2. Blatt.
vrock ber siulbaer Zctienbntcierti in Selbe.
Zuldaer Zeitung. «•
M H9.
Dienstag l. Juli 1915.
Lokales. .
Fulda, 1. Juli 1913.
G Personalien. Dem Amtsrat V a u p e l in Kasiel, Mitpächter der Domäne Ermschwerd, ist die in Silber ausgeprägte Medaille für Verdienst um die Pferdezucht verliehen worden. — Den Kreistierärzten Dr. Ehlers in Götitngen und Brandes in Hanau wurde der Charakter als Veterinärrat verlieben,
a. Der Kreisausschuß hält vom 21. Juli bis 1. September Ferien. Während dieser Zeit können Termine zur mündlichen Verhandlung nur in dringlichen Sachen abgehalten werden. Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen bleiben die Ferien ohne Einfluß.
Zagdkalender. Im Monat Juli darf nur folgendes Wild erlegt werden: Rehböcke, wilde Enten, Schnepfen, wilde Schwäne, Kraniche, Brachvögel, Wachtelkönige und alle jagdbaren Sumpf- und Wasservögel. Alles andere Wild hat Schonzeit.
" E Abgestürzt ist heute vormittag kurz vor 10 Uhr an dem Neubau Ecke Leipziger- und Buttlarstraße der Installateur Emil Gerhardt. Er kam glücklicherweise mit leichten Hautabschürfungen davon.
a. Flerschpreise. In der ersten Hälfte des Monats Juni betrug in Fulda der Durchschnittspreis für 1 Kilogramm Rindfleisch 1,78 M. (der Durchschnitt an den Normalmarktorten des Reg.-Bezirks Kassel 1,79 M.h, für Kalbfleisch 1,87 M. (1,82 M.), für Hammelfleisch 1,83 M. (1,86 M.), für Schweinefleisch i.,83 M. (1,74 311.), für inländischen geräucherten Schinken im ganzen 2,60 M. (2,61 M.), im Aus- schnitt 3,20 M. (3,49 M.), für geräucherten Speck 2,20 M. (2,13 M), für inländisches Schweineschmalz 1,80 M. (1,94 M.) und für ausländisches 1,50 M. (1,55 M.). Vergleicht man die jetzigen Durchschnittspreise vom Fuldaer Fleischmarkt mit denen aus der 1. Hälfte des Monats Januar, so ergibt sich, daß Rindfleisch, Schinken, Speck und Schmalz auf derselben Preisstufe geblieben sind, daß Kalbfleisch von 1,85 M. auf 1,87 M. und Hammelfleisch von 1,76 Mark auf 1,83 M. stiegen, während beim Schweinefleisch ein Abschlag von 2,02 M. auf 1,83 M. erfolgte.
rt Schöffengericht. Ein wiederholt vorbestrafter 62jähriger Arbeiler von hier hatte einen 70jährigen Invaliden wiederholt mit Totschlag bedroht. Der Amtsanwalt hatte eine Woche Gefängnis beantragt. Das Gericht ließ Milde walten und erkannte auf drei Tagen Gefängnis. — Em 31;ähriger Wirt und Metzger in K., der wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruchs vorbestraft ist, hatte feinen bejahrten Vater mißhandelt und bedroht. Wegen ersteren Der- gehens mußte das Verfahren eingestellt werden, da der Vater den Strafantrag zurückgezogen hatte, wegen Bedrohung mußte Freisprechung erfolgen, da der Vater und seine als Zeugin geladene Tochter das Zeugnis verweigerten und folglich dem Angeklagten die Bedrohung nicht nachgewiesen werden konnte.
-T- Geschäftsleute, schickt eure Rechnungen aus! Wir stehen wiederum an einem Quartalswechfel, und da seien die Handwerker erneut darauf hingewiesen, daß es zur Herbeiführung gesunder Zahlungssitten zweck- mäßig ist, der Kundschaft vierteljährlich Rechnungen zuzustellen. Andererseits sei aber auch das kaufende Publikum gebeten, sich an eine prompte Erledigung der Rechnungen zu gewöhnen. Es ist damit beiden Parteien gedient: Handwerker und Ge>chäftsleute können dann bester auch ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen und werden vor Schadxn durch Zinsver- lust oder schließlich nicht deizuire.bende Summen be- wahrt, und für den Schuldner ist das Zahlen kleinerer Beträge eine weniger peinliche Sache und schützt ihn vor Unannehmlichkeiten, die das wenig Geschäfts- und Haushaltungssinn verratende Auflaufenlassen der »Kreide" oft nach sich zieht.
