Zuldaer Zeitung
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40. Zahrgang.
Die Bestimmung, wonach neben dem (Ertrage auch die Verwertbarkeit eines Jagd, oder Fischereirechtes zu berücksichtigen ist, wird gestrichen, da die Bänke der Linken fast leer waren.
Ein Antrag Haase, die Bundesfürsten als steuerpflichtig ausdrücklich im Gesetz zu erwähnen, wird nach kurzen Ausführungen der Abgeordneten Haase (Soz.j, Graf Westarp (kons.) und Fischbeck (Vp.) angenommen.
Ebenfalls angenommen wird ein Antrag der elsatz- lothringischen Abgeordneten, der dem Reichslande, wo schon eine Erbsckaftssteuer erhoben wird, das Recht gibt, unter gewissen Bedingungen als Ersatz eine Besitzsteuer zu erheben. Dazu erklärt der elsah-lothringische Be. vollmächtigte Dr. Robis, daß die reichsländische Regie, rung die bereits einmal borgelegte Einkommensteuer dem neuen Landtage wieder unterbreiten werde.
Der Re st des Gesetzes wird in 2. Lesung angenommen, ebenso die dazu vorliegenden Resolutionen. Die Petitionen werden für erledigt er. klärt.
Dann wird debattelos die zweite Lesung eines Nach. trasgettrtS im Zusammenhang mit den Heeresvorlagen erledigt.
Es folgt der mündliche Bericht der Kommission zur Vorberatung der Initiativanträge betr. die Wohnungsfrage. Die Anträge werden nach kurzer Debatte ange. nommen.
Samstag: Petitionen, Vertagungwntkag, Wechselrecht, kleine Vorlagen, 3. Lesung : e 6 Wehrbeitrages und des Heeresetats.
0 Der Fall Coesfeld.
Gestern war die Jesuitenausweisung aus Coesfeld Gegenstand einer kurzen Anfrage im Reichstage. Bei der Geschäftslage im Reichstag lieh sich der Fall eben nur in einet .kurzen Anfrage* behandeln, so daß die Besprechung der Antwort ausfiel. Die Presse aber muß trotz aller Steuerfragen Zeit und Raum haben, um die Gefährdung unserer idealen Güler zu beleuchten.
Wie in dem Pforzheimer Fall, so muß die Re- gierung auch zur .Rechtfertigung' des Vorgehens in Coesfeld einen Eiertanz aussühren. Der Regierungs- Präsident, der die Standesexerzitien behindert hat, soll nicht ins Unrecht gesetzt werden; aber der Reichs- tangier, der freilich sich gegen Verschärfungen der bisherigen Praxis ausgesprochen hat, soll auch Recht behalten. Zu dem Zweck wird die einfache Tatfrage, ob vor 5 Jahren in Coesfeld dasselbe, was jetzt be» hindert wurde, zugelasien worden ist, im unklaren gelaffen. Als ob Coesfeld im Caprivizipfel läge und zehn ganze Tage nicht hinreichten, um von dort eine amtliche Auskunft über ein paar einfache tatsächliche Fragen zu erhalten! Zur Beschönigung des schreienden Widerspruchs zwischen den Worten des Reichskanzlers und den Handlungm der Behörden wird de» weiteren auSgeführt, daß es überhaupt sehr schwer sei, eine völlig einheitliche Hand- habung des Gesetzes in allen Teilen deS Reiches sicherzustellen, nämlich „bei der Struktur des Ge- ,etzes vom 4. Juli 1872 und der auf Grund dieses Gesetzes erlassenen Ausführungsverordnung".
F e st n a g e l n muß man dieses amtliche Zugeständnis von der schlechten .Struktur' dieser Be- stimmungen, die in die Rechte und die religiösen Interessen der Staatsbürger so tief eingreifen. Sie sind eingestandener Maßen so mangelhaft abgesaßt, daß die Rechtssicherheit in die Brüche geht. In einem Kultur- und Rechtsstaate kann man aber doch verlangen, daß allen Staatsbürgern Klarheit und Sicherheit gegeben wird über das Maß der Be- wegungsfreiheit, das ihnen bleibt, und über die Bedingungen, unter denen ein Eingreifen der Behörden zulässig und möglich ist. Wenn man durchaus die Jesuiten außerhalb des gemeinen Rechts stellen wollte, so mußte man ihnen doch wenigstens bestimmt und genau sagen, was sie tun dürfen und zu lassen haben Und wenn man die deutschen Katholiken durch
Nr. 147. Erstes Blatt.
i 1 1 .....JSL,----
Samstag den 28. 3unl 1913.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 27. Juni 1913.
