgen zu Hause lassen kamt? Schade, daß der Kriegsteufel feine Ferienstimmung bekommt! Der zettelt in den Hundstagen unentwegt nette Menschenschlächtereien an. Das Unheil kennt keine Pause.
wocheN'Run-schau.
f:s Fulda, 4. Juli 1913.
5. Blatt.
®rui -er zrUdaer Actiendntoerri in z»I-a.
nach dieser Richtung innerlich zerrissen; man denke nur an die eventuell Ausnahmegesetze nicht ver- schmahende und sozialpolitisch abseits stehende qroß- mdnstnelle Rechtsrichtung und den mit der Sozial- demokratie und ihren Zielen vielfach liebäugelnden Jungliberalismus. Auf dem Boden der erstern Richtung des Nationalliberalismus, wenn nicht noch mehr nach rechts stehen die konservativen Parteien; eine sozialpolitische Initiative, die man höchstens ans der mittelständlerischen Seite bei ihnen gewahren kann, ist ihnen hinsichtlich der Arbeiterbewegung fremd, während ihnen eine bloße Abwehr- taktik besonders sympathisch zu sein scheint. Vom Llnksliberalismus ist gar nichts zu erwarten. Er spaziert, hinter der Sozialdemokratie hintendrein und zeigt immer mehr die Tendenz, zu einer lernen Filiale der letztem zu werden.
Dagegen bleibt die Ze n t ru msp a rt ei in sozialpolitischer Richtung sowie hinsichtlich ihrer grundsätzlichen Haltung der Sozialdemokratie gegenüber konsequent, und sie ist die einzige bürgerliche Partei, die von sich sagen kann, daß die Arbeit erwähl e r im allgemeinen ihr die T r e u e be w a h r t baben, und die Sozialdemokratie am allerwenigsten ihr hat Abbruch tun können. Hätten die andern bür- gerlichen Parteien in den letzten 30 Jahren eine Bliche Haltung an den Tag gelegt wie die Zentrumspartei: die Sozialdemokratie stände dann jedenfalls weniger groß da.
Im Abwehrkampf gegen die Sozialdemokratie wird man sich vor allem zu der Erkenntnis durch- rmgen müssen, daß es mit einem reinen Abwehrkampf nach dem Beispiel des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokraite zur Eindämmung der „roten Gefahr" nicht getan ist, sondern daß daneben eine Erziehung noch weiter Kreise unseres Volkes zu sozialem Denken, zu gerechtem Denken und Handeln in Sachen der Arbeiterfragen und Arbeiterbewegung dringend vonnöten ist. Man muß sich bemühen, zu verstehen, daß der Arbeiterstand ein natürliches Anrecht hat auf dieselbe Stellung im Staate wie die andern Stände.
Den besten Sammelpunkt für eine Abwehrarbeit gegen die Sozialdemokratie gibt der Volksverein für das katholische Deutschland ab, dessen erfolgreiche Arbeit zur Eindämmung der sozialdemokratischen Bestrebungen feststeht, und der deswegen von niemanden auch mehr beachtet und gefürchtet wird — als eben von der Sozialdemokratie!
bandelt, aufgeladen, eingefahren. Die Hetzjagd in den letzten Tagen oder Wochen ist natürlich erst recht angreifend und ermüdend. Da wird dann der Schluß mit einem erlösenden Uff begrüßt, und man stürzt sich mit Wonne in die parlamentarischen Ferien, in denen die Vagabunden und Einsiedler wieder normale Menschen und richtige Familienväter sein dürfen.
. Jut Kapitel Arbeitslast haben wir nun noch emen erheblichen Punkt vergessen: die Inanspruchnahme des Abgeordneten für Reden im Lande In seinem Wahlkreise wollen eine Masse von Ver- emen und Versammlungen „ihren" Abgeordneten haben. Das ist begreiflich und ehrenvoll, aber eine wertere Mühsal für den Helden des Kreises. Der Teilnehmer an der Versanimlung hat Genuß und Freude; er denkt ost kaum an die Mühe, die er den Rednern macht.
