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2. Blatt.

Druck der znldaer Xdieniructtti in Sn Iba.

<r* Fuldaer Zeitung.

m yr.

Dienstag 17. 3nni 1915.

Lokales.

Fulda, 17. Juni 1913. Das Volksfest.

Wolkenloser Himmel! Hell erstrahlte die Sonne den ganzen Tag vom Himmel, ein leichtes Säuseln des Windes verhinderte, daß sie allzu aufdringlich wurde. Das rechte Wetter zu Feiern. Durch die mit buntflatterndem Fahnenschmuck belebten Straßen wallte schon in den Vormittagsstunden eine festnch gestimmte Menge, die in den Mittagsstunden noch znsehends wuchs. Aus dem ganzen Fuldaer Lande waren Schaulustige herbeigeströmt, um teilzunehmen an der Festesfreude. Und in der Tat dürfte das gestrige Volksfest als wohlgelungen bezeichnet werden. Gegen 3 Uhr kündeten Böllerschüsse an, daß sich der F e st z u g in Bewegung setzte. Er bot ein imposcm- tcs Bild, nicht allein wegen der stattlichen Anzahl der Teilnehmer, sondern hauptsächlich wegen seiner Viel­gestaltigkeit und der reizvollen Anordnung. Vorauf ritt ein Herold mit dem Banner in mittelalterlicher. Tracht. Ihm folgte zu Roß der Vorsitzende der Fest- zugskominission. Der eigentliche Festzug war in vier Haupttreffcn eingeteilt, an deren Spitze je ein Musik- und Tambour-Korps marschierte. Vor den einzelnen Vereinen und Korporationen wurden von in Berufs­tracht kostümierten Trägern Fahnen oder Vereins­embleme getragen. Von besonderem Reiz waren die im Zuge verteilten Festwagen und die Reitergruppe des Kriegervereins. Letztere stellte, in alten franzö­sischen Uniformen, den Durchzug der Franzosen durch Fulda aus dem Jahr 1813 dar. Der Gartenbau- verein hatte ein von Herrn Kunstgärtner Angeli mit rosenbesetzten Girlanden ausgestattetes Blumenauto gestellt. Auch die Festwagen fanden allgemeine Be­wunderung, sowohl der des Gesellenvereins, der die Huldigung an den Kaiser darstellte, wie auch die von beiden Turnvereinen und ihren Damenriegen gestell­ten Wagen. Am originellsten war jedoch der vom kath. Meister- und Männerverein gestellte Prunkwagen, die Weberzunft vor 100 Jahren darstellend. Der auf dem Wagen mitgeführte Webstuhl, der die Jahreszahl 1794 trägt, war aus der Werkstelle des Webermeisters Herrn Jakob Jahn (Horaserweg) und dieser Stuhl wird heute noch von ihm benutzt. Die Zunftlade (1698), die Zunftfahne mit den Bildnissen der Hl. Sturmius und Blasius, sowie der Zunftstab wurde dem städt. Museum entfliehen. Auch andere Grup­pen, wie die der buntunisormierten Bürgergarde, die von dem Fuldaer L ußballverein gestellt wurde, des Postuntcrbeamtenvereins und der weißgekleideten Turner boten ein reizvolles und abwechslungsreiches Bild. Als der Zug am Schloßgarten anlangte, hatte sich hier schon ein äußerst reges Treiben ent­wickelt, das sich jetzt zu einer fast beängstigenden Fülle steigerte. Auf dem Platz vor dem Stadtsaal und in den weiten Anlagen des Gartens schob und drängte sich eine vieltausendköpfige bunte Menge. Bei weitem nicht die Hälfte der Festteilnehmer fand Gelegenheit zum Sitzen. Nach einem Fanfarenmarsch der Ar- tillcriekapelle ergriff Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni das Wort zur Festrede. Er führte folgen­des aus:

Hochansehnliche Festversammlung!

