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-4- Fulda, 24. Juni 1913.
An der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenver« sannnlung nahmen 26 Mitglieder des Kollegiums teil. Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Dr. Antoni erfolgte zunächst in einer gemeinschaftlichen Sitzung der Stadtverordneten und des Magistrats, der durch den 1. Beigeordneten Halbleib, den 2. Beigeordneten Arnd und die Stadträte Göbel, Reinhardt und Schmitt vertreten war, die Wahl eines Kreistagsabgeordneten anstelle des verstorbenen Kunstgärtners Breitenborn. Es wurde Zimmcrmeister Joseph Fritz mit 29 Stimmen gewählt, 2 Stimmen fielen auf Karl Rübsam. Sw. Fritz erklärt, die Wahl annehmen zu wollen. Den Vorsitz in den weiteren Verhandlungen führt der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Rechtsanwalt und Notar Rang.
1. Erhöhung des Zinsfußes für Einlagen und Ausleihungen bei der Sparkasse. Stv. Singer: Der Geldmangel hat zur Zeit einen derartigen Umfang an. genommen, daß größere Darlehen nicht zu haben sind. Viele Sparkassen haben infolge dieser Geldknappheit eine Erhöhung des Zinsfußes eintreten lassen. Eine solche schlägt auch der Magistrat für die städt. Sparkasse vor, obwohl er sich bewußt ist, daß dies eine Belastung der Haus- und Grundbesitzer bedeutet. Die Maßnahme ist jedoch erforderlich, um die Kasse vor großem Schaden zu beschützen und sie konkurrenzfähig zu erhalten. Es wird vorgcschlagen eine Erhöhung um je % Proz., also der Einlagen von 3% auf 3% Proz., der Ausleihungen von 4 auf 4% Proz. und der Bürgschaftsdarlehen von 5 auf 5% Proz. Die Erhöhung soll am 1. Oktober 1913 in Kraft treten. Ausgeschlossen sollen sein die Ausleihegelder für den Kanalbau und die Bürgersteige. Stv. Adam kann den Antrag nicht befürworten. Die Ursache des Rückganges der Sparkassen liegen nach seiner Meinung in dem augenblicklich großen Geldbedarf und das Uebel sei bei Sparkassen, die eine Erhöhung bereits hätten eintreten lassen, nicht geschwunden. Zwecks Schaffung milderer Wege beantragt er eine nochmalige Beratung der Vorlage in einer Kommission, für die er die Herren Rang, Fritz, Singer, Dux, Schwarz und Eschwege vorschlägt. Stv. Schwarz schlägt auch noch den Stv. Adam als Kommissionsmitglied vor. Er glaubt, daß eine nennenswerte Vermehrung der Einlagen infolge der Erhöhung des Zinsfußes nicht eintreten werde. Stv. Singer erklärt, der Hauptzweck der Erhöhung sei, zu verhindern, daß größere Einlagen aus der Sparkasse abgehoben und anderen Instituten zugeführt würden. Stadtrat Schmitt stellt fest, daß der Magistrat mit der größten Zurückhaltung daran gegangen sei, den Antrag auf Erhöhung zu stellen. Die Erhöhung schwebe schon seit Jahren. Wenn der Magistrat nicht im Auge gehabt hätte, daß sic für die Haus- und Grundbesitzer sehr unangenehm sei, dann wäre sie schon längst zur Tatsache geworden. Infolge Abhebung größerer Einlagen sei man in di« Zwangslage versetzt worden, Hypa- thekengelder zu kündigen. Es sei aber hier in Fulda ein großer Bedarf an Hypotheken vorhanden und cs sei nicht möglich, dieser Nachfrage gerecht zu werden. Sodann sei zu bedenken, daß in sehr vielen Städten schon eine Erhöhung stattgefunden habe. Es sei zu verstehen, wenn man eine derartige wichtige Angelegenheit einer Kommission überweisen wolle, aber der Magistrat habe die Notwendigkeit der Vorlage gewissenhaft geprüft. Stv. Adam schlägt vor, die Frage der Abwanderung größerer Einlagen mit der der Beschaffung 2. Hypotheken zu verbinden. Der Oberbürgermeister erklärt dies für unmöglich. Er stehe dem Vorschläge des Haus- und Grundbesitzervereins, daß die Stadt ein Institut für 2. Hypotheken gründe oder sich einem anderen anschließc, wohlwollend gegenüber. Da indes di: Gründung eines Prövinzial-Hypothekeninstituts wegen oer geringen Beteiligung der Städte nicht möglich sei, habe man auf dem Städtetag in Rotenburg beschlossen, die Schaffung solcher Institute den einzelnen Städten zu überlassen. Es sei damals für die Beratung dieser Angelegenheit eine Kommission eingesetzt worden. Vielleicht könne diese in etwa zwei Monaten die nötigen Grundlagen vorlegen, auf Grund deren darüber beraten werden kann, ob für unsere Stadt ein Hypothekeninstitut geschaffen werden soll. Wenn nun eine solche Gründung zustande komme, so könne das nicht geschehen durch Sparkasseneinlagen, da dadurch die Sparkasse geschädigt würde. — Der Antrag Adam auf Uebcrweisung der Vorlage an die vorgeschlagene Kommission wird angenommen.