Auf die Anfrage deS Abg. Dr. G e r l a ch (Z.) nach der Ausführung des
Jesuitengesetzes
in Coesfeld erwidert
Ministerialdirektor Dr. Caspar: Es ist zutreffend, daß der Regierungspräsident in Münster die bischöfliche Behörde aufgefordert hat, die von ihm für gesetzwidrig erachtete Betätigung von Jesuitenpatres anläßlich der Abhaltung von Standesexerzitien in Coesfeld zu ver. bieten, und daß die bischöfliche Behörde dieser Auf- fassung entsprochen hat. Dieses Vorgehen soll im Widerspruch stehen mit der von den Behörden bisher geübten Praxis, sowie mit der Verordnung des Bundesrats von 28. November 1912, nach der keine Aende- rnng der bisherigen Praxis herbeigeführt werden soll. Was den letzteren Vorwurf anlangt, so hat der Staatssekretär des Innern schon früher darauf hingewiesen, daß es bei der Struktur des Gesetzes vom 4. Juli 1812 und der auf Grund dieses Gesetzes erlas- fenen Ausführungsordnung schwer ist, eine völlig einheitliche Handhabung des Gesetzes in allen Teilen des Reiches sicherzustellen. (Lachen im Zentr.) Der Grund dafür liegt im wesentlichen darin, daß auf Grund des Gesetzes und der zu erlassenden Ausführungsordnungen die Behörden vielfach Maßnahmen vorbeugender Natur zu treffen haben, deren Wirkung sich im einzelnen schwer im voraus übersehen läßt. Es wird also dem Herrn Regierungspräsidenten in Münster der Vorwurf unberechtigten Widerstandes gegen Anordnungen des Bundesrats nicht gemacht werden können, auch wenn im vorliegenden Falle abweichend von der bisher in Coesfeld gehend habten Praxis verfahren worden sein sollte. Inwieweit das zutrifft, unterliegt noch der Aufklärung. (Lachen ttn Zentrum.) Der Herr Reichskanzler ist aber nach wie vor in grundsätzlicher Uebereinftimmung mit den verbündeten Regierungen, insbesondere mit der Preußischen Regierung, der Ansicht, daß Verschärfungen der früher en Praxis vermieden werden müssen. (Lachen im Zentrum.) Der Preußische Kultusminister hat die zuständigen Behörden durch einen Erlaß vom 12. Dezember 1912 ausdrücklich hierauf hingewiesen. Der Reichskanzler hat im vorliegenden Fall Anlaß genom- men, mit dem Preußischen Kultusminister erneut in Verbindung zu treten, damit dieser die Angelegenheit an der Hand der geltenden Erlasse nochmals eingehend prüft, und damit gleichzeitig eine mit b er früheren Praxis über» einstimmende Handhabung des Gesetzes und seiner Ausführungsverordnungen auch für Preußen sicher gestellt wird. (Lachen im Zentrum.)
Auf eine Anfrage des Abg. Brey (Soz.) nach den Ur* jachen und Verlaus der Soldatenerkrankunzen in Osnabrück erwidert.
Generaloberarzt Dr. Schulz, daß mit Ausnahme von zwei Fällen von Herzschwäche die Krankheit bisher leicht verlaufen sei. Daß eine Metallvergiftung vorliegt, scheint ausgeschlossen. Auch das Fleisch, das nicht von einer Notschlachtung herstammte, war nach der Unter, suchung einwandfrei. Es scheint also ein Fall vorzuliegen, der auch trotz der größten Vorsichtsmaßregeln nicht zu vermeiden gewesen ist.
Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Weill (Soz.) bezüg. lich der französischen Nachrichten über, denUeberfall einer deutschen Expediti^u in Neu-Ka- merun erklärt
Tirekwr im Reichskoloniakamt Dr. Klei, daß es fich hierbei wahrscheinlich um eine Verwechselung mit einem früheren Zusammenstöße im April handele.
Auf eine weitere Anfrage des Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) über die Vorbereitungen zur Berufung der Kommission-zur Prüfung der Rüstungslieferungen antwortet
Geheimrat Lehmann, daß der Staatssekretär des Innern mit den Vorbereitungen betraut sei und dem- gemäß zunächst mit den Parteien deS Reichstages wegen der in die Kommission zu entsendenden Mitgliedern in Verbindung getreten sei. Der Zusammentritt der Kommission werde voraussichtlich im Herbst erfolgen.
Darauf wird der von den Mitgliedern aller Parteien eingebrachte Gesetzentwurf betr. die Angestelltenversicherung der Privatlehrer in erster und zweiter Lesung
Das Münchner KinM.
27] Roman von Felix Nador.
Sie hatte sich aufgerichtet, stützte chr Haupt in die Rechte und blickte chn fragend an; er sah alle Schönheit dieser wundervollen Frau und wollte sie umfas- fen. Aber sie stieß ihn falt zurück. „Zurück! — be- antworte meine Fraget
Mtt finsterem Gesichte erwiderte er: „Woher soll id) soviel Geld nehmen?"
Ada sah chn mtt hochgezogenen Brauen an. „Es ist doch deine Sache, für deine Braut zu sorgen!"
„Wenn wenigstens Papa hier wäre!" rief er är- gerlich. „AuS dem ist immer etwas herauSzuschin- den, aber er bleibt bis Ende August in Kissingen, um die Gickt los zu werden. Mit meinem Bruder ist schlechterdings nichts anzufangen, er ist zugeknöpft wie ein Habersack. Da fällt kein Körnlein heraus."
Olympia kräuselte verächtlich die Lippen. „Fühlst du denn nicht, wie peinlich es für mich ist, über solche häßliche Dinge reden zu müssen? — Darüber könnte es wohl gescheben, daß unsere Brautschast in die Brüche geht^—"
„Ada," nef er erschrocken, „sage das nicht. „Ich tue doch, was ich kann."
„Das ist herzlich wenig! — Wer eine Königin liebt, muß ihr eine Krone bieten können."
„Ach, daß ich Millionen hätte! — Ich würde sie zir mit Freuden zu Füßen legen."
„Du armer, kleiner Mensch! — Man muß dir immer den Weg zeigen! — Dein Vater ist reich — und was sein ist, das ist auch dein: so nimm dir deinen Teil!"
Er erblaßte. „Ada — was rätst du mir da? — eine so schmähliche Schuld soll ich auf mich laben?"
Ada [gälte leichtfertig. „Schuld? — Schuld? — Dieses Wort gibt es für mich nicht im Lexikon des Lebens. Wer jenseits von Gut und Böse steht, für den gibt es keine Schuld. Nur Größe!" —
-Mir graut vor solcher Größe! —"
ohne Debatte angenommen. — Dann erfolgt auch die enbgiltige Annahme in dritter Lesung.
Die Erlaubnis zur Einleitung einet Privatklage gegen den Abg. Dr. B l u n ck (Vp.) wird nicht erteilt
Sodann wirb das Gesetz auf Aenderung des Schutzgebietsgesetzes (Vereinsrecht unb Eintragung van Geschäftsbetrieben) in zweiter Lesung ohne Debatte angenommen.
Es folgt die zweite Beratung der
Teckungsvorlage.
Abg. Vassermaun (natl.): Wir werden dem Best tz st e u e r k o m p r o m i ß. das die Vermögenszuwachssteuer enthält, zustimmen. Die Abwälzung von 80 Millionen auf die Bundesstaaten würde keine Deckung sein. Die Selbständigkeit erd Landesgesetze wird aufgehoben, wenn vorgeschrieben wird, wie das Reich die Erledigung der emzelstaatlichen Finanzfragen wünscht. Von der Wiedereinbringung der Erbanfallsteuer von 1909 haben wir abgesehen (Seif. b. d. Mehrh.) Wir sind der Ueberzeugung, daß in dieser großen nationalen Frage der Heeresverstärkung es vaterländische Pflicht ist, die alten erbitterten Partei st reitigkeiten zu vermeiden, um dem In. und Auslande zu zeigen, daß die Wehrvorlage getragen ist von dem festen Willen des Volkes, auch die nötigen Opfer zu Bringen. (Seif.)
