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fir. 143- erstes Blatt.

Dienstag den 24» Juni 1913a

40. Zahrgang.

o Spanien und Frankreich.

Ms vor wenigen Wochen König Alfons von Spanien Herrn Poincars in Paris mit seinem Besuch beehrte, schwamm ganz Frankreich in eitel Freude und Genugtuung, und auch in Spanien ak­zeptierte man diese Tatsache mit großem Stolze und noch größeren Hoffnungen. Obwohl sich eigentlich Spanier und Franzosen im Grunde genommennicht riechen" können, verwischten die hochtönenden- und Trinkreden, die bei dieser Gelegenheit gehalten wurden, die wahren Gefühle. Man sprach von Ras­

x Das verkrachte Festspiel.

Der Rummel wegen des von Gerhart Haupt­mann auf Bestellung der Stadt Bveslau zur dorti­gen Jahrhundertfeier geschriebenen, aber trotz aller Beweihräucherung durch ein Kunstbanausentum gründlich verkrachten Festspiels geht munter weiter.

Man erzählt bekanntlich, daß der Kronprinz als Protektor der Breslauer Jubiläumsausstellung mit seiner Mißbilligurw über das sogenannte Festspiel nicht hinter dem Berge gehalten habe. Darauf hat dann der Breslauer Theaterausschuß und Magistrat das Hauptmannsche Jahrhundertspiel, gegen das auch noch von vielen anderen Seiten nachdrücklich Ein­spruch erhoben worden war, vom Spielplan abge­setzt.

Nun schreien Gerhart Hauptmann und seine lär­menden Freunde über Vergewaltigung der Kunst, der Goethebund mischt sich ein, hält lärmendePro- teswersammlungen" ab und die Fortschrittspartei und die Sozialdemokraten scheinen gar eine Poltische Par­teisache aus dem Fall machen zu wollen. Gestern abend fand in Berlin eine Versammlung statt, in der zur Abwechselung oder zur Bekundung der Einheit man weiß wirklich nicht, wie man diese Absicht beur­teilen soll fortschrittliche und sozialdemokratische Redner nacheinander, nebeneinander und miteinander für Gerhart Hauptmann eintraten. Die Sozialdemo­kraten in Breslau hatten sich bereits in einer Ver­sammlung für Hauptmann ins Zeug gelegt

Ueber die dichterische Wertlosigkeit des Fest­spiels ist aber auch von freisinnigen und sozialdemo­kratischen Kritikern das härteste Urteil gefällt worden» Das hält die Blätter natürlich nicht ab, jetzt heuch­lerisch von einemuneinbringlichen Kulturverluste" zu reden. DerVorwärts" lobt Hauptmanns Ge­schichtsauffassung, die auf halbem Wege der sozialde­mokratischen entgegenkomme. Ihn drückt derselbe Schmerz wie sein Schrittmacherorgan, dasBerl. Tageblatt", daß derKlerikalismus unzeitgemäß attackiert" werde.

An ernsthaften Beurteilungen des Festspiels sei die folgende widergegeben, die in der Zeitschrift Bühne und Welt" der Professor für Literatur an der Breslauer Universität Max Koch veröffentlicht:

