2. Blatt.
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Mit der heutigen Ausgabe wird ausgegeben ein
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Ihnen, Herr von Pulling? Kommen Sie auch mit?"
Dieser hüstelte, legte seine Hände wie beschwörend auf seinen Magen und auf die vollen Taschen und sagte: „Was denken Sie? Ich bin krank! — — Doppeltkohlensaures Natron und eine Handvoll Schlaf ist mir zehnmal lieber als diese verrückte
werden. Bei ungünstiger Witternng findet die Veranstaltung im „Jäg'erbaus" statt.
Vereins der Dvmpfarrei. Außerdem findet am Abend noch D o p p e l ko n z e rt im Schloßgarten statt.
Die Vorbedingungen für ein gutes Gelingen des Festes sind somit gegeben. Hoffentlich hat der Himmel ein Einsehen und beschert nns neben trockenem auch wärmeres Wetter, als es seit acht Tagen zu verzeichnen war. Leider ist cs dem hiesigen Artillerie- Regiment nicht vergönnt, hier an der Patriorischcn Veranstaltung teilzunehmen, da die Verfügung des Kriegsministeriums, die die Verteilung des Truppenübungsplatzes auf die einzelnen Truppenteile und auf die für die Hebungen zur Verfügung stehende Zeit festlegt, es abberuft. Möge das heraufzichende Volksfest, das alt und jung, hoch und niedrig vereint, einen offenen Beweis geben unserer dankbaren Gesinnung gegenüber denjenigen, die mit ihrem Gut und Blut dem aufstrebenden Vaterlande den Weg gebahnt haben, möge es auch erneut den Beweis liefern dafür, daß das deutsche Volk in Dankbarkeit und Liebe seinem Herrscherhause zugetan ist, mögen die herzlichen Bande, die Kaiser und Volk miteinander verketten, an diesem Tage noch fester geknüpft werden.
Fahrt. Gute Nacht!"
Er erhob sich und davon.
„Ter geht nicht zu
zum 2Uhngen 91egieru'.nosiuDiiäum Seiner Mnjestiil Kaiser Wilhelms n. 1888, 15. Zuni, 1913.
# Personalien. Die Landrichter Dr. Ricker in Wiesbaden, Heinze und Freiherr von Hodenberg in Frankfurt a. M. wurden zu Landgerichtsräten, die Amtsrichter Dr. Roßbach in Witzenhausen, Zimmermann in Oberkanfungen, Hartwig und Jahns in Frankfurt a. M. zu Amtsgerichtsräten ernannt.
V Tom. Bei dem Bischöflichen Amte, das aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums Seiner Majestät des Kaisers morgen um 9* 1 */» Uhr im Dom statlfindet, wird der Alumnenchor die Gregorfusmcsse von Singenberger für vierstimmigen Männerchor mit Orgelbegleitung singen; das Credo wird der Josephsmcsse von Griesbacher entnommen werden.
A Kaiser Friedrich. Morgen, am Todestage des Kaisers Friedrich, wird die Stadt Fulda an dem Denkmal des Kaisers am Kaiserplatz einen Kranz niederleaen lassen.
n Acbritsjubiliinm. Auf eine 25jährige Tätigkeit als Packer btt der Firma Franz Emll Berta konnte heute Herr Richard Ditzel aus Horas zurückblicken. Aus die cm Anlasse wurde dem Jubilar von der Firma und seinen Mitarbeitern eine besondere Ehrung durch Geschenke und Glückwünlche zuteil.
[] Wegen Diebstahls wurde ein Junge zur Anzeige gebracht, der heute früh aus einem Hause in der Heinrichstraße ein Paar Schuhe gestohlen halte.