Sollen wir nun noch reden von den Hilfsrufen und Bittgesuchen aller Art, die dem Abgeordneten aus seinem Wahlkreise und auch aus anderen Gegenden so zahlreich zugehen und ihm viel Kopfzerbrechen Schreibereien, Gänge usw. aufladen? Und von den Nörgeleien der Besserwisser und von den Vorwürfen der Enttäuschten?
. Ich glaube, das genügt schon, um etwas Mitleid mit den vielgeplagten Volksvertretern zu erwecken. Das ist em ehrenvoller, aber auch sehr dornenvoller -xx beneidet diese Auserwählten
nicht. Vielleicht schwingt er sich auch zu einer schonenden Behandlung auf. Dahin rechne ich erstens man nicht so leichtfertig räsonniert und so sre- ventlich aburteilt über die Leistungen der Geset^eber: wer schimpfen will, sollte sich zuerst einmal fragen, vb er selber es besser machen könnte. Und zweitens M man die Abgeordneten nicht übermäßig in Zuspruch nehmen, namentlich nicht die vielbelasteten Berühmtheiten, die etwas Ruhe und Erholung besonders notwendig haben.
Die Ferienstimmung gedeiht umso besser, je mehr man in den Arbeitsmonaten geschafft hat. Daher kann Jahr den Abgeordneten die Ferienfrende nachfublen. Sie haben ein riesiges Stück Arbeit be- -att'gt: b:e außerordentlich schwere Tagung ist fruchr- oar^iind friedlich ausgelaufen.
H'N übrigen gehört die Ferienstimmung zu der modernen Entwicklung. Der Wunsch nach Mweili-
)( Fünf Milliarden Reichsschulden. „ 2^ut^e Reich hat nach einem dem Reichstag SätXfef .Vertagung zugegangenen Berichte der Reichsschuldenkommisfton fünf Milliarden Schulden, genau: o 0^4 012 900 Mk. Zu diesen fünf Milliarden no$ etwa 100 Millionen Mark, genau: 98 175 000 Mk. als Schuld der deutschen Schutz- ß/blete. Diese Schutzgebietsschuld ist aber inzwl- btn letzten Rechnungsaufmachung noch gewachsen und betragt jetzt insgesamt 136154 400 Mark.
im letzten Rechnungsjahre rund 167 Millwnen Mark gezahlt worden. An Reichskas- ™etnen laufen um 120 Millionen Mark. Durch Beschluß des Bundesrats vom Dezember 1912 ist der betrag der Reichskassenscheine zu 10 Mk. auf 100 ??ark (statt bisher 90 Millionen Mk.) und der der Reichskaffenscheine zu 5 Mk. auf 20 Millionen bisher 30 Millionen) festgesetzt worden. Die ^ahl der Fünfmarkscheine wird also vermindert, die der Zehnmarkscheine erhöht. Neben diesen Reichs- kastenschelnen (von 10 und 5 Mark) laufen die Reichs- banknoten (von 1000, 100, 50 und 20 Mk.) Vom
1912 bis zum Januar 1913 wurden von der Reichsdruckerei an die Reichsbank Banknoten im Gesamtwerte von 1345 845 000 Mk. abgeliefert und zwar zu 1000 Mark keine, zu 100 Mk. aber 640 Mil- lwnen, zu 50 Mk. 52 500000 Mk. und zu 20 W 50 200 000 Mk. Dazu kamen noch für 600 Millionen Mark Banknoten zu 50 Mk. und 20 Mk., die erst mF »eft,änben genommen wurden. Für loO 590 Mk. Banknoten sind wegen Altersschwäche gus den, Verkehr gezogen worden.
Insgesamt sind mehr als vier Milliarden Bank- noten vorhanden und in den Kassen der Reichsbank aufbewahrt. Im Umlauf befinden sich außerdem für 1876 040 750 Mk. Banknoten. Bis zum Schluffe des Monats Januar 1913 beliefen sich die in ba§ ^ÄÄ^^rch eingetragenen Buchforderungen auf 12/3 500 900 Mk. m 24 031 Konten.
