Einzelbild herunterladen
 

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Actiendruärrri in Fulda.

« Zuldaer Zeitung.

146.

Sreiteg 21. 3uni 1913.

Lokales.

. Fulda, 27. Juni 1913.

G Personalien. Dem Ober-Telegraphensekretär Wilhelms in Frankfurt a. M. wurde der Charakter als Rechnungsrat und dem Postdirektor Wrede in Eisenach der Charakter als Geheimer Postrat ver­liehen. Der Regierungsrat Goldschmidt bei der Kgl. Regierung in Kassel, Abteilung des Innern, wurde der Kgl. Regierung in Allenstein vom 1. Juli ». IS. ab überwiesen. Zum Landrichter ernannt vnd dem Landgericht Kassel zugeteilt wurde Amts- richter Dr. Becker zu Pasewalk. Mit dem 1. Juli ist der Bahnmeister Brübach von Wabern nach Kassel versetzt.

! Die Regierung?.ZubiläumS - Münzen sind bei »er hiesigen König!. Kreis-Sparkasse eingetroffen. Nur die Seite der Münze, die das Bildnis des Kaisers enthält, weicht von der bisherigen Prägung ab, inso» fern als der Gesichtsausdruck des Kaisers seinem jetzigen Alter entspricht und in die Unterschrift ein Lorbeerzweig mit den Zahlen 18881913 eingeschal­tet ist. Die Münzen werden von der Kreis-Sparkasse wegen der Erledigung der Quartals-Abschlüffe und wegen der starken Zahlungen, die sie am 1. des Monates zu leisten hat, erst vom 2. Juli an ausgegeben. Wir werden gebeten, im Interesse des Publikums darauf hinzuweisen, daß die Kreis-Sparkasse nur vor- mittags von 81 Uhr geöffnet ist.

R. Erhöhung der Löhne der Bahnarbeiter. Zu unserer gestrigen Notiz über Erhöhung der Eisenbahn- Handwerker-Löhne wird uns mitgeteilt, daß hierbei nur die Handwerker aus dem Betrieb, also Bahn­meistereien, Stellwerken, Bahnhöfen usw. in Betracht dämmen, nicht aber die der Haupt-, Neben- und Betriebs-Werkstätten.

Für den Vaterländischen Frauenverein wurde gestern in einer gutbesuchten Generalversamm­lung der Entwurf neuer, zeitgemäßer Satzungen be­raten und angenommen. Nach ihnen soll namentlich die Anzahl der weiblichen Mitglieder des Vorstandes vergrößert und der Zweck des Vereins besser aus­gestaltet werden. Denn wenn auch im Frieden schon mannigfaltige Aufgaben an den Verein herantreten und mit ausreichenden Kräften zu erledigen sind, so treten doch im Falle eines etwaigen Krieges noch mehr die Tätigkeit der Frauen in Anspruch nehmende Aufgaben hinzu, so daß es angezeigt erscheint, schon beizeiten die umfaffendsten Einrichtungen zu treffen, um allen Anforderungen, die an den Verein heran­treten werden, zu genügen. Der diesmalige größere sBesuch der Generalversammlung gibt der erfreulichen Hoffnung Raum, daß die Frauen Fuldas noch mehr als bisher den Zielen des Vereins ein warmes Inter- effe entgegenbringen. Um die Aufgaben, welche der Verein sich gestellt, zu erfüllen, sind Mittel nötig, welche ihm in dem erforderlichem Umfange bis jetzt aber noch nicht zu Gebote stehen. Es ist deshalb dringend erwünscht, daß recht viele Frauen und Jung­frauen, die dem Verein noch ferngestanden haben, sich zum Beitritt entschließen mögen.

