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2. Blatt.

vr«S der Fuldaer RctiendrsSerei ti$il>t.

Sutoaer Leitung. *=•

Lokaler.

Fulda, 25. Juni 1913.

# Personalien. Beriet, Oberstlt. beim Stabe Des Feldart.-Regts. Nr. 11 wurde zum Kommandeur des Mindener Feldart.-Regts. Nr. 58 ernannt. Die Prüfung haben bestanden zum Eisenbahnasiistenten: die Stationsaspiranten Mayer in Treysa und Rausch e.nberger in Kirchhain; zum Lokomotiv­führer: die Lokomotivheizer Berger in Gemünden -und R ö d e r in Marburg, zum Zugführer der Schaff­ner K u r z in Treysa. Dem "Oberpostassistenten Gasch in Hanau ist der Titel Postsekretär und dem Ober-Telegraphenassistenteu Bock in Hanau der Titel Telegraphensekretär verliehen.

# Verliehen wurde der Rote Adlerordcn 4. Klasse dem Divisionspfarrer Wagner in Kassel, der Kro­nenorden 4. Klaffe dem Bahnmeister a. D. Brin- n e r in Wiesbaden, dem Bureaudiener W e r n i n g beim Kasseler Hoftheater das Allgemeine Ehrenzei­chen.

-T-" Zum Bahnhossumbau wird uns geschrieben: Als vor kurzem das Ergebnis der Ausschreibung für die Erd- und Maurerarbeiten der Bauwerke in Sim. 107,9 pp. bekannt wurde, hat man wohl kaum hier in Fulda daran gezweifelt, daß die Arbeiten einer Fuldaer Firma übertragen würden, denn es waren alle Bedingungen im Sinne eines neuerlichen ministeriellen Erlasses erfüllt. Die von den hiesigen Submittenten gestellten Preise bewegten sich durchweg in der Mittellinie und die Firmen selbst boten an Solidität und Leistungsfähigkeit für pünktliche und sachgemäße Ausführung der Arbeiten jede Gewähr. Zudem waren bei Vergebung der Arbeiten zur Her­stellung der Schürflöcher und für die Rampenaus­schüttung die Angebote hiesiger Bürger übergangen worden. Bei Berücksichtigung aller dieser Umstände muß es um so mehr befremden, daß auch bei der letzten Vergebung der Bausachen sämtliche hiesige Firmen übergangen wurden, vielmehr die Arbeiten der Firma Bödicker in Eschwege mit einem Gebot von 58 657,50 Mk. übertragen wurde. Die von dieser Firma geforderte Summe übersteigt die höchste Forderung der Fuldaer Unternehmer um rund 323 Mk., ein Betrag, der bei einem Objekte von dieser Größe durchaus nicht in Frage kommen kann. Welche Gicknde demnach die Kgl. Eisenbahndirektion für die Umgehung der Fuldaer Unternehmer veran­laßt haben könnte, ist nicht recht ersichtlich, und hoffentlich werden die berufenen Organe dafür sorgen, daß die Rechte der Fuldaer Bürger gewahrt werden; denn nach den bisherigen Erfahrungen hat es dm Anschein, als ob der ganz.« Bahnhossumbau nur von auswärtigen Firmen bewerk­stelligt werden soll. Daß die Fuldaer Unternehmer nach diesen Erfahrungen nicht mehr gleichsam alß zurückgewiesene Bittsteller erscheinen wollen, bis auf der beteiligten Eisenbahnbehörde andere Verhältnisse eingezogen sind, wird nicht wunder nehmen können. Tatsächttch hat denn auch, wie die gestrige Oeffnung der Offerten für 150 000 Kubikmeter Erdarbeiten ein­schließlich der Nebenarbeiten ergab, keine Fuldaer Firma sich um diese Arbeit beworben. Es wurden folgende Angebote abgegeben: Brand-Düssel­dorf 233487 Mk., Rheinisch-Elsaß-Lothringische Bau­genossenschaft 273087 Mk., Fallnich-Halle 237570,55 Mk., Kopp-Eltville 213380 Mk., Feindler-Gelnhausen 248 073,50 Mk., Gebr. Gries-Heiligenstadt 256 810 Mk., Müller-Schmalkalden 268360 Mk., Becker-Homburg v. d. H. 188187 Mk., Fey-Hanau 202116,50 Mk., Gebr. Schäfer - Hünfeld 188 977,20 Mk., Preller- Eisenach 241926 Mk. Die große Differenz in den Preisen ist teilweise dadurch entstanden, daß einige Submittenten für Pos. 11a, statt die geforderten Ein­heitssätze einzustellen, den Gesamtbetrag ausgeworfen haben.