Die Tilgung der Reichsschuld erfolgt durch Attlkailf von Schuldverschreibungen des Reiches und zwar werden 3- und 3^hprozenttge Schuldverschrei- bungen angekaust, in der Regel für jährlich etwa 80 ^x^"^ Mark. Von nun an soll aber eine stärkere Schuldentilgung Platz greifen.
Der Reichstag hat anfangs dieser Woche die große nationale Ausgabe der Wehrvorlage und ihrer Milliardendeckung zum Abschluß gebracht und sich damit ein Denkmal gesetzt, auf dem alle bürgerlichen Parteien und auch die Regierung einschreiben können daß sie nach Kräften mitgear- beitet und tm deutschen Verfassungsleben die Volks- bertetung als einen zielbewußten Arbeitsfakwr neben den Bundesrat gestellt haben. Mit Recht hat der Präsident Dr Kämpf in der Ansprache, die er am Schluß der Reichstagssitzung am Montag hielt, den letzt beendeten Sesswnsabschnitt des Reichstags als einen der denkwürdigsten bezeichnet. Es steht in der Tat m der Geschichte des deutschen Reichs beispiellos da daß eme Heevesvermehrung von 120 000 Mann UH£> eine Erhöhung der Ausgaben um rund 200 Mil- lionen Mark jährlich — ganz abgesehen von dem einmaligen Wehrbeitrag von einer Milliarde — in der Zeit von nicht einem Vierteljahr von den gesetzgebenden Körperschaften vereinbart worden ist Die wahrhaft denkwürdigen Tage der letzten Reichstags- Verhandlungen haben deutlich den Beweis gebracht daß unsere Volksvertretung große Ausgaben auch , Interessen zu erfüllen versteht. Daß die Konservativen, welche nicht nur bm der Wehrvorlage, sondern auch bei den Kompro- mißvcrhandlungen zur Deckungsftage eifrig und erzreich mitgearbeitet hatten, bei der Bildung der Reichsvermögenszuwachssteuer abseits gestanden ist aufrichtig zu bedauern. Jedenfalls werden die Kon- ftrvatlven in Anerkenntnis dessen, daß Sie gesamte Besitzsteuerfrage ohne direkten Einfluß der Sozialdemokraten gelöst wurde, die Lehre daraus ziehen daß es zweckmäßiger ist, in Unvermeidliches sich zu fugen und aus dem Unangenehmen das wenig An- genehme für sich hervorzuholen, statt abseits im Schmollwinkel zu stehen. Das wird ja nicht aus- bleiben daß letzt die eine oder andere Partei sich einseitig als die Siegerin in der Deckungsfrage sich auf. ft’1™., ebenso werden allerhand Auseinandersetzungen swischen dem Reichstag und seinen Wählern unver- me'd.lich fein. Es ist aber zu hoffen, daß die unerquicklichen innerpolitischen Kämpfe, welche die Finanzreform von 1909 im Gefolge hatte, nicht auch durch die jetzigen finanzpolitischen Maßnahmen sich wiederbolen werden. Eine besonders anerkennenswerte Tat vollbrachte der Reichstag noch in seiner letzten Monatssitzung durch das Einbringen eines Notgesetzes für die Militär st rafrechts- r cform Der Erfurter Fall zeigte in sehr schroffer Weise, daß eine Reform der Militärgerichtsbarkeit eine dringende Forderung der Stunde ist, denn die Strafen, welche Radau machende betrunkene Landwehrmänner, die noch dazu zum größten Teil verheiratet waren, erhielten, stehen in gar keinem Verhältnis zu unserer heutigen modernen bürgerlichen Strafgesetzgebung. Der Reichskanzler zeigte sich sofort bereit, dieser dringenden Forderung Folge zu leisten und versprach dem Reichstag seinen Einfluß auf den Bundesrat tunlichst zu benutzen, um noch tm Herbst den Entwurf eines Militärstrafgerichts- refvrmgesehes dem Reichstag unterbreiten zu können. . In Frankreich steht noch immer die dreijährige Dienstzeit auf der Tagesordnung. Ein großer Teil der französischen Presse bemüht sich jetzt billigerweise, die Annahme der Heer- und Deckunqsvorlaqekt tm Deutschen Reichstag als ergiebigen Agitations- stoss zu benutzen und der langsamen Arbeit in der französischen Kammer die glänzende rasche Arbeit des deutschen Reichstags gegenüber zu stellen. Trotzdem kampst die von Jaurrs geführte Opposition mit großer Hartnäckigkeit und unleugbarem Scharfsinn und Geschick gegen die Militärvorlage, aber alle ihre Borstoße werden an dem Ausgang nichts ändern können. Eine kleine Enttäuschung macht sich in einigen nationalistischen Blättern über den Erfolg der Prasidentenreise nach London bemerkbar, da man m England mit der Entente, so wie sie besteht, wohl zufrieden ist, aber keineswegs den Wunsch zeigte, sie mit Syitzen und Stacheln gegenüber dem Dreibund zu versehen.