- Ferien-Sonderzüge von Hamburg bezw Bremen über Fulda nach Süvdcutschlanv. Vom 5 aut den 6. Julr fährt ein Zug nach München, der die Station Fulda nachts um 4 18 erreicht und nach 6 Minuten Äusenthalt weiter'ährt. Im Bedarsssalle fährt noch ein zweiter Zug, der in Fu da um 4 44 nachts anhält, Fahrpreis 3. Kl einschließlich Rückfahrt nach München 18 Mk., bis zur österreichischen Grenze (Kufsteins 23,70 Mk. Vom 9. zum 10. Juli wird ein Sonderzug in Hamburg abgelassen, der nach Stuttgart fährt. Dieser Zug hält in Fulda nachts um 12.50 Uhr und verläßt die Station um 12.54. In derselben Nacht fährt ein Sonderzug nach 'München, der Fulda nachts um 4.18 erreicht und nach 6 Alin. Aufenthalt weiteriährt. Im Bedarfsfälle fahren noch 2 weitere Züge, die in Fulda um 4.41 Uhr bezw. 5.59 Uhr nachts anhalten.. In der Nacht vom 14. zum 15. August fährt ein weiterer Sonderzug nach München, der in Fulda um 4.18 Uhr anhält und München um 12 33 Uhr erreicht. Von Bremen aus fahren Sonderzüge nach München am 28. Juni (hält in Fulda in der Nacht zum 29. Juni um 3.34 Uhr), am 12 Juli (hält in Fulda in der Nacht zum 13. Juli um 3.34 Uhr) und am 15. August (hält in Fulda in der Nacht zum 15. August um 3.34 Uhr).
Strafkammer. Unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit verhandelte gestern die Strafkammer gegen Landwirt I. W. und dessen Ehefrau aus Rengers- feld (Kr. Gersfeld) wegen Verbrechens nach §§ 49a u. 218, 1 des Str.-G.-B. Der Erste Staatsanwalt hatte gegen beide je 6 Wochen Gefängnis beantragt. Das Gericht billigte ihnen jedoch mildernde Umstände zu und verurteilte sie zu je 10 Tagen Gefängnis. — Der 15jährige Fürsorgezögling I. K. von Höchst am Main, der als Lehrling bet einem hiesigen Spengler- meister unlergebracht ist, entwendete mittels falscher Schlüssel aus einem Schuhwarengeschäft in der Miltel- straße 1 Paar Gamafchcu, 1 Paar Gummiabsätze und 1 Paar gefütterte Schuhe, ferner aus dem Vorratsschrank einer Konditorei in der Marklstraße etwa 1 Psd. Kakao. Unter Zubilligung mildernder Umstände wird der noch nicht vorbestrafte Angeklagte wegen der beiden Diebstähle in dcm Schuhgeschäft zu einer Gefängnisstrafe von 6 Wochen,. w gen des
Lokaler.
Fulda, 14. Juni 1913.
X Das Volksfest.
ging mit steifen Schlitten Bett," flüsterte Heuberger. Raub in Sicherheit, dann
Zuldaer Leitung.
rief er.
Dieses Wort schlug wie eine Bombe ein; alles drängte sich um den kleinen Tisch, der Angegriffene machte sich frei, schlug um sich und schrie: „Es ist nicht wahr!" — In der Erregung stieß er an das schwarze Backenbärtchcn, das ihm bis zum Ohrzipfelchen her- abrcichte, und es fiel -u Boden.
folgte Messung der Grotzenbacher und Kirchhasele« Wasserleitung hat ergeben, daß diese Leitung in 5 Sekunden 28 Liter oder täglich 483,84 Kubikmeter Wasser nach Hünfeld liefert.
* Beiershanseu, Kr. Hersfeld, 13. Juni 1913. Ein großes Schadenfeuer ist auf dem Hofe des Landwirts W e h n es ausgebrochen. Benachbarte Feuerwehren sind zur Hilfe herbeigeeilt.
* Bebra, 13. Juni 1913. Durch die Eisenbahn- Direktion y Kassel ist der Bau eines neuen Em. pfangsgebäudcs auf dem Haltepunkt Mals- seid vorgesehen worden. Nach dem bereits ausgeführten Anschläge soll mit den Erd- und Maurerarbeiten baldigst begonnen werden, der Bau soll bereits Ende dieses Herbstes fertig dastchen.
