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Fuldaer Zeitun

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Illustrierte Sonntagszeitung 1 Zuldaer Seschichtsblätter

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fir. 152» erstes Blatt.

Freitag den 4* Juli 1915.

40. Zahrgang.

= Die Monarchenbegegnung in Kiel.

Am Donnerstag morgen um 8 Uhr fand zur Be­grüßung des italienischen Königspaares Flaggen­parade der im Hafen von Kiel liegenden Kriegs­schiffe statt. Gleichzeitig salutierten die Kriegsschiffe die an Bord der Königsjacht wehende italienische Königs- slagge mit 21 Schuß. Kurz vor 10 Uhr begaben sich der Kaiser und die Kaiserin, begleitet vom Reichskanzler und dem Staatssekretär von Jagow, auf die „Trinacria", um den K ö n i g und die K ö n i- gin zu einer Fahrt nach dem Nordostsee-Kanal ab­zuholen.

Nach kurzem Aufenthalte auf der Königsjacht wurde die Fahrt nach Holtenau zur Besichtigung der Schleusenanlagen angetreten. Dort wurden die Maje­stäten vom Staatssekretär des Reichsmarineamts em­pfangen. Der Kaiser erläuterte an Hand von Plä­nen "seinen hohen Gästen die Einzelheiten des Baues der Schleusen, die die größten der Welt sein werden. Daraus wurde eine Fahrt auf dem Kanal bis zur Lewensaur Hochbrücke unternommen und die Bagger­arbeiten sowie die Prinz-Heinrich-Brücke in Augen­schein genommen.

Um 11% Uhr war die Besichtigung zu Ende. Die Kaiserin und die Königin begaben sich darauf auf der „Hertha" nach Kiel zurück. Der Kaiser und der König, begleitet vom Reichskanzler von Bechmann-Hollweg und dem Großadmiral v. Tirpitz, begaben sich auf das Linienschiff „Äaifer". Der Kaiser führte den König durch die Räume des Schif­fes. Unter Salut verließen die Monarchen um ¥zl Uhr das Linienschiff. Der Kaiser begleitete den König an Bord der „Trinacria" und fuhr zur „Hohenzoll lern" zurück.

Um 1 Uhr begann das Frühstück an Bord der „Hohenzollern". Der Kaiser und die Kaiserin em­pfingen die italienischen Majestäten am Fallreep. Nach herzlicher Begrüßung schritten der Kaiser und der König die Front der Wache ab. Kapitän Karpf überreichte der Königin einen Blumenstrauß und stellte dem König die Offiziere der „Hohenzollern" vor. Alsdann begann die Tafel.

Nach der Tafel blieben der Reichskanzler, Mini­ster San Giuliano, Staatssekretär v. Jagow und Bot­schafter Bollati geraume Zeit in einer längeren Unterhaltung vereinigt. Die Konferenz dauerte dreiviertel Stunde.

Nachmittags stattete das italienische Königspaar der Prinzessin Heinrich von Preußen im königlichen Schloß und dem Fürsten von Monaco auf seiner Jacht „Hirondelle" einen Besuch ab. — Den Abschluß der Monarchenzusammenkunst bildete eine Abend­tafel an Bord der „Trinacria". Kurz vor 8 Uhr* ließ sich das deutsche Kaiserpaar von Bord der „Hohen­zollern" nach der „Trinacria" übersetzen, wo es von dem italienischen Königspaar begrüßt wurde. Neben den in Kiel anwesenden prinzlichen Herrschaften war noch der Reichskanzler und die in Kiel anwesenden deutschen und italienischen Staatsmänner sowie die Spitzen der Marine und der städtischen Behörden ge­laden. Die Gäste verließen kurz vor 11 Uhr die ita­lienische Königsjacht. Das Kaiserpaar fuhr nach der „Hohenzollern" zurück. Wenige Minuten nach 11 Uhr lichtete die italienische Königs­jacht die Anker und fuhr, gefolgt von dem ita­lienischen Kreuzer „Amalfi", unter dem Salut der deutschen Kriegsschiffe aus dem Hafen. Zwei deutsche Hochseetorpedoboote gaben der „Trinacria" das Geleit. Am Deck der Kriegsschiffe, welche die „Trinacria" passierte, hatten die Wachen Aufftellung genommen und Hornsignale ertönten. Auf den Flagg­schiffen spielte die Musik. Die seewärts liegenden Schiffe feuerten den Königssalut.