Unpolitische Zeltlänfe.
N. Berlin, 3. Juli 1913. (Nachdruck nicht gestattet.)
. 5$ erien stimm un g! Im Reichstag war sie r" ^letzten Woche sehr stark geworden; sie hat we- LA dazu mttgewirkt, daß so schnell und glatt die Geschäfte zu Ende gebracht wurden.
v. x®ln Freund sagte mir neulich: „Nennt
doch das Ding mit fernem richtigen Namen! Das große F bedeutet eigentlich Faulheit; Ferienstimmung ist nur em Schmmkwort." So geht's: Un-
"st der Wähler Lohn Der Mann hat keinen Ä" ber Arbeitslast eines Abgeord-
Sonst wurde er auch die Erholungsbedürf- tigkett dieser Spinner und Wirker vom Webstuhl dör Zett zu würdigen totff en.
Mancher glaubt, das „bißchen Redehalten" im Plenum fet die Hauptarbeit. Zum Ueberfluß denkt er fsch vielleicht noch das Reden auf der Reichstags- trtbune fei ein so vergnüglicher Zeitvertreib, als wenn er selbst an seinem Stammtisch die Schleusen seines Mmmwerks aufzieht. Ach nein, so ein unverantwortlicher . Herzenserguß im kleinen Kreise ist döch himmelweit verschieden von einer Parlamentsrede Sie von der ganzen Welt gehört und beurteilt wird' ~ der eine ganze Reihe von sachkundigen und geschickten Leuten bereit steht, um jeden Irrtum, jede Schwache, jeden unvorsichtigen Ausdruck auszumutzen, für me der Redner strenge Rechenschaft geben muf;, sowohl den Gegnern als auch den bedächtigen Freunden, seiner Fraktion, seinen Wählern, seiner Partei 'm Lande, der ganzen öffentlichen Meinung. Auf dem hochgespannten Drahtseil dieser Beredsamkeit kann der kleinste Fehltritt zu einem vernichtenden Sturze sichren. Wer sich nicht ganz sicher kühlt 'N di-ft, Ätift. i«toÄ LJX'Ä“
meife der Rednertribüne fern, und wer es riskiert der muß sich höllisch zilsammennehmen. Ein Abgeordneter,^ der wegen seines flotten Mundwerks und 'emes Mutterwitzes berühmt ist, gestand mir einmal, "aß jede größere Reichstagsrede ihm zwei schlaflose -/achte koste. Weder die Nacht vorher, noch die Nacht i fmchher wolle das Herz in ruhigem Takt bleiben. Er läge sich selbst, die ganze Erregung sei ja unsinnig |
Kaffee und Gebäck für die Siechenhausbewohner verwendet werden fallen, außerdem 3000 Mk. für den Kirchenbaufonds, 3000 Mk. für den Baterl. Frauen- verein, 1500 Mark für den Werratalverein, 500 Mk für das Heimatsmuseum, 500 Mark für die Sanitärs- kolonne.
