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2. Blatt.

Druck der 8»ld«rr Ztlimnictrti in Suita.

ch. Bon der Wichtigkeit der Buch­führung im Handwerk.

Bekanntlich ist es mit einer geordneten Buch- -führung bei den meisten Handwerkern nicht gum besten bestellt, und doch ist sie heute auch für den Handwerker von der allergrößten Wichtigkeit. Man darf da nicht auf die Verhältnisse von „früher" Hin­weisen. Die waren wesentlich andevr, schon des­halb, weil für jedes einzelne Handwerk ganz be­stimmte Normen ausgestellt waren, und Kreditneh­men und Kreditgeben nicht so wie heute existierten. Schon allein wegen der „Steuereinschätzung" ist die Buchführung für den Handwerker höchst wichtig, sehen doch viele Steuerbehörden in dem Handwerker noch einen Mann mit unerschöpflichem Gewinn. Eine geordnete Buchführung weist aber klipp und klar das Einkommen nach. Auch die richtige ge­schäftliche Kalkulation kann nur durch eine geord­nete Buchführung erreicht werden, ohne welche der Handwerker niemals Klarheit über den Fortgang seines Geschäftes haben kann. Ferner ist die Buch­führung höchst wichftg bei Rechtsstreitigkeiten, Erb­schaftsregulierungen, Konkursen usw.

Wie aber sieht es oft mit der sog. Buchführung bei unseren Handwerkern aus? Viele legen sämt­liche „Einträge", d. h. den gesamten Verkehr mit Lieferanten und Kunden in einem einfachen Notiz­buch nieder; oft fogar auf allen möglichen Zetteln, die ohne Ordnung mit den verschiedensten Papieren Zusammengebracht werden. Daher darf es auch nicht verwunderlich erscheinen, wenn ein Kunde, der mit Zahlung einer Rechnung im Rückstände geblieben ist und eine zweite deshalb erhält, findet, daß diese von der ersten Rechnung manchmal sogar erheblich — obweicht.

Bekanntlich gibt es nun drei Formen der Buch­führung, die einfache, doppelte und amerikanische Buchführung. Bei der ersteren wird jeder Gcschäfts- vorfafl nur einmal gebucht, während bei letzterer das Emvfangen und das Geben (also doppelt) gebucht Wird. Der Handwerker wird in der Regel mit der einfachen Buchführung auskommen, diese aber m u ß er sich ancignen. — Zunächst muß er, sobald er sein Geschäft eröffnet, eine genaue Inven­tur aufstellen und darin festlegen, wie groß sein Ber- mögcnsbestand und seine Schulden sind. Sodann hat er auf genaue Kassenführung zu achten, wobei keineswegs nötig ist, tagtäglich jede kleinste Ausgabe zu buchen, Wohl aber diejenigen, die er der Geschäfts­kasse entnimmt, einerlei für welche Zwecke er sie bcrluenbct. Wohl ist dies für Ladengeschäfte schwie­riger, aber auch da geht es bei ernstlichem Willen.

Heute genügt für den Handwerker nicht mehr die tüchtige praktische Ausbildung, der heutige Hand­werker muß auch Kaufmann sein, der feine Ar­beit richtig zu kalkulieren und an den Mann zu bringen versteht. Und selbst wenn manche Hand­werker sich einen eigenen Buchhalter halten, so kön­nen sie sich doch erst ein richtiges Bild von ihrem Geschäft machen, wenn sie dessen Buchungen auch richtig zu prüfen verstehen.

Ohne Zweifel ist richtig, daß der Großbetrieb immer weiter vordringt, und manches Handwerk immer mehr verschwindet, die Prophezeiung vom gänzlichen Verschwinden des Handwerks ist aber ebenso hinfällig, wie uns auch hier erst kürzlich wie­der von berufener Seite klargelegt worden ist. Ja, es fleht fest, daß einige Handwerke heute kräftiger denn je dastehen und viele andere einer besseren Zu­kunft entgegensetzen. Wenn auch die Entwickelung zum Besseren in dieser Hinsicht nur langsam voran- geht, so hat man doch allgemein erkannt, daß zwischen der Fabrikware und der Handarbeit ein großer Unterschied zugunsten der letzteren besteht.