I Das Sommertheatcr eröffnete am Sonntag unter der Direktion der Witwe Robert Herrmann die diesjährige Spielzeit mit der Aufführung der Operettenposse „Große Rosinen", die einen guten Besuch zu verzeichnen hatte. Gestern folgte das Lust­spiel „Das Märchen vom Heiligen Wald" von Alfted Halm und Robert Sandcck. Das im Ge­wands der Komödie erscheinende Märchen erfüllt zwar in erster Linie und mit bestem Erfolge seinen Zweck, uns zu erheitern, aber es enthält auch ernste Lebenswahrheiten, seine Helden sind Gestalten von Fleisch und Blut, die unser lebhaftes Interesse bean­spruchen. Bor allem gilt das von der Fürstin Char­lotte Marie, die ihr Liebesglück der Staatsraison opfert, indem sie für den neben ihr einzigen recht­mäßigen Thronerben, ihren Bruder, der als ver­träumter Gelehrter für die Thronfolge ungeeignet ist, einspringt. Sie geht eine standesgemäße Ehe ein, die sie zur Landesmuttcr erhebt und ihr Ländchen vor der Verschmelzung mit einem Nachbarstaatc be­wahrt. Das Lustspiel ist eine ansprechende gediegene Arbeit, wohlgeeignet zu fesseln und zu unterhalten. Die Handlung wird durch einen flotten, geistvollen Dialog wirksam unterstützt, und das interessante hu­moristische Beiwerk hält die Zuhörer andauernd in bester Laune. Tas Stück wurde vortrefflich heraus­gebracht, so daß der warme Beifall, der der Auffüh­rung zuteil ward, durchaus berechtigt erschien. Cha­rakteristisch gestaltete Anny Damson die Prinzessin von Waldstauffen-Ernstadt, die an dem Führer der Opposition im Landtag, Major v. Bredereck (Bruno Eitner) einen ausgezeichneten Partner hatte. Sehr wirksam war das Zwiegespräch zwischen der Fürstin und dem brauscköpfigen Major, in dem grundsätzliche Anschauungen über die Frage der Menschheitsbe- glückung aufeinanderprallen. Man kann nicht be­haupten, daß auch irgend eine der übrigen Rollen schlecht vertreten gewesen wäre. Alles gelang wie aus einem Guß. — Wir werden gebeten, darauf hinzuweisen, daß die Vorstellungen an Sonn- und Feiertagen um 8% Uhr, an Wochentagen um 8% Uhr beginnen.

Mieterverein. Gestern abend tagte in der Harmonie eine außerordentliche Generalversammlung des hiesigen Mietervereins, die gut besucht war. Immerhin glaubte der Vorsitzende, Herr Stadtverord­neter Laux, bei seiner Begrüßung den Wunsch aus- sprechen zu müffen, daß die Mieterversammlungen wegen der Wichtigkeit ihrer Tagesordnungen noch besser besucht würden, obwohl die eigentliche Arbeit des Mietervereins in den Vorstandssitzungen geleistet würde. Nach Verlesung der Protokolle der letzten Versammlungen wurde mitgeteilt, daß der Vorstand die Tätigkeit eines Rechtsrats dem Herrn Rechtsanwalt sDr.Löw übertragen habe. Dieser referierte sodann über die gesetzlichen Rechte und Pflichten des Mieters und Vermieters tytb fügte erklärend die jeweiligen Aende- rungen der Gesetzesbestimmungen zu, die aus privaten Abmachungen entstehen. Der Redner faßte seine Aus­führungen dahin zusammen, daß er die Bestimmungen des Gesetzgebers als für die Mieter günstig bezeichnete, smdaß man den Mietern emvfeblen könne, die Miet­