Ein Festspiel mutz vor allem begeifern. Selbst von denen, die auch diesmal vor dem Dramatiker Haupt­mann ihre kritischen Purzelbäume wiederholen, wird kaum einer die Stirn haben, zu behaupten, es sei ein einziger Zuhörer durch die Dichtung begeistert worden . . Wan kann nicht kühler und ironischer einem Swffe ent» gegenstehen als der schlesische Dichter diesem, der Ver­herrlichung Deutschlands und Schlesiens bestimmten Stücke gegenüber getan hat. Fühlte er aber, daß die von dem Breslauer Magistrat mit amtlicher Erb- weisheit in Kunstfragen ihm angetragene Aufgabe seiner Natur nicht zusage, so durfte ein gewissenhafter Schrift­steller sie eben nicht übernehmen. Und selbst, wenn der gegebene Stoff ihn nicht reizte, so durfte er als deutscher Dichter doch Sprache und Vers nicht in dieser Weise übel mitspielen. Solche Verse und Reime würde man in einem studentischen Bierulk nicht schön finden. Jn einem Festspiel für diese Gelegenheit angebracht, gibt es kein Wort der Sprache, das solches Ver­fahren genügend brandmarkte. Dünken diese Aeußerungen dem beliebten Modedramatiker gegenüber zu scharf, so braucht man nur das Buch zu durchblättern, und jeder Unparteiische und Urteilsfähige mutz die E n t- rüstung über die der deutschen Dichtung angetane Schmach teilen."

So urteilt em Kritiker, der nicht nur ein Amt, sondern auch eine Meinung hat.

Wenn jetzt die Fieunde Hauptmanns über angeb. liche Vergewaltigung der künstlerischen Freiheit sich entrüsten, so darf man sie wohl fragen:

Wer tastet denn bu künstlerische Freiheit an? Herrn Hauptmann kann man die Freweit lasten, so viel gereimte oder ungereimte Stücke, wie ihm beliebt, ru

schreiben und drucken und aufführen zu lasten. Hier handelt es sich aber gar nicht um ein freies Erzeug, nis deS dichterischen Schaffensdranges, sondern um eine bestellte Ware. Wenn Herr Hauptmann den Antrag, gegen gute Bezahlung rin Festspiel zu liefern, von vornherein abgrlehnt hätte, so würden wir solchen Dichterstolz verstehen und anerkennen. Er hat aber den Lteferungsvertrag abgeschlossen. Dann mußte er auch eine Arbeit liefern, die sür den an­gegebenen Zweck brauchbar war. Ueber die Brauchbarkeit oder Nichtbrauchbarkeit einer solchen bestellten Sache hat natürlich der Auftraggeber das entscheidende Wort. Wenn ein Bild, das ich einem Künstler in Auftrag gegeben habe, mir nicht gefällt, so kann unter Umnänten der Künstle^, sein Honorar erzwingen, aber er kann mich nicht zwingen, daS Bild in meinem Zimmer aufzuhängen. (ißetgL den Fall Stuck im Reichstage.) Herr Hauptmann ist bezahlt worden, obschon die Unbrauchbarkeit seines »Fest, spiels" außer allem Zweifel steht. Daß die leitenden Herren in Breslau das Machwerk überhaupt auf die Festbühne gelangen ließen, war ein unbegreiflicher Mangel an Verstand oder au Aufmerksamkeit. Als sie von entrüsteten Zuschauern und Lesern auf die Geschmacklosigkeiten und Anstößigketten hingewiesen wurden, war es ihre einfache Pflicht und Schuldig- leit, dem Aergernis sofort ein Ende zu machen. Herr Hauptmann könnte sich höchstens bann beklagen, wenn man ihm lein Honorar kürzen wollte.

DaS ist die einfache Sach- und Rechtslage, die durch alles Geschrei der fortschrittlichenIntellek­tuellen" nicht verdunkelt werden kann. Bei den Linksliberalen und sogar bei den Sozialdemokraten gibt es erfreulicher Weise auch noch Leute von Ge­schmack und Gerechtigkeit, die offen heraus sagen, es sei ein wahrer Schund, was Hauptmann da der Stadt Breslau für ihr gutes Geld geliefert habe.

DerSchutzverband deutscher Schriftsteller" hat sich Erklärungen zu Gunsten Hauptmann's verschrie­ben. Sehr interessant ist darunter die Erklärung des Pro- fessors Dr. Köster in Leipzig. Der Herr verteidigt dieVaterlandsliebe" Hauptmann's und sährt dann

o t:

Hebet feine Geschichtsauffassung aber läßt sich streiten, und in diesem Punkte weiche ich erheblich von ihr ab. Künstlerisch scheint mi daS Festigtet nicht ausgereift. Trotz unleugbarer großer einzelnen Schönheiten wird es besonders in feiner Redseligkeit und seinen schlottrigen Versen dem Lebensrhyth- mus jener eisernen Zeit nicht gerecht."

