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Fuldaer Zeitung

* Vom Eichsfelde, 24. Juni 1913. Der älteste Lehrer des Eichsfeldes und vielleicht ganz Deutsch­lands, der letzte Schüler des großen katholischen Pä­dagogen Lorenz Kellner, ist gestern abend in Worbis in der Person des 95jährigen Lehreremeriten Ig­naz Apel aus dem Leben geschieden. Nachdem er 55 Jahre lang den Lehrerberuf ausgeübt hatte, wo­von 52 Jahre allein auf Beberstadt fallen, trat er im Jahre 1893 in den Ruhestand. Der „alte Herr in Heberstedt", wie der Entschlafene im Munde der Kol­legen hieß, war ein angesehener Schulmann und ein beliebter Kollege.

* Aus Franken, 25. Juni 1913. In Würz- .burg werden in diesem Jahre am 3. August 20 Alumnen die hl. Priesterweihe erhalten. — Der Ge­meinderat von Aschaffenburg bewilligte 20000 Mark für Gasautomaten. — In einer Wirtschaft in Hösbach wurde gestern morgen ein Handwerks­bursche tot in seinem Bette aufgefundcn. — Ein beim Brückenbau in Randersacker beschäftigter Zimmermann Grübel von Heidingsfeld stürzte in den Main und ertrank. — Die Eröffnung einer Motorpostlinie Eltmann-Trunstadt-Bam- 6 er g ist gesichert, nachdem gestern der Stadtmagi­strat Bamberg den geforderten Zuschuß von 1000 Mark für einen Hallenbau in Bamberg und die Uebernahme einer _ jährlichen Garantiesumme von 950 Mark genehmigt hat. — Gestern nachmittag ging im Spessart ein schweres Gewitter mit Hagel nieder. In Rückersbach war der Erdboden mit einer 5 Zentimeter hohen Eisschicht bedeckt. An den Obstbäumen und an der Frucht richtete das Unwetter großen Schaden an. — In Alzenau erschlug der Blitz die 16jährige Zigarrensortiererin Anna am Berg und die neben ihr sitzende Hauskatze.

Amt Geisa und Umgebung.

*!* Geisa, 24. Juni 1913. Am Sonntag feierte die Schreiner- und Glaserinnung Geisa in ihrem Vereinslokale das Fest ihrer 25jährigen Begründung. An Stelle des schwer erkrankten ersten Vorsitzenden, Herrn Schreinermcister Kiel-Geisa, wurde die Versammlung durch dessen Stellvertreter, Herrn Schreinermeister Ma n n e l - Buttlar, eröff­net. Derselbe legte in längeren Ausführungen dar, daß im Amtsgerichtsbezirk Geisa schon im Jahre 1733 eine Schreiner-, Glaser- und Böttcherinnung in hoher Blüte gestanden habe und schloß mit einem Hoch auf den hohen Förderer des Handwerks, Se. König!. Hoheit den Großherzog Wilhelm Ernst. Während des Festes sprach noch Herr Bürgermeister Brähler, welcher der Einladung der Innung Folge geleistet hatte, über das Handwerk einst und jetzt. Auch seine Ausführungen fanden reichen Bei­fall. Der übrige Teil des Festes, das einen recht kol­legialen Charakter trug, nahm einen würdigen Ver­lauf.

* Geisa, 25. Juni 1913. Der Vorstand der Land« wirtschaftskammer hat Verhandlungen mit dem Großh. Staatsministerium über die Bewilligung eines ein­maligen Zuschusses zu der Errichtung einer land­wirtschaftlichen Laushaltungsschule und

Lokales.

Fulda, 26. Juni 1913.

# Verliehen wurde dem Oberleutnant Donne- vert im 1. Unterelsäfsischen Feldartillerieregiment Nr. 31 der Kronenorden vierter Klaffe.

+ Die 2. Lehrerprüfung nach der neuen Prüfungs­ordnung bestanden am Montag die Lehrer Johannes Rlute aus Oberbimbach und Joseph Hohmann aus Horas.