** Die Aufhebung der Losung bei der Aushebung. Rach dem jüngst angenommenen Gefetzentwurs über Aenderungen der Wehrpflicht erfährt die bisherige Aushebung von Militärpflichtigen eine grundlegende Aenderung. Nach § 13 des Reichsmilitärgesetzes wird gegenwärtig die Reihenfolge, in der die Militärpflichtigen eines Jahrganges ausgehoben werden, in jedem Aushebungsbezirk durch das Los bestimmt. Ein Abweichen von der Nummerfolge ist nur zulästig, soweit die erforderliche Anzahl der Rekruten für die Spezialwaffen, an die besondere Anforderungen gestellt werden müffen, innerhalb der vorangegangenen Nummern nicht zu finden ist. Diese Bestimmung machte es unmöglich, Wünsche solcher Militärpflichtigen zu berücksichtigen, die ein Interesse an einer sofortigen Einstellung haben. Bei Ausland- deutschen besteht beispielsweise vielfach der Wunsch, wenn ihre Tauglichkeit festgestellt ist, möglichst bald auch eine Entscheidung zu erhalten, ob und wo sie sich zum aktiven Dienst zu stellen haben. Die zunehmende Entwickelung der technischen Truppen macht es auch notwendig, zu Gunsten ihres Ersatzes von der Reihenfolge der Losnummern ab- tzuweichen. Das ganze System der Losung ist also heute keine zeitgemäße Einrichtung mehr. Sie erschwert das Ersatzgeschäft sehr erheblich und führt geradezu zu nn^rechtfertigten Härten, indem völlig taugliche Leute infolge ihrer Losnummer vielfach drei Jahre lang in Unsicherheit bleiben, ob sie noch eingestellt werden oder nicht. Aus diesen Gründen ist jetzt der Grundsatz bei Losung überbau p t awf g e geb en und dagegen gilt als maß- I gebend für die Reihenfolge, in der die Militärpflichtigen auszuheben sind, nur die Tauglichkeit. Auch von der Reihenfolge nach der Tauglichkeit werden aber Abweichungen zugelassen werden, ohne daß dadurch eine Ungerechtigkeit für die Militärpflichtigen in Frage kommt. In erster Linie sollen die im Ausland befindlichen Militärpflichtigen berücksichtigt werden, wenn sie den Wunsch haben, softrt eingestellt zu werden. Ferner wird von der R^henfolqe abgewichen werden zu Gunsten von Militärpflichtigen im Inland, die aus persönlichen Gründen ihre sofortige Einstellung wünschen. Für die Spezialwaffen wird auch fernerhin bei der Auswahl des Ersatzes nicht nur nach dem allgemeinen Tauglichkeitsmaßstab die Auswahl erfolgen.
(*) Die Vereinigung ehern. 143er hielt am Samstag ihre gewohnte monatliche Versammlung im Gasthause zum Hirsch bei Kamerad Stark ab. Nachdem der erste Vorsitzende dieselbe eröffnet hatte, begrüßte er die erschienenen Kameraden und warf dann einen kurzen Rückblick auf das verflossene Jahrhundert und sprach die Hoffnung aus, daß unserem Kaiser nach weiteren 25 Jahren der goldene Kranz beschieden sein möchte. Nach Verlesung des Protokolls der letzten Versammlung und nach Aufnahme einiger neuer Kameraden wurde beschlossen, am 27. Juli ds. Js. einen Familien-Ausflug mit Kinderbelustigung beim Kameraden Franke (Kohlhaus) abzuhalten. Der Abmarsch dorthin erfolgt um 3 Uhr nachmittags vom Gasthaus zum Hirsch aus.