Wi: möchten dieserhalb nochmals auf die Aus­führungen der Herren Abgg. Müller und Triuuen- berg gelegentlich der großen Handwerkerversamm- lung int September 1911 und auf die des Herrn Dr. Hoefle- int Mittelstandskursus int Mai d. I. über die „S e l b st tz i l f e des H a nd w e r k s" Hin­weisen. Die Hilfe des Staates kann unserer Ansicht nach für bas Handwerk erst bann von Wirkung sein, wenn es in sich kräftig genug ist, von biefer Hilfe auch ben rechten Gebrauch zu machen. Ein mächtiger Faktor nun für Erreichung einer besseren Zukunft und ebenfalls eines ber wichtigsten Mittel biefer Selbsthilfe ist die georbnctc Buchführung für den Handwerker. Sie ist gleichsam die Organisation für den einzelnen in feinem Geschäft, wie die Innung diejenige für die Gesamtheit der einzelnen Hand­werke ist.

+ Einiges über das weimarische Pfarrdors Schleid»

Das Kohlbachtal, der Schauplatz der traurigen Hochwasser-Katastrophe, lockt noch immer Ungezählte an, das Bild jener Verwüstung zu schauen. Da dürf­ten wohl auch einige Notizen über nicht unintereffantc Besonderheiten von Schleid hier am Platze fein. Einer fachmännische Beschreibung der sehr beachtens­werten Kirche, die der Hochsel. Bischof Christoph Florentius Kött nur „seinen schonen Land- bom" genannt haben soll, entnehmen wir folgende Angaben:

Der Hauptraum ist ein Bau des späten Barock­stils, von ähnlichem Reichtum der Ausführung rote die katholischen Kirchen in Dermbach, Zella und Bremen bei Geisa; er wurde 1743 — 1746 unter Amand von Buseck erbaut. Der untere Teil des Turmes dagegen stammt aus dem spaten Mittelalter. Das alte Mauer­werk des Turmes erhielt bei dem Bau der jetzigen Kirche ein so verändertes Aeußeie, daß Turm und Hauptraum äußerlich den Eindruck einer vollkommen einheitlichen S töpsung machen; doch im Innern des Turmes ist als Markstein des mittelalterlichen Bau­werkes die schöne Sakraments-Nische aus dem Jahre 1484 erhalten geblieben.

Ter Hauptaltar aus Stuckmarmor findet wegen seines künstlerisch schön komponierten Säulenaufbaues Lob und Anerkennung. Eine besondere Sehenswür­digkeit Der Kirche zu Schleid ist aber ein wahrschein, lich aus der alten Kirche stammender geschnitzter Altar, über den wir in den „Bau- und Kunstdenk­mälern Thüringens" folgendes lesen:

„Die vier schönen aus Hol, geschnitzten Darstellun­gen (die Heimsuchuna, die Verkündigung, Maria und Joseph kniend im Stulle zu Betblehem, die Darstellung tm Stempel) deuten aut die Zeit um das Jahr 1500. Der Ausdruck in Haltung und Gesichtszügen Ul von einer in den Schnitzereien dieser Gegend ungewöhnlichen Schön­heit. Der große viereckige Schrein, in welchem die vier Reliefs eingesetzt sind, ist alt Es ist der Mittelteil eines ebemaliocn Flügelaltares, die beiden Flügel fehlen jetzt auf die en hei d>e Jahreszahl 1491 gestanden. Das Orna­ment, m.i welchem die Vorderkante de- Schreins verziert ist hroet rankeujöinüg ineinander geflochtene Stäbe), ist das alte. Laueaen rft in der Zeit des Barockstils in die

Sultiaer Zeitung.

»amstag 21. Ium 1915.

Lokales.

Fulda, 21. Juni 1913.

# Verliehen wurde dem Lehrer und Organisten Ellenberg zu Kastel der Role Adlerordcu 4.Klaffe, Professor Rraem et zu Frankfurt a. M. Der ffrcn.'u» orben 3. Klaffe.

