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«. ZulSaer Zeitung.

Donnerstag 19. Juni 1915.

Lokales.

Fulda, 19. Juni 1913.

I ’S Nationales Volksfest. Aus das an Ce. Majestät de» Kaiser und König am vergangenen Montag ab» gesandte Glückwunsch, und Huldigungstele, prarnm ist gestern folgende Antwort an den Herrn Oberbürgermeister Dr. Antoni hier ergangen:

„Seine Majestät der Kaiser und König lassen für di« freundlichen Glückwünsche danken. Der Geheime Aabinettsrat von Valen tini.'

# Personal-Notiz. Regierungs-Asseffor Dr. Bömke in Kassel wurde zum Stellvertreter des Regierungs- Präsidenten im Bezirksausschüsse zu Kassel, abgesehen vom Vorsitze, unter Enthebung des Regierungs-Asseffo rs v. Guenther von diesem Amte,"ernannt.

S Erstkommunion der Obrrrealschiiler. Am kam- »enden Sonntag werden 19 Schüler der hiesigen Oberrealschule zum ersten Male zum Tische des Herrn zugelassen. Die Feier findet während eines feierlichen Levitenamtes mit Predigt um 8 Uhr in der Kloster- circhr am Frauenverge narr. iLle Lordereitung der Lrftkommunikanten geschah durch Herrn Oberlehrer Prof. Weiler.

§ Zwangsversteigerung. Bei der gestrigen gericht­lichen Zwangsversteigerung der auf den Namen des Stukkateur-" Joseph Schnell und dessen Ehefrau in Großenlüver, sowie des Maurers Ferdinand Oestreich und dessen Ehefrau in Uffhausen eingetragenen zwei Gärten, zusammen 7 a, 46 qm groß, in der Kaprr- zinerstraße hier gelegen, blieb der Maurer Oestreich- Uffhausen Hüchstbierender mit zusammen 8500 Mk. Der Wert der beiden Grundstücke ist auf 12 000 Pit. festgesetzt worden.

Z- Der Kriegervercin Fulda kann in diesem Jahre sein 40 jähriges Stiftungsfest feiern, und jetzt sind es 10 Jahre her, daß der Verein auf Anregung des damaligen Fuldaer Bezirksoifiziers Major Eltester und mit Genehmigung der Stadtbehörde bei der Friedenseiche, an der Mauer des Stiftes Wallenstein, einen Gedenkstein zur Erinnerung an den ruhmvollen Feldzug 1870/71 setzen ließ. Der Gedenkstein wurde am 6. Juli 1903 feierlich enthüllt und seitens des Magistrats in die Obhut der Stadt übernommen.

F. Von der Straße. Gestern abend wollte der Knecht eines hiesigen Baugeschäftes in seiner Trunken­heit mit seinem Fuhrwerk gegen die geschlossene Eisen- bahnschranke an der Leipzigerstraße fahren und kam unter seinen Wagen zu liegen. Dem einschreitenden Schutzmann widersetzte er sich ganz rabiat, vergriff sich tätlich an ihm und beleidigte ihn schwer. Nur mit großer Mühe konnte er zur Polizeiwache gebracht werden.