△ Bahnhofsumbau. In Ergänzung unserer gestrigen Mitteilung wird uns geschrieben: Die Aus­schreibung der Bauarbeiten für den hiesigen Bahn­hofsumbau war seinerzeit in nur einem Lose erfolgt. Der Magistrat batte sich, wie wir bereits mitteilten, sofort an die zuständige Stelle gewendet und ersucht, die Ausschreibung, wenn möglich, zurückzuziehen und sie in kleineren Losen zu bewirken, damit sich auch die mittleren und kleineren Bauhandwerker daran

Bewilligung eines jährlichen Beitrages zu den Unterhaltungskosten cingeleiiet. Es haben sich eine Anzahl mittlerer und kleinerer Städte des Grotz- herzogtums zu Gegenleistungen bereit gefunden für den Fall, daß der Sitz der Schule in ihre Stadt gelegt wird.

).'( Buttlar, 23. Juni 1913. Die durch das Hoch­wasser vom 3. bis 4. Juni in unserer Gemeinde angerichteten Schäden, welche nunmehr durch Sach­verständige eingeschätzt sind, belaufen sich auf etwa 20 000 Mark.

* Stadtlengsfeld, 24. Juni 1913. Der in voriger Gemeinderatssitzung vertagte Punkt .Abtretung von Wegereal bei der Schachtanlage der Gewerk­schaft Großherzog von Sachsen zu Dietlas im Menzengraben* wurde gestern nach einer örtlichen Besichtigung erledigt. Die Gemeinde Stadtlengsfeld tritt den ihr gehörigen, von genannter Gewerkschaft als Fahrstraße ausgebauten Weg, der von der Halte­stelle an der Straße Stadtlengsfeld-Dietlas nach der Schachtanlage im Menzengraben führt, käuflich mit 40 Pfg. für den Quadratmeter ab, da die Gewerk­schaft auf einem Teil dieses Weges Gebäude errichten will. Als Ersatz läßt die Gewerkschaft auf ihre Kosten eine neue Fahrstraße an der vom Gleis der Feldabahn an dieser Stelle abzweigenden Gruben­bahn hin anlegen.

-ACo (45.

Donnerstag 26. Juni 1915.

Aus dem Nachbargebiete.

K. Eichenzell, 25. Juni 1913. Die Arbeiten für die Erweiterung der hiesigen Wafferleitung nebst Zu. leitung der beiden zu fassenden neuen Quellen wurde demBauunterneh ner Ehrig-Fulda übertragen. Die beiden neuen Quellen liegen ungefähr 1600 Meter vom Orte entfernt; mit ihrer Fasiung wird endlich die bisher herrschende Wasserkalamilät beseitigt. Auch

vermischter.

* Naphtalincxplosion. Auf der chemischen Anlage der Zeche „König Ludwig" in Recklinghausen I in Westfalen brach ein Brand aus. Infolgedessen ex- I plädierten zwei nebeneinanderstehende Naphtalinkessel. I Das Feuer wütet noch fort. Auch das Oellager steht in Flammen.

* Das Bcstcchungswcsen vor Gericht. Neber einen I Bestechungsversuch, wie er leider nicht selten ist, ver- I handelte das Schöffengericht Dortmund. Die Ver- I tretet zweier Maschinenfabriken in Düsseldorf und I Borbeck, die als Spezialität Bäckereimaschinen her- I stellen, konkurrierten um die Lieferung einer Hnet- I maschine an eine Bäckerei in Herne. Der Vertreter I der Düsseldorfer Fabrik versuchte feinen Konkurren- I ten dadurch zu schlagen, daß er dem Erstgesellen des I Bäckermeisters einen Hundertmarkschein als Schmier- I gelt) anbot. Das Gericht verurteilte den Vertreter zu I 50 Mark Geldstrafe.

I * Die genarrte Feuerwehr. In der vergangenen I Woche wurde die Feuerwehr in Siegen zweimal I alarmiert, indem die öffentlichen Feuermeldestellen I widerrechtlich in Tätigkeit gesetzt worden waren. Als I der Alarm zum drittenmal erfolgte, blieb die Feuer- I wehr zu Hause, aber diesmal brannte es wirklich. Ein I etwas abseits der Stadt gelegenes Wohnhaus brannte I vollständig nieder, die Bewohner konnten nur ihr nack- I tes Leben retten.