Vas Münchner KinM.

32] Roman von Felix Nabor.

„Das ist doch selbstverständlich", erwiderte Herr v. Sandow. Du bist nicht nur der Erbe meines Stammes, sondern auch der Erbe meiner Kunst. Du sollst das große Werk, das ich begonnen habe, voll­enden und unfern Namen hinaustragen über die Stadt — in die ganze Welt. Mit dem Fürsten wirst du sreilich deine liebe Not haben. Er ist eine ex­zentrische und sprunghafte Natur und verwirft mor­gen, was heuto>'vereinbart wurde. Wenn du aber konsequent auf deinem Willen beharrst, wirst du immer Sieger sein. Ueberdies findest du in der Fürstin Ilona eine Bundesgenossin. Sie ist jung, schön, fein gebildet, besitzt hohen Kunstsinn und be­herrscht ihren Gatten, der um fünfzehn Jahre älter ist als sie, sowohl durch Schönheit, wie arich durch ihren hochfliegenden Geist. Daß er in der Ostmark ein halb Dutzend Schlösser und ungeheuren Grund­besitz hat, wird dir bekannt sein. Nun will er seine Millionen in möglichst feudaler Weise in Berlin ver­zehren. Vielleicht macht er nebenbei auch in Speku­lationen, jedenfalls aber ist er Repräsentant des Deutschtums in der Ostmark, auf den man große Hoffnungen setzt. Als Politiker ist er sehr vorsichtig und bei der nächsten Wahl ist ihm ein Reichstags­mandat sicher; dazu kommt noch ein weiteres: er ist bei Hof persona gratisiima! Alles in allem: ein Mann von Bedeutung, sowohl im politischen, wie auch im wirtschaftlichen und tm Kunstleben, der in der Zukunft sicher eine hervorragende Rolle spielen wird. Das istso ziemlich alles, was über den Für­sten zu sagen ist und ich teile es dir mit, damit du orientiert bist- —

«Ich danke dir. Ist die Einrichtung für das Pa­lais schon angekauft?"

„Ja. Es gilt jetzt nur, alles mit künstlerischem Neschmacke zu arrangieren und den einzelnen Ge-

• anzupassen. Die nötigen Notizen habe ich unö. gebe sie dir. Die Fürstin wird dir in i - -eite stehen — aber die Zeit drängt. Im Noveawcr soll die Eröffnung des Hauses durch einen glänzenden Festakt Gefeiert werden und die Fürstin

Je? Stand die Witwen- und Waisen- Stener vor der Türe?

In den Zeitungsrückblicken auf die Reichstagsver­handlungen wird diese Frage immer von neuem be­rührt, und sie ist ja auch von entscheidender Bedeu­tung, wenn man das Kompromiß vom Standpunkt des kleineren Uebels betrachtet.

Die Konservativen, die leider den Anschluß nicht gefunden haben, suchen es so darzustellen, als ob die Gefahr der Wiederbelebung der alten Erbanfallsteuer von 1009 gar nicht so groß gewesen sei. Demgegen­über liegen zwei neue Zeugnisse vor, die Beachtung verdienen: eine Ausführung des nationalliberalen Parteileiters Bassermann und ein Bericht der Täglichen Rundschau über die Vorgeschichte der Steuervorlagen.