Fuldaer Urkundenbuch. Nach dem Bericht der ^Historischen Kommission für Hessen und Waldeck* ist mit dem Druck der ersten Lieferung des Fuldaer Urkundenbuches (Verfasser Dr. Stengel-Marburg) be­gonnen. Die Ausgabe dürfte gegen Schluß des Sommers erfolgen können. Sie wird die Urkunden aus der Zeit des 1. Abtes enthalten. Zur Entlastung der Einleitung und zugleich als wertvollen Ertrag der Publikation hat Dr. Stengel eine demnächst im Archiv für Urkundenforschung Bd. 5 erscheinende Ab­handlung versaßt, die die ältesten Urkunden des Klosters Fulda behandelt.

Der Landesausschuß überwies in seiner letzten Tagung zur Unterhaltung der Landwege im Etats­jahr 1913 den Kreisen: Kassel (Land) 16065 Mk., Eschwege 17 666 Mk., Frankenberg 16 575 Mk., Fritz- lat 13690 Mk., Fulda 27317 Mk., Gelnhausen 16423 Mk., Gersfeld 11001 Mk., Hanau (Land) 19388 Mk., Hersfeld 14325 Mk., Hofgeismar 16 734 Mk., Homberg 12025 Mk., Hünfeld 15094 Mk., Kirchhain 11498 Mk., Marburg 23512 Mk., Melsungen 15844 Mk., Rinteln 14 998 Mk., Roten- bürg 13585 Mk., Schlüchtern 12517 Mk., Schmal- Salden 6731 Mk., Witzenhausen 10847 Mk., Wolf- Hagen 15393 Mk., Ziegenhain 22182 Mk. Ent­sprechende Unterstützungen erhielten die Gemeinde - K rankenpflege st atio neu zu Waldau, Frankenau, Viermünden, Gersfeld, Ehrsten, Großentaft, Rauschen­berg und Schwarzenborn. Landeshauptkassenbuchhalter Lohr mann wurde zum Kassierer der Landcshaupt- kasse bestellt.

r~ mn iw iiiiiiiniiii 1 man

Kleines Feuilleton.

Wer eignet sich zum Flieger? Wer Aviatiker werden will, muß vor allen Dingen über folgende körperliche Vorzüge verfügen. Er darf auch nicht die geringste Anlage zu Herzkrankheiten haben, muß starke Lungen, scharfe Augen und ein gutes Gehör haben, sonst ist er den großen Anforderungen, die das Alicgen an ihn stellt, nicht gewachsen. Asthmatiker stnd in dieser Beziehung besonders übel daran. Kein Asthmatiker wird zum zweiten Male sich einem Flugzeug anvertrauen, da er schon beim ersten Auf­stieg die schlimmsten Erfahrungen macht. Ein Flie­ger darf auch nie nervös werden, eiserne Ruhe und Besonnenheil, selbst in den gefährlichsten Situatio­nen, sind unerläßlich. Ein Flieger muß sich stets in der Gewalt haben, beim Ausstieg, während des Fluges, bei der Landung. Etwas anderes ist cs mit der sogenanntenFliegerkrankheit", die sich am besten mit der Seekrankheit und mit der Bergkrankheit ver­gleichen läßt. Die erste Erscheinung der Flieger­krankheit ist eine unwiderstehliche Müdigkeit und all­gemeine Erschlaffung, der die Aviatiker zum Opfer fallen nnd wodurch sip dann leicht verunglücken. Im Sturm und Regen zu fliegen ist auch kein Vergnügen. Gerade starker Regen kann oft verhängnisvoll wer­den. Der größte Feind des Fliegers ist» bleibt aber der Nebel, der ihm jede Aussicht unmöglich macht und die ihm drohenden Hindernisse verbirgt. Me Flieger bekunden einhellig, daß das Fliegen an das Denkvermögen, namentlich in gefahrvollen Augenblicken, höchste Anforderungen stellt. Allzu leicht kann dann der Fall eintreten, daß eine einzige kleine falsche Bewegung, ein übereilter Griff, oder 'eine Sekunde Hinzögerns eine Katastrophe herbei- führt. Alles wird anders werden, wenn wir erst ein­mal unbedingt verläßliche Flugzeuge haben. Und diese Gefahren werden jede Bedeutung verlieren, .wenn erst die Flieger vollkommen Herr über ihr Flugzeug geworden sind.