(*) Ehemalige 14er Husaren. Die Teilnehmer an Ächstäsms-Kestkeier des Husaren-Regiments Nr. 14
in Kassel am 3., 4. und 5. Juli seien daran erinnert, daß von feiten der hiesigen Vereinigung der 14er Husaren geplant ist, den Frühzug 4.55 Uhr ab Fulda zu benutzen. Für die drei Festtage ist ein außerordentlich reichhaltiges Programm vorgesehen.
Aus öem Nachbargebiete.
a. Flieden, 30. Juni 1913. Die Wiederwahl des seitherigen Bürgermeisters Stetbett auf weitere 8 Jahre ist bestätigt worden.
[] AuS dem Kreise Schlüchtern, 30. Juni 1913. In der letzten Woche bestanden ihre 2. Prüfung die Lehrer Joseph Mohr-Sannerz und Balzer-Kerbersdorf.
• Gelnhausen, 30. Juni 1913. Die S > verordneten bejcl,soffen, städtisches Gelände im Umfange von 2 ha an den Eisenbahnfiskus zu verkaufen. Die Eisenbahnverwaltung beabsichtigt eine umfangreiche Erweiterung der Gleisanlagen im Bahnhofe Gelnhausen, ebenso die Errichtung eines Lokomotivschuppens, der nach Eröffnung des Distelrasentunnels wohl die erforderlichen Vorspannloko- moiroen beherbergen soll.
* Frankfurt, 29. Juni 1913. In der vergangenen Nacht versuchte der 28jährige Zigarettenarbeiter Jansen, als er in angeheiterter Gesellschaft nach Hause zurückkehren wollte, auf dem Eisernen Steg den eisernen Trägern entlang zu laufen. Dabei stürzte er ab und blieb bewußtlos auf der Brücke liegen. Außer einem Schädelbruch hatte er schwere innere Verletzungen davongetragen. Er st a r b kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus. — Ignaz Sichel, ein kürzlich verstorbener Rentier, hat testamentarisch fein auf mehrere Millionen sich belaufendes Vermögen zur Erziehung bedürftiger israelitischer Kinder vermacht.
* Homburg, 30. Juni 1913. Wie verlautet, ist hier eine Spielbank eingerichtet worden, wozu die Kurverwaltung die Räume im Kurhaus hergibt. Bezahlt sind dafür als einmalige Abfindung für Mie* tung der Räume 35 000 Mark von einem Konsortium, bestehend aus zwei Franzosen und einem Herrn aus Wiesbaden.
11. Cionberg, 29. Juni 1913. Die diesjährige Hauptversammlung des Verbandes nafsauifcher Obst- und Gartenbau-Vereine findet am 11. und 12. Oktober hier statt. Mir der Tagung wird eine dreitägige O b st - und Gemüse-Ausstellung verbunden.
* Wiesbaden, 30. Juni 1913. In ber Nacht zum Sonntag wurde ber Schiffer I. W t e g a r b aus Mainz "von dem Straßenbahnschaffner Duk aus Biebrich nach Wirtshausstreitigkeiten erschossen.
* Wiesbaden, 29. Juni 1913. Der in Mainz geborene Matrose Wieghard erhielt bei eine Schlägerei, als er einen der Streitenden mit dem Messer stach, von ihm einen Schuß in die Brust und starb auf dem Wege nach dem Krankenhaus. Der Getötete hatte vor ungefähr sechs Wochen das Schiff unter Zurücklassung seiner Habseligkeiten verlassen und man nahm an, er sei ertrunken. Zu ihrer großen Freude hörten seine Eltern dieser Tage, ihr Sohn sei in Mainz gesehen worden und nun wurden sie heute früh von seinem jähen Tode benachrichtigt.
* Würzburg, 30. Juni 1913. Im Bahnhof mürben gestern zwei junge Burfchen sestgenommen, die bei einem Bauern in Grafenrheinfeld mittels Einbruchs über 100 Mark stahl,n. — In Rotten« b runn wurde eine neue Wasserleitung erbaut.
Amt Geisa und Umgebung.
