Zul-aer Leitung
148.
Montag 50. Juni 1915.
2. Blatt.
vrnck der gelbe« a<tke»nwftrei in Selbe.
Lokaler.
Fulda, 30. Ium 1913.
# Personalien. Der Direktor des Hersfelder Krankenhauses, Dr. Lindner, wurde zum 1. Oktober nach Hanau als Leiter der chirurgischen Abteilung des Hanauer Krankenhauses und der bisherige In- Haber dieses Postens, Dr. Fertig, nach Hersfeld an das dortige Krankenhaus versetzt. — Die Ortsschulaufsicht über die katholische Schule in Marburg wurde dem Pfarrer Dr. Weber vom 1. Juli ab übertragen. — v. Oertzen, Major und Abteil.- Kommandrur im Feldart.-Regt. Nr. 55 wurde zum Stabe des Feldart.-Rcgts. Nr. 11 versetzt. — Der Gerichtsvollzieher Geschke in Schlitz ist vom 1. Juli ab zum Gerichtsvollzieher in Ortenberg ernannt worden. An seine Stelle tritt der Gerichtsvollzieher Aspirant Reichert in Offenbach. — Dem General- kommissionssekretär Brencher in Kassel wurde der Charakter als Rechnungsrat und dem Vorsitzenden der Landwirtfchastskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden, Bartmann in Frrankfurt a. M., der Charakter als Landesökonomierat verliehen. —Kreis- assistenzarzt Dr. Wittich in Kasiel ist zum Kreisarzt für den Kreisarztbezirk Fritzlar-Homberg vom 1. Juli d. I. ab ernannt. — Landesdirektionssekretär I. Feuerroh r-F u l d a ist zum 1. Oktober an die Zentralverwaltung nach Kasiel versetzt.
# Verliehen wurde dem General-Superintendenten D. Pfeiffer zu Kasiel der Stern zum Kronenorden 2. Klaffe, dem Nagelschmiedemeister Kirchner zu Steinbach-Hallenberg im Kreise Herrschaft Schmal- kalben, dem Altersrenten-Empfänger Kaspar Dehler zu Fulda das Allgemeine Ehrenzeichen, sowie dem Möbelpacker Reitze zu Kaffel das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze.
a. Vtehmarkt. Der für den 10. Juli angesetzte Biehmarkt ist behördlicherseits genehmigt worden. Der Austrieb hat von 6—9 Uhr morgens zu erfolgen.
Ö Die Männergesellschast M. N. unternahm gestern ihren Wagenausflug nach Poppenhausen. Schon auf der Hinfahrt entwickelte sich bald eine humorvolle Stimmung, man freute sich, daß man von Staub und Hitze nicht zu leiden hatte und genoß dankbar die Fernblicke, die gelegentlich doch zu erhaschen waren. In Dipperz wurde Station gemacht und in der Pfarrkirche der neue herrliche Altar besichtigt, der das Entzücken aller wachrief. In Poppenhausen setzte man sich im Schönberg'schen Saale zu einem mit schönen Reden und leckeren Gängen gewürzten Mahle nieder. Herr Landtagsabgeordneter Amtsgerichtsrat Rhiel begrüßte mit herzlichen Worten die erschienenen Gäste, in deren Namen Herr Dechant Dr. Fischer antwortete. Im weiteren Verlaufe des Abends folgten Solovorträge und gemeinschaftliche Lieder; an Abwechselung fehlte es nicht. Die Heimfahrt wurde gegen 91/! Uhr angetreten; sie führte die Ausflügler in 2 Stunden wieder nach Fulda zurück.