== Meisterprüfungen. Vor der Prüfungskom­mission ber Handwerkskammer zu Kassel legten bie Meisterprüfung für das Buchbindergewerbe ab die Buchbinder H. Lösch-Spangenberg, O. Schom- burg-Wolfhagen, W. Heinen und K. Erler aus Kas­sel und die Meisterprüfung für das Müllcrge- werbe F. Mertens-Hatzfeld, H. Vonjahr-Frielen- borf, A. Trieselmann-Ulsenmühle unb W. Tricsel- mann-LisPenhausen. — Vor der Prüfungskommission in Fulda bestanden gestern die Meisterprüfung Schuhmacher Philipp Möller von hier (Markt­straße 10) unb Sattler Arno Simon aus Tann (Rhön).

X Der Priksterunterstützunglverein für emeritierte Priester der Diözese Fulda hält am 1. Juli, nachrn. 31/» Uhr, im Bürgerverein zu Fulda die dies­jährige Generalversammlung ab. Die Tagesordnung umfaßt die Rechnungsablage, Wahl eines Vorstands- Mitgliedes und verschiedene wichtige Anträge.

A Jugendpflege. Am Freitag den 27. Juni d. I., nachmittags 5 Uhr wirb int roten Saale des Oran- geriegebäubcs ein Vortrag unb eine Besprechung 'über Jugenbpslcge ftattfinb’cn. Hierzu sinb besondere Einlabungen ergangen. Es sinb aber auch Damen unb Herren, welche sich sür die Sache interessieren, denen aber eine Einladung nicht zugegangen sein sollte, herzlich willkommen.

Og* Anmeldungen neuer Fernsprechauschliiffe. Wir machen die Leser unseres Blattes Darauf aufmerksam, daß Fernsprechanschlüsfe, deren Herstellung in der Zeit vom August dis Oktober gewünscht wird, spätestens dis zum 1. August bei der Fern- sprech-Vermittelungsanstalt angemeldet fein müssen, an die die Sprechstelle angeschlossen werden soll.

-j- Molkerei Fulda. Nach dem Geschäftsbe­richt für 1912 gelangten seitens der Molkereigenos­senschaft Fulda-Lauterbach 1912 zum Berkaus: 311121 Psund Tafelbutter für 488 787 Mk.; Weich­käse in verschiedenen Sorten für 614 295 Mk.; 1930 Zentner Speisc-Ouark für 45 539 Mk.; 1358 169 Li­ter Vollmilch für 272 874 Mk.; 375 544 Liter Halb­milch für 53 219 Mk.; 277 334 Liter Magermilch für 21 422 Mk. unb 54 250 Liter Rahm für 48 219 Mk. Die in der M o l k e r ei s ch u l e Fulda verarbeitete Vollmilchmcnge belief sich auf 3 024 532 Kilogramm unb die von den Landtvirten ber Genossenschaft e i n- gelieferte Gesamtmilchmenge betrug 6 737 078 Kilogramm. Ter für die Milch gezahlte Durch- fchnittsfahrespreis betrug 14,8 -4 Pro Liter. In dem Laboratoritim der Anstalt wurden in der Zeit vom 1. April 1912 bis 31. März 1913 insgesamt 35109 Proben untersucht, darunter 18123 Proben von Lieferanten ber Genossenschaft auf den Fettgehalt ihrer Milch. Die M o lker ei s ch u l e zu Fulda war im Schuljahr 1912-13 von 28 Zöglingen und 1 Hospitanten besucht. Bon ben Schülern waren 5 aus bem Bezirk Kassel unb darunter 2 aus ber Stabt Fulba. An ber Schule wirkten im Schuljahr 1912-13 insgesamt 14 Lehrkräfte einschließlich des Direktors. Gegen bie Vorjahre waren bem Lehrkörper beigetre­ten ein Kreistierarzt, ein Elektrotechniker und ein Lehrheizcr.

