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«• Fuldaer Zeitung ♦

M HZ.

Samstag 28. Juni 1915.

Kleines Feuilleton

>$< Sozialdemokratie und Trustgefahr.

Vor einiger Zeit ist ein Verband zum Schutze der denischen Tabakindustrie gebildet worden, dem die führenden Organisationen des Tabakgewerbes als kor-

[] Die Geldnot i* Deutschland.

Die GeldverhLltnifse in Deutschland sind überaus schlecht. Der Zinssatz in Deutschland ist weit HSHer als in anderen Ländern, und der Hunger nach Geld wird größer und größer. Der Zinssatz der Staats- papirre ist auf einem Stande angekommen, der unser stolze- Deutsches Reich auf eine Stufe mit Portugal, Griechenland und Staat-gedilden ähnlicher Qualität rangieren läßt. Und noch schreit daS Wirtschaftsleben nach Geld. Der Kaufmann muß fabelhafte Diskont» kätze bezahlen, der Landwirt kann keine Hypotheken bekommen und der Bauunternehmer, der für die in den Großstädten zusammenflutenden Menschenmaflen Wohnungen verschaffen soll, vermag kein Baugeld und keine Hypotheken aufzutreiben.

ES wäre oberflächlich geurteilt, wollte man nur die Schattenseiten d'eser Erscheinung beachten. Deutsch­land ist von Natur aus ein armes Land. Sein Ge­werbefleiß aber ist im Laufe der letzten Jahrzehnt« derart emporgediehen, daß di« vorhandenen Mittel zu besten Befriedigung nicht ausreichen. Darüber soll man sich nur von Herzen freuen, daß Tatkraft und verheißungsvoller Unternehmungsdrang in Deutschland auf einer so hohen Stufe stehen und für die Zukunft das Best» erwarten lasten. Aber die Folge dieser Ueberanspannung unserer nationalen Mittel ist ständig» Geldknappheit, und dir äußert sich in der Flucht der vorhandenen Mittel in die höchstverzinslichen Anlagemöglichkeiten. Daran ist nichts zu ändern. Dahingegen ist eine unangenehme Nebenerscheinung zu bekämpfen, und das ist die uner­wünscht» und grmeinschädliche Einfuhr auSländi- scher, zum TeU fauler Anlagewerte. Dieser Tag« schrieb jemand in der ,Dtsch. TageSztg.':

»Es ißt doch rein» Ironie, wenn man dem di» Tat­sache gegenüderstellt, da« erste gute Hypotheken jetzt hier in einer Stadt wie Hall» nicht zu haben sind. Kürzlich schrieb die Zentral-Boden-Kredit-A.-G. einem hiesigen Landwirt, daß ihre BeleihungStätigkeit ruhe, da keine Pfandbrief» unterzubringen seien. Abe» ins Ausland geht daS Geld, um den nach Deutschland kommenden Kaffee zu verteuern!!! Dies» jetzige Lage dürfte doch wohl kaum noch lange zu ertragen fein. Die Empörung in kleineren Geschäftskreisen, wo daS Geld fehlt, ist schon seit mehreren Monaten recht groß, da viele Geschäfte lahmgelegt werden."

Die Empörung über d,ese Zustände ist allgemein, sie hat auch solche Kreise erfaßt, die in sehr enger Be­ziehung zu den Großbanken stehen. So schrieb kürz­lich der ehemalige Sozialist Georg Bernhard, der Verlagsdirektor des Ullstrin'schen Berlages und Heraus­geber der Börsen-Zeilschrift,Plutus', in der links- liberalen,B. Z. a. M/ in einem längeren Aufsatz folgendes in Anknüpfung an die Einfuhr brasilianischer, chinesischer und österreichischer Anleihen:

»Die Anlage in ausländischen Anleihen ist für die deutsche Volkswirtschaft ein Vortest; sie bildet ein brauch­bares Ventil für Zeiten politischer und wirtschaftlrcher Not. Ader die überhastete Art, in der wäirend der letzten Jahre von der deutschen Bankwett Anleihen deS Auslandes übernommen worden sind, ist wiederholt Gegenstand scharfer Kritik gewesen. Sin nicht un- erheblicher Teil der Geldkalamitäten, in denen wir unS augenblicklich befinde», ist darauf zurückzu­führen, daß wir weit »ehr Geld, als uns zur Verfügung stand, im AuSlande investiert haben."