* Mit der Internationalen Tuberkulosekonserenz, welche unter dem Vorsitz von Leon Bourgeois-Paris vom 22. bis 25. Oktober im Reichstagsgebäude zu Berlin stattfindet, werden zwei achttägige Infor­mationsreisen verbunden, von denen die eine von München über Nürnberg, Heidelberg, Baden-Baden, Frankfurt. Gießen, die andere von Düsseldorf über M.-Gladbach, Leverkusen, Essen, Hamburg nach Ber­lin führt.

* Vom Blitz getötet. Von mehreren Arbeitern, di» in K l e i n l u b i n in Pofen vor einem Gewitter in einer Scheune Schutz gesucht hatten, wurden zwei erschlagen, einer schwer und drei leicht verletzt.

* Der mißglückte Stapellauf des „Tcrsslinger" Der Kaiser hat sich über die Ursachen des zum zwei­ten Male mißglückten Stapellaufes des großen Kreu­zers „Derfflinger" eingehenden Vortrag halten lassen. Die Werft von Blohm u. Voß hat sich jetzt zu einer teilweisen Erneuerung des Ablaufschlittens, auf dem der Schiffskörper ruht, entschließen müssen.

* Eine Enthüllung zur Redlschcn Spionageaffäre veröffentlichen die Wiener Blätter. Danach hat eine rusiische Studentin, die kürzlich an Schwindsucht starb» mit Redl gemeinschaftlich Spionage getrieben. Zwi­schen den beiden bestanden Beziehungen, die Redl löste. Aus Wut denunzierte ihn die verlassene Ge­liebte bei dem österreichischen Kriegsminister.

* Tie Pocken in Bremen. Infolge des außeror­dentlich lebhaften Auswandererverkehrs sind in Bremen seit einigen Wochen ständig mehrere hun­dert A u s w a n d e r e r in den Sälen des.Lokals Schützenhof untergebracht. Unter diesen sind die Po­cken ausgebrochen. Mehrere Personen sind erkrankt und wurden isoliert. Die übrigen in dem Lokal lie-

Hus Gberhesien u. den Hess. Aemtern.

X Marburg, 25. Juni 1913. Zu der Auf­hebung der 6. Schulstelle in Marburg schreibt uns unser Gewährsmann, daß die Nachricht aus I einer Quelle sei, die als unbedingt zuverlässig gelten I muß. Es habe ihm übrigens fern gelegen, der Sache eine persönliche Spitze gegen Herrn Hauptlehrer Gruß zu geben. (Sie konnte aus der Mitteilung auch wirklich nicht entnommen werden. Die Red.)

* Marburg, 25. Juni 1913. Ein Jagdpächter aus Immichenhain, der dabei betroffen worden war, als er auf fremdem Jagdgebiet auf dem Anstand saß, wurde von der Strafkammer wegen Jagdver­gehens zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt. — Ein 15jähriger Junge aus Röddenau, der bei einem hiesigen Schlossermeister in der Lehre war, war mehr­mals abends in den Laden des Uhrmachers und I Fahrradhändlers Nahler eingedrungen und hatte mit­tels Nachschlüssel Uhren, Taschenlampen und Fahr­radersatzteile entwendet. Das Gericht erkannte auf eine Gefängnisstrase von vier Monaten.

X Neustadt (M.-W.-B.), 24. Juni 1913. Der hiesige Turnklub feierte am Sonntag bei herrlichem Wettet das Regierungsjubiläum des Kaisers. Um 3 Uhr bewegte sich unter den Klängen der Musik der Festzug zur als Festplatz eingerichteten Turner­gartenanlage. Hier brachte der Ehrenturnwart Theo­dor Gies das „Gut Heil" aus den Kaiser aus. Turnerische Uebungen zeigten, daß der Verein über tüchtige, geschulte Kräfte verfügt. Besonderen Beifall fand eine gut eingeübte Stabübung. Abends wurden Pyramiden bei bengalischer Beleuchtung gestellt, und den Abschluß der schönen Feier bildete das Ab- brennen eines Brillant-Feuerwerks durch den Kauf­mann Heinrich Mann.