Eine doppelte Veranlassung hat uns hier zu dieser Festfeier zusammengeführt. Sie gilt dem 25jährigen Regierungsjubiläum Sr. Majestät des Kaisers und der ernst freudigen Erinnerung der Befreiung Deutschlands vom französischen Joche. Napoleon, der korsische Em­porkömmling auf dem französischen Throne, hatte in raschem Kricgslaufe vor 100 Jahren fast ganz West­europa erobert und seinem Willen untertan gemacht. Die deutschen Rheinbundfürsten hatten sich ihm auf Gnade und Ungnade überliefert und kämpften an Napo­leons Seite gegen ihre deutschen Brüder. Das alte Kaisertum war in Folge der Niederlcgung der Kaiser, kröne durch Franz II. in den Staub gesunken. Preußen allein widerstand noch. Nach mehrfachem Schwanken und Zaudern stellte es sich im Jahre 1806 Napoleon entgegen; allein der alte Geist Friedrichs des Großen, der den preußischen Staat durch seine feste Disziplin groß gemacht hatte, war in dem alten Zopf und längst überlebten Exerzierreglement untergegangen und erstickt. So war cs denn kein Wunder, daß die überlegene Taktik Napoleons auch über Preußen den Sieg errang, es in den Schlachten bei Jena und Auerstädt völlig zu Boden warf und seiner besten Provinzen beraubte. Mit furcht­barer Schwere lastete jetzt erst recht die Faust des Tyran­nen auf dem zerschmetterten Deutschland, auf dem zer­rissenen und fast bis zur Vernichtung getroffenen Preu­ßen. Jede patriotische Regung wurde gänzlich unter­drückt und mutige Männer, die ihren Patriotismus offen zu zeigen wagten, auf Befehl Napoleons nieder- geschossen. Doch ans der Demütigung Preußens er­wuchs ein starker Geist. Die Knechtung diente dazu, die innere Kraft des Volkes zu stählen, wie der Hammer das Eisen härtet. Langsam aber immer stärker durch­zog das Sehnen nach Freiheit und der Drang, das fran­zösische Joch abzuschütteln, das ganze deutsche Volk. Aber es bedurfte noch lange des Wagemutes, der Kraft, der Einsicht und Ausdauer hervorragender Männer, um das Volk bereit und tüchtig zu machen, die Ketten der Knecht­schaft zu sprengen. Stein und Hardenberg schufen zu- nächst durch Abschaffung der Hörigkeit einen freien Bauernstand und durch die Einführung der Städteord­nung, welche den Städten die Selbstverwaltung sicherte, ein freies und zu jeder Aufopferung fähiges Bürgertum, während Scharnhorst und Gneisenau das Heerwesen völlig umgestalteten. So kamen die Jahre 1812 und 1813 heran. Napoleons Ehrgeiz und Eroberungssucht stachelten ihn an, auch Rußland zu unterjochen. Doch hier ereilte ihn fein Geschick. Mit einem gewaltigen Heere von 500 000 Mann war er bis Moskau vorge­drungen und mit kaum 100 000 fast verhungerter, halb erfrorener Soldaten kehrte er fluchtartig, hart bedrängt von den russischen Truppen, zurück. Hier über Fulda führte die Rückzugsstraße der großen Armee, und unsere Vorfahren haben den Jammer und das Elend, welches diese Katastrophe im Gefolge hatte, mit eigenen Augen gesehen. Wäre damals schon Deutschland einig gewesen, so wäre Napoleons Macht schon im Beginn des Jahres 1813 vernichtet gewesen; allein noch standen die meisten deutschen Fürsten unter dem faszinierenden Einfluß des gewaltigen Korsen, und so gelang es Napoleon, mit seiner geschlagenen Armee durch Deutschland hindurch Frank­reich zu erreichen und dort in kurzer Zeit ein neues großes Heer aufzustellen. Inzwischen hatte aber Preußen sich von' Napoleon losgesagt. Tapfere und patriotische Männer hatten zur Bildung freiwilliger Regimenter für den Kampf gegen Frankreich angeregt. Der begeisternde Aufruf des Königs von Preußen „An mein Volk" brachte bann die vaterländische Bewegung zur vollen Entwick­lung, so daß sie in heller Begeisterung die ganze Bevöl­kerung ergriff und aus einem unterdrückten Volke ein Volk von Helden machte. Doch schon rückte Napoleon mit seiner neuen Armee heran. Anfangs zwar ging ihm auch jetzt wieder der alte Glücksstern wieder auf und er errang mehrere Siege über die verbündeten Preußen und Russen; allein dann wandte sich das Kriegsgluck. Die Verbündeten, zu denen inzwischen auch noch Oester­reich gekommen war siegten innerhalb kurzer Zeit in 6 Schlachten sind zwangen Napoleon zur entscheidenden Schlacht bei Leipzig. Drei Tage lang wogte hier der mörderische Kamps, bis aus blutigem Kampf und Todes­nacht leuchtend der junge Tag des neuen Deutschland emporstieg. Deutschland war frei! Zum zweiten Male flüchtete Napoleon mit den Trümmern seines Heeres über den Rhein. Hierbei war es, daß Napoleon 10 Tage nach der Schlacht bei Leipzig, am 28. Oktober 1813. zum

