2. Blatt.
9ni 6er fielbaer 3<tie«öraaerd in Selb«.
«• Fuldaer Zeitung. «• X'-,.»
□ Abonuenteuverficherung.
Die Zeitungen und Wochenschriften machen sich gegenseitig wie jedes andere kaufmännische Geschäft Konkurrenz. In diesem Kampfe sind manche Zeitungen auf Ideen verfallen, die sich mit den Prm- zipien eines anständigen Kaufmannes nicht mehr der. einbaren lasten. Insbesondere haben einzelne Zeitungen um sich über Master zu halten, mit Versicherungsgesellschaften sich in Verbindung gesetzt, und locken nun durch vielversprecherische Anpreisungen Abonnenten an. Sie schreibest aus, datz jeder Abonnent in der Weise versichert ist, daß seine Hinterbliebenen im Falle seines Todes durch Unfall oder auch im Falle seiner Invalidität eine bestimmte Summe bekommen. Das hört sich ja ganz schön an, wer aber die Sache kennt, mutz eine derartige Reklame entschieden bekämpfen. Es ist ein grotzer Irrtum der Abonnenten, wenn sie glauben, dah ihnen eine derartige Versicherung u m s o n st geboten wird. Sie zahlen genau die Prämien und noch höhere Prämien, wie sie jeder andere Versicherte leisten muß, und dann wird den versicherten Abonnenten, wenn wirklich einmal ein Todesfall eintritt, eine Schwierigkeit um die andere gemacht, so- dah sie schließlich statt der erhofften Versicherungssumme nur Aerger, Scherereien und Verluste haben.
Man kann es schließlich bestehen, dah Zeitungen eine Abonnentenversicherung einführen, wenn sie ihnen im Konkurrenzkämpfe aufgedrungen wird. So sind z. B. im Industriegebiet manche Zeitungen, die an sich von der Zeitungsversicherung nichts wisien wollten, dazu übergegangen, ihre Abonnenten gegen Tod durch Unfall zu versichern, weil die anderen Blätter am Orte diese Versicherung ebenfalls eingeführt hatten. Es gibt erfahrungsgemäß eine ganze Menge sonst ganz gescheiter Leute, die auf solche Köder leicht anbeißen und so wären den nicht versichernden Zeitungen nach und nach die Abonnenten abgelockt worden, wenn sie die Neuerung nicht mitgemacht hätten. Sehr zu verurteilen ist es aber, wenn Zeitungen, die nicht im Konkurrenzkämpfe stehen, die Zeitungsversicherung einsühren, länglich um Abo n- nenten zu kapern. Dann liegt eine unlautere Konkurrenz gegen die Zeitungen vor, die ihre Abonnenten nicht versichern. Wenn ein Bäckermeister dazu übergehen wollte, seinen Brötchenkunden eine Knob- line gratis beizulegen, dann würden die anderen Bäcker mit Recht über unlautere Konkurrenz klagen. Der Bäcker soll eben durch die Güte seiner Ware sich den Absatz sichern, nicht durch die Güte der Waren des Metzgers. Ebenso soll eine Zeitung durch die Güte ihres Inhalts den Lesern sich empfehlen, nicht durch allerhand Extravergünstigungen, die mit der Zeftung an sich nichts zu tun haben.
Eine Zeitung, die eine Abonnentenversicherung einführt, stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus, sie gibt damit zu erkennen, daß sie von der Werbekraft der Zeitung selbst nicht viel hält, denn sie spekuliert doch darauf, daß nicht wegen des Inhalts der Zeitung, sondern wegen der Extratz e r g ü n st i g u n g e n, die sie gewährt, die Leser bei ihr abonnieren.