2. Erneuerung des Gashauptrohrstranges in der Straße „Hinter den Löhern". Stv. Axt: Die Gasleitung ist in der bezeichneten Straße unbrauchbar und zu eng; sic soll durch eine neue ersetzt werden. Außerdem sollen dort drei neue Laternen ausgestellt werden. Die Gaskommission hat zu der Vorlage ihre Zustim- rnung gegeben. Die Kosten belaufen sich auf 1800 Mk. und sollen auS dem Erweiterungsfonds genommen Werden. — Die Vorlage wird angenommen.
3. Oberrcalschul-Reubau. Stv. Fritz: Die Baukommission hat jüngst in zwei Sitzungen über die Verwendung der preisgekrönten Entwürfe für den Neubau beraten. Auf Grund dieser Beratungen und Beschlüsse schlägt der Magistrat vor, das Projekt 115 wegen der hohen Ausführungskosten auszuscheidcn und auf Grund der beiden Typs 91 und 22 Teilentwürfe anfertigen zu lassen. Der Referent gibt einen eingehenden Ueberblrck über das Verhältnis der beiden Typs zu einander und zu dem gestellten Programm und kommt zu dem Schluß, daß, wenn alle Vorteile und Nachteile gegeneinander ausgewogen würden, der Typ 22 als der für unsere Verhältnisse geeignetste bezeichnet werden könne. Tic Ausführung dieses Typs erfordere einen Kostenaufwand von 309 000 Mk., die des Typs 91 einen solchen von 325 000 Mk. In der Kostenberechnung seien außer 16,50 Mk. für das gebaute Kubikmeter noch für das Dach 10 Mk. für das Kubikmeter besonders eingesetzt, letzteres mache noch 35 000 Mk. aus. Nach Ansicht des Referenten aber seien die Kosten für die Herstellung des Daches in den 16,50 Mk. miteinbegriffen, sodaß nach Abzug der 35 000 Mk. die Kosten der beiden Typs sich auf 274 000 Mk. bezw. 290 000 Mk. stellten. D-e Baukommission ist sich über keinen Typ schlüssig g'- toorben. Referent stellt den Antrag, den Entwurf 22 anzukaufen und die Weiterbearbeitung des neuen Projekts nach diesem Entwurf zu veranlassen. Stv. Vollmer erklärt, daß der ursprüngliche Entwurf 22 nicht preisgekrönt wurde, weil er starke Mängel aufwies; es sei darauf von dessen Verfertiger unter Berücksichtigung der gerügten Mängel ein neues Projekt, der sog. Entwurf „22 neu" ausgearbeitet worden, und um den handele es sich. Da dieser Entwurf aber nicht dem Preisgericht Vorgelegen habe und weil er die Mehrzahl Der Klassenzimmer nach Norden verlege, glaubt Referent, dieses Projekt nicht empfehlen zu können. Wenn Typ 91 auch ver'chiebene Mängel aufweise, so sei doch ber Umstand, daß er die Klassenzimmer mehr nach Süden vorsehe, wichtig genug, u>- sich für diesen zu entscheiden. Außerdem gebe er Gewähr, daß der Unterricht, da der Schulhof nach diesem Entwurf hinter dem Gebäude zu liegen komme, weniger durch Turnspiele gestört werde. Stv. Fritz redet dem Projekt 22 das Wort, weil es das billigere sei und weil man sich bezüglich des Aeuhercn auf das Einfachere beschränken müsse. Zudem scr die Lehrerschaft nicht allgemein der Ansicht, daß cs immer vorteilhaft fei, wenn die Klassenzimmer auf der Subseite lägen Wenn ber Turnunterricht auch auf bie ,'ictt während ber Unterrichtsstunden