Die „Tägl. Rundschau" ist gewiß keine Autorität; aber sie hat in diesen Dingen offenbare Fühlung mit Eingeweihten, wie sich schon früher gelegentlich ge­zeigt hat, und ihre Darftellung wird durch die sonst bekannt gewordene Tatsache unterstützt. Das Blatt hebt zunächst hervor, daß im Bundesrat nicht nur eine Mehrheit für die Erbanfallsteuer gewesen sei, sondern vielmehr der gesamte Bundesrat. So­gar der bayerische Ministerpräsident habe (unter Zu­rückstellung seiner persönlichen Ansicht) die Zu­stimmung Baverns in Aussicht gestellt für den Fall, daß eine erhebliche Mehrheit im Bundesrat sich für die Erbanfallsteuer erkläre. (Das ist, nebenbei be­merkt, keine neue Enthüllung, da Frhr. v. Hertling bereits bald nach seinem Amtsantritt die Absicht kundgegeben hatte, an der Stellungnahme der frühe­ren bayerischen Regierung im Jahre 1909 festzuhal­ten.) Die „Tägl. Rundschau" erzählt dann weiter:

„Daß der Bundesrat die Erbanfallsteuer wollte, war dem Reichskanzler genau bekannt. Er hat aber die Erbanfallsteuer nicht vorgeschlagen, und er hat dies im Bundesrat damit begründet, daß er mit Rücksicht auf die Konservativen und daS Zentrum, deren Unterstützung er zur Bewilligung der Heeresvarlage unumgänglich brauche, die E'banfallfteuer nicht vor- schlagen könne. Dafür hat sich allerdings der Reichs­kanzler mit seiner Persönlichkett eingesetzt, und eine Mehr­heit im Bundesrat hat ihm beigepflichtet, d. h. diese Mehrheit hat sich nicht etwa gegen die Erbanfallsteuer erklärt, sondern sie hat es nur gebilligt, daß unter den obwaltenden Umständen der Reichskanzler die Erbanfall­steuer nicht Vorschlägen könne.'

Das wird stimmen, und darin liegt der klare Beweis, daß die Erbanfallsteuer im Bundesrat durch­gegangen mitte, wenn der Reichstag sie in den Deckungsplan wieder eingesügt hätte.

Die»Tägl. Rundschau' erzählt ferner noch, der Reichskanzler habe seinerseits schon die Reichsver- mögenszuwachssteuer dem Bundesrat vorge- schlagen. Da aber die süddeutschen Staaten, Sachsen, die Hansastädie und einige Kleinstaaten Widerspruch erhoben, habe der Reichskanzler darauf verzichtet, diese Steuer zum Hauptstück der Deckungssrage zu machen. Aber er habe darauf gedrungen, daß die Zuwachssteuer wenigstens alS Ergänzungssteuer in die Vorlage hineinkäme. Auf diese Mitteilungen brauchen wir hier nicht näher einzugehen, da es sich augenblicklich darum handelt, die ernste Gefahr einer Auferstehung der Erbanfallsteuer nachzuweifen.

Daß im Reichstag eine Mehrheit für die Erb­anfallsteuer vorhanden war, ist notorisch. In der Rechtspresse wird dagegen angeführt, daß diese Mehr­heit nur mit Hilfe der Sozialdemokraten hätte gebil­det Inerben können und daß die nationalliberale Par­tei unmöglich mit der Sozialdemokratie sich in ein Steuerkompromiß hätte einlassen können. In dieser Hinsicht ist folgende Ausführung des Abg. Basser­mann in der „Nat.-Ztg." von Interesse:

hofft sogar auf das Erscheinen der Majestäten! Du siehst also, welche Perspektiven sich dir eröffnen, falls du dich als künstlerischer Beirat des Fürsten be-

„Du sollst mit mir zufrieden fein! Nicht um­sonst habe ich meine Kunststudien in Frankreich, Spanien, Griechenland und Italien betrieben. Jetzt will ich zeigen, was ich kann."