D. h. mit den Extravergünstigungen ist es auch so eine Sache. Verschenken kann niemand etwas, und wie schon oben gesagt wurde, u m s o n st wird eine solche Versicherung nicht geboten. Es werden zwar keine direkten Prämien gezahlt, aber dafür ein erhöhter Abonnementspreis gefordert. Wir kennen eine Zeitschrift, die gegenwärtig im Fuldaer Lande viel kolportiert wird, die für jede Wochennummer sich 20 Pfg. zahlen läßt. Das macht im Jahre einen Abonnementsbetrag von über 10 Mk. aus. Dafür kann die Zeftschrift allerdings schon eine Abon- nenlversicherung sich leisten, sie profitiert noch dabei. Eine normale Wochenschrift, die dasselbe und mehr an Lesestoff liefert, ist sonst schon viel billige r zu haben. Der in unserer Diözese verbreitete Bonifatiusbote z. B., der anerkannt unter den bestredigierten katholischen Wochenblättern in der ersten Reihe steht, kostet im Monat nur 50 I. Dafür braucht er dann.freilich keinen Tamtam zu machen, um Dumme als' Abonnenten und Zahler beranzu- ziehen.
Die Blätter mit Abonnentenversicherung gewähren Anwartschaft auf die Versicherung natürlich nur so lange, als das Abonnement dauert. Sobald man die Zeitung oder die Zeitschrift abbestellt, ist man nicht mehr versichert, und wenn man vorher Jahrzehnte lang für bie Versicherung durch das erhöhte Abonnementsgeld Beiträge geleistet haben sollte. So verfährt keine andere Versicherung. Wer bei einer Versicherungsgesellschaft sich versichert und eines Tages nicht mehr weiter versichern kann oder will, bekommt feine eingezahlten Beiträge g u t g e- schrieben, sodaß er wenigstens einen Teil seiner Versicherungssumme erhält, wenn Tod oder Invalidität eintritt. Bei der Zeitungsversicherung gibt es
Kleines Fenilleton.
— Abschrift nehmen! Der ordentliche Kaufmann wird keinen Geschäftsbrief absenden, von dem er nicht eine Abschrfft oder einen Abdruck behielte. Jedes, auch das kürzeste Schreiben, wird kopiert, bevor es hin- mrsgeht. Das Gedächtnis kann täuschen, das Kopierbuch nicht. Es weist immer klipp und klar aus, was geschrieben worden ist, und nur mit seiner Hilfe ist es möglich, eine regelrechte Korrespondenz zu führen. Bei Streitigkeiten wird es ein entscheidendes Beweismittel, aber wie viele Streitigkeiten würden erst entstehen, wenn es nicht da wäre! Und welch eine Unmenge von Schreibereien würde durch Nachfragen und Beanstandung verursacht werden! Der Kauftnann muß seine Briefe kopieren, fo gut wie er die einlaufenden sorgfältig aufbewabrt, um sich durch Einsichtnahme stets wieder informieren zu können und für gegebene und erhaltene Aufträge den Beleg zu haben. Und jeder, der eine geschäftliche Korrespondenz sührt und auf Ordnung und Klarheit in seinen Angelegenheiten sieht, wird dementsprechend versahren. Wer wenig Briefe schreibt, wird das wenige, das er zu schreiben hat, gewöhnlich auch noch mit Unlust zu Papier bringen und ftoh fein, wenn er damit fertig ist. Das mag hingehen, falls es sich um belanglose Sachen handelt, anderenfalls ist es recht unangebracht und kann die unliebsamsten Folgen baben. Einmal soll man jedes nur einigermaßen wichtige Schreiben mit Ueberlegung und Sorgfalt absassen, sodann aber auch eine genaue Abschrift davon zurückbehalten. Es rommt manchmal" auf ein Wort an. Daran denke man beim Schreiben und beim Abschriftnehmen. Ein SSort kann einer gerichtlichen Klage eine günstige oder ^günstige Wendung geben, kann Freunde und Feinde schaffen und andere gute ober schlimme Wirkungen 5“*^- Deshalb soll man sich überlegen, was man chreibt, und soll immer wisten, was man geschrieben M, Dies mit Hilfe der genommenen Abschrift, und
das nicht. Der versicherte Abonnent ist auch keineswegs davor sicher, daß nicht eines Tages das Blatt, an das er Jahre lang Versicherungsbeiträge durch sein Abonnement bezahlt hat, eingeht oder die Versicherung nicht mehr fortsetzt. Dann hat er das Nachfehen.