letzten Male unsere Stadt durchritt. Schwere Zeiten folgten noch für unsere Stadt, die stark unter der ab- ziehenden geschlagenen Armee und später unter dem Durchzuge der siegreichen Truppen, besonders der rus­sischen Kosacken, zu leiden hatte. In jubelnder Begei­sterung hoffte nun das Volk, daß jetzt auch die Einigung des zersplitterten Deutschland erfolgen würde. Allein die Diplomaten machten diese Hoffnung zu Schanden. Erst nach mehr als 50 Jahren wurde dieses tiefste und innigste Sehnen der deutschen Nation gestillt, als wieder aus dem blutigen Ringen gegen den französischen Erb­feind der deutsche Kaiseraar sich neu erhob und der freu­dige Entschluß der deutschen Fürsten das neue deutsche Kaisertum brachte. Mit dem Kriegslorbeer geschmückt, bestieg Kaiser Wilhelm I. den Kaiserthron. Jahre fried­licher Entwickelung führten unter seiner Leitung Deutschland empor zu glänzender äußerer Machtstellung und innerer Stärkung. Da kam das Jahr 1888. Zwei Kaiser sah c3 ins Grab sinken: Wilhelm I. den Sieg­reichen und kaum 3 Monate später, gestern vor 25 Jah­ren, seinen einst so reckenhaften Sohn Friedrich III. So war es eine Zeit tiefer schmerzlicher Trauer, als Wilhelm II. vor 25 Jahren den Kaiserthron bestieg. Und in daZ Gefühl der Trauer mischte sich noch die bange Be­sorgnis für die Zukunft. Würde der erst 29jährige Kai- fer es verstehen, das ruhmgekrönte Erbe seines Groß­vaters und Vaters recht zu verwalten? Würde er nicht mit dem Feuer jugendlicher Begeisterung das Reich in kriegerische Unternehmungen stürzen. Doch Wilhelm II. ist durch eine Schule des Leidens und des Kreuzes ge­gangen, er hat am Sterbebette seines Großvaters ge­standen, er hat seinen heldenmütigen Vater in der besten Manneskraft dahinsiechen und sterben sehen und hatte diese ernste Gottesmahnung in seinem Leben wohlver­standen und daraus die tiefe Bedeutung der Pflichten seines verantwortungsvollen Amtes erfaßt. Alle Bangig­keit verschwand jedoch, als er am 18. Juni 1888 sein Re­gierungsprogramm dem Volke kundgab. Es waren darin seine festen Grundsätze, unverrückbare Richtlinien für fein ferneres Tun und Handeln festgelegt. Frömmig­keit und Gottesfurcht zu pflegen gelobte er an erster Stelle und tatsächlich stellte er sein Leben und Handeln auf die Grundlagen der Religion. Von diesem Bestre­ben getragen wendet der Kaiser allen Konfessionen sein gleiches Wohlwollen und seine gleiche Fürsorge zu, und besonders die Missionen in fremden Erdteilen haben sich seines steten Schutzes und seiner besonderen Fürsorge zu erfreuen. Die Wohlfahrt des Landes wollte er fördern und den Armen und Bedrängten ein Helfer sein. Für- wahr ein hohes Kaiserwort, das eine Unsumme von Mühe und Arbeit umfaßt. Und der Kaiser ist ihm treu geblieben. Die Fortführung der von seinem Großvater begonnenen Arbeiterschutzgesetzgebung ist sein eigenstes Werk. Wir alle wissen es, welche Fülle sozialer Gesetze in den letzten 25 Jahren auf dem Gebiete der Arbeiter­versicherung, des Arbeitsschutzes, der Angestelltenver­sicherung rc. ergangen ist und daß wir auf dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung allen Nationen der Welt zum Muster geworden sind. Daneben hat der Kaiser aber auch den wirtschaftlichen Schutz für die Landwirtschaft und das Gewerbe gestellt, wie er denn überhaupt alle Stände seines Reiches mit gleicher Aufmerksamkeit und Sorge umfaßt. Alle diese Bestrebungen sind aber nur durchführbar auf der Grundlage des Friedens. Die blu­tige Lehre einer schrecklichen Zeit hat auch unser Kaiser nicht vergessen. Er weiß, daß nur der sicher vor seinen Feinden ist, der sich ihrer zu erwehren weiß und daß ein starkes Heer die beste Schutzversicherung für den Frieden ist. Er hat deshalb unablässig an der Schaffung einer starken Flotte und an der Fortbildung des Landheeres gearbeitet und uns so seit 25 Jahren den Frieden erhal­ten. Zwar sind es schwere Opfer an Geld und Gut, die hierdurch dem deutschen Volke auferlegt werden, allein sie wiegen nicht so schwer als ein Krieg, der zu unseren ungunften verläuft. Von Herzen müssen wir deshalb dem Kaiser dankbar sein, daß er nicht nach dem Lorbeer des Krieges strebt, sondern sich mit der Palme des Friedens begnügt. 25 Jahre sind so dem Kaiser in steter Sorge für fein Reich und sein Volk dahingegangen. Er hat gehalten, was er bei seinem Regierungsantritt versprochen hat, er hat sein Volk in sriedlichre Entwick­lung auf der von seinen Vorfahren ihm gewiesenen Bahn vorwärts geführt, er bat Handel und Gewerbe zu vorher nicht geahnter Höhe und Blüte geführt, er hat die materielle und nwralische Sage der arbeitenden Bevölke­rung gehoben, seine Wehrkraft gestärkt und ihm da­durch den ersten Platz int Rate der Völker errungen. Mit freudigem Stolze können wir deshalb zu unserem Kaiser aufblicken und ihm an seinem Jubelfeste mit un­seren herzlichsten Glückwünschen auch unfern Dank für sein bisheriges Wirken zu Füßen legen, indem wir ge­loben, nach seinem Vorbild in uns zu pflegen und zu exhalten den Geist der Gottesfurcht, der Königstreue, der Vaterlandsliebe, des Gemeinsinnes und der Opfer­freudigkeit. Möge er noch lange das deutsche Reich in Frieden und Eintracht regieren, möge des Himmels Segen bei ihm sein immerdar! Wir aber wollen Treue mit Treue vergelten und fest zu ihm stehen in guten und bösen Tagen. Zum Gelöbnis dessen bitte ich Sie, mit mir einzustimmen in den brausenden Ruf: Sc. Maje­stät, unser allergnädigster Kaiser und König Wilhelm II., lebe hoch!