Leo v. Sandow nickte. „Das ist indessen nur eine Vofftuse", sagte er. „Eine ungleich größere Arbeit, ein höheres Ziel harrt deiner! — Es bereitet sich Großes in unserer Stadt vor. In Finanz- und Künstlerkreifen wird die Erbauung eines großen, modernen Opernhauses geplant, eines Monumental­baues, der einzig in seiner Art und eine Zierde der Reichshauptstadt werden soll."

. Hardy war vor Erregung aufgesprungen. „Vater", rief er, „also darum hast du mich an deine Seite gerufen?"

„Ja — darum! — Deine Zeit ist gekommen! Nun zeige, ob du der Himmelsstürmer bist, den ich in dir vermute. Ein neuer Michelangelo! —"

Hardy ging ruhelos hin und her; sein Gesicht glühte, alle seine Nerven bebten vor Erregung und Erwartung. „Nun sollen meine Träume Wirklich­keit werden", rief er, „und ich darf ein greifen in das Rad der Zeit. Das ist herrlich!"

„Setze dich zu mir", sagte sein Vater, „ich will dich in den Plan einweihen. Der Platz, auf den das Opernhaus zu stehen kommt, ist bereits unter der Hand angekauft — du bist der erste, der mit seinen Plänen und Entwürfen beginnen kann. Es wird zwar ein Preis-Wettbewerb ausgeschrieben, aber man kennt ja diese reine Formsache — und so, wie die Dinge liegen, werden die Preisrichter kaum an dir vorübergehen können. Denn einer der Haupt- aktionäre des Unternehmens — bin ich."

„Alle Wetter!" rief Hardy. „Das ist freilich ein Wort —"

«Eben. Die einflußreichste Person ist aber — Fürst Ostrawitz!"

«Ah — das sind Ueberraschnngen!" . . .

„Nicht wahr! — Wir wollen übrigens vorderhand alle persönlichen Beziehungen und die finanzielle I

«Für die Deszendentensteuer roar eine Mehrheit vorhanden und es konnte mit ihr ein Steuerbetrag von 80 Millionen aufgebracht werden. Da nun aber der Bedarf 20u Millionen betrug und es sicher war, daß für dieie Summe eine Uebereinftimmung mit der Sozial­demokratie nicht zu erzielen war, ergab sich mit Not­wendigkeit für die liberalen Fraklionen die Bereitwillig­keit zu euier Einigung mit dem Zentrum. Freilich roar diese Einigung nur möglich, wenn das Zentrum die Deszendentenbesteuerung akzeptierte."

Der letztere Satz bestätigt geradezu, daß es unbe­dingt notwendig war, die Heranziehung des Kindes­erbes in die allgemeine Zuwachssteuer (unter mil­dernden Bedingungen) zuzugestehen. Im übrigen verschweigt Herr Bassermann diplomatisch ein Stück von seiner Taktik. Die Nationalliberalen konnten ffeilich nicht ganze 200 Millionen Mark mit Hilfe der Sozialdemokratie sofort zur Verfügung stellen; aber es blieb noch der Ausweg, daß man die Deckungsvor­lagen sämtlich oder teilweise verschleppe. Dann ergab sich sofort wieder die Möglichkeit, die Erban­fallsteuer mit der Sozialdemokratie durchzusetzen. Es ist ja in frischer Erinnerung, daß die nationalliberale Führung sich bis zum Kompromiß vorsichtig weigerte, für die unbedingte und gleichzeitige Erledigung aller Vorlagen sich verbindlich zu machen.

Wir hätten in der Tat eine Belastung des Gatten- und Kindererbes von 80 Mil­lionen bekommen, wenn nicht das Kompromiß zu­stande gekommen wäre.

Deutsches Keich.