Auf Grund solcher Erwägungen kommt Bernhard dann zu der Forderung:

»ES muß daher gefordert werden, daß eine Zentral» zulassungsstelle für ganz Deutschland über die Zulassung solcher Wertpapiere befindet, bie über eine rein lokale Bedeutung hinauSragen. Und es muß weiter verlangt werden, daß nicht erst, wenn die grage der Zulaflung in Betracht kommt, die Regierung mtt diesen Angelegen­heiten befaßt wird. Vielmehr muß gesetzlich geregelt werden, daß deutsch» Banken nicht mehr ohne Zu­stimmung bei Reichskanzlers übernehmen hälfen. *

Die Frage ist gegenwärtig sehr brennend. Auf der Hausbefitzertagung in Kiel wurde betont, daß mit der Erhebung des Wehrbeitrages sehr viel Anlage­kapital ans dem Wirtschaftsleben herausgenomme» werden würde und daß dann bie Gelbnot noch stärker werben müsse. Es würde daher Aufgabe aller interessierten Kreise sein, diese Abwehr ausländischer Papiere durch Gesetz weiter zu erwägen.

— Erziehung zur Pflichttreue. Legt der Gärtner eine Eichel in den Schoß der Erde, so weiß er, es wird ein Eichbaum daraus. Ob's aber ein stolzer, starker, mächtiger Eichbaum wird? Er weiß es nicht. Aber er sorgt an seinem Teil durch guten Nährboden, durch Schutz vor Wind und Sturm, daß er gut ge- decheu und feste stehen kann. Mehr kann er nicht tun, er muß abwarten, wie sich das Bäumchen aus sich selbst heraus entwickelt und seinen Feinden trotzt. Ganz ähnlich ist's bei dem Kind. Gewiß tut eine liebende Mutter alles und jedes, was zum Gedeihen ihres Lieblings in körperlicher Beziehung erforderlich ist, gewiß wirkt sie auch auf das Seelenleben des Heranwachsenden Weltenbürgers ein, später weckt sie auch die Geisteskräfte und läßt Herz und Gemüt gleichfalls nicht unbeeinflußt. Aber dennoch — wie oft werden ganz andere Menschen aus den mft so vieler Liebe umgeben gewesenen Kindern! Gar man» chen Eltern erscheint diese Wandlung im Wesen ihrer Kinder ein Rätsel Und die Lösung ist doch so leicht! Wir können unsere Kinder nicht vor Berührung mit der Außenwelt abschließen, diese aber ist es, die stän­dig meißelnd und feilend, lockend und verführend ihre Hand anlegt, ohne daß wir es sonderlich merken. So muß man also feine Kinder zur Treue erziehen, zur Treue gegen ihre Pflichten. Es ist undenk­bar, die Kinder immer selbst auf die richtigen Wege zu führen, auf den richtigen Wegen zu erhalten, aber wir können und müssen ihre Kräfte stärken, damit sie allein wissen und bedenken, wo der richtige Weg ist, der ihnen Unheil abhält. Wir müssen beizeiten das Verantwortungsgefühl int Kinde sy­stematisch wecken und fördern und unnachgiebig fein in allen Dingen, die den Pflichtenkreis berühren, be­ginnend mit dec Schonung und dem Aufräumen der Spielsachen: später handelt es sich um eine geord­nete, fleißige Arbeit für die Schule, um das Beobach­ten und Nachdenken, um das Prüfen und Abwägen, um das schnelle Entschließen, um die Freudigkeit an der Arbeit, um den Drang zum Schaffen. Beginnt man nur recht zeitig mit solcher Zucht und milder Strenge, mit der Erziehung zur Pflichttreue, dann >»ird das Kind auch nimmer straucheln, sondern selbst ’ffen, was zu seinem Besten dient. -sf.

