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Fuldaer Zeitung

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Monats-Veilage:

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a Eiebunesliften 6er preußisch-siiddeinschm Kloffen-totterie. — haidjährlich Taschenfahrpion, a

40. Jahrgang

Montag den 16, Juni 1913

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Am DienZtag beginnt die Beratung über die Besitz« steuer. - ' .....

über die Abmessung der neuen Heeresverstär- kung: die Neuwahlen zeigten wieder den opferteilli- gen Zug in der Volksseele. Seitdem sind die Wehr­machts-Vorlagen von allen Seiten rein sachlich be­handelt worden, ohne Hintergedanken und Neben, zweck, und infolgedessen wurde jedesmal eine positive Verständigung auf friedlichem Wege erzielt.

Die Finanzreform im Jähre 1909 ging frei!», nicht so friedlich ab; doch lag die Schuld an dem blockpolitischen Getriebe, in das sich B ü l o w verstrickt hatte. Unter den Nachwehen dieser Verirrung hatten wir noch bis jetzt zu leiden; die U e b e r w i n d n n g scheint aber bevorzustehen. Wenn die Sammlung der positiven Fraktionen gelingt, so wird die Opfer­willigkeit des Volkes sich wieder auf das glänzendste bekunden.

Zu der Opferwilligkeit kommt die Treue deS Volkes. Von der Entlassung Bismarcks an bis zu der Krisis vom sstovernber 1909, hat es wahr­lich nicht gefehlt an Agitationen, Mitzverständnissen und störenden Zwischenfällen, welche sich zwischen Volksrat und Krone drängen wollten. Aber der mo­narchische Sinn ist doch oben geblieben. Der Jubilar kann wahrlich zufrieden sein mit der Treue und Opfcrwilligkeit des Volkes.

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Erscheint »glich mit Ausnahme oer Sonn* unO Scterioge. Gierte), jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn uni Bestellgeld kn Suita sowie auswärts 1.50 Mark. Rotationsdruck und Oerlag der 5 8 Zuldaer fltfienbrudterti in Suita Zemlprecher Nr. 9. : :

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Illustrierte Sonntagszeitung

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ungarische Bolsckaster der preußische und der bayertlche Geiandte, dte Kardinale Rierry del Bal, Ra poUa, iBannutr'b, Lorenielli, Bisletli, Bico und andere .eilt» liehe Dcntiäget sowie Veiireter der deut chen Orden-g.se itchafien und hervorragende Periönltchieuen der deulichen Kolonie bei. Beionders herzlich tomml die Anteilnahme an dem deuticken Juoeliage in Oesterreich und Italien zum ..usvruck. In Wien vor allem widmen Dte Blätter dem Sailer warm« heuige (Stück- und Segen-w inicke. Aus Waihmgton telegraphierte Piäsidenl Wilson die herzlichiten Glückwünsche der Regierung und des tolles der Veie.niglen Staaten. — Bei der Feier ui Rew- Aork wurde dem Botschafter ein Fonds m Höhe von 45000 LollaiS für bat oeutlche Hoipllal überreitt.

Der Kartellverband kath. Arbeitervereine Deutsch­lands läßt heute dem Kaiser eine Adresse überreichen, in der die Glückwünsche der kath. Arbeitervereinsmit- glicder Sr. Majestät dargebracht teeren. Der Wort­laut der Adresse ist folgender:

Ew. Kaiserlichen Königlichen Majestät nahen sich die Vertreter Don " 304 000 katholischen Arbeitern, um zu Allerhöchst Ihrem 20jährigen RegierungL,ubiläum die ehrerbietigsten Glückwünsche darzubringcn. 25 Jahre hindurch sind Ew. Majestät dem Dei chen Reiche ein Friedensherrscher gewesen, bedacht auf des Volkes gei­stige und leibliche Wohlfahrt, auf seine Stärkung nach innen, feinen Schutz nach außen. Ew. Majestät waren ein Schirmherr christlichen Glaubens und christlicher Sitte, des kostbaren Erbes unserer Väter, ein wohlwol- lenber und gerechter Fürst auch dem katholischen Teil des deutschen Volkes. Ew. Majestät danken wir als Vertreter zahlreicher Industriearbeiter ob der Väter- lichen Fürsorge für das Wohl der arbeitenden Stände: Unter Ew. Majestät Regierung hat insbesondere das Wert der sozialen Gesetzgebung, der Arbeiterversiche- rung wie auch deS Arbeiterschutzes Fortführung und Vervollkommnung erfahren. Möge Gott der Herr Ew. Majestät dem Vaterlande noch recht lange erhalten, zu dem hohen Amte die Kraft seines Segens fügen, auf daß das Deutsche Reich unter Ew. Majestät Zepter zu immer größerer Blüte geführt werde, treu behütet vor allen Gefahren. Mit diesen Wünschen senden wir heute unser Gebet für Ew. Majestät zum Allmächtigen.

