3. Blatt
Vrick tat .Wlaet Ztiitnttetttti t« Se!6t.
* $utoaer Zeitung» *$• »amstag 14. Juni 1913.
wocheN'Rundfchau.
[:] Sulba, 13. Jmn 1913.
Die nicht gerade erhebliche Erregung, die dje preußischen Landlagswahlen begleitete, hat sich schnell gelegt, und die Politik im Reiche dreht sich wieder um ihre diesjährige Achse, die Wehr- und Deckungsvorlagen. Das Plenum des Reichstags hat zu Beginn dieser Woche die 2. Lesung der Wehrvorlage ausgenommen, nicht ohne daß vorher die Fraktionen des Zentrums, der Konservativen und der Reichspartei strikte Erklärungen abgaben, daß für sie die Wehrvorlage nur dann annehmbar fei, wenn gleichzeitig über die Lösung der Deckungsfrage Klarheit geschaffen sein würde. Gegenwärtig arbeiten die Parteien unter der Hand an einer Verständigung über die Steuervorlagen.
In Ungarn hat das Ministerium Lukacz demissioniert, nachdem der Budapester Gerichtshof den Abg. Desh, der den Ministerpräsidenten als den größten Panamisten" bezeichnet hatte und deswegen von Lukacs wegen Verleumdung verklagt worden war, freigesprochen hatte. Es wurde erwiesen, daß Banken, die mit der Regierung in Geschäftsverbindung standen, für den Wahlfond der Regierungspartei Millionen hrrgaben. Es kam im ungarischen Abgeordnetenhause zu derartigen Tumultszenen, daß die neue Parlamentswache tätlich eingreifen mußte. Mit der neuen Kabinettsbildung wurde Gras Tisza, der vielgehaßte, starke Mann, betraut. Ob die Regierung damit einen guten Griff gemacht hat, ist zweifelhaft, zumal nicht unbekannt ist, daß auch der Erzherzog Thronfolger der Kandidatur Tisza ablehnend gegenüberstand. Jedenfalls ist eine gründliche Systemverbesserung der ungarischen Regierung nötig, damit im Lande wieder das Vertrauen wächst und auch im Abgeordnetenhause Zustände geschaffen werden, die im Einklang mit der Verfassung solche sehr bedenk- liche, ungesunde Erscheinungen unmöglich machen.
In Frankreich arbeitet die patriotische Agitation für die Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit mit Hochdruck, und es ist zu erwarten, daß die Vorlage, obwohl sie im Lande wenig populär ist, vom Parlament noch vor den Ferien angenommen wird. Die Demonstrationen gegen die dreijährige Dienstzeit dauern fort und es war nicht ungeschickt von den Befürwortern der Militärvorlage arrangiert, die nicht mehr zugkräftige neue deutsche Militärvorlage durch die sensationelle Parole zu ersetzen, daß Rußland die französische Militärvorlage förmlich verlange und im Weigerungsfälle mit der Auflösung der Allianz drohe. Herr Barthou wird zweifellos in der Kammer einen Sieg erringen, aber e§ wird ein Phyrrussieg sein, der ihn fernes Ministerpostens berauben wird.