Abg. Dr. Ssidekum (Soz.): Wir sehen in der Vorlage nicht die Sicherung des Vaterlandes, sondern eine Gefahr. Wir werden deshalb aus richtig verstandenem Patriotismus die Vorlage ablehnen. Wir werden alles daran setzen, die Lasten der neuen Heeresvermehrung den besitzenden Klassen aufzubürden. (Große Unruhe im Hause.) So schnell, wie die Herren von der Mehrheit es denken, kommen sie doch nicht um diese Vorlage herum. Wenn die Vorschläge der Kommission nicht so befriedigend ausgefallen sind, wie sie hätten sein können, so liegt die Schuld allein bei den Nationalliberalen. Nur unter dem Drucke der Sozialdemokraten war die Reichsvermögens, unb Erbschaftssteuer möglich. (Seif. b. b. Soz.)
Auf Antrag bes Abg. Graf v. Westarp (kons.) wirb über bie prinzipiellen Paragraphen namentlich ab' gestimmt werden.
Abg. Graf Schwerin-Löwitz (kons.) beantragt Wiederherstellung der Regierungsvorlage bei den ‘§§1 und 2 des Entwurfes Wenn jetzt die Regierungen dieser Deckung, die unwidersprochen eine Vermögens- und Einkommensteuer darstellt, ohne weiteres zustimmten, so sei bas unverstänblich unb bie Verteidigung ber Regierungsvorlage von den verbündeten Regierungen und ihren Vertretern in ber Kommission sei von vornherein nicht ernst genommen worben. Wir sind bereit, den ganzen Bedarf auf den Besitz zu nehmen, wenn uns aber zugemutet wird, die einzelstaatliche Finanzhoheit preiszugeben, so geht das über ba8 Maß des Erträglichen hinaus. Die verbündeten Regierungen haben früher selbst erklärt, daß eine Reichsvetmögenssteuer für sie" unannehmbar sei. Tie vorgeschlagene Lösung entspricht wohl den Wünschen der äußersten Linken, nicht aber denen des deutschen Volkes.
Schatzsekretär Kühn: Die verbündeten Regierungen trugen und tragen schwere Bedenken, das Gesetz einer Vermögenszuwachssteuer als Reichsgesetz einzuführen. ES ist weder ein reines Vermögens- noch ein reines Einkommenssteuergesetz. Es ist daher geeignet, unter gewissen Umständen in die selbständigen Finanzen der Bundesstaaten einzugreifen. Wenn sich bie verbünbeten Regierungen trotzdem entschließen sollten, auf den Weg zu treten, so würden sie das tun, weil sie das große Werk, das jetzt seiner Vollendung entgegengeht, tunlichst ober soweit wie möglich mit allfet-tiger Zustimmung zustanbebringen möchten. Sie würben bas auch tun in voller Anerkennung ber Stellung, die dem Reichstage als anderem' Faktor der Ge- setzgebung zukommt. (Beifall links unb im Zentrum.) Noch nie ist an einer Steuergesetzgebung so einmütig unb so bereitwillig von allen Seiten mitgearbeitet worden, wie an ber jetzigen, unb das ist auch ein Moment, mit dem die Vertreter ber Regierungen zu rechnen haben. (Beifall.)
Abg. v. Payer (Vp.): Unsere Zustimmung zu ber Vorlage vermögen wir nicht als ein freudiges Ereignis zu bezeichnen. Wir hatten eine Pflicht zu erfüllen bem Vaterlande gegenüber, mehr aber nicht. Wenn bie Negierungen auch nicht alles gut gemacht haben, so wollen wir sie boch in biefem Falle unterstützen, doch bitten wir sie im Hinblick auf die großen Lasten, die
„Nun denn: schließen wir diesen Akt. Der Vorhang fällt. Das Stück ist aus. Adieu!" Ihre kalten, hochmütigen Augen wiesen nach der Türe.