o Ein Rechtsirrtum des Kasseler Bezirksausschusses in einer grundsätzlichen Frage, die deswegen von großer Bedeutung für das rechtsuchende Publikum ist, weil sie in zahlreichen Verwaltungsstreitigkeiten in der gleichen Form wiederkehrt, hatdasObervenvaltungsgericht zur Aufhebung eines Kasseler Urteils gesührt. Die uner­läßliche Voraussetzung der Klage im Verwaltungsstreik­verfahren gegen die Heranziehung von Gebühren, Bei­trägen und Steuern durch die Gemeinden ist der Ein­spruch binnen 4 Wochen beim Gemeindevorstand. — Das Urteil ist in einer Klage des Hotelbesitzers K. zu Fulda gegen den hiesigen Magistrat ergangen, der ihn wegen der Veräußerung eines Hauses am Friedrichsmarkt zu einer Reichszuwachssteuer in Höhe von 1232 Mark herangezogen halte. Das Grundstück wurde für 87 500 Mark verkauft. Der Streit drehte sich um die Hinzu­rechnung der Kosten eines Umbaues in Höhe von 32000 Mark und einiger anderer Posten zum Erwerbspreis, der sich dadurch so erhöht haben würde, daß ein {teuer* pflichtigerWertzuwachs(UnterschiedzwischenVeräußerungs- und Erwerbspreis) nicht vorhanden gewesen wäre. Der Magistrat wollte für den Umbau nur 13 üOO Mk. anrechnen. Der Steuerpflichtige hatte, wie das sehr oft geschieht, nur ein Schreiben mit folgendem Inhalt an den Ge> neindevorstand gerichtet: „Gegen die Heranziehung zur Reichszuwachssteuer vom so und sovielten erhebe ich hiermit Einspruch." Der Bezirksausschuß wies die Klage »b, weil kein rechtswirksamer Einspruch vorliege. Ein solcher müsse erkennen lassen, ob der Einsprucherhebende non der Steuer freigestellt sein oder sie nur er- mäßigt haben wolle, und im letzten Falle, in welcher Höhe Ermäßigung begehrt werde. Das Oberverwaltungs- zericht hob die Entscheidung jedoch aus, weit sie nicht im Einklang mit der ständigen Rechtsprechung des er­kennenden Gerichtshofes stehe. Allerdings müsse ein Einspruch, der auf Ermäßigung gerichtet fei, erkennen lassen, in welcher Höhe Ermäßigung begehrt werde. Wenn er aber nicht erkennen lasse, daß et nur eine Er­mäßigung zum Ziele habe, wie im vorliegenden Falle, dann müsse angenommen werden, daß er sich gegen die Veranlagung in ihrem ganzen Umfange richte. Die Sache nmrbe zur Prüfung der sachlichen Einwände des Klägers «n den Bezirksausschuß zurückverwiesen.

4- Die Handelskammer zu Hanau hielt gestern nachmittag hier im Stadtverordneten-Sitzungssaale eine Plenarsitzung ab. Aus den Verhandlungen he­ben wir folgendes hervor: Nach 40jähriger" Arbeit ist im vorigen Jahre im Haag ein internationales Wechselrecht zustande gekommen, dem sich außer dem Deutschen Reiche 36 andere Kulturstaaten ange- schlossen haben, und das im Grunde auf dem alten deutschen Wechselrecht fußt. Die in der neuen Ord­nung getroffenen Aenderungen haben das deutsche Wechselrecht nicht verschlechtert, vielmehr es in man­chen Punkten verbessert, sodaß die Handelskammer es zur Annahme und Erhebung zum Gesetz durch den Reichstag empfiehlt. Sodann wurde eine Vorlage betreffs des Zugabewesens zur Verhandlung gebracht. Es wurde betont, daß sich diese Sitte zu einer wahren Unsitte ausgewachsen habe, daß die Zugabe oft sogar, wenigstens scheinbar, den Wert des Kaufobjektes übersteige. Wenn man auch die Ge­werbefreiheit anerkennen müsse, so sei doch nicht zu bezweifeln, daß das reelle Handelsgewerbe, besonders der Detaillist, durch diesen unlauteren Wettbewerb ge­schädigt werde, und ebenso auch der Konsument, der so über die Minderwertigkeit der Ware hinwegge­täuscht werden soll. Die Handelskammer nimmt ein­stimmig folgende Resolution an: „Soweit die Zugabe nach ihrem Werte in einem offenbaren Mißverhält­nis zum Preise der Hauptware steht und lomit den Charakter eines unlauteren Geschäftsgebahrens ge­genüber dem kaufenden Publikum und dem reellen Handel habt, erscheint ein gesetzliches Einschreiten geboten, etwa durch eine Ergänzung des Gesetzes ge­gen den unlauteren Wettbewerb." Der Verein zur Bekämpfung des B e st e ch u n g s u n w e s e n s, dem auch die Handelskammer angehört, hat bislang ferne Tätigkeit nur in Anrufung der Gerichte zur Ver­folgung von Bestechungen gesucht, will aber neuer­dings auch vorbeugend vorgehen, indem er die Händ­ler zur Unterzeichnung von Reversen verpflichten will Die Handelskammer ist jedoch der Ansicht, daß das Bestechnngsunwesen schon genügend durch § 12 des Gewerbegcsktzcs getroffen wird. — Der Entwurf des preußilchen W o h n u n g s g e sc tz es wird als eine brauchbare Grundlaae bezeichnet für das Eingreifen an- einem Gebiet, dessen große Bedeutung- für , kör­perliche sittliche und soziale Gekunderhaltung uuzeres Volksgünzen und damit für die Erhaltung unserer na­tionalen Leistungssähigkeir außer allem Zweifel steht.