ausgedehnt werd,'n sollte, dann stände ja immer noch ber Irrgarten hierfür zur Verfügung. Der O b e rb u r g e.r m e i ft ex gibt zu, daß bie Jnnenanlage des Proicktcs 22 bener al» beim Projekt 91 sei, während letzteres ein schöneres Aeutzcre zeige Lediglich vorn Kostenstandpunkt aus erhärt er sich für das erftere, während der Herr Direktor Machens sich für bas - andere ausgesprochen habe. Stv. Vollmer betont, daß es nicht angehe, den Irrgarten al» einen Teil des Schloßgartens dem uneingeichrankten Verkehr des Publikums zu entziehen. Die Stv. Trabert, Weber und Schwarz sprechen sich mit Rücksicht an bie. Laae der S ifenaimmer avf d« Sv^e.E- 1 'uniten
des Typs 91 aus. Stv. Fritz stellt fest, daß es bet diesem Gebäude im Gegensatz zu Wohnhäusern nicht so sehr auf die Südlage ankomme, da die Klassenzimmer doch nur loenige Stunden am Tage benutzt würden und bei Kälte doch genügend geheizt werden könnten. Es komme hier vor allem auf den Grundriß an, und dieser sei bei dem Typ 22 geradezu ideal. Stv. Vollmer teilt den Antrag, den Typ 91 für die Weiterbearbeitung zu wählen und dem Provinzialschulkollegium zur Begutachtung vorzulegen. Bei der Abstimmung fällt der Antrag Fritz, der Antrag Vollmer wird angenommen.
4. Borentwurf zum Neubau der dompfarrltchen Schule. Stv. Vollmer: Ich muß öffentlich feststellen, daß bie Behandlung dieser Angelegenheit im letzten Jahre niemals geruht hat. Der jetzt vorliegende Entwurf ist bereits der fünfte. Da» jetzige Projekt, das nur die Grundzüge angibt, ist mit 250 000 Mk. Kosten veranschlagt. Tas Turnhallenprojekt ist aus dem Schulbau vollständig ausgeschieben. Nach dem Entwurf soll der Flügel der Schule nach Neuenberg zu bie Knabenklassen unb der andere die Mädchenklassen enthalten. In dem Entwurf ist allen Bedingungen Genüge geleitet. Der Magistrat, die Baukommisswn und die Regierung in Kassel haben ihm, abgesehen von nebensächlichen Erinnerungen zugestimmt. Der Magistrat beantragt, die Weiterbearbeitung auf Grund dieses Vorentwurfes zu beschließen. Der 2. Berichterstatter, Stv. Fritz, schließt sich im allgemeinen den Ausführungen eines Vorredners an. Stv. Vollmer erklärt, daß bet dem jetzigen Entwurf sich schon in bedeutend geringerer Tiefe als bei den früheren Projekten, etwa schon in lv3 Meter Tiefe, Baugrund vorfindc. Er fragt an, ob nicht eine baldige Ausschreibung der Arbeiten erfolgen könne. Der Oberbürg ermeistcr bestätigt, daß der Baugrund in der geplanten Lage bedeutend besser sei als nach dem älteren Projekt. Was die Ausschreibung der Arbeiten anbelange, würde es möglich fein, einen Teil, wenigstens die Ausschachtungs- und Maurerarbeiten nach Feststellung des Massenvoranschlagcs in kürzester Zeit auszuschreiben, sodaß mit dem Bau noch in diesem Sommer begonnen werden könne. Stv. Adam stellt den Antrag, den Magistrat zu ersuchen, sofort nach der Ausarbeitung der Pläne bie Ausschreibung der Erd- und Maurerarbeiten zu veranlassen. — Der Antrag des Magistrats wird mit dem Zusatzantrag Sbam angenommen.