△△ Geisa, 30. Juni 1913. Staatsminister Exz. Dr. Rothe au8 Weimar besichtigte heute eingehend die durch die Ueberschwemmnng heimgesuchten Orte Schleid, Kranlucken, Zitters, Gerstengrund. In Geisa stattete er dem Landtags-Vizepräsidenten Dr. K i e l einen Besuch ab und besuchte mit diesem dann die am Leben gebliebenen Opfer der Katastrophe vom Schacht Buttlar im Krankenhause zu Geisa bezw. den ebenfalls verunglückten Bergmann Adel in dessen Wohnung. Von letzterem, der am glimpflichsten bavongetommen ist, ließ er sich den Hergang des Unglücks eingehend schildern. Der Minister bezeigte den Verunglückten und ihren Angehörigen große Teilnahme und legte dem ebenfalls anwesenden behandelnden Arzte Dr. Ackermann di» jorgfättigste Behandlung der Verletzten angelegentlich ft ans Herz. Der Zustand der vier verletzten Bergleute ist zufriedenstellend.
* Geisa, 30. Juni 1913. lieber bas schwere Grubenunglück auf bem Kalischacht Buttlar werden folgenbe Einzelheiten bekannt: Das Unglück geschah, wie schon gemelbet, burch Bruch unb Einsturz von Tübbings. Infolgedessen wurden die aus einem Gerüst, 50 Meter über ber Sohle, mit Verdichtung beschäftigten Mannschaften auf die Sohle g e- schleudert. Dem Umstande, daß hier das Wasser firka 2,50 Meter hoch stand, ist es zuzuschreiben, daß ie nicht sämtlich getötet sind. Die schweren Eisenteile durchschlugen aus 12 Meter Höhe das Gerüst und die nachströmenden Wasser- und Zementmassen rissen alles mit in die Tiefe. Die Ueberlebenden kletterten mühsam aufwärts, indem sie sich an den durch Schrauben verbundenen Vorsprüngen der Tübbings halten konnten. Die mit ungeheuerer Wucht niedergehenden Wasser- und Zementmaffen wirbelten die beiden Förderkübel um die Leitungen und machten zugleich auch die Pumpen und den Motor, der diese in Bewegung setzte, unbrauchbar. Und da die elektrische Leitung auch sofort gestört war, so war es im ersten Augenblick unmöglich, den Abgestürzten in ihrem finsteren Grabe zu Hilse zu kommen. Furchtbar schauerlich drangen die Hilferufe aus der Tiefe und niemand konnte Hilfe bringen. Aerztliche Hilfe von Geisa war bald zur Stelle und legte den Schwerverletzten die ersten Notverbände an. Sie wurden später in das Krankenhaus nach Geisa gebracht. Sch wer verletzt sind Rausch-Geismar: Kopfwunden und an der Wirbelsäule, Drittelführer Fuge-Wenigentaft: Beinbruch und innere Verletzung, Herbst-Mansbach: Armbruch und Rippenbrüche; leichter verletzt sind Abel-Geisa unb Fock-Sünna. Alle, besonders Rausch unb Herbst, haben durch den Zement schwere Schädigung der Augen erlitten. 7 -t getötete Mennecke aus Buttlar ist der dritte Sohn des Bergmanns Mennecke, der unter der Erde den Tod gefunden hat. Die beiden Brüder des Mennecke haben früher in Unterbreizbach im Schacht ihr Leben eingebüßt; unb wäre der 4. Sohn, der mw . Hochzeit" machen will, eingefahren, wie er erst wollte, so wäre er auch bei den Toten oder Verletzten. Um die Toten trauern fünf Witwen mit ihren Kindern. Zur Bergung der Toten kann vorerst u-chts unternommen werben, weil ber ganze Betrieb stockt unb ber 400 Meter tiefe Schacht sich immer mehr mit Wasser füllt. Dann ist zu befurch u, daß sie in den
niedergegangenen Zement eingeschloflen sind, der bis zur (Entfernung des Wassers gebunden hat, sodaß sie dann herausgemeißelt werden müssen. Bier Bergleute sind unverletzt. Ein Mann, Waider aus Geismar, der schon mit dem getöteten Mennecke im För- derkorb stand, verdankt seine Rettung dem Umstande, daß er vom Steiger zu einer Arbeit über Tag befohlen wurde Nach Aussage von Beteiligten kann der Betriebsleitung eine Schuld an dem Unglück nicht gegeben werden. Ob schadhaftes Material oder andere Ursachen die Katastrophe herbeigeführt haben, wird die Untersuchung ergeben.