' Begehren die Frauen das Stimmrecht? Ueber

Diese sicherlich zeitgemäße Frage geben zwei in New- yorker Frauenfreisen veranstaltete Umfragen intcr-

Der Monat Juni und damit das Kalender- merteljahr gehen dem Ende entgegen, weshalb die Mieter und Vermieter, wenn sie eine Lösung ihres Mietsverhältniffes beabsichtigen, an die Inne­haltung des Termins erinnert werven. Wenn in den Mietsverträgen eine Frist nicht vereinbart ist und die Miete vierteljährlich bezahlt wird, kann bis zum 3. Werktage des ersten Monats des Kalenderviertel- jahres die Kündigung für den Schluß des Quartals erfolgen. Bei Festsetzung von monatlichen Mieten muß spätestens am 15. des Monats zum Schluffe des Kalendermonats gekündigt werden. Eine Durch­sicht des Vertrages ist jetzt allen zu empfehlen, die als Mieter oder Vermieter von ihrem Kündigungs­recht Gebrauch machen wollen. Ist im Vertrage eine besondere Kündigungsfrist vereinbart, dann gilt nur diese.

0 Inventarisator der Bau- und Kunstdenkmäler. Nach einem Beschluß des Landesausschusfes ist der Regierungsbaumeister Dr. phil. et Dr. ing. Alois Holtmeyer zu Magdeburg als Landesbaumeister und Inventarisator der Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel zum 1. Oktober d. I. ange­stellt worden. Der Amtsbereich der Stelle ist die Inventarisation der Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel und insbesondere die weitere Herausgabe des bereits begonnenen Jnventarisaüons- werkes des Bczirksvrrbandes. Für eine H i l f s k r a f t bei den Arbeiten der Denkmalinventarrsation wird eine Pauschalvergütung im Jahresbetrag von 2500 Mk. und weiter 500 Mk. als Ersatz für Aufwendungen an Reisekosten rc. für das Jahr gewährt.

Ein Probe - Wetturnen für das deutsche Turn­fest m Leipzig wurde gestern abend für die Turner des Obersulda - WerragaueS im Irrgarten und der städtischen Turnhalle abgehalten. Es beteiligten sich daran ein Zwölfkämpfer und sechs Sechskämpser.

Aus dem Nachbargebiete.

(*) Zirkenbach, 26. Juni 1913. Die Feier des Regierungsjubiläums des Kaisers veranstaltet der hiesige Kriegerverein am Sonntag, den 29. Juni im Garten des Gastwirts Damian Dittmar zu Zirken­bach. Dieser Tage wird auch der Schießstand des Kriegervereins fertiggcstellt, welcher genau nach dem Muster der Militärschießstände angelegt wird. Vor­aussichtlich findet das erste Preisschießeu Mitte Juli statt.

K. Morles (Kr. Hünfeld), 26. Juni 1913. Nun hat auch unserer Ort seine eigene Wasserleitung. Sie wurde dieser Tage durch Baurat Wenzel vom Meliorationsbauamt Fulda geprüft und der Oeffent- lichkeit übergeben. Kreisbrandmeister Fiedler-Hünfeld benutzte die Gelegenheit, sich von der Leistungsfähig­keit der Hydranten zu überzeugen und hielt eine Feuerwehrübung ab, die zur größten Zufriedenheit ausfiel. Die gesamte Anlage wurde in einem Zeit­raum von drei Monaten durch den Bauunternehmer E. Ehrig-Fulda mit einem Kostenaufwand von 19 000 Mark erbaut. Die Gemeinde erhält zu den Kosten als Zuschuß 4300 Mk. aus dem Westfonds und 2000 Mark aus der Hess. Brandversicherungsanstalt.