* Gudensberg, 25. Juni 1913. Bei einem Ge­witter, das gestern nachmittag über unsere Stadt zog, gingen große Wassermassen nieder, sodaß der Flutgraben hoch augeschwollen war. Tas fünfjährige Töchterchen des Schmiedemeisters Höhl fiel in dem Graben und ertrank. Unsere Landwirte, die ersts kürzlich durch die Unwetter empfindlichen Schaden er­litten haben, wurden durch die ungeheuren Regen- massen wieder stark geschädigt.

2.Aaa.

vruck »er Znldarr Letiesdrulterei tu Saida.

1 |S’9en.könnten. Von der Königl. Eisenbahn- L)trertton ist darauf jetzt folgende Antwort eingegangen: I t”’ bedauern, Ihrem Wunsche, die Ausschreibung I S,0„nstl kleineren Bauwerken wieder aufzuheben und die I tet&Urn0 *n noch kleinere Lose ein,Meilen, I "ichk entsprechen zu können. Die Lage der Bau» I ?’,*"* i” einander, die Beschränktheit der Lagerplätze, I oie Art der Matenalien-Besörderung, das Ineinander. I Srblsen der Arbeiten und die Dringlichkeit der Aus» I suhrung lasten tat diesem Falle eine Trennung der Ar- I beiten nicht zu. Wenn es irgend angängig ist, sollen bei I n>eueren Vergebungen die mittleren und kleineren Bau» I geschäfte Fuldas tunlichste Berückstchtigung finden.

I A Mit der Beitreibung der Steuern pro I. Quartal | 1913 wird in diesen Tagen begonnen. Es fei auch daran erinnert, daß Montag, 30. Juni und Dienstag, I !• Juli die Kasse für Einzahlungen geschloffen bleibt. I ’G) Wegen Unterschlagung wurde der 23 jährige I Kaufmann Lewin, der als Reisender bei dem Kauf- I mann D. Nußbaum hier Beträge, die die Höhe von I 850 Mk. erreicht hatten, veruntreute, von der Straf- I kammer Hanau zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. I Ein Monat der Untersuchungshaft wurde angerechnet. I — Schüler - Ausflüge werden heute von mehreren I Klaffen der dompfarrlichen Knaben- und Mädchen- schule unternommen. Tas Ziel der Wanderung ist Kleinheiligkreuz und sonstige Waldorte. Andere Setnl- klaffen werden in den nächsten Tagen folgen.

-o- Einen Selbstmordversuch unternahm gestern mittag kurz nach 1 Uhr ein 71 jähriger Mann aus Oberlütter. Er sprang in der Nähe des Elektrizitäts­werkes in die Fulda, schwamm eine Strecke fort und wurde an der Brücke von einem Maurer aus dem Wasser gezogen. Er entfernte sich, ohne zu danken und versuchte kurze Zeit darauf sich abermals ins Waffer zu stürzen, wurde aber von zwei Arbeitern daran gehindert. Nachdem er zunächst im Hl. (Seift. Hospital untergebracht war, wurde er heute morgen in seine Heimat gebracht. Der Mann scheint in ! einem Anfall nervöser Überreizung gehandelt zu haben.

0 Vermutlich gestohlen wurde ein Stier, der seit dem 21. Juni von der Weide der Domäne Johannes- berg verschwunden ist. — In der vergangenen Nacht statteten Spitzbuben dem Wirtschaftsgebäude auf der Ausspann einen Besuch ab. Ob der Einbruchs­versuch Erfolg hatte, konnte noch nicht sestgestellt werden.

7;. Heber den Versand von Groß- und Kleinvieh von ländlichen Stationen der Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M. und Mainz ist eine Statistik er­schienen. Danach wurden auf diesen Stationen im Jahre 1910/11 versandt 3671 Stück Großvieh und 8737 Stück Kleinvieh, im Jahre 1911/12 dagegen nur 3170 Stück Großvieh und 6766 Stück Kleinvieh. Die Statistik zeigt, daß bei dem Versand von Kleinvieh em bedeutender Rückgang eingetreten ist, daß aber auch der des Großviehes um beinahe 14 Prozent ge- fallen ist. 0 y