Nachdem sodann die Kaiserhymne verklungen war, empfahl der Herr Oberbürgermeister unter be­geisterter Zustimmung der Menge, folgendes Tele­gramm an d en K aiser zu senden:

An Se. Majestät, den Kaiser, Berlin!

Die zur Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums Ew. Majestät versammelte Bürgerschaft der Stadt Fulda legt Ew. Majestät mit den herzlichsten Glückwünschen das Gelöbnis unwandelbarer Treue und Ergebenheit zu Füßen.

Der weitere Verlaus des Festes war in allen Tei­len sehr zufriedenstellend. Ter Gesangverein Win- fridia und die Gesangsabteilung des Ev. Arbeiterver­eins warteten mit mehreren patriotischen Liedern auf, wahrend zwei Musikkapellen um die Wette konzertier­ten.

Reges Interesse sanden auch die Vorführun­gen unserer Sportvereine. Kurz nach der Fest­rede des Herrn Oberbürgermeisters hatten 24 Turner der Turngemeinde auf dem Rasen des Rondells einen schönen Fahnenreigen ausgeführt. Diesem folgte eine Reckriege der besten Turner beider Turnvereine, die mit allgemeinem Beisall ausgenommen wurden. Eine Musterriege des Kraftsportklubs Germania mit Aufmarsch und Gewichtsübungen zeigte eine gute Schulung und disziplinierte Zusammenstellung. Für die Bedürfnisse des Magens war in verschiedenen Ständen gesorgt. So entwickelte sich ein angeregtes mnteres Treiben, an dem Alt und Jung seine Freude haben konnte. Und als dann das Menddunkel sich über den Festplatz breitete, erstrahlten von den Fassaden des Schlosses und Stadtsaales, von den Brüstungen der Schloßgartenmauern und von den Einsassnngen der Blumenbeete Tausende farbiger Lampions und breiteten ihre magischen Scheine über die sich stets noch mehrende Menge der Festteil­nehmer und über das Grün der Bäume. Nun trat der Turn- und Fechtklub wieder auf den Plan und stellte ein-, zwei und dreileiterige Pyramiden, die in der exakten Darstellung trefflich wirkten.