verträge auf ihrer Basis, und nicht nach den Formu­laren der Vermieter abzufchließen. In der Diskussion wurde noch eine Reihe spezieller Fälle betreffs des Miets- und Kündigungsrechts klargestellt. Zum Schluß meldeten noch mehrere Anwesende ihren Bei­tritt zum Mieterverein an.

(*) Naturheilverein. Aus den Verhandlungen der Monatsversammlung des Vereins vom 23. d§. Mts. sei folgendes mitgeteilt: Neu ausgenommen wurden 14 Mitglieder. In der diesjährigen Badezeit wurden bisher etwa 200 Badekarten verkauft und etwa 320 Mark dafür eingenommen. Die Mitglieder, welche noch keine Badekarten lösten, werden gebeten, dies möglichst bald zu tun. Es werden jetzt auch sogen. .Schülerkarten' ausgegeben (zum Preise von 1 Mk. für Kinder von Mitgliedern und 2 Mk. für Kinder von Nichtmitgliedern). Diese Karten werden von den Verkaufsstellen ausgestellt, ohne daß vorher Haupt­oder Zusatzkarten gelöst worden sind. Den Eltern, welche nicht selbst baden, wird dringend empfohlen, namentlich in den bald beginnenden Sommerferien wenigstens ihre Kinder ins Luftbad zu schicken. Dort können sie, fern von den Gefahren der Straße, unter Aufsicht spielen, springen und turnen, dort gewinnen sie Gesundheit und Lebensfreude. Tas Luftbad wird für sie eine billige und gute Sommerfrische sein. Die beiden Bäder am Badegarten haben vor kurzem eine neue Wafferanlage erhalten, auch wurden im Damen­bad ein Schaukel- und Turngerät ausgestellt. Dann wurde auf die Donnerstags-Spielabende hingewiesen und beschloffen, am Donnerstag, 3. Juli, einen Spiel- und Vortragsabend mit musikalischer Unter­haltung bei Lampions-Beleuchtung zu veranstalten. Der Ausflug am 29. Juni wird die Beteiligten nach Lütter, Weikardshof, Ebersberg, Rallen, Gichenbach und Schmalnau führen. Näheres ist aus den all­monatlich erscheinenden .Nachrichten' des Vereins ersichtlich. Der Naturheilverein hat seine Badegeräte um eine Sitz- und eine große Vollbade-Wanne ver­mehrt. Er stellt Badewannen und Dampf-Bade- Apparat solchen Mitgliedern, welche keine Badeein­richtung haben, in Krankheitsfällen zur Verfügung. Für jede Badewanne wird eine Leihgebühr von 10 Pfg. täglich oder 50 Pfg. wöchentlich berechnet. Die nächste Monatsversammlung wird voraussichtlich im Luftbad am Badegarten abgehalten.

-v Eine Konferenz der höheren Forstbeamten des Bezirks Kassel Ost tagte am Montag und Dienstag in Fulda, um wissenschaftliche, dienstliche und Stan- dessragen zu behandeln. Am Montag abend fand in den festlich geschmückten Räumen der Orangerie die erste Versammlung statt, bei welcher der wissen­schaftliche Teil erledigt wurde. Gestern früh schloß sich eine Besichtigung des Michelsrombacher Waldes an, bei der eine Anzahl Wald- und Bodenbilder vor­geführt wurden. Nachmittags fand im „Hotel zum Kurfürsten" ein Festmahl statt. Die Gäste verließen gestern abend wieder unsere Stadt.