* Kassel, 13. Juni 1913. Am Donnerstag durchirrte eine hochbetagte geisteskranke Frau, die ihren N a m e n nicht nennen konnte, die Straßen. Die Bedauernswerte wurde in die Landesirrenanstalt nach Marburg überführt. — Seinen Lehrmeister bestohlen hatte der erst 18 Jahre alte Buchbinderlehrling H. von hier gemeinsam mit seinem Freunde, dem gleichaltrigen Arbeiter B., der vor der Tür Wache hielt. H. erbrach die Tischschublade und stahl 40 Mark Die Strafkammer verurteilte H. wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls zu 9 Monaten Gefängnis, seinen Freund B. zu 2 Monaten Gefängnis.
* Kassel, 13. Juni 1913. In Fürstenhagen bei Hessisch-Lichtenau wurde die mit fast 6lia Mill. Mark Kapital ausgestattete, auf dem Teichhof Pracht« voll zwischen bewaldeten Bergen belegene Lenoirsche Waisenanstalt eingeweiht. Die leitenden Grundsätze der Anstalt sind kostenlose Erziehung armer Waisen ohne Rücksicht aut Konfession, Orts- oder Landesangehörigkeit; begabte Zöglinge sind dem Un-versitätsstudium, gelehrten ober künstlerischen Be« rufen, die übrigen dem Handwerk ganz nach Neigung zuzusühren. Der Stifter, Georg Andre Lenoir, ent« stammte einer in Kassel ansässigen Hugenottenfamilie, studiert- Chemie und eröffnete in Wien ein chemisches Laboratorium, das ihm großen Gewinn brachte. Da er kinderlos starb, vermachte er den größten Teil seines Vernöacns der Stadt Kassel mit der Bestim- mung, diese Lenoirsche Waisenanstalt zum Gedächtnis seiner Eltern zu errichten.
* SPanaeuberg, 13. Juni 1913. Von den städtischen Körperschaften wurde folgende eigenartige Kaiser-Jubiläums-Stiftung beschlossen: Jedes in Spangenberg vom 15. Juni 1913 ab geborene Kind erhält beim Eintrag seines Namens in das Standesamtsregister während der Regierungszeit des Kaisers aus dem jährlichen Ueberschuß der städtischen Svarkaste ein auf seinen Namen lautendes Ein- lagebuch der städtischen Sparkasse, mit einer Einlage von 5 Mark. Diese Einlage wird dem Kinde bei seiner Volljährigkeit bezw. seiner Verheiratung ausgehändigt.
-d. Büdingen, 13. Juni 1913. In Usenborn kratzte ein 10 jähriger Schüler eine Handwarze auf. Er zog sich dabei eine tödliche Blutvergiftung zu. Ein gleiches Schicksal ereilte einen jungen Arbeiter in Walle'nrod, der sich beim Anfetten einer Säge vergiftete und jetzt hoffnungslos barnieberHegt.
* Mainz, 13. Juni 1913 Eine Kaninchenfarm, zu der die Stadt das Gelände stellte, wurde dieser Tage hier eröffnet. Auf der Farm befinden sich in 80 Stallungen etwa 300 Kaninchen verschiedener Raffen, darunter Prachtexemplare von 12 bis 20 Pfd. schwer. Durch sachverständige Zucht soll der Bestand bedeutend erhöht werden. Im kommenden Winter soll auf dem Wochenmarkt unter Kontrolle derTeuerrmgs« kommission Kaninchenfleisch als Volksnahrungsmittel das Pfund zu 40 Pfg. verkauft werden.
«k Wiesbaden, 13. Juni 1913. Die heutige Stadtverordnetenversammlung stimmte dem Bau einer zweiten Töchterschule für 863 000 Mk, zu; sie bewilligte ferner 10 000 Mark für die Ferien- spaziergänge von Volksschullinbern. Von 7000 Kindern haben bereits 3000 ihre Beteiligung zugesagt. — Die Kommission zur Vorbereitung der Wahl eines zweiten Bürgermeisters schlägt dem Stadtverordneten« kollegium den Beigeordneten Traffert-Wiesbaden und in zweiter Linie Stadtrat Seidel«Charlottenburg zur Wahl vor. Die Wahl findet in 14 Tagen statt.