S. Die AsmmMo«Sberat«»g über die Aenderungen im Finanzwesen.

Die Budgetkommission setzte am SamStag die De- batte über die §§ 4—6 des Gesetzentwurfes betr. Aen­derungen im Finanzwesen fort. V°m Zentrum wurde Bt große Gefährdung des ganzen wirtschaftlichen Lebens

den ersten Tagen der Mobilmachung, insbesondere r Großstädte in bezug auf die Ernährung, betont und Mit gründlichen Vorsorge für alle Falle eine Verhand­lung der Kommission mit Regierungsvertretern und Vertretern der Landwirtschaft empfohlen. Auch von nationalliberaler Seite wurde eine vertrauliche Bespre- chung über alle diese Dinge im Herbste dieses Jahres für zweckmäßig gehalten. Die Verwendung deS Silbei> fchatzes für den MobilmachungSsall in Natura sei das allein Richtige, denn in kritischen Zeiten könne dm Reichsbank leicht von Silberzahlungsmitteln entblößt werden. Die Abstimmung ergibt die Ablehnung deS volksparteilichen Antrages, wonach der Diwertchatz in Friedenszeiten nicht verwendet werden soll. Ange­nommen wird mit großer Mehrheit der ZentrnmSan- trag, der bestimmt, daß die vom Reichskanzler zur Be­friedigung eines außerordentlichen Bedarfes zu treften- den oder getroffenen Maßnahmen, abgesehen vom Falle der Mobilmachung, dem.Reichstag mitzuteilen und we­bet außer Kraft -u setzen find, veim der ReichStaa kes

J? Das Volk in den 25 Jahren.

In dem Liede „Heil dir an S'egerkranz" steh: auch der Vers von der „Liebe des freien Mannes". Der Volks W ille und die V olks kraf: sind die Turbinen für das Staatsschiff, das d r ^Monarch lenkt. In dem verständigen und treuen Zusrrnmen- wirken von Krone und Volk wurzelt der Erfolg.

Wenn in den Festreden und Festartikeln die Tä­tigkeit des Monarchen beleuchtet wird, so ist auch ein 'Bnck auf däs Wollen und Handeln des Volkes am Platze. Hat das deutsche Bürgertum im verflossenen Vierteljahrhundert seine Pflicht getan?

Angesichts der 110 sozialdemokratischen Reichs- tagsmandate kann man leicht Zweifel und Besorgnisse erwecken. Doch ist zu beachten, daß wir im deut­schen Reiche das „demokratischste" von allen Wahl­rechten haben und daß bei den letzten Reichstagswah­len besondere Irrungen und Wirrungen auf bürger­licher Seite den fozialdemokratischen Agitatoren zu Hilfe gekommen sind.

Und trotzalledem ist doch die Bewilligung der ge­waltigen Heeresverstärkung durch die frei gewählte Volksvertretung vollständig gesichert, die Beschaffung der Milliarden-Kosten so gut wie gesichert. Das ist ein Festgeschenl von unübertrefflichem Werte, und fo wird zum Jubiläum das Siegel gesetzt auf die erfreu­liche Tatsache, die sich in den ganzen 25 Jahren er­wiesen hat: das Volk in seiner Mehrheit hat Ver­ständnis und Opferwilligkeit.