0 Hanau, 26. Juni 1913. Nach einer Mitteilung der Militärbehörde hat sich die Vergrößerung der Depotbauten der Eisenbahnbrigade notwen­dig gemacht. Die Intendantur hat an die Stadt das Ersuchen gerichtet, die erforderlichen Bauten auszu­führen. Die Kosten betragen rund 297 000 Mk. und fallen mit Genehmigung des Kriegsministers verzinst werden mit demjenigen Betrage, den die Stadt für das aufzuwendende Geld selbst bezahlen muß. Ferner sollen an Bauleitungskosten 6°/0 gezahlt werden. Die Stadtverordneten erklärten sich in ihrer heutigen Sitzung mit diesem Vorschläge einverstanden. Ferner stimmten sie dafür, daß ein städtischer Zu­schuß von 240000 Mk. für die projektierte Höher­legung des Bahnkörpers zwifchen der Station Wilhelmsbad und Hanau-Ost geleistet wird. Die Gesamtkosten dieser Höherlegung betragen rund 3055000 Mk.

* Gelnhausen, 25. Juni 1913. Zum Gruppen­wasserwerk int Kreise Gelnhausen war die Zu­leitung von Glislitz bis zum Behälter bei Meerholz mit Ortsleitungen Hailer und Meerholz, umfassend ca. 14900 Meter Röhrgräben und Rohrverlegungen öffentlich ausgeschrieben worden. Das niedrigste Angebot belief sich auf 37 488 Mark, das höchste auf 77 896 Mark. Die Differenz zwischen Höchst- und Mindestforderung beträgt rund 40000 Mark.

* Hanau, 26. Juni 1913. Tcr seit mehreren Tagen vermißte 22 Jahre alte Bahnarbciter Bausch

essanten Aufschluß. Ein Ncwyorker Blatt ließ an 2000 Frauen in den verschiedensten Stadtteilen Fragebogen senden mit der Bitte, eine der drei fol­genden Fragen zu beantworten: Befürworten Sie das Stimmrecht für Frauen, oder sind Sie dagegen, oder stehen Sie der Frage gleichgültig gegenüber? Die Antworten fielen wie folgt aus: 778 oder 39 Prozent der Befragten standen der Frage gleichgültig gegenüber, 651 oder 321/2 Prozent als Gegnerinnen und 571 oder 2814 Prozent als Befürworterinnen des Frauenstimmrechts. Das Ueberwiegen der Gleich­gültigkeit, das aus diesen Ziffern spricht, wird durch das Ergebnis einer zweiten Probeabstimmung be­stätigt. DieNew I)ork State Association Opposed to Woman Suffragc", oder, wie ihr Titel ganz kurz lauten könnte, dieAnti-Suffragetten-Liga", ließ an 35 092 Frauen Postkarten mit einer Reihe von Fra­gen über die Haltung der Adressatinnen in der Frauen stimmrechtsfrage ausschicken. 31114 Frauen ließen überhaupt nichts von sich hören, von den ein­gegangenen Antworten lauteten jedoch 2300gegen", 304gleichgültig", 242unschlüssig", und nur 1102 für" das Stimmrecht. Diese Probeabstimmung er­gibt also einen Prozentsatz von etwa 58 Prozent gegen das Frauenstimmrecht. Die Liga ist min­destens ebcnfo rührig wie die Suffragetten-Liga. Die durch die Umfragen gewonnenen Ziffern werden als Kampagnematerial" der Anti-Suffragetten beson­ders zur Widerlegung der Behauptung verwendet werden, daß mehr Frauen für als gegen das weib­liche Stimmrecht seien.

Winke für die Reisezeit. Obwohl auch das große Publikum immer rcisekundiger wird, werden doch einige praktische Winke für viele nicht ohne In­teresse sein. Bekanntlich darf man jetzt nur soviel Handgepäck mit in das Abteil nehmen, als man über und unter seinem Sitzplatz verstauen kann, ohne die gleichen Rechte der Mitreisenden zu schmälern. Am besten und billigsten nimmt man sein Gepäck so­gleich als Paffagiergut mit. Passagiergut kostet aber für je 25 Kilogramnr bis 50 Kilometer Entfernung nur 20 bis 300 Kilometer 50 I, darüber hinaus 1 Mark. Wird das Grenzgewicht aber nur um eine Kleinigkeit überschritten, so tritt ein stufenweiser, eigentlich recht verwickelter Gepäcktarif ein, den man

ist bei Rumpenheim als Leiche aus dem Main gc- ländet worden. Auffallend ist die Tatsache, daß Bausch bei seinem Weggang etwa 50 Mark bei sich trug, während bei der Leiche noch 22 Pfennig vorgefunden wurden. Danach scheint B. das Opfer eines Ver­brechens geworden zu fein.