— Kreuzbündnis. Die Ortsgruppe „St. Sturmius" Fulda des Kreuzbündnisies (Verein abstinenter Katholiken) feierte gestern das Fest des Schutzpatrons des Bündnisses, des hl. Johannes. Morgens gingen die Mitglieder in der Severikirche gemeinsam zum Tisch des Herrn, nachmittags fand ebendaselbst die feierliche Aufnahme neuer Mitglieder statt. Abends 7 Uhr war Familienfeier in den Sälen des Gesellenhauses. Neben den Mitgliedern des Vereins und deren Angehörigen hatten sich auch zahlreiche Gäste eingefundrn, sodaß der geräumige Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. Ein flott gespielter Marsch leitete die Feier ein, worauf Frl. Therese Gies in vorzüglicher Weise einen Prolog, der mit dem Motto „Gott will es" zum Kampf für die Ideale des Kreuzbündnisses aufforderte, zum Vortrag brachte. Recht beifällig ausgenommen wurde auch der Einzug der Jugendabteilung. Der Vereinsborsitzende hieß die Vertreter der Geistlichkeit, die Gäste und Vereinsmitglieder in herzlichen Worten willkommen. Er stellte fest, daß der zahlreiche Besuch beweise, daß das Kreuzbündnis auch in Fulda sich Beachtung errungen habe und großem Interesse begegne. Der Hauptredner des Abends, Pater Remigius vom Kloster Frauenberg, verbreitete sich später in klaren, zu Herzen gehenden und oft von Humor durchwürzten Worten über Zweck und Ziel des Kreuzbündnisses. Er stellte dabei so manche schiefe Auffassung, die in weiten Kvnsen über das Kreuzbündnis herrscht, richttg. Keineswegs sollen alle zur völligen Abstinenz bekehrt werden. „Wenige wollen das Opfer der Abstinenz bringen, damit alle mäßig werden", so sagen klar und deutlich die Statuten. Keine wirksamere Waffe gegen die Unmäßigkeit gibt es jedoch, als das Beispiel der Abstinenz. Und das Kreuzbündnis ist wirksam, auch hier in Fulda. Das Kreuzbündnis bildet aber auch Charaktere und setzt seinen Mitgliedern edles Ideal, nämlich: Opfer bringen für andere, für die Trinker. Und wenn die hiesige Ortsgruppe auch nur einen Trinker rettete, so hat sie, nach dem Ausspruch eines angesehenen Bürgers, genug geleistet. Und sie kann Erfolge beweisen. Der mit lebhaftem Beifall aufgenommene Vortrag dürfte bei manchem der Teilnehmer dieses oder jenes Vorurteil gegen das Kreuz- büudnis endgiltig ausgeräumt haben. Von den sonstigen Darbietungen des Abends seien noch die Gesangsvorträge des Damenchors, die Theateraufführungen und das von Frl. Roßmar in Fuldaer Mundart vorgetragene Gedicht „Selbsterkebtes" rühmend herdorgehoben.
[] Fulda-Rhön-Sängerbund. Gestern tagte in Niederaula die Delegrerten-Versammlung des Fulda- Rhön-Sänger-BundeS. Zum Bundespräsidenten wurde Herr Kaufmann A. Zirkenbach.Fulda gewählt. Das nächste Bundessängersest findet 1914 m Fulda statt.
_i_ Zm Laudkrankenhaus Fulda starb am Samstag abend der langjährige Direktor der Darmstädter Bank, Geh. Kommerzienrat Hedderich, der am 1. Januar d. I. von seinem Polten zurückgetreten ist und bis vor kurzem in B a d S a l z s ch l i r f zur Erholung weilte.
5- Ein Trupp Zigeuner zeiate sich am Samstag in unserer Stadt. Da den tiaunen Gesellen der Aufenthalt nicht mehr gestattet ist, wurden sie von dem Fußgendarmerie. Wachtmeister van Bürk abge- schoben. Hierbei zeigte sich, wie die durch die Bluttat am Förster Romanns entstandene Aufregung im Volke noch nachzittert. Mit ängstlicher Neugterde sah man dem seit jener aufregenden Zeit selten gewordenen Auszuge nach.
= Unfall. An einem Gerüste am Schweinemarkt brach heute früh eine Bohle. Ein auf ihr arbeiten, der Lackierer stürzte in den gepflasterten Hof hinab, kam aber glücklicherweise mtt leichten Hautab. schärfungen davon.
a. Von, der Maul- und Klauenseuche ist nach einer Ausstellung im neuesten Amtsblatt die ganze Provinz Heffen-Nassau befreit. Das Verbreitungsgebiet der Seuche im deutschen Reiche ist weiterhin stark zurück
gegangen; es find nur noch 16 Kreise mit 19 Gemeinden und 47 Gehöften verseucht.
