Fuldaer Zeitung
Amt Geisa und Umgebung.
* Geisa, 2. Juli 1913. Dem Rechnungsamtsak» zessisten Hermann Malsch wurde unter Verleihung der Dienstbereichaung .Rechnungsamtsassistent" die Assistentenstelle bei dem Großberzogl. Rechnungsamt in Vacha übertragen. — Rechnungsamtsassistent Oetzel aus Vacha wurde zum Revisionsafsistenten in der Rechnungsrevision des Ministerialdepartements der Finanzen in Weimar ernannt.
* Tiefenort, 2. Juli 1913. Der Bergmann Rüg von hier wurde im Schacht Dönges am Kopfe erheblich verletzt, so daß er nach Meiningen gebracht werden mußte.
* Dorndorf, 2. Juli 1913. Die neue chemische Fabrikanlage der Kaligewerkschast „Heiligenroda" wird demnächst in Betrieb genommen. Die Gewerkschaft „Heiligenroda" beabsichtigt hier eine größere Anzahl Ärbeiterhäuser zu errichten, um den demnächst in der großen chemischen Fabrik zu beschäftigenden Arbeitern günstige Wohnhausverhältnisse xu gewähren.
* Oechsen, 2. Juli 1913. Das von der Gemeinde Oechsen beschlossene Ortsstatut über die Erhebung der Gemeindesteuern ist landesherrlich bestätigt worden. Das Gesetz sieht eine stufenweise Erhebung der Gemeindeumlagen von 0,5 bis 4 Prozent vor.
ständig steigende Erfolge zu verzeichnen gehabt. Schon im ersten Jahr, 1910, wurde der Branntweinverkauf, der jährlich ca. 27 000 Liter betrug, völlig eingestellt. Der Bierkcnsum sank seit 1910 von 6000 Hektolitern auf 1265 Hektoliter im letzten Jahr: diese Menge wird aber lediglich in Flaschen an die Haushaltungen der Beamten und Arbeiter geliefert. In der Fabrik selbst wird Alkohol nicht mehr abgegeben. Dagegen steigt der Verbrauch alkoholfreier Getränke ganz bedeutend.
* Weilburg, 2. Juli 1913. Hebet die Versorgung des Oberlahnkreises mit Elektrizität sind mit den BuderuSschen Eisenwerken und den Mainkrastwerken in Höchst Verträge zustande gekommen.
* Aus dem Grotzh. Heffen. 1. Juli 1913. Gegenwärtig machen etwa 100 Mitglieder des Hessen- Darmstädter Volksfest-Vereins in New Aork eine Reise durch Heffen. In den größeren Städten, insbesondere Darmstadt und Worms, wurden Festlichkeiten zu Ehren der Landsleute „von drüben" veranstaltet. Ter Großherzog empfing acht Herren von der Leitung der Reisegesellschaft und die Großherzogin sämtliche Damen der Deutsch-Amerikaner. — Die neugegründete Zentralkasse der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften e. G. in. b. Ö., der als nächste Aufgabe die Mitarbeit au dem Ge- sundungswerk des hessischen Genossenschaftswesens zu- fällt, hielt heute nach einvierteljährigem Bestehen ihre erste Hauptversammlung im Beisein von Vertretern der hessischen Ministerien, der preußischen Zentral- Darlehnskaffe, der Reichsbank, des Reichsoerbandes der landwirtschaftlichen Genoffenschaften usw. ab. Der I Geschäftsbericht zeigte, daß in kurzer Zeit schon Ersprießliches geleistet und mancher sinkenden Genossen- fchast geholfen wurde.