* Aus Thüringen, 25. Juni 1913. In Tüngeda ist ein in den dreißiger stehender Mann an Genick­starre gestorben. In Georgenthal feierte gestern der 92jährige Forstfekretär Großgebauer mit seiner 78 Jahre allen Gattin das Fest der diamantenen Hochzeit. In Tüttleben jagte ein Automobil aus Zwickau durch den Ort und überfuhr einen neun­jährigen Knaben, in Neustadt a. R. überfuhr ein Lastgeschirr em zweijähriges Mädchen. Beide Kinder waren sofort tot. In Erfurt tagte der Thürin­ger Hotelier-Verband. Als Garagemieie (für Ein­stellung der Autos) wurde beschlossen, den Minimal- betrag von 2 Mk. und den Höchstbctrag von 3,50 Mk. festzufetzen. Ein Redakteur der sozialdern.Tri­büne" in Erfurt wurde wegen Beleidigung eines Gcndarmcriewachtmeisters zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Wölfische Ziegelwerk in Wei­ßenfels wurde von einem Feuer hcimgesucht: der Schaden soll gegen 150 000 Mk. betragen. Ein größeres Schadenfeuer zerstörte in Weitersroda Wohnhaus, Stallung und Scheune des Korbmachers «ab Landwirtes Memunger. Eine auf dem blute Großfahner bei Gotha beschäftigte polnische Arbei­terin legte nack einem Streit mit ihrem Manne ihr sechs Wochen altes Kind auf einen Hackklotz und fchlug ihm mit einer Axt den Kopf und beide Beine ab. Der von ihr mißhandelte Mann war gerade zum Gendarmen gegangen. Die Mörderin wurde ver­haftet.

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 26. Juni 1913. Dem Rindvieh­zuchtverband im weimarischen Rhöngebiet ge­hören 926 Mitglieder an, die über 20 Herdbuchbullen und 593 eingetragene weibliche Tiere verfügen. Der landwirtschaftliche Hauptverein für den vierten Ver­waltungsbezirk sucht der Hebung der Viehzucht mit Erfolg dadurch zu dienen, daß er den Züchtern selbst­gezogener, guter Bullen Prämien gewährt. Der Rindviehzuchtverband plant jährliche Schauen mit Prämiierungen selbstgezogener Bullen. Die erste Schau, verbunden mit einem Bullenmarkt, findet am 11. Oktober 1913 in Dorndorf a. W. statt. Auf der Viehausstellung zu Kaltennordheim hat es sich gezeigt, daß die Herdbuchvereine Unterweid, Kalten­fundheim, Mittelsdorf und Kaltennordheim mit Er­folg ihre Viehzucht verbessert haben. Die Ziegen­zucht macht im dritten wie im vierten Verwaltungs­bezirk recht gute Fortschritte. Auch das Interesse für die Schweinezucht ist neuerdings wieder reger gewor­den. In vielen Gemeinden haben sich Eberhaltungs- genoffenschaften gebildet.

* Dermbach, 26. Juni 1913. Der Vorstand der Handwerkskammer zu Weimar beschloß gestern, den durch die Wolkenbruchkatastrophe im Eisenacher Oberland geschädigten und in Not geratenen Hand­werkern vorerst 300 Mk. zu überweisen. Der Vorsitzende, Landtagsabg. Aleander stellte 100 Mk. von seiner zu beanspruchenden Vergütung als Vor­sitzender der Kammer zur Verfügung und 200 Mk. wurden der Lorenz Freitag-Stiftuna entnommen. Dem Hilfskomitee ist für die Geschädigten ein weite­rer Betrag von 3660,91 Mk. zugewendet worden.