+ Elektrizitätswerk. Die Elektrizitätslieferungsge­sellschaft zu Berlin (Tochtergesellschaft der A.-E.-G) bat ihr Grundkapital von 20 Millionen Mark auf 30 Millionen Mark erhöht. Dieselbe ist mit 350000 Mark an der Elektrizitätswerk-Fulda-Akllengesestschast beteiligt, deren Aktienkapital 500000 Mark beträgt. Für das erste Geschäftsjahr vom 20. März bis 31. Dezember 1912 winden — 41 it Prozent Bauzinsen gezahlt. Die weiteren Hauptaktionäre des Werkes sind das Kasseler Bankhaus Alsberg und Löwenbaum und die Kasseler Firma R. Goithelsit. Wie wir be­reits mitgzteilt haben, ist das Werk gegenwärtig da­bei, sich zu erweitern und wird voraussichtlich sein Stammkapital um 500000 Mark erhöhen müssen. — Die Erweiterungsbauten und Ausstellung einer dritten Heißdampflokomobile zu 800 Pferdestärken sind in der Hauptsache durch den bevorstehenden Anschluß des hiesigen Bahnhofs mit einem Jahresbedarf von über 500 000 Kilowattstunden und die wahrscheinliche Versorgung von Horas bedingt.

Ein Unfall, der um Haaresbreite zu einem schweren Unglück hätte werden können, trug sich heute morgen kurz vor 8 Uhr auf bem Bahnübergang an

hohe Mütelnische eine Holzfigur der Madonna cingeletzt worden, eine unbedeutende Arbeit. Damals hat der Altar auch seine jetzige äußere Umrahmung erhalten. An dem Gebälk der korinthischen Säulen ist oben em Wappen an­gebracht, Der Schild ist geviert. In zwei Feldern das Kreuz von Fulda, Die beiden anderen Felder stud durch eine zinnensörmige schrägrechte Linie diagonal geteilt.') — Werke aus dieser Blütezeit der deutschen Schnitzaltäre sind in den Kirchen dieser Gegend nur vereinzelt enthal­ten, so namentlich in Der Gangolfs-Kapelle zu Geisa, in Motzlar, in Geismar, in Borsch, in Zella und in Der protestantischen Kirche zu Derm­bach. Es verdient Beachtung, daß die Zeit des Barock- stils sich gegen diese ihr innerlich so fremd gewordenen künstlerischen Schöpfungen keineswegs immer ablehnend verhalten hat. In Schleid wie in Geismar unb in B o rs ch sind bie alten Schnitzereien in neue Altäre beS Barockstils eingesetzt."

Als Merkwürdigkeit dieser Kirche sei auch ein silberner Kelch „im gothischen Slil des 19. Jahrhun­derts" verzeichnet, ben Kaiser Napoleon III. im Jahre 1870 während Der Gefangenschaft auf Wil- Hemrshöhe Dem Pfarrer Siw. o n Wch,ner geschenkt hat.

Arn 5. August pilgern unzählige gläubige Katho< liten nach Schleid, um bas dort gelobte Fest ber hl. Maria vom Schnee zu feiern. Wie d>e Ge­meinde zu diesem Gelübde gekommen ist, wollen wir uns von einem verdienstvollen Erforscher des Thürin­ger Landes erzählen taffen;2)

.Es geschah, daß zur Zeit des dreißigjährigen Krieges in bem Fuwffchen Amte Rockenstuhl bie dortigen Ge­meinden auch noch durch Hunger und Pest arg heim- gesucht wurden, fo'baß, was nicht bereits gestorben, sich vor ber schrecklichen Seuche in bie na;,en Wälder flüch­tete, aber auch hier noch größtenteils jämmerlich dahin- starb. lind als bie Ueterlebenben erkannten, daß es ans diese Weise kein gutes Ende nehmen werde, beich'ossen die beiden Gemeinden Schleid unb Kranlucken, sich

*) Es ist bas Wappen des Fuldaer Fiirstabtes Placidus von Droste (1678 — 17ik). Danach wäre also die Entstehungszeit der holzgeschniyten Madonnen- Ftgur, die a. a. O. um bas Jahr 1600 angegeben wirb, doch 'päter anzusetzen.