5. Errichtung einer Turnhalle neben der projektierten dompsarrlichen Schule. Stv. Fritz: Der Magistrat hat einen Entwurf für den Bau einer Turnhalle mit einem Kosteilanschlag von 57 000 Mk. vorgelegt unb beantragt bie Zustimmung, damit bie Arbeiten bald ausgeschrieben werden können. Ich beantrage, den Entwurf zu genehmigen mit ber Aenberung, statt ber vorgesehenen Höhe von 6,50 Meter für bie Seitenmauern nur 5 Meter zu nehmen, die nach einem Gutachten völlig auSreicht, und ferner statt der vorgesehenen festen, sog. Monier- Decke bie Dachkonstruktion so auszuführen, daß das Dach gleich als Decke dienen kann. Durch diese Abänderungen würden etwa 4000 Mk. gespart. Stv. Adam schließt sich den Ausführungen des l. Referenten tat und erklärt auf Anfrage des Stv. Eickenscheidt, daß die im Entwurf vorgesehenen Fundamentierungsarbeiten für die Turnhalle schätzungsweise 7000 Mk. beanspruchen würden, mindestens 6000 Mk. mehr als auf normalem Gelände. Stv. Fritz schlägt vor, statt der geplanten Fundamen- tierung eine solche in Betonpfählen auszuführen, dadurch "würden sich die Herstellungskosten auf etwa die Hälfte reduzieren. Der Oberbürgermeister sowie bie Stv. Schwarz unb Adam sprechen sich dahin auS, daß man dem Magistrat bezüglich der erwähnten Aendcrungen freie Hand lassen solle, damit bie Ar- besten nicht länger aufgehalten würben. Wo gespart werden könnte, ohne daß das Projekt leibe, würde es selbstverständlich geschehen. Darauf ändert Stv. Fritz seinen Zusatzantrag dahin um, daß die Seitenmauern nur auf 5 Meter Höhe gebracht werden sollen und daß statt der Monier-Decke eine hölzerne eingebaut werde. — Der Antrag wird angenommen.
6. Eine Löschungsurkunde wird genehmigt.
Die Beratung der übrigen Punkte der Tagesordnung wird vertagt.
Schluß der Sitzung ll.lo Uhr.
Lokales.
Fulda, 24. Juni 1913.
Katholisch« Kirchenbauverein Fulda. Der Bazar, den die Zöglinge des Instituts der Engl. Fräulein zum Besten der zu erbauenden St. Stur- m i u s k i r ch e veranstalteten, hatte ein hochersrculiches Ergebnis. Als Reinertrag konnten 2 742.85 Mark an die Kasse des kathol. Kirchenbauvereins Fulda abgeliefert werden. Allen, die sich mit so viel Eifer in den Dienst der guten Sache gestellt haben, sei auch an dieser Stelle herzlich gedankt. Möge das hier gegebene gute Beispiel reckt vi-l Nachahmung finden! Albertus-Magnus-Verein. Dcr soestim verausgabte Jahresbericht des Albertus-Magnusvcreins (Diözefanoerbanb Fulda) besagt, daß in der Entwickelung" des Vereins ein Stillstand eingetreten sei. Wohl wurden int Jahre 1912 zwei neue Ortsgruppen zu Weimar und Hofgeismar gegründet, leider ist dagegen eine Gruppe eingegangen, so daß die Zahl der Ortsgruppen jetzt 46 gegen 44 im Vorjahre beträgt mit einem Gesamtbetrag von 2017 M. Die Ein; e l- beit r ä g e verteilen sich auf 39 Orte mit 40 Mitgliedern, die Einnahmen aus diesen Beiträgen belaufen sich auf 175,50 Mk. An außerordentlichen Gaben konnten 795 Mk. vereinnahmt werden. Zum erstenmal seit Bestehen des Vereins (1905) wurde auch eine Rückzahlung geleistet und