Als tm Jahre 1888 der Kaiser zur Regierung kam, war auch soeben eine Heeresverstärkung und Steuererhöhung durchgeführt worden. Im Jahre 1893 gab es wieder eine neue Belastung. Tann ka­men noch am Schluß des Jahrhunderts die zwei gro­ßen Flotteugcsetze. Auch im neuen Jahrhundert mußte der Reichstag in Wehr- und Steuergefetzen viele und schwere Arbeit leisten. Er tat es in rich­tiger Erkenntnis der Notwendigkeit dieser Opfer für die Erhaltung des FrickenS und der Sicherheit deS Vaterlandes. Gerade im Jubeljahr ist ein außeror­dentlich schweres Stück dieser fortlaufenden Aufgabe zu bewältigen. Aber hat das die Festftimmuna ge­stört? Oder dürfen wir nicht vielmehr tagen, daß sich Opferjahr und F e st j a h r harmonisch vereinen und das Nationalgefühl der Staatsbürger erfrischt und gehoben wird? , , .

Die Lasten wachsen, aber auch die Einsicht und Tatkraft des Volkes wächst. Die Vorbedin­gung für die finanzielle Tatkraft ist freilich der Auf­schwung des Erwerbslebens, und in dieser Hinsicht kann man mit Genugtuung feststellen, daß unter dem Schutzzollsystem, an dessen Begründung tm Jahre 1879 das Zentrum entscheidend mitgewirtt hat, der Handel und Wandel, das Arbeitseinkommen und der Wohlstand andauernd gestiegen sind. Statt der „Verelendung" der Massen, welche das sozialde­mokratische Programm prophezeit hatte, sehen wir eine H e b u n g der Lebensführung auch bei den Mas- fen. Das Volk k a n n die Lasten tragen, die ihm das Staatswohl auferlegt, und es will sie auch tragen, wie das Verhalten seiner Vertretung zeigt.

Früher hat es gelegentlich Krisen gegeben wegen Militär- und Steuerfragen. Die schärfste war die von 1887, die in den sog. Angstwahlen ausklang. Und doch war damals schon die Parole ausgegeben wor­den: Jeden Mann und jeden Groschen zu bewilligen. Der Streft drehte sich nur um die kon­stitutionelle Frage, ob die Bewilligung auf 7 Jahre oder für die Tauer einer Wahlperic.de (damals 3 Jahres erfolgen solle. Fürst Bismarck bauschte die­sen formalen Punkt zur Hauptsache auf, weil er ne­ben der Heeresverstärkung sich noch eine Kartellmehr­heit verschaffen wollte. Der Trick gelang, aber der Erfolg war sehr kurzlebig. Im Jahre 1890 bei- schwanden sowohl die Kariellmehrheit als ihr Vater Bismarck. Im Jahre 1893 es-tzarid noch ein Streft

+ Kerne Sieger n"ch Besiegte.

Die Regierung und die Parteien werden gewiß erleichtert aufatmen, wenn einmal die gewaltige Heeresvorlage glücklich unter Dach gebracht sein wird. Ihre Aussichten stehen günstig und wenn die eifrig sich bemühenden bürgerlichen Parteien end­lich auch den gordischen Knoten des Besitzsteuer­problems gelöst haben werden, dann darf man getrost der Weiterentwicklung der Dinge entgegen- sehen.

Die emsige Zusammenarbeit der Parteien, die eine befriedigende oder besser gesagt keineswegs allzu schmerzliche Lösung der Deckungsfrage verfolgt, scheint eine Gewähr für die Sicherung des großen na­tionalen Werks zu bieten. Keine der Parteien, die sich zusammengefunden haben, um eine Verständi­gung zu finden, konnte darüber im Zweifel gewesen sein, daß ihr zur Erziehung der unbedingt nötigen Einigkeit Opfer abverlangt werden würden. Es stellt dem guten Willen aller bürgerlichen Parteien ein gutes Zeugnis aus, daß sobald schon eine Verständi­gung angebahnt und allem Anschein nach auch als gemeinsames Patenkind aller bürgerlichen Parteien ein fertig ausgearbeiteter Besitzsteuervorschlag aus den Komprornitzverhandlungen hervorgehen wird.