-) C. L. Wucke „Sagen der Werra unb Rhön. Neu berauSgegebcn von Tr. K. Ullrich. Berlag von H. Kahle, Eisenach.

der Leipzigerstraße zu. Ausgesprochen mitten auf den Gleisen der Bahn versagte Der Motor des schwer- beladenen Lastautomobils ber Unionbrauerei, so daß der Wagen samt Anhängewagen nicht von der Stelle zu bringen waren, als im seiden Moment ein Güter­zug Dom Bahnhof ber heranfnhr. Ter Lokomotiv­führer, der sofort Warnungssignale gab, erkannte rechtzeitig die gefährliche Lage und es gelang ihm, durch energisches Bremsen kurz vor dem Automobil Den Zug zum Halten zu bringen. Ohne die Geistes­gegenwart des Lokomotivführers unb fein ent­schiedenes Vorgehen würde ein größeres Unglück unvermeidlich gewesen feien. Kaum Halle man nun mit Htlse zweier Pseroe bas Aulomodil von ben Gleisen gezogen, als von Der anderen Seite, von Bebra her, ein Güterzug heranfuhr, der wahrschein­lich auf dem fallenden Gelände m so kurzer Zeit nicht hätte zum Stehen gebracht werden können. Der so glimpflich verlaufene Fall zeigt aber deutlich, wie notwendig die Einrichtung einer Unterführung an dieser verkehrsreichen Stelle ist.

* Eine Kommission des Deutschen Preisgerichtes für Balkon- und Fenster-Blumenschmuck (Topfpflanzen) wird in der nächsten Zeit auf der ersten in Wiesbaden be­ginnenden Autotour zunächst die Badeorte und Städte Homburg, Nauheim, Gießen, Salzschlirf, Fulda, Heesfeld und Wildungen besuchen. Es kommt für jeden Ort allerdings nur ein Preis und zwar erster, zweiter oder dritter Klasse in Betracht. Immer­hin wird hiermit eine erfreuliche Anregung für bessere Ausschmückung der Häuser mit Blumen gegeben.

!! Erweiterung der Befugnisse der Zwangs- Innungen. Die Frage, inwieweit Zwangsinnungen berechtigt sind, ihren Mitgliedern die öffentliche Be­kanntgabe der Preise ihrer Waren und Leistungen zu verbieten, so führt ein Erlaß des Mi­nisters für Handel und Gewerbe aus, ist in den bis­her zur Entscheidung gelangten Fällen — unter Be­rücksichtigung der jeweiligen besonderen Umstände des Einzelfalles — grundsätzlich dahin entschieden worden, daß einem solchen Verbote zwar die Vor­schrift des § 100 q der R. G. O. nicht entgegensteht, daß die Zwangsinnuugen aber gleichwohl ein der­artiges Verbot ihre durch die Gewerbeordnung be­grenzten Befugnisse überschreiten würden, da die An­kündigung und Veröffentlichung von Preisen an sich nicht gegen die gemeinsamen gewerblichen Interessen oder gegen die Standesehre oder den Gemeingeist der Jnnungsmitglieder verstößt. Anders liegt es jedoch, wenn die Innung sich darauf beschränkt, ihren Mit­gliedern unlauteres Geschäftsgebahren, z. B. marktschreierische Reklame oder die öffentliche Ankündigung von nicht üblichen Gratisau ge­boten oder von Schleuderpreisen, welche mit dem Werte der angebotenen Waren oder Lei­stungen im offenbaren Mißverhältnis stehen, zu ver­bieten. Auch die Veröffentlichung einer Unterbietung etwaiger von der Innung bekannt gegebener orts­üblicher Preise für gleiche Waren kann sich im Eiu- zelsall als unreell darstellen und demgemäß den Jmiuugsmitgliedern untersagt werden. Derartige Verbote würden in den Vorschriften der G.-O., ins­besondere über die Aufgaben der Innung zur Auf­rechterhaltung der Standesehre und des Gemiein- geistes unter den Jnnungsmitgliedern, eine Stütze finden.

* Welches Recht hat der Inhaber einer Platzkarte? Die Antwort von amtlicher Seite auf diese zur Reise­zeit wieder aktuell gewordene Frage lautet dahin: Der Inhaber einer Platzkarte hat uneingeschränktes Recht auf den durch sie bestimmten Platz. Wird dieser von einem Unbefugten eingenommen, so haben die Zug- oder Stationsbeamten auf Ansuchen des Be­rechtigten die Verpflichtung, den Platz für den Karten­inhaber frei zu machen, und sie dürfen, bezw. müssen, wenn der Unbefugte nicht gutwillig weicht, Gewalt anwenden, Im übrigen hat die Eisenbahnverwaltung auch in diesem Jahre vor Beginn der Reifezeit allen Beamten Höflichkeit und Hilfsbereitschaft dem Rat und Schutz suchenden Publikum gegenüber ans Herz gelegt.

