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Fuldaer Zeitun

Fuldaer Seschichtsblätter

8 riehungsllften der preutzlsch-süddevtsch« Klaffro-£ottttie. — tzaldjährlich Laschenfahrplan. n

Nr. 151

erstes Statt

Donnerstag den 3. Juli 1913

40. Zahrgang

5 s Wocfjen-Beitage: 's s

Illustrierte Sonntagszelfung

Crfdjetnf wgüch mit Ku,nähme der Sonn* und vertage. viertel. Ehrlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Jutta sowie auswärts I JO Mark. — Notationsdruck und Verlag der ■g 3 Zuldaer flcHenbrudterd in Jutta. Jernsprecher Nr. 9. ; x

Hlonats-Bettage: s a

B"Ro”m eh,CT <l"fpolflgm Colontl,tHe, 4T em breit. Hoffet jjpfo. Reklamen: Der Raum einer Colonel,eile, 74 mm breit, Hottet 40 Dfa Bei Wieberholungen Rabatt $ür Offert- unb Buskunftcn,eloen 20 Pf. extra. 3n Konhursfällen wirb ber bewilligte Rabatt hinfällig. CrfCilunc-ort für bas Ein* Magen eon Forderungen Ift tulba. Rn,eigen-finnahme bis 10 Uhr oormittags. - - cröhere flnfeigen erbitten wir uns tags vorher. - 3

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5000 10000 15000 20000 25000 30000

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100 000 200000

Über

A?0"Mark; weniger als 1 Million nämlich nur 884 000 Steuerzahler entfallen auf die höheren Stu­fen und davon allein 570 000 in die Stufen von 3000—6500 Mark. Diese Verhältnisse spiegeln sich tu der obigen Tabelle wieder.

10000— 30 000 M.

30000- 50000 .

50 000-100 000 „

100000—200(00 „ 200000 - 500000 "

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Die

Im Anschluß hieran sei ein störender Drnlkfrhler m dem Artikel: .Wie die neuen Wehrsteuern aus- 150) berichtigt. Unter b) Der einmalige Wehrbeitrag muß es heißen: .Ist kein Einkommen oder etn Einkommen von weniger als 2000 "O'bande tarnt bleibt ein Vermögen von 50000 Mark fte. — Nicht 5000 Mark, rote uriger» weye gedruckt war. Aus der Fort,etzung deS Artikels lteß sich zwar schon vermuten, daß die angeführte Zahl nicht stimmen konnte. Wir möchten jedoch noch besonders diese hauptsächlich auf Vorschlag des Zen- trums m daS Gesetz gebrachte Bestimmung in ihrer richtigen Raffung hervorheben, weil sie für untere ländliche Bevölkerung von großer Bedeutung fein wird. Die meisten unserer Landwirte werden kein Einkommen von über 2000 Mark zu versteuern haben, bleiben also, wenn ihr Vermögen nicht 50000 Mark beträgt, von der Leistung eines W ehr bei« tragS vollständig frei.

12,3 Mill.

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26,4 „

Der Wehrbeitrag vom Einkommen wird in Preußen nachstehende Erfrage haben:

Etnkommensaruppen Gesamtem!. Beitragssatz Ertrag

5.5

7.1

27.2

39.0

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61.6

66.5

79.0

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20.4

11.5

7.2

83

10.8

10.4

12.7

Ber-

Deutsches Reich.

: Berlin, 2. Juli 1913. Der Bundesrat hält am Donneistag feine letzte Vollsitzung vor den Ferien I ab. Wie verlautet, werden in dieser Sitzung die I Heeresvorlagen und die Deckungsvorlagen verab­schiedet werden. Eine Regelung der braun« schweigischen Thronfolgefrage wird in der Sitzung nicht erfolgen, da ein Antrag dem Bundesrat noch nicht zugegangen ist. Auch die Jesuitenfrage soll erst nach den Ferien erledigt werden. — Wie die ,Wormser Volkszeitung' mitteilt, steht der Uebertritt des Reichstagsavgeordneten Freiherr» von Heyl zur Reichspartei unmittelbar bevor. — Generalleutnant v. Wandel, der bisherige Teparte- mentsdirektor im Kriegsministerium, ist zum Go». ! oerneur von Köln ernannt worden. Für ihn wurde Generalmajor Wild zu Hohenborn, Kom­mandeur der 3. Garde«Jnfanterie«Brigade, als Dirck« tor des Allgemeinen Kriegsdepartements berufen. — Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, Regent des Herzogtums Braunschweig, ist von der herzoglichen Technischen Hochschule in Braun, schweig zum Dr.»Jng. ehrenhalber ernannt worden. — Der Prinz von Wales ist im strengsten Inkognito von London kommend in München eingetroffen.