— Sodann wird mitgeteilt, daß eine Umfrage im Gebiete des Kammerbezirks ergeben hat, daß ein Be­dürfnis für die Errichtung eines Fachausschus­ses für Heimarbeit, die vom Minister ange­regt wurde, hier nicht vorliegt und daß in entsprechen­der Weise an den Herrn Regierungspräsidenten be­richtet wurde. — Auch dem von der Handelskammer Schweidnitz gemachten Vorschläge einer schematischen Abgrenzung des Kleingewerbes schließt sich die Handelskammer nicht an, da sie die Abgren­zung nach den örtlichen Verhältnissen für vorteil­hafter hält. — Ein in Hanau eingerichteter F o rt- bildungsknrsus für Verkäuferinnen hat verhällnismäßig wenige Teilnehmerinnen gefun­den und steht infolgedessen in finanzieller Hinsicht auf einem schwachen Fuße. Dagegen scheinen die Erfolge in der Ausbildung gut zu sein, sodaß die Handelsram- mer der Ansicht ist, daß die Versuche mit dem Kur­sus, die eigentlich nur eine die Stadt Hanau an­gehende Angelegenheit ist, fortgesetzt werden. — Eine Textilfirma Fuldas hat an die Kammer berichtet, daß in den deutschen Bundesstaaten sich Gepflogenheiten auegebildet haben, wonach dort nur einheimische Fir­men zu Lieferungen herangezogen werden, während in Preußen eine derartige Einrichtung nicht bestehe. Aus der Besprechung ergibt sich, daß eine Reihe an­derer Firmen aus dem Kammergebiete derartige Er­fahrungen gemacht haben. Tie Kammer beschließt, den Handelstag zu ersuchen, geeignetes Material zu sammeln und dieses dem Handklsminister vorzulegen. — Beim Punkte Vcrkehrsangelegenheiten wird mit« geteilt, daß wegen erheblicher eingetretener Schwie­rigkeiten der D i st e l r a s e n t u u n e l nicht vor dem 1. Oktober 1914 eröffnet werden kann. Von einigen hiesigen Firmen ist eine bessere Zu g v e r b i n d rt n g von Fulda nach Hamburg gewünscht, und zwar wird hierfür der D-Zug 41 vorgeschlageu, der morgens 8,08 Uhr Fulda verläßt. Die Angelegenheit oll der Eisenbahndirektion dringend empfohlen wer­den. — Betreffs des Postamtes Fulda ist der Handelskantmer eine Beschwerdeschrift unterbreitet, in der die dortigen Verkehrsverhältnisse als nicht ge­nügend geschildert werden. Bor allem fehlt es an der nötigen Anzahl Schalter und Beamten, die einzige vorhandene Fernsprechstelle ist so eingerichtet, daß Telephongespräche außerhalb der Sprechzelle gehört werden können: am Bahnhof wird das Fehlen eines Fernsprechautomaten sehr empfunden. Die Oberpost­direktion ist von der Handelskammer ersucht worden, bei dem geplanten Postumbau dafür zu sorgen, daß die gerügten Mißstände beseitigt werden. —• Vonsei­ten der Stadt Schlüchtern ist gewünscht worden, daß einer der drei Vormittags-D-Züge dort halten möchte. Auf Verwenden der Handelskammer hat die Eisenbahndirektion zugesagt, daß ein D-Zug in Sal­münster und einer in Schlüchtern halten solle, falls Fulda auf einen Zug verzichten würde. Die Handelskammer ist der Ansicht, daß man Fulda dies nicht zumuten könne, zumal die Eisenbahndirektion schon im vorigen Jahre das Halten eines D-Zuges in Schlüchtern in Aussicht stellte, ohne daß irgend eine Bedingung daran geknüpft wurde. Auch oer Ver­kehrsverein Fulda hat energisch gegen den Vorschlag der Eisenbahndirektion Stellung genommen. Es wird anerkannt, daß Schlüchtern als Kreisstadt ein Anrecht auf die Erfüllung seines Wunsches hat, und die Han­delskammer will auch erneut wieder dafür eintreten. — Das Kanzmermitglied Arnd - Fulda stellte dm Antrag, die Handelskammer Hanau wolle veranlas­sen, daß für die Kreise Fulda, Gersfeld und Hünfeld je ein Extra-Ausschuß für den Kleinhan­del errichtet werde, da die Verhältnisse es hier wün­schenswert erscheinen lassen. Dann werden an fol­gende 32 Angestellte und Arbeiter Fuldaer Firmen Ehrenurkunden für langjährige ununterbro­chene Dienstzeit verliehen: Kaufmann Ahlhaus (bei der Firma Jos. Schmitt), August Modest (Ver. Schuhstosfabr.-Fulda), Färbermeister Ferd. Tann (Der. Schuhstosfabr.), Frl. Cäcilia Mahlstedt (Leop. Efchwege), Nikolaus Bauer (Zellulosefabr.), Simon R a u f d) e r, Amandus Klüber, Frl. Chri­stine Müller und Joseph Büttner (sämtlich bei Firma Valentin Mehler), Hans Schoen (Uth's Hofbuchdruckerei), ferner folgende in den Vereinigten Schuhstoffabriken Beschäftigte: Jos. Odenwald, Karl Euler, Valentin Reinhardt, Aug. Jos. Schultheis, Joseph So r g, Justin Bleuel, Andreas Schlotthaner, Jos. Schwab, Friedr. Engel, Ferd. W i tz e l, Jos. D ü ck e r, Joh. W i e- g a n tr, Heinr. Latsch, Joh. G. Fröhlich, Ad. Jos. Gärtner, Friedr. Latsch, Bonifaz Bir­ke n b a ch, Weber Ferd. Tann, Damian Fröh­lich, Pau! Hohmann, Karl Schmitt, Joh. Hüfner und Joseph H a h n e r. Die Jubilare der Firma Bellinger werden demnächst der Handels­kammer namhaft gemacht werden.