porative Mitglieder angehören mit dem Zwecke, dem weitern Vordringen des amerikanischen Ta- b a k t r u st S zu begegnen. In England hat letzterer bereits nach kurzer Zeit des Kampfes den größten Teil der nbuftrie und des Handels erobert und zu gleichem Beginnen schickt er sich bekanntlich jetzt in Deutschland an. Würde es ihm gelingen, auf dem deutschen Markt entscheidenden Einfluß zu gewinnen, so wird er ohne Zweifel bald dazu übergehen, die Preise für die Erzeugnisse der Tabakindustrie so zu „regulieren", daß wir bald die letzten Zigarren usw. zu oem gewohnten Preise geraucht haben werden.

Interessant ist es nun, bie Haltung zu verfolgen, welche die sozialdemokratische Presse zu der auch die Interessen der Arbeiterschaft bedrohenden Trustge­fahr einnimmt. Früher war man trustgegnSrisch. Diese Stimmung ist nun auf einmal umgefchla- gen.

In. einem Artikel, der die Runde durch viele so­zialdemokratische Zeitungen macht, wixd schlankweg zugegeben, daß ein Teil der Fabrikanten, insbeson­dere aber die Händlerschast, von der Herrschaft des Trusts mit Recht eine Bedrohung ihrer Existenz be­fürchte. Statt nun aber daraus folgerichtig den Schluß zu ziehen, daß damst auch zahlreiche Arbeiter­existenzen bedroht sind, heißt es in dem Artikel der sozialdemokratischen Presse weiter, die T ab a k ar­beit e r hätten keineUtsache, sich über die Aus­breitung des Trusts aufzuregen. Es wird dann eine gewundene Erklärung für die Stellungnahme versucht, zum Schlüsse aber zugegeben, daß man eigentlich nur des sozialistischen Pro­gramms wegen zu einer solchen, die Arbeiter schädigenden Auffassung komme. Denn eS wird da gesagt: „Es dürfte auch wenig erfolgversprechend sein, gegen Formen kapitalistischer Firmen zu käm­pfen, die sich ohnehin entwickeln werden." In einem andern Artikel hieß es, den Arbeftern könne es gleich­gültig fein, ob sie von deutschen oder amerikanischen Unternehmern ausgebeutet würden! — Bemerkt sei, daß der sozialdemokratische Tabakarbeiterverband die- selbe Stellung einnimmt.

Die Ursache für dieses neuerliche sonderbare Verhalten ist leicht einzusehen. Durch die Entwicklung des Trustwesens glaubt die Sozialdemokratie ihrem Endziele näher zu kommen. So ist man heute der Meinung, daß es ein Aufhalten der Entwicklung zur Konzentration doch nicht gebe und deshalb die kleinen Existenzen ruhig ihrem "Schicksal zu überantworten habe. Alles natürlich wiederum zur höheren Ehre der Partei, und auf daß sich das Wort des sozialistischen Prorgammpropheten Marx erfülle, der da gesagt hat: „Für das Proletariat und die versinkenden Mittel­schichten: Kleinbürger, Bauern, bedeutet sie (die Mo­nopolisierung der Produktionsmittel) wachsende Zu­nahme der Unsicherheit ihrer Existenz, des Elends, des Druckes, der Knechtung, der Erniedrigung, der Ausbeutung." So entlarvt sich die Sozialdemokratie und die mit ihr verbundene Gewerkschaftsbewegung doch immer wieder als eine Bewegung, der es nicht auf eine Verbesserung der Lage der Arbeiter in der bestehenden Gesellschaft ankommt, sondern nur daraus, bei jeder Gelegenheft das agitatorische und hetzerische Bedürfnis zu beftiedi- g e n, fei es selbst auf die Gefahr hin, daß man im Tage zweimal feine unfehlbare Meinung wechseln Miiß.

Gegen die geplante Amerikanisierung des deut­schen Erwerbslebens muß sich jeder aber zur Wehr setzen. Auch der Zentralverband christlicher Tabak- arbester hat sich im Interesse der zahlreichen be­drohten Tabakarbeiterexistenzen entschlossen, den Kamps gegen den Trust zu führen.