* Die Lehrzeit für Putzmacherinnen, Damenschneider- innen und Friseusen ist vom Minister für Handel und Gewerbe entsprechend den Beschlüffen der Handwerks­kammer Saffet auf zwei Jahre festgesetzt worden. Nachdem der Minister für Handel und Gewerbe so­mit die Beschlüffe der letzten Vollversammlung der Handwerkskammer genehmigt hat, bleibt bis zum 31. Dezember 1917 die jetzt geltende zweijährige Lehr­zeit als Uebergangsbestimmung bestehen, dagegen wird die Höchstzahl der Lehrmädchen von 6 auf 9 erhöht.

X Aus dem Buttermarkt wurde heute morgen eine Frau von hier dabei beobachtet, wie sie aus dem Korbe einer Bauersfrau Eier nahm und eins nach dem andern in ihrer Tasche verschwinden ließ. Einem hinzugezogenen Schutzmann gegenüber stritt sie den Diebstahl ab, konnte aber doch keine Auskunft darüber geben, wo ein Teil der in ihrer Tasche befindlichen Eier gekauft war. Es wurde Anzeige erstattet.

)-( Vor den Gerichtsserien. Die Gerichtsferien be­ginnen in diesem Jahre wieder am 15. Juli. Der Justizminister hat in einem dieser Tage ergangenen Erlaß an die Justizbehörden angeordnet, daß in der Annahme von Feriensachen bei Zivilgerichtsver­fahren die größtmöglichste Rücksicht auf das recht- suchende Publikum genommen wird und keine Ver­zögerung in der Erledigung von Prozeßangelegen­heiten eintritt.

XJ? Im neuen Postblatt, das anfangs Juli erscheint, sind die wichtigsten Versendungsbedingungen und Tarife für Postsendungen aller Art sowie für Tele­gramme enthalten und durch die seit dem Erscheinen der letzten Nummer (Anfang April) eingetretenen Aenderungen ergänzt. Der Bezugspreis des Post- blatts beträgt für das ganze Jahr 40 Pfg., für die einzelne Nummer 10 Pfg. Bestellungen werden von den Postanstalten entgegengenommen.

* Der Amnestie Erlaß des Kaisers. Zurzeit ist man im Bezirke des Oberlandesgerichtes Kassel mit der Sichtung der Akten von denjenigen Personen, die die Kaiserl. Amnestie betrifft, stark beschäftigt. Bekannt­lich erfolgt der Straferlaß nur unter besonderen Be­dingungen, d. h. wenn die Straftat aus Not, Leicht­sinn oder infolge von Verführung verübt wurde. Diese Umstände machen eine umfangreiche Arbeit notwendig. Immerhin werden noch einige Wochen vergehen, bis der Amnestie-Erlaß seine völlige Erledigung gesunden hat.

(*) Ehemalige 11er Jäger. Alle ehemaligen Iler Jäger und Kurh. Jäger von Fulva und Umgegend, welche sich zur Beteiligung am 100 jährigen Stiftungsfest des 11. Jäger-Bataillons in Marburg am 9.—11. August bereits gemeldet haben, werden gebeten, sich Sonntag, 29. d. Vits, nachm. 3 Uhr in Giesels Brauerei einzu- finden. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: Bekanntgebung ter Festordnung, Einziehung der Beiträge zum Festessen und Festunkosten (ca. 8 Mk. pro Teil­nehmers, Festsetzung der Absahrtzeit nach Marburg. Eine nochmalige Versammlung findet nicht statt.

(*) Bürgerverein. Das für heute Abend im Bürger­verein angekündigte Konzert ist wegen der ungünstigen Witterung bis auf weiteres verschoben worden.

Aus dem Nachbargebiete.

□ Schloß Adolfseck, 25. Juni 1913. Ihre Kö­nigliche Hoheit, die Landgräfin von Hessen, treffen nebst Gefolge morgen (Donnerstag) mittag im Automobil von Frankfurt a. M. zu längerem Aufenthalt auf Schloß Adolfseck ein.

* Vom Kreuzberg, 24. Juni 1913. Besucher des Kreuzberges dürste es intereffieren, daß das Gasthaus von Georg Braun unter Rufnummer IG an das Ortstelephonnetz Bischofsheim ange­schloffen wurde.