Das Schmerzenskind Europas bleibt nach wie vor der Balkan. Die feindlichen Brüder, die vor eini- gen Monden in einem bombastisch als modernisierten Kreuzzug erklärten Bündnisse gegen den mohameda- nischen Feind ausgerückt waren, zeigten allmählich immer deutlicher ihr wahres Gesicht. Nachdem jetzt der Präliminarfriede geschloffen, bereiteten sie sich vor, über einander herzufallen, da keiner dem anderen etwas gönnt. Man berichtet die sensationellsten Dinge, wie sich die Griechen und Serben nach Konstantinopel und Bukarest wandten, um mit deren Hilfe das stark gewordene Bulgarien unterzukriegen oder vielleicht gar zu vernichten. Aber während so die Balkanlöwen zähnefletschend und mit gesträubten Mienen einander gegenüberstanden, sprungbereit, fauchend und knurrend, reckte der Schirmherr der Slavenwelt, der Zar von Rußland, den Fin- ger empor und siehe da, die eben noch so grimmigen Gegner drucken sich scheu und schmiegen sich einträchtig zu den Füßen des Zaren. Er hat den beiden Königen von Bulgarien und Serbien energisch zum Frieden geraten und ihnen deutlich angedroht, daß er im Falle eines neuen Balkankrieges auch ein Wörtchen mitsprechen werde Das hat gewirkt. Für den Zaren muß es eine große Genugtuung sein, so fügsame Schützlinge zu haben wie Serbien und Bulgarien. Wenn man sich erinnert, welch herausfordern, den Trotz Serbien Oesterreich-Ungarn gegenüber monate- und jahrelang bewiesen und wie willfährig es sich jetzt Rußland gegenüber zeigt, wirkt die neueste Wendung in der Balkankrise um so drastischer. In Wien dürfte man sich darüber manch schwere Gedanken machen, denn der Vorgang beweist, dafi Rußland noch immer schier allmächtig auf dem Balkan ist. Sonst aber kann man sich nur freuen, daß eine neue Krise in diesem an Krisen überreichen Jabre unblutig verlaufen will Was allerdings im Schoß der weitern Zukunft verborgen liegt, das weiß nicht einmal der Zar.
In der Liquidationsmasse der niedergerungenen Türkei sieht es natürlich recht kunterbunt aus. Die Jungtürken, welche doch eigentlich im Grunde genommen mit ihren unverdauten Reformen und utopistischen Idealen den Sturz ihres Vaterlandes veranlaßt hatten, haben zur Zeit wieder die Oberhand und regieren wahrhaft drakonisch: man hört nichts als von Verbannungen und Verhaftungen, da man alle Nebenbuhler und Rächer beseitigen zu müssen glaubt, um keine Rechenschaft für die manchmal geradezu skrupellose Politik abgeben zu müssen. Die Reaktion ist nicht ausgeblieben: einer ihrer fähigsten Männer, der Großwesir und Krieasminister Mahmud Schefket Pascha ist vor einigen Tagen durch Mörder band gefallen Das Verbrechen ist offenbar auf alttürkische Kreise zurückzuführen, die das jung- türkische Regiment für den Niedergang des Vater- landes verantwortlich machen.
An der Nordküste Afrikas gärt es wieder ganz bedenklich. Sowohl im spanischen wie im französischen Marokko dauern die Kämpfe mit den Eingeborenen fast ununterbrochen fort, ohne zu einem greifbaren Ergebnis geführt zu haben. Es wird noch mancher Tropfen Blut stießen müssen, um die Ruhe einigermaßen wieder herzustellen.
Zwischen den Vereinigten Staaten und Japan ist es zu einer Einigung noch nicht gekom- men. Japan verhandelt jetzt direkt mit Kalifornien, weil die Verfassung der Vereinigten Staaten den einzelnen Bundesstaaten eine so weitgehende Selbstständigkeit einräumt, daß der Präsident der Union auf die Entschließungen Kaliforniens in dieser akuten Fraae einen Einstuß nicht ausuben kann.
In Australien haben d>e Wahlen zum Vir- lament und Bundessenat eine Verschiebung der Parteien zugunsten der Liberalen -"'olge gehabt und eine Aenderung der bisherigen Politik.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 13. Juni 1913.
& DaS Gesetz zur Einführung des Gesetz'? über den iUnterstützungSwohnsitz im Königreich Bayern wird inetfter iund mb et itr Leluua auarnoovnen. — Dlsvann wird btt
zweite Lesung der Wehrvorlag« fortgefetzt.