• Wichtig für Eiseubahnreisende. In welch« Weise man auf einer Zwischenstation in eine höhere Wagenklasse übersteigen kann, dürfte wohl noch nickt allgemein bekannt sein. Bisher mußte in solcken Fällen eine halbe Fahrkarte derjenigen Klaffe gelöst werden, in die der Reisende überging. Aus Billig, keitsgründen ist diese Bestimmung dahin geändert worden, daß jetzt nur noch bet genaue Fahrpreisunterschied der beiden Klaffen gezahlt wird, dem Reisenden also durch den llebergang in eine höhere Klaffe künftig keine Verteuerung der Fahrt erwächst. Es werden besondere Uebergangskarten mit einem weißen Querstreifen in der Grundfarbe derjenigen Klaffe, in die der Reisende übergeht, ver. ausgabt.
Postsachen nach dem balgarischen EroberungS- gebict. Von jetzt ab können gewöhnliche Postpakete bis 5 Kilogramm ohne oder mit Nachnahme bis 400 Mk. nach Salonik (Soloun), Adrianopel (Odrine), Mu- stapha-Pascha (Svilengrade), Kirkilisse (Lozeng-rade), Gorna Djoumaia und Pachmakli, ferner gewöhnliche und telegraphische Postanweisungen bis 500 Fr. nach Adrianopel, Serres, Tanthi (Sketcha), Gumurjina, Kirkilisse (Lozengrade), Mustapha-Pascha, Dimotica, Gorna Djoumaia und Pachmakli zur Vermittlung durch die bulgarischen Postanstalen in diesen Orten bei den deutschen Postanstalten aufgeliefert werden. Die Taxen und Versendungsbedingungen sind dieselben wie für gleichartige Sendungen nach Bulgarien.
Aus dem Nachbargebiete.
□ tzoraS, 30. Juni 1913. Gestern nachmittag fand im Martin'fchen Saale die diesjährige Haupt- Versammlung des Darlehnskassen« Vereins statt. Die Rechnung und Bilanz pro 1912 wurde bekanntgegeben. Der Jahresumsatz betrug im abgelau. fenen Rechnungsjahre rund 112,000 Mark, die Aktiva am Jahresschlüsse 157,127 Mark U Pfg., die Passiva 156,793 Mark 43 Pfg., der Gewinn also 333 Mark 68 Pfg. An Spargeldern sind angelegt 122,004 Mk. 43 Pfg., an Darlehen und Kaufgeldern sind insgesamt ausgegeben 141,031 Mark 78 Pfg. Der Verein zählte 90 Mitglieder' — Das 35. Stiftungsfest der Marianifchen Sodalität wurde gestern in der üblichen Weise gefeiert. Beim Vormittags-Gottesdienste gingen fast sämtliche Mitglieder (etwa 150) zur hl. Kommunion. Am Nachmittage um 2 Uhr fand die feierliche Aufnahme 6 neuer Mitglieder statt; die Festpredigt hielt Herr Pfarrer Gut beriet« Kämmerzell. Heute früh 5V* Uhr fand ein Seelenamt für die verstorbenen Mitglieder der Kongregation statt.
* Eiterfeld (Kr. Hünfeld), 29. Juni 1913. Das hiesige Kgl. Amtsgericht hat Termin zum Verkaufe des den Erben des verstorbenen Freiherrn Schenck zu Schweinsberg in Buchenau gehörigen Anwesens (Waldgut mit Schloß und Park, 596 Hektar Wald, 71 Hektar Gärten, Aecker und Wiesen, umfangreiche Gebäude, Kavalierhaus, Beamtenhaus ufw) auf den 15. Oktober, nachm. 3 Uhr, in die Knie- rim'sche Wirtschaft in Buchenau bestimmt.
* Salzschlirf, 28. Juni 1913. Die heutige Nurn- wer der Hutlifte verzeichnet 2863 Kurgäste.
* Lauterbach, 28. Juni 1913. Am Mittwoch den 2. Juli findet hier derZiegenmarkt nebstZiegen- schau statt.
♦ Schenklengsfeld (Kr. Hersfeld), 29. Juni 1913. Die Bilanz der hiesigen Molkerei-Genossenschaft für 1912 schließt ab in Aktiva mit 11340,57 Mark, in Passiva mit 13219,96 Mark, folglich mit einem Verlust von 1879,39 Mark. Die Zahl der Mitglieder betrug Ende vorigen Jahres 171. ,
* Tauu, 28. Juni 1913. Der Bezirkslehrerverein Tann will in Hanau bei der Hauptversammlung des Hessischen Volksschullehrervereins zur Brandversicherung folgenden Antrag stellen: „Schäden durch Hoch' wasser (Ueberschwemmungen, Eisgang) und Sturmwind (Einsturz) sind den Brandschäden gleich zu achten."