Ä Mittelsdorf, 27. Juni 1913. Nachdem die Maul- und Klauenseuche in der Gemeinde Mittelsdorf erloschen ist, wurde die vom Groß- herzogl. Sächs. Bezirksdirektor erlaffene viehseuchen­polizeiliche Anordnung vom 22. Mai d. I. aufge­hoben.

* Mittelsdorf, 26. Juni 1913. Schon seit einiger Zeit betreiben die Herren Gebrüder Greifzu hier die Fabrikation von Acethlen-Schweißappa- raten. Um diese in größerem Maßstabe betreiben zu können, haben die Gebrüder Greifzu ihre Schmiede in Mittelsdorf an einen Schmied aus Kassel verkauft und beabsichtigen, sich in Kaltennordheim niederzu­lassen, und unter der FirmaR h ö n a - W e r k e" eine Fabrik zu bauen. Sie haben sich bereits ein ge­eignetes Grundstück auf der Nordseite der Scheuer der Drcschacnossenschaft erworben, und es soll in Kürze mir dem Bau der Fabrik begonnen werden.

* Unterbreizbach, 26. Juni 1913. Das Kalisalz- bergwcrk Gewerkschaft Sachsen-Weimar

in jedem Kursbuche findet. Es kommt dabei ebenso auf das Gewicht wie auf die Entfernung und die Anzahl der Fahrkarten an. So kosten z. B. 126150 Kilo Gepäck auf 251 bis 300 Kilometer Entfernung auf nur eine Fahrkarte 9 Mk., auf zwei Fahrkarten nur 8 Mk usw., auf sechs Karten nur 3 Mk. Wer rechnen will und muß, mag also vorher das Gewicht seines Gepäcks genau feststellcn. Sehr oft kann man beträchtlich erfparen, wenn man einen kleinen Uebcr- schuß über das Grenzgewicht dadurch vermeidet, daß man ein oder zwei Postpakete daraus macht und diese vorher abschickt. Bis 5 Kilo kostet ein Paket 50 Wesentlich anders wird die Sache, wenn man nicht durchgehende Fahrkarten bis zur Endstation hat, viel­leicht von einem Bahnhof zum andern gehen muß. Dann muß man natürlich für die Ueberführung sei­nes Gepäcks selbst sorgen, einen Träger oder eine Droschke nehmen; das kostet allerdings oft mehr, alS wenn man das Gepäck als Frachtgut voraussendet, as-

Für die Vertilgung von Quecken im Garten­land stellt Johannes Büttner im praktischen Ratgeber den Grundsatz auf, daß sich Quecken entweder im Triebe erschöpfen oder im Saft ersticken müssen. Er schreibt:Wo ich es mit cinzelncn Queckenhorstcn zu tun habe, werde ich natürlich nicht die Blätter ab- rcißen, sondern die Horste gut mit den Wurzeln her­ausziehen. Sind es aber der Quecken zu viele, so verwende ich vernünftigerweife meine kostbare Zeit nicht auf das Hcrausholen der einzelnen Wurzeln, sondern ich hacke das Gras dicht über dem Boden ab. Das geht zwölfmal schneller als das Heraus­holen, und wenn ich das Abhacken nur fünfmal wie­derhole, bin ich die Quecken viel sicherer los: Die Kraft der Quecke hat sich erschöpft. Die Kulturpflanze wächst darüber hinweg. Zweitens das Ersticken: Plötzliche Störung mitten im Wachsen bringt jeder Pflanze Gefahr, auch dem Unkraut Quecke. Also verlegen wir den Kampf nicht so sehr in den Winter, als in die Hauptwachstumszeit, den Sommer. Wer verquccktcs Land hat, soll es so einrichten, daß er es wenigstens zweimal im Jahre bestellt. Das Land muß "dann mitten im Sommer umgearbcrtet werden. Dadurch werden die Queckenwurzeln viel energischer gestört als durch das Abhackcn, und in einer Zeit, in der der Saft in voller Beweomva ist. werden die

hat beschlossen, für das zweite Quartal d. Js. eint Ausbeute von 150 Mk. pro Kux zu erteilen.