zwar hat ein Stipendiat aus den ersten Jahren den ganzen erhaltenen Betrag von 250 Mark zurück gezahlt. Hoffentlich folgen auch andere recht bald nach wenigstens mit Teilzahlungen. An Zinsen sind 39,95 Mk. angefallen. Mit dem vorhandenen K a s s e n b e st a n d aus 1911 von 331,26 M. schließt ba£ Jahr 1912 mit einer Einnahme von 3601,76 Mark ab. An Sti p en d i e n b eih i lf e u kamen int Jahre 1912 zur Verteilung 3125 Mk. Auf das Sommersemester entfallen davon 1425 Mk. Es erhielten zwei Stipendiaten je 50 Mk., acht je 75, fechs je 100 und einer 125 Mk Im Wintersemester kamen 1700 Mk zur Verteilung, wobei acht Bittsteller mit 75 Mk., sechs mit je 100 Mk. und vier mit je 125 Mk. bedacht wurden. Die Zentralstelle Trier bewilligte noch aus der sogen. Diasporakasse im Sommersemester sechs Beihilfen von je 75 Mk.', im Wintersemester ebenfalls sechs Beihilfen, und zwar fünf mit je 75 Mk. und eine mit 100 Mk., zusammen also 925 Mk. Der vom Diözesanverband F u.l d a an die Zentralstelle Trier statutengemäß abgeführte Betrag (10 Proz. der ordentlichen Einnahmen) beziffert sich auf 219,20 Mk. Die Unkosten betrugen 33,80 Mk. Den Druck des Jahresberichtes und der sonstigen Drucksachen besorgte wie alljährlich in dankenswertester Weise die Fuldaer Actiendruckerei gratis. Insgesamt betrugen die Ausgaben 3378 M., sodaß ein Kassenbestand von 223,26 Mk. verblieb. Tas Vermögen des Vereins beträgt 600 Mk. Hinweisend auf den Rückgang sagt der Berichterstatter mit Recht: „Es ist ja richtig, daß an die katholische Opferwilligkeit auch in unserer Dwzese große und immer neue Opfer gestellt werden. Der Albertus- Magnusverein darf dabei aber nicht zurückgesetzt oder ganz verdrängt werden. Er rangiert, wie der Zen- trwmÄ-bacr br-ie Gröber auf einer Katholikeuver-
Amt Geisa und Umgebung.
♦ Geisa, 23. Juni 1913. Ter Rhönklubzweig^ verein Geisa beschloß in seiner Generalversammlung^ die Anlagen und Promenadenwege auf dem Rocken« stubl neu Herrichten zu lassen.
* Dermbach, 22. Juni 1913. Dem Hilfskomitee sind aus Sammlungen u. Stiftungen weiter 3491,70 Mark zur Verteilung an die durch das Ho ch wasser Geschädigten zugegangen. Außerdem hat der Sparkassenverein in Dermbach zur Unterstützung der Geschädigten 3000 Mark bewilligt.
* Kaltennordheim, 23. Juni 1913. Dem von hier gebürtigen Zeughausbeamten G. Binsack in Berlin wurde vom Kaiser von Rußland die goldene Medaille für Eifer mit dem Bildnis des Zaren am Band des St. Stanislausordens verliehen.
Aus Vberheffen ll. den Hess. Aemtern.
(♦) Marburg, 23. Juni 1913. Zu dem Artikel in Nr. 141 unserer Zeitung teilt uns Herr Haupllehrer Gruß Folgendes mit: Die 5. Lehrerstelle an der Schule ist auf meinen Antrag zur Neubesetzung ausgeschrieben worden. Die Meldungen haben mir vorgelegen und sind an die Schuldeputation zurück- gegeben worden. Ein amtlicher Bescheid über die Besetzung oder Aushebung der Stelle ist bis jetzt nicht in meinen Händen. Was der Gewährsmann über meine Stellungnahme zur Aufhebung einer 6. Schulstelle schreibt, muß ich als Unwahrheit bezeichnen.