— Wichtig für Gewerbetreibende: Wenn ein Ge­werbetreibender sein Geschäft in ein anderes Grund­stück verlegt und die von ihm verlassenen Geschäfts­räume von einem Gewerbetreibenden gleicher Bran­che wieder bezogen werden, übt manche Gewerbe- steuerbehvrde den Brauch, die Gewerbesteuer des bis­herigen Lokalinhabers ohne weiteres auf den Namen des neu eingezogenen Lokalinhabers umzuschreiben. Em solches Verfahren ist nach einer Entscheidung des I Oberverwaltungsgerichtes unstatthaft, wenn der'neue Lokalinhaber lediglich nur die Räumlichkefteu über­nimmt, und darin ohne Beziehung zu dem Betriebe I seines Vorgängers ein, wenn auch gleichartiges, Ge- I werbe neu beginnt.

* Die Löhne der Eisenbahnhandwerker. Vom I 1- Juli ab werden die Lohnbezüge der bei der preu- I ßlsch-hessischen Eisenbahnverwaltung beschäftigten I Handwerker neu geregelt. In Betracht kommen nur I Handwerker mit. vollkommen handwerksmäßiger Vorbildung, wie Schlosser Mechaniker, Uhrmacher, I Schmiede, Tischler, Maurer, Zimmerleute, Speng- I ler, Installateure usw. Von allen diesen Handwer- I kern beschäftigt die Eisenbahnverwaltung eine große Anzahl in ihren Betrieben. Für einzelne Handwer- I ter sind besondere Stellenzulagen festgesetzt, ebenso werden auch die Bezüge der Handwerker mit nicht voller handwerksmäßiger Ausbildung neu normiert.

<? Turnfest des Obersulda-Werragaues. Im nach­stehenden veröffentlichen wir die Liste der Sieger der zweiten Klaffe aus Fulda und Umgebung: 1. Preis H- Wagner-Burghaun, 2. Iah. Staubach, T. u. F. -fulda, 3. G. Frick, Tgd. Fulda, 6. M. Schmitt, Tgd. Fulda, 7. Wilh. Schäfer, T. u. F. Fulda, 8. I. Deuter, Tgd. Fulda, 9. F. Mihm-Poppenhausen, 11. (Doppelpreis) F. Händler-Petersberg, W. Schmidt- Flieden, 12. O. Köck, T. u. F. Fulda, 13. Fr. Fritz, Tgd. Fulda, 14. (Doppelpreis) PH. Schlotthauer, Tgd. Fulda. I. Schleicher, Tgd. Fulda, 15. H. Arbogast, Tgd. Fulda, 18. H. Waider, Tgd. Fulda, 19. F. Kanzler, T. u. F. Fulda, 20. F. Habersack, T. u. F. Fulda, 21. (Doppelpreis) A. Schneider, T. u. F. Fulda, O. Hähnel-Neuhof, 22. E. Heil-Nenhof, 23. K. Hahn- Neuhof, 26. (Doppelpreis) F. Danz, T. u. F. Fulda, I. Gaul-Petersberg, 32. (4 Preise) I. Völler-Horas, A. Krug, T. u. F. Fulda, K. Gaul-Petersberg, W. Bott-Gersfeld, 34. I. Hilfenhaus-Schmalnau, 35. Ad. Diegelmann-Künzell, 36. H. Eckhardt, Tgd. Fulda, 39. F. Schmitt, T. u. F. Fulda, 40. Oskar Montag, Tgd. Fulda, 41. W. Heil-Künzell, 43. (Doppel­preis) O. Leinberger, T. u. F. Fulda, A. Schiebe!- hut-Poppenhausen, 44. O. Osner, Tgd. Fulda, 45. (3 Preise) I. Kemmerzell-Gersfeld, E. Scheel, T. u. F. Fulda, R. Fischer-Gersfeld, 46. (Doppelpreis) G. Kropp, T. u. F. Fulda, G. Lohfink, Tgd. Fulda, 50. Hub. Kremer-Horas, 54. H. Ritzel, Tgd. Fulda, 55. L. Reith- Schmalnau, 56. (Doppelpreis) I. Waider, Tgd. Fulda, W. Heun-Gersfeld, 60. (Doppelpreis) I. Dehler- Petersberg, E. Hofmann, T. u. F. Fulda, 63. (Doppel- preis) O. Mihm-Flieden, K. Nensel, Tgd. Fulda, 66. K. Werner und 67. August Schmitt, Tod. Fulda.