Es wäre müßig, nachzuprüfen, welcher Partei das größte Verdienst an dem Vorfchlag einer Reichsvermögens zuwachs st euer — so heißt das vorgeschlagene Steuerprojekt — beizumessen ist; alle Parteien haben sich um das Zustandekom- men der Einigung bemüht und allen werden Opfer für sie abverlangt. Der nationalliberale Abg. Sern- ler sprach vor einigen Tagen im Reichstag das Wort, daß es bei den jetzigen großen Vorlagen weder Sie­ger noch Besiegte geben dürfte. Bei der Annahme der Reichsvermögenszuwachssteuer dürfte dies Wort zutreffen. .. . . _

Bei den vielen Steuern, die wir im Deutschen Reich und in den Einzelstaaten schon haben, fällt es nicht leicht, eine neue gerechte und n r ch t drückende Steuer zu finden und gleichzeitig die widerstreitenden Parteiinteresien zu versöhnen. Es ist da besonders zu berücksichtigen, daß die Parteien, die vor Jahren eine Minderheit gewesen sind, heute eine Mehrheit geworden sind.

Durch all die Steuerkämpfe der letzten Jahre hat sich nun stets wie ein roter Faden der Streit um die Erbanfallsteuer hindurchgezogen und, wie die Dinge heute nun einmal siegen, läßt sich nicht ver­kennen daß die Anhänger der Erbanfallsteuer auf die Gatter nicht mehr schachmatt gesetzt werden können. Eine Bcsitzsteuer m u ß t e jetzt geschaffen werden und sofort waren die Freunde der Erbanfallsteuer da, nm ihren treubehüteten Pflegling zu empfehlen. Die Parteien der Rechten bis weit in das Zentrum hin­ein tragen nun gegen die Erbanfallsteuer s ch w e r- wiegcnde Bedenken. Aber sie konnten sich der Einsicht nicht verschließen, daß im gegebenen Augenblick die Erbanfallsteuer über all ihre Bedenken hinweg doch Gesetz werden könne. Sie folgten darum nur einem Gebot der politischen Klugheit, die von zwei liebeln stets da? kleinere wählt, wenn sie in den Kompromißverbandlungen über das Besitz­steuerproblem sich der Lage der Dinge anpaßten und zu Opfern bereit, doch das Interesse ihrer Wähler; nach Möglichkeit zu berücksichtigen fuchten.

Man darf Wohl sagen, daß nach dem, was aus den Kompromißvcrhandlungen in die Oeffentlichkeit ge­drungen ist, dies den Parteien der Rechten und dem Zenwim auch gelungen ist. Die Giftzähne sind der Erbanfallsteuer jedenfalls ausgebrochen. Die Par­teien der Rechten müssen allerdings in vielem Nach­giebigkeit zeigen, aber auch die liberalen Parteien haben Zugeständnisse machen müssen. In der Reichsvermögenszuwachssteuer kommt die Erbanfallsteuer in sehr gemilderter Form zum Ausdruck. Es soll darin nicht nur das Gatten­erbe freigelassen we.rden, sondern auch die Erfassung des Kindeserben wird in demselben erheblichen Einschränkungen unterworfen sein.

Wenn es gelingen wird, und man darf dies zuver­sichtlich hoffen, daß alle bürgerlichen Parteien sich auf die Reichsvermögenszuwachssteuer einigen wer­den, dann ist der politische Erfolg groß. Dann würde nicht nur das große nationale Werk unserer Dcbrvcrstärkung glücklich durchgeführt, dann wäre auch eine große Arbeitsmehrbeit der bürger­lichen Parteien geschaffen, die gegen die Verneinungs- titigkeit der Sozialdemokratie von erheblicher Ds. deutung wäre. *

Preußischer Landtag

Sitzung vom 14. Juni 1913.

Alterspräsident v. Strombeck eröffnet die Sitzung mit geschäftlichen Mitteilungen. .

Auf der Tagesordnung steht die Wahl des Präsi­diums.

Als erster.Präsident wird auf Antrag des Abg. Frhr. v. Zedlitz (freit) der Abg. Graf Schwerin- (Löwitz (kons.) gewählt.