Aus dem Nachbargebiete.
y Oberufhausen, Kr. Hünfeld, 1. Juli 1913. Die- I ser Tage traf der am 8. v. M. in St. Ottilien (Bay- I ern) zum Abte von Korea geweihte Pater I Bonifatius Sauer aus dem Benediktiner- I orddn hier zu Besuch ein. p. Bonifatius ent- I stammt einer hiesigen achtbaren Bürgerfamilie; feine I Mutter lebt noch, während der Vater vor zwei Iah- I reu als hochbetagter Greis gestorben ist. Der Hoch- I würdigste Herr Abt wirkte seit den letzten vier Iah- I ren als Prior in St. Benedikt of Seoul (Korea), wo I er sich in der baulichen Leitung der neu errichteten I Missionsstation große Verdienste erwarb. Seine I Schwester, die dem Orden der Benediktinerinnen an- I gehört, ist gegenwärtig in der Mission Dar es Salam I als Ordensschwester tätig, p. Bonifatius wurde vor zehn Jahren in St. Ottilien zum Priester geweiht und feierte am 2. August 1903 in der hiesigen Pfarr- I kirche sein erstes heiliges Meßopfer.
* HerSseld, 2. Juli 1913. Die Stadtverordneten bewilligten als Kaiserjubiläumsstiftung 10000 Mark für die Errichtung eines Armenhauses. Die Summe soll durch jährliche Raten von 500 Mark aufgebracht werden.
* Kassel, 2. Juli 1913. Der diesjährige Raiffeisen-Verbandstag, der stets einen nach tausenden zu zählenden Besuch aus dem ganzen Hessenlande nach Kassel bringt, wird in den Tagen vom 16. und 17. Juli hier äbgehalten werden. — In der Nacht zum Dienstag raubten Einbrecher aus einer Restauration in der oberen Bahnhofstraße die Wechselkasse aus, wobei ihnen einige dreißig Mark in die Hände gefallen sind, taten sich dann an den vorhandenen Speisen und Getränken gütlich und sind ungesehen wieder verschwunden. — Ein fremder Reisender des gestern nachmittag von Frankfurt a. M. hier eintreffenden Schnellzuges war im Zuge von einem plötzlichen Unwohlsein befallen worden. Er ließ sich durch einen Krankenfahrstuhl nach dem Ausgange des Bahnhofs fahren, um in einem Krankenhaufe Aufnahme zu finden. , Im Portal des Bahnhofes wurde er jedoch von einem H e r z f ch l a g betroffen und verschied auf der Stelle. Der Verstorbene war als Kurgast in Bad Ems gewesen und befand sich auf der Heimreise nach Norddeutschland.
* Kassel, 2. Juli 1913. Der heutige Zuchtschweinemarkt hatte einen Gesamtauftricb von 2087 Stück Tieren aufzuweisen. Es entwickelte sich, ! da viele Käufer erschienen, ein sehr flottes Geschäft, sodaß nur ein geringer Ueberstand verblieb. Es wurden gezahlt: für Ferkel bis sechs Wochen alt 10 bis 14 Mk. von 6 bis 8 Wochen alt 13 bis 20 Mk., von 8 bis 13 Wochen alt 21 bis 30 Mk. Für Läufer wurden erzielt: von 3 bis 4 Monate alte 30 bis 38 Mk., von 4 bis 5 Monate alte 35 bis 45 Mk. und über 5 Monate alte 45 bis 60 Mk.
* Aus Thüringen, 1. Juli 1913. Bei dem Schützenfest in Steinhof wurde dem Sohn eines Schießbudenbesitzers durch eine Kugel das Auge verletzt, sodaß dieses sofort auslief. Der junge Mann hat die Sehkraft des anderen Auges durch einen gleichen Unglücksfall verloren. — Gestern' nachmittag ist I in Weimar im Alter von 65 Jahren der Hofschauspieler und Dichter Karl Weiser, langjähriger Oberregisseur des Weimarischen Hoftheaters, gestorben. Es war ihm kürzlich ein Bein amputiert worden. In den letzten Tagen trat eine Lungenentzündung hinzu. — Am 20. und 21. September wird in C o b u r g ein außerordentlicher thüringischer Sängertag stattfinden. — Am heutigen Mittwoch wurde der I kommandierende General des 18. Armeekorps in I Ohrdruf erwartet, wo am Donnerstag ein kriegsstarkes Reserve-Jnfanterie-Regiment besichtigt werden soll. — In G r e i z starb im 74. Lebensjahr der Landgerichtspräsident a. D..Dr. Ludwig , Scheibe. — I Die Konvention Sächsisch-Thüringischer Färbereien versendet ein Rundschreiben, in dem angezeigt wird, daß Waren vom 1. November 1913 an nur noch mit einem Ausschlag von 5 % auf alle in der Preisliste enthaltenen Artikel ausgerüstet werden. — Das Schwurgericht in Eisenach verurteilte den Tapezierer Gliem von Eisenach wegen vorsätzlicher Brandstiftung zu 1% Jahren Zuchthaus. — Gestern abend wurde in der Nähe E i s e n a ch s der Arbeiter Greulich von einem Personenzuge überfahren und fast bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Es steht noch nicht sest, ob Selbstmord oder Unglücksfall vorliegt.