* Henau, 24. Juni 1913. Gestern ist im 64. Le­bensjahre Bürgermeister G e i b e l, der lange Jahre an der Spitze der Verwaltung der Gemeinde Kesscl- stadt gestanden und nach der Eingemeindung Keffel- stadts das Amt als Bezirksvorsteher bekleidet hat, g e- storb e n. ■ u v v"

* Fritzlar, 24. Juni 1913. Der seit etwa 2 Jahren hier amtierende Kgl. Kreisarzt Dr. Nolte ist aus seinen Antrag vom 1. Juli d. I. ab als Kreisarzt nach Altena versetzt. Zu seinem Nachfolger ist Dr. Wittich aus Kassel ernannt. — Die Renovierungs- arbeiten im D o m werden jetzt in Angriff genommen; zur Leitung der Arbeiten hat sich hier ein Baubüro gebildet. Die Arbeitszeit ist auf etwa 4 Jahre be­rechnet. Es handelt sich dabei um sehr umfassende Erncuerungsarbeiten im Inneren des Tomes, für den der Fiskus beträchtliche Mittel zur Verfügung gestellt hat. Die Erneuerungsarbeiteu sind dringend nötig, um das herrliche Bauwerk zu erhalten.

Vermischtes.

♦ Die Bügelfalte. Eine lustige Geschichte wird aus einem Berliner Vorort berichtet. Szene: Eine Landstraße, die gerade frisch geschottert worden ist. Eine Dampfwalze müht sich ab, die Straße zu glät­ten. Plötzlich entledigt sich der Mann, der die Loko­motive lenkt, seiner Beinkleider. Nanu, denkt der Zuschauer, wenn's dem Mann zu heiß wird, kann er doch zunächst seinen Rock ausziehen. Der Arbeiter aber legt die Hose, säuberlich zusammengefaltet, auf den glatten Weg vor ferne Maschine, steigt auf und überfahrt das Kleidungsstück; dann zieht er, als ob nichts geschehen wäre, seelenruhig sein Beinkleid wie­der an, nickt dem Zuschauer sreundlich zu und sagt erklärend: „De Biejelfalte!"

* Aus Amerika gekommen, um dir Eltern zu be­stehlen. In Hamburg wurden zwei junge Leute von 19 bezw. 21 Jahren aufgegriffen, die sich durch große Geldausgaben verdächtig machten. Bei ihrer Vernehmung stellte sich heraus, daß die Burschen von Amerika, wo sie als Arbeiter beschästigt gewesen sind, eigens nach Deutschland zurückgekehrt waren, um ihre in Dortmund wohnenden Eltern zu bestehlen. Nach ihrer am 10. Juni in Hamburg erfolgten Ankunft reiften f.e sofort nach Dortmund weiter, stahlen dort ihren Eltern mittels Einbruchs 1200 Mark und be­gaben sich dann mit ihrer Beute nach Hamburg zu­rück, wo sie eine Woche hindurch herrlich und in Freu­den lebten. Bei ihrer Festnahme hatten sie von der geraubten Summe keinen Pfennig mehr im Besitz. Es handelt sich um einen Koch und einen Matrosen.

* Aus dem Schlachtfeld von Waterloo haben am Montag die Franzosen ein Denkmal für die Ge­fallenen errichtet. Es ist dies das erste franzö­sische Denkmal aus dem Schlachtfelde.

* Der Flieger Brindejonc ist gestern abend 7,40 Uhr in Petersburg aufgestiegen. Er überflog die Mündung der Newa in Höhe von 1000 Metern und flog auf Reval zu. Er landete 8 Uhr 15 Min. auf dem Flugplätze von Gatschina. Nachts wollte er nach Reval tociterf liegen und am 25. Juni über das Bal­tische Meer nach Stockholm zu.

Eingesandt.

Für Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung.