Präsident Graf Schwerin: Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für die eben vollzogen« Wahl und das jmir damit von neuem bewiesene Vertrauen. Ich ver­spreche, auch für die Zukunft meine ganze Kraft ein- zusehen für die Leitung. und Förderung unserer Ge- schäfte und ich werde auch in Zukunft selbstverständlich (bei der Leitung der Geschäfte unbedingteste strengste Un- Parteilichkeit walten lassen. (Lebh. Bravo!) Ich der- iraue aber auch, daß Sse alle ohne Ausnahme mich nicht nur bei der Förderung unserer Geschäfte, sondern auch ^ebenso bei der unbedingten Aufrechterhaltung der Würde Unserer Verhandlungen mich zu unterstützen entschlossen . »sein werden. (Erneutes lebh. Bravo 1) Ich nehme die iWahl dankend an. Für meine erste Pflicht halte ich es, unserem allverehrten Herrn Alterspräsidenten den herz- jlichsten Dank auszusprechen. (Lebh. Bravo!)

AIS erster. Vizepräsident wird durch Zuruf Abg. Dr. Krause-Königsberg (natl.) ^gewählt, der eben­falls mit Dank das Amt annimmt.

- Als Schriftführer wurden durch Zuruf gewählt die Abgg. Schultze-Pelkum (kons.), v. Wenden (kons.), 6. d. Hagen (Ztr.), Jschert (Lt-.), Rochlmg (natl.), v. Benin-Stormarn (freit), v. Flottwell (freit), Blell i(BolkSpartei). _ ,, ...

DaS HauS stimmt einem Antrag von Zedlitz (freit) gu, dem Kaiser zum R egierungSIUbilaum durch den gesamten Vorstand die Glückwünsche deS Hauses zu Überbringen. .

r Präsident Graf Schwerin teilt mit, daß em Schrei- jben des Ministerpräsidenten eingegangen ist, worin zu einer gemeinsamen Sitzung der Mitglieder beider Häu- fer zur Entgegennahme einer königt Verordnung (betr. Len vorläufigen Schluß des Landtags) eingeladen wird.

X Tas Regieruugsjubiliium des M niicre.

Girlanden, Kränze und Blumen sind die äußeren Merkmale der Festesstimmung, in der sich die Reichs­hauptstadt in diesen Tagen bewegt.

Schon am Samstag morgen, herrschte Unter den Linden das typische Treiben eines festlichen Tages. Namentlich ist viel Zuzug aus der Provinz da, was sich in der guten Besetzung speziell der mittleren und kleineren Hotels bemerkbar macht. Als der Kaiser gegen 11 Uhr die Linden passierte, wurden ihm von dem in dichten Reihen stehenden Publikum stür­mische Ovationen gebracht. Der Kaiser be- gab sich nach dem Schloß und hat dort bereits einige

Deputationen aus der diplomatischen Welt em­pfangen, die die Glückwünsche ihrer Souveräne bar- brachten. Kardinal Fürstbischof Dr. v. Kopp überbrachte die Glückwünsche des Pavles. Der Kar­dinal, der mit dem Hausprälaten des Papstes, Mon­signore Prinz Croy im Hotel Royal Wohnung ge­nommen hat, wurde gegen 12 Uhr in einer Gala- kmcosse des Königlichen Marstalls abgeholt. Vorher empfing der Kaiser den türkischen Botschaf­ter, der die - JubiläumHgeschenke .des Sultans über­brachte. Darnach fand der Empfang des Koadjmors des Primas des B en ediktin ero r d en s von S t o tz i n g e n statt. — Bei der Frühstückstafel um 1 Uhr saß der Kaiser zwischen der Prinzessin Heinrich und dem Kardinal Fürstbischof v. Kopp gegenüber die Kaiserin zwischen dem Prinzen Heinrich und dem Erbprinzen von Sachsen-Meiningen. An der Tafel nahmen auch teil: der Reichskanzler,, der Kultus­minister v. Trott zu Solz, der Chef des Zivilkabinetts Wirk!. Geh. Rar v. Valenttni, Prinz v. Croy und der Abt von Stotzingen.