* Vermehrung des Güterwagenparks Die Eisen­bahnverwaltung trifft umfassende Vorkehrungen, um für den kommenden Herbstverkehr mit seinem hohen Bedarf an Wagen, hauptsächlich offenen, gerüstet zu sein. Große Aufträge von offenen und gedeckteil Güterwagen werden zur Zeit von den deutschen Wagenfabrikei: erledigt. Besonders stark wird die Beschaffung von offenen Wagen mit erhöhtem Lade gewicht von 20 Tonnen (400 Zentner) betrieben, von welchem die Wagenfabrik Geb'r Gastest in Mainz Mombach in letzter Zeit 100 Stück zur Anlieferung brachte. Der Wagenpark der deutschen Güterwagen-

an Die Barmherzigkeit Der bl. Malier Goiies zu wenden, sandten eine Deputation an den Fürstabt Bernhard3) nach Fulda, unb der genehmigte, daß bie beiden Ge­meinden eine Stiftung zu Ehren bet hl. Jungfrau zum Schnee in bem Dorfe SchUid gründeten. Und von Stund an verschwand Peil und Hungersnot aus der Gegend. In ber vorn Fürstabt Bernhard in Fulda vom 16. Mai 1627 ausgestellten Bestätigungsurkunde heißt es u. a.. daß die beiden Gemeinden gelobt haben, jedesmal den Tag vor dem Feile der „Heiligen Maria zum Schnee" durch das strengste Fasten, das Fest selbst aber auf das feierlichste, gleich wie Ostern, Pfingsten und das Fron­leichnamsfest, zu feiern, desgleichen bie Stiftung durch jährliche Beiträge, den „Schneefreier", zu unterstützen. Zum Schluffe des Festes wird ein feierliches Requiem für alle während und nach der Pestzeit Verstorbenen abgebalten. Schleid aber wird au jenem Tage von unzähligen Frommen besucht, so baß zuweilen gegen achtzehn Geistliche den dortigen Pfarrer in seiner Ämis- tätigteit unterstützen müssen."

Als weitere ortsgeschichtliche Denkwürdigkeit sei noch erwähnt, daß die Geistlichen von Schleid ver­pflichtet waren, Die auf dem Ro ckenstn hl verurteil­ten Verbrecher zum Richtplatze ?u führen. Das Amt auf Dem Rockcnstuhl ist bekanntlich im 17. Jahrhun­dert nach Geisa verlegt worden.

•) Johann Bernhard Schenck zu Schweinsberg (1623 bis 1633).

— Vom Journalisten zum Bischof.

Die südtirolische Stadt B r i x e n am Eisack war Sonntag, 8. Juni, Zeuge einer Hoheit kirchlichen Feier: Es wurde in ihrem Dome einer ihrer Bur- gersöhue zum Bischof geweiht. Der zum General­vikar von Vorarlberg ernannte Theologieprofessor Dr. Sigmund W a i tz erhielt die Bischossweihe. Er wurde 1864 als Sohn des Kaufmanns Karl Waitz geboren besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und studierte Theologie in Innsbruck. Im Jahre 1891 wurde er mit Zustimmung seines Bischofs der erste Berufsredakteur der christlich-sozialen „Brix en er Chronik", welche 1888 fein treuer Freund T. Schöpfer, jetzt Mitglied des Reichsrates und des Tiroler Landtages, gegründet hatte. Diese Stelle versah er, bis ihn 1897 eine schwere Krankheit zum Rücktritt zwang. Als 1899 die Lehrkanzel für

gemeinschaft wurde feit Herbst vorigen Jahres um viele Tausende verstärkt. Die Eisenbahnverwaltung macht jetzt bereits auf den zu erwartenden großen Herbstverkehr aufmerksam und ersucht, den Bezug Der Massengüter, besonders der Kohlen und Düngemittel, auf eilten längeren Zeitraum zu verteilen und tun­lichst schon während des Sommers zu besorgen, jeden­falls aber nicht ausschließlich auf die Herbstmonate zu verschieben. Bei Ausnutzung des Ladegewichts der Güterwagen von 15 und mehr Tonnen Ladege­wicht wird Frachtnachlaß gewährt.

