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Fuldaer Zeitung

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40. Zahrgang.

Dienstag den l. Juli 1913

Crstes Blatt.

Nr. 149

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 30. Juni 1913.

Es liegt ein Kompromiß über die

Aenderung des MiljtärstrafgesrtzbucheS

Dor. An ihm find alle Parteien außer den Konserva­tiven beteiligt. Durch den Gesetzentwurf sollen für ge­wisse Subordinationsvergehen (§§ 100, 106, 107 und 110), sofern sie nicht im Felde begangen worden sind, mildernde Umstände zugelasscn werden.

In erster Lesung wird der Gesetzentwurf debattelos erledigt. In der zweiten Lesung erklärt

Reichskanzler v. Bethmann-Hollwcg: Ich kann aus natürlichen Gründen in diesem Augenblick nicht im Kamen der Verbündeten Regierungen sprechen. _ Aber für meine Person erkenne ich es an, daß es wünschens­wert ist, für eine Anzahl Militärvergehen mildernde Umstände einzuführen. Ich werde, falls der gestellte Antrag angenommen wird, für ihn im Bundesrat ein» treten. (Lebh. Beifall.)

In der dritten Lesung erklärt

Abg. Haase (Soz.): Wir werden für den Gesetzent­wurf stimmen, setzen aber voraus, daß die Früchte des Gesetzes den durch das letzte Urteil so hart betroffenen Reservisten und Landwehrleuten zugute kommen Werden.

Abg. v. Brockhausen (kons.): Wir müssen dagegen Verwahrung einlegen, daß die Wehrborlage dazu be- mtzt wird, KuAfländnisse von solcher Tragweite zu er­äugen, die sich heute noch nicht übersehen lassen. Der Reichstag darf derartige Dinge nicht übers Knie brechen. Meine politischen Freunde werden aber der Mehrzahl «ach angesichts der Gesamtlage für das Gesetz stimmen, ,hne sich irgendwie für die Zukunft binden zu wollen.

Abg. Schultz-Bromberg (Rp.): Wir versagen unsere Zustimmung zu dem Anträge nicht.

Abg. Dr. Spahn (Ztr.): Bon einer Ueberstürzung kann keine Rede sein, da gerade die Frage der mildern­den Umstände im Reichstag wiederholt behandelt wor­den ist. In der Frage selbst bedeutet der Antrag nur eine Erfüllung dringender Wünsche, zu denen der Reichstag sich wiederholt bekannt hat. Ich bitte Sie, den Antrag einstimmig anzunehmen. (Lebh. Bravo!)

In der Gesamtabstimmung wird der Antrag hierauf rngenommen; nur der Abg. Kreth (kons.) stimmt

0(5g folgten die Schlußabstimmungen über die

Wehrvorlage.

Der Kompromißantrag, die gestrichenen drei Kavallerieregimenter wiederherzu st ei­le u, wird mit den Stimmen der Rechten, der Ratio- nalliberalen und der Mehrheit des Zentrums unter stürmischem Beifall angenommen.

Unter lebhaftem Beifall wird dann in der G e. samtabstimmung die Wehrvorlage gegen die Sozialdemokraten und Polen angenommen. (Der Reichskanzler schüttelt dem Kriegsminister glückwün­schend die Hand.)

Der RachtragSetal wird mit der durch die Bewilli- gung von sechs Kavällerreregimentern erforderlichen Aenderung angenommen. Die drei Kavallerreregimen- ter sollen nach Lublinitz, Saarlouis und Montabaur kommen.

Es folgt die Weiterberatung der

Deckungsvorglageu.

Bei dem Gesetzentwurf betr. die Aenderungen im Finanz- toefen erklärt

Abg. Haase (Soz.), daß die Sozialdemokratie gegen die Aufhebung der Zuwachssteuer, gegen eine weitere Hinausschiebung der Ermäßigung der Zuckersteuer, gegen die Aenderung des Reichsstempelgesetzes und gegen die Ansammlung des Kriegsschatzes stimmen werde, dagegen für den einmaligen außerordenlichen W e h r b e i - trag und die B e s i tz st e u e r.