„Nein", schrie er auf, „nicht so Ada! — Ich kann nicht leben ohne dich! — Stoße mich nicht von dir, du Herrliche! — Ich bin berauscht von deiner Schönheit, von deiner Kunst, deiner Größe! — Wir wollen — wir müssen vereint bleiben!"
Ein heißer Blick traf ihn. „Es liegt doch nur an dir!" .
Von diesem Blick bezwungen, beugte er das Knie und umfaßte ihre königliche Gestalt. „Du — du! — Du Liebe, du Süße — komm, sei gut zu mir! — Hab mich lieb! — Ich tue alles, was du willst. Alles —"
Ada machte fich loS und reichte chm die Hand zum Kusie. „Nun also — dann erfülle meinen Wunsch. Und was ich noch sagen toiß- die Billa soll nicht gar zu klein sein. Ich bin eine pathetische Natur und kann mich nur im Großen ausleben! — Hohe, weite Räume! — Viel Prunk, dunkle, schwere Möbel und weiche Teppiche, die den Schritt dampfen! — Ja? — Und nun laß mich allein! — Ich will versuchen, den Monolog zu Ende zu bringen. Adieu, mein lieber Schatz!"
Max ging, ohne von Adas Lippen geküßt zu haben, und hinter ihm drein tönten die haßsprühenden Racherufe der „Elektra".
Dem blonden Leutnant wurde der Gang zu seinem Bruder sauer. In den dumpfen Kontorraumen roch es abscheulich nach neuen Möbeln und alten Schwarten und die Lust war dumpf und muffig. Er hielt sich denn auch sein nach Eau de Cologne duftendes Taschentuch an die Nase, sobald er in den langen schmalen nüchternen Raum eingetreten war.
Sein Bruder Ludwig lag mit dem Ob 'körper über dem breiten Stehpult und addiette endlose Zahlenrechen Erst als er solch eine lange Kolonne bewältigt hatte, wandte er sich um und sagte: „Ah, du bist es Max! Grüß Gott!"
- Seme dunklen Augen blickten ernst und streng, aber die Stimme hatte einen warmen, satten Klang. Er trug die Haar- und Barttracht König Ludwigs
bas Volk jetzt auf fich nimmt, bie Forderungen nicht weiter zu steigern. Nur bie Konservativen stehen abseits. Es scheint, baß in ber Steuergesetzgebung eine Aenberung eintritt. Statt von rechts, wirb von ber Linken bem Gesetze ber Stempel aufgebrückt. (Bravo links.)
Abg. Schultz-Bromberg (Rpt.): Die Sozialbemokratie ist bie eigentliche Siegerin auf ber ganzen Linie. Die Erregung ber Bevölkerung über biefe Steuern ist groß, sie wird nicht abflauen. Es ist besonders schwierig, den Vermögenszuwachs steuertechnisch zu erfassen. Außerdem ist es fraglich, ob die Steuer den errechneten Ertrag wirklich bringen wird.
Abg. Dr. Ssidekum (Soz.): Tatsache ist, daß unsere Gedanken in die Ueberzeugung anderer Parteien übergegangen sind. Tarin liegt ein Verdienst meiner Partei.
Schatzsekretär Kühn: Die Undurchführbarkeit ber Vorlage ist in keiner Weise nachgewiesen. Alle brei Jahre wird das Vermögen festgestellt unb bie Differenz als Zuwachs versteuert. Wenn auch burch bieses Gesetz eine gewisse Beunruhigung in die Bevölkerung getragen wirb, so liegt doch eine staatliche Notwendigkeit vor, und wenn viele Millionen aufgebracht werden müssen, so sind natürlich die leistungsfähigen Steuerzahler zunächst heranzuziehen. Ein anderer Weg ist uns bisher nicht gezeigt worden,
Der konservative Antrag auf Wiederher- stellung der Regierungsvorlage (veredelte Matrikular- beiräge, bie bie Kommission gestrichen hat) wird in namentlicher Abstimmung mit 272 gegen 91 Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen abgelehnt.