Der Reichstag hielt um 11 Uhr seine Festsitzung ab. Er hatte ein festliches Gewand angelegt, ge­schmackvoll mit Blumen geschmückte Kränze zierten die äußere Hülle des Baues. Spötter, die alles besser sehen wollen als gewöhnliche Sterbliche, glauben, daß die Bevorzugung der roten Rosen und Nelken in dem Blütenarrangement eine zarte Anspielung bedeute auf die roten 110. Im Hause selbst herrschte Weihe­stimmung. Herr v. Bethmann Hollweg war an der Spitze sämtlicher Vertreter der Reichsämter und der Burchesstaaten erschienen. Die Besetzung des Hauses wies nur aitf der linken Seite eine Hassende Lücke .auf, denn die Sozialdemokraten glänzten wie immer .bei solchen Gelegenheiten durch einmütige Abwesen­heit. Der Präsident Dr. Kämpf. gedachte in tiefem­pfundener Rede der Bedeutung des Tages, an dem man auf eine 25jährige erfolgreiche und heilbringende Negierungszeit des Kaisers zurückblicken dürfe und brachte ein dreifaches Hoch aus. Ein Antrag des Abg. Schulz (Rp.) auf Vertagung des Hauses zu Ehren der feierlichen Stimmung fand großen andauernden Beifall. i

Der gestrige Sonntag, vom herrlichsten S»m- merwetter begünstigt, wurde in Berlin von ungezähl­ten tausenden aller Bevölkerungsschichten zur Besich­tigung der nun fertiggestellten Ausschmückung der Hauptstraßen benutzt. Die Menschenmasse war selbst für Berliner 'Verhältnisse ungewöhnlich. Die Aus­schmückung repräsentierte sich bei dem prächtigen Son­nenschein wesentlich schöner und farbenfreudiger, als die halbfertigen Vorarbeiten bei dem schlechten Wet­ter bet letzten Tage vermuten ließen.

Das Kaiserpaar nahm vormfttags am Got­te s d i e n st zum Gedächtnis Kaiser Friedrichs in der Garnisonkirche teil. Außer den Herren des Haupt­quartiers waren anwesend: Kriegsminister v, Heerin- gen, Generalstabschef v. Moltke und Kommandant v. Kleist. Das Kaiserpaar traf im Automobil aus Ber­lin mit dem Prinzenpaar Ernst August, dem Her- zogSpaar von Braunschweig und Lüneburg ein; fer­ner waren alle Kinder deS Kaisers, außer dem Kron­prinzen, der erst am Montag eintreffen kann, die Ge­schwister des Kassers, außer der-Königin von Grie­chenland, anwesend. Die Festpredigt hielt Hofpredi- ger Richter. Nach dem Gottesdienst begaben sich ine Majestäten zum Mausoleum. Bei der Friedenskirche legten sie Kränze am Sarge Kaiser Friedrichs me-

Später empfing daS Kaiserpaar im Neuen PalaiS eine Abordnung ehemaliger Angehöriger der 2. Kom­pagnie des 1.' Garderegiments zu Fuß, ferner die Herren des kaiserlichen Hauptquartiers und spater Kapitän Trotha vom Marinekabinett.

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Zum Gedächtnis Kaiser und König Friedrichs Hl. schreibt die »Nordd. Allg. Zig.' einen Gedenkarlikel, an dessen Schluß eS heißt:

War tl K-iiser Friedrich nicht vergönnt, seinen Ab- sichten und Plänen alS Herrscher Geltaltung zu geben, so wird er doch in der Erinnerung de» deutschen BolkeS a!8 eine von hoben Idealen erfüllte Fürftenerlcheinung fort* leben. Seine bedeutsame Beteiligung an den Großtaten, die dem deutschen Volke die Einigung im Innern und die Unabhängigkeit nach außen gesichert haben, ebenso wie fein auf Hobe Ziele gerichteter Streben und lein edler Sinn, der sich in guten wie in böien Tagen be- währte, werden ihm immerdar die dankbare Verehrung des beutlcben V Ikes erhalten.