Ein Kompromitzantrag will das Grundwert- juwachssteuergesetz dahin ändern, daß Steuerfreiheit nicht eintritt, wenn der Veräußerer den Grund­stückshandel gewerbsmäßig betreibt.

Der Antrag wird angenommen.

Ein weiterer Kompromitzantrag will den Anteil der Einzelstaaten an der Erbschaftssteuer von einem Viertel auf ein Fünftel herabsetzen.

Staatssekretär Kühn bittet, den Antrag abzulehnen.

Das Münchner Kindl.

29] Roman von Felix Nabor.

Gut, daß ich dich treffe," sagte Ludwig fach der kurzen, kühlen Begrüßung.Ich habe mit dir unter vier Augen ein Paar Worte zu reden. Du hast dich ja merkwürdig lange nicht mehr zu Hause sehen las­sen, mrd ich glaubte wahrhaftig, du seiest nach Ost- elbie« ober an die französische Grenze versetzt worden! Entschuldige mich ein paar Mnuten, ich muß erst Mamaguten Tag" sagen nachher reden wir zu­sammen.

Heber Max kam so etwas wie Galgenhumor und er pfiff lustig vor sich hin. Dann aber sah er an sei­nem geborgten Anzug hinab und kam sich unendlich lächerlich vor. Wenn er wenigstens eine Uniform gehabt hätte! Da imponierte er, fühlte sich als Herr der Welt! Aber so nein, es war zu komisch! Und gerade jetzt, wo es galt, stolz und selbstherrisch auf­zutreten, diese Maskerade! Aber schließlich mußte es auch so gehen: Man war doch Offizier, zum Don­nerwetter! Er gab sich einen Ruck nach oben, ohne daß dadurch der inwendige Katzenjammer befestigt worden wäre, setzte Papas Panama auf und erwar­tete in zwiespältiger Sttmmung die Rückkehr seines Bruders.

Dieser begrüßte Frau Marguerste, 'tberreichte ihr das von ihrem Gatten ausgesetzte Nadelgeld) erkun­digte sich nach ihrem Befinden und verabschiedete sich mit flüchtigem Handkuß.

Frau Marguerite sah chm mit finsteren Bücken nach. Sie wurde nicht klug aus diesem Manne. Daß er die Heirat seines Balers mißbilligte, das wußte sie ; ob er seine Stiefmutter aber haßte, o'er verachtete, das war ein Geheimnis, das sie bis jetzt nicht zu ergründen vermocht hatte. Ludwig war stet' respekt­voll gegen sie, stets kühl und korrett, aber ri l lieben sich fremd. Ja, manchmal schien es ihr, Z ob er ihr feindlich gesinnt fei; sie hatte heimliche Blicke von ihm aufgefangen, die sie geradezu erschreckten. Eine plötzliche Furcht befiel sie auch jetzt. Sie be­gann zu zittern und verkroch sich in ihr Boudoir.

Der Antrag wird gegen die Konservativen angenom­men, auch das Finanzgesetz wird angenom-

Es folgt die 3. Beratung des Besitzsteuer, g e s e tz e s.

Abg. Gras Westarp (kons.) Bedauert, daß es seiner Partei entgegen dem Wunsch und Streben, mit der Wehrvorlagc auch die Deckungsvorlage in Gemeinschaft mit der Mehrheit des Hauses beschließen zu können, es nicht möglich j.i, auf den Weg der von der Mehr­heit befchlossenen Wertzuwachs st euer zu treten. Dies läge daran, daß sie über bestimmte Grenzen hinaus ihre grundsätzliche Auffassung nicht zurückstellen könnten und sie gegen das von der Mehrheit beschlossene Besitz­steuergesetz verfassungsmäßige und staatsrechtliche Bedenken ernstester Art hätten, da das Gesetz nicht nur in das Finanzgebiet der Einzelstaaten eingreife, sondern auch den Gemeinden die notwendigen Mittel ent­zöge. Trotzdem hätten Sie bis an die Grenze der Re-, gierungsvorlage noch mitgehen können. Auch die Hal­tung der Sozialdemokratie, die deutlich bekundete, daß dies Gesetz von sozialdemokratischem Geiste sei, mache ihnen ein Dafürstimmen unmöglich, zudem auch die Be­stimmungen Über die Steuerpflicht der Landesfüclten. Ihrer Auffassung nach hätte die Regierung bei fester und geschickter Vertretung ihre Vorlage durchsetzen kön­nen.