X Die Begnadigten. Die in Ausfüllung des Er­lasses vom 16. Juni d. I. den Justizbehörden er­wachsenen Arbeiten haben, wie die „N. Pol. Storr " meldet, inzwischen soweit gefördert werden können, daß bereits annähernd 2000 Verurteilte der königlichen Gnade teilhaftig geworden sind. Es läßt sich jetzt übersehen, daß die Zahl der dem König von dem Justizminister zu unterbreitenden Gnaden­anträge außerordentlich groß werden und sich auf diele Tausende belaufen wird.

** 8«r Verabschiedung der Wehr, und Deckuugs« Vorlagen würdigt das Organ der bayersichen Regie­rung, die .Bayerische ©taat^eitung', den Erfolg, den der Reichskanzler mit der Annahme der Heeresver« stärkung und der Wehrsteuein durch den Reichstag erzielt bat, mit folgenden Worten:

Wenn Deutschland sich sowohl mit Rücksicht auf feine eigene Machtstellung als aus die für die Erhaltung des Weltfriedens gelchafsenen Garantien mit Recht des glücklich vollendeten Wertes freuen fann, so gebührt der Dank hierfür nicht an letzter Stelle dem Staatsmann, der die Nation mit schlichter Würde zur Lötang der Aus­gabe zu führen wußte, deren Bewältigung sein weit« Ichauender Blick als nationale Notwendl ifett ertannt und

Das Münchner MM.

31] Roman von Felix Nabor.

Heimlicher war die Begrüßung durch Leo von Sandow. Das war ein Kavalier vom Scheitel bis zur Sohle dem sie sogleich gut war. „Mache unser» Jungen glücklich , sagte er, „und trage Sonne in dieses Haus, du liebes Münchner Kindl!"

Annie legte herzhaft die Arme um seinen Stals und küßte ihn auf beide Wangen. „Habt mich nur ein bißchen lieb!" bat sie und hatte mit diesem Wort auch schon die Gunst des alten Herrn gewonnen.

Als sie mit Hardy allein war, frohlockte sie: „Du — dein Vater ist ein charmanter Herr! Aber deine Mama —??"

„Nun?" sagte Hardy, da hinter ihrem Wort eine bange Frage stand

... »Mir bangt ein wenig vor ihr", gestand sie ehr­lich. „Sie hat etwas Königliches — und ich kam mir oor tote em kleines, dummes Mädel. — Es ist als ob sie eine unsichtbare Krone trüge."

„Darin magst du Recht haben."

„Es ift wohl schwer, sich mit deiner Mama — anzufreunden?"

„Allerdings! Aber du brauchst dir deshalb keine borgen zu machen. Meine Eltern bringen dir Liebe und Wohlwollen entgegen, und wenn du dich so na- türlich, anmutig und herzlich gibst, wie du in Wirk- lichkeit bist, dann wirst du auch ihre Herzen erobern. Mir aber bist du auch in Berlin, was du mir in München warst: mein liebes, süßes Münchner

Ach, diese Tage voll Glanz und Glück! Wie ein Märchentraum war die Hochzeits-Nachfeier. Ein prächtiger Saal, strahlend im Glanz der Lichter eine Menge von vornehme Menschen, ein Ueberschütten mit Geschenken und Glückwünschen! Annie war ge- blendet von all vielem Glanze und hunderte von hoch­klingenden Namen, die ihr genannt wurden, wirbel­ten ihr im Kopfc herum, schwirrten wie goldene Käfer um sie her- Hardy war immer an ihrer Seite |

□ Wer zahlt den Wehrbeitrag?

In dem Bericht der Budgetkornrniflion über ihre Steuerberatungen findet sich eine ins einzelne gehende Berechnung des voraussichtlichen Aufkom­mens des Wchrbeitrags. Die Besteuerung der Ver­mögen bringt 880 Millionen, der Einkommen 80 Millionen, der Aktiengesellschaften 40 Millionen; insgesamt kommen also 1000 Millionen auf. Der Einzelberechnung sind die Ergebnisse der Preußischen Einkommen- und Ergänzungssteuerstatistik zugrunde gelegt.