* Hersfeld, 29. Juni 1913. An der Spitze der Gesellschaft, die den Versand des LullusbrunnenS der hiesigen Brunnengesellschaft auf einige Jahre gepachtet hat, stehen die Gebt. Dietrich in Fritzlar. In der Generalversammlung der Brunnengesellschaft wurde von einem mit diesen abgeschlossenen Vertrag Kenntnis gegeben, wonach sie den Versand deS Wassers des Lullusbrunnens übernommen haben.
* WächterSdach, 28. Juni 1913. Der Gemeindebezirk Höchst ist unter Abtrennung vom Katasteramtsbezirk Wächtersbach zum 1. Juli ds. Js. dem Bezirke des Katasteramtes Gelnhausen überwiesen worden.
* Gelnhausen, 28. Juni 1913. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurde mitgeteilt, daß Lehrer Druschel am 1. Oktober in den Ruhestand treten will. Sodann wurden 2000 Mk. für Vorarbeiten eines Schulneubaues bewilligt. Ferner wurd» die Beteiligung der Stadt Gelnhausen mtt 6000 Mark an dem von den Gemeinden des Kreises zu bildenden Kraftwagenbetriebe, einer G. m. b. H., genehmigt. Die neue Gesellschaft verfolgt den Zweck, dort, wo im Kreise keine Bahnverbindung möglich ist, dne Verkehr durch Kraftwagen zu regeln. Der Kreis Gelnhausen wird sich ebenfalls mit 6000 Mark an dem Unternehmen beteiligen. Auch die Stadt Orb nimmt Anteile in Höhe von 6000 Mark, die Stadt B i r ft e i n solche im Bettage von 3000 Mark usw. Der Kreis Schlüchtern, der zum kleinen Teile an dem Unternehmen Interesse besitzt, beteiligt sich ebenfalls. Es sind vier Linien geplant, von denen eine bis Bad Brückenau reichen wird.
* Hanau, 28. Juni 1913. Die Stadtverordneten haben in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, die Betriebsbeamten und 'Bediensteten der städtischen gewerblichen Betriebe nach zehnjähriger Dienst,eit lebenslänglich anzustellen.
* Frankfurt, 28. Juni 1913. Der zum Pfarrer der Pfarrei Bockeuheim ernannte Kuratus Becker aus Oberrodenbach wird Dienstag, 1. Juli, die Pfarrei übernehmen. Die feierliche Vorstellung und Installation wird Sonntag, 6. Juli, vormittags 9 Uhr, durch den Dechanten Brann-Hanau vorgenom- men werden. — Die Staatsanwaltschaft hat gegen das am 21. Juni gefällte Urteil von Dr. Spohr und Dr. Bachem, die bekanntlich wegen Heber» tretung des Seuchengesetzes zu je 300 Mk. verurteilt waren, Berufung eingelegt.
♦ Kassel, 28. Juni 1913. Ein angeblicher .Kriminalschutzmann' inspizierte in diesen Tagen verschiedene Metzgereien auf die Reinlichkeit der Betriebe hin und benutzte diese Gelegenheiten zu Dieb- stählen. In einem Falle wurde der Mann als Schwindler entlarvt, doch gelang es ihm, zu entkommen. — Der 72jährige Invalide I. stürzte von der 6 Meter hohen -Miauet hinter dem Artillerie- Laboratorium und zog sich eine schwere Kopfverletzung zu, an der er im Laudkrankenhaus verstarb.
* A«S Wild nagen, 28. Juni 1913. Der Weih« bischos Jlligens von Münster, der in der vergangenen Woche auf einer Firmungsreise von einem Unwohlsein befallen wurde, wird sich hier auf Anraten des Arztes einer Kur unterziehen.
• Mainz, 29. Juni 1913. Um ihre Abwässer in den Rhein ab leiten zu können, hat die Stadt eine Kläranlage unterhalb ihres bewohmen Teiles angelegt, die jetzt der Benutzung übergeben wurde. Die Kosten der vorläufig für etwa 10—15 Jahre gedach- ten-Anlage betragen 60,000 Mark.