M 135.
Samstag U. Juni 1915.
nun int Handumdrehen eine wilde Jagd auf einen Verbrecher.
Mar Heuberger, Sandow und der Kaufmann Kastcr saßen beisammen in einem Viersitzer, und der letztere feuerte den Chauffeur mit bett Worten an: „Wenn wir den Kerl vor uns cinholen und fassen, erhalten Sie 500, nein, 1000 Mark Gratifikation. Also bitte — lassen Sie einmal Ihr Bcnzinroß laufen wie bett Teufel. Wir sitzen — los!"
Und der Wagen faucffie und ratterte und sauste davon, die andern ihm nach. —
Als der letzte abfuhr, ertönte oben im Klubsimm er ein Knall — bann noch einer — Herr v. Tessendorf, der seinen Ruin nicht überleben wollte, sank, die rauchende Pistole noch in der Hand, mit zerschmettertem Schädel zu Boden.
Kakaodiebstahls, der als Mundraub angesehen wird, zu 1 Tag Haft verurteilt. — Der Bergmann P. D. von Wüstensachen hatte gegen ein Schöffengerichtsurteil des Amtsgerichts Hilders, in dem er wegen ruhestörcnden Lärmens und groben Unfugs mit 10 Mark bestraft war, Berufung eingelegt, die indes verworfen wurde. — Auch die Berufung des Ingenieurs H. R. von hier als Privatkläger gegen ein freisprechendes Urteil des Schöffengerichts Fulda wegen Beleidigung durch den Elektrotechniker H. W., früher hier, wurde auf Kosten des Privatklägers verworfen, da dem Angeklagten Wahrung berechtigter Interessen zugesprochen wurde. — Der Arbeiter F. aus einem städtischen Betrieb war wegen Beleidigung vom Schöffengericht Fulda mit 5 Mk. bestraft worden. Seine Berufung wurde gleichfalls verworfen.
A Ueberlandzentrale. Zu unserer Mitteilung in Nr. 133 wird uns von zuständiger Seite bemerkt, daß an der Absicht, das in unserer Mitteilung angeführte Gebiet einschließlich des Kaligebietes, mit Elektrizität zu versorgen, nichts geändert ist. Richtig ist allerdings, daß einige Kreise, die an andere Hebet» lanbroerte anstoßen, zum Vergleich ein Angebot von dieser Seite heranziehen. Weiter ist richtig, daß für den ersten Ausbau die Kreise Fulda, Hünfeld und Schlüchtern in Betracht kommen und daher die Verhandlungen nach dieser Richtung aefübrt werden.
* Regimentsfeier der 81er. Die Gedenkfeier des 100jährigen Bestehens des Jnf.-Regts. Nr. 81 in Frankfurt findet, wie uns mitgeteilt wirb, entgegen anderen Meldungen, am 24., 25. und 26. Juli d. I. statt. Es wird eine Gesamtbeteiligung von etwa 30 000 ehemaligen Regimentsangehöriger, darunter etwa 600 aus den Kreisen Fulda, Gersfeld und Hünfeld erwartet.
(*) Milniir gegen Zivil! So künden die von dem Spielausschuß des 1. Fuldaer F. St. „Borussia" e. V. ausgegebenen Plakate an. Der alte Sporksplatz am Wallweg soll zum letzten Male am morgigen Sonntag Zeuge eines Fußballwettkampfes sein; bekanntlich findet Anfang Juli die Eröffnung des neuen Platzes der Borussen, des „Sporiparks Neuenberg" statt. Für das letzte Spiel am Wallweg hat die Spielleitung die Regimentsmann- Ichaft der 110er Grenadiere-Mannbeim gewonnen. In spielerischer Beziehung geht der „Mannschaft der Mars- jünger" ein guter Ruf voraus. Hoffentlich übt der alte Sportplatz zu dem ..Finale" nochmals seine volle Anziehungskraft aus. Das Spiel beginnt nachm. 3Vi Uhr.