* Raffel, 3. Juli 1913. In der heutigen Stadt» verordnelensitzung wurde Stadtrat Dr. Brunner als Abgeordneter für den Kommunallandtag gewählt. — Stadtteil Wehlheiden gingen zwei junge Pferde durch und rasten mit einem schweren Roll» roagen die Kohlenstraße hinab in einen Trupp iptelenber Kinder. Dabei wurde dem vierjährigen Söhnchen des Schuhmanns Pf. u. a. das Kinn fast zerschmettert. Bewußtlos wurde der Knabe vom Platze getragen. —« Zwischen den Stationen Wabern und Wilhelmshohe wurden in einem Wagenabteil 4. Klasse einem polnischen Arbeiter 280 Mark aus der Tasche gestohlen. Aus die Mitteilung des Bestohlenen wurde au dem Raffelet Hauptbahnhof die Wagenklafse ge. Woffen und sämtliche Fahrgäste mußten sich einer Revision unterziehen lasten. Hierbei wurde der entwendete Geldbetrag bei einem anderen polnischen Arbeiter vorgesunden, der daraus verhaftet wurde. . * Ans Thüringen, 3. Juli 1913. In einigen deutschen Kleinstaaten ist es bekanntlich leicht, Orden und Titel zu erlangen, auch ohne Verdienste, gegen gelmsse Leistungen. Der Industrielle Rudolf von Hoschek m Wien war mit feinem Sohne aus dem vsterreichi,chen Staatsverbande ausgetreten war Staatsbürger in Coburg und Gotha geworden und hatte gleich darauf den Freiherrntitel mit dem
„von Mühlheim" erhalten. Die österreichischen Behörden haben ihm und feinem Sohn aber die rxuhrnng des Freiherrntitels verboten, weil nur der Kaiser Titel verleihen könne und es sich nicht um einen ernftli^en Austritt aus dem österreichischen Staatsverband gehandelt habe. — In Zella St. Bl ftel eimdreijähriger Knabe in einen mit heißem Wa ser gefüllten Eimer und verbrühte sich so, daß er ftarb. — In Katzhütte ist die Porzellanfabrik Arno Drehbrodt vollständig niedergebrannt Der ff.chaden ist beträchtlich. - In S o n d e r s h a n s e n ist der Malermeister und Branddirektor Georg Schulz bei Arbeiten abgestürzt und bald darauf gestorben
und kindisch, aber der Verstand könne das Nervensystem nicht tm Zaum halten- Recht wohl fühle er f'ch uur während der Rede, wenn sie munter fort- fkcße und das gehörige Echo von Bravos und Oho Hervorrufe; vorher und nachher fei es „mies". In der Tat, von dem drückenden Gefühl der großen Verantwortlichkeit werden die Redner im Parlament oft schwerer belastet, wie die Sackträger und Steine- schleppcr da draußen von ihrer stofflichen Bürde.
Zweitens ist zu beachten, daß das Auftreten im Plenum durchaus nicht die Hauptsache bildet in der Arbeitslast der Abgeordneten. Vielmehr Kraft und Zeit wird in den Ausschüssen verbraucht. Da werden die Lebens- und Rechtskenntnisse, der gesunde Menschenverstand, die Umsicht und die Findigkeit der einzelnen andauernd auf die Probe gestellt. Wer im Ausschüsse sitzt, wird immer von neuem einem Examen unterzogen, und da heißt es, die Kräfte anspau- nen, um nicht durchzufallen in der Schätzung der Kollegen und des eigenen Gewistens.
Aber, sagt man, es brauchen ja nicht immer alle rur Stelle zu sein. Freilich, manche fahren oft nach Hause. Aber dieses Hin- und Hergondeln, diese ewige Reisebereitschaft auf ein Augenblickstelegramm bin, diese häufigen und langen Tag- und Nachtfahrten auf der Eisenbahn: das sind auch Strapazen.