-4- Im Hw. Aus den einst bunten Wiesen steigt ein würziger Dust auf, der buntblumige Teppich dörrt unter den brennenden Sonnenstrahlen zu Heu. Ueberall in den Wiesen und Matten herrscht munteres Leben. Man freut sich über das herrliche Ernte­wetter und den reichen Ertrag; denn überall, selbst in den weniger günstigen Lagen, zeigte sich üppiger Graswuchs. Heute in den Vormittagsstunden ging hier für kurze Zeit eine Art Gewitterregen nieder, es ist jedoch kaum zu befürchten, daß das gemähte Heu in diesem Jahre unter einer längeren Regenperiode, die oft um die Mitte des Juni auftritt, zu leiden haben wird. Auch die übrigen Feldfrüchte stehen ausgezeichnet, sodaß mit einer reichgesegneten Ernte gerechnet werden darf.

Das Gauturnfest des Oberfulda - Werragaues, welches vom nächsten Samstag bis Montag in Vacha abgehalten wird, verspricht gut besucht zu werden. Statt des vorjährigen Sonderkampfes ist für den Montag ein Wettschwimmen in der Werra vorgesehen. Die Tutn- gemeinde Fulda hat in diesem Jahre zum zweitenmale den Staatswanderpreis zu verteidigen, während ein Wanderpreis, gestiftet vom Bildhauer Rechberg-Hersfeld zum ersten Male ausgetragen wird. Für diesen Kampf stellen die beiden Fuldaer Vereine ihrer Größe ent­sprechend je acht Mann im volkstümlichen Turnen des Sechskampfes, die kleineren Vereine dagegen nur zwei Turner.

Aus dem Nachbargebiele.

* Bad Salzschlirf, 19. Juni 1913. Die heutige Kurliste gibt die Zahl der Kurgäste bis zum 17. Juni auf 2389 an.