-4- Sommersanfang. Wir befinden uns jetzt mitten in der Zeit der sog. hellen Nächte. Die Däm­merung dauert nämlich so lange, daß es um diese Zeit wirkliche finstere Nächte nicht gibt. Die Sonne, die bis jetzt mit jedem Tag höher emporstieg und des Nachts nur wenige Grad unter den Horizont sank, erreicht heute ihren höchsten Stand und tritt in der kommenden Nacht um 2 Uhr in das Zeichen des Krebses. Damit hält der kalendermäßige Sommer bei uns feinen Einzug. Mit der Tageslänge geht es jetzt, lvenn auch im ersten Monat nru langsam, wie­der abwärts. Um diese Zeit spielt die erhabene Poesie der Sommersonnenwende und der zauberischen Jvhamiisnacht. Tie Jahreszeit geht um den Jo­hannistag aus der Periode des großen Blühens in die der sommerlichen Reife über, die in wenigen Wochen das erste reife Obst bringt. Und damit kom­men wir aus den Tagen der Rosenpoesie in die der Ernte. Nur noch wenige Tage, und die erste Hälfte des Jahres 1913 ist dahin. An Aufregung und Un­ruhe hat es in dieser Zeit nicht gefehlt, möge die zweite Hälfte sich von einer besseren Seite zeigen.

* Ein Giirtnerkongreß. In Göttingen findet am 27. Juli d. I. eine gemeinsame Tagung statt,' an der die Verbände von Hannover, Hildesheim, Hameln, Hessen-Nassau und Südhannover teil» nehmen werden. Es ist nach den bisherigen Anmel­dungen eine sehr starke Beteiligung zu erwarten.

K. Der Verband mitteldeutscher Wasserkraftbesitzer hielt dieser Tage hier und in Schlüchtern gut besuchte! Versammlungen ab, um wegen der Wasserentziehung, unb -Verunreinigung, Die bei dem trockenen Wetter wieder mehr und mehr in die Erscheinung trat, den be­nachteiligten Betrieben Verhaltungsmaßregeln zu geben,! und die Interessen derselben wahrzunehmen. Inchep Versammlung zu Fulda kam die Wasserentziehung; am' Bermbach bei Niederwöllstadt zur Erörterung, die. der Wasserversorgung des unteren Niddatales dient, und durch welche die Wasserkräfte der Niederwöllstadter und Roßbacher Mühlen im Sommer vollständig aufgebraucht werden, sodaß die Mühlen ausnahmslos zur Anlage von Patentheißdampflokomobilen gezwungen sind. Es, wurde von Redakteur L. Koch-Duderstadt vom Verbands- vorstand an Hand wiederholter im Verbandsorgan,Dte Wasserkraft' enthaltener Wertberechnungen für entzogenes' Betriebswasser bie Notwendigkeit vollständiger Schadlos-! Haltung eingehend bargelegt, und noch besonders auf die Entwertung des ganzen Anwesens hingewiesen, wenn im Sommer und Herbst die notwendig gebrauchte Wasser­kraft fehlt. Deren Ersatz durch den Betrieb einer Heiß- dampslokomobile setze notwendig die volle Entschädigung ber entzogenen Kraft voraus. Mühlenbesitzer Hahn von Nieberwöllstadt ergänzte diese Mitteilungen noch durch Schilderung seiner mit dem Fuldaer Kreisamt geführten Verhandlungen. Weiterhin betonte er Die zunehmende Bedeutung des Landwirischastsbetriebes für die Er­haltung der kleinen Mühlen, bei denen der Mühlen­betrieb mehr und mehr ein Nebenzweig der Landwirt­schaft wird. Günstig sei sür die Mühlen der durchschnittlich gute Stand Der Schweinepreise, Der eine Erweiterung ber Schweinemast bei Den Mühlen begünstige. Redak­teur Koch ging bann noch auf die Bestrebungen zur Herbeiführung eines Ueberlandzentralengefetzes ein, wo­durch für bie infolge zunehmender Ausbreitung des Leitungsnetzes frei werbenden Wasserkräfte andere Ver­wendung geschaffen werden solle. In Schlüchtern standen die Verhandlungen ebenfalls im Zeichen ber Wafferentziehung, wozu Redakteur Koch bie Rechtslage nach dem neuen preußischen Wassergefetze barlegte. Das­selbe erfordere zwar nicht mehr den Nachweis des Rechtes am Wasser, dagegen fei die Schabenregelung noch ebenso schwierig wie früher, weil eine Entschädigung nur zu' leisten fei, wenn sich solche nach billigem Ermessen als gerechtfertigt erweise. Die Herren Schneider-Neuen­gronau, Kültan-Ältenhaßlau unb Klüh-Ellers gaben hierzu ihre Erfahrungen bei ben. Entschäbigungsverhanblungen bekannt, worauf Rebakleur Koch über bie burch Die KaliinDustrie verursachte Flußverunreinigung sprach unb bas Verhallen ber Behörden hierbei erörterte. Von Interesse war dabei die Feststellung, daß Preußen im allgemeinen strenger gegen Die Verunreinigung der Flüsse vorgeht als bie Kleinstaaten, für beten Finanzwirtschaft die KaliinDustrie eine gewisse Rolle spielt. '