st Höchst a. M., 1. Juli 1913. Der seit drei Jcch- I ren geführte Kampf gegen den Alkoholmiß- l b r a u ch in den Höch st er Farbwerken hat
vermischtes.
» g\i:c Geschichte vom bequemen Geldvcrdicnen wirv in Altena in Westfalen mit verständnisinnigem Kopfnicken weiter erzählt. Im Jahre 1911 wurde der praktische Arzt Dr. Thomalla zum Kreisarzt von Altena ernannt, verschwand jedoch nach zwei Jahren sang- und klanglos wieder aus dem Orte, da er ühW die gesundheitlichen Verhältnisse der Stadt
J® 151.
Donnerstag 5. 3nli 19X5.
Literarisches.
Göthes Famt als Wahrzeichen moderner Kultur von Dr Paul Saffner, f Bischof von Mamz. Neu her. ausgegeben mit entern Nachwort von 2. P olt • -aeus. Preis 50 Pf. (Frankfurter zertgem. Broschüren. Band 32 Heft 3. Steer u. Thiemann, Kein^andc^es Erzeugnw "her deutschen
eine so vielseitige Behandlung gefunden. Em trnmer aufs neue durchforschtes Feld Historischer, ästhetischer und philosophischer Untersuchungen ,st Göthes Faust gew,ne maßen zum Wahrzeichen der modernen Kultur und der deutschen Bildung insbesondere geworden zum JB««g» in dem die Geister sich finden und scheiden. Diese Handlung dürfte nicht unwillkommen sem, insofern fiLj
2. Blatt.
vruck der 5uldaer Aetie»dr»e«rei ilk z»lda.
Aus Oberhessen u- den Hess. Remtern.
* Marburg, 2. Juli 1913. Die Königin-Mutter von Italien hat mit ihrer Vertretung bei der J a h r- h u n d e r tf e i e r des Jäger-Bataillons den Militär- attachee bei der italienischen Botschaft in Berlin, Obersten Calderari, beauftragt. — Die hiesigen Aerzte kündigten die Verträge mit der hiesigen Ortskrankenkasse auf 1. Jamtar 1914.