Abg. Racken (Ztr.): In den letzten Tagen baden führende Herren aus den bürgerlichen Parteien Anlaß genommen, Stellung zur Deckungsfiage zu nehmen. Ich folge den Herren nicht, weil unsere Stellung in dieser hochbedeutsamen Frag» bekannt ist. Dr. Spahn hat vor einigen Tagen unteren Standpunkt im Namen der Irak, tion präzisiert: Keine Ausgaben ohne Deckung. Wir begrüben aber die Er! lärmigen der Herren nu8 den bürgerlichen Parteien, die dahin gingen, daß sie bereit sind, an der Deckungstrage einmütig mitzuarbeiten. Wir sind der Ansicht, daß bei gutem Willen eine Einigung der bürgerlichen Parteien wohl möglich isi. (Hört! hört.' und Sehr richtig!) Wo »in Wille ist, da ist auch ein Weg. Auch wir sind zur Mitarbeit bereit, um dieses hochbedeutsam» notwendig» nationale Werk zu fördern. Hört! hört! und Sehr richtig!) Der Reichskanzler sprach sich dahin au8, daß di« Verabschiedung der Wehrvorlage abiolut geboten sei, nicht minder aber auch die gleichzeitige Erledigung der gesamten Deckungsfrage. ^Widerspruch) Der Reichskanzler hält bei Annahme der Militärvorlage ohne gleichzeitige Schaffung der Einnahmen die Militärvorlage für undurchführbar lSehr richtig! und Widerspruch> und sieht die'» Bewilligung nur als «in« „papierne" an. Der Herr Reichskanzler hält somit di« Verabschiedung der Militärvorlage und der Deckung für eine einheitliche Forderung (Sehr richtig! im Zent, um und Widerspruch links, für die nötigenfalls auch er kämp en will. In diesem Sinne arbeiten und färnnfen wir mit der Regierung Wir sind bereit, die Maßnahmen zum Schuhe unseres Vaterlandes dem Reiche nicht vorzuenthalten. Wir haben in der Kommission auch eine Reihe von Resolutionen angenommen, im ganzen 24. Allen bür. geglichen Parteien ist es ernst mit diesen Resolutionen. Mr haben das Vertrauen zur Militärverwaltung, daß sie diese Wünsche deS Reichstages respektieren wird. In dem Augenblick, wo das deutsche Volk so große Opfer bringen mutz, die allerdings notwendig sind, müssen auch die Wünsche und Beschwerden des Volkes Beachtung finden. Der Kriegsminister hat ja entgegenkommend erklärt, daß die meisten Resolutionen ohne weiteres annehmbar seien und daß, soweit sich ihre Brauchbarkeit erweist, möglichst erfüllt werden Jollen. Wir sind ihm dafür dankbar, und wir rechnen darauf, daß die Zusage auch gehalten wird. Der Inhalt der Resolutionen ist vielfach so bedeutsam, daß es sich wohl lohnt, auf den Gang der Verhandlungen der Kom. Mission darüber einzugehen. Es sind dies unter an- berent die Dienstaufwandsentschädigungen für die Familien der Einberufenen und namhafte Summen für kostenfreie Heimreise der Soldaten und Unteroffiziere. Die wichtigste Forderung ist wohl die, daß nur wirklich Militärtaugliche eingestellt werden. Die Bedenken, die in der Beziehung geäußert wurden, wurden ja durch das von der Militärverwaltung beigebrachte, statistische und andere Material völlig beseitigt. Trotzdem hat die Kommission eS für not. wendig gehalten, zu betonen, daß unter keinen Umstän- den die Anforderungen an die Militärtauglichkeit gemildert werden. Wir haben ferner die Einberufung der Mannschaften deS Beurlaubtenstandes im Winter beantragt. Das bedeutet eine große Erleichterung für das Land. Wir wünschen in einer Resolution, daß durch möglichst schonendes Verhalten der Aus. Hebungsbehörden auf besondere bürgerliche Verhältnisse, so, wenn es sich um den einzigen Er. nährer usw. handelt, Bedacht genommen werde. Dann sind wir eingetreten für ein weitgehendes Entgegenkommen bezüglich Erteilung von Urlaub, der bei guter Führung und genügender Ausbildung jährlich 4 Wochen betragen soll und für