Ist das nickt die klare Anerkenntnis der Unbrauchbarkeit des Festlpieles? Wenn Herr Köster trotzdem die Einstellung der Aufführun­gen alsunberechtigte Kränkung des Künstlers" be­zeichnet, so setzt er sich mit sich selbst in 'Wider­spruch und verkennt die Notwendigkeit, ein ös f e n t- liches Aergernis ab zu st eilen.

DerEntrüstungs"-Rummel wird im Volke, so­weit es nicht in rosaroter Parteipolitik verblendet ist, keinen Anklang finden. Im Gegenteil: das Volk ist allen denen dankbar, die dem Frevel gegen den guten Geschmack und den nationalen Geist ein Ende ge­macht haben.

s. Die zweite Lesung des Wehr- beitrags.

In ber Budgetkornmisfion wurde gestern die Bera­tung über den Wehrbeitrag bei § 14 fortgesetzt, der die Ermäßigung des Wehrbeitrags für soldatenreiche Familien, sowie das Kinderprivileg betrifft. Zum Kinderpribileg wurde ein Antrag einstimmig an- genommen, der bei weniger als 100 000 Mk. Vermö- ?en, Einkommen bis zu 10 000 Mk., für jedes dritte und olgende Kind eine Ermäßigung um 5 Proz. vorsieht. Der Abzug von 10 Proz. für jeden dritten und weiteren Sohn, der gedient hat oder bis 1916 dient, bei Beitrags­pflichtigen mit nicht mehr als 200 000 Mk. Vermögen wurde auf Einkommen von nicht mehr als 20 000 Mk. ausgedehnt.

Im § 17, der von der Zugrundelegung des Er­tragswertes bei Grundstücken hmidelt, wur­den die dauernd gärtnerisch-wirtschaftlichen Zwecken die­nenden Grundstücke neu ausgenommen, ferner das 25- fache des Reinertrages der landwirtschaftlichen Grund- stücke wiederhergestellt. Bei bebauten Srunbftüdten zu Wohn- und gewerblichen Zwecken soll ebenfalls das 25. stütze des Miet- und Pachtvertrages (statt des in erster Lesung beschlossenen 20fachen) wieder eingesetzt werden. Endlich wurde eine neue Vorschrift eingefügt, daß in allen Fällen der BeitragSpflichttge verlangen kann, daß statt des SrtragSwertes der gemeine Wert zugrunde ge­legt wird.

Am Nachmittage bearbeitete die Kommission die Besteuerung der Einkommen. Die Kommis­sion wollte bekanntlich ursprünglich für diese Besteuerung eine Kapitalbevechnung eintreten lassen, nach welchem das Einkommen als Zins eines fingierten Kapitals an* gesehen wurde. Das hat die Kommission am Montag geändert, so daß nunmehr das reine Einkommen nach feiner Höhe mit staffelförmig aussteigender Steuer belegt toirb. Die Abgabe beträgt nach einem Anträge Westarp bei einem Einkommen bis zu 10 000 Mark 1 Pwz., von mehr als 10 000 Mk. bis 35 000 Mk. für je 5000 Mk. 0,2 Proz. mehr, über 35 000 bis 40000 Mk.

Pro»., über 40 000 Mk. bis 80 000 Mk. für je 10000 DEt. 0,5 % mehr, über 80 000 Mk. bis 100000 Mk. 5 %, 6ber 100 000 Mk. bis 200 000 Mk. 6 Proz., über 200 000 Mark bis 500 000 Mark 7 Prozent, über 500000 Mk. 8 Proz. deS Einkommens. Abgabefrei blei­ben die Einkommen bis 5000 Mk.