Aus Gberhefsen u. den Hess. Aemtern.

* Kirchhain, 26. Juni 1913. Der gestrige Foh­le n m a r k t mit Prämiierung war mit 58 Fohlen beschickt. Auf Saugfohlen wurden 23, auf einjährige Fohlen 6 und auf zweijährige Fohlen 3 Preise vergeben. Einige Fohlen wurden zu hohen Preisen verkauft. Der nächste Fohlenmarkt findet am Dienstag den 5. August d. I. statt. Mit diesem Markt ist auch eine Verlosung verbunden.

* Frankenberg, 26. Ium 1913. Die Heuernte hier und in der Umgegend, wie sie feit Jahren hin­sichtlich Quantität und Qualität nicht gewesen, ist trotz kurzer Unterbrechungen durch Gewitterregen glücklich beendet. Der Ausfall der Klee-Ernte verspricht ebenfalls einen reichen Ertrag und die Kartoffel- und Getreidefelder stehen in üppiger Ent­wickelung.

# Ziegenhain, 26. Juni 1913. Ein jüngerer Handwerksbursche stahl seinem älteren Kollegen, der mit ihm in einer hiesigen Wirtschaft logiert hatte, nachts die Uhr aus der Westentasche. Ter Bestohlene bemerkte seinen Verlust rechtzeitig, holte den Dieb ein und nahm ihm seinen Raub wieder ab.

[j Neustadt, 26. Juni 1913. Am nächsten Sonn­tag, am Feste der Apostel Petrus und P a u l u ü, ist vormittags um %10 Uhr in For st Hochamt und Predigt; nachmittags um 3 Uhr wird in Mardorf der Grundstein gelegt zur neuen Wallfahrt»- ka pelle.

-|- Mardorf, Kr. Kirchhain, 26. Juni 1913. Eine neue M a ri en k ap elle soll sich demnächst in Oberhesscn erheben. Südöstlich von unserer Ge­meinde stand auf einer Anhöhe,Kellmark" genannt, schon seit langer Zeit ein Bildstock darstellend den Be­such Mariä bei ihrer Base Elisabeth. Bereits int Jahre 1728 wurde eine Prozession zu diesem Ort gestiftet, die bis auf den heutigen Tag um die Zeit des Festes Mariä Heimsuchung gehalten wird. Auch sonst war der Bildstock das Ziel frommer Beter, und heute noch kann man erzählen hören, wie besonders zur Zeit des deutsch-französischen Krieges im Jahre 1870/71 ganze Scharen dorthin gezogen sind und die in der Ferne weilenden Krieger dem Schutz der Got­tesmutter empfohlen haben. Seit vielen Jahren hat man schon den Plan, hier eine Kapelle zu errichten, und zahlreiche Wohltäter haben ihr Scherflein beige-, tragen, um den Bau zu ermöglichen. Jetzt ist endlich das Werk in Angriff genommen worden. Sonntag, den 29. Juni, nachmittags 3 Uhr, wird bei günstiger Witterung die alte Prozession wieder zu der Stätte ziehen, die längst der seligsten Jungfrau heilig ist. Bei dieser Gelegenheit soll der Grundstein zu dem neuen Heiligtum gelegt werden, das nun bald, weit­hin Über das Ohmtal sichtbar, das Lob der Himmxls- königin verkünden wird. Zu dieser schönen Feier werden die Katholiken Oberhessens freundlichst einge­laden. Mögen besonders die nahe gelegenen Orte ihre alte Glaubenstreue und ihre innige Liebe zur hehren Gottesmutter durch recht zahlreiches Erschei­nen bekunden!

* Treysa, 26. Juni 1913. Nach althergebrachter Sitte wurde auch gestern wieder das Standbild aus dem Ralhausbrunnen,das sogenannteJohan nis- männeben", von der Schuljugend bekränzt. Nach Anlage der neuen Wasserleitung wurde zwar der frühere Wasserspender außer Betrieb gesetzt, dafür aber mit einigen Röhren versehen, die zeitwefie ihren Inhalt in das Bassin ergießen. Dies geschah auch heute.