Der Wehrbeitrag aus dem Vermögen wird in Preußen folgende runde Summen aufbringen:

Auch hier zeigt sich, daß die sehr großen Einkom- I men bei uns dünn gefät sind, in der Hauptsache muß I bas mittlere Einkommen den Wehrbeitrag auf­bringen; die Masse muß es bringen. Es darf hier daran erinnert werden, daß in Preußen von fast 16 I Millionen Haushaltsvorständen usw., die für die Einkommensteuer in Betracht kommen, fast 9 Millio- I nen nur ein Einkommen bis zu 900 Mk., weitere 6 Millionen fallen in die Steuerstufen von 900 bis

I passen. Man lebte hier auf fürstlichem Fuße und I sw ward all diesem Reichtum gegenüber durch ihre I Armut bedrückt, empfand die Kluft, die zwischen ihr I und Hardys Eltern lag. Besonders zu Frau v. San­dow konnte sie niemals das richtige Verhältnis fin-

I den; wenn sie ihren fürstlichen Salon betrat, in dem die Aristokratie, die Koryfürsten verkehrten, bekam sie

I immer Herzklopfen. Als Präsidentin eines großen Wohltätigkeitsvereins hatte Frau v. Sandow Füh­lung mit den vornehmsten Kreisen Berlins und ihre Verbindungen reichten sogar bis in die Hofkreise hin- *yf-, Eingeweihte wußten zu erzählen,, daß Seine Majestät die Dame wegen ihrer Energie, ihrer In­telligenz und ihrer unermüdlichen und segensreichen Tätigkeit auf karitativem Gebiete ganz besonders Hochschatze.

Dieses Prestige übertrug sich auch auf ihr Hans und sie thronte in ihrem Salon, in dem tausend Faden zusammenliefen, wie eine Königin.

Unter solchen Umständen erfüllte sich Annies Hoffnung, sich mit ihrer Schwiegermutter „anzu- freunben", nicht. Jede der beiden Etagen bildete i eine Welt für sich, und es lag mehr Trennendes zwi­schen ihnen als nur eine blanke Marmortreppe. —

Nun war es Herbst geworden. Hinter einem grauen Nebelwall lag die Stadt. Die Sonne rang mit dem bleichen Riesen; aber erst gegen mittag be- ?wang sie ihn und hing als Zeichen ihres Sieges ihren blanken, goldenen Schild aus. —

Am Morgen und Abend ging ein Frösteln durch die Natur; der Nebel kroch durch die Straßen und I ©affen der Stadt und von den Bäumen fielen die Blatter. I

. Auch in Annies Leben war ein iäher Umschwung I emgetreten. — Ein kalter Reis fiel auf ihre junge Liebe und die zarten Blüten ihrer Lebenshoffnung wehte ein eisiger Hauch an. —

8U Anfang Oktober hatte Leo v. Sandow eine I ernste Unterredung mit seinem Sohne. „Du hast I nun die Flitterwochen genügend genoffen", sagte er, I „unb ?(nnie ist in ben uns nahestehenden Kreisen I emgesuhrt -~'z 1

Tabelle zeigt, baß rnogensstufen schon recht beträchtlich heranziehen mußte: bte Vermögen von 10 000 bis 50 000 Mark allein bringen trotz ber nichtigen Sätze und ber viel- Befreiungsgelegenheiten bereits in Preußen 12U Millionen, weil die Zahl ber in diese Gruppen fallenden Klein-Kapitalisten so groß ist; die nächste Stufe bis zu 100 000 Mark Vermögen muß bereits de» enormen Betrag von 27 Millionen abgeben. Der I Hauptteil des Wehrbeitrags aber entfällt auf die Vermogensgruppen von 100 000 Mark bis 10 Mil- Itonen: von ben 485 Millionen, die diese Statistik für den Stand von 1911 für Preußen errechnet, ha­uen sie allein 364 Millionen aufzubringen. Denn in den ganz hohen Vermögensstufen, die dann noch kom­men, wächst zwar der Betrag ber Einzelvermögen unb auch ber Steuersatz. Aber die Zahl der dafür in Betracht kommenden Zensiten ist eben doch so ge- umg (für Preußen über 10 Millionen insgesamt 255) daß selbst dabei nicht allzu viel herauskommt, insgesamt 81 Millionen Mark. Für die einzelnen ist das allerdings immerhin deutlich. Die vier Ange­hörigen ber letzten Steuerstufe von über 100 Mil­lionen Mark bürfen zusammen 12,7 Millionen bei. tragen, ba§ gibt pro Kopf bte hübsche Summe von 314; Millionen Mark. Sie mögen sich damit trösten, daß ihnen von ihrem Jahreseinkommen selbst danach noch sehr viel mehr übrig bleibt, als sie verzehren können, und daß Millionen Menschen mit Wonne diesen und einen noch viel höheren Beitrag zahlen i würden, wenn sie dadurch auch nur annähernd auf bte gleiche Höhe eines Vermögens von 213 Millionen Mark kommen könnten!