Wer versichert sein will, tut viel bester daran, sich bei einer anständigen Gesellschaft direft und nicht durch eine Zeitung versichern zu lasten. Es sei da für die minderbemittelten Kreise immer wieder auf die L e o k a s s e (Köln, Komödienstr. 20) hingewiesen, sie hat ganz billige Prämiensätze, leistet aber verhältnismäßig viel.
totales.
Fulda, 4. Juli 1913.
* Personalien. Dem Gefängnis-Inspektor Fleischhauer in Kassel wurde der Titel Ober- Jnspekwr verliehen und der Kaufmann Ruben- so h n in Kastel ist für weitere drei Jahre zum Handelsrichter beim dortigen Landgericht ernannt worden. Amtsrichter B r o s i g, bisher am Kgl. Amtsgericht zu Ostrowo, wurde an das Landgericht zu Kassel versetzt. — Regierungsrat Dr. Reuter an der Regierung in Oppeln wurde der Regierung in Kassel zur weiteren dienstlichen Verwendung über» wiefen. — Regierungs- und Forstrat Müller von Wiesbaden wurde nach Stettin versetzt.
(*) Eine Stadtverordnetensitzung findet am Montag, den 7. Juli 1913, abends 7y2 Uhr, mit folgender Taaesordnung statt: 1. Verpachtung eines städtischen Geländestücks an der Rhabanusstraße an die Dresdner Bank. (Laux.) 2. Genehmigungsbeschlutz des Bezirksausschusses zu dem Gemeindebeschluß wegen Erhebung einer Kanalbenutzungsgebühr im Rechnungsjahr 1913 und Wahl der Schätzungskommission. (Dux.) 3. ErhöhrUig des Zinsfußes für Einlagen und Ausleihungen bei der Sparkasse. (Singer.) 4. Ordnung zum Schutze gegen Verunstaltung und über die Bauweise in verschiedenen Stadtteilen. (Adam.) 5. Jahresrechnung der katholischen Klein- kmderbewahranstalt. (Laux.) 6. Errichtung eines Bedürfnishäuschens am Schweinemarkt. (Mahr.) 7. Schreiben der Firma Mölders u. Co. betr. Kanal in der Borgiasstraße. (Fritz.) 8. Bereifftellung von Mitteln für einen anzunehmenden Techniker. (Fritz.) 9. Beitritt zur Deutschen Kommunalbank., (Dux.) 10. Antrag Adam- Ersatzwahl eines Mitgliedes der Baukommission anstelle des verstorbenen Herrn Breitenborn. (Adam.) In geheimer Sitzung: 11. Grund- ftückserwerd bezw. Veräußerung. (Wehner.)
& Hauptlehrer a. D. Pabst f. Nach langem Krankenlager verfchied gestern int 73. Lebensjahre Herr Hauptlehrer a. D. Joseph P a b st. Der Verstorbene wurde geboren in Amöneburg am 17. Mai 1841. Am 1. ^April 1864 wurde er Lehrergehilfe, dann Schulverweser in Fritzlar und am 1. März 1866 Lehrer in Rotenburg a. F. Seit 1. November 1868 war er an der Stadtpfarrlichen Schule zu Fulda angestellt und bekleidete hier vom 1. April 1895 an die Hauptlehrerstelle. Auch war er mehrere Jahre Leiter der gewerblichen Fortbildungsschule und besorgte von 1873 bis 1892 die Rüxcktion der kathol. Schulzeitung für Heflen-Nastau, Hannover und Westfalen. Nachdem er int Jahre 1892 schwer an einer Lungenentzündung erkrankt war, von der er sich jedoch wieder völlig erholte, mutzte er in den folgenden Jahren wegen einas Herzleidens regel« mäßig einen mehrwöchigen Sommerurlaub nehmen. Im Sommer 1910 verschlimmerte sich sein Zustand derarfta, daß ihm vom 6. Oktober 1910 bis Ostern 1911 nochmals Urlaub erteilt wurde. Während dieser Zeit trat nun auch noch ein Gehirnleiden hinzu, bas bie Unterbringung des altersschwachen Mannes in eine Heilanstalt notwendig machte, und von der er jetzt durch bett Tod erlöst wurde. Mit dem Verstorbenen ist ein Schulmann dahingegangen, der seine reichen Kenntniste, Erfahrungen, gepaart mit unermüdlicher Schaffenskraft fast ein halbes Jahrhundert lang in den Dienst der Menschheit stellte, der durch seine Rührigkeit und Religiösität ein leuchtendes Muster der katholischen Lehrerschaft Hestens war.