Vor einigen Jahren noch führte die heutige „Schlacht- hansgaffe" offiziell den anrüchigen Namen „Miste". Weil diese Benennung in unsere moderne Zeit nicht mehr paßt, mußte sie verschwinden und anstelle der „Miste" trat die „Schlachthausgasse". Die Fürsorge, die bei dieser Umtaufe gewaltet hat, wird man dankbar an- erkennen, auch dann noch, wenn der Gedanke an die ehemalige „Miste" ausgelöscht ist und nur die Historie sich über den Ort dieses Namens den Kopf zerbricht. Wenn man aber geglaubt hat, mit der Auswechselung des Gassennamens auch das Odium (hier Cb zur), das auf dem Namen „Miste" nun einmal laßet, getilgt zu haben, bann irrt man sehr. Den Bewohnern des Schweinemarktes und, je nach der Windrichtung, auch denen der Schulstraßc, Petersgasse usw., wird der ominöse Name „Miste" in seiner ganzen anrüchigen Bedeutung durch den Geruchsinn ständig vor Augen gestellt. In den letzten Tagen ist der Gestank, der hier auS irgend einem Versteck kommt, geradezu gesundheitswidrig. Die Nase des Einsenders dieser Zeilen ist nicht so lang, um jenes Versteck auszukundschaften. Entweder finden sich in jenem Viertel noch Nachklänge an die Bezeichnung „Miste" in den unterirdischen Gruben des ehemaligen Schlachthauses oder es werden Misten gezüchtet gegen Gesetz und Ordnung. Die Bewohner des Schweine­marktes usw. bitten die öffentliche Gesundheitspflege um Abhilfe. Was soll es erst werden, wenn die Entlüftung der geplanten Bedürfnisanstalt am Schweinemarkt in Aktion tritt ? Bleiben die Zustände wie seither, wird es der Historie auch nach Jahrhunderten nicht schwer fallen, die „Miste" genau festzustellen.

„Der Name tut hier nichts zur Sache."

Literarischer.

„Gewinnt mehr Ablässe" von P. Nazarius Sass e„ Franziskaner. (16.—36. Tausend.) Verlag der.

Bonifatiusdruckerei, Paderborn. Preis 20 Pf.

Hier wird in Form einer anregenden Erzählung prak­tischer Unterricht über die so wichtige Ablatzlehre bei; Kirche gegeben, die von Katholiken so vielfach mitzver- sianden und von Irrgläubigen angegriffen wird. So= dann werden die schönsten und am leichtesten gewinn-, baren Ablässe der Gröhe nach aufgeführt.

245 Einmache-Rezepte für 50 Pf. Bringt das treff»; liebe Buch: „Das Einmachen und Konservieren der Früchte und Gemüse sowie die Bereitung von Frucht­säften und Gelees, Erfrischungen, Obstweinen, Essig usw." von Frau Amtsrat Rose Stolle (Verlag von Wilhelm Möller, Oranienburg-Berlin). Die vier Auf­lagen, dir das billige Buch rasch hintereinander erlebte, betragen 20 000 Exemplare. Deshalb kann wohl Frau Amtsrat Rose Stolle Einmachebuch als das weitverbrei­tetste und beliebteste empfohlen werden.

Handel mib Industrie.

H Berlin, 24. Juni 1913. Das spekulationsnüttgc Publikum scheint doch durch die letzten Erfahrungen arg verscheucht zu sein; denn die Börse setzt die freundliche Brille nicht ab: Der Pessimismus, der wochenlang die Stimmung bedrückt und die Geschäfte beeinträchtigt hat, ist noch immer nicht wieder da. Für den Halbjahrswechsel werden Zwischenfälle nicht mehr befürchtet. „Mit dem neuen Halbjahr eröffnet sich der Spekulation ein freies Feld, auf dem sie von Geldsorgen eine Zeitlang verschont bleibt." So heißt es, bis es dieser Tage ganz unvermeidlich wieder anders heißen wird.