= Sommertheater. Man schreibt uns: Am Freitag gelangt die Schauspiel-Novität „D i e v o m W e n d h o f" von B. Morithon v. Mellenthin zur Aufführung. Ein bekannter Kritiker äußert über das Stück: „Selten hat ein Erstlingswerk die Lichter der Rampe unter solch ehrlichem und tosendem Beifall erblickt wie „Die vom Wendhof* im Königl. Hoftheater zu Kassel. In diesem Werk zeichnet die erfolgreiche Verfasserin die Charaktere mit festen, kräftigen Strichen und liebevoller Kleinmalerei. Durch die Seelenkämpfe ihrer Helden I dringt die Liebe zur heimatlichen Scholle und zur rauhen See." Das Werk wurde von fast allen deutschen Büh- I nen angekauft. Auch hat sich die Direktion Herrmann I sofort bemüht, es für Fulda zu erwerben.

| der nach Löschenrod liegende Teil unseres Ortes, der bis­lang keine Wafferleitung hatte, wird jetzt der segens­reichen Vorzüge einer solchen teilhastig. Mit den Ar- I beiten, deren Kosten sich auf annähernd 7000 Mark I belaufen, wird in den nächsten Tagen begonnen.

* Hanau, 25. Juni 1913. Der heutige Vieh- I markt war mit 1 Bullen, 286 Kühen und Rindern I und 52 Kälbern befahren. Bei ziemlich hohen Prei- I sen war der Handel flott.

* Frankfurt, 25. Juni 1913. Ein amerika- I nisch e r Vergnügungsreifender hatte in I einem hiesigen Hotel einen Herrn kennen gelernt, der sich ihm als Engländer vorstellte. Auf einem ge- meinfamen Spaziergange fanden beide ein versiegel- I tes Kuvert, das ein vor ihnen gehender Herr ver- I loten hatte. Man verständigte den Verlierer, der I sich als Amerikaner zu erkennen gab und zum Dank beide in eine Bar einlud. Beim Weine erzählte er, er habe kürzlich fünf Millionen geerbt unter der Be- I bingung, eine Million für wohltätige Zwecke zu ver- I wenden und er suche eine vertrauenswürdige Person zur Ausführung seiner Verpflichtung. Der Englän­der erklärte sich dazu bereit, hinterlegte zur Srcher- I heit 18 000 Mark und bestimmte den Amerikaner, I 12 000 Mark zu hinterlegen. Kurz darauf verschwan­den beide nacheinander. Man glaubt, daß es sich um dieselben Betrüger handelt, die in ähnlicher Weise im vorigen Sommer einen Amerikaner in Berlin um 20 000 Mark prellten. — Zwei bekannte hiesige Per­sönlichkeiten, der Baurat W e r n e ck e und der Stadt- baumeifter Vespermann, welche am Londoner internationalen Straßenkongreß teilnahmen, wurden in Folkestone wegen Spionageverdachts ver­haftet. Es handelt sich um einen argen Mißgriff | der englischen Polizei; es ist vollkommen ausge- I schlossen, daß die beiden deutschen Baumeister spio­niert haben.

* Gießen, 24. Juni 1913. Der Taglöhner Michel von Hanau, der in Friedberg, wo er in Stellung war, seinem Meister einkassierte Kundengelder ver­untreute und von diesem zur Anzeige gebracht wurde, bezichtigte aus Rache den Meister eines Sittlichkeits­deliktes. Michel erhielt gestern vor der Strafkam­mer wegen falscher Anschuldigung die exemplarische Strafe von 6 Monaten Gefängnis.