§ Der Grobherzog von Sachsen - Weimar passierte gestern abend mit dem fahrplanmäßigen v-Zug« um 9 Uhr 50 Min. auf der Fahrt nach Frankfurt a. M. die hiesige Stat'on.
* Das Militärluftschiff „Z. 1", das gestern mittag von Frankfurt kommend auf der Fahrt nach Königsberg Fulda passierte, überfwg um 5.15 nachmittags Potsdam. Heute früh 4.50 Uhr wurde es in Königsberg gesichtet, erschien 5.20 Uhr über der Halle und landete nach kurzer Schleifenfahrt um 5.45 Uhr. Es bat den Weg Frankfurt-Königsberg ohne Zwischenlandung zurückgelegt und ist den Weg Stettin-Danzig längs der Ostseeküste geflogen.
wenn die Folgen der Unterlassung auch nicht gleich in Prozesten bestehen, es ist doch schon unangenehm bei dem Empfänger des Briefes, falls sich an den Inhalt des letzteren Weiterungen knüpfen, anfragen zu müssen: Was habe ich denn eigentlich geschrieben? tf
— Der Kreiselkompaß. Wenn der Schiffer auf hoher See kein Land mehr erblickt, so mutz er sich allein auf den Kompatz verlasten, der die Richtung nach Norden weist, oder doch — weisen sollte; denn es ist ja bekannt, wie schlecht der kleine Weiser seine Pflicht erfüllt. Da gibt es hundert Gründe, bie eine „Mißweisung" veranlassen Unter Umständen vermag freilich ber Kundige gewisse Fehler, bie er kennt, derart in Rechnung zu ziehen, datz er doch nicht getäuscht wird. Im allgemeinen aber ist der Kompatz ein recht unvollkommenes Instrument, um den Weg nach Norden zu zeigen. Bekanntlich kann er das schon darum nicht, weil der magnetische Nordpol, nach welchem -r int besten Falle weist, nicht mit dem geographischen zusammenfällt. Störend wirken auch die vielen Eifenteile, welche zumal auf Kriegsschiffen die Nadel beeinflussen. Ferner werden die elektrischen Anlagen die Bewegungen des Kompasses beeinträchtigen, und schließlich können irgend welche Massen irr*ber Umgebung eines Schiffes störenb wirken. Neuerdings hat man baher vorgefchlagen, einen ganz neuen, un- magnetischen Kompatz herzustellen, ber seine Pflichten bester erfüllen soll, und der auf derartige Störungen, die der Magnetnadel gefährlich sind, überhaupt nicht reagiert. Es handelt sich dabei um einen Krcisef, welcher rasch und dauernd umgetrieben wird. S un bei unseren Spielzeugen können wir beobachten, vifc ein solcher Kreisel das Bestreben hat, die Lage seiner Achse festzuhalten, wenn sich ringsum die Gegenstände drehen. Ein richtig angebrachter Kreisel wird sich nun sehr bald in der Richtung von Norden nach Süden einstellen, und diese Stellung wird er festhalten, welche Wendum-" "itch das Schiff ausführen mag. So bietet er eüc. 'patz, der den -'‘en weit übertrifft. a