* Vom Eichsfelde, 28. Juni 1913. Auf dem Kali» schacht Bernterode ist gestern der Bergmann Kohl aus Bernterode in den Bremsschacht gestürzt. Er konnte nur als Leiche zutage gefördert werden. K. stand in den 40er Jahren und war verheiratet. — Sämtliche Arbeiter zweier Baufirmen in Heiligenstadt haben die Arbeit niedergelegt, weil die Firmen sich weigerten, die im Baugewerbe tarifmäßig festgesetzte Erhöhung der Stundenlöhne um 2 Pfg. zu zahlen.
* Schmalkalden, 28. Juni 1913. Der Landeseisen« bahnrat hat der Eingabe des hiesigen Fabrikantenvereins und der Handelskammer zu Kaffel auf Frachtermäßigung für aus dem hiesigen Kreise auszuführendes Roheisen und einzuführende Rohmaterialien und Kohlen stattgegeben.
* Ans Franken, 28 Juni 1913. Im Befinden des Artilleristen Frankfurter vom 11. Feld-Art.-Reg. in Würzburg, dem bekanntlich durch Transfusion neues Blut zugeführt wurde, ist eine wesentliche Besserung zu verzeichnen. Es wurden bis jetzt und werden noch ^weiterhin kleine Blutmengen von gesunden Personen in di« Blutbahn eingespritzt. — Nicht weniger als drei Konkurse wurden heute in Würzburg eröffnet und zwar über die Firmen: Ludw. Stern, Weinhandlung; Ferd. Hanauer, Bankgeschäft und Bayerische Steinwerke Vetter G. m. b. H., Sitz Würzburg. — Die Leiche des seit 10 Tagen abgängigen 62jährigen ledigen Bauers Hildenbrand von Steinbach wurde gestern aus einem Main- Wasserbau herausgezogen. Um sicher unterzugehen, hatte H. 4 große Steine in seine Arbeitsfchürze gebunden. Die Tat dürste in geistiger Umnachtung geschehen sein.
Amt Geisa und Umgebung.
* Geisa, 29. Juni 1913. Die Handelskammer des Großherzogtums hielt am Donnerstag in Weimar eine Vollsitzung ab. Bei der Beratung über daS von der Regierung geplante Gemeindeabgabengesetz wurde gerügt, daß im Großherzogtum verschiedene Gemeinden im Gegensatz zu denen Preußens.die Kohle besteuern, was für die Industrie eine außerordentliche Belastung bedeute. Es müsse eine möglichst vollkommene Einheitlichkeit mit Preußen angcftrebt werden. Ueberhaupt fei der Großherzogk. Regierung zu raten, mit dem Erlasse des Gemeinde« abgabengesetzes zu warten, bis Preußen fein schon feit 1893 bestehendes, aber inzwischen als sehr mangel« Hütt erwiesenes Gesetz geändert habe. Dann stimmte die Kammer für Aufhebung der besonderen Gewerbe« gerichte und Kaufmannsgerichte, deren Tätigkeit den Amtsgerichten zugewiesen werden solle. Betreffs der vom Gewerbeverein Weimar angeregten Abschaffung der Jahrmärkte wurde schließlich nach langem Hin und Her, bei dem sich herausstellte, daß namentlich die kleineren Städte, besonders im Eisenacher Oberlande, sehr energischen Einspruch gegen die Abschaffung erheben, ein Antrag deS Kammervor- standes einstimmig angenommen, daß diese Frage für jeden Ort unter Berücksichtigung der besonderen wirtschaftlichen Verhältnisse zu entscheiden sei. Die Kammer lehnte die Unterstützung des Verlangens des Reichsverbandes deutscher Gastwirtsvereine, wonach auf den Flaschenbierhandel und den Laden-Ausschank geistiger Getränke die Forderung des Bedürfnis« nachweises ausgedehnt werden soll, ab.
* Dermbach, 28. Juni 1913. Hier wurde ein Stenographen-Verein,Stolz e-Schrey'gegründet, dem ca. 30 Mitglieder beigetreten sind. Vorsitzender ist Lehrer Thüring.
Aus Dberheffen u- den Hess. Aemtern.