Der Abgeordnete gehört zu den Vagabunden. Er ist bald hier, bald dort, und kommt nirgends zu der behaglichen Ruhe, die wir seßhaften Spießbürger genießen. Der Abgeordnete opfert ein erkleckliches Stuck feines F a m i l i en g l ü ck es; Frau und Kinder leiden unter der Unstetigkeit. Er bringt auch m seiner Berufs- oder Geschäftstättgkeit schwere Opfer; auch die beste Stellvertretung bleibt ein unbefriedigender Notbehelf.
Daher ist der Wunsch nach rechtzeittgem Schluß a.aturlich und berechtigt. Die Tagung könnte noch viel kurzer fern, wenn von Anfang an so flott und ftx gearbe;iei würde, wie es am Ende gewöhnlich ge- schicht. Ja -- wenn! Der flinke Gang der Ke- rattmgen läßt sich nicht von vornherein erzwingen. Man hat oft darnach gestrebt und nichts erreicht. Es sieht fast aus, als wenn es im Naturgesetz wäre, daß die Leistungen des Parlaments erst geraume Zeit braucbteit, um langsam zu keimen, zu sprießen? zu wachsen und zu reifen. Wenn dann die Erntezeit i ettblid) da ist, so wird Hals Über Kopf gemäht, ge- |
• * DttÄstetrs Spielzeug. Die als Svielwaren I" sisaßen Mengen in den Verkehr gebrachten ausge- stopften japanischen Hühner- und Enten- ,f >md nach dem Ergebnis der chemischen Un- tersuchmig znm Zweck ihrer Haltbarkeit stark mit Arsenik bearbeitet worden, sodaß sie eine ernste Ge- d"md-r bild-»? ÄMÄSi; gestopften Tiere ist bereits verboten worden.
. l'"'" den Begnadigten aus Anlaß des Kaiser.
anwaO^-E bJ'mdei sich auch der Berliner Rechts- antoalt Pachter, das Opfer des Berliner Tele- •rJ.”9er§' ber wegen Beleidigung einer Telephonistin zu 260 Mark Geldstrafe verurteilt Daraus rT ®tra^e ift erlassen worden.
£9'6t sich nun eine recht komische Situation Leichtsinn^ u»d"n°^ lä°«unter wne, die aus fann M aT s Uuerfahrenhett" gehandelt haben, be" ßörAh baS "keine Verderbtheit
des Charakters" bet ihm vorliegt.
fxr«A ^0 ^'Ulanen Dollars von einer Frau unter- fchla^n. ^jn Buenos-Aires hat sich vor einigen Tagen eme 30jähr. Dame, Frau Irma Aveano dst & StoSÄL- war
bie Jadjte be» bekannten subamerikanischen Bankiers bHtfli? wfntu?nn ?°^ph Romen, der äugen»
bsE'^ Minister des Aeußern in Uruguay ist. Frau nns gr ^ar n-fe $a9e don Montevideo nach Bue- nos-Aires gefluchtet, weil sich herausgestellt hatte, b?| J'e Wechsel- und Scheckfälschungen in Höhe voi rxr rrx’0Cr aI§ 10 Millionen Dollars und fast auf schließlich auf den Kamen ihres Oheims verübt hatt
— Verschiedene Beurteilung. — ^Wie gefällt Dir be5” weine Frau?" — ,Na — unter uns — sie sieht
- 'S"”«1' d» m08t.fl®«
Wahrend die Sozialdemokratie im Reichstag mit Mn 110 Abgeordneten äußerlich in imponierender protze dasteht, zeigen sich innerhalb der Parteiorqani- fation Anzeichen, die ein merkbares Mißvergnügen in fiihrenden Parteikreisen auslösen. 9
Der Vormarsch der in dem offiziellen Parteinahmen organisierten Genossen scheint ins Stocken geraten zu sein. In Groß-Berlin wurde vor einigen Tagen auf der Generalversammlung des Verbandes sozialdemokratischer Wahlvereine („Vorwärts 1913 150) gar ein empfindlicher Rückmarsch der Mitgliederzahl und der Einnahmen, ein wesentlicher Abonnentenschwund beim Zentralorgan, dem „Vorwärts", zugegeben. Anderwärts scheint es nicht besser zu stehen. So ver- zeichnet z. B. der Geschäftsbericht der sozialdemokratischen Partei im Agitationsbezirk Niederrhein der wichtige Industriegebiete umfaßt, auf der ganzen an’!er-et?e r Stillstand der Parteibewegung. Der Mitgliederbestand in den Wahlkreisen sei fast auf derselben Hohe stehen geblieben wie am Schlüsse des vorigen Geschäftsberichts. Einige hätten sogar empfindliche Verluste zu verzeichnen. Und wie eben bekannt wird, hat auch die sozialdemokratische Partei Badens für das Jahr 1912 — trotz Reichstags- Wahl und Finanzreformhetze! — keinen Fortschritt zu verzeichnen („Volksmacht" Nr. 139).