§ 13, der über die untere Vermögensgrenze handelt, erhielt nachstehende Fassung: Der Wehrbettrag wird nicht erhoben von einem Vermögen, das den Be- trog von 10 000 Mk. nicht übersteigt. Die beitragsfreie Vermögensgrenze erhöht sich bei einem Einkommen von nicht mehr als 2000 Mk. auf 50 000 Mk. und bei einem Einkommen von mehr als 2000 Mk. aber nicht mehr als 1000 Mark auf 30 000 Mark.

Die Beratung wandte sich dann zurück zu den Vor- schriften über die SBertbermiitelung. § 19 Wert­ermittelung von Aktien ohne Börsenkurs, Kuxen u. s. w. wurde in der Faffnng der ersten Lesung mit einem kon­servativen Zusatzantrag angenommen, wonach bei Zu­grundelegung des JahresgewinneS diejenigen Beträge abzuziehen sind, die unter Zugrundelegung der ortsüb­lichen Preise als Entgelt für gelieferte Rohstoffe anzu- sehen find. Die übrigen Vorschriften bleiben unverän­dert. Bei den Vorschriften über das Verfahren wurde abweichend von der ersten Lesung beschlossen, dem. jenigen die Pflicht zur Angabe einer Ver. mögenserklärung aufzuerlegen, der ein Vermö. gen von mehr als 20 000 Mark ober bei mehr als 4000 Mark Einkommen ein Vermögen über 10 000 Mark hat.

Bei den Strafvorschriften wurde neben der Gefängnisstrafe die öffentliche Bekanntmachung des Ur. teils eingesetzt unter Ausmerzung der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Bezüglich der etwaigen Ueberschüsse wurde auf Antrag des Zentrums be­schlossen, diese anstatt zur außerordentlichen Schuldentil. gung zur Kürzung des letzten Drittels des Beitrages zu verwenden.

Damtt ist die zweite Lesungdes Wehrbei. tragSgesetzes erledigt. Nächste Sitzung Diens­tag: Zweite Lesung der Gesetzentwürfe bett, die Deckung der fortdauernden Ausgaben.

Das Münchner Kindl.

B3] Roman von Felix Nabor.

JgS wird schon so fein", gab sie zurück, und der KindeckerAdler" und die Sorge um ihren Gatten waren vergesien: sie freute sich m diesem Augenblick «her die herrliche Natur und über ihr liebes Heimat- iand und fragte:Kennst Du Kobells Lied?"

Nein! Brtte, wie heißt es?"

Annie lächelte schalkhaft und rezitterte die Verse des Dichter-:

's Ettaler Mandl ist schwär und stark, Hat in die Knochen a stoanern's Mark, Kümmert ft mt um Wetter und Wind', Js a wahrhasti's Felfenkind!"

Hardh v. Sandow nickte lebhaft.Hübsch, wirk­lich hübsch! Und wie lieb der Dialekt von Deinen Lippen klingt wirklich reizend! Bitte, fahre fort!"

Annie tat ihm den Willen:

3 will's enk sag'», es schaugt und siniert, Was der Boar für a Leben führt. Ob er no brav, wie fünft und guat, Ob er's no hat, fei tapfer's Bluat!"

Bravo!" rief Sandow.Du bist ja auch fo ein tapferes Bahernkind, aber nicht steinern, sondern mit Fleisch und Blut. Und darum muß ich Dir einen Kuß geben, weil ich mein lieb's Münchner Kindl so- diel gern hab!"

Er küßte sie zärtlich und sie ließ es geschehen, weil sie nun doch sein junges, angetrautes Weib war und weil auch ihr die Liebe im Herzen blühte.