•# Berlin, 3. Juli 1912. In den nächsten Wochen weilt eine von der Regierung ein berufene Sachver­ständigenkommission zusammen, um die Wünsche der Weingulsbesitzer bett. Bekämpfung des Reblausgesetzes vorzuscblagen.

)( Des Kaisers Tank. Aus Anlaß der Verab­schiedung der Wehrvorlage hat der Kaiser dem Reichs- k a n z l e r Dr. von Bethmann Hollweg die B r i l l a n t e n zum Schwarzen Adlerorden verlieben. Auch zahlreiche Offiziere und Beamte des Kriegsministeriums wurden durch Gnadenbeweise ausgezeichnet So erhielt der Kriegsminister von Heeringen ein wertvolles, den Kaiser darstellendes Oelgemälde, während dem General der Infanterie von Wachs eine prachtvolle Base mit dem Porträt des Monarchen verliehen wurde.

♦* Jundesrat und Wehrvorlagen. Der Bundesrat stimmte gestern der Ergänzung des Gesetzes über die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres und dem Besoldungsgesetz, sowie zur Aenderuag des Mannschaftsversorgungsgesetzes, dem Gesetz über den einmaligen außerordentlichen Wehrbeitrag, den Aenderungen im Finanzwesen, dem Besitzsteuer­gesetz und der Aenderung des Reichsstempelgesetzes zu. Der Entwurf zur Abänderung des Militär- strafgesetzbuchs wurde dem zuständigen Ausschuß überwiesen. Ferner stimmte der Bundesrat dem An­trag Sachsens betreffend die Ausprägung einer weiteren Million Dreimarkstücke als Denkmünze an­läßlich der Einweihung des Bölkerschlachtdenkmals in Leipzig zu. Zugestimmt wurde auch dem vom Reichstag angenommenen Gesetz zur Abänderung des Besoldungsgesetzes, dem Reichs- und Staatsangehörig, keitsgesetz und dem Gesetz über die Angestelltenver- stcherung der Privatlehrer.

* Die neuen Steuergesetze. Das Gesetz über Aenderungen im Finanzwesen, wie eines Gesetzes über den einmaligen außerordentlichen Wehrbeitrag ist nunmehr im Reichstage ausgegeben woiden.

* Die Garnisonterung der neuen Truppenteile. Der „Neuen pot. Korr." zufolge tft die Garnifonierung

der infolge der Heeresvorlage bis zum 1. Oktober neuaulzustellenden Truppenteile im Kriegsministerium bereits völlig abgeschlossen. Die neuen Standorte haben sämtlich die entsprechenden Mitteilungen er­halten, und es wird nunmehr unverzüglich mit dem Abschluß der Verträge und der Ausstellung bezw. Ausführung der Bauentwürfe für die zur Unter­bringung der neuen Truppen erforderlichen Bauten begonnen werden.

** Die tzandwerkskonferenz, die, wie schon gemeldet, in den letzten Tagen im Reichsamt des Innern statt- land, soll zu einem Verständnis zwischen den Kommissaren der Reichsregierung und den Vertretern des deutschen Handwerks in allen wesentlichen zur Verhandlung stehenden Punkten geführt haben. In absehbarer Zeit soll eine neue Besprechung mit den Vertretern der Gewerbetreibenden statlfinden, und im Anschluß daran ist die Einberufung einer großen Hand Werts konferenz in Aussi bt genommen. Der Termin hierfür ist noch nicht bestimmt.