(•) Athleten-Wettftreit. Am morgigen Sonntag findet der diesjährige Wettstreit des Fulda-Bez>rks im deutschen Athleten-Verband statt. Morgens um 7 Uhr treten die Wettkämpfer am alten Borusüa-Sportplah am Wallweg an mm Kampfe um die heißum «rittene Siegespalme. Heiß wird in diesem Jahre der Kampf werden, da stch durch Neueinteilung bet Körpergewichtsklassen erprobte Kämpen geaenüberstellen, die in ihren Leistungen in gleicher Höhe stehen und von denen jeder sein Beiles einsetzen wirb, um den Sieg zu erringen. Die End- kämpfe im Ringen finden von 4 Uhr ab im „Jägerhaus" zu Bronnzell ihren Fortgang. Dori stndet auch während der Kämpfe Konzert und später ein Tanz-Bergnügen statt, in dessen Verlauf die Preise an die Sieger verteilt
* *
Es war eine wilde, tolle, .nervenauspeitschende Fahrt durch die stille Frühlingsnacht.
Die Wagen jagten hintereinander drein, als ob sie vom Höllenfürsten geführt und gepeitscht würden: die Laternen leuchteten wie große, rote Glutaugen durch die Nacht, schossen an Bäumen und Häusern vorüber, stürzten sich schnaubend in die Dunkelheit, ließen einen blatten und stinkenden Rauchschwaden hinter sich zurück.
Der Chauffeur des ersten Wagens schrie ab und zu bett Insassen seines Wagens seine Beobachtungen zu. „Vor uns ist Lichtschein! — Das Auto ist gesichtet! — Es jagt wie der Teufel — aber ich hole es doch ein!" —
Scmdow begann es bei der wahnsinnig-raschen Fahrt zu grausen. Der Wagen, schien zu stiegen; durch Dörfer ging es, als ob sie nur aus zwei, drei Gehöften bestünden, und auf der offenen Landstraße flitzten die Stangen und Baume vorüber, als ob sie dünn wie Stricknadeln wären. Kein Laut ertönte, keine Hupe, kein Signalhorn, da die Landstraße um diese Zeit frei war. Tas war geradezu unheimlich, dieses lautlose, gespenstische Jagen der rotäugigen, dampf- und rauchspeienden „Teufelswagen", (F. f.)
Das Münchner Kindl.
16] Roman von Felix Nabor.
Das geschah denn auch; die Karten flogen wieder übers grüne Tuch, Banknoten knisterten, mit leisem Klingen wurde das Gold hinüber und herübergeschoben.
Sandow hatte keine Lust mehr zum Spiel, und auch Heuberger schien etwas schlaff zu sein. „Ein Spaziergang durch die Frühlingsnacht wäre jetzt das beste Mittel, um uns allen den Schlaf aus den Augen ;u reiben," sagte er. „Oder, was noch schöner Ware: eine Auto-Korsofahrt nach Augsburg! — Kapitaler Gedanke, was? — Noch nie dagewesen! — Halten Sie mit, Sandow?"
Sandow fand die Sache zwar toll, aber immerhin iritercssant. „Etwas gewagt ist die Sache" sagte er, „allein es ließe sich darüber reden."
„Bravo!" rief Heuberger und eilte davon, um sofort ein halbes Dutzend Autos herbeirufen zu lasseu. Tann ging er von Tisch zu Tisch und warb für seine Idee; obwohl sie einige für „echt Hcubergerisch", d. h. für verrückt erklärten, stimmte doch die Mehrzahl zu, und Max Heuberger sah, daß sein „genialer Gedanke" den Steg errang.
» ,,Famos!" triumphierte er Sandow gegenüber. „Morgen wird ganz München von der Sache reden!"