♦♦ Zweierlei Matz.

Das „klerikale" Bayern hat schon von lange her durch eine sehr sorgfältige Gesetzgebung die Gefahr eines allzu großen religiösen Eifers von seinem Volke fernzuhalten gewußt. Wie bedenklich es fein kann, wenn einmal der Bischof eines deutschen Nachbar­staates oder sonst ein nichtbayerischer deutscher Prie­ster ohne obrigkeitliche Genehmigung auf dem Bo­den des blauweißen Königreiches über die katholische Wahrheit predigt, ist aus der Aera Lutz hinreichend bekannt, und auch die bayerischen Protestanten ^ha­ben sich bisher einer Art geistlicher Fürsorge vonseiten des Staates zu erfreuen gehabt.

Dies erfuhren die Reiseprediger für die I n- nere Mission, als sie 1899 anfingen, in der

— Nützen ober schaden die Regenwürmer? Wie dem Maulwurf, der Kröte, dem Hgel, so ergeht's auch dem Regenwurm. Er wird gänzlich verkannt! In der allgemeinen Annahme, daß er dem Garten ober dem Ackerfeld Schaden zufügt, wird er alsbald beseitigt: man sammelt die Würmer in ein Gefäß und reicht sie den Hühnern als Delikatesse. Wie töricht man tut, wenn man die Regenwürmer nicht !gewähren läßt, zeigen die wissenschaftlichen Unter» uchnngen, die gerade in dieser Beziehung mehrfach und in verschiedenen Ländern vorgenommen wurden und zu dem Ergebnis führten, daß der Regenwurm für den Ackerboden und das Gartenland als eins der nützlichsten Geschöpfe angesprochen werden muß! Bei den Versuchen wurden zwei gleichgroße und gleichartige, auch gleichmäßig bearbeitete und gedüngte Felder wurmfvei gemacht bezw. mit Wür­mern besetzt und nun mit Erbsen, Wicken, Roggen, Hafer, Buchweizen, Rüben, Bohnen, Lein, Kartof­feln und Runkelrüben nsw. bestellt. Alsbald zeigte sich, daß Sie Pflanzen auf dem Wurmfelde sich durch­weg kräftiger entwickelten als auf dem wurmfreien Felde, und schließlich eine bedeutende - Mehrproduk­tion an Knollen, Blättern, Früchten, Samen, Stroh und Futter ergaben. Der Ertrags-Unterschied schwankte zwischen 20 und 200 Prozent! Das Wurmfeld brachte z. B. 59 Prozent mehr Roggen als das wurmfteie Feld, ferner 81 Prozent mehr Ackerbohnen, 24 Prozent mehr Erbsen, 232 Prozent mehr Raps, 50 Prozent mehr Kartoffeln usw. So­mit ist hinreichend erwiesen, daß die Regenwürmer gewaltigen Stutzen stiften, und zwar dadurch, daß sie das Erdreich durchlöchern. Hierdurch wird die so notwendige Luftzirkulation erzeugt und dem Regen Gelegenheit gegeben, tiefer in den Boden etnzuvrtngen und die kleinen Saugwurzeln zu erreichen, was sonst nur bei einem längeren und sehr starken Regen­fall geschehen kann. Eine Beschädigung von Kultur­pflanzen nimmt der Regenwurm niemals vor, wie man ebenfalls irriger Weise vielfach glaubt, er ver­richtet vielmehr bie Dienste einer Feldpolizei und zieht stets nur faulende oder verweste Pflanzenteile in seine Erdröhren. 1g.