Bundesstatliche Amnestien. Der König von Sachsen hat auS Anlaß b:8 25jährigcn Reaie- rungsjubiläums des Kaisers alle über Angehörige -des sächsischen Hecreskontingentes verhängten Dis­ziplinarstrafen erlassen. Ein Amnestieerlaß des Her- zogs von Koburg-Gotha bezieht sich auf Straftaten, die durch Not, Leichtsinn, Unbesonnenheit oder Ver­führung veranlaßt worden find. In R e u ß werden durch die Amnestie Gefängnisstrafen bis zu sechs Wo­chen erlassen.

An Ausland« fanden m allen Hauptstädten Feiern statt. In Rom wohnten der feierliche» Messe m der SäA» Matta dell' Anima bet österreichisch.

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Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 14. Juni 1913.

Am Bundes rätst sich: der Reichskanzler, die Staats­sekretäre Dr. Delbrück, Dr. Lisco, v. Breitenbach, Kraetke, v. Jagow, Dr. Solf, Kriegsmrmster v. Heerin. gen. DaS Haus ist gut besetzt. Die Sozialdemokraten find nicht anwesend.

' Präsident Dr. Kämpf: Eine kurze Spanne Zett trennt uns von dem 25 jährigen Regierungs­jubiläum deS Kaisers. Wehmütig steht die Er- ünnerung an das Lebensende des Gründers deS Deut­schen Reiches, des ersten Kaisers aus dem Hohenzollern- Hause, in uns auf. Mit Wehmut gedenken wir des Dul- ders auf dem Kaiserthron und seines tragischen Schick- sals, Kaiser Friedrichs III. Mit Stolzund Freude aber erfüllt uns der Gedanke an die jugendfrische Ge­stalt unseres Kaisers, wie er im Vollbewußtsein feiner Jugendkraft und mit der Begeisterung feines idealen Strebens vor 25 Jahren die Regierung übernahm. Der Kaiser kannte die Bedenken, die seine militärischen Neigungen erwecken konnten. Jene Be- denken haben sich als gänzlich' grundlos erwiesen. Er hat daS mächtigste Kriegsinstrument nicht dazu benutzt, kriegerische Lorbeeren zu pflücken, sondern um uns und der Welt den Frieden zu bewahren. Wir leben in einer ernsten Zeit, aber wir haben das felsenfeste Vertrauen, daß der Kaiser als Friedensfurst daS Schwert nur bann ziehen wird, wenn es gilt, Lebens- bedingungen des deutschen Volkes zu verteidigen. (Bei­fall.) Noch nach einer anderen Richtung bt -iken wir bem Kaiser. Er hat einst als den Urgrund, auf bem bas Deutsche Reich errichtet ist, all jene hohen s i t t. lichen Anschauungen bezeichnet, die unseren Vor. fahren eigen waren. Als eine Verkörperung der da- mals ausgesprochenen Grundsätze steht der Kaiser heute Ibor uns in seinem Wirken als Kaiser wie in seinem Familienleben. Kürzlich hat der Kaiser bei der Ver­mählung seiner Tochter Worte gesprochen, die in ihrem hohen sittlichen Ernste, die in ihrem echten, aus warmem Herzen kommenden Gefühl das Gepräge tiefsten Em- spfindens zeigten und in allen Kreisen des Volkes rein menschliche Verehrung auSlssten. (Beifall.) Bei - der gleichen Gelegenheit hat er als höchste Aufgabe der Für- sten bezeichnet, anderen zu dienen und für andere zu isorgen. Wer in feierlicher Stunde seinem Kinde solche Worte für das Leben mitgibt, kann nicht nur Anspruch 'erheben auf Achtung, et erweckt darüber hinaus ein herzliches Gefühl der V e r e h r u n g u n d L i e b e. Sie laber, meine Herren, fordere ich auf, den Gefühlen, die uns alle beseelen, und den Wünschen, die wir für eine lange, glückliche und segensreiche Regierung des Kaisers, für sein Wohl und für ba3 Wohl feines ganzen HauseS hegen, Ausbruck zu geben, inbent Sie rufen: Seine Majestät bet deutsche Kaiser, König von Preußen, Wil- Helm II., lebe hoch!

' Die Anwesenden stimmten dreimal in baS Hoch em. Die Polen beteiligten sich nicht an bem Kaiserhoch.

> Darauf vertagte sich das Haus auf Dienstag mit der heutigen Tagesordnung. : ' .