In der Folgert strömten weitere Scharen schau­lustiger Festgäste in den Schloßgarten. Ganz Fulda war auf den Beinen. Auf den Terrassen stand alles Kopf an Kopf, auf dem Rondell ein Wogen und Trei­ben, das es bis in den fpäten Abendstunden den Sportvereinen unmöglich machte, ein Plätzchen für ihre Ausführungen zu finden. Erft gegen I/2IO Uhr konnten die Jugendvereine auftreten. Unter klin­gendem Spiel zogen etwa 300 Jünglium» mit ',jun=

Pions aus dem hinteren Teile des Schloßgartens nach dem Rondell, wo sie wegen des fürchterlichen An­dranges nur mit großer Mühe die Formen des Eiser­nen Kreuzes und des Namenszuges des Kaisers bil­deten, währenddessen die Musik nationale Lieder spielte. Die letzte Aufführung, elektrisches Keulen­schwingen, wurde von der Turngemeinde aus der Empore zum Schlosse gegeben. Sie bildete in ihrer Farbenpracht und Durchführung einen schönen Ab­schluß der sportlichen Veranstaltungen. Es ver­dient lobende Anerkennung, daß Herr Fabrikant Eickenscheidt in Firma Franz Emil Berta sämtliche Beleuchtungsgegenstände der Stadt kostenlos über- lasien hat.

Lange noch hielt sich das Treiben in der lauwar­men Abendluft hoch, und die Mitternacht rückte näher schon, als sich der Schwarm allmählich verlief.

# Verliehen wurde anläßlich des Kaiserjubiläums der Rote Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife: Dr. Gebefchus, Oberbürgermeister in Hanau, K u b a l e Oberstleutnant a. D., Stadtverordneter in Erfurt, Rouge, Geh. Oberpostrat Oberpostdirektor in Erfurt; der Rote Adlerorden vierter Klasse: Dr. B 0 n h 0 f f, ord. Professor an der Universität in Marburg, Delgmann, Rechnungsrat, Regic- rungshaichtkassenkassierer in Kassel, Ehrenberg, Rentner in Kaffel, von Eschwege, Regierungsrat in Kassel, G 0 e tz e, Anstaltsgeistlicher beim Strafgefängnis in Frankfurt a. M.-Preungesheim, Halbleib, "Kreisdeputierter, Rentner in Fulda, von Holtzendorff, Regierungsrat in Kassel, Klingenbiel, Landgerichtsrat in Marburg, Kugler, Kaufmann in Frankfurt a. M., von L e n tz e, Oberregierungsrat, Direktor des Oberver­sicherungsamts in Kassel, Lrndheimer, Albert, Großkaüfmann in Frankfurt a. M., Müller L, Ludwig, Rechnungsrat, Eisenbahnobersekretär in Of­fenbach, Nebel, Professor an der Kunstgewerbe- schule in Frankfurt a. M., Sartorius, Rentner in Marburg, Schütze, Regierungsrat in Kassel, Frhr. von Tettau, Regierungsrat in Kassel; der Stern zum Kronenorden zweiter Klasse: R i e d e s e l, Frhr. zu E i s e n b a ch, Kammerherr, Landeshaupt­mann der Provinz Hessen-Nassau in Kassel; der Kronenorden dritter Klasse: v. Arnim, Major a. D. in Kassel, F ö r st e r Vermessungsinspektor bei der Generalkommission in Kassel, Graf von der Schu­lenburg-Angern, Regierungs- und Forstrat in Kassel; der Kronenorden vierter Klasse: B r a n d a u, Eisenbahnwerkmeister in Frankfurt a. M., Kohl­hepp, Landwirt in Schwarzenfels, Kr. Schlüchtern, Berges, Bahnhofsvorsteher in Carlshafen; das Verdienstkreuz in Gold: Böttcher, charakterisierter Postsekretär in Gudensberg, B 0 m k e, Eisenbahnbe­triebssekretär in Frankfurt a. M., Henning, Hege­meister in Forsthaus Theehütte, Kr. Frankenberg, Kind, Vermessungsassistent bei der Generalkommis- sion in Kassel, Küthe, Bürgermeister in Hemnig- hausen, Kr. Frankenberg, Müller, Herm., techn. Oberbahnassistent in Kassel, Theiß, techn. Eisen- bahnbetriebssekreär in Kassel, Voigt, Oberbahn- assistent und W ä h n e r, Eisenbahnbetriebssekretär in Frankfurt a. M., Witzel, Bürgermeister in Hof­aschenbach, Kreis Hünfeld; das Verdienstkreuz in Silber: Döring, Eisenbahnzugführer in Frankfurt a. M., G l u t h, 'Eisenbahnzugführer in Frankfurt a. M. H a a r b e r g, Kanzleisekretär Regierungskanz­list in Kassel, Nötiger, Eisenbahnzugführer in Kassel, Trümper, Gendarmerieoberwachtmeister in Fulda, W e r n e ck e, ' Eisenbahnzugführer in Bebra, Kr. Rotenburg; das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens: M ö l l e IL, Bürgermeister in Meck­bach, Kr.'Hersfeld, P e l z e r Fußgendarmeriewacht- mcifter in Hanau, Stein häußer, Jntendantur- bureaudiener in Kassel, Witzel, Gendarmerieober­wachtmeister in Hanau; das Allgemeine Ehrenzei­chen: Eckhardt, Eisenbahnunterassistent in Mar­burg, Greger, Strafanstaltsaufseher in Ziegen­hain, Hörner, Bürgermeister in Schorbach, Kreis Ziegenhain, Hohmann, Bürgermeister in Bronnzell, Kr. Fulda, Michel, Bürgermeister in Untersotzbach, Kr. Gelnhausen, Roden h a u s c r, Eisenbahnwagenmeister in Frankfurt a. M., R c u - ter, Vizefeldwebel und Kasinorechner in Gießen (aus Fulda):' das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze: Balzer, Holzhauer in Giesel, Kr. Fulda.