* Frankfurt, 24. Juni 1913. Vor einigen Wo­chen engagierte die Redaktion der „Frankfurter Nach­richten" einen Volontär, der sich als Dr. jur. et rer. pol. Hans Friedrich de Mariincourt, Leutnant der Reserve im 1. Garderegiment zu Fuß in Potsdam, ausgab und durchblicken ließ, daß er beabsichtige, sich an einem Zeitungsunternehmen mit 80 000 Mk. zu beteiligen. Er verübte zahlreiche Schwindeleien und verschwand dann. Die Polizei ermittelte, daß es sich um einen lange gesuchten Hochstapler handelt, der in Freiburg als Chefredakteur Dr. Friese aus Berlin, Leutnant der Reserve, ebenfalls eine Reihe Geschäftsleute schädigte. De Betrüger heißt richtig Hans Friedrich Knöchl, stammt aus Berlin und ist seines Zeichens Handlungsgehilse. — Gestern wurde auf dem Mozartplatz ein Denkmal Mozarts enthüllt.

* Aus Thüringen, 23. Juni 1913. Das Schwur­gericht Eisenach verurteilte heute den Gelegenheits- Arbeiter Seebach, der schon ein großes Strafregister aufweisen kann, wegen Straßenraubes zu 5 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. — In einer Ziegelei inRußdorf wurde ein Arbeiter von nieder­gehenden Erdmaffen verschüttet; er wurde als Leiche geborgen. — In Grochwitz schlug der Blitz in eine Scheune, wobei ein 16 Zentner schwerer Ochse er­schlagen wurde. D>e Scheune brannte ab, ein be­nachbartes Wohnhaus wurde samt Nebengebäude auch eingeäschert. — Durch einen Gewittersturm wurde der 40 Meter hohe Wartturm der Stabt Saalburg (Reuß), der letzte Rest der im 10. Jahrhundert er­bauten Burg Eaalburg, zerstört. Die Trümmer des Kolosses vernichteten im Sturze ein nahegelegene? Ge­bäude der Oberförsterei. — Ein Renten - Empfänger Fischer aus Oberweißbach, der sich als Wunderdoktor ausgab und bei mancherlei Krankheiten Heilung ver­sprach, wurde von der Strafkammer in Gera wegen Betruges zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Fischer ließ sich von den Kranken Schinken und Wurst geben, die er bann in Hemden einwickelte, um sie angeblich zu vergraben. Wenn die Fleischwaren verfault seien, dann seien die Leute geheilt. Die Wurstwaren hatte der Wunderdoktor natürlich verzehrt und sich für seine „Bemühungen" auch noch Geld geben lasten. — Vom Landes-Eisenbahnrat wurden zur Unterstützung der Sleincifen - Industrie des Kreises Herrfchast S chmalkalden Fracht-Ermäßigungen für Eisen, Steinkohlen, Koks und Holzkohlen, sowie für Eisenerz von Stationen dieses Kreises befürwortet.

* Wiesbaden, 24. Juni 1913. Das Schwurge­richt verurteilte den in Hersfeld geborenen Fabrik­arbeiter Schmidt, wohnhaft in Höchst, der zwischen Höchst und Nied den Fabrikarbeiter Schulze von Höchst hinterlistig überfallen, mit einem scharfen Mes- fer mißhandelt und beraubt hatte, zu drei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust.

* Aus Franken, 24. Juni 1913. In Erlen­bach brachte sich der 23jährige Landwirt Schneider einen Schuß in die linke Brustseite bei. Er wurde nach Würzburg ins Juliusspital verbracht, wo er ver­starb.

Amt Geisa und Umgebung.

* Dermbach, 24. Juni 1913. Für die lieber« schwemmten sind bisher an das Hülfskomitee ins­gesamt 25 398,3 2 Mark abgesührt worden. Zu dieser Summe kommen noch hinzu vom Großherzog 5000 Mark, von der weimarischen Staatskasse 10 000 Mark und von der Sparkaffe Dermbach 3000 Mark, sodaß sich eine Gesamtsumme von 43398,32Mark ergibt. Natürlich reicht diese Summe bei weitem noch nicht aus, die vom Hochwasser Betroffenen nur einigermaßen zu entschädigen.