1*1 Strafkammer. Ein Kirchendieb in der Person des 38jährigen vorbestraften Barbiers Karl Wölke, geboten in Eschenau, zuletzt wohnhaft in Jaffa, wurde aus ber Haft vorgeführt, in welcher er sich seit 14. April befindet. Ihm wird zur Last gelegt, am 5. Februar in der Kirche zu Marbach und am 11. März in der Kirche zu Steinau je einen Opferstock erbrochen zu haben. Der Angeklagte bestreitet, in Marbach gewesen zu sein, auch den Diebstahl in der Kirche zu Steinau streitet er ab, gibt aber zu, dort in der Kirche gewesen zu sein, um ein Gebet zu verrichten. Diese Angabe wird jedoch durch die Aussagen der Eheftau des Kirchendieners Seng-Steinau widerlegt, die beobachtet hatte, wie W. in die Kirche ging. Sie folgte ihm und vernahm im Hinteren Teil der Kirche ein starkes Rappeln. Sie ging auf den Mann zu, stellte ihn zur Rede und sagte ihm den Einbruch auf den Kopf zu. W. leugnete. Mehrere andere Zeugen haben W. wiederholt in Steinau gesehen, wo er Rasiermesser schle fte. An dem betreffenden Tage schlug er eiligen Schrittes den Weg nach dem Walde ein, was einem Landwirt auffiel. In Marbach wurde er von keinem um jene Zeit gesehen. Der Staatsanwalt beantragte* unter Bewilligung mildernder Umstände ein Jahr Gefängnis. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen versuchten schweren Diebstahls in der Kirche zu Steinau zu sechs Monaten Gefängnis, wegen des Einbruchs in der Kirche zu Marback erfolgte mangels genügender Beweise Fre Brechung. Auf die Strafe werden 2 Monate 14 Tage Untersuchungshaft an gerechnet. — Der 16jährige Füriorgezöglmg H. Herschel war acht Tage bei einem hiesigen Bäckermeister in der Lehre. Am 2. März erbrach er den Koffer eines Bäckergesellen und entwendete 22 Mark in bar. Der Angeklagte ist geständig und erhält 1 Monat Gefängnis.
♦ Rhönttub. Die nach Bischofsheim v. d. Rhön auf den 19. und 20. Juli einberufene 37. Hauptversammlung des Rhönklubs gibt Gelegenheit zu recht intereffanten und bedeutsamen Verhandlungen für die Delegierten. Neun Zweigvereine — darunter fechs bayerische — stellen Anträge. Die Sektion Nürnberg verlangt u. a., daß von den sieben Mst- gliebern des Rhönklub-Hauptausschusies mindestens ein Mitglied bayerischer Zugehörigkeit sein muß. 18 Zweigvereine stellen Anträge auf Bewilligung von Zufcküffen aus der Hauptkaffe, und zwar zusammen in Höhe von 3400 Mark. Ferner werden gefordert 250 Mark Zuschuß zu den Schülerherbergen in Bischofsheim, Dermbach, Gersfeld, Hilders und Tann. Zur neuen Wegemarkierung in der Rhön ist die Bewilligung von 2600 Mark nötig. Das gesamte bare Vermögen des Rhönklubs beträgt 12 249.77 Mark. Der Bau eines neuen Logierhauses auf der Wasserkuppe soll auf ein Jahr hinausgeschoben werden.
* Du sollst nicht stehlen! Auf der Wanderschaft von Frankfurt nach Fulda kam der Schmied Paul Dinger von Erfurt in Haitz (Kreis Gelnhausen) an einem Wirtsgarten vorüber, aus dem er einen fast neuen Herrenanzug entwendete, den er hier in Fulda versetzte. Er wurde wegen einfachen Diebstahls in wiederholtem Rückfall gestern von der Hanauer Strafkammer zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. 1 Monat von der Strafe gilt durch die Untersuchungshaft als verbüßt.
--- Unfall. In der Möbelfabrik von Sauer Söhne hier geriet gestern ein Schreiner mit der rechten Hand in eine Hobelmaschine, sodaß er von mehreren Fingern die Sp'tzen verlor.