* Personalien. Landmesser Aloys Jestädt in Fulda wurde vom 1. Juli d. Js. ab der König!. General-Kommission in Düsseldorf überwiesen. — Frhr. v. Schesf e r«B 0 y a d e l, General der Infanterie und kommandierender General des 11. Armeekorps wurde ä la suite des Kaiser Alexander-Garde-Grenadier- Regiments Nr. 1 gestellt. — In den erblichen Adel- stand sind erhoben worden: der Kommandeur der 22. Division Generalleutnant Liman und der Kom­mandeur der 2. Artillerie-Brigade, Generalmajor Kluge — Den Charakter als Generalmajor hat erhalten: Oberst z. D. Feldt-Cassel. — Den Charakter als Major hat erhalten: Hauptmann v. Buttlar-Hanau. — Den Roten Adler-Orden 4. Klasse erhielt der katholische Divisionspfarrer in der 22. Division, Pfarrer Wagner.

Sä Vom Bahnhofsumbau. Seit gestern ist der Verkehr über die massive Brücke über die Eisenbahn im Zuge des Landweges von hier nach Künzell nicht mehr gestattet. Der Verkehr geht jetzt über die daneben angelegte hölzerne Notbrücke, die ober Fuhrwerke mit einem höheren Gewicht als 20C0 Kilogramm nicht passieren dürfen.

§ Submiffionsbliiten traten bei der Oeffnung der Angebote für den Leim- und Oelfarbenanstrich für die hiesigen Volksschulen zutage. Für den Leimfarben­anstrich in der Stadtschule betrug die höchste Forderung (Georg Döring) 1020 Mark, die niedrigste (Gustav Henninger) 540 Mark; für Oel« und Lackfarbenan- strich in der Stadtschule verlangten: Rudolf Faulstich al? Mindestfordernder 1062 Mark und Karl Schäfer 1934 Mark als Höchstfordernder. Für den Leim- und Oelfarbenanstrich in der evangelischen Volksschule stellt sich die Höchstforderung (Georg Dö'.inp) auf 412 Mark, die Mindestsorderung (Georg Leise) auf 255 Mark. Für die Hinterburger Schule verlangten für Leim- und Oelfarbenanstrich Wilhelm Wehner 100 Mark und Georg Döring 210 Mark.