* Marburg, 29. Juni 1913. Der Zinsfuß für Spareinlagen in die städtische Sparkasse beträgt vom 1. Juli ab 33/< Prozent bei täglicher Verzinsung. — Die Strafkammer verurteilte einen Steinbruchs« Aufseher ans dem Kreise Biedenkopf, der die Dyna- mitpatronen nicht vorschriftsmäßig verschlossen hielt, wegen Üebertretung des Sprengstoff-Gesetzes zu 4 Monaten Gefängnis.
* K-rchhain, 28. Juni 1913. Ein Pferd des Land» wirts Thielemann geriet gestern, als es auf der Straße einem Fuhrwerk ausweichen sollte, in die Messer einer auf der anderen Seite stehenden Mähmaschine. Das wertvolle Tier, dem der Bauch ausgeschnitten wurde, mußte abgestochen werden.
* Kirchhain, 27. Juni 1913. Ein Bürger in Emsdorf, dem neulich ein Hund zugelaufen war, bediente sich, um ihn wieder los zu werden, folgender origineller Anzeige in der,Kirchhainer Zeitung':
Dem Joseph Gregor Lecher hier — Lief gestern zu ein Hundetter, — Schwarz von Farbe, spitz Gesicht, — Macht immer,Huhh' wenn er was spricht. — Kurz die Ohren, stumpf der Schwanz, — Jagt gern die Hühner und die Gans. — Es sind auch braune Flecken dran, — Man heißt so'n Tier einen Dobbermann. — Wem nun das Tier ist fortgelaufen, — Braucht keinen andern sich zu kaufen, — Kann machen, daß er hierher kommt, — Daß» der Köter aus dem Haufe kommt.
[:] Neustadt, 28. Juni 1913. Herr Gendarm Simmersbach scheidet mit dem 1. Juli aus seinem Dienste, um im Kornmunaldienste der Stadt Elberfeld, und zwar in der Schlachthaus-Verwaltung, Verwendung zu finden. Die freiwerdende Stelle wird ein Anwärter aus der Gendarmerie-Schule zu Embeck übernehmen. — Die Eisenbahn-Verwaltung läßt auf dem hiesigen Ladeplätze, welcher langgestreckt ist, eine ®r eh ft eile für Fuhrwerke errichten. Es wird dadurch einem Uebelstande abgeholfen, welcher im Wagenverkehr schon lange unangenehm empfunden wurde.
* Gladenbach, 28. Juni 1913. In dem Bezirk der hiesigen Landesbankstelle sind im letzten Jahre 22 Schulsparkassen gegrünoet worden. Diese hatten am Ende des Geschäftsjahres bei der Landesbank ein Guthaben von insgesamt 7411 Mk Alle diese Sckulfparkassen wurden erst in der letzten Hälfte des verflossenen Geschäftsjahres gegründet.
vermischtes.
* Grubenunglück. Aus Zeche Osterfeld bei Oberhausen (Rheinland) öffnete sich plötzlich die Tür eines Koksofens, und die glühenden Koksmassen ergossen sich über die Arbeiterschar. Zwei Mann waren sofort Id.I,
zwei andere wurden derart derbrannt, daß sie schwerlich mit dem Leben dadonkommen werden.
* Textilarbeiterausstand in Bocholt. In der Textil- industrie von Bocholt wurden am Samstag weietre drei, tausend Arbeiter ausgesperrt. Die Gesamtzahl der Ausgcsperrten beträgt jetzt sechstausend.
♦ Schiffsbrand aus dem Rhein. Im Kauber Wasser, unmittelbar vor der Stadt Kaub, brach an Bord des mit zwei anderen Kähnen im Anhang des Schleppdampfers „Moguntia" liegenden Kahnes „Mannheim XV" aus noch nicht festgestellter Ursache Feuer aus. Ein großer Teil des Schiffes, dessen Ladung aus Baumwolle, Kaffee, Portwein und Palm- fernen bestand, brannte aus. Ein Teil der Fracht, vorwiegend Baumwollballen, mußte über Bord geworfen werden. Es wird Selbstentzündung der Baumwolle als Entftehungsursache des Brandes angenommen. Der Schaden ist bedeutend.
* Blitzschlag in ein Bergwerk. Während eines schweren Gewitters schlug ins Bergwerk Dirstentritt bei Nassenreuth in Tirol der elektrische Strahl und fuhr längs den Schienen der Rollbahn durch das ganze Bergwerk. Bier Mann wurden durch den Blitz schwer verletzt.