* Kurhcssische Jubiläumsdenkmünzen. Das Armeeverordnungsblatt veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß betreffend die Stiftung einer Denkmünze zur Erinnerung an das hundertjährige Bestehen früherer kurfürstlich - hessischer Trup- p e n t e i l e. Die Denkmünze ,Mirhessische Jubiläums-Denkmünze" wird aus der Bronze eroberter Geschütze geprägt. Die Vorderseite zeigt einen Löwen, die Rückseite tragt den festgesetzten Stiftungstag und das Jahr der Jubiläumsfeier. Die Denkmünze wird am Bande des Allgemeinen Ehrenzeichens auf der linken Brust getragen und folgt an ber Ordensschnalle unmittelbar hinter ber Kaiser-Wilhelm-Erinnerungs- mebaille. Die Denkmünze erhalten alle Teilnehmer an der betreffenden Jubelfeier, welche früher in der kurfürstlich-hessischen Armee, und zwar entweder in den Truppenteilen, die durch Order vom 24. Januar 1899 als Stamm der jubilierenden preußischen Truppen bestimmt sind, oder in den kurfürstlich hessischen Kavallerie-Truppenteilen: Garbe bu Corps, 1. unb 2. Garbehusarenregiment gedient haben.
** Die VolsleskHalle und Bücheiri ist von morgen nachmittag ab, voraussichtlich auf die Dauer von 4 Wochen, wegen baulicher Veränderungen im alten Rathaus geschlossen. Während d eser Zeit liegen bie Tageszeitungen in einem von der Fuldaer Actiendruckerei zur Verfügung gestellten Zimmer (Harmonie, unten links, ehemalige Redaktion) zur Benutzung auf. Die Benutzung ist für jedermann, wie bekannt, unentgeltlich.
♦ Ausnahmetarif für frisches Obst. Mit Gültigkeit vom 1. Juli b. I. ist für den Bereich der Preu- ßisch-Heffischen und Oldenburgischen Staatseisenbahnen ein Ausnahmetarif 23 für frisches Obst (Aepfel, Birnen, Pflaumen, Zweitschen, Kirschen und Beeren) bei Aufgabe in Wagenladungen von 5 und 10 Tonnen oder bei Frachtzahlung hierfür cingeführt. Für die als beschleunigtes Glgut aufgegebenen Sendungen findet der Ausnahmetarif keine Anwendung. Heber die sonstigen Anweydungsbedingungen sowie über die Höhe der Frachtsätze geben die Absertigungs- stellen nähere Auskunft.
* TaS Ferienwetter. In diesen Tagen schließen sich auf mehrere Wochen die Pforten der Schulen. Mit den Ferien beginnt aber auch die Zeit der Ernte, und deshalb ist das künftige Wetter von doppelter Wichtigkeit. Augenblicklich sind die Wetteraussichten gut, und zwar anscheinend für längere Zeit. Noch sind zwar die Nackuvehen des jüngsten, sehr empfindlichen Wettersturzes nicht überwunden, noch weht der falte Nordwestwind in beträchtlicher Stärke, noch regnet es zeitweilig, noch entschließt sich auch das Barometer erst zögernd zum Steigen, und das umfangreiche DepresfionSgebiet im Osten, dem wir die unerfreuliche Witterung der letzten Zeit verdankten, schränkt seinen Wirkungskreis nur sehr langsam ein. Dennoch find die Wetterausstchten. wenn nicht ganz unvorhergesehene Wandlungen der Luftdruckverteilung emtrelen, erfreuliche zu nennen. Die ganze Westhälfte Europas ist von einem riesigen barometrischen Hochdruckgebiet eingenommen, das sich anscheinend sehr langsam über Mitteleuropa auSbreitet und den atlantischen Tepreisionen den Zutritt zum Erdteil vermutlich für längere Zeit verwehren wird. Daß von Süden, Norden ober Osten her neue größere De- prefsionen nach Europa gelangen, die neue Störungen der Witterung 'zu bedingen vermögen, ist wenig wahr- scheinlich. Demnach spricht alles dafür, daß wir jetzt von Tag zu Tag eine fortschreitende Besserung de? Wetters und wahrscheinlich auch eine rasch fort
schreitende Erwärmung zu erwarten haben, wenn auch auf eine wirkliche sommerliche Hitze erst wieder zu rechnen ist, wenn der Wind seine nördliche Richtung aufgibt. Dann aber ist es gar nicht ausgeschlossen, daß die Hitze, die gegenwärtig in Spanien und Portugal herrscht, in abgeschwächter Form auch zu uns gelangt. Es bedarf dazu nur zwe er ober dreier sonniger Tage mit schwachem Oft- ober Südostwind.