♦ Unterstützungen für militärische Dienstleistungen. Da in viesem Jahre größere Einberufungen zur Ab­leistung militärischer Hebungen erfolgen, sei auf die zu gewährenden Familienunterstützungen hierd ird) hingewiesen. Die Familienunterstützung ist zuständig für jeden verheirateten Hebungspflichtigen, der kein Beamter im Sinne des Gesetzes ist. Sie wird ge­währt für die Ehefrau und die ehelichen Kinder und zwar beträgt sie für die Ehefrau 30 Prozent und für jedes Kind 10 Prozent des ortsüblichen Tagelohnes.

Au§ dem Nachbargebiete.

h. Hanau, 16.Juni 1913. Im nahenOrteM«.- föbel beging gestern und heute die Bürgerschaft die hundertste Wiederkehr des Tages, an dem das Bür­germeisteramt in den Besitz der Familie Stroh überging. An der Feier nahmen zahlreiche Vertreter, der verschiedenen staatlichen Behörden teil. Dem gegen­wärtigen Bürgermeister aus der Familie Stroh wur­den ungezählte Aufmerksamkeiten zuteil.

ch. Frankfurt, 15. Juni 1913. Bei einer Be­teiligung von etwa 1800 Abgeordneten aus dem Reich nahm gestern der 13. deutsch-nationale Handlungsgehilsentag seinen Anfang. Der Verbandsvorsitzende B e ch l e Y-Hamburg bot in fei­ner Eröffnungsansprache eine Hebersicht über die wirtschaftliche Entwickelung des Reiches, wobei er Gelegenheit nahm, dem Hansabund wegen seiner schwankenden politischen Tendenz eine scharfgchaltene Absage zu erteilen. Bei den Begrüßungsansprachen der Gäste ivandte sich u. a. Pfarrer Werne r-Frcmk-' furt gegen die Hebergriffe der modernen Frauenbe­wegung. Dem Kaiser wurde ein Huldiguugstele- gramm überlandt. Nach einer sozialpolitischen Rund­schau über die Jahre 1911 und 1912 sanden mehrere Vorträge statt. An diese schlossen sich längere Aus­sprachen. Abends bot die Frankfurter Ortsgruppe den auswärtigen Gästen eine glänzende Begrüßungs- feier. Der heutige zweite Verhandlungstag wies eine Beteiligung von etwa 2000 Personen auf. Reichs- tagsabgeordueter Dr. Werne r-Gietzen überbrachte die Grüße zahlreicher befreundete Abgeordneten, wo­bei er sich in bemerkenswerten Ausführungen über die künftige Bedeutung des Deutschnationalen Hand-, lungsgehilseuverbandes in seinem Kampf gegen die unterwühlende Arbeit internationaler Kräfte und einer gewissen Presse am Fundament des Reiches auslicß. Sodann folgten Vorträge. Am Nachmittag fand ein Festessen statt, dem abends im Saalbau ein Festkommers und die Aufführung eines patriotischen Festspiels folgten.

st. Höchst a. M., 16. Ium 1913. Aus Anlaß des Regierungsjubiläums haben die Familien der Gründer der Höchster Farbwerke dem schon bestehenden Grundkapital von 50000 Mark zur Bekämpfung der Tuberkulose im Kreise Höchst eine abermalige (Stiftung von 50000 Mark hinzugefügt.

* Kaffel, 14. Juni 1913. Als gestern abend im Fuldahafen der zirka 250 Tonnen fassende Schlepp­kahn .Minden 13" damit beschäftigt war, loses Kali als Talsracht einzuladen und schon ungefähr 2000 Zentner eingeladen hatte, wurde das Schiff plötzlich leck und aus dem Boden schoß ein gewaltiger Wasserstrahl in die Höhe, so daß die im Schiffe weilenden Leute Mühe hatten, ungefährdet den Schiffsraum zu verlassen. Der Güterdampfer „Vlotho" und ein anderer Schleppkahn schleppten das sinkende Schiff auf eine seichte Stelle. Die Ladung im Werte von mehreren Tausend Mark gilt als verloren. — Unter lebhafter Beteiligung eröffnete heute nachmittag Galeriedirektor Dr. Gronau die deutsche Kunst­ausstellung in der Orangerie. —Wegen Kündigung dreier Arbeiter legte heute ein Teil der Arbeiter der hessischen und Herkules-Bierbrauerei A.-G.dieAr b eil nieder.