Abg. Schulz-Bromberg (Rp.) hält auch heute noch an dem früheren Standpunkt fest, Wehr» und Deckungs­vorlagen gemeinschaftlich zu verabschieden und will die Verantwortung über die Art und Weise, tote die Deckung im einzelnen gelöst werden soll, den Kompromitzparteien und der Regierung überlassen. Im übrigen würden sie nunmehr einmütig für b i e Vorlage stimmen.

Inzwischen ist eine Resolution Herzog (W. V.) eingegangen: Den Reichskanzler zu ersuchen, eine Vorlage einzubringen, durch bie das Steuer-Rechts- verhältnis der Fürsten geregelt wird.

Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: Auf Grund der wiederholt abgegehenen Erklärungen der Verbündeten Regierungen bitte ich den Reichstag dringend, im In­teresse des Zustandekommens des Gesetzes den Absatz des § 43, der die Steuerpflicht der Fürsten ausdrücklich festlegt, wieder zu streichen.

Abg. Dr. Junck (natl.): Wir werden gegen den Ab­satz stimmen. (Hört, hört! bei den Soz.) Wir Bringen damit aber nicht zum Ausdruck, daß bie deutschen Für­sten nach dem geltenden Staatsrecht der direkten Be­steuerung durch das Reich nicht unterliegen. Die na­tionalliberale Fraktion ist vielmehr in ihrer Mehrheit gegenteiliger Ansicht, überläßt aber die Entscheidung die­ser Frage der Anwendung des Gesetzes. Es würde sich empfehlen. Bei dieser Gelegenheit festzustellen, daß sich die ev. Steuerfreiheit auf bie Personen des Landesherrn und der Landesherrin beschranken mürie, daß aber gegen die Steuerpflicht der anderen Mitglieder der fürstlichen Häuser von keiner Seite staatsrechtliche Bedenken er­hoben worden sind.

Abg. Haase (Soz.): Was wir gehört haben, Ht ein glatter Umfall. Dadurch wird der Eindruck erweckt, als wenn der Reichstag nicht überall die Steuerpflicht der Fürsten anerkenne.

Abg. Dr. David (Soz.): Eine Refolutton ist hier nicht der geeignete Weg. Der Reichstag hat das ganze Recht in dieser Frage in der Hand.

In der namentlichen Abstimmung wird der Absatz mit 195 Stimmen gegen 169 Stimmen bei 8 Enthaltun­gen gestrichen. Die Resolution der Wirtschaftlichen Vereinigung wird abgelehnt.

Zum Stempelsteuergesetz wird ein Kompromihantrag über die Bewertung nicht zum Börsenhandel zugelassener Aktien angenommen, desgl. ein Kompromißantrag, wo­nach der Feuerversicherungsstempel für Im. mobilien in UÜbereinstimmung mit der Regierungsvor­lage wieder hergestellt wird; ferner ein Antrag Erzber. ger (Z.), Fischbeck (33p.), Keinath (natl.) auf Ermäßi­gung des Versicherungsstempels für Einbruchs-, Dieb­stahl- und Glasversicherung.

Dann folgen die

Gesamtabstimmungen.

Der einmalige außerordentliche Wehrbeitrag wird gegen Polen, Elsässer, das Gesetz über die Aenderungen im Finanzwesen gegen die Sozialdemokraten, Polen und Elsässer eingenommen. Das Besitz-(Vermögens- zuwachs-) Steuergesetz wird in namentlicher Abstimmung

Ludwig trank in Eile eine Tafle Tee und nahm ein paar Kakes, dann drängte er zum Aufbruch. Komm", sagte er zu Max,mein Segelboot liegt be­reit; was wir miteinander zu reden haben, sagt sich besser da draußen auf dem See, wo wir keine Zeugen zu fürchten haben."