* Willingshausen, 26. Juni 1913. x Seit kurzem hat der Kunstmaler Professor B a n tz e r aus Dres­den mit zahlreichen Schülern die hiesige Maler- k o > o n i e wieder bezogen. Letztere bietet gegenwär­tig, namentlich für Landschafter, eine überaus reiche Fülle herrlicher Motive, so daß es die jungen Künst­ler einfachgroßartig" finden. Der hiesige Krie­gerverein begeht nächsten Sonntag die Feier sei­nes 25jäbrigen Bestehens, zu welcher ein: größere Anzahl Vereine ihre Beteiligung zugesagt haben.

» Aus dem Talsperrgebiet, 26. Juni 1913. Durch die Edertalsperre fühlten sich verschiedene in der Gegend liegende Ortschaften in ihren Verbindungen mit den am anderen Ederufer gelegenen Orten be­nachteiligt; auch waren sonst noch in verschiedener Hinsicht von feiten 'ber Gemeinden, der Forstvcrwal- tung und der Kirche Einwände erhoben worden. Ter

Wurzeln im Saft leicht ersticken". Gartenfreunde können den Aufsatz über Queckenvertilgmig kostenfrei erhalten, wenn sie an den praktischen Ratgeber schreiben.

Logicrbesuch und Fremdenzimmer. Ist Logier­besuch angemeldet, so gibt's gewöhnlich einige Ver­legenheit. Beim Städter noch mehr als bei dem, der, auf dem Lande wohnt. Bei jenem nimmt der Gast' wohl ganz von selbst die weitestgehende Rücksicht, denn er kennt die Schwierigkeit mit den räumlichen Ver­hältnissen. Der Landbewohner indes hat in der Re­gel viel mehr Raum verfügbar, er hat fogar ein bis zwei Zimmer ständig für Logierbesuch reserviert. Die vier Wände allein schaffen freilich noch keine Behag­lichkeit. Gewöhnlich bringt man in den Fremden­zimmern von reichen Häusern wollen wir ganz ab- schen alles das unter, was in andere Zimmer nicht mehr recht paßt, vielleicht auch alte Möbel, aus dem Elternhaus geerbt, usw. Wer viel da und dort zu Gaste war, wird bemerkt haben, daß man cs gewiß nicht an Aufmerksamkeit hat fehlen lassen, allein, man fühlt aus der ganzen Einrichtung doch zu sehr heraus, daß das Fremdenzimmer gewissermaßen ein Stiefkind ist. Das sollte es aber nicht sein. Mau glaubt gar nicht, wie nett, selbst mitaltem Kram", ein Lögierzimmer ausgestattct werden kann! Sehr zu empfehlen ist eine lichte, freundliche Tapete und eine einfache Fensterdekoratiou, bestehend aus den moder­nen zwei Streifen mit Lambrequins und einer Zug­gardine. Das alles kann man sehr billig sich selbst Herstellen. Die alten, einfachen Möbel aber, auch Bett und Stühle, lasse man gänzlich weiß anstreichen und lackieren, sie erhalten dadurch sogar ein recht vorneh­mes Aussehen, und cs tut auch nichts zur Sache, wenn die einzelnen Stücke verschiedenen Stilarten angehören. Durch einen größeren, tief herabgeheuderr Spiegel, einige gute Bilder und gestickte Deckchen wird der Eindruck sehr erhöht, und kommt noch ein Teppich dazu, Papier und Schreibzeug, Wasserkaraffe, reichlich Waschwasser, ein Blumenstrauß auf den Tisch usw., so wird der Gast gern ein Loblied anstim­men über die Aufnahme, die ihm zuteil geworden. Hf.

Tie poetische Köchin. Aber Anna was sehe ich Sie haben die kostbare Vase zerbrochen!". Ach, gnädige Frau, alles Irdene ist vergänglich l"