Es folgt bie Frage ber Ni ch te r mätz i g u ng der Zucker st euer.
Abg. Kleye (natl.) protestiert für feine Person dagegen, daß bie Ermäßigung ber Zuckersteuer wieder hinausgeschoben wirb.
Abg. Wurm (Soz.): Die Zuckersteuer mutz überhaupt aufgehoben werben.
Abg. Grat Carmen-Zieserwitz (kons.): Wir beantragen die Wieberherstellung der Regierungsvorlage, bas heißt bie Aufrechterhaltung ber Zuckersteuer in bet bisherigen Höhe bis zum 1. April 1918.
Abg. v. Meding (Welfe): Die Sozialdemokraten hätten ihre Dtacht antoenben müssen, biefe Konsumsteuer zu beseitigen.
Die Anträge auf Aufhebung ber Zuckersteuer werben abgelehnt; die Zuckersteuer wirb nach dem Kornmis- sionsbeschlutz beibehalten. Die Aufhebung bes Scheck st empels wird beschlossen.
Auch der Erhöhung des Kriegsschatzes wird nach kurzen Ausführungen der Abgg. Dr. Arendt (Rp.) und Molkenbuhr (Soz.) zugestimmt.
Bei ber nun folgenden Beratung des Reichsver- mögenSzuwachstieuergesetzes beantragen bie Konservativen einen befonberen Absatz zu § 16, ber das Kindes e t b e von der Vermögenszuwachssteuer frei« lassen will., Der Antrag wird nach längerer Debatte in namentlicher Abstimmung' mit 205 gegen 150 Stimmen bei 10 Stimmenthaltungen abgelehnt.
Darauf beginnt die Debatte über die Bestimmungen, bie die Beseitigung der Wertzuwachs st euer betreffen. Den Gemeinden ist gestattet, ihren Anteil föhnige weiter zu erheben, als nicht der zuständige Bun- desstaat Widerspruch erhebt. Ein Kompromitzantrag setzt fest, batz in en tschäbigungsberechttgten Gemeinden ber Reichsanteil bis zum 1. April 1915 zugunsten ber Ge. meinben weiter erhoben wird und batz ber Zuschlag zum Grundstücksstempel bis 1916 statt bis 1914 aufrecht erhalten bleibt
Staatssekretär Kühn: Der Grunbsatz des Gesetzes von 1911 war die Besteuerung des mühelosen, unverdienten Gewinnes. Beseitigt man dieses vernünftige Gesetz, so mutz das Vertrauen in die Beständigkeit der Reichsgesetzgebung erschüttert werden.
Abg. Hoose (Soz.) lehnt den Antrag ab.
. Abg. Jaeger (Ztr.) Beantragt, daß, wenn das der Besteuerung unterliegende Vermögen in Nutznießung steht, der Eigentümer die Steuer zu tragen hat
Ahg. Dr. Stund (Vp.) will den Gemeinden das Recht geBen, mit Zustimmung der LandeszentralBehörde ihre frühere Wertzuwachssteuern in Kraft zu setzen.
Nach weiterer Beratung wird der Kompromißantrag mit dem Antrag Stund angenommen. Ebenfalls angenommen wird ber Zentrumsantrag, wonach bie Besitzsteuer bem Eigentümer in dem Falle zur Last fällt, wenn oaS ber Besteuerung unterliegende Vermögen in Nutznießung steht.
des Zweiten, den er, als Knabe gesehen hatte und für den er jetzt noch schwärmte. Diese Frisur war ja nicht mehr modern, aber sie stand ihm gut zu Gesicht und erhöhte das Presttge seines Wesens, das in einer vornehmen, stilvollen Feierlichkeit ausklang.
Mar ließ sich in den Sessel vor dem Schreibttsch fallen und fächelte sich Kühlung zu. „Du, sag' mal", begann er, „hast du vielleicht ein Paar Tausender? Ich bin rein abgebrannt."
Ludwig knüpfte zum Zeichen seiner Unnahbarkeit den tadellos sitzenden Rock zu und sein Gesicht ward wie versteinert, als er sagte: „Aber du hast doch am Ersten deinen regelmäßigen Zuschuß bekommen!"