Max folgte dem -Bruder zum Bootshaus; ein schmuckes Boot, dessen Segel wie die Schwingen eines Schwanes schimmerten, schaukelte sich auf den gli- tzernden Wellen; die Brüder sttegen ein und setzten sich auf die Bänke.

Ludwig griff nach den Tauen und zog die Segel sttaff, daß das Boot rasch auf die See hinausschoß. Er war nicht wieder zu erkennen. Das war nicht der steife, pedantische Kaufmann, der nur Zahlen kannte, dem das Gewinn-Saldo höher stand als jede Lebensfreude das war ein starker Mann, eine sest- gefügte Persönlichkeit, die sich hier auslebte und ziel- bewußt in einem edlen Sport das Gegengewicht fand ^u der nervenanspannenden und freudlosen Tätigkeit im Kontor.

Ludwig hatte in England den Rudersport erlernt und war ein Meister darin. Max erkannte mit heimlicher Bewunderung, mit welcher Sicherhett und Geschicklichkeit Ludwig die Segel setzte, wie er mit einem festen, raschen Ruck in die Taue griff, mit energischem Zug die Segel raffte oder spannte, sie gegen den Wind setzte und die prachwollen Manöver ansführte. Das Schiff gehorchte dem leisesten Druck seiner Hand; bald schoß es lang vorwätts, schnurge­rade und pfeilschnell, dann zog es einen eleganten Bogen, beschrieb einen Halbkreis oder drehte sich im Wirbel um sich fu6er.

Bei der anstrengenden Arbett sttafsten sich Lud­wigs Muskeln auf seinen bloßen Arm°n wie stäh­lerne Taue, das blasse Gesicht rötete sich und aus den Augen sprühte die Lebensfreude.

Jetzt trie^ das Boot langsam vor dem Wind. Es war ringsum stille, nur die Wellen sangen ihr einförmiges . ied und die Meflingringe, an denen die Segel auf den Rahen liefen, klirrten leise.

Ludwig heftete seine dunkeln Augen anflagend auf Ma»s siutte:

mit 280 gegen 63 (Stimmen ber Rechten bei 29 Enthal­tungen (Polen und Elsässer) angenommen. Das Reichsstempelgesetz wirb gegen Sozialdemokraten unb Polen angenommen.

Präsident Dr. Kämpf: Wir sind am Schluß eines Sitzungsabschnittes angelangt, der in der Geschichte des Reichstages als einer der denkwürdigsten bezeichnet wer­den muß. Beinahe unüberwindliche Schivierigkeiten wa­ren zu überwinden. Ungewöhnlich groß, bis an die Grenze ber Leiftunssähigkeit gehend, waren die Anfor­derungen, die an die Arbeitskraft der Mitglieder des Reichstages im allgemeinen und der Budgetkommission im besonderen gestellt worden waren. Der Reichstag hat sich an der Ausgestaltung der großen Gesetzgebung mit einer planvollen Initiative beteiligt wie kaum je zuvor. Wir können heute dieses Haus verlassen mit dem Gefühl ber erfüllten Pflicht, das uns vollen Ersatz bietet für die hinter uns liegenden Mühen und Sorgen. Möge der Abschluß des großen Werkes uns in dem Bewußtsein der Kraft und die gesamte Nation in dem Gefühl der Sicherheit bestärken, das für die gedeihliche Entwicke­lung des Reiches unentbehrlich ist, und dazu beitragen, uns und der Welt den Frieden zu bewahren, den bas gesamte Deutschlanb ehrlich will. (Laurer Beifall im ganzen Hause.)

Abg. Bassermann (natl.) spricht namens beS Hauses dem Präsidenten den Dank für seine Geschäftsführung aus, den der Präsident auf den Vorstand des Hauses und die Beamten des Hauses überträgt.

Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: Meine Herren, lassen Sie mich im Anschluß an Ihren Herrn Präsiden­ten auch meinerseits die Ueberzeugung aussprechen, daß dank ber gemeinsamen Arbeit ber Verbündeten Regie­rungen und des Reichstages ein

großes Werk getan

ist. Gewiß wird kaum einer unter uns sein, der nicht in den Finanzgesetzen manches anders wünschen möchte. Mancher im Lande draußen wird Mängel und Schärfen darin sehen, .wie bie neuen Lasten verteilt worben sind. Aber trotz der Mängel an einzelnen Teilen wird das Ganze der Nation zum Heile dienen. Die gro­ßen und schweren Opfer, die die Staaten und die ein­zelnen bringen, werden getragen für die höchsten Guter der Nation. Im Frieden und der Ehre des Landes sichern wir in der gesamten waffenfähigen Mannschaft Deutschlands eine feste Schutzwehr. (Lebh. Beifall.) Mit der Betätigung des festen Entfchlusses, für die Sicher­heit des Reiches Gut und Blut herzugeben, können wir hellen Blickes ustd mit gestärkter Zuversicht auf den Frieden und wenn es sein müßte auf siegreiche Abwehr in die Zukunft sehen. Das Bewußtsein hiervon möge fetzt nach langer und aufopfernder Arbeit die Herren in ihre Heimat begleiten. (Lebhafter Beifall.)

Der Reichskanzler verliest die kaiserliche Verordnung, durch die der Reichstag bis zum 2 0. Novembe> vertagt wird, und überreicht dem Präsidenten bie handschriftliche Urkunde.

Präsident Dr. Kämpf bringt das Kais er hoch aus, in das das Haus dreimal einstimmt.

Der Schlußakt.

Der Kampf um die Wehrvorlage hat ein Ende. Mit überwältigender Mehrheit hat der Reichstag gestern in dritter Lesung die Verstärkung der Wehr­kraft genehmigt und die Deckung bewilligt, auch noch im letzten Augenblick die drei viel umstrittenen, in zweiter Lesung abgelehnten Kavallerie-Regimenter genehmigt. Ende gut, alles gut!

Daß ein Werk wie die jetzige Wehrvorlage mit­samt den beispiellosen Deckungsgesetzen in so kurzer Frist zum Abschluß kommt, ist in der Geschichte der Parlamente kaum dagewesen. Erst am 28. März setzte der Reichskanzler seinen Namen unter die Ent­würfe. Vom 9. bis 12. April fand die erste Lesung statt. Und jetzt ist alles erledigt, die Abgeordneten sind bereits wieder daheim.

Ein großes Werk ist getan. Dieses Abschieds­wort des Reichskanzlers an den Reichstag ist keine Uebertreibung. Es ist in der Tat ein großes Werk, das gestern zum Abschluß gebracht wurde. Gioß nach dem Umfang der Heeresrerstärkung und der

Du bist mir seit Wochen ausgewichen, weil du dich schuldig fühltest. Was du bei unserem letzten Zusammensein tatest, war nicht ehrenhaft, denn du hast mit List genommen, was nicht dein war"

Nimm dich in acht!" brauste Max auf. Ich bin der Sohn meines Vaters so gut wie du, habe die gleichen Rechte und denselben Anteil an unserem Vermögen. Was ich tat, habe ich sofort Papa be­richtet. Die Sache liegt also völlig korrett."

Ludwig verharrte in seiner ehernen Ruhe.Nicht doch", sagte er mit Strenge. ,Lich verwalte die Kasse und hafte für sie du aber hast kein Recht, ohne mein Wissen etwas daraus zu entnehmen. Und nun handelt es sich gar um eine so große Summe! Wie soll ich sie buchen? Ich muß sie geradezu aufs Verlustkonto setzen. Du glaubtest da wohl einen guten Witz gemacht zu haben und leider hat auch Papa die Sache so aufgefaßt ich aber bin anderer Ansicht und nenne deine Tat beim wahren Namen: sie ist ein Betrug!"