A Marburg, 2. Juli 1913. Heute mittag tagte hier unter sehr zahlreicher Beteiligung die diesjährige Hauptversammlung des Obstbauvereins für den Re g.-B e z. K a s s e l. In feinem Geschäfts- bericht wies der Geschäftsführer Huber-Oberzweh- ren auf die bedauerliche Tatsache hin, daß wegen der in Aussicht stehenden schlechten Obsternte in diesem Jahre Wohl alle Veranstaltungen des Vereins ihren Zweck verfehlten. Von diesem Gedanken ausgehend, habe auch der Hauptvorstand beschlossen, die für dieses Jahr in Hofgeismar bestimmte B e z i r ks- Obstausstellung ausfallen zu lassen. Wie es mit dem Kasseler Obstmarkt gehalten werden solle, stehe noch nicht fest. Für die Bezirks-Obstausstellung im Jahre 1915 wurde Hofgeismar in Aussicht genommen, die diesjährige soll ausfallen. Der Vorsitzende des Kreisobstbauvereins Marburg, „ Winterschuldirektor Schlicht, referierte dann über den Stand des Obstbaues im Kreise Marburg. Er wies darauf hin, daß der Kreis Marburg bei der letzten Obstbaumzählung bezüglich der Zahl der Bäume an der Spitze gestanden habe, über die Hälfte davon entfalle aus Pflaumen- und Zwetschenbäume. Bezüglich der mit Obst bepflanzten Flächen nehme der Kreis Marburg die vierte Stelle ein. Der Kreis । Marburg sei mit seinem Obstbau in der Entwicklung begriffen. Der Geschäftsführer des Obstbauvereins gab dann beherzigenswerte Winke über Ernte, Ä u s l a g e und V e r k a u f des Obstes. Bei der sich anschließenden Aussprache gedachte man besonders der Bekämpfung der Baumkrankheiten und der verschiedenen Schädlinge. An die Versammlung schloß sich ein gemeinsames Mahl an und dann erfolgte eine gemeinsame Fahrt mit der Kreisbahn, die einen Sonderzug eingelegt hatte, nach Wittelsberg und Holzhausen, wo eine Besichtigung der weitbekannten Obst- und Gartenanlagen des Freiherrn von Stumm stattfand m ,
# Ziegenhain, 2. Juli 1913. Seinen Verletzungen erlegen ist der Schmiedemeister W a h l im benachbarten Zella, der von einer Kuh, die er nach Salms- Hausen hatte bringen wollen, und durch ein Auto scheu geworden wär, geschleift wurde.
* Felsberg, 2. Juli 1913. Der hiesige T u r n- herein Eintracht feierte am 5 6. und 7. Juli da? Fest seines 50jährigen Bestehens. Zu diesem Feste sind sämtliche Vereine des Fuldä-Eder-Gaues I eingeladen, und es haben bereits 41 ihre Teilnahme zugesagt. Die Staatsbehörde, sowie die städtische Behörde haben einige wertvolle Preise gestiftet.
* Gudensberg, 2. Juli 1913. Rektor P. Wicken- h o r s e r , der Leiter unserer Stadtschule, wurde zum Mitgliede der Prüfungskommission für die 2. Lehrerprüfung in den Kreisen Fritzlar und Hofgeismar ernannt.
Lokales.
Fulda, 3. Juli 1913. j
ch Persoualnosiz. Der von hier gebürtige Eisenbahn« gehilse Ludwig Liebig, welcher in der Fahrkarien. ausgabe u. Gepäckabfertigung des preußisch-russischen Grenz« und Uebergangsbahnhofes Skalmierzyee be» schästigt ist, bestand am 30. Juni ds. Js. vor der Prüfungskommission der Kgl. Eisenbahnvtrektwn tn Posen die Prüfung zum Eisenbahn-Unterafftstenten I mit dem Prädikat „Gut". „ _
* Personalien. Staatsanwaltschaftsrat Bauer I i« Raffel ist als Amtsgerichtsrat nach Halle a. S. »ersetzt worden. — Assessor Köthe in Hanau wurde mm Staatsanwalt in M.Gladbach ernannt. — Der mm 1. Oktober als Postassistent nach Fulda versetz!- Postverwalter Kaufhold ist in Abterode tätig und nicht in AbtSroda, wie gestern infolge eines Druckfehlers gemeldet wurde.
# Verliehen wurde dem Generalleutnant z. D. kklingelhöffer zu Gießen der Stern zum Kronenorden zweiter Klaffe, dem Bildhauer Sommer in Hanau das Verdienstkreuz in Silber, dem Haus- oiener Löschengrub er in Hanau das Kreuz des »llgemeinen Ehrenzeichens, den Schneidern Acker ! and List berg er zu Frankfurt a. M. das allgemeine I Ehrenzeichen in Bronze.