die berittenen Mannschaften bei der längeren Dienstzeit noch erhöht werden soll. Für die Unteroffiziere und Militäran. Wärter haben wir gesorgt und durch unsere Resolution die Dienst Prämie nach ILjähriger aktiver Dienst- ?eit zu erhöhen gestrebt. In einer weiteren Resolution ordern wir, daß das Mannschaf tsversorgungS. gesetz von den Gemeinden auch richtig durchgeführt wird. Die Berechtigung der von unS beantragten Re. solutionen hat die Verwaltung in der Kommission mehrfach prinzipiell anerkannt, ihre Durchführbarkeit im Einzelnen muß natürlich geprüft werden. Ein wichtiger Wunsch ist, daß auch der Train voll leistungS. fähig erhalten wird. Die Armee hat kein Interesse, daß in diese Waffe der Mißmut einzieht. Dasselbe gilt für unser Unteroffizierkorps. Auch die christliche CaritaS soll im Heere zur Geltung kommen, ihre Aufgaben werden bei einem Kriege der modernen Mil. lionenheere unendlich groß sein. Wir sprechen ferner angesichts der großen Lasten die bestimmte Erwartung aus, daß eine möglichst große Sparsamkeit er. strebt wird. Nur die Kriegstüchtigkeit deS Heeres hat im Vordergrund zu stehen. Alles Parademachen und der Luxus ist möglichst zu beschränken. Di- Militärverwaltung soll auch nicht vergessen, daß fi- in ihren Betrieben soziale Pflichten zu erfüllen hat; sie möge nach den Wünschen, die wir ausgesprochen haben, für ihre Arbeiter sorgen. Bei Vergebung der Lieferungen seitens der Militärverwaltung müssen solche Arbeitgeber den Vorzug erhalten, die das natürlichste Menschenrecht, nämlich das K oa lit ion s r e ch t der Arbeiter, unangetastet lassen. Der Staat hat aber darauf zu achten, daß die Billigkeit des Preises nicht auf Kosten des Verdienstes der Arbeiter erkauft werden darf. Es ist anzuerkennen, daß schon jetzt eine Kontrolle ausgeübt wird, daß keine Lieferungen an Firmen der- geben werden, die nicht wenigstens den ortsüblichen Tage lohn an ihre Arbeiter zahlen. Im Sinne der von uns beantragten Resolution sollte noch ein Stück weitergegangen werden. Weiter möchte ich wünschen, daß die nötige Beschaffung des Kriegsmaterials tunlichst durch reichseigene Institute erfolgt, und daß in erster Linie die ortsangesessenen Gewerbe- treibenden berücksichtigt werden. Wir erwarten unter allen Umständen, daß die in unfern Resolutionen nieder- geigten Wünsche und Forderungen berücksichtigt werden, da daS Volk sonst sehr enttäuscht sein würde. Anderer. seitS würde durch die Erfüllung dieser Forderungen ein Gefühl hoher Freude und Genugtuung und Zufrieden, beit, die nicht zu unterschätzen ist, im ganzen Volke auS. gelöst werden. lLebb. Beif. im Zentrums
Abg. Rogalla v. Bieberstein skons.s: Entgegen der hier ausgesprochenen Ansicht, die Deckungsvorlagen hätten zeitig und sachlich hinter der Wehrvorlage zurück, zutreten, sind wir der Ansicht, daß der Reichskanzler auch mit Entschiedenheit und mit denselben Konseguen- zen gefordert bat, daß die Verabschiedung der Webr. und Deckungsvorlagen gleichzeitig eintritt. ES ist nicht richtig, daß wir mit Obstruktion gedroht haben, wenn die Deckungsvorlage nicht in unferm Sinne erledigt werde. Ich hoffe, daß der Reichskanzler und der Kriegsminister in ihrer Forderung betreffs der Kavallerieregimenter fest bleiben. Als Vertre. ter Ostpreußens, einer Grenzprovinz, habe ich diese Forderung unbedingt zu unterstützen.
Abg. Marti« (Rp.): Im Interesse meiner oberschle. fischen Wähler werde ich mich uni ganzer Energie für die Wiederherstellung der Forderung auf sechs Regt, menter einsetzen. Tas oberschlesische Gebiet in einer Größe des Königreichs Sachsen entbehrt fast gänzlich des militärischen Schutzes.