„Und Sie werden Wegen Versvätung int Tienst eine ellenlange Nase von Ihrem Rittmeister bekommen", sagte Sandow
„Gibt's nicht!" lachte Mar Heuberger. „Drei Stunden für die Hin- und Rückfahrt genügen, zwei Stunden im Nachteafe — Summa Summarum: um halb sechs halten wir feierlichen Einzug durchs Karls- tor, um sechs kann jeder in seiner Klappe liegen, um sieben steh' ich gestiefelt und gespornt aus dem Ka- siruttihof. Wetten wir drauf einen braunen Lappen?"
„Danke!" sagte Sandow. „Habe heute schon mehr als genug verloren — aber dabei sein will ich auch bei dieser Frühlingsmoudnachtfabrt Wie ist's mit
„Erst bringt er seinen ...
kneipt er bis zum Morgen in der Bar. Und Sie, Herr v. Tessendorf?"
Der vollsaftige Gutsbesitzer hatte schwer geladen; er hielt eine Flasche Sekt im Arm und stierte in dumpsem Brüten vor sich hin. Erst auf Heubergers wiederholte Frage gab er Antwort. „Jawohl," stammelte er mit schwerer Zunge, „gleich komme ich nach — mit dem letzten Zug! -- Nur noch einen Schutz Sekt zuvor, einen einzigen Schutz —"
Er lieh den Sekt in den Kelch sprühen, leerte diesen in einem Zuge und füllte ihn wieder. „Nur noch einen — Schu—uh —"
Heuberger wandte sich achselzuckend ab und sprach auf die andern tut: „Meine Herren, wenn cs Ihnen paht, brechen wir so sukzessive auf. Die Autos stehen bereit, die Chauffeure sind instruiert. Wir fahren im
mer zu Dreien "
Während er den letzten Satz sprach, erhob sich an einem der kleinen, runden Spielsische ein heftiger Streit. Ta sahen drei Herren: ein Ossizier, ein Großkansmann und ein ungarischer Graf, der sich v. Soprinkay nannte. Diesen letzteren hielten seine zwei Partner gefaxt, und der Offizier zog ihm eine Karte aus dem Nockärmel. „Tie haben salsch gespielt!"
Ans dem Nachbargebiele.
„/* Florenberg, 14. Juni 1913. Am morgigen Sonntag findet ous Anlaß des Regierungsjudi- lau ms des Kaisers um 8l la Uhr ein feierliches Hochamt mit Festpredigt statt. Die vier Arbeitervereine der Pfarrei und der Kriegerverein von Pilgerzell werden mit ihren Fahnen geschlossen an dem Gottesdienste teilnehmen.
□ Flieden, 15. Juni 1913. Mehr als 30 Jahre ist der 'Maurerpolier Karl Weber von hier bet der Firma Bickenbach in Solingen beschäftigt. Aus diesem Au'.asse veranstaltete die Firma un Hotel „Bayerischer Hos" eine Festseier. An dem Festessen, das zu Ehren des Jubilars stattfaud, nahmen die Firmen-Jnhader, das technische Personal und 20 der ältesten Arbeiter bei der Firma teil. In einer glänzenden Rede feierte einer der Firmen-Inhaber den Jubilar als treuen, ehrlichen, fleißigen, pünktlichen und gewissenhaften Mitarbeiter, der cs in hohem Maße verstanden habe, das Interesse der Firma zu wahren, aber auch sehr gut mit den Arbeitern zurecht- gekommen sei. Der Redner sprach die Hoffnung aus,, daß es dem Jubilar vergönnt fern möge, auch das goldene Arbeits-Jubiläum bei der Firma feiern zu können. Er überreichte ein Diplom der Handelskammer und ein Sparkassenbuch der Firma über 200 Jt Das technische Personal ließ das vergrößerte Porträt des Jubilars in einem prächtigen Rah > cn üoerreichen und die Arbeiter schenkten einen Regulator.