Das Tal der Ammer lag unter ihnen und in kurzer Zeit hatten sie das Pasiionsdorf erreicht, wo der starrende Kofel und diegroße Not" als steinerne Wächter standen. Ruhig, wie ein Adler mit weit- gespannten Flügeln, kreiste das Luftschiff über dem Dorfe, bcfietf weiße, sveundliche Häuser wie Silber­platten zwischen dem Grün der Wiesen und Gärten hervorleuchteten. Es war ein Spieltag und aus der Halle des Passionstheaters quoll es hervor wie ein schwarzer Bienenschwarm, der sich rasch zerteilte. Auf den Sttaßen rannten Kinderscharen dahin und.

zeigten mit den Fingern zum Himmel empor. San­dow nahm eine Anzahl Karten aus der Tasche und ließ sie flattern.

Landen wir hier?" fragte Annie.

Nein", gab Sandow zurück,es würde uns zu lange aufhalten. 9hin beginnt der Rückflug. Halt' die Augen offen, Kind!"

Das Luftschiff beschrieb einen weiten Halbkreis, beginnend über Ettal, das wie ein Edelstein zwischen grungoldigen Wäldern lag; es schien geradewegs den Mauerwall der Alpen stürmen zu wollen. Und nun eröffnete sich ihnen ein wunderbarer Blick in die Pracht der Alpen! Dort ragte trotzig und ernst das Wettersteingebirge empor und dort reckte in königlicher Majestät die Zugspitze chr schneege- kröntes Haupt zum Himmel!

Soweit das Auge zu blicken vermochte: nichts als königliche Berge gedeihet in Hermelin, in Gold und Purpur! Dazwischen mächttge Eisfelder, aus denen silberne und purpurne Ströme hervorzubrechen schienen, die sich über turmhohe Felsen stürzten und in schäumenden Kaskaden, in MAionen leuchtender, sprühender Funken zerswben. Dann wieder tiefe Schluchten und Abgründe, finster und drohend wie ewige Rätsel, donnernde Lawinen, die wie weiß­graue Ciswolken dahersausten und den Himmel zu berühren, die Erde zu vernichten schienen! Und dicht Glänzende Bäche zwischen starrenden Felsen hinflos- >n und harmlos erschienen, wie spielende Kinder, während doch Verderben und Tod unter der gleißen­den Decke lauerten.

Wunder über Wunder in dieser majestätischen, sonnenbeglänzten Alpenpracht, Rätsel über Rätsel! Nie hatte Annie solche Schönheitswunder gesehen, nie war sie den königlichen Bergen so nahe gewesen. Man schien sie mit der Hand erreichen zu können, so nahe waren sie gerückt; ein Schritt und man war in diesem steinernen Paradiese!

Der Himmel wölbte sich wie eine tiefblaue Kup­pel über den Bergen, die ragenden Berge schienen sie wie marmorne, in allen Farben schimmernde Säulen und Pfeiler zu stützen. Und- o neues, unfaßbares Wunder! war es Wahrheit, war es Täuschung? An der hochgewölbten ehernen Kup­

pel blitzten kleine, blaffe Sternlein auf ein ganzes Firmament von goldenen Sternen!

Dieser Anblick überwältigte Annie; sie wäre vor Ehrfurcht auf die Knie gesunken, wenn dies hier möglich gewesen wäre. Da es aber nicht ging, fal­tete sie die Hände und blickte mit Tränen in den Augen zum Himmel empor. Die Unermeßlichkeit des Raumes, die Fülle und Unendlichkeit des Lichts, die nie gesehene Schönheit, die in der Umarmung von Himmel und Erde, in dem Jneinanderfließen von Firmament und Gebirge lag das alles trug dazu bei, ihr Herz jauchzen zu machen. Aber sie fand keine Wotte, um ihren Gefühlen Ausdruck zu geben; Worte schienen hier zu klein und zu nichts­sagend, um diese Majestät der Natur, dieses ewige Universum, in dem sie wie ein kleiner Falter schwebte und das, je höher sie ftiegen, immer mehr ins Rie­senhafte und Unermeßliche sich dehnte, würdig zu rühmen. Da erinnerte sie sich Beethovens Him- mels-Hhmnus, und voll Jubel fang sie, hoch über der Erde:

Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre, Ihr Schall pflanzt seinen Namen fort!