Abg. Frhr. v. Gamp (Rpi.): Auch nach meiner An- ficht ist für Ostpreußen die Kavallerie von größter Be- deutung. Dazu kommt, daß für den Kriegsfall tue ost. preußischen Garnisonen sehr bald aus der Provinz entführt werden. Das für die Viehzucht für ganz Deutschland hochwichtige Gebiet würde schwer leiden.
Kriegsminister v. Heeringen: Der Gedankengang der letzten beiden Redner ist durchaus richtig. Die Heeresverwaltung ist sich durchaus ihrer Pflicht bewußt, den deutschen Boden zu schützen. Das Resultat ist die Vorlage. Geben Sie uns die Mittel, unsere Pflicht in vollem Umfange zu erfüllen. Darum bitte ich den hohen Reichstag (SBe«(aU recküsü
Abg. Sietotng svp.): Wir bewilligen die Vorlage nur dem Volke zuliebe. Man tut so, als ob ohne die drei Kavallerieregimenter — nichts bewilligt würde, während doch so sehr viel bewilligt wird! Die Kavallerie hat heute nicht mehr die Bedeutung für den Angriff wie früher, und wenn wir sie bewilligen, wtffen wir doch gar nicht, ob sie nach Ostpreußen kommt; die Gar. nifon bestimmt der Kaiser. Der Redner fragt den Kriegsminister, ob denn so wesentliche Verschiebungen bei unseren westlichen und östlichen Nachbarn stattgefunden hätten, daß man gerade 6 Regimenter fordere.
Kriegsminister v. Heeringen bedauert, auf die Frage, die in der Kommission eingehend beantwortet worden ist, in der Oesfentlichkeit nicht eingehen zu können. Jedenfalls seien die 6 Regimenter durchaus notig.
Die Diskussion über Artikel 1 schließt. ES wird abgestimmt und zwar zunächst über die die
Kavallerieregimenter
betreffenden Anträge.
Der konservative Antrag auf Bewilligung oon acht Kavallerieregimenter wird mit 302 gegen 67 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt.
Der nationalliberale Antrag auf Schaffung sechs neuer Kava llerieregimenter, der also die Regieru igS. Vorlage wiederherstellen will, wird mit 203 gegen 159 Stimmen bei sechs Stimmenthaltungen abgelehnt.
Abg. Lrdebour (Soz.) ruft: Auflösen!
Vizepräsident Dove: Die Auslösung wird hier nicht entschieden!
Die KommisstonSsassung wird darauf a n. genommen. (Es werden also nur drei Kavallerieregimenter und die sonstigen Etatsverstärkungen und Neuformationen angenommen.)
Dann wird über die Resolutionen abgestimmt. Die Resolution, die Uebungszeit so zu legen, daß bte Einberufenen bie Möglichkeit haben, an den Wahlen zum Reichstag und zum Landtag teilzunehmen, rottb abgelehnt. — Angenommen werden Resolutionen, rn denen gefordert wird, daß n u r Volltaug'iche ausgehoben werden dürfen, daß infolge der oü'gerlicben Verhältnisse Befreiungen vom aktiven Heeresdienst in der bisherigen rücksichtsvollen Weise zu erfolgen haben und daß die Beurlaubten möglichst nur tut Winter ein. berufen werden, ein jährlicher Urlaub von vier Wochen möglichst in der Erntezeit bewilligt wird. Eben, so werden angenommen die Resolutionen auf Hebung deS TrainS, Unterstützung von Familien der Angehörigen des Beurlaubtenstandes, Hebung der Schießfertigkeit, betr. M i l i tä r a n w ä r t er, Ein. schränkung der militärischen Kosten durch einhe11. liche Uniformen, Beschränkung der Ossizierspen. sionierungen, Beseitigung des Parademaß l. gen und des Luxus, auf Hebung der fteiwilligen Krankenpflege, betr. Koalitionsfreiheit und Lohnver. hältnisse der Arbeiter bei den Militärlieferanten und Berücksichtigung des ortsansässigen Gewerbes bei Vergebung von Militärlieferungen.