(*) Die Trauerfeier für den Abg. Grafen v. Kanih fand gestern nachmittag in Berlin in der evangelischen Dreifaltigkeitskirche statt. Im Namen des Kaisers hatte Hausmarschall Frhr. v. Ninckert, im Namen der Kaiserin Oberhofmeister v. Bürbach, im Auftrag« des Reichskanzlers Unlerftaalssekretär Wahnschaffe einen Kranz niederpelegt. Ter Reichstag roar ver­treten durch den Präsidenten Dr. Kämpf und den Vizepräsidenten Dove, welche einen großen Kranz mit den deutschen Farben und einer Widmungsschleife »Der Reichstag" überbrachten. Im Namen des Ab­geordnetenhauses legte Graf Schwerin-Lowitz und für das Herrenhaus Präsident v. Wedel-Piesdorf einen Lorbeerzweig an der Bahre nieder. Kränze hatten auch die konservativen Fraktionen des Reichstags und des Abgeordnete! Hauses gesandt; ein prachtvolles Arrangement trug die Aufschrift: .Die Zenlrums- fraktion des Reichstags". Nach der Trauerfeier wurde die Leiche nach Podangen überführt.

+ Für die Reichstags - Ersatzwahl im Wahlkreise Landshut (Niederbayern), die durch den Tod des Zentrums-Adg. Frhtn. v. Malson erforderlich gewor­den ist, hat das Zentrum den Reichsrat Fniherrn v. Kretin als Kandidaten ausgestellt.

Unterlage völlig ausschalten und nur die künstle­rischen fragen im Auge behalten. Du sollst ein Meisterwerk schaffen! — Ein Werk, das der Stadt zur Zierde gereicht und dem zukünftigen Städtebild sein typisches Gepräge gibt. Die Stilfrage zu lösen ist deine Sache — aber wenn du sie in befriedigender Weise lösest, so eröffnet sich dir eine so glänzende Laufbahn, wie keinem anderen Baumeister der Welt."

„Ich verstehe dich," rief Hardy, „Berlin ist auf dem Wege, es den größten Weltstädten gleich zu tun — oder sie noch zu überflügeln. Vor allem in seinen Monumentalbauten — und ich soll ihr das Siegel der künstlerischen Vollendung auf die Stirne drücken. Das ist r' n lange mein heißester Wunsch — jetzt geht er feiner Vollendung entgegen." Er drückte seinem Vater fest die Hand und sagte: „Ich werde deine Erwartungen erfüllen und unserem Namen Ehre machen. Die Welt soll mein Werk bewundern und meinen Namen preisen: ein König will ich sein im Reiche unserer Kunst!" —

Sein Baier erwiderte den Händedruck und glaubte an seinen Sohn; er sah, daß in Hardy« Augen das helle Feuer einer Tatkraft flammte, welche nur die Jugend besitzt — und das Genie.

Von diesem Tage an begann für Hardy eine Zeit fieberhafter Tätigkeit. Vom Morgen bis in die Nacht hinein war er auf den Beinen, treppauf und treppab, lief von Zimmer zu Zimmer in dem Palais des Fürsten. Dazu kamen noch zahlreiche Konfe­renzen mit dem Fürsten und der Fürstin, gesellschaft­liche Verpflichtungen in den Klubs, denen er ange­hörte, Hunderte von Fahrten durch die Stadt — in der Straßenbahn, der Droschke, im Auto. Oft fah er Annie nur eine halbe Stunde während des Diners; dann aß er hastig, sagte ein paar freundliche Worte und Ivar wieder weg, um erst gegen Mitternacht nach Hause zu kommen und sich erschöpft ins Bett zu wer­fen. Aber am andern Morgen um sieben war er dann schon wieder auf seinem Posten im Büro. Er chien Muskeln und Nerven von Stahl zu haben, und als ihn Annie einmal bat, sich doch zu schonen, er­widerte er ihr lachend: „Aber das ersehnte ich ja eit langem: diese fieberhafte Tätigkeit, die alle Kräfte aufs äußerste anspannt. Arbeit, tausendfache Arbeit — siebe: Das iit Leben!"

Ausland.