* Vacha, 30. Juni 1913. Die öffentliche Sprechstelle der Postagentur in Dorndorf ist in den Orts-Sprechbereich von Vacha einbezogen worden. — Zwei Störenfriede, die gestern abend bei einem Wirtshausstreit feftgenommen und in die Arrestzelle gesperrt worden waren, demolierten dort alles Erreichbare.
* Stadtlengsfeld, 30. Juni 1913. Nach mehr als 40jähriger Dienstzeit ist jetzt der Gerichtsvollzieher Hirschfelb hier in den Ruhestand getreten, lieber 20 Jahre war er in den Amtsgerichlsbezirken Stadtlengsfeld und Vacha tätig.
* Frauensee, 30. Juni 1913. Im MöllerS- grunde ist Schacht I bald bis zur endgültigen Teufe (420 Meter) niedergebracht, Schacht II erwartet das Dolomitwasser, das bei ca. 140 Meter Tiefe auf« steten wird.
Aus Gberhesien u. den heff. Aemtern.
△ Marburg, 30. Juni 1913. Gegenüber den Bemühungen eines großen Teils der Marburger Geschäfts, weit um Errichtung einer zweiten Güterverladestelle am Südbahnhof erklärt die Kgl. Eisenbahndirektion jetzt, daß die Stadt schon größere Mittel bereitstellen müsse, wenn der Sache nähergetreten werden solle. Die Eisenbahn selbst Hane wenig Interesse an der Erweiterung des Südbahnhofs.
* Marburg, 30. Juni 1913. Der Waffenmeister Max Ullrich ist gestern abend bei Oberwalgern Dom Rade gestürzt. Er war sofort tot. — Auf die ausgeschriebene Stelle des städtischen besoldeten Beigeordneten sind bereits über 30 Bewerbungs- schreiben eingegangen. — Dem Apotheker Dr. Gaze hier ist die Konzession zu einer im Kasseler Stadtteil Bettenhausen zu errichtende Apotheke erteilt worden. — Beim Hantieren mit einem Revolver verletzte sich der Spengiergeselle H. in Kölbe durch einen Schuß in die Magengegend. Er wurde in die hiesige Klinik gebracht.
* Marburg, 30. Juni 1913. Herr Hauptlehrer Gruß schreibt uns: Der Gewährsmann der Meldung in Nr. 141 hat nach der Notiz vom 25. den Mut, an seiner unbedingt zuverlässigen Quelle festzuhalten. Dies veranlaßt mich zur folgenden Klarlegung: Die kath. Schule hat bei 205 Schulkindern 6 Lehrkräfte. Lehrer Görge scheidet am 1. Oktober aus dem Schuldienst aus, um sich dem Studium der Medizin zu widmen. Die Stelle wurde aus meine Veranlassung ausgeschrieben. Meldungen gingen ein, die Besetzung sollte erfolgen. Ich wurde ausgefordert, über den Stand der Schule zu berichten. Was nun in der Stellenangelegenheit geschehen ist, ist mir unbekannt. Sobald mir mttgeteilt wurde, die Stelle werde nicht wieder besetzt, habe ich Schritte getan, dies zu verhindern. Die ganze Sache ist durch eine Persönlichkeit, die den Sachverhalt falsch verstanden haben muß, in die Oeffentlichkett gekommen.
# Ziegenhain, 30. Juni 1913. Landrat von Schwertzell ist vom 2. Juli bis 3. August beurlaubt und wird vom Kreisdeputierten von Schwertzell-Willingshausen vertreten. — Wie alljählich findet kommenden Sonntag auf der Höhe des Knüllköpf- chens eine Familienfeier des Knüllklubs statt. In Verbindung damit wird die Feier der Grundsteinlegung des von dem Gastwirt Liebermann auf Hof Richberg anzulegenden Hotels begangen.