* Wiesbaden, 24. Juni 1913. In der geheim geführten Konferenz der Vor st än de der preuß. Landwirtschaftskammern, die I heute im Landeshaufe ftattfanb, kamen u. a. folgende I Punkte zur Verhandlung. Es wurde die Erstellung I von Ausnahmetarifen für Trockenkartoffel- Fabrikate, sowie eine Frachtermäßigung für Roh- I kartoffeln, die an Kartoffelbrennereien gesandt wer- I den, befürwortet. Der Bericht über die Tätigkeit der I Kommission für das Arbeiterwesen führte zur An- I nähme von Grundsätzen über die Zusammenarbeit I mit den Arbeitsnachweisverbänden, sowie zu einer er­neuten Bitte an die Staatsregierung um Bereitste!- I luiig reichlicher Mittel im Interesse der Bekämpfung der Landflucht der Landarbeiter. Die Errich- I tung voic Betriebskrankenkassen wurde I für die Landwirtschaft als im allgemeinen wenig I zweckmäßig erachtet, dagegen wurde möglichst be- I schleunigte Gründung landwirtschaftlicher Haus- I frauenbereine empfohlen. Es wurde ferner noch der- I handelt über die Bildung von Eigen-Jagdbezirken durch Uebertragung von Mit-Eigentumsanteilen und I Abänderung des Gesetzes. An den Verhandlungen I selbst nahmen mehrere Räte des Landwirtschafts­ministeriums, ferner der Oberpräsident von Hessen- Nassau, Regierungspräsident v. Meister-Wiesbaden, der Landeshauptmann von Nassau und eine Anzahl Ehrengäste teil. Sämtliche preußische Landwirtschafts- I Jammern hatten Vertreter entsandt.

Die Lohnarbeit im deutschen Volke.

Außerordentlich wertvolle Einblicke in den Um­gang und die soziale Bedeutung, tue heute die Lohn­arbeft tm deutschen Volke einnimmt, eröffne* der so­eben erschienene zehnte Band der deutschen'Beruf s- u»d Gewerbezähluug von 1907, mit dem das Quel- lmwerk dieser neuesten Berufsaufnahme des deut- sihen Volkes zum Abschluß kommt.

Von den 61,72 Millionen Gesamtbevölkerung die die Beruszählung 1907 aufwies, sind 55,98 Mi'llio- brtn im Erwerbsleben beschäftigt. — Die übrigen 5,73 sind „beruflos" oder stehen in Heer und 9).’arme. Son den tm Erwerbsleben Stehenden sind 29 80 Millionen Lohnarbeiter und Dienende, 1690 Millionen sind Selbständige. Die andern so­zialen Schichten (Hausgewerbetreibende: 0,52 Mil- üonen; Angestellte: 4,36 Millionen und mithelfende Familienangehörwe 4,39 Millwnen) erscheinen diesen beiden Hauptschichten gegenüber, was die Zahl an- betrifst. Heut. In Prozenten ausgedrückt gehören demnach 48,3 Prozent der Gesamtbevölkerung der Lohnarbeiterschicht an, die Schicht der Selbständigen umfaßt 27,4 Prozent. Nimmt man die erwerbende Bevölkerung ins Auge, so umfgffen die Lohnarbeiter- schrcht und Drenenden — die Familienangehörigen emgerechnet — 53,2 Prozent, die Selbständigen 30,2 Prozent.

Zählt man nur die im Erwerbsleben Tätigen, also ohne die von ihnen ernährten Familienmitglie-' der, so erhalten wir davon 28,1 Millwnen; davon sind 15 Millionen Lohnarbeiter, Dienende und un­tere Beamte, 5,8 Millwnen sind Selbständige. Von der Gesamtzahl der im Erwerbsleben Tätigen (Heer und Flotte abgerechnet) umfaßten die Selbständigen 21,1 Prozent, die Lohnarbeiter 54,8 Prozent. Dar­aus geht also hervor: Mehr als die Hälfte der erwerbenden Bevölkerung des Deutschen Reiches gehört der Schicht der Lohnarbeiter an; diese Schicht fft, die Familienmitglieder eingerechnet, rund doppelt so stark als die Schicht der Selbständigen; ohne die Familienmitglieder ist sie rund dreimal so stark. Dabei zeigen die Ziffern weiter, daß das Wachstum der Selbständigen verglichen mit der Zählung von 1895 hinter dem der Lohnarbeiter zu- rüdbleibt Die Zahl und der Anteil der letztem an der Gesamtarbeitsbevölkerung ist also im Steigen begriffen.