sammlnng einmal sagte, an Wichtigkeit gleich nach i)em Bonifatiusverein und dem Volksverein. Ohne Zweifel ist er ein Bedürfnis der Zeit. Hunderte begabter junger Leute gibt es, die sich dem Studium widmen, die in einem wissenschaftlichen Beruf ihren Lebensberuf zu erblicken glauben, die unbemittelt aus edler Absicht mutvoll aufwärts streben. Dem kleinen Handwerker- und Bauernstand oder dem Arbeiterstand entstammend, haben sie keinen wohlhabenden Vater, keine gute Tante, die bezahlen und bei denen jederzeit angeklopft werden kann, wenn's nicht mehr langt. Ihre Hoffnung ist der Albertus-Magnus-Verein. Wenn man für den Albertus-Magnus-Verein wirbt, hört man aber besonders in den letzten Jahren oft den Einwand, alle akademischen Berufe seien über füllt und es sei besser, jungen Leuten lieber vorn Studium ab- als zuzuraten. Demgegenüber möge man aber nicht vergessen, daß die Katholiken immer noch im Verhältnis zu den Andersgläubigen zurück sind. Wollten nun die Katholiken dem vielleicht nur vorübergehenden Uebelstande der lieber« füöung dadurch steuern, daß sie begabte junge Leute vorn Studium abhielten, indem sie ihnen die notwendige Unterstützung versagten, so kämen sie offenbar erst recht ins Hintertreffen, das konfessionelle Verhältnis der akademisch Gebildeten würde sich nur weiter zu ihrem Nachteile verschieben. Allerdings wollen wir kein minderwertiges katholisches akademisches Proletariat züchten, tüchtige Jünglinge sollen gefördert werden. Deshalb sollen nach den Satzungen des Vereins nur solchen Studierenden Beihilfen gewährt werden, die auf Grund ihres Charakters, ihres Betragens, ihrer Anlagen und ihrer Zeugnisse die Gewähr bieten, daß sie Tüchtiges leisten," sich auch bereits zwei Semester auf der Universität bewährt haben. Darum hinweg mit aller Interesselosigkeit und Gleichgültigkeit für den Albertus-Magnus- Verein. An alle Katholiken der Diözese Fulda ergeht die erneute Bitte, sich gern und opferbereit um das Banner des gelehrten und frommen Bischofs Albertus-Magnus zu scharen. Wer für die hohen Aufgaben des Albertns-Magnus-Vereins, der für die Zukunft der deutschen Katholiken von so großer Bedeutung ist, auch nur ein wenig Verständnis hat, wird gewiß gern fein Scherflein spenden. Nach einem herzlichen Dankeswort an alle Mitglieder und Gönner des Vereins, schließt der Bericht mit dem Wunsche, daß der Verein weiter wachsen und gedeihen möge Gott zur Ehre, der Kirche und dem teuren Vaterland zum Nutzen, sowie zum Wohle der ftud'verenden Jugend der Diözese Fulda. Diesem Wunsche schließen wir uns gerne an.
* Der neue Generalsuperintendent. Als Nachfolger des bald in den Ruhestand tretenden General- superintendenten Dr. Pfeiffer wird an erster Stelle Pfarrer Fuchs von der Johanniskirche zu Hanau genannt.
♦ Schwurgericht. Für die am 7. Juli beginnende zweite diesjährige Schwurgerichtsperiode wurden folgenbe als Geschworene ausgelost: Mmrermeister A. Müller-Flieden; Kaufmann W. Schien-Birstein; Rentner G. Bachmann-BadOrb; Landwirt G. Reußwig- Gondsroth; Hotelbesitzer F. Klitsch-Fulda; Gerber L. Kolb-Wächtersbach; Maschinenfabrikant O. Henrich- Hanau; Kaufmann A. Großenbach-Fulda; Bau- techniker Th. Alix-Fechenheim; Professor K. Hofs- mann-Fulda; Kaufmann F. Hammersckmidt-Hanau; Landwirt Joh. Decker-Weichersbach; Bäcker und Land- wirt Ad. Schum-Kassel; Professor W. Henkel-Hanau; Gutsinspektor Rebe-Ramholz; Akademielehrer I. Eitzenberger-Hanau; Rentner B. Dickert-Bad Orb; Landwirt W. Emmerich-Bergen; Rentmeister E. Lange-Gelnhausen; Kaufmann C. A. Arnd-Fulda; Bauunternehmer R. Feindler-Gelnhausen; Privatmann H. Cornelius-Tann; Posthalter Jg. V eldu ng- Fulda;'Bürgermeister Ed. Klüber-Altenhos; Wagner und Bauer Joh. Riefer-Neuenschmitten; Fürstlicher Kc bineltsekretär M. Teschauer-Birstein; Fabrikant E. Dörr-Hanau; Zimmermeister I. Fritz-Fnlda; Landwirt Joh. Erdt-Hüttengesäß.
* lieber die nächstjährigen Kaisermanöver, on denen auch das 11. und 18. Armeekorps teilninunt, schreibt die „Mil.-pol. Storr.": 1914 soll ein Kaisermanöver ganz großen Stils abgehalten werden, bei dem auf jeber Seite eine Armeeabteilnng von j e 3 Armeekorps unb starker Heereskavallerie sichten wird. Soweit die Bestimmungen hierüber schon feststehen, kann mit der Teilnahme des 7. (westfälischen), 8. (rheinischen), 10. (hannoverschen), 11. (hessisch-thüringischen), 18. (großherzoglich hessisch-nassauischen) und eines bayerischen, wohl des 2. in Würzburg, gerechnet werden.