Amt Geisa und Umgebung

♦ Tiefenort, 16. Juni 1913 Gestern feierte der Gesangverein „S ä n g e r k r a n z" im benachbarten Leimbach die Feier seines 50jährigen Bestehens, an der die Gesangvereine aus der Umgebung teilnahmen. Nach einem Umzug durchs Dorf fand eine Volksfeier statt, die auch dem Regierungsjubiläum des Kaisers galt. Bei den Ausschachtungsarbeiten für das neue Schulgebäude sind mehrfach einzelne Knochen von menschlichen Skeletten gefunden worden, die anschei­nend schon mehrere Jahrhunderte im Erdboden ge­legen haben.

* Frauensee, 15. Juni 1913. Hier wurde auf dem Ackergrundstück der Witwe Sinn ein interessan­ter Münzenfund gemacht. Beim Eggen ent­deckte man zwei weit über die Größe eines Talers hinousgchende Silbermünzen, die wahrscheinlich aus der Zeit des 30jährigen resp. 7jährigen Krieoes stam­men, -

Mus Sb«rh«ff<n tt. den Hess. Aemtern.

* Frankenbera, 16. Juni 1913. Bekanntlich beab­sichtigt die hiesige Stadtverwaltung die Errichtung einer neuen Weide für Jungvieh in Wermers- dorf. Dem daselbst gelegenen größeren städtischen Be­sitztum wurden noch anliegende Flächen hinzugekauft. Einen dazu nötigen Betrag von 10 000 Mk. bewil­ligten die Stadtverordneten unter der Bedingung, daß bei künftigen Ankäufen die Genehmigung der Stadt­verordnetenversammlung vorher einzuholen oder aus­zubedingen sei.

# Schwarzenborn (Kr. Ziegenhain), 15. Juni 1913. Das 60- Acker große Gut des Landwirts Beye- bach auf Hof Richbcrg ist vor kurzem durch Kauf für 23 000 Mk. in den Besitz des Majors v. Dithfurt in Hannover übergegangen, der es von Heinrich Välger verwalten läßt? B. hat sich in der Gegend von Wi, nenhausen neu angekaust.

st! Emsdorf, Kr. Kirchhain, 15. Juni 1913. Heute wurde hier eine Lourd«s-Statue, die vor der Kirche in einer kunstvoll aufgebauten Grotte enichtcl ist, feierlich eingeweiht. Nach der Festpredigt im Freien sprach Herr Kaplan Zimmer von Erfurts, häufen über die Eindrücke seiner zweimaligen Lourdes- Pilgerfahrt und wußte durch seine anschaulichen, bewegten Schilderungen seine Landsleute zu inniger Liebe zur Gottesmutter zu cmflammen. Nachden auch noch eine neue St. Antonius-Statue die kirchliche Weihe erhalten hatte, wurde die eindrucksvolle Feier durch eine sakramentale Andacht erschlossen.

# Treysa, 15. Juni 1913. Von einem Lastauto überfahren wurde gestern früh der Schuhmacher I. Lipfert dahier, als er sich zu seiner Arbeitsstätte in Hephata begeben wollte. Er war auf der Stelle t 01 Er hinterläßt eilte Witwe mit mehreren Kindern.

ss Breitenbach a. H., 16. Juni 1913. Das art Sonntag vom Knüllklub auf Schloß Herzbere veranstaltete und von Mitgliedern der Kapelle des 47 Artillerie-Regiments in Fulda ausgeführte Konzer auf Schloß Herzberg übte eine große Anziehungskraft aus. Wohl mehr als 1000 Personen waren hinausge; zogen und erfreuten sich, viele nach langer Wände, rung durch unsere in Sommerpracht stehenden Wäl­der, an dem eindrucksvollen Bauwerk längst oergan- gener Zeiten und an dem herrlichen Blick, der weit hinaus in's Land aus den Fensteröffnungen der alten Mauern sich bietet, sowie auch nicht zum wenigsten an den herrlichen Klängen der Musik, die den weiten Burghof durchfluteten. In den Pausen erklang manch Lied und Lautenspiel fröhlicher Wandersleute. 9iut allzu schnell schwanden in sröhlichem Treiben die