Nimm dies Wort zurück!" rief Max.Bedenke, daß ich Offizier bin und mich nicht beleidigen lafle auch von dtr nichft"

Ich wollte, d" hättest das eher bedacht", er- widette Ludwig mit Festigkeit,bann hättest du die­sen Betrug nicht begangen. Ms ich das Kontor ver­ließ, da habe ich dir all die Tausende anvertrcmt, die in der Kasse waren. Ich glaubte an dich, ich ver­traute dir. Du aber hast mein Vertrauen getäuscht. Unter dem Vorgeben, in meiner Gesellschaft einen fröhlichen Abend zubringen zu wollen, locktest du mich weg; ich sollte an diesem Tage die Kafle nicht mehr revwieren können. Das war der zwette Betrug. Und als ich dann am folgenden Tag das Defizit in di Kafle entdeckte, und als Papas Telephongespräch Auftlärung brachte, da hatte ich die Empfindung: du bist beswhleu wt^den! Bestohlen um das Geld, bestohlen auch um das Vertrauen! uni) das war das bitterste"

Max hatte sich erhoben.Du sprichst Worte, die ich als Offizier nicht anhören darf", rief er.Ich müßte dir sonst mit dem Deae» oder mit der Pistole

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Milliardenopfer; groß in der glücklichen Ueberwindung von ungeheuren Schwierigkeiten; groß in der Wirkung auf die innerpolitische Entwicklung und auf die Weltstellung Deutschlands.

Das große Werk ist schnell zum Abschluß ge­langt und ohne scharfe Parteikämpfe mit gro­ßen Mehrheiten in den Kernfragen. Das ist von be­deutendem Wert für das Ansehen Deutschlands, für den Respekt, den es bei seinen Neidern und Gegnern findet.

Wenn man das betont, so geschieht es nicht aus Eitelkeit, sondern in der Ueberzeugung, daß der Friede umso besser gesichert ist, je klarer man im Auslände die feste Entschlossenheit des deutschen Vol­kes erkannt, für seine Wehrkraft den letzten Mann und den letzten Groschen einzusetzen. Der moralische. Eindruck ist unter Umständen mehr wert, als ganze Armeekorps. Von diesem Gesichtspunkt aus ist es auch erfreulich, daß der Reichstag die Strettfrage, ob drei oder sechs Kavallerieregimenter aus der Welt geschafft und die ganze Forderung bewilligt hat. Abgesehen davon, daß die gestrichenen Regimen-, ter doch tmmei wieder beantragt worden wären, hät­ten wir die verhältnismäßig kleine Augenblicks-Er­sparnis nur erzielen können durch eine Abschwächung des guten Eindrucks im Auslande. Dabei verdient auch die sozialdemokratische Fraktion eine gewisse Anerkennung. Weniger wegen ihrer Zustim­mung zu zwei Steuergesetzen, die mit Eigenlob und Hinterlist verquickt war und erst noch die Probe bei weiteren Steuergesetzen bestehen muß. Aber es ist Tatsache, daß die Sozialdemokratie trotz aller schar­fen Reden gegen denMilitarismus" von den Mitteln der Obstruktion, die ihnen reich­lich zu Gebote gestanden hätten, nur einen schonen­den Gebrauch gemacht haben. In den ersten Tagen der zweiten Lesung haben sie freilich mit Dauerreden und unmöglichen Anträgenwacker" gearbeitet. Aber als die Kompromißverhandlungen zum Abschluß ge­bracht waren und die posittve Mehrheit an das Ein­fahren des Heues ging, da haben die Sozialdemokra­ten keine ernsten Schwierigketten mehr gemacht. Die begreifliche Ausnutzung des Erfurter Urteils ging ja unter dem Entgegenkommen der Regierung schnell und mit erfteulicher Wirkung vorüber. Auf dieBe­kehrung" der Sozialdemokratie zur Positiven Mitar- beit setzen wir keine Hoffnungen nach Art der Groß­blockliberalen, und wir zweifeln auch nicht, daß et­waige Obstruttionsversuche diesmal ebenso gut n:? dergerungen waren wären, wie s. Zt. der Widersinn! gegen den Zolltarif. Aber gut ist es doch, daß uw diese Weiterungen erspart geblieben sind und alb Welt erkannt hat, wie sehr auch die sozialdemokratisch Partei dem festen Wehrwillen des deutsche) Volkes Rechnung tragen muß und eine Auflösuni unter der Wehrparole nicht riskieren darf.