* Hünfeld, 13. Juni 1913. Für die Ueber- schwemmten sind bis jetzt auf dem Rathaus insgesamt 2216,50 Mark gesammelt. — Die kürzlich er-
Nun war er entlarvt, und sein Leugnen half ihn nichts. „Ein Hochstapler! — Ein Falschspieler!" schwirrte es durcheinander. — „Faßt ihn!"
Der Pseudo-Graf ritz eine Pistole aus der Tasche und hielt den Lauf seinen Angreifern entgegen. „Zurück!" lief er, „sonst schütz ich ein halb Dutzend über den Haufen!"
In der ersten Bestürzung wichen alle zurück. Der Falschspieler eilte zur Türe, warf sie hinter sich zu und drehte den Schüssel um.
„Eine Wette," raunte er den beiden Lakaien zu. „Sie dürfen erst in fünf Minuten öffnen. Soviel Zeit ist mir als Vorsprung gewährt — cs handelt sich nämlich um eine Auto-Wettfahrt Bitte Hut und
Mantel!"
Als er seine Garderobe erhalten hatte, grüßte er leutselig die beiden Rotbefrackten und stieg rasch die Treppe hinab, um sich in ein Auto zu werfen. „Ab! — Und rasche Fahrt! — Es gilt eine Wette!"
In dem Klubsaal wurde der Fall eingehend besprochen. Tic Aufregung war ungeheuer, denn so etwas war noch nie dagewesen.
, Hat er Beute gemacht, der Falschspieler?" fragte Heuberger.
„Und ob", erwiderte der Großkaufmanu. „Er hat heute abend an drei Tischen nacheinander gespielt und sicher dreißig bis vierzigtausend Mark gewonnen. Ich selbst habe an ihn zwölstauseud Mark verloren. Aber so wahr ich Georg Küster heiße: ich jage dem Spitzbuben den Raub wieder ab. Wir müssen ihm nach!"
Alle drängten zur Türe, aber erst nach stürmischem Klopfen wurde sie geöffnet, und sie erfuhren, was der Hochstapler den Dienern vorgelogen hatte.
Jeder rief nach Ueberrod und Hut, und nach fünf Minuten waren sie bei den ihrer harrenden Autos und stiegen ein. Ta der mit einem Insassen bereits abgefahrene Chauffeur die Weisung erhalt:n hatte, daß es sich um eine Fahrt nach Augsburg handle, so war anzuttehmen, daß er auf keinen Fall eine andere Route einschlagne werde, und so war zu hoffen, daß man. den Flüchtling einholeu und ihm seinen Raub •abjagen könnte. Aus der Vergnügungsfahrt wurde
Im heutigen Anzeigenteil befindet sich das Programm des Vo.lksfestes am Montag den 16. Juni Feier des 25jährigen Regierungsjubiläusi:! Sr. Majestät des Kaisers und Königs und der Erhebung Deutschlands und seiner Befreiung von der französischen Fremdherrschaft. Beide Feiern sind mit Rücksicht auf die schwierigen Zeit- und Teue- rungsverhältnisse zusammengelegt worden.
Den Festtag eröffnet am frühen Morgen eine Salve Schüsse der städtischen Böller. Ein Wecken geht vom Kriegerdenkmal aus über das Eichsfeld durch die Kronhof-, Abstor, König-, Mühlen-, Kanal- Karl-, Löher-, Schildeck-, Brauhaus-, Karl-, Markt-, Friedrich-, Schloß-, Linden-, Bahnhof-, Heinrichstraße.