-X- Der Wetterhahn. Daß der Gockel auf dem Stadlpfarrkirchturm unbekümmert darum, ob der Wind aus Nord ober Süd, Ost ober West weht, ständig nur in eine Himmelsrichtung siebt, dürste schon manchen Bürger verdroffen haben, wenn er sich am Morgen über die Aussichten der Witterung bei ihm Aufschluß holen wollte. Er hat offenbar Charakter. Das hat nun einen unserer geschätzten Mitarbeiter zu folgenden „Charaklerversen" begeiftert:
Der Eickel auf dem Pfarrlirchturm, — Der kümmert sich den Teufel drum — Woher der Wind kommt! Mele Jahr' — Guck' ich nach ihm und würd' gewahr, — Daß er stets sieht nach West — nie Ost, — Ich glaub' der Kerl ist eingerost't. — Man schicke mal den Heim hinauf! — Der hebt ihn ab vom dicken Knauf. — Schläft unser Hahn, mach' er ihn munter, — Unb streikt er gar, bring er ihn 'runter, — Daß man ihm vorträgt feine Pflicht — Und seinen Dienst. Zu krähen braucht er nicht. — Was tu' ich mit so'm Wetterhahn ? — Die Windrichtung zeig' er uns an!
□ Soiiderzug zur Regimeutsfeier der 81er. Am 24. Juli fährt von Fulda nach Frankfurt ein eonber» zug, der die Mitglieder der Vereinigung ehemaliger 81er zur Hundertjahrfeier des Regiments bringen soll. Die Fahrkarten zu diesem Zug, der nur von Vereinigungsmitgliedern benutzt werden kann, werden von der Vereinigung gelöst und vor Abfahrt gegen Rückgabe der in der letzten Hauptversammlung am Sonntag, den 6. Juli, gelösten Jnterimskarteu aus- gegeben. Die Abfahrtzeiten und die Fahrpreise 111. Klaffe des Sonderzuges sind: ab Fulda 11 19 Uhr (2.O5 Mk.), ab Kerzell 11.35 Uhr (1 95 M.), ab Neuhof 11.45 Uhr (1.85 Mark), ab Flieden 11.55 Uhr (1.75 Mark), ab Elm 12.16 Uhr (1.45 M.), ab Schlüchtern 12.30 Uhr (1.35 Mark). Es wird darauf hingewiesen, daß das Regiment keinerlei Beiträge für die Fei.r von den Teilnehmern erhebt, dafür haben sich aber die Vereinigungen entschloffen, dem Regiment eine Jubi- läumsgabe zu überreichen, mit welcher Unteroffiziere und Mannschaften unterstützt und ausgezeichnet werden sollen. Die Vereinigung Fulda hofft mit ihrer Spende nicht hinter anderen zurückzustehen und bittet die Mitglieder auch auf diesem Wege um lebhafte B» teiligung.
* Eisenbahn «nd Ernte. Die Eisenbahndirektionen haben an die Behörden das Ersuchen gerichtet, in den Gemarkungen, die durch die Eisenbahn durchzogen sind, dahin zu wirken, daß die Lagerung von Heu und die Aufstellung von Getreidegarben in der Nähe des Bahnkörpers möglichst eingeschränkt und nicht länger ausgedehnt wird, als zum Trocknen unbedingt nötig ist, um eine Entzündung durch Funkenauswurf der Lokomotiven zu verhüten.
(*) Die Bereinigung ehemaliger Iler Felbartilleristen lädt im Anzeigenteil bS. Bt. zur Schlußversammtung ein. Zu der Hundertjahrfeier des FelvarUll^rie-Regiments Nr. 11 (B. bis 7. August, liegen schon jetzt über 4000 Anmeldungen vor. Unter den Angemeldeten befinden sich allein 100 Angehörige des ehemals Kursürstt. Hess. Feldartillerie-Regiments. Etwa 240 ehemalige Offiziere wollen an der Feier teilnehmen, u. a. Prinz Karl Anton von Hohenzollem, 2 Generäle der Artillerie (Gallwitz und Stern), 13 Generalleutnants, 10 Generalmajore, 8 Oberste. Auch 4 alte Kurfürstlich beffische Offiziere befinden sich unter den Angemeldeten.