— Juristisches für bie Reise. Die Eisenbahn haf­tet bekanntlich nur für Unfälle, bie bet Reisende nicht selbst verschuldet hat. Es gibt aber eine ganze Menge Fälle, in denen die Antwort wf die Frage, wer

bayerischen Pfalz unbekümmert um das dort be­stehende Kirchenregiment chre Bibelstunden abzuhal­ten. Sie verstießen damit gegen die Berfassungsbe- stimmungen, welche gottesdienstliche Privawerfamm» langen außerhalb des landeskirchlichen Gotteshauses untersagen, und wenn auch die Polizei gegenüber die­ser Gesetzesübertretung gern ein Auge zudrückte, so mußte doch bie Behörde einschreiten, nachdem von­seiten des Kirchenregiments Anzeige erstattet worden war. Bei den frommen Protestanten in Preußen, die mit den Bestrebungen der Inneren Mission sym­pathisieren, machte dies sehr böses Blut, und eines ihrer Organe, die „Reformation , ein sonst verhält­nismäßig ruhiges und besonnenes Kirchenblatt, er­ging sich darüber in heftigen Beschwerden und An­klagen, ans die es fast in jedem Jahre wieder zurück­kam. Aber noch viel mehr wurden die Herren der „Reformation" vom reinsten Eifer für die religiöse Freiheit entflammt, als im Frühjahr 1913 der Magi­strat von Nürnberg gegen bie gottesdienstlichen Kon- ventikel der dortigen Baptistengemeinde mit Drohungen einschritt. Wenn auch schließlich den Sek- tierern freigegeben wurde, zu religiösen Vorträgen „ohne Gesang und Gebet" sich nach Belieben zu ver­sammeln, so hatten doch die Leiter der Gemeinde für ihre Gesetzesübertretung einige Mark an Strafgel­dern zu erlegen, und einige Zeit hindurch waren durch aufgestellte Posten von Schutzmannschaft die gottes­dienstlichen Privatversammlungen hintangehalten worden. Schon zu bet Pfälzer Verwickelung hatte bie „Reformation" 1904 sich mit Schärfe ausgespro­chen:

„Man sieht, wie wenig die Anwendung des veralteten V e r fa ssu ng s pa r ag ra p h e n in unsere Zeit patzt. Welch merkwürdige, rückstän­dige wahrhaft mittelalterliche Stellung Bayern der gan­zen evangelischen Welt gegenüber einnehmen würde, wenn jener Verfassungsparagraph in der ihm gegebenen Auslegung zur völligen Anwendung käme, wollen wir nicht näher erörtern. Wir geben uns der Hoffnung hin, datz man auch in der Pfalz auf feiten des Liberalismus einsehen gelernt hat, wie unliberal und unevangelisch es ist, auf dem Boden deS religiösen Lebens Polizeimatz­regeln anzuwenden."

Noch mehr flammte 1913 bie Entrüstung auf ob be5 Nürnberger Falles:

„Es ist keine Frage, datz die Anwendung dieses Ge­setzes eine Ungeheuerlichkeit ist in einer Zeit, wo radi­kalster Unglaube sich auf den Kanzeln breit macht, auch in Nürnberg der Liberalismus sich stramm organisiert, wo Atheisten und Monisten ungehindert öffentlich Pro­paganda machen können."

Von diesem warmen Eintreten eines preußischen kirchlichen Organs für die religiöse Freiheit in einem anderen deutschen Lande wird wohlgefällig Nottz ge­nommen im Juniheft der „Stimmen aus Maria- Laach" (Freiburg, Herder), es wird aber dem Ein­treten der „Reformation" für die Baptisten in Bayern gegenübergestellt das Verhalten desselben Or­gans gegenüber den Jesuiten in Preußen.

Da hält bie „Reformation" 1905 es für nötig, bi« Oeffentlichkeft aufmerksam zu machen, baß in der neueingeweihten Liebfrauenkirche in Berlin während der Abendandacht ein Jesuit gepredigt und damit „das staatliche Verbot übertreten" habe, und „die Re­gierung" wurde aufgerufen, „der staatlichen Ordnung Geltung zu verschaffen", damit nicht das Jesuiten­gesetz „nur noch Dekorationsstück" sei.