K. Schmalnau (Rhön), 18. Juni 1913. Der 52jährige Auszüger Hartmann auf der Ziegel- Hütte in Gichenbach erhängte sich am Montag in der Scheune.

X Bad Orb, 18. Juni 1913. Nicht lange hat sich die Oberin des hiesigen Hospitals, Schwester Perpetua, die vor kaum Monatsfrist von allen Seiten Glückwünsche zu ihrem 5Qjäbrigm Ordensju­biläum zuströmten, sich ihres goldenen Jubelkranzes

erfreuen können. Gestern wurde sie, die über 22 Jahre lang im hiesigen Hospital als ein leuchtendes Vorbild opferwilliger Hingabe eine Helferin und Trösterin der Krüppel, Armen und Kranken war, nach kurzer Krankheit aus ihrer segensreichen Tätig­keit durch den Tod abberufen.

-h Hanau, 18. Juni 1913. Im benachbarten Osthe int hat eine Laune der Natur einem Staaren- pärchen außer zwei richtigen Sprößlingen einen schneeweißen Staren mit feuerroten Augen, gelbem Schnabel und weißlichen Beinen beschert. Den „weißen Raben" wird diese Entdeckung wenig Freude machen.

* Offenbach, 17. Juni 1913. Nicht aus Siebe zu ihr, sondern zu ihrem Sparkassenbuch, halte der Tage­löhner Adam Liebler mit einer Arbeiterin ein Ver­hältnis angefangen. Bald hatte er ihr Bargeld ver­braucht und wußte schließlich ihr auf über 400 Mk. lautendes Sparkassenbuch an sich zu bringen und da­von über 200 Mark abzuheben. Seine Gaunereien brachten ihm 4 Monoie Gefängnis ein.

ch Frankfurt, 18. Juni 1913. Den erfolgreichen Nkarguoriten- und Kornblumentaaen )»nr «mei Jah­ren kann sich der heute abgehaltene Bottsiinder- t a g anreihen. In allen Stadtteilen, auf allen freien Plätzen wurde der gebefrohen Menge in hundertfa­cher Form Gelegenheit geboten, sich an der großen Kollekte zugunsten armer Kinder zu beteiligen. Das Hauptinteresse lenkte sich heute den großen Berkaufs- länden an dem Anlagenringe zwischen Opernolatz und Bismarckdenkmal sowie der Budenwelt auf dem Römer zu. Dem Menschenstroiu entsprechend ging auch das Geschäft, Nach Schätzungen, die bereits heute abend borgenommen wurden, dürfte der Tag eine Einnahme von weit über 100 000 Mark gebracht haben, die den hier vorhandenen 60 Krippen, Säug­lingsheimen usw. ohne Unterschied zugeteilt werden wllen. — Im Stadtteil Bockenheim wurde der SOfabr. Rentner Thoma von einem auswärtigen Milch- ührwerk überfahren und getötet.

* Kassel, 17. Juni 1913. Als am Montag früh die Ehefrau des 72jährigen Bäckermeisters I. Sän­ger ihren Mann Wecken wollte, fand sie ihn leblos im Bett vor. Er war von einem Herzschlag ge­rührt worden. Der Verstorbene hat sich auf dem Ge­biete der Armenpflege große Verdienste erworben. — Zu wüsten Tumulten kam es in der heutigen Sitzung der Strafkammer. Der Fleischergeselle S. aus Kassel war wegen einer Anzahl verübter Betrü­gereien zu einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten ver­urteilt. Die Strafe wurde mit einer früheren zu 1 Jahr und 3 Monaten Gefängnis zusammengezogen. S. ließ sich daraufhin noch einmal die Strafe ausein­andersetzen und wurde dabei von einem Wutanfall befallen; er ergriff einen Stuhl, den er gegen den Richtertisch schleuderte. In die Haftzelle geführt, zer­trümmerte er sämtliche Fenster. Ein aus sieben Polizeibeamten bestehendes Polizeiaufgebot mußte erst blank ziehen, ehe es gelang, den S. zu überwälti­gen. Die Polizeibeamten mußten noch mehrmals ein­schreiten und den S. in Ketten k-r.