Aus dem Nachbargebiete.

-T- Hünfeld, 19. Juni 1913. Der hiesige Rhön- kl uv-Zweigverein hat heute am Bahnhof eine;

Moraltheologic am Brixener Ptiestcrseminar frei wurde, übertrug sie ihm der Fürstbischof Tr. Simon Aigner; im Jahre 1904 bis 1905 war Dr. Waitz in Wien Religioyslehrer des Erzherzogs Karl Franz Joseph, des zukünftigen Kaisers.

Für die Festnummer der „Brixener Chronik",' die dieser Tage ihr 25jähriges Bestandsjubiläunt feiert, hat Weihbischof Dr. Waitz „Erinnern n - gen" ntitgctcilt, in Denen er auch der katholischen Journalisten gedenkt. Wohl sind seine Erfahrungen mcift aus der eigenen Redattionsstube gewonnen, aber sie enthalten allgemein gültige Wahrheiten, und die Berufsjourualisteu werden alle dem jüngsten Bischof Oesterreichs dankbar sein, daß er sich mit so warmem Interesse ihrer entnimmt. Es seien einige markante Sätze seiner Erinnerungen hierhergesetzt: „Journalistenarbeit — sie ist oft sehr gering ge­schäht. Es wäre manchem, ber eine Zeitung etwas hoch­mütig mustert und kritisiert, heilsam, wenn er ein halbes Jahr in einer Redaktionsstube Dienst tun müßte. Man glaubt gar nicht, was alles einem Rebakleur unten kommt. Eigentlich sollte er alles wissen und über alles informieren lönnen. Eine französische Zeitung hat den Tttel: ,Je sais tont“, .Ich weiß alles'. Das ist er, was in Wirtlichkeit bas Publikum von einer Zeitung er­wartet. In ber Rebaktion einer Zeitung liegt eine un­geheure Verantwortung, weil tbr Einfluß so gewaltig ist. Doch sprechen wir zunächst davon, wie einem Redakteur zumute ist und ivas seine Tätigkeit alles mit sich bringt. Manchmal hat er einen Artikel mit größtem Fleiß, mit bem Aufgebot seines ganzen Wissens herausgearbeitet, unb nun sieht er, wie fein Werk mit Geringschätzung gelesen, mit Verachtung behandelt unb das Blatt wie wertlos megaeroorfen wirb. (Was bekanntlich eher bei ben eigenen Parteigenossen vorkonnnt, als bet politischen Gegne n. D. V.) ... Ich begreife es ganz wohl, daß mancher Redakteur frühzeitig altert unb daß es manche geradezu typische Krankheiten ber Journalisten gibt, Herzkrankheiten und plötzliche Todesfälle, die Folge vielfacher Aufregung . . . Kaum ein anderer Berus strengtNerven und Herz jo sehr an, wie die aufregende Rebaktionstätigkeit. Ich habe so gelernt, diesem Berufe meine Achtung entgegenzubringen."

Die katholischen Journalisten werden dem Herrn Wethbischos banl bat fein, daß er ir. der Oeffemstch- keit mit solcher Anerkennung von ihrem Berufe ge­sprochen hat, und zwar aus persönlicher Erfahrung