Die Sozialdemokraten beantragen Einführung der einjährigen Dienstzeit nnd Beseitigung bei Vorrechte der Einjährig - Freiwilligen. Mil zur Debatte stehen die Resolutionen der Budgettommission betreffenb Reformen des etniähng.fieirotQigen D ensteS unb bte der Forltchrittlichen VUkspartei betreffend Erleichterung und Ävküizung der Dienst,eil, sowie Erteilung des Em- jährigen-Zeugniffes an oute Turner.
Vlbg. Dr. Gradnauer <Soz ): Mil Resolutionen allein ist nichts getan. Wir verlangen bei de" groben Opfern zur Entspannung der internationalen Lage eine Berlür. ,ung der Dienstzeit. Die Regierung wüte sich mit ben anbeten D ächt.n in Verbindung setzen. Damit würde bas Mißtrauen gegen Deutschland 'chwinden. AuS den Ausführungen des Kriegsminifters kann man bte Schlutz- lolgetung ziehen, baß die Dienstzeit herabgesetzt werden kann. Durch Beseitigung des überflüisigen Drills würden auch die Soldalenmißhandlungea verschwinden. Daß das Militär bei Streiks, angeblich zur Aufrechterhaltung der Ordnung, verwendet wird, ist eine Schmach und Schaube. DaS Einjährig - Freiwilligen - Privileg sollte nach dem Vorbild anderer Staaten beseitigt werden.
Samstag: Weiterberatung.
Ausland.
** Eine belgische Finanzreform. In der belgi- scheu Kammer unterbreitete der Finanzminister Levie den bereits vor längerer Zeit angekündigten Finanzreformentwurf. Der Finanzminister berechnet die jährlich wiederkehrenden Kosten der Heeresreform auf etwa 47 Millionen Franken und schlägt der Kammer vor, eine Steuer auf die Dividenden gewisser Aktiengesellschaften zu erheben, deren Ergebnis er aus 7 bis 9 Millionen Franken schätzt; außerdem eine Taxe auf ?! uto mobile von 12 Franken pro Pferdekrast. deren Ergebnis etwa 2 bis 2i/> Millionen Franken bringen soll. An dritter Stelle schlägt er eine Besteuerung der Kinematographeu mit einem Ergebnis von 250 000 bis 350 000 Franken vor. Außerdem soll die Erbschaftssteuer durch schärfere Ueberwachunq zu einem gxößern Ergebnis gebracht werden, das der Finanzminister auf 171/, bis 23 Millionen Franken schätzt. In letzter Linie schlägt er die Umänderung der Besteuerung des Alkohols vor und setzt dessen Ergebnis auf 3/s Millionen Franken fest. Das Verhalten der Linken in der Kammer ließ erkennen, daß die Finanzreform in ihrer gegenwärtigen Gestaltung keine Unterstützung durch sie finden wird.