T Mardorf, 29. Juni 1913. Heute nachmittag wurde von Herrn Pfarrer Schlitt dahier unter Assistenz der Herren Pfarrer Ebel-Neustadt und Kaplan Kircher- Roßdorf und im Beisein des Hof- Baumeisters Herrn E r n e ck e aus Kassel der Grundstein zur Kapelle „Maria Heimsuchung" auf dem Hügel Kellmark bei Mardorf gelegt. Hunderte von Gläubigen, besonders aus Erfurtshausen, hatten sich schon vor 3 Uhr, trotz Wind und Wetter, auf dem Bauplatze eingefunden, um dem feierlichen Weiheakte beizuwohnen. Die Bewohner von Mardorf kamen in Prozession nach oben, und von fern hörte man die Klänge des schönen Liedes: „Meerstern, ich dich grüße," gespielt von der Amöneburger Stadtkapelle. Die Festpredigt hielt Herr Pfarrer Ebel über das zweite Geheimnis des freudenreichen Rosenkranzes. Mit fesselnder Beredsamkeit und warmer, von Herzen kommender Ueberzeu- gung schilderte Redner der spannend lauschenden Menge die Heimsuchung Mariä sowie die wunderbare Begrüßung Marias durch Elisabeth, wobei er betonte, daß nur in, durch und mit Maria unser Heil zu finden sei und daß in der projektierten Kapelle alle Gläubigen der Umgegend durch Maria ihre Bitten dem göttlichen Heilande vortragen möchten. Nachdem Herr Pfarrer Schlitt die Urkunde, welche in den Grundstein eingemauert wurde, vorgelesen, begannen die Zeremonien der Weihe, von donnernden Böllerschüssen begleitet. Die Feier wurde noch erhöht durch das schöne Lied: „O Palme, sonnenklare", das der Mardorfer Gesangverein exakt zum Vor- trag brachte. Zum Schluffe fangen die Anwesenden das „Magnisikat" und „Großer Gott, wir loben Dich". Darauf gingen alle tiefbewegt in Prozession zur Pfarrkirche in Mardorf, um dort den sakramentalen Segen zu erhalten, und von da voll heiliger Begeisterung nach Hause zurück, im Herzen noch den Nachklang des Liedes fühlend: „O Maria, hilf uns all, hier in diesem Jammertal!" — Herr Hofbaumeiter Ernecke setzt nun fort und vollendet den Bau der Kapelle, den der verstorbene Regierungsbaumeister Kegel projektiert hatte.
[:] Willingshausen, Kr. Ziegenhain, 30. Juni 1913. Das gestern hier abgehaltene Kriegersest wurde vielfach durch Regenfälle gestört. Herr Landrat v. Schwertzell überreichte die vom deutschen Kriegcr- ound geftiflete Fahnenschleife, während die eigentliche Festrede durch den Ortspfarrer, Herrn Eisen brecht, gehalten wurde. Im Festzuge waren 26 Vereine vertreten. Bei einbrechender Dunkelheit wurde ein Feuerwerk abgebrannt.
# Gudensberg, 30. Juni 1913. Aus Dankbarkeit gegen die Vaterlandsverteidiger von 1870/71 und die China-, Süd- und Westafrikakämpfer hat unsere Nachbargemeinde Besse ein Denkmal errichten lassen, das von dem hiesigen Bildhauer Damm auf- gestellt ist. Die Einweihung soll am 20. Juli mit der Feier des 25jährigen Jubiläums unseres Kriegerver- eins und des Kreiskriegerverbandes verbunden wer-
* Haina, 29. Juni 1913. Rentmeister Bartz von hier wurde anstelle des verstorbenen Direktors Schmidt zum Direktor der Korrektions- und Landarmenanstalt Breitenau bestellt.
vermischtes.
* Tas erste deutsche Erholungsheim für Veteranen wurde am Sonntag in Wartha (Schlesien) von dem Protektor Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen eröffnet. Das Heim ist vom Breslauer Landwehrverein gegründet; es umfaßt 46 Zimmer und wurde „Königin Luisenheirn" benannt.