Diese Erscheinung zeigt, daß eine wirksame Bekämpfung bezw. eine erfolgreiche Eindämmung der sozialdemokratischen Bewegung Wohl zu erzielen ist, wenn dieser Abwehrkampf nur richtig organisiert ist. Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkt das Verhalten der einzelnen polittschen Parteien, so ergibt sich, daß in der Hauptsache Mängel in der Abwehrtaktik es verschuldeten, wenn die Sozialdemokratie zu der heutigen Größe heranwachsen konnte. Der Nationalliberali s m u § ist
Ans dem llachbargebiete.
* Hünfeld, 4. Juli 1913. Der Meininger Landtag hat einen Zuschuß von 3000 Maik zu den projektierten Kraftwagen-Verbindungen Schmalkalden»Hünfeld, Kleinschmalkalden - Friedrich, roda und Schweina-Friedrichroda bewilligt.
* Lauterbach, 3. Juli 1913. Der gestrige Viehmarkt, verbunden mit Schau und Prämiierung, zeigte einen befriedigenden Auftrieb von Rindvieh und Ziegen. Schweine waren in geringerer Anzahl vorhanden. Rindvieh und Ziegen waren in der Mehrzahl zum Zwecke der Schau aufgetrieben, und man muß sagen, daß die Landwirte in hiesigem Bezirk mit ihrem Bestreben, neben Nutzen und Leistung auch auf körperliche Schönheit und Ansehnlichkeit zu züchten, sichtbare Erfolge aufzuweisen haben. Es waren sehr schone Tiere durchweg Simmenthaler Schlages vorhanden, gleichfalls fiel bei den Ziegen (Weiße horn- lose Ziege) die große Zahl gut gestalteter und Vorzug. Iich gehaltener und gepflegter Tiere auf. Die größere Anzahl des aufgetriebenen Großviehes stammte aus den altbewährten Zuchten von Angersbach und Maar wahrend die Ziegen sich auf fast alle Orte des Kreises, verteilen. Gehandelt worden sind heute beim Großvieh Wohl nur Bullen, etwa H/4 bis Is^jährig, welche mit 500 Mark und darüber bezahlt wurden. Ziegen waren wie immer sehr gefragt. Es wurden bezahlt für Ziegenlämmer 30 Mk., für Bocklämmer bis 50 Mark, für Ziegen 70 Mk. Der Schweinemarkt gestaltete sich nicht gerade lebhaft. Es wurden trotzdem recht ansehnliche Preise erzielt, das Paar Ferkel kostete etwa 60 Mk. und mehr, für Einlegschweme wurden bis 150 Mk. bezahlt.
* Es'chtoege, >8. Juni 1913. Eine große Reihe milder Stiftungen hat der verstorbene Stadtalteste Dohle testamentarisch vermacht, u. a. 30 000 Mark für den Bau eines zweiten Hauses am Sie- chenhaus für arme gebrechliche Personen und 5000 Mark, wovon die Zinsen für Beschaffung von Milch,