* Raffinierte Betrügereien hatten in Rathenow (Brandenburg) verschiedene Leute verübt, die von der Strafkammer zu 3 bis 9 'Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Die Angeklagten hatten Rabattmarken, wie sie in den Rathenower Geschäften verausgabt wurden, au einer Druckpresse hergestellt, in die Bücher geklebt und an den Kassen des Rathe« noroer Bankvereins gegen bares Geld eingetauscht. Die Betrügereien konnten lange fortgesetzt werden, bis sie entdeckt wurden.
* Studenten als Schauspieler. Freiburger Studenten und Studentinnen haben eine Wanderbühne gegründet, die in den Ferien auf den Dörfern Vorstellungen klassischer Stücke und Hans Eachs'scher Komödien geben will zu einem billigen Preise, mehr um der gut n Sacke als des Geschäftes wegen.
* Der Bock als Gärtner. In Ostende wurde ein Schlafwagenkontrolleur, der zahlreichen Passagie- reit der Luxuszüge ihre Schmucksachen geraubt hat, verhaftet. Der Mann soll sich auf diese Weise ein Wermögen von über einer Viertelmillion Franken zusammengestohlen haben.
* Landung deutscher Fliegeroffiziere in der Schweiz. Der Zweidecker „Main" mußte mit zwei Offizieren vom deutschen Infanterieregiment Nr. 118, die sich auf dem Fluge von Metz nach Konstanz befanden, wegen Motordefekts in Beringen (Kanton Schaffhausen) landen. Die Offiziere veranlaßten fo- fort eine Meldung an die schweizerische Polizeidirek- timt.
* Ein Zusammenstoß im Tunnel. Ein schwerer Unfall hat sich in dem im Bau befindlichen Tunnel des Mont d'Or in der Schweiz ereignet. Infolge einer mißverstandenen telephonische Meldung stießen ein bergaufwärts und ein bergabwärts fahrender Zug im Tunnel zusammen und beide entgleisten. Sechs Personen wurden lebensgefährlich verletzt. Der Zugführer geriet unter die brennenden Trümmer seiner Lokomotive. Er mußte während der Rettungsarbeiten ständig mit Wasser begossen werden, um zu verhindern, daß er verbrannte. Mit großer Mühe gelang es, ihn tödlich verletzt herauszuziehen.
* Erdbeben in Unteritalien. In der Gegend von Avellino und Castellamare di Stabla haben am Samstag früh Erdbeben stattgefunden. Stärkere Erdstöße sind auch in der Provinz Cosenza verspürt worden. Viel Sachschaden ist angerichtet in Paolo, Mongrassano, Corigliano und Rogiano-Gravina, lauter kleinen Gemeinden in der Provinz Cosenza. In Roggiano stürzte das Dach des Schulhauses ein, wodurch 2 2 Kin- der, davon einige schwer, verletzt wurden. Auch in einer Reihe anderer Ortschaften wurden viele Häuser schwer beschädigt und Menschen verletzt. Aus Neapel wird gemeldet, daß seit Samstag auch den Vesuv Rauchsäulen ausstößt.
* Die amerikanische Hitze. In den Weststaien Amerikas hält die furchtbare Hitze auch die Nächte hindurch an. In Chicago, Cleveland und St. Louis sind bereits eine Anzahl Menschen infolge der Hitze gestorben. In den Maisgebieten verdorren die Anpflanzungen.
Handel und Industrie.
Berlin, 28. Juni 1913. Da der Ultimo überwunden ist und der Privat - Diskont sich für kurze Sichten auf 6/s Prozent, für lange auf 5’/s Prozent ermäßigte, konnte die Börse eine befestigte Haltung zeigen. Von deutschen Anleihen notierten 3prozentige Reichsanleihe und Konsols 0,20 Proz. und 3V-prozen- tige 0,10 Proz. höher, 4prozentig« Reichsanlethe 0,15 Proz. niedriger.
Für die durch Uederschwemmung schwer heimst esuchten Bewohner im Ureise Hünfeld und Amt Geisa: Ueberlrag 1702.70 Mk<
H. H., Sterbfritz....... 12.— „ Ungenannt Fulda ...... 1.— „ N. N.......... 10.— „
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Summa 1750.70 M.
Weitere Gaben werden gerne angenommen.
GrsWMe Ser MSaer Zeitung.
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