Die „Stimmen aus Maria-Laach" stellen nun die drei Fälle nebeneinander: die Reiseprediger der Inneren Mission und die Nürnberger Baptisten, welche offen und bewußt den bayerischen Vet- fassungsbestimmungen zuwider handeln trotz des ausdrücklichen Widerspruchs der ortsanwe- senden landeskirchlichen Organe, und die Jesuiten, welche der Einladung der Ortsgeistlichkeit folgen, ohne daß für sie ein Verbot entgegenstände. Denn sind ihnen auch Ordensniederlassugnen auf deutschem Boden verwehrt, sind auch die staatlichen Behörden angewiesen, eine Ordenstätigkeit in Kirche oder Schule ihnen nicht zu gestatten, so besteht doch für sie zur Ausübung priesterlicher Funktionen von keiner Seite ein Verbot. Trotzdem sind die Baptisten und „Reiseprediger" in Bayern die un­schuldigen Lämmer, die Jesinten in Preußen aber die Störer der staatlichen Ordnung.

Das ist siirwabr ein edler Eifer für die religiöse Freiheit, das ist gleiches Maß für alle!

Es ist doch gut, daß ein frommes protestantisches Kirchenblatt aus Preußen der bayerischen Staats­verwaltung die richtigen Begriffe von religiöser Weit- Herzigkeit beizubringen sucht!

schuld ist, nicht gar so klar zutage liegt. So wurde einmal im Prozeßwege bie Bahn haftbar gemacht, als ein Reisender, der herzkrank war und in einem überfüllten Abteil fahren mußte, dadurch ohnmächtig wurde und starb. Ehenso wurde die Eisenbahn haft­bar gemacht, als ein Zug etwas über den Bahnsteig hinausgefahren war, und ein Reisender, der aus­steigen wollte und nur die kleine übliche Stufenhöhe in der Finsternis vermutete, plötzlich mehr als 60 Zentimeter tief herabfiel und erheblichen Schaden nahm. In beiden Fällen haben die Gerichte ein Verschulden des Reisenden nicht vorliegend erachtet. Hinsichtlich des Gepäcks haftet die Eisenbahn nur für die Beförderung desselben durch die Gepäckträger von und nach dem Zuge, den Abfertigungsstellen usw, nicht aber für die etwaige Aufbewahrung durch die Träger selbst; dazu sind eben die amtlichen Aufbe­wahrungsstellen für Handgepäck da. Sie haftet auch nicht, wenn man für aufgegebenes Gepäck den Ge­päckschein verloren hat und bann ein anberer, der den Schein gefunber hat, sich widerrechtlich bas Gepäck aushänbigen läßt. Auch für Verluste aus ben Ge­päcknetzen haftrt bie Bahn nicht; jeder Reisende muß selbst aufmerken, daß ihm nichts gestohlen wirb. Wichtig ist, zu wissen, baß, wenn man schon am Bahnhof bei der Ankunft einem Hoteldiener sein Ge­päck übergibt ober ben Gepäckschein zwecks Besorgung bes Gepäcks, nicht der Diener haftet, fonbern der Hotelbesitzer auch bann, wenn man noch gar kein Zimmer bestellt ober gemietet hat. Voraussetzung ist lebiglich, baß man in dem betreffenden Hotel ab- fteigen will. Ein Anschlag im Hotelflur oder in den Zimmern, baß der Hotelwirt bie Haftung für cin- gebrackte Sachen ablehne, ist rechtsungültig. Er haf­tet trotz allebem, sofern bet Gast nicht selbst den Ver­lust verschuldet. rb.

— Der Nutzen des Schwitzens. Der Schweiß wird von den meisten Menschen als eine sehr lästige Begleiterscheinung der warmen Sommertage betrach­tet. In Wirklichkeit ist er eine jener wunderbaren Schutzmatzregeln, durch die sich der Körper gegen nachteilige Einflüsse schützt. Unsere Haut, welche durchschnittlich die Blutwärme von 37 Grad hat, also die Außenluft an Temperatur überragt, gibt stets Wärme an diese ab, natürlich um so mehr, je grö­ßer der Unterschieb ist. Wirb sie aher zu gering, so kann es geschehen, daß die Wärme sich im Körper

Deutsches Reich.