** Ulster in Waffen. Unter diesem Titel veröffentlicht die Londoner Zeitung „Daily Telegraph" einen langen Aufsatz seines nach Belfast entsandten Berichterstatters, der Anhaltspunkte dafür liefert, was in Irland die kommende katholische Regierung von der fanatischen protestantischen Minderheit zu erwarten hat. Der Berichterstatter behauptet, daß die ärgsten Feinde der Homerule gerade Leute seien, die sich nie mit Politik beschäftigt hätten, womit er also zugibt, daß es sich um eine konfessionelle Hetze gegen die Katholiken handelt. Dann wird die Organisation des Widerstandes in der Provinz Ulster mit einer Selbstverständlichkeit beschrieben, die direkt etwas Erschreckendes an sich hat. Es wird gepriesen, daß die „Armee des Widerstandes" ganz auf demokratischer Grundlage aufgebaut sei, und daß in keiner europäischen Armee so wenig nach Standesunrer'chied gesehen werde. Um zu zeigen wie demokratisch die Armee von verhetzten Leuten sei, erwähnt der Berichterstatter den Fall, daß ein junger Kaufmann Offizier des Melderetterdienstes ist, in dem sich viele junge Aristokraten als gewöhnliche Reiter befinden. Das betreffende Korps besteht aus etwa 500 Mann, die mit Scheinwerfern, drahtloser Telegraphie zu operieren wissen, als seien es geschulte Soldaten des Reiches. Dabei gelte ihre Kriegstüchtigkeit „nur" der Abwehr der katholischen Regierung. Offenherzig wird auch erzählt, daß diese Meldereiter mit Schottland drahtlofe Verbindung unterhalten, damit zur geeigneten Zeit Hülfe von Schottland erbeten werden kann. Aus dem Aufsatz erfährt man auch einen Teil des Ulster Convenant, des religiösen Schwurs, den die Orangemen in der Kirche abgelegt haben, nämlich „alle Mittel anzuwenden, die als notwendig erachtet werden, um die jetzige Verschwörung mit dem Ziele einer Homerule-Reaieruna in Dublir
zu vernichten". Die offen vor aller Welt im englischen Parlament vor sich gehende Entknechtung Irlands wird von diesen frechen, tyrannischen Fanatikern also als „Verschwörung" bezeichnet. Das Schlußkapitel der Mitteilungen des Daily Telegraph setzen wir vollständig hierher, well es guten Aufschluß über das Kommende gibt.
Die Vorbereitung bet Oegenreoolu ton (bie gesetzmäßige Einführung bet Homerule, bet Selbstverwaltung, wirb von biefer unbulblatnen Minderheit alfo als Revolution bezeichnet) geht mit einer Einmütigkeit unb einet georbneten Energie vor Reh, baß sie zu ben bemerkens, wertesten politischen Ereignissen der Jetztzeit gezählt werben muß. Die OlD Town Hall in Belfast ist bas Zentrum ber Bewegung Dort befinbet sich bas Hmpt- guartier be8 Ulster Unionist Council, tn bem jede unwnistifche O' ganisatioon des Landes vertreten ist. Das Council kontrolliert bie ganze Bewegung. Die untoninilchen Methoden der Organisation des Widerstandes sind rein militärisch und haben günstige Wirkung auf bte militärische Schulung überhaupt. Man findet in diefemGebäube auchbatzHauptguarlier der freimaureiychen Crange Logen, bte mehr aut religiöser Basis fußen, aber auch an der Organisation der Widerstandsbewegung arbeiten. DaS Ulster Warnens Council, eine Fiauen- organitation organisiert bereits den Verwundeten- und Krankendtenst für die Zeit der Gegenrevolution. Wenn die Stunde des aktiven Eing> eilens gelommen ist, wird es ben Ul'leimen auch nicht an Gelb fehlen.
Daß es die fanatisierten Ulstermen wirklich ernster meinen, als die Regierung es in ihrem Optimismus glaubt, geht auch aus der ükrzlich gemeldeten Beschlagnahmung von Waffen hervor, die in 3)orf Dock erfolgte. Die Beschlagnahmung kommt etwas reichlich spät, denn nach dem Daily Telegraph sind bereits Tausende der gleichen Waffen nach der Provinz Ulster ein geführt worden. Die Gewehre wurden auf Grund des Angebotes von sechs Waffen, firmen des Kontinents ausgewählt. Die irischen Katholiken werden — man gewinnt immer mehr die Ueberzeuqung — den endlichen Wiedergewinn ihrer Jahrhunderte lang mit Füßen getretenen Freiheit nicht ohne Blut erkaufen können
vermischtes.