* Tiefenort, 24. Juni 1913. Bei der gestrigen Versteigerung der zum früheren Kammergute gehörigen landwirtschastl. Geräte hat die Gemeinde ein Manko von etwa 2800 Mark erzielt, da wenige Käufer am Platze waren. — Auf den hiesigen Viehmärkten ist der Austrieb von Schweinen ganz bedeutend zurück- gegangen. So waren bei dem letzten Viehmarkte hier nur 6 Schweine zugetrieben. Ebenso zeigt der Vieh­mark in Marksuhl einen steten Rückgang ; früher war der Austrieb von Bullen, Kühen :c. so stark, daß der Markt nicht ausreichte.

Aus Oberhessen u. den Hess. Aemtern.

* Marburg, 24. Juni 1913. Zwei wegen schweren D i e b st a h l s schon mehrfach vorbestrafte Gelegenheits­arbeiter aus Homberg a. d. E. hatten mittels Ein­bruchs in einen Stall zwei Hühner entwendet. Unter Anrechnung von je sieben Wochen Untersuchungshaft verurteilte das Gericht den einen zu einem Jahr und zwei Monaten, den andern zu einem Jahr Ge­fängnis. — Seit einigen Wochen herrschen hier und in der Umgegend unter den jüngeren Schulkindern die Masern.

* Frankenberg, 24. Juni 1913. Der Landesaus­schuß des Reg.-Bez. Kassel hat die Stelle des Vor­stehers (Direktors) der Korrekiions- und Landarmen- anstalt ztt Breitenau kommissarisch dem Rentmeister B a e tz in Haina übertragen.

* Fraiikenberg, 23. Juni 1913. Bei der Schweine­zählung wurden hier gezählt: Gehöfte überhaupt: 470, mit Schweinen 300, Haushaltungen mit Schweinen 321, Gesamtzahl der Schweine 1104. Bei der Vieh­zählung am 2. Dezember 1912 betrug die Gesamtzahl der Schweine 1341.

* Ziegenhain, 24. Juni 1913. Wahrscheinlich in­folge eines Hitzschlages stürzte die 48jährige Frau eines Maurermeisters aus Wasenberg die Haustreppe hinab, brach das Genick und starb kurz darauf. Die Verunglückte ist Mutter von sieben Kindern, die zum Teil noch in die Schule gehen.

[:] Neustadt, 24. Juni 1913. Heute morgen wurde einer der drei aus der Befferungs-Anstalt zu Wabern entflohenen Zöglinge durch einen Eisenbahn-Arbeiter festgenommen und von dem Gendarmen Simmers­bach in feine Heimat befördert. — Ein Doppel­decker, anscheinend die aus Koburg gemeldeten Aviatiker Joly und Olins, überflogen heute abend 61/« Uhr in der Richtung Gießen - Frankfurt unsere Stadt. — Eine eigenartige Erinnerung an das 25jäh- rige Regierungs-Jubiläum unseres Kaisers hat Herr Oberförster Grüt ter anlegen lasten; 25 Eichen wurden an einer lichten Stelle des Herrwaldes in der Form eines W gepflanzt. Vor die Pflanzung wurde ein mächtiger Quarzitstein gelegt, auf welchem später eine entsprechende Inschrift mit der Jahreszahl 1888 bis 1913 angebracht werden soll.

* Gladenbach, 24. Juni 1913. Gestern wurden hier zwei aus Mornshausen stammende Soldaten vom Jnfanteri e-Regimcnt 88 aus Mainz festge n o m m e n, welche sich unerlaubt von ihrem Truppen­teil entfernt hakten. Ein Oberjäger und ein Gefreiter brachten die Deserteure nach ihrem Garnisonsort zurück, i

Eine Erleichterung in der Entwöhnung der Säuglinge, besonders im Sommer, wo eine größere Neigung zu Durchfällen besteht, bietet die als verdauungs- regelnd bekannte „Kufeke"- Kindernahrung, die, der Kuhmilch zugesetzt, diese leichter verdaulich mach: und so einen rationellen Uebergang zur festen Nahrung bildet. „Kufeke' hat einen höheren Nährwert, regt den Appetit an, wirkt muskel- und knochenbildend und ist billig im Gebrauche. [2672j