.:. Wie man bie braven „Genossen" ärgert. Die sozialdemokratische „Fränk. Bolkstribüne" hebt den Deckel von einer perfiden Tat der „Bürgerlichen (Nr. 145). Sie schreibt:

,Am SamStag kämpfte die Sozialdemokratte nn Reichstage gegen einen unsichtbaren Feind. Aus den Bänken der bürgerlichen Parteien war zeitweise auch nicht ein einziger Abgeordneter zu er- blicken. Wurde aber Vertagung beantragt, weil bie Sozialdemokraten keine Lust hatten, in die leere Lust hinein zu reden, so stand wie aus dem Boden gewachsen mit einem Male die bürgerliche Mehrheit da, die g e. gen die Vertagung stimmte. Wenige Sekunden darauf war aber rechts von den sozialdemokratischen Bänken wieder alles still und leer."

So verbittern gewissenlose Menschen den „Ge­nossen" das Lehen!

* Straßburg, 25. Juni 1913. In der Schluß­sitzung der E r st e n Kammer stand ein Antrag auf der Tagesordnung, den Geistlichen, die bei der Gehaltsaufbesserung übergangen worden waren, eine nicht pensionsfähige Teuerungszulage von 200 Mark zu gewähren. Der Antrag ist gefallen, weil, wie Dr. Schwander, der Vorsitzende der Finanzkom­mission, erklärte, keine Deckung vorhanden sei; poli­tische Momente sollen nicht in Frage gekommen sein. Die beiden Liberalen Greiner und Ruland aber be­nutzten bie Gelegenheit, ihrem Hatz gegen den katho­lischen Klerus Luft zu machen. Letzterer, ein bekann­ter Kulturkämpfer, bestritt das Vorhandensein einer Notlage, da ja die katholischen Geistlichen am politi­schen Leben einen so regen Anteil nähmen; wer Geld habe, den Wahlagenten zu spielen, könne nicht von einer Notlage reden. Weiter verdächtigte er bie Geist­lichkeit antinationaler Gesinnung, ein Mittel, das in früheren Jahren gute Dienste geleistet hat. Auf den Protest des Bischofs Dr. Fritzen schränkte Ruland seine Behauptungen zwar etwas ein; er habe nicht sagen wollen, daß die Mehrheit der katholischen Geist­lichkeit deutschfeindlich sei, er sei sogar überzeugt, daß die Mehrheit das nicht sei, aber auch bei dieser Einschränkung blieb bie Kritik eine durchaus unge­rechtfertigte. Deshalb erhoben bereits einige Dekanate anläßlich ihrer Pastoralkonferenzen gemeinsamen Protest.

cf München, 27. Juni 1913. Bei der jährlichen Rektorwahl der Münchener Universität, bie nach altem Herkommen der Reihe nach bie einzelnen Fakultäten berücksichtigt, hat man vor zwei Jahren bie katholischen Theologen übergehen wollen. Das ist barnals ben Herren ber „Professoren­gewerkschaft" daneben gelungen. Jetzt versucht man etwas anderes. Ten Rektor hätte nach alter Regel heuer bie staatswissenschaftliche Fakultät zu stellen. Als Rektoratskanbibat kann nur e i n Professor in Frage kommen, will man nicht eine Un­geheuerlichkeit begehen. Die Fakultät hat nur 7 orbentliche, b. h. zum Rektor wählbare Professoren, zwei davon waren bereits Rektoren, nämlich Bren­tano und Endres, sie scheiben also aus, will man nicht die Absicht zu beutlich zeigen. Der Fakultät ge­hört nun aber auch ber Oerbiente Statistiker und Nationalökonom Dr. Georg von Mayr, Unter­staatssekretär z. T., ber nicht nur hinreichend ver­dächtig ist, kein Freihändler und Kathedersozialist zu fein, fonbern auch sonst konservativen Anschauun­gen hulbigen soll — man hat ihn sogar schon auf katholischen Studentenkommersen beobachtet. Daß ein solcher Mann nicht Rektor werben bars, versteht sich für bie Anhänger ber „voraussetzungslosen" Wis­senschaft von selbst. Ihn zu übergehen, ist aber auch nicht gut möglich, beim bie übrigen Professoren sind ganz unvergleichlich jünger. So verfiel man auf eine gute Ide». Die Herren bes „voraussetzungs­losen" Zirkels schlagen vor, die Reihenfolge ber Fakultäten bei ber Rektorwahl aufzuheben, bie staatswissenscha stliche Fakultät sei zu klein; werde sie wie bisher gleichmäßig mit den übrigen bedacht, so kämen diese letzteren, teilweise Riesen-Lehrkörper, bei ber Zuteilung des Rektorats zu kurz. Klug ge­dacht. Sieht sehr nobel aus und verhindert eine un­erwünschte Rektoratskandidatur. Merkwürdig ist nur, daß man an diese „Forderung" ber Gerechtig­keit" erst jetzt beult, ba eine konservative Kandida­tur in Frage steht; bei ben Herren Suja Brentano und Endres, die solcher Gesinnungen nicht geziehen werden können, hat man total darauf vergessen. In der „Augsburger Abendzeitung" (Nr. 169) nimmt ein Professor vollends die Miene des Treubesorgten an:

staut und bann ben gefürchteten Hitzschlag zur Folge hat. Durch die Entstehung des Schweißes, welcher durch sein Verdunsten ber Haut eine beträchtliche Wärmemenge entzieht, wirb diese Gefahr aber eben abgewendet, vorausgesetzt, daß ber Schweiß am Ver­dunsten durch zu warme ober zu enge Kleidung, durch zu festes Schnüren, durch hohe Kragen usw. nicht ge­hindert wird. Besonders vorsichtig müssen schwäch­liche und kranke Personen sein, auch darf man an sehr heißen Tagen durch schnelles Laufen ober viel Bier­trinken die innere Hitze nicht vermehren. Hitz- schlag zeigt sich an durch große Abgespanntheit, schleppenden Gang und heffigen Durst. Bald rötet sich das Gesicht, der Schweißausbruch wird erhöht, es stellen sich Kopsschmerzen, Ohrensausen, Augen­flimmern ein, der Gang wird swlpernd, der Kranke bricht bewußtlos zusammen, die Gesichtsfarbe ändert sich ins Bläuliche, die Augen treten stier hervor, zu­letzt stellen sich Krämpfe ein. Allmählich wird ber Kranke ruhiger, der Puls langsamer, und der Tod tritt ein. Hilfe erfolgt dadurch, daß man den Kranken schnell an einen schattigen, kühlen Ort bringt, beit Kopf hochlagert, die Kleider öffnet, viel kaltes Was­ser trinken läßt und Brust und Kopf mit Wasser be­sprengt, bis das Bewußtsein wiederkehrt. gf.

— Vom Odstmarkt. Im Taunus, Vogelsberg und Odenwald hat die Heidelbeerernte begonnen, die infolge des küblen Aprilwetters allenthalben nur mittelmäßig ist. Aus den Obstkammern des deutschen Reiches, auS Werder und der Gegend um Göttingen, Baden kommen jetzt die ersten Kirschen auf den Markt und löfen das geschmacklose italienische Zeug ab. Der Preis ist leider noch ziemlich hoch und dürfte in diesem Jahre überhaupt nicht weit betupfet gehen, ba der f. Zt. eingetretene Witterungsumschlao einen großen Teil der Kirschblüte vernichtet hat Himbeeren, Johannisbeeren und Stachel beeren winken an inten Sträuchern und auf den. Gartenlande blicken die schwellenden Fröckte bet Erdbeeren aus dem breiten Blätterwerk. Für bk Hausfrauen beginnt jetzt wieder die Einmachzeit. Gläser und Flafchen, gefüllt mit lockenden Früchten und quellendem Saft, wandern in ben Vorratsraum und bilden ein Objefi nicht geringen Stolzes bei Hausfrau, aber auch eine willkommene Beigabe aus den Tisch, wenn später die Natur ihr Füllhorn geleert hat.