* Die Suche nach versunkenen Schätzen. Die Arbeiten, die mit der britischen Fregatte „Ltttine" gegenüber von Terschelling, Holland, versunkenen Gold- und Silberschätze im Werte von über zwanzig Mil- liotten Mark zu heben, scheinen in diesem Sommer mit Erfolg gekrönt zu werden. Der Bergedamvfer „Lyons" hat seit dem letzten Monat die Arbeit fortgesetzt, die bereits ermutigende Ergebnisse hatte. Eint größere Anzahl von Gold- und Silbermünzen, viel« kupferne Nägel, eine Kiste mit Kupfer und ungefähr 25 Tonnen Trümmer vom Bug des Schiffes sind bereits gehoben worden. Man glaubt, noch weitere 75 Tonnen Wrackteile fortschaffen zu müssen, ehe man auf die Kammer der Fregatte, die die Gold- und Silberschätze enthält, stoßen dürfte. Es ist dies das dritte Jahr, daß der Bergedamvfer hinter den Schätzen der „Lutine" her ist. Mächtige Saugepumpen schaffen den Sand weg, der das britische Schiff be- deckt, und machen so den Tauchern den Weg zu den Schätzen frei. Es sind jetzt mehr als hundert Jahre ber, als die „Lutine" Darmouth auf dem Wege nach Holland verließ mit ungefähr Lstr. 1100 000 Gold und Silber an Bord Das Geld sollte teilweise zm Löhnung für die britischen Truppen in den Niederlanden dienen und der Rest war für verschiedene Bankhäuser bestimmt. Am Tage nach ihrer Abreise scheiterte die Fregatte gegenüber der Insel Vlieland und alle Mann an Bord ertranken. Schon häufig wurde der Versuch gemacht, die Schätze zu heben, und einige Gold- und Silberbarren wurden auch schon zu- tage gefördert, aber mehr als eine Million Pfund Sterling liegt noch begraben.
* Zehn Millionen Passagiere. Dieser Tage bat mit dem Dampfer „George Washington" der zehnmillionste Neberfeepassagier des Norddeutschen Lloyd die Reife über den Ozean angetreten. Der außerordentlich starke Andrang von Auswanderer bat den Norddenffchen Lloyd die Beförderung des zehnmillionsten Passagiers eher erreichen lassen, als noch vor Jahresfrist w erwarten war. Mit dem Abfchlnh des Jahres 1912 stieg die Ziffer der bom Norddeutschen Llovd überseeisch beförderten Passaaiere auf 9 745 728, sie ist dann im Laufe der ersten fünf Monate auf zebn Millionen anaewachsen, und hat damit eine Ziffer erreicht, die van keiner anderen Reederei bisher auch nur annähernd erzielt ist. Der Passagier, guf den die zehnmillirmste Fahrkarte ae^llen ist, heißt Ferencz Dafiily; er stammt aus dem Orte Le- lefz in Ungarn, unh wnftw seine Reife im Zwischendeck alttreten, um sich bereits tum zweiten Male in der neuen Welt lohnenden Verdienst zu suchen. Durch Zufall ist er nun der Geaenstand besonderer Ehrungen geworden. Der Norddeutsche Llabd hat seinem zehnmilssonsten Passagier eine besondere Vwasinsti, gung dadurch zuteil werden lassen, daß er ihm statt der Heberfahrt im Zwischendeck eine freie Fahrt in ber dritten Klasse geschenkt hat.
ktt-rari^er.
Soeben geht unS daS neueste Heft des 25. Jahr- gange ber illustrierten Familienzeitschrist „Tie katho- lische Welt" (Verlag der Kongregation der Pallottiner in Limburg, Lahn) zu. Das wir über die früher erschienenen Hefte dieser prächtigen Zeitschrift schon sag- ten. trifft auch auf daS Aprilheft zu: Vornehme Ausstattung, welche eine vorzügliche Wiedergabe der Jllu- stralionen ermöglicht, sittlich unanfechtbare Romane, Erzählungen und Skizzen, wirklich packend geschriebene Reiiebeschreibungen und eine originelle Rundschau über die wichtigsten Vorkommnisse in der Welt Lorn Webstuhl der Zeit) zeichnen die „Kathol. Welt" vorteilhaft aus. Das Heft enthält über vierzig Illustrationen, ferner eine schöne Kunstbeilage: „Kreuzabnahme". Nach dem Gemälde von G. Papperitz. Monatlich erscheint ein Heft zum Preise von nur vierzig Pfennig.
Siettame«- uud Auzcr^euteil.
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gesund, munter und geistig frisch sich entwickeln sehen wollen, fo geben Sie ihm Dr. Haemaiogen. Warnung! Man
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