♦ Heber einen scheußlichen Mord hatte dieser Tage das Schwurgericht in Kottbus zu entscheiden. Die Karussellbesitzersehefrau Lina Köckeritz hatte ihren Geliebten, den Arbeiter Karl Fröhlich mit einem Bell erschlagen, zerstückelt und teilweise im Ofen verbrannt. Die Frau selber gab an, Fröhlich habe Selbstmord beruht und sie letztwillig gebeten, feine Leiche im Ofen zu verbrennen. Später gestand sie den Mord ein. Die von der Angeklagten in der Untersuchungshaft gemachte Aussage, sie habe sogar das Herz des Fröhlich herausgeschnitten, gebraten und gegessen, ist wohl nur als Produkt einer ausschweifenden Fantasie anzusehen. Nach dreitägiger Verhandlung verurteilte das Gericht die Köckeritz zum Tode.
* Eine Rede des Grafen Zeppelin. Die Teilnehmer am deutschen Journalisten- und Schriftsteller- tag in Stuttgart wurden, wie schon mitgeteilt, am Sonntag vom Grafen Zeppelin in Friedrichshafen empfangen. Dabei hielt der Graf eine bedeutsame Ansprache.
Er sagte dabei, er habe sehr viel der Presse zu bauten für die Verbreitung dessen, was er geschaffen habe. Es sei ihm schon der Vorwurf gemacht worden, daß er allzu zurückhaltend fei in seinen Mitteilungen an die Presse. Er halte es aber nicht für angezeigt, vorher zu sagen, was man wolle, wenn man solche Erfahrungen gemacht habe tote er. Man müsse es unterlassen, Mitteilungen zu machen, von dem, was man tue, oder auszusprechen, was man glaubt erreichen zu können, denn eines füge sich zum andern, und schließlich bekomme eben doch die Welt das Bild immer genauer, tote ein Werk gemacht werde. Bei der unglücklichen Landung von Luneville, führte der Graf weiter aus, hat man überall gesagt, ja, tote kann so etwas geschehen? Nun ist es eine Kleinigkeit für die Franzosen, die alles gesehen haben, jetzt ein deut, sches Luftschiff zu bauen. Wenige Tage vorher hatten die Franzosen das Luftschiff „Spieß" zu Ende gebaut, das dem meinigen äußerlich wenigstens und in vielen inneren Teilen so ähnlich ist, daß, als man mir eine Photographie des Luftschiffs zeigte unb sagte, das wäre ein Teil von meinem Luftschiff, ich selber geglaubt habe, das fei mein Luftschiff. Sie sehen, daß es vaterländisches Interesse ist, darin ein gewisse Zurückhaltung zu üben. Ich glaube, mich in einer alten Reiterweise verteidigt zu haben, ohne Hiebe, aber glauben Sie, daß ich durchgedrungen bin, daß es das charakteristische Merkmal der deutschen Presse und ein Grundton ihres Seins ist, die Wahrheit zu verbreiten und im Interesse des Vaterlandes zu handeln; deswegen bin ich der deutschen Presse auch von ganzem Herzen dankbar für alles, was sie für mein Werk getan hat, unb ich wünsche, daß sie auch fortan immer mehr in diesem Sinne wirken und auf unser Volk Einfluß ausüben möge!
* Ei» Ministersohn als Priester. In F r ei s i n g, wo er seine theologischen Studien zum Abschluß gebracht hat, empfing am Sonntag ein Sohn des früheren baye. rischen Kultusministers v. Wehner die hl. Priesterweihe.
* Der europäische Besitz des Milliardärs Morgan. DaS englische Blatt .Daily Mail' bringt die Mitteilung, daß nach den letzten Erhebungen Pierpont Morgan auch mit zu den reichen europäischen Besitzern rechnete, da er in Europa Besitzungen im Werte von über 400 Millionen Mark besessen haben soll.