+ Schuhmacher-Jnnung. Die auf gestern abend zwecks Beratung der Statuten anberaumte Jnnungs- Versammlung war von 25 Jnnungsmitgliedern besucht. Die Versammlung leitete in Vertretung des Oberbürgermeisters Magistratssekretär Beitz. Sie verlief wieder resultatlos, und es war nicht möglich, in eine Beratung der Statuten einzutreten, da von den 25 Anwesenden 22 gegen die Tagesordnung waren. Selbst das Büro konnte nicht vollständig gebildet werden, da sich die Betreffenden weigerten, als Beisitzer zu fungieren. Nunmehr nahm Herr Beitz das Protokoll auf und erklärte, daß die Innung bestehe. Dieselbe sei seinerzeit von 29 Schuhmachermeistern beantragt worden, und bei der Abstimmung hätten 35 Meister sich für und 10 gegen Errichtung der Zwangsinnung ausgesprochen, während 18 überhaupt nicht abgcflimmt haben. Herr Beitz betonte, daß die Schließung der Innung nur nach Vor- fchrift ber Statuten erfolgen könne. Einstweilen bestehe die Innung und die Beiträge müßten ent- richtet werben. Die Angelegenheit selbst würbe dem Herrn Regierungspräsidenten unterbreitet werden. Damit schloß der Vertreter des Oberbürgermeisters diese Versammlung. — Also 29 Meister haben seinerzeit die Innung beantragt unb 35 sich für die Errichtung ausgesprochen. Warum aber erschienen gestern diese Herren nicht — bis auf 3 — und lassen nur die Gegner zu Wort kommen, oder vielmehr durch ihre Obstruktion ein Weiterarbeiten unmöglich machen? Die Freunde der Innung sollten sich durch nichts abhalten taffen, vollzählig die Versammlung zu besuchen, eine geregelte Geschäftsführung zu ermöglichen und so die Gegner zwingen, sich zu fügen, bis diese dann selbst erkennen, daß eine derartige Organisation nur ein Segen für das Handwerk bedeutet, und daß sie mit ihrer Gegnerschaft nur ihre eigenen Interessen bekämpft haben.
X Prämiiert. Bei ber internationalen Hundeausstellung in Naumburg a. S. am Sonntag erhielt Flora v. ber Rhön (Besitzer M. R ö b e r - Fulda) in der Hauptklaffe den ersten Preis und Ehrenpreis des deutschen Doggenklubs, und als beste Hündin mit der Bewertung „Vorzüglich" den Ehren-Wanderpreis von Dornburg.
Ans dem Kachbargebiete.
* Aus dem Kreise Schlüchtern, 22. Juni 1913. In letzter Zeit hat ein Schwindler verschiedene Pfarr« Häuser (z. B. Mottgers unb Steinau) gebrandschatzt- Da er mit den Verhältnissen genau Bescheid wußte und Mitleid zu erregen wußte, fanden seine Angaben Glauben. Bald zeigte sich jedoch, daß alles Schwindel war. Die Gendarmerie ist dem, wahrscheinlich aus! Mernes stammenden, Schwindler auf der Spur. I
* Frankfurt a. M., 21. Juni 1913. Die diesjährige Sommerausstellung des Frankfurter Kunstvereins wird dem Frankfurter Privatbesitz gewidmet sein unb eine Auslese der schönsten unb wertvollsten Gemälde des 19. Jahrhunderts aus den großen hiesigen Privatsammlungen, die beinahe aus- nahmslos ihre Beteiligung zugesagt haben, bringen. — Bankier Heß von der faüit gewordenen Bank, firma Plant, Heß und Co., der sich Revolverschüsst beigebracht hatte, ist heute im Krankenhaus geft weben, — Die Stadtverordneten genehmigten auf den An. trag des Magistrats für die Errichtung eines städtischen Museums 600 000 Mark und beauftragte den Professor van der Velden in Weimar mit der Ausarbeitung eines Projekts.