| bie Serben von ben Griechen sehr kräftig unter­stützt werben und daß auch R u m ä n i e n den Bul- I garen Schwierigkeiten machte. Also mit der Möglich- I keit einer Niederlage ber Bulgaren ist zu rechnen. I Dann bekommen wir aber ein Großserbien, bas nicht allein wegen ber Größe seines Gebietes, sonbern

I auch wegen ber Ueberspannung seines ohnehin riesigen I Selbstbewußtseins für Oe st erreich ein u n er - IträglicherNachbar sein würde. Zugleich wür- I den die Grieche» als Mitsieger wegen der Abgrenzung I von ©Übalbanien neue Schwierigkeiten machen.

I Daburch würde Italien unmittelbar in Mit­leidenschaft gezogen. Das deutsche Reich aber

I wäre mittelbar beteiligt als Bundesgenoffe dieser bei- I den Mächte. So könnte es zu einer scharfen Probe auf die neue Befestigungdes Dreibundes

I kommen.

I In der Abwehr eines Großferbien und in der Ber- I teidigung eines lebensfähigen Albanien hätte der Dreibund sich gegen Rußland und dessen Hel-

I fershelfer Frankreich zu bewähren, liebet die voraussichtliche Haltung Englands kann man sich

I noch kein sicheres Urteil bilden. Vorläufig verhält sich I die englische Diplomatie, die unlängst so rührig an der Spitze marschierte, abwartend. Sollte der Gedanke, in

I MazÄonien aus ben streitigen Gebieten einen selb- I ständigen Staat zu bilben, von Sit Edward Grey aufgegriffen werden, so wäre das wieder eine neue,

I schwierige Ausgabe für ben Dteibunb.

Wenn man biefe gespannten Verhältnisse betrach­tet, so erkennt man recht deutlich, weich' einen hohen Wert die Annäherung Italiens an Oesterreich unb Deutschlanb hat. Wenn Rußlanb unb Frankreich jetzt noch Aussicht hätten, Italien auf ihre Seite zu ziehen, so wären die beiden mitteleuropäischen Kaiserreiche in eine bedenkliche I Sage versetzt. Zum Glück ist ja auch noch die Hoff­nung auf die friedliche Gesinnung Englands nicht I erschüttert worden, auch durch den jüngsten Besuch des I Präsidenten Poincars nicht. Also braucht man die I Zuversicht nicht zu verlieren, wenn auch die Sage ernst ist.

Die Botschafter-Konferenz in London schläft; „Eu- I ropa" versagt wieder einmal in dieser kritischen I Stunde. Wenn nur der Dreibund wach und tat- I kräftig bleibt!

Die Ankunft des italienische« Königspaares.

W Kiel, 2. Juli 1913. Das italienische Königspaar traf heute abend 10 Uhr hier ein. I Anwesend waren das Kaiserpaar, die Prinzen unb I Prinzessinnen des Königlichen Hauses, bet Reichskanz­ler unb Staatssekretär v. Jagow. Die Begrüßung war sehr herzlich. Das Kaiserpaar geleitete bas Königspaar an Bord der italienischen Jacht „Ttina- cria". Sttaßen und Plätze, die die Gäste passierten, i sind würdig ausgeschmückt. Donnerstag mittag ist Tafel auf der „Hohenzollern", am Abend findet Tafel I an Bord der „Trinacria" statt. In Aussicht genom- I men ist die Besichtigung der Kanalbauten, der Werft und des Linienschiffs „Kaiser".

rX Die Zusammenkunft in Kiel und der Krieg.