Nachmittags y23 Uhr stellt sich der Festzug in der Heinrichstraße mit der Spitze nach dem Schützenhaus auf. Von da bewegt er sich durch die Petersberger-, Linden-, Bahnhof-, Rhabanusstraße, Schwei- E nemarft, Buttermarkt, Karl-, Brauhaus-, Schildeck-, A. Löher-, König-, Wilhelm-, Kanal-, Karl-, Markt- und Friedrichstraße, um im Schloßgarten zu enden. Den | Abmarsch und den Einmarsch in den Schloßgarten werden Böllerschüsse anzeigen. Der Festzug verspricht ein ausgezeichneter zu werden. Zahlreiche Anmeldungen zur Beteiligung liegen vor und weitere werden erwartet. Prunkwagen und Gruppen sind angemeldet vom Kriegerverein: Letzter Ritt Napoleons, s. Meister- und Männerverein: Weberei vor 100 Jahren, Gesellcnverein: das Handwerk dem Kaiser huldigend, Turngemeinde: Jahngruppe, Turn- und [ Fechtklub ein Festwagen, Gartenbauverein: Blumenauto, Bäckerinnung: festlich geschmückte Wagen mit Vorreitern. Ferner wird im Zuge eine Sektion der alten Fuldaer Bürgergarde vertreten sein. Viele Vereine, Korporationen usw. beteiligen sich an dem Zuge. Mehrere Musik- und Trommlerkorps sind auf den Festzug verteilt, um in fröhlichen Weisen die Veranstaltung zu verschönern und dem Ganzen einen stimmungsvollen Rahmen zu geben.
Der F estzug ist in vier Abteilungen gegliedert, bie sich in folgender Ordnung zusammensetzen: 1. A b- teilung: Herold, Radfahrer, Tambour-Korps der Sanitälskolonne, Musikkorps (Artilleriekapelle), Wagen des Vorsitzenden, Wagen des Festzugsausschusses, Kriegerverem, Reitergruppe des Kriegervereins, Kgl. Gymnasium, Gartenbauverein (Blumenauto), St. Josephsvcrein (Verein katb. Arbeiter), Jünglingsoer- ein der Stadtpsarrei; 2. Abteilung: Musikkorps (Kapelle Bioneck), Gardeverein, Fuldaer Fußballverein (Bürgcrgarde), Jünglingsverein der Dompfarrei, Postunterbeamtxnverein, Kgl. Lehrerseminar, Gesellenverein lFestwagen), Schützenverein 1834, Evangelischer Männerverein; 3. Abteilung: Tarn- bonrkorps (Dompfarrl. Jünglingsverein), Musikkorps (Feuerwehrkapelle), Kriegerkameradschaft, Turngemeinde (Festwagen), Oberrealschule, Jünglinasver- eine, Eisenbahnverein, Evangel. Arbeiterverein, Turn- und Fechtklub (Festwagcn), Israelitische Gemeinde; 4. Abteilung: Musikkorps (Stadtkapelle), Win- fridia, Mcisterverein (Festwagen), Buchonia, Bäckerinnung (Wagen), Kraft- und Sportklubs. — Die ; Zugordner tragen eine weiß-grüne Rosette.
Nach Eintreffen des Festzuges im Schloßgarten wird hier oder im Stadtsaal die F e st r e d e gehalten, der ein Patriotisches Konzert durch das gesamte Trompetcrkorps des hiesigen Feldartillerie-Regiments folgt. Abwechselnd werden ferner der Männergefang- verein Winfridia und der evangelische Arbeiterverein patriotische Lieder, teilweise mit Musikbegleitung, vortragen. Auf dem Rondell des Schloßparcks führen die T u r n g e nt e i n ö e und der Turn- und Fechlklub Fahnenreigen auf: sie werden abgelöst von dem Athletenklub Vi k t o r i a und dem Kraftfportklub Germania, die Musterriegen stellen.
Am abend ist große Beleuchtung des Schlotzgartens und des Schlosses (von dem Anzünden von .Pechpfannen auf dem Schloßturm wurde der Feuersgefahr wegen abgesehen), währenddessen werden turnerische Aufführungen: Schwingen mit elcftr. beleuchteten Keulen und Leiterphramiden, sowie Reigen-Aufführungen der einzelnen Jugend- Vereine stattfinden. Der Anmarsch derselben geschieht mit dem Trommler- und Pfeiferkorps der Jünglingsvereine. Sie stellen — mit Lampions — das eiserne Kreuz mit der Jahreszahl 1813 und den I Namenszug W II dar. Während der Aufführungen der Jugendvereine spielt die Kapelle des Jünglings-
V Druck der zuldaer Actievdruckerri in zulda.