* Heidesheim, 17. Juni 19: -ei der Kasse der Landwirtschaftlichen Spar- uuo DarlehenS- genossensckast wurde durch eine Kassenrevisron festgestellt, daß seit vielen Jahren ein auf Unter­schlagung des früheren Rechners Bieber zurückzuführen- des Defizit von 56000 Mark bestehe. Bei der verkrachten Darmstädter Genossenschaft verlor die Genossenschaft etwa 15000 Mk., so daß der Gesamt­verlust fast 75000 Mk. beträgt. Nach den Satzungen muß nun jedes Mitglied zu gleichen Teilen zum Ver- lüft beisteuern. Da die kleinen Beamten in der Genossenschaft nicht gewillt sind, für den Aufsichts­rat, der es an der nötigen Aufsicht hat fehlen lasten, 600 Mark zu zahlen, verweigern sie die Zahlung.

* Wiesbaden, 18. Juni 1913. Bei ver patrio- tischen Feier im Kurhaus erlitt der Kanzleisekreta« Westphal einen Schlaganfall und starb auf i dem Transport nach dem Krankenhaus. — Ein Großfeuer vernichtete ein Kohlenlager der Firma Weis am Güterbahnhof West.

♦ Aus Franken, 17. Juni 1913. Ein 65 Jahre alter Privatmann 'n Eisenach, der in einem Hause allein wohnte, wurde in seiner Wohnung tot aufgefunden. Ein Herzschlag hatte feinem Leben ein Ende gemacht. — In Zeulenroda ist der Direk­tor Stock des dortigen Bankvereins ohne ersichtlichen Grund spurlos verschwunden. Bei der Bank ist alles in Ordnung. — Der Gemeinderat in Schleiz be­willigte anläßlich des Kaiserjubiläums 10 000 Mark als Grundstock für ein neues Krankenhaus. — Die Aussperrung der Packer nsw. in den Spielwaren­fabriken in Sonneberg wird am Donnerstag aufgehoben. Es wird den Streikenden und Ausge­sperrten anheimgegeben, die Arbeit an diesem Tage aufzunehmcn. Wer ihr fern bleibt, soll auf 1 Jahr bei den Verbandsfirmen keine Arbeit erhalten. — In Pohlitz zerriß bei der Vorstellung einer Seil­tänzertruppe auf dem Schützenplatz ein 15 Meter hohes Turmseil. Der Seiltänzer stürzte auf den siebenjährigen Sohn des Bäckermeisters Hempel her­ab, der tödlich verletzt wurde. Der Künstler wurde schwer verletzt und starb bald darauf. — In Gotha gelang es dem Kriminalkommissar Gisohn mit Hilfe eines einzigen Knopfes die Personalien eines von auswärts zugeveisten Selbstmörders festzustellen, der jede Spur seiner Herkunft sorgfältig getilgt und sich fälschlich als „Wilke aus Berlin" in das Fremden­buch eines Hotels eingetragen hatte. Der Knopf lenkte die Nachforschungen in der Richtung nach dem Rheinland, und in der Person des Rechtsanwalts Dr. Adolf Ziehe aus Düsseldorf wurde jetzt der mysteriöse Fremde ermittelt.

O Schmalkalden, 16. Juni 1913. Im historischen Audienzsaals des städtischen Rathauses sand am Samstag der ordentliche Verbandstag des Verban­des der Baugenossenschaften von Hessen- N ass an und Süddeutschland statt. Vertre­ten waren 18 angeschlossene Vereine und Genossen­schaften, darunter auch der Bauverein für den Kreis Fulda. Die Verhandlungen erstreckten sich haupt­sächlich auf Fragen des Wohnungswesens. Verbands­direktor Dr. S ch r ö d e r-Kaflel wurde wieder zum Vorsitzenden gewählt. Die Einnahmen der Berbands- kasie betrugen im Jahre 1912 4213,86 Mk., die Aus­gaben 2802,14 Mk., somit verblieb ein Bestand von 1411,72 Mk. Der Haushaltsvoranschlag für 1914 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 2650 Mark festgesetzt. Die Genosienschaftsbeiträge für 1914 wurden auf dem bisherigen Satze belasten. Als Ort füc bett Verbandstag im Jahre 1914 wurde Dil­le < b u r g gewählt. Das Gesamwermögen der 33 Genossenschaften beträgt 6 816 000 Mk. Die 43 Mit­glieder haben 1563 Mietshäuser mit 6044 Mietern und 191 Erwerbshänsern mit 10 Mietern. _ Die Ge­samtzahl der Wohnungen in diesen 1754 Häusern be­trägt 6454. Der Herstellungswert der Häuser reprä­sentiert 31 500 000 Mk. Die Aktiven der Mitglieder betragen 35 443 000 Mk., die Passiven 2219 000 Mk.