AuS Anlaß des Zusammentreffens des Kaisers mit dem italienischen KönigSpaare widmet die,Nordd. Allg. Ztg.' in ihrem halbamtlichen Teile dem Herrscher der verbündeten Großmacht Wort« der Begrüßung und bespricht dann auch die deutsch- italienischen Beziehungen wie folgt:

Unsere Beziehungen zu dem Bundesgenoffen kn Enden sind frei von jeder Trübung. Mit wachsendem Verständnis wird in Deutschland die militärische, mari­time, wirtschaftliche Tüchtigkeit deS modernen Italiens, der starke nationale Grundzug seiner Politik und sein gesteigerter Einfluß im Rat der Mächte anerkannt. ES ist bekannt, welcher hohe Anteil an diesem Aufschwung dem persönlichen Wirken Viktor Emanuels zukommt. An seiner Seite begrüßen wir in dem königlichen italienischen Minister des Aeußern M^cquiS di San Giuliano den Staatsmann, der seit Uebernahme der Geschäfte stets eine klare BündniSpolitik unter den Mächten des erneuerten Dreibundes verfolgt hat. Inmitten der Schwierigkeiten, denen die europäische Diplomatie während der Balkankrists standhalten mußte, bewährte sich daS durch Deutschlands Haltung gesörderie Zusammen­gehen Italiens mit Oesterreich-Ungarn, be­sonders in adriatischrn Fragen, als ein wichtiger Teil der gemeinsamen Friedrnsardeit der Großmächte.

Die Wandlungen im Südosten Europas und ihr Ucdergrrifen auf Nachbargebiete werden in den Gesprächen zwischen den Monarchen und ihren Staats­männern in Kiel um so ernstere Aufmerksamkeit in An­spruch nehmen, als gerade jetzt eine abermalige kriegerischeZuspitzung zwischen den Staaten des Balkanbundes etngetreten ist. Angesichts dieser neuen Gefahr bleiben wir überzeugt, daß die Kieler Begegnung, an der mit bundessreundlicher Sympathie auch Oesterreich-Ungarn im Geiste teilnimmt, dazu bei­tragen wird, die Fühlung zwischen Italien und Deutschland zu beleben, die Ueberein- stimmung innerhalb des Dreibundes zu ver­stärken und die Behandlung der den Großmächten gestellten Aufgaben zu erleichtern.

Als bie Monarchen begegnung in Kiel geplant tourbe, bachte man gewiß nicht, baß Kaiser Wilhelm ttitb König Viktor Emanuel sich von dem neuen Krieg auf bem Balkan zu unterhalten haben würben. Nun I trifft aber zeitlich beibes zusammen: bie neue Bekun­dung ber Festigkeit des Dreibundes unb bie neue Be­kundung ber Feindseligkeit am Balkan. Und dieser „Bruberkampf" zwischen ben früheren Verbündeten I stellt den Großmächten überhaupt unb bem Dreibund I tasbefonberc wieder neue, schwierige Aufgaben.

Der Ausbruch des Kampfes sieht zunächst wie eine I moralische Niederlage der russischen Politik aus. Der selbstbewußte Ordnungsruf, ben ber Zar als Oberherr aller Slavenstaaten nach Sofia unb Belgrad richtete, hat versagt. Wenn es nicht noch durch ein halbes Wunder gelingt, die entfesselten Truppenmas­sen wieder zum Stillstand zu bringen, so setzt sich bie Erkenntnis fest, daß Rußland zwar einen großen I Mund, aber eine schwächliche Hand habe. An sich I könnte es uns ja recht fein, wenn der russische Anspruch auf Oberherrlichkeit ein gründliches Fiasko erlitt. Es muß aber mit ber Möglichkeit gerechnet werben, baß Rußlanb bie Einmischung, die in dem Zarentele­gramm angedroht war, wirklich versuchen könnte, wo­durch bann Österreich auch gezwungen würbe, sein I Ansehen unb seine Interessen handgreiflich zu wahren.

Wenn nun aber der Krieg lokalisiert bleibt unb die Exverbündeten den Kampf um die Beute unter sich ausmachen, so wird Oesterreich doch in einem Falle in Mitleidenschaft gezogen, nämlich wenn die Serben siegen würden. Auf die ersten Belgrader Siegesnachrichten braucht man ja nicht viel zu geben, doch darf man sich auch von bem üblichen Glauben an bie Ueberlegenheit Bulgariens nicht in Sicherheit wie­gen lallen. Schon bas Vertrauen auf bie „altbe­währte" türkische Armee ist bitter genug enttäuscht I toorben. Hier ist obendrein in Betracht zu ziehen, baß '

I unb führte sie in ben folgenden Wochen durch die I Stadt, ins Theater und zu Konzerten, zeigte ihr die I Sehenswürdigkeiten — das Schloß, den Dom, die I Siegesallee, den Tiergarten, promenierte mit ihr I Unter ben Sinben, überhäufte sie mit Blumen und I Geschenken, dinierte mit ihr in ben feinsten Restau- I rants unb am liebsten bei Dresse! Unter ben Sinben.