L Jubiläumsfeier im Kloster Frauenberg. Der «estrige Tag verdient in der Chronik des Klosters Frauenbera eine ehrenvolle Erwähnung. Er galt dem in Fuldas Stadt und Land wohlbekannten und allverehrten k. Eust ach Kircher, gebürtig aus Hün- seid. Er schaut in diesen Tagen auf volle fünfzig Jahre arbeitsreichen Ordenslebens in der großen Familie des hl. Franziskus zurück. Wie sehr auch außerhalb des Klosters die Person und rege Seel- I sorgStätigkeit der greisen Jubilars geschätzt wird, zeigte am Morgen die starke Beteiligung der Stadt» und Landbevölkerung an der kirchlichen Feier. Die I geistliche und weltliche Behörde der Stadl war ent- sprechend vertreten. Der Jubiläumsmesse assistierte vom Throne auS der Hochwürd. Herr Erzbischof p. Dioysius Schuler. In einer Ansprachezeich- I nete der hoch». P. Provinzial Saturnin Goer I mit trefflichen Worten den langen Lebensweg des Jubilars. Der Weg führte ihn einst in stürmischen I Tagen auf viele Jahre auch in die Berge und Täler Tirols, wo noch jetzt bei alten Leuten der Seelen- I -ifer des jungen P. Eustach im besten Andenken ist. I Die kirchliche Feier vollzog sich ganz in der Ordnung, die das offizielle Rituale des Ordens angibt. Em ergreifender Augenblick war es, als der Provinzial. I obere in dreimaliger Folge den Segen der heiligsten I Dreifaltigkeit auf den P. Jubilar herabrief und diesem den von wohltätiger und kunstgeübter Hand gear- I beiteten Jubelkranz aufs weiße Haupt setzte. Zum Schluffe erteilte der Hochw. Herr Erzbischof den sakramentalen Segen. Am Nachmittag ward zu I Ehren des Herrn Jubilars eine Festakademie I veranstaltet, welcher der ganze Konvent und eine I stattliche Anzahl von Freunden und Gönnern des Klosters anwohnte. Ein Festmarsch für Klavier, Harmonium und Geige diente als Einführung. Es I folgte ein Begrüßungswort des hochw. Provinzial- I obexn, ein vierstimmiger Festgesang, welcher überleitete I zu der Festrede des Pr.Neupnesters Victor Hirsch le: Di- Orden und ihre kulturelle Bedeutung in unserer Zeit, der formvollendet und in strenger Sachlichkeit zeigte, wie notwendig auch der modernen I Welt die Orden der katholischen Kirche sind. Zum Vortrag gelangten alsdann noch mehrere für das Fest eigens verfaßte Gedichte und Musikstücke sowie die zwei klastischen Chöre: „Mihi autem adhaerere Deo bonum est“ von Liszt und der Pilgerchor von Rich. Wagner. Die gesanglichen Leistungen der Frauenberger Theologen bei der kirchlichen wie häuslichen Feier verdienen alles Lob und volle Siner» kennung und fanden auch allseitigen Beifall. Gott erhalte, das ist der Wunsch aller, noch recht lange den um die Menschheit so hoch verdienten Jubilar!
-y- Vom Bahnhof SerweiterungSbau. Die Niederlegungsarbeiten der massiven Sandsteinbrücke in der Künzellerstraße schreiten rüstig voran. In den ersten Tagen hofft man den Brückenbogen beseitigt zu haben. Die Legung der Transportgeleise zum An fahren des Materials für die neu zu errichtenden beiden Durchlässe zwischen Künzell» und Edetzellerstraße wurde gestern beendet und sofort in Betrieb genommen. Die Baumaterialien werden durch eine kleine Loko» motive mit mehreren Transportkippwagen befördert. Auch die Ausschachtungsarbeiten zu den Durchlässen gehen flott von statten. Die Bodenbewegungsarbeiten links der Edelzellerstraße machen große Fortschritte. Die abgehobenen Erdmassen werden ebenfalls mittels Lokomobilen und Kippwagen zur Ausschüttung der zu verlegenden Edelzellerstraße, deren neue Führung auf der rechten Seite der jetzigen abzweigt, benutzt. Mehrere Telegraphenleitungen sind auch schon verlegt.