Geschäftsguthaben, 4 659 000 Mk. Stammkapitalien, 1579 000 Mk. Reserven und 26 500 000 Mk. Hypo­thekenschulden und Spareinlagen. Der Reingewinn beträgt 327 000 Mk. Die Gesamtpassiven betragen 35 446 000 Mk. Die Landcsversicherungsstanstall hat 1912 für Arbeilerwohnnngen 17 245 000 Mk. Dar­lehen gegeben, an Verbandsmitglieder 12 Millionen, für Burgen 8 440 000 Mk., an Städte, Gemeinden, Darlehenskassen 6014 000 Mk. An einzelne Arbeiter wurden 3 862 000 Mk. geliehen. Von den 66 Millio- nen Gesamtvermögen der Landesversicherungsanstalt wurden 26 Proz. für Arbeiterwohnungen verliehen. In den 18 Jahren der Darlehenstätigkeit hat die An' statt noch keine Verluste gehabt.

Amt Geisa und Umgebung

* Geisa, 18. Juni 1913. Arn Montag besichtigt« der Hochwürdigste Herr Bischof von Fulda ba» Ueberschwemmungsgebiet und besuchte darauf dens Herrn Landdechanten Medler.

* Bacha, 18. Juni 1913. Zu dem bekanntlich vom 21—23. d M hier ftattfindenderr 12. Gauturrr- fest des Oberfulda-Werra-Gaues haben sich bereits über 500 Wetturner angemeldet. Für die drei Fest-, tage ist ein umfangreiches Programm aufgestellt. Als Festplatz ist der Bleichrasen an der Werra, auser- ehen.

Aus Gberhrffen u. den Hess. Ämtern.

* Marburg, 17. Juni 1913. Vor 14 Tagen kam eine dreiköpfige Familie nach hier und mietete eine leerstehende Villa in der Deutschhausstraße. Nach dem Preise wurde weiter nicht gefragt. Sofort wurden für 12000M1 Möbel, und was weiter noch im Haushalte fehlte, bestellt und alles prompt geliefert. So war die Villa bald ausgestattet. Bald fuhren Herren im Automobil vor. Damit der Betrieb nicht so auffiel, verreiste das Kleeblatt auf ein paar Tage. Inzwischen schöpften die vielen Lieferanten doch Ver- dacht und man benachrichtigte die Polizei. Sämtliche Türen waren verbarrikadiert. In der Haustür hatte man den Schlüssel inwendig stecken lassen und ein langes Brecheisen war vorgeschoben. Die Lieferanten bekamen die Sachen zurück; die vielen Eßwaren waren natürlich verdorben. Inzwischen tarnen auch die Be- sitzer von der Reise zurück und waren erstaunt, daß man so in .ihrer" Villa hauste. Die Polizei nahm das Kleeblatt sofort in Hast und nun stellte es sich heraus, daß .Er", „Sie" und die „Tochter" von Basel aus steckbrieflich verfolgt werden. Vater und Tochter wurden heute auf freien Fuß gesetzt, während die Mutter in Hast blieb.

• * Frankenberg, 18. Juni 1913. Die Stadtver­ordneten übernahmen von den Kosten der Feier des Regierungsjubiläums des Kaisers 100 Mk. als De- fizir auf tue Stadtkasse. Dem hiesigen Verkehrsverein wurden zu den Herstellungskosten eines vorzüglich ausgestalteten Führers durch Frankenberg 100 Mk. bewilligt. Zur Errichtung einer weiteren Jungvieh­weide tn Wemersdorf, neben dem vorhandenen städti­schen Besch, sollen anliegende Flächen zugekaust wer­den. Es'wurden 10 000 Mk. .bewilligt. Ferner wurde beschlossen, die hiesige Bezirkssparkasse in eine Kreissparkasse zu verwandeln.