Viel mehr Schwierigkeiten, als die Wehrvorlage selbst, machten die Deckungsfragen, und von der beschloflenen Lösung sagt der Reichskanzler: man­cher im Lande draußen werde Mängel und 5öl­ten in den Finanzgesetzen sehen. Das wird schon stimmen. Wir haben überhaupt noch niemals eine Finanzreform erlebt, die nicht von Klagen über Man-- gel und Härten beglettet war. Wenn man aber alles in allem nimmt und einerseits bie überaus schwieri­gen staatsrechtlichen unb parteipolitischen Verhält­nisse, andererseits den gewaltigen Umfang der jetzi­gen Bewilligungen abwägt, dann muß man gestehen: das Steuerkompromiß war auch ein großes Werk und hat in der Sammlung einer so starken Mehrheit einen ungemein großen Erfolg erzielt. Opfer hat es fteilich gekostet; auch das Zentrum hat große Opfer für den großen Zweck bringen müs­sen. Daß bie Konservativen in ber Haupt­frage der Zuwachs befteuerung abseits stehen ge­blieben sind, bedauern wir lebhaft, wollen aber nicht verkennen, daß für sie nach ihrer Ueberlieferung und

antworten. Ich will zum Ufer zurück und zwar sofort!"

Ludwig rührte sich nicht. Mit unerschütterlicher Ruhe sagte er:Du bleibst! Einmal mußt du ja doch die Wahrheit hören und da sie dir kein anderer zu sagen wagt, so muß ich es tun das ist meine Pflicht als Bruder."

Max sah ein, daß er gegen seinen Bruder nicht auftommen konnte, weil er von beiden der Schwä­chere und der Schuldige war. Er biß die Zahne zusammen und sank auf Die schmale Bank. Da saß er nun wie ein Angeklagter vor seinem Richter.

,Zch gönne dir den VorMg und die Ehre, des Königs Rock zu tragen", fuhr Ludwig fort,aber du sollst es in Ehren tun. Es liegt mir auch nichts daran, daß du zum Leben mehr brauchst als ich aber zwei Dinge dulde ich nicht: daß du unser müh­sam erworbenes Vermögen verschleuderst und ver­geudest und daß du unserem Namen Unehre machst! Es ist kein berühmter Name, den wir füh­ren, aber wir haben ihn stets in Ehaen getragen. Du aber bist daran schuld, daß man ibn in der Stadt in einer Weise nennt, die mit nicht lieb ist

Wieso denn?" _

Nun, Anlaß gibst du ja den Leuten mehr als genug! Denk doch an deinen lockeren Lebenswan­del! Freilich trifft auch unfern Vater ein Teil der Schuld. Er ist zu nachsichtig gegen dich, druckt über deine Torheiten die Augen zu und stempelt sie zn Heldentaten. Vor allem aber gibt er brr zuviel Geld mit dem du nicht zu wirtschaften verstehst; er bezahlt dir lachend deine Schulden und sieht tn dir so eine Art Fabelwesen, das den Marschallsstab rm Tornister trägt, dem eine Adelskrone winkt. Tiefe Schwäche und dein Leichtsinn sind dein Verderben. Es ist stadtbekant, daß du ein Verschwender und Spieler ein RouS unb noch Schlimmeres bist.

,Flatsch, nichts als Klatsch", rief Max zormg.

Unb deine Brautschaft mit Olympia? Und die Villa in Garmisch? Die Trinkgelage tutKlub ber Einsamen", die Spiclabende ist das auch Klatsch?" c

Fortsetzung folgt