* Frankfurt, 23. Juni 1913. Nach einer Besprechung zwischen Vertretern des Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverbandes, des Instituts für Gemeinwohl und staatlicher unb städtischer Organe ber Jugenbfürsorge würbe eine Zusammenarbeit aller Organisationen, bie sich mit ber Jugend befassen, zur Durchführung besonderer Maßnahmen zugunsten der ab- und zuziehenden Jugendlichen beschlossen unb das Frankfurter Institut für Gemeinwohl mit der Vorbereitung betraut. 1
* Efckwege, 22. Juni 1913. Die im Hospital zu Allendorf a. W. lebende Handelsfrau Lipphardt war vorgestern auf dem Weg nach Vockerode int Walde zu Fall gekommen und hatte sich einen Bruch des rechten Beines zugezogen. Hilflos blieb die Frau bis gestern nachmittag im Walde liegen, wo» bei sie durch den in der Nacht niedergehenden heftigen Regen bis auf die Haut durchnäßt wurde. Eine zu- fällig vorüberkommende Frau hörte das Stöhnen der Verunglückten und gab sofort nach Allendorf Nach- richt von dem Unglück. Die Frau wurde ins hiesige Landkrankenhaus eingeliefert.
* Diez, 22. Juni 1913. Elektrizität im Anschluß an die Ueberlanbjentrale Unterlahnkreis kommt nunmehr znm Herbst hier zur Einführung. Die Stadt stellt den Abnehmern eine bis zwei Lampen samt der Hausinstallation dazu kostenlos zur Ver-i fügung. Bedingung ist dabei ein jährlicher Strom- bezug für 12 Mark bei einer Lampe und von 18 Mark bei zwei Lampen auf die Dauer von fünf, Jahren.
» Aus Frank.«, 22. Juni 1913. Der Katholische! Gesellenverein in Würzburg feierte in diesen Tagen das Fest seines 60 jährigen Bestehens.
x. Unfall. Eine in der Kastanienallee am Dom platz radsahreude Dame kam gestern abend bei bei »Alten Post* zu Fall und zog sich dabei nicht unerhebliche Verletzungen im Gesicht zu.
j*I Schöffengericht. Ein fast gebrechlicher Manul der 59 jährige Schlößer B. L. aus Erfurt, ist schon oft wegen Landstreichens vorbestraft unb befindet sich eit 14. Juni hier wegen des gleichen Vergehens in Haft. Er wird zu 14 Tagen Hast verurteilt und soll nach verbüßter Strafe als Landarmer untergebracht werden. — Der 3t jährige Erdarbeiter P. B. aus Glogau, der bereits 58 Vorstrafen verbüßt, hat sich heute wegen Bettelns zu verantworten. Ec erhält 4 Wochen Hast und wird, um sich die Arbeitsscheu abzugewöhnen, der Landespolftei überwiesen.
!*! Landesbibliothek. Ausleihe- unb Lesezimmer bleiben auch währenb ber Schulferien mit voller Stundenzahl geöffnet. Das Verzeichnis ber Neu» anschaffungen von 1912 ist in Heftform gebrückt unb für 5 Pfg. in den Buchhandlungen Maier unb Reinhardt sowie bei ber Geschäftsstelle ber Bibliothek zu kaufen.
<P Born Gauturmest Vacha. Gestern vormittag 10 Uhr versammelten sich die Turner beim Rathause und marschierten mit Musikbegleitung zu den Wasser- kämpfcn nach der Werra. 38 Schwimmer traten zum Wettschwimmen unb -Springen an. Preisgekrönt würben von ber Fuldaer Turngemeinbe Martin Schmitt (1. Preis), K. Fuchs (5. Pr.), G. Frick (7. Pr.), Nensrl (ll.Pr ); vom Turn- und Fechtklub erhielt den 1. Preis Jos. Schultheis, den 5. Anton Hohmann, den 7. Wilh. Schäfer, den 9. Otto Lemberger. — Mit den Nachmittagszügen verließen die noch^ anwesenden Turner das gastliche Städtchen Vacha,! um, geschmückt mit der höchsten Auszeichnung ders deutschen Turnerschast, dem Eichenlaubkranz, in die Heimat zurückzukehren. — Die Fuldaer Turner wurden gestern mit Musik vom Bahnhof abgeholt und zogen, eine stattliche Siegerschar, überall lebhaft begrüßt, in Fulda ein. Die Sieger der 2. Kl. von Fulda und Umgegend werden wir morgen veröffentlicken.
s*) Die Rescrvcfeucrwehr hält morgen abend 7 llhr in dcr Schloßstraße vor dem Polizcigcbäudc ihre zweite Hebung ab.
A Im Bürgerverein findet morgen abend bei freiem Eintritt wieder ein Gartcnkonzcrt statt.