Aus dem Nachbargebiete.
* Storudorf, 3. Juli 1913. Nachdem schon feit 4 Monaten der hiesige Laufbrunnen kein Wasser mehr spendete, hat endlich der Staat die Quellen, welche oberhalb Storndorf liegen, durch den Unternehmer Hardt aus Lauterbach graben lassen. Dieses Wasser wird nun durch die Röhren in die hiesigen Brunnen geleitet. Es wäre sehr zu wünschen, daß bald eine Wasserleitung gebaut würde; denn die Bewohner der oberen Torfteile haben einen weiten Weg, bis sie Wasser bekommen.
* L»m Tammerssrld, 2. Juli 1913. Gestern waren es 40 Jahre, daß der tgl. Waldwärter Phinpp Bernhart, ein den Rhöntouristen wohlbekannter Forstmann, seinen beschwerlichen Posten auf dem Lammersfelde mit unermüdlicher Pflichttreue und gewissenhafler Pünktlichkeit versieht. Während seiner Tätigkeit daselbst hat er sich nicht nur die Achtung feiner Vorgesetzten und Kollegen im vollsten Maße erworben, sondern er war auch beim Publikum wegen seines aufrichtigen, humanen Charakters weit über die Grenzen des Forstarntes Kothen hinaus bekannt und namentlich in der Fuldaer Gegend in hohem Grade beliebt. Der Jubilar ist ein Veteran und Inhaber der Kriegsdenkmünze von 1870/71 und der Kaiser- Wilhelm-Medaille. Auch wurde ihm vor einigen Jahren die bronzene Medaille des Verdienstordens vom hl. Michael sowie das Luitpoldkreuz für 40 jährige treue Dienstzeit verliehen.
* HerSfeld, 3. Juli 1913. Heute morgen geriet ein Knecht des Spediteurs Drude beim Holzfahren unter den Wagen und wurde überfahren. Anscheinend hat er sehr schwere Verletzungen erlitten. Er wurde in das hiesige Landkrankenhaus gebracht.
* Sebra, 2. Juli 1913. Die Ortspolizeibehörde hat eine Verordnung erlassen die die Regelung des Verkehrs mit Kuhmilch betrifft. Als Vollmilch darf nur solche Milch verkauft werden, deren natürlichem Gehalt nichts zugesetzt oder abgenommen ist und die einen Fettgehalt von mindestens 2,7 Prozent hat. Kommt andere Milch zum Verkauf, ist den Käufern in deutlicher Weise Kenntnis davon zu geben. Sie Verordnung befaßt sich auch in umfangreicher Weise mit der Behandlung der zum MÜchverkauf bestimmten Gefäße
* Kassel, 2. Juli 1913. Lehrer Grebe der langjährige Vorsitzende des Hessischen Volksfchulleh- rervereins, der erst vor drei Monaten in den Ruhestand trat, ist heute nach langem, gualvollen Lewen gestorben. — In der heutigen Schwurgeriehts- sitzung wurde der wegen Meineids angeklaate -Arbeiter Fock von hier und die wegen Verleitung zrim Meineide angeklagte Aufwärterin Karoline K 1 r Q)’ n er aus Schmalkalden mangels genügender Bewerfe freigesprochen. — Die Frau einer in Kirchditmold wohnenden, vor einigen Tagen aus Biebrich Her zu- gezogenen Familie hatte sich infolge einer Verletzung Blutvergiftung zugezogen, an welcher ste verstarb; sie wird heute beigesetzt werden. Der -Ra der Verstorbenen wurde nun auch von li -, i g •• Schmerzen befallen und der Arzt stellte bei ihm gefährliche Blutvergiftung fest, welche durch Ansteckung von seiner verstorbenen Ehefrau aerruhrt.
* Ans Franken, 2. Juli 1913 , Morgen wird die gemeindliche öffentliche Telephousteste Breiten-