X Schulferien. Am heutigen Tage wird der Unterricht am hiesigen Lehrerseminar geschlossen, während am Gymnasium und an der Oberrealschule die Sommerserien morgen und an den Volksschulen erst am Samstag beginnen.
* Prüfung von Schmieden. Die nächsten beiden Termine zur Prüfung von Schmieden über die Befähigung zum Betriebe des Hufbeschlaggewerbes wer- am 6. September und am 6. Dezember in der Schmiede des Schmiedemeisters Hellwig in Kassel stattfinden. Es werden nur solche Schmiede zu den Prüfungen zugelassen, welche den amtlichen Nachweis erbringen, daß sie die drei letzten Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirk Kassel sich aufgehalten haben.
* Vom Truppenübungsplatz Ohrdruf. Das Scharfschießen der beiden Feldartillerieregimenter Nr. 11 (Kassel) und 47 (Fulda) erreicht am Freitag dieser Woche sein Ende. Beide Regimenter werden von Ohrdruf aus wieder in neun Militärsonderzügen in ihre Garnisonen zurückbefördert. Das Artillerieregiment Nr 47 wird am Samstag 8VS Uhr in Fulda wieder eintreffen. — Vom 8. bis 21. Juli übt dann die Reserve- Feldartillerieabteilung des 11. Armeekorps auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf. Zu diesen Hebungen sind viele Artilleristen der Reserve and Landwehr einberufen worden. '
[] Von der Eisenbahn. In der Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember sollen für den inneren Verkehr jeder Verwaltung und für den direkten Verkehr je besondere Schnellzugzuschlagkarten ausgegeben werden, um feststellen zu können, wieviel Einnahmen bei genauer Abrechnung der Karten des direkten Verkehrs auf die an den Besörderungsstrecken beteiligten Verwaltungen entfallen.
* Kündigung wegen Nichtzahlung des Mietzinses. Ist der Mieter für zwei aufeinander folgende Termine mit der Entrichtung des Mietzinses ganz oder teilweise im Verzug, so darf der Vermieter sofortige Räumung verlangen. In manchen Verträgen ist ihm das Recht schon dann verliehen, wenn der
Mieter mit einer Rate int Verzug ist. In diesem Falle fft es zweifelhaft geworden, ob auch der Rückstand eines Teiles einer Rate zur Kündigung berechtigt. Das Reichsgericht hat dies bejaht. Der Vermieter hat, so führt es aus, ein erhebliches Interesse an der pünktlichen Zahlung des Mietzinses. Diesem Jntereffe ist aber nur dann gedient, wenn der Mieter den vollen Mietzins rechtzeitig zahlt oder doch nur mit einem ganz unerheblichen Teil im Rückstand bleibt.
= Haftpflicht der Lehrer beim Unterricht. Diese für den gesamten deutschen Lehrerstand wichtige Frage ist in den letzten Tagen durch das Reichsgericht in bejahendem Sinne entschieden worden. In Friedberg (Grotzherzogt. Heffen) hatte eine Lehrerin die Erzeugung des Wafferstoffgases in ihrer Mädchenklasse vorzuführen. Obwohl sie alle Vorsicht anwandte und den Versuch vorher zu Hause schon mit gutem Erfolg gemacht hatte, passierte ihr in der Klasse ein bedauerliches Mißgeschick. Beim Experimentieren entwickelte sich Knallgas, die Probierflasche explodierte und ihre Splitter drangen einer Schülerin in das Auge, sodaß dieses auslief. Der Vater des Kindes stellte Schaoenersatzansprüche. Vor dem Landgerichte zu Gießen gaben drei höhere Lehrer das übereinstimmende Gutachten ab, daß die Lehrerin nicht fahrlässig gehandelt habe. Diangel an der für solche Versuche nötigen Vorbildung und eine unzureichende technische Einrichtung sprächen dafür, daß Fahrläffigkeit nicht vorliege, zumal die Lehrerin den Versuch zuvor zu Hause ausprobiert habe. Trotzdem erkannte das Landgericht auf strafbare Fahrlässigkeit. da die Lehrerin die nötige Vorsicht außer acht gelassen habe und die Gefahren des Versuches hätte voraussehen muffen. Diesem Urteil schloß i sich auf erfolgten Einspruch das Oberlandesgericht zu Darmstadt an und jetzt hat auch das Reichsgericht das erstinstanzliche Urteil bestätigt. Damit ist nun zweifellos, daß der Lehrer für Unfälle in der Physik- und Chemiestunde gesetzlich haftbar ist.