— Wirksames Mittel. „Dieses Gift ist vielleicht sehr wirksam, aber glauben Sie auch, daß es die Ratten anziehen wird?' — „Gnädige Frau, da können Sie ganz beruhigt fein, da kommen alle Ratten aus der ganzen Nachbarschaft zu Ihnen."
— (Sine gute Hausfrau. „Ach, liebe Wally, wie gern würde ich wieder einmal eine Gardenia ins Knopfloch stecken, wie einst, bevor wir unfern Bund schlossen." — „Bitte, Männchen, auf Deinem Schreibtisch stehen Gardenien!" — „Ja, aber die Knopflöcher sind alle ausgerissen!"
Handel uns Jndnstrie.
Beilin, 30. Juni 1913. Die Börse zeigte heute eine feste Haltung, die gegenüber den unerfreulich lautenden politischen Nachrichten und der Unklarheit der Situation auf dem Balkan bemerkenswert ist. Diese Tendenz verstaute sich zum Schlüsse, da die bestimmte Nachricht verbreitet würd', daß bereits Kämpfe zwischen Serben und Bulgaren stattge- funden haben. Von deutschen Anleihen zogen 3proz° Konsols 0,10, 4proz. Reichsanleihe 0,15, und 3 proz. 0,20 Prozent an. Der Privatdiskont ermäßigte sich auf 51/» für kurzfristige und auf 51/« Prozent für langfristige Sichten.
Märkte.
Frankfurter Getreidemaritbericht vom 30. Juni 1913. Am heutigen Markt war das Geschäft äußerst klein. Landweizen und Roggen waren trotz billigerem Angebot nicht zu verkaufen. Fremde Weizen bei starkem Angebot lehr ruhig. Gerste gelchästsloS. Hafer billiger offeriert. Mais in gesunder Beschaffenheit lnapp. Mehl von den Mühlen unverändert offeriert. Futterartikel matt. Es notier!en: Weizen: hiesiger und Wetterauer 20.75-21.00 Mark, auf dem Lande abgeholt 20.25-20.40 Mark, kurhessischer 20.90—2100 Mark, norddeutscher 20.90—21.00 Mk., Manitoba 23.25 bis 23.75 M., Kansas 23.00—23.50 Mk., russischer Nieolaseff 23.00—23.50 Mark, Saxonska 22.75—23.25 Mark, Ulka 23.00-23.35 Mark, Auma 23.00-23.25 M.. La Mala 22.75-23.25 Mark rumän. 23.25-23.75 Mark, Walla Walla 24.00-24.50 M. — Roggen: hiesiger, 17.00 bis 17.25 M., auf dem Lande abgeholt 16.50—16.60 Mk., Pfalzer 00.00-60.00 M. russischer 17.25-17.7o 3.^ Amerikaner 17.50—17.75 Mk. — Gerste: hres. 17.00 bis 18.00 Mark, Pfälzer 17.25-18.00 M., fränli che 17.50-18.00 M.. Riedgerste 17.50-18.00 M., ungarische 00.00-00.00 Mart, Futtergerste 00.00—00.00 M. — Hafer: hiesiger und Wetterauer l? 00—17.50 M., kurhess. 16.75-17.50 M., hager. 17.00—18.00 Mark, La Plata 16.75-17.25 Mk., russischer 17-50-18 50 Mark. - Mais sMixedj 14.75-15.00 Mark, Donau- mais 14.75-14.90 M., La Plata 14.60—14.70 Mark, Cinqantin 19.00—19.50 M., russischer 00.00—00.00 Jiart. - Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko d^r. — Mehl: stetig. — Es notieren je nach <luauiar. Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 32.00—32.25 Mar, I • Nr. 0 31.75-32.00 M-, hiesiges Nr. 1 30.00 -30.25 SR., süddeutsches Nr. 1 30.00-30.25 Mk., hiesiges Nr. 3 27.00- 27.25 M., süddeutsches Nr. 3.27.00—2 '-c> M hiesiges Nr. 4 23.00—23.25 Mark, süddeutsches Nr. 4 23.00-23.25 M. — Roggen mehl, hiesiges, Nr. 02a.2a bis 25.50 M.. do. Nr. 01 24.00—24.25 do. Nr. 1 f