Ihn rühmt der Erdkreis, ihn speisen die Meere, Vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wott!

Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne, Wer führt die Sonn' aus ihrem Zelt? Sie kommt und leuchtet und strahlt uns von ferne, Und läuft den Weg gleich als ein Held!"

Bon ihrer Begeisterung ergriffen, stimmten auch Hardh und die Piloten ein.

We das in dieser Höhe, in dieser ewigen Stille klang!

Wie ein Chor von Seligen, die den offenen Pfor­ten des Himmels zuschwebten. Und Himmel und Erde, Lust und Wolken warfen ein hundertfaches Echo zurück, gleich als ob sie ihre Zustimmung aus­drücken, als ob sie die Ehre Gottes durch das Uni- verfum tragen wollten!

Und abermals antwortete das Echo, als sie fangen:

,^8ernimm's und siehe die Wunder der Werke, Die Gott so herrlich aufgefteöt!

Verkündiat Weisheit und Ordnung und Stärke

sengemeinschaft, von Jnterefienverwandtschaft und ventilierte mit großer Zuversicht den Anschluß Spa­niens an den Dreiverband.

Doch Freunde in der Not sind sehr selten, beson­ders, wenn sie, wie in diesem Falle sozusagen an einer historischen Unbeständigkeit leiden. Das mußte der jugendliche spanische König und sein krisen- immuner Ministerpräsident, Graf Romanones, ge­rade in einem Augenblick erfahren, wo man zum ersten Male die fteundnachbarliche Hilfe Frank­reichs nötig gehabt hätte.

Der spanische Ministerpräsident Graf Roma­nones hatte dieser Tage eine Unterredung mit dem französischen Botschafter in Madrid, um ange­sichts der Schwierigkeiten, welche die Entsendung von weiteren spanischen Truppen nach Marokko Her­vorrufe, ein militärisches Zusammenwirken Frank­reichs und Spaniens in Marokko zu ver- anlafien. Zweifellos war der Gesichtspunkt, aus welchem Graf Romanones ein ftanzösifch-spanifches Zusammenwirken in Nordafrika anregte, ohne wei­teres einleuchtend, denn es ist klar, daß die Aufstaud- betoegung, die in der einen Zone nicht wirksam unterdrückt wird, auf die andere Zone überzugreifen droht und daß gemeinsame Maßregeln der Spanier und Franzosen am ersten Aussicht haben, nicht nur eine wirksame Unterdrückung der aufstän­dischen Marokkaner durchzufttzen, sondern auch zu einer wesentlichen Beschränkung der Ausbreitung di­rekter Unruhen zu führen.

In Nordafrika, wo die Getteideernte schon fest Wochen beendigt ist, haben sich die halbwilden, kriegslustigen Kabhlen reichlich mit Waffen und Pro­viant versehen und nicht ohne Erfolg die Fahne des Aufruhrs erhoben, sodaß trotz aller Dementis kein Zweifel besteht, daß Spanien sich die größten fast unaufbringbaren Opfer an Geld und Blut wird auferlegen müffen, um die Ordnung wieder Her­stellen. Die dorttge spanische Stteittnacht von 40 000 Mann genügt offenbar nicht, um den Aufstand nie» derzufchlagen. Die große Ausdehnung des Ausstan­des erkennt man daraus, daß in den letzten Tagen aus Malaga, Algeciras und Kadiz bedeutende Verstärkungen abgeschoben wurden und auch die gesamte Kriegsflotte Spaniens die Wei­sung bekommen hat, sich in die marokkanischen Ge­wässer zu begeben, um das Landheer zu unterstützen. Besonders kritisch ist die Sage Tetunans; diese im April dieses Jahres von den Spaniern besetzte Stadt wird von 15000 Kabhlen umzingelt und es herrscht dort eine furchtbare Panik, da ein allgemeiner Sturm befürchtet wird.