— Sommertheater. Für Freitag abend steht Rößlers vornehmes Lustspiel „Die fünf Frankfurter" auf dem Spielplan, das in allen Städten, wo es aufgeführt wurde, eine sehr freundliche Aufnahme gefunden hat. Die Direktion Herrmann hat dem Werk alle Sorg» fallt angedeihen lassen. Die herrlichen Kostüme für diese Vorstellung entstammen einem Berliner Atelier.
Veröffentlichungen herausgegeben hatte, die der preußische Minister des Innern im Abgeordnetenhause scharf kritisiert hat. Er amtiert jetzt in Ohlau tn Schlesien. Als er seinerzeit nach Altena gekommen war, verstand er es, in der Stadtverordnetenversammlung eine wenn auch geringe Majorität für einen Antrag auf Gewährung eines Darlehns von 46 000 Mk., um mit dem Gelbe ein Haus zu kaufen, zu gewinnen. Sein Nachfolger, Kreisarzt Dr. Nolte, übernahm nach dem Weggange Dr. Thomallas das Hans für 60 000 Mk., sodaß also der tüchtige Arzt pro Jahr 7000 Mk. mit dem ihm von der Stadt geliehenen Gelbe verdient hat.
* Was ist sicherer — Luftschiff ober Auto? Dtese Frage hat Graf Zeppelin beantwortet. Auf ein Gratulationstelegramm der Oberprima der Konstanzer Oberrealschule (anläßlich des glücklich verlaufenen Berliner Auto-Unfalls des Grafen) antwortete der Graf: „Den Oberprimanern der Oberrealschule danke ich für den Ausdruck ihrer Freude über meine Erhaltung. Wem sein. Leben lieb ist, der ziehe meine Luftschiffe dem Auto vor. Graf Zeppelin."
* Bon achtzehn Kugeln durchbohrt. Ein eigenartiger Unglücksfall hat sich dieser Tage auf dem Truppenübungsplatz Jüterbogk zugetragen. Bei einer Uebung der Maschinengewehre hat sich cm Mann der Scheibenmannschaft gegen die Vorschrift nicht ans dem Bereich der Scheiben zu gehen, entfernt. Vielmehr hatte er sich niedergelegt und war an der gefährlichen Stelle eingeschlafen. Als nun das Schießen begann, wurde er bald von einer Kugel getroffen. Er sprang auf und die Bedienungsmannschaften der Maschinengewehre mußte bei der großen Entfernung annehmen, daß eine Scheibe aufgezogen würde. Infolgedessen wurde das Feuer verstärkt. Nach Beendigung der Uebung sand man zwischen den Scheiben den leichtsinnigen Schläfer tot und von 18 Kugeln durchbohrt auf. .
* Mit beut Stockdegen erstochen wurde in M a n n- hcim von zwei Brüdern ein 19jähriger Tagelöhner, weil er sich geweigert hatte, den beiden ein Glas Bier zu bezahlen.