Er trat hier ganz als ©ranbfeigneur auf unb gab bas Geld mit einer Sorglosigkeit aus, daß sie ahnte, Sandows müßten über Millionen verfügen.

Obwohl Annie aber stets unter Hardys Schutz stand, hatte sie heimlich immer ein wenig Furcht. Berlin wirkte auf sie geradezu erdrückend — so ganz anders als München, diese Stadt der Freude und des ftöhlichen Eenuffes!

Berlin war ernster, kühler, vornehmer — die Stadt der Intelligenz und der Energie, bie Stadt rastloser Arbeit, bei ber sich alle Kräfte bis zu den äußersten Grenzen der Möglichkeft anspannten.

München wirkte in ihr nach wie ein schöner Traum — Berlin war das ideale, nervenaufpeit- schenbe Seben!

Die tausendfachen Geräusche der Riesenstadt, der Särm des Verkehrs, das Raffeln der Wagen, das Knattern der Autos, das Dröhnen der Bahnen, das Jneinanderströmen und Durcheinanderwirbeln so vieler Menschenstimmen — all das betäubte sie, und bte Stabt mit ihren Millionen Menschen erschien ihr j wie ein wogendes, sturmbewegtes Meer, dessen Wel­len über ihr zusammenschlugen.' Sie begann vor Furcht zu beben unb fragte sich, ob sie Wohl hier eine Heimat finden würde? — Sie kam sich vor wie ein Tropfen in diesem brausenden Meere, Hammene sich hilfeflehend an Hardy an, der sie immer sicher in den stillen Hafen ihres Heims brachte. Doti, in der traulichen Münchnerftube, fühlte sie sich geborgen, I dort hatte sie eine Heimat! —-

In ber Billa selber aber unb in ber Familie ihres I Gatten war sie noch nicht heimisch geworben. Es I toar ihr alles zu pompös und prunkvoll. Sie kam I aus einem kleinen, bürgerlichen Hause, und der- I mochte sich diesen großen Verhältnissen nicht anzu- j

„Unb was sagst bu zu Annie?" warf hier Hardy I ein.

Seo v. Sandow zog bie Brauen hoch unb anttoor- ■ tete: „Sie ist bas liebenswürbigste Geschöpf: ehrlich, I warmherzig unb treu, kurz — ein Weib, wie es sich I ein Mann nicht besser wünschen kann. Aber ich furchte, sie wirb sich nicht in nufere Verhältnisse fin- I den können. Sie ist zu nachgiebig, zu weich im Ge- müte, zu träumerisch für ben Norden und für Berlin. Du mußt ihr viel Siebe entgegenbringen, damit sie

I sich hier heimisch suhlt."

„Das will ich auch. Sie soll glücklich fein. Diese Jagd nach Freuden und Genüffen wird nun freilich ein Ende nehmen müssen. Das sehe ich wohl ein Unb offen geftanben — ich bin dessen satt. Ich sehne mich nach Arbeit."

„Die sollst bu haben: ernste, zielbewußte Arbeit. Deine Zeit ist gekommen, Harby — bu sollst zeigen, was bu kannst, unb sollst ein Mann fein! Ein gan­zer Mann, ber ben höchsten Zielen zustrebt unb alle Kräfte anspannt. 9JHt Volldampf immer voraus, mein Junge! So habe ich es gehalten, so sollst auch bu es tun! — Ich habe mein Lebenswerk mit ber Erbauung des Palastes für den Fürsten Ostrawitz abgeschloffen. Dieser Renaiffance-Bau ist mein bestes unb schönstes Werl."

„Er ist herrlich! — Aber —"

Seo v. Sanbow hob abwehrenb bie schmale feine Hanb. „Ich weiß, baß ber alte Stil nicht bein Fdeal ist," sagte er. „Aber er ist das meinige und dieser Bau krönt mein Leben. . Mit ihm schließe ich meine Tätigkeit als Baumeister ab. Ich bin auch etwas müde unb will ben Winter über im Süben rasten unb in ben Schätzen ber Renaissance schwel­gen. Nun fehlt nur noch bie innere Ausstattung — unb biefe Arbeit überlaste ich bir. Du besitzest Ge­schmack unb Kunstsinn — nun zeige, baß bu ein Meister bist. Ich habe bich bem Fürsten vorgeschla­gen unb er erwartet bich heute in feinem Hotel —", ,-Jch danke bir", sagte Harby, „daß bu mich auf diesen Platz stellst."

(Fortsetzung folgt.)