△ Die Freimaurer gegen die belgischen Missionäre im Kongo Die Verdächtigungen und Bedrückungen von Seite der meist sreimaurerifchen Kolonial­beamten im belgischen Kongo gegen die Missionäre dauern fort. Der apostolische Vikar Dious Roclens vom Oberkongo hotte sich darüber bei dem Kotonial- minister Renkm beschwert. Der Minister sah sich aber zu keinem Einschreiten gegen die Beamten ver- jpla6t; weshalb nun sämtliche im Kongostaat tätigen Missionen solidarisch Schutz gegen die ihre Autoriiät untergrabende Lage von der Regierung erbaten und gegen die parteiische Führung von Ünterfuchungen protestierten. Einer der wütendsten Gegner der katholischen Missionen ist der Sozialistenführer Vanderfelde.

» Spanien. Der Finanzminister bezeichnete im Ministerrat die finanzielle Lage als befriedigend und betonte, daß die Einnahmen im ersten Halbjahr 1913 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres eine Zunahme von 40 Millionen aufroeifen. Gleichwohl werde die Regierung in dem Budget für 1914 neue Steuern auf Er bschaften mro Grundbesitz unter besonderer Heranziehung der leistungsfähigen Volks- klassen Vorschlägen.

_ ** Beabsichtigtes Attentat aus den König von Spanien. Als der König von Spanien auf dem Wege vom Ministelrat im Automobil das Haupttor des

Sie wußte, daß der Mann von seinem Berufe in Anspruch genommen wird, aber so hatte sie sich das doch nicht gedacht. „Man ist doch nicht allein Ar­beitsmaschine, sondern auch ein Mensih mit Pflich­ten gegen feine Frau, mit froher Rast nach arbeits­reichen Tagen im traulichen Heim", dachte sie. Aber das gab es nicht bei Hardy; er erschien ihr wie ein einig rollendes Rad. Eine leise Verstimmung trat bei ihr ein. Von seinen Plänen sagte er ihr nichts, von den hohen Zielen, denen er zustrebte, hatte sie keine Ahnung; er ließ sie keinen Blick in fein Inne­res tun. _Das kränkte sie. Sie hatte geglaubt, feine treue Gefährtin fein zu dürfen, teilzunehmen an sei­nen Kämpfen und Sorgen, hatte gehofft, eine freu­dige Mitstreiterin zu werden im Lebenskämpfe — statt dessen mußte sie zusehen, wie er sich mühte, wie er rang und strebte, ohne daß er sie an seine Seite rief. In den Minuten, welche er in ihrer Gesell­schaft znbrachte, verlangte er, daß sie heiter sei, daß sie lache und ihm Dinge erzähle, die ihn fröhlich stimmten: aber sobald die Stunde der Arbeit schlug, schob er sie zur Seite, wie eine hübsch gekleidete Puppe, stieß sie zurück wie ein zierliches Svielzeug.

Hardy von Sandow war ein Genie in seinem Berufe, ein Held der Arbeit; aber er war kein klu­ger Gatte, weil er über der Arbeit seines jungen Weibes vergaß, das sich in Liebe nach ihm sehnte.

Annie war fast immer allein. Mit ihrer Schwie­germutter, die durchs gesellschaftliche Verpflichtungen und ihren Wohltätigkeitsverein vollauf in Anspruch genommen war, *raf sie nur selten zusammen. Das große Haus erschien ihr oft wie ansgestorben und sie die einzige lebende Seele in ihm: dann fröstelte sie und sie flüchtete in ihre Münchner Stube, um sich auszuweinen. Das Heimweh erfaßte sie und sie gedachte ihres Vaters und all der Sieben, die sie in der Heimat zurückgelassen batte. Oft nahm sie sich vor, Papa zu schreiben, ihm ihr Leben zu schil- dem, aber immer wieder gab sie ihr Vorhaben auf; denn die Wahrheit wollte und durste sie ihm nicht enthüllen, um ihn nicht zu beunruhigen — und so wurde aus dem längst versprochenen ausführlichen Briese immer nur eine nichtssagende Ansichtskarte mit den üblichen „Grüßen und Küssen."

(Fortsetzung folgt.)