Der Bornfatmsverei«, ein Apostolat der katholischen Liebe.

Rede des Hochw. Herrn Bischofs Adolf von Hildesheim auf der Generalversammlung des Bonifatmsvereins in Köln am 9. Juni 1913.

(Schluß) :

Das ist die Liebe aus dem Herzen Jes», das die schönste Frucht des Juni-Monats, in den der Opfer­tod unseres Apostels fällt. Das ist die rechte Mutter­liebe, die für das Kind am herzlichsten Opfer bringt, an dessen Bette sie die meisten Nächte durchwacht hat.

Höret eine kurze Stelle aus einem längeren Briefe, der aus der Diaspora meiner Diözese in der Pfingst- woche dieses Jahres mir geschrieben ist. Eine An­zahl Katholiken mit ihren Familien stellten mir vor, wie sie, um Sonntags eine einzig» hl. Messe hören zu können, zu Wagen und mit der Bahn von 6 Uhr früh bis nachmittags 2 Uhr gebrauchen; und so kön­nen sie, mit 60 anderen Personen draußen stehend, vor der Tür des überfüllten Kirchleins, von weitem der hl. Meße halbwegs folgen, um bann, häufig durchgefroren ober durchnäßt, am Nachmittage nach Hause zu kommen, wo sie bann wieder wochenlang ohne Gottesdienst sind; sie bitten dringend um perio­dischen Gottesdienst in ihrem eigenen Otte. Außer­dem bitten sie dringend, das Allerheiligste in einem ihrer Häuser aufbewahren zu dürfen, damit sie an denjenigen Sonntagen, wo sie nicht zur Kirche kom­men, doch in ihrer Stube vor dem Tabernakel Laien- gotte'sdienst halten können, und den Heiland immer bei sich wissen. .

Solche Bitten reden lauter als meine Worte. Noch lauter redet die Not der ungezählten Tausende, in bereit Herzen bieses Verlangen schon halb erstorben

Die zweite Frage ist: Wie sollen wirhel- fen? Welches sinb bie Grundzüge des Arbeits­planes? Wer soll Hülfe bringen? und wie?

Vor allem müssen wir in der Diaspora uns selbst helfen. Das tun wir, so scheint mir, nach bestem, Können. Die Katholiken der Diaspora bringen viel­mal mehr Opfer als bie Rechnungen des Bonifatius- Vereins ergeben. Es kann eben nicht alles burch die Rechnungen laufen; viele, viele Opfer Woche um Woche werben birekt ihrem Zwecke zugewenbet, ohne baß zahlenmäßige Buchung erfolgt. >

Auch bie Klagen über eine wilde Art von Bettelet treffen relativ boch nur sehr wenige Missionare, die im Uebereifet etwas ungeschickt Vorgehen; kommt em Fehlgriff vor, so ist ber zuständige Bischof für cme direkte Mitteilung dankbar; das hilft besser und takt­voller als lange Artikel, die sicher gut gemeint sind, aber doch leicht recht einseittge Vorstellungen erwecken.

Ich darf Wohl ein Gegenstück erzählen. Ich habe einen Pfarrer in unserer Diözese, der in sehr dis­kreter Weise ans Betteln ging, und nach wenigen Jahren in der Zeitung öffentlich dantte mit dem Hinzufügen: die nötigfte Hüffe zum Rohbau seines .Kirchleins sei nun geleistet, das übrige müsse seine Gemeinde selbst tun, und man möge ihm nichts weiter schicken, sondern jetzt an die viel ärmeren an­deren Diasporastellen denken.

Auch bie Bonisattusvereine der Diasporadiözesen tun wahrhaftig bas Menschenmögliche. Unb das ist bas beste Drittel, um an euren LiebeSeifer zu appel­lieren.

Wie könnt ihr uns helfen? Bor allem:

1. Durch öffentliches Bekenntnis zur Sach« des'hl. Bonifatius. Dazu dient der heutige Abend,