* Eine Räuberhöhle in Berlin. In einer knappen halben Stunde erreicht man von einem der Nordbahnhöfe Berlins aus die freundliche Villenkolonie Hermsdorf. Sie liegt ganz in den Wald eingebettet und bietet, wenn man sie durchwandert, das Bild stillen, idyllischen Friedens. Und dieser Wald hat einer, nein, gleich Räuberbanden zum Schlupfwinkel bienen müssen, hat eine richtige-unler- irdische Räuberhöhle umschlossen, genau so wie man sie in den alten Schundromanen dargestellt findet. Eine Höhle, in der man geleerte Flaschen, Speisereste, Zigarren- und Zigarettenstummel, halbnieder- I gebrannte Talglichte in Menge vorsand, also beredte Zeugen dafür, daß sie nicht nur zu Zwecken der Renommage gedient hat, sondern fleißig und regel- i mäßig in Anspruch genommen worden ist. Bon die- flstii Zentralpunkt aus haben die Gauner, es sind I ihrer vorläufig fünf Männer und zwei I Frauen verhaftet, ihre Steifzüge in die glückliche I Umgebung unternommen, haben es mit so viel Er- I folg getan, daß die nördlichen Vororte Berlins seit I einiger Zeit durch ihre Einbrüche berühmt und be- I rüchtigt geworden sind. In der Stadt hatten sie I noch einen zweiten Zufluchtsort, in dem einer der ihren das geraubte Gut aufhäufte und verwaltete.
* Tollkirschen. In Ruemebugen in Luxemburg hatten Kinder im Walde Erdbeeren gesammelt und dabei auch Tollkirschen gefunden, die sie für Erdbeeren hielten und deshalb aßen. Ein neun irriger Knabe starb. Die anderen kamen dank ärztlicher Hilfe mit dem Leben davon.
* Gefahrvoller Berus. In Paris erlitt der Ar- t i ft Appollon bei Ausübung eines Sensationstricks einen schweren Unfall. Die Nummer bestand darin, daß der Artist ein in voller Fahrt befindliches A u t o- I mobil aufljielt. Aus unaufgeklärten Gründen I mißglückte nun das Kunststück und der Artist sank blutüberströmt zu Boden. Ein sofort herbeigernsener Arzt stellte fest, daß die Muskeln der rechten Brustseite zerriffen wurden. An dem Aufkommen des Artisten wird gezweifelt.
* Eine Cumberlander Hochzeitsmedallle. Der I Herzog von Cumberland hat aus Anlaß der Hochzeit seines Sohnes mit der Prinzessin Viktoria Luise von I Preußen eine Medaille schlagen lassen, die für die I Herren des Grnundener und des Berliner Hosdieiistes I sowie für sämtliche Mannschaften der Eskorte, der I Schloß- und Galawagen als Andenken bestimmt ist. I * Im Alter von 127 Jahren starb in Minsk tn Rußland der Kaufmann Chaim Maschkin. Er sah im Jahre 1812 den Kaiser Napoleon, als dieser aus dem Rückzug aus Moskau Minsk passierte. Maschkin I war fünfmal verheiratet und hinterließ eine ans 116 Personen bestehende Nachkommenschaft.
I * Ein deutscher Verbrecher in Buenos Aires verhaftet In Buenos Aires wurde der von der deutschen Polizei gesuchte Techniker Herrmann aus Essen verhaftet. Im Februar 1910 wurde auf dem Bre- denscheider Bahnhof der Polizeisergeant Gerlach aus Sprockhövel von Herrmann erschossen. Herrmann war von den Beamten bei einem Raubzug durch Sprockhövel überrascht und von ihm bis Bredenscheld verfolgt worden. Als Gerlach den langgesuchten Ver- I hrecher auf dem dortigen Bahnhof verhaften wollte, schoß dieser den Beamten nieder. Herrmann gelang I es, nach London zu entfliehen, wo er sich in den Ver- I brechervierteln lange Zeit hindurch verborgen hielt, I Dann ging er nach Südamerika.
* In einer amerikanischen Kirche. Mit amerikanischer „Gerissenheit" hat der Prediger der größten Kirche von N e w Y o r k es verstanden, die Gläubigen I während der großen Hitze in die Kirche zu locken. Er ließ in der ganzen Kirche große Eisblockeauf- st e I l e n, die eine angenehme kühle Temperatur verbreiteten und ließ Fächer an die Damen verteilen. Nach dem Schluffe der Predigt ließ er eme Nordpol- sahrt kmematographisch darstellen. Bei diesen kalten I Darbietungen in der Kirche ist es kaum anzuneh- ; men, daß es der Prediger vermocht hat, seine Zuhörer ; durch seine Predigt sonderlich zu ertoärmen.