Dem Geschlecht nach gezählt sind ein Drittel aller Lohnarbeiter weiblichen Geschlechts, zwei Drittel Männer. Seit 1895 haben die männlichen Arbeiter um ein Viertel (24 Prozent) zugenommen, die weib­lichen um 15 Prozent. Das geringere Wachstum der Frauenarbeit ist auf die Abnahme der landwirt­schaftlichen Arbeitskräfte zurückzuführen. In der In­dustrie ist dagegen die Sache anders. Bei Betrach­tung der einzelnen Erwerbsgebiete zeigt nämlich die Industrie, die unter den einzelnen Berufsabteilungen die höchste Besetzung mit Arbeitern aufweist, eine Zunahme der lohnarbeitenden Männer seit 1895 um Mei Fünftel (40 Prozent). Die Arbeiterinnen aber sind um 54 Prozent gewachsen. Durch Zunahme um inte halbe Million lohnarbeitender Frauen ist die Industrie 1907 an die erste Stelle unter den Haupt­erwerbszweigen der weiblichen Berufsarbeit gerückt. Noch 1895 waren mehr Mägde und Taglöhnerinnen in der Land- und Forstwirtschaft und ebenso mehr Frauen im Dienstbotenberufe tätig als int Gewerbe. Ergebnis: Die industrielle Frauenarbeit, heute schon stark, ist weiter am Wachsen sie nimmt schneller zu als die Männerarbeit.

Aeußerst bemerkenswerte Verhältniffe zeigt die Altersgruppierung der Lohnarbeiterschaft. Sie lehrt nämlich, daß in der Landwirtschaft nahezu die Hälfte der Lohnarbeiter (47,6 Prozent) I auf die Altersklaffe unter 20 und über 50 Jahre ent- I fällt. In der Industrie machen die gleichen Alters- I klaffen zusammen nur 33,4 Prozent aus. Daraus I tritt klar die Entblößung der Landsund Forstwirt- I schäft von den Arbeitskräften in besten Jahren, also I im Mer zwischen 20 und 50 hervor. Ganze 30,3 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte stehen I im Mer von unter 20 Jahren. Sehr bedeutsam ist | auch die Alterszusammensetzung der Industrie- I drbeiterschaft. Wie schon die bei der land­wirtschaftlichen Arbeit gefundenen Verhältnisse nahe­legen, setzt sich die Jndustriearbeiterschaft aus den I kräftigsten Jahresklassen (von 20—50 Jahren) zu­sammen. Jedoch zeigt eine genauere Betrachtung I geradezu frappante Erscheinungen. Die Industrie beschäftigt zu mehr als der Hälfte (54,7 Prozent der männlichen) Lohnarbeiter im Alter von unter 30 Jahren. — (Bei den Lohnarbeiterinnen sind es so- I gar 71,7 Prozent.) Wird als Alterswende das 40. Lebensjahr angesetzt, so zeigt sich, daß bei der In­dustrie (wie auch beim Handel und Verkehr) der An- I teil der über 40 Jahre alten Arbeitskräfte nicht ein- I mal mehr ein Drittel ausmacht. Nimmt man das 50. Lebensjahr als Grenze der Altersgruppierung, so I Beträgt der Anteil der über 50 Jahre alten | Männer arbeitenden Standes in der Industrie I nicht einmal mehr ein Zehntel des Bestandes (9,6 I Prozent). Daraus tritt mit aller nur wünschens- I werten Schärfe hervor, wie auch heute noch die In- I buftriearbeit die besten Volkskräfte an sich zieht. Sie I umfaßt deren Mehrheit zur Zeft ihres kräftigsten I Alters, um sie in kurzer Zeft zu verzehren ober sie I mit verbrauchten Kräften wieder dem Lande, woher I sie zumeist kommen, zurückzugeben.

Es erhellt daraus aber, welche Bedeutung auch I heute noch die soziale Arbeit an der Schicht I des deutschen Volkes zukommt, die heute deffen volle I Hälfte ausmacht und auf der immer mehr als früher I die Hauptlast der deutschen Wirtschaftsarbeft liegt. I Von ihrer Festigung und Gesundung hängt in hohem I Maße die Zukunft auch unserer Bevölkerungskraft I und Wirtschaftsmacht ab.