„Gott — ja! Aber ich hab' ein Paar alte Brummer berappt und dann — na ja — Pech im Spiel hatte ich auch Hat Papa keine Anweisung zurück- gelafien? Schließlich muß ich doch auch ein bißchen ausspannen und in die Berge gehen —"
„Ausspannen?" entgegnete Ludwig. „Man sieht dir nichts von Ermüdung an. Du blühst ia förmlich! Und dein bißchen Dienst — pah, das ist Kinderspiel!"
Max ärgerte sich über den korrekten Bruder unb rief mit auffallender Schärfe: „Du hast eben keinen Begriff von „Dienst"! — Aeußerlich bin ich freilich auf der Höhe aber meine Nerven--"
Ludwig nickte. „Richtig, deine Nerven! — Du strapazierst dich zu sehr bei Spiel, Sekt. und Rennen — das setzt freilich den Nerven zu. Lebe mäßig — und du wirst keine „Nerven" haben."
„Verschon' mich mtt deiner Moralpredigt," brach Max zornig los. „Warum habt ihr mich zum Offizier bestimmt, wenn chr mich so knapp haltet? —"
„Papa hat es so gewollt!"
„Nun also — dann soll er auch mit seinem Mammon berausrücken. Ich brauche zehntausend Mark — und wenn du mir das Geld nicht gibst, schreibe ich sofort an Papa —"
„Tue das. Hier ist Feder, Tinte und Papier!" — Die Feder kreischte auf dem Blatt, dazwischen rief Max: „Dole wenigstens etwas Trinkbares aus dem Keller! Eine Flasche Mosel, ja? Das wird dich nicht arm machen, du Tugendbold — und ist mir lieber als deine Moralpauke." Ludwig a-»" — »nd in rwet
Minuten war der Brief fertig. Max erhob sich und trat zu dem Geldschrank. Er stand breit und protzig da, wie ein eiserner Riese, und die Türe war halb offen. Max blickte in den Schlund des Ungetüms und sah Gold, Silber, Aktten und Banknoten — ganze Bündel! Ohne Besinnen griff er nach einem Bündel. Es waren lauter Tausender! — Aber sie brannten wie Feuer in seiner Hand und er warf sie wieder hin. „Pfui Teufel! — so 'was tut ein Offizier nicht! —" Aber dann klang chm Adas lockendes Lachen ins Ohr und er dachte: „Gott, was fft denn da dabei? — Ich nehme einfach von meinem zukünfttgen Vermögen voraus, was ich brauche. Das ist nichts Unehrenhaftes! Ueberdies will ich die Sache gleich Papa schreiben —"
Er nahm an Banknoten, was ihm in die Hand ging und schob den Schatz in die Innentasche seines Rockes. Tann schloß er die Türe des Tresors, setzte sich an den Schreibtisch und fügte seinem Briese eine kurze Nachschrift bei:
„Lieber Papa! Da ich notwendig Mammon brauche, habe ich deinem Kassenschrank eine Handvoll Papierchen entnommen. Bitte, sei nicht böse. Es wünscht dir besten Erfolg Deiner Knr
Dein getreuer Max."
So — das war ein famoser Trick! — Er schloß den Brief, schrieb die Adreffe und sagte zu Ludwig, der eben mit einer Flasche Wein und zwei Gläsern ein- trat: „Bitte, laß den Brief unter „Eingeschrieben" sofort zur Post geben — die Sache eilt! — Die Rückantwort wird auch für dich überraschend sein."
Er amüsierte sich köstlich über den Scherz, den er sich da geleistet hatte, aber seine Hand zitterte doch ein wenig, als er mit Ludwig anstieß. Doch kaum hatte er einen Schluck genommen, so rief er zormg: „Aber Mensch, dieses Zeug kann ich doch nicht trinken! Ter Wein ist ja badewarm —"
„Dein Gaumen ist eben vom Sekt zu sehr verwöhnt," sagte Ludwig.
„Nein, nein," gab Max zurück. „Ich hätte ja schließlich aus brüderlicher Liebe ein Auge zugedrückt, j alrci -ö Wtn besten Willen nicht — dieses Zeng