Angesichts dieser Taffache war es leicht verständ­lich, daß Spanien durch die Unmöglichkeit, bei feinen zerrütteten Finanzen die neuen beträchtlichen Kriegs­ausgaben $u bestreiten, an seinen neuen franzö­sischen Freu nd sind erinnerte; aber Herr Bar- thou zeigte sich sehr zugeknöpft. In der Ant- wort der ftanzösischen Regierung auf das von Spa­nien angebotene Zusammenarbeiten in Marokko wird darauf hingewiesen, welche Schwierigkeiten es für Spanien sowohl wie für Frankreich machen würde, von ihren Parlamenten die Zusttmmung zur Ent­sendung neuer Verstärkungen nach Marokko zu er­halten? Tatsächlich sind auch in beiden Ländern die Widerstände gegen eine verschärfte kriegerische Marvklopolitik nicht unerheblich. Jn der französi­schen Presse fordert man in ernster Eindringlichkeit eine Beschränkung des militärischen Vorgehens auf das schon besetzte Gebiet. Auch in der französischen Kammer machte man in einer Resolution die Fort­setzung einer friedlichen Politik in Marokko sowie die Errichtung der Schutzherrschaft zum Inhalt der wei­teren französischen Marokkopolitik.

Dir nicht den Herrn den Herrn der Welt? Er ist dein Schöpfer, ist Weisheit und Güte, Ein Gott der Ordnung und dein Heil! @r ist's! Ihn liebe von ganzem Gemüte, Und nimm an seiner Gnade Teil!" Jubelnd riefen es die Lüfte zurück:

. Und nimm an feiner Gnade teil!"«

Vor der Größe und Erhabenheit dieses Augen­blicks verstummte jede Zunge; aber in den Augen stand ein heller Glanz und Annie freute sich mehr als jeder andere, daß sie dem Schöpfer den Tribut ihrer Anbetung und Siebe int Angesicht des hohen, blauen Himmels dargebracht hatte.

Nun folgte wieder das heilige Schweigen; nur die Propeller summten ihr eintöniges Sieb, als woll­ten nun auch sie die Ehre Gottes verkünden.

Der Führer trat heran und deutete nach Westen, wo langsam eine grauschwarze Wolkenwand am Horizonte emporstteg.Gewitter und Sturm!" sagte er.Der Sturm ist der grimmigste Feind des Piloten und auf den schwarzen Wolken reitet der Tod ihnen muß der Sustschifier weichen. Denn so klug auch der Mensch und so glänzend auch unsere moderne Technik ist, so hoch wir auch steigen: es gibt Mächte, die stärker sind als wir, denen wir uns beugen müssen be* Mächten ber Natur und dem hohen Geiste, der noch hoher und mächtiger ist als der Menfch!" Er beutete nach bem Himmel empor, blickte nochmals nach ber schwarzen Wolkenwand und schloß:Wir müssen umkehren!"

r Er gab die nötigen Befehle, der Ballon beschrieb einen weitgespannten Bogen und flog den Dor- bergen zu.

Hardy v. Sandow biß die Zähne auseinander: das Wort des Piloten gefiel ihm nicht. Er dachte bei sich:Daß es immer noch Menschen gibt, die an diese ewige Macht glauben! Dieser Glaube muß überwunden werden. Der Menfch allein ist bei; Herr ber Erde und der Herr ber Stifte und über ihm bars keiner sein. Er muß auch den schließlich besiegen, an den bie Schwachen, bie Kleinen und Frommen glauben, vor bem sie sich beugen und ben sie